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Josephine Klick - Allein unter Cops (2. Staffel)

Kurzbeschreibung
GeschichteKrimi, Liebesgeschichte / P16 / Gen
Fritz Munro Josephine Klick
25.08.2014
10.09.2015
40
155.144
9
Alle Kapitel
183 Reviews
Dieses Kapitel
8 Reviews
 
26.06.2015 2.344
 
Kapitel 39
 
„Boa, Papa. Die gucken uns schon alle an“, beschwerte sich Benny. Wir verließen gerade den `Dome of Babelsberg´ und Fritz lebte noch immer viel zu laut seinen Triumph gegen mich aus. Drei Mal in Folge waren wir in diesem Ereigniskino gewesen. Mit Laserpistolen bewaffnet wurden wir durch eine dreidimensionale Welt geführt und bekämpften böse Eindringlinge. Widererwartend machte es unglaublich Spaß und zwischen Fritz und mir war ein richtiger Wettstreit entfacht. Dass die erste Runde an mich ging, gefiel ihm nicht sonderlich gut und er bestand auf eine Revanche, die er bekommen sollte. Aber erst in der dritten Runde schaffte er es endlich mich punktemäßig zu schlagen und nun fühlte er sich wie der Tagessieger und benahm sich entsprechend.

Seit der Rückkehr von Benny und Fritz war bereits eine ganze Woche vergangen. Für Benny war es heute der letzte Tag bei seinem Vater. Morgen früh musste Fritz ihn nach dem Frühstück wieder zu Stefanie bringen. Man merkte Benny an, dass es ihm zu schaffen machte. Er benahm sich emotionaler als sonst und wirkte unausgeglichen. Wie schwer musste es für ein Kind sein ständig von dem einen oder anderen Elternteil getrennt zu sein?

Ich ignorierte Fritz, der gerade irgendwas neben mir brabbelte und wandte mich an Benny. Er schien gerade mehr Aufmerksamkeit zu brauchen.
„Wollen wir zum Eisstand und da eine kleine Pause machen?“ Er sah mich mit strahlenden Augen an und augenblicklich zeichnete sich ein Lächeln in seinem Gesicht ab. Ich legte meine Hand auf seine Schulter und wir machten uns auf den Weg.

Fritz protestierte hinter uns, als wir ihn in seinem Siegesrausch stehen ließen und an ihm vorbei gingen. Mit wenigen Laufschritten hatte er uns aber bereits eingeholt. Er passte sich unserem Tempo an und ging einige Schritte wortlos neben mir. Ich konnte sehen, wie er mich von der Seite anblickte, beachtete ihn aber nicht weiter und konzentrierte mich auf Benny, der gerade vorneweg lief. Benny war für den Moment zumindest wieder guter Dinge und steuerte zielorientiert den Eisstand an.

Die Wärme von Fritz spürte ich bereits auf meiner Haut noch bevor er meine Hand ergriff. Ich sah ihn fragend an. Er erwiderte meinen Blick ungewöhnlich zurückhaltend.
„Ist alles klar? Du bist doch nicht sauer, oder?“, fragte er vorsichtig.
„Nein, bin ich nicht“, sagte ich beruhigend und verschränkte meine Finger mit seinen. Dann beugte ich mich dichter zu ihm und fuhr leiser fort. „Aber du merkst doch auch, dass Benny ein wenig angespannt ist, oder? Wir sollten uns mehr auf ihn konzentrieren. Immerhin ist heute sein letzter Tag bei dir.“

Fritz blickte an mir vorbei und beobachtete für einen Moment seinen Sohn. „Das wird wohl das Problem sein“, hörte ich ihn leise murmeln.
„Ist das immer so?“
Fritz sah etwas gequält aus. „Immer wenn er längere Zeit bei mir ist.“

Ich lächelte ihn aufmunternd an und drückte kurz seine Hand etwas fester. „Dann müssen wir uns eben jetzt besonders gut um ihn kümmern und du solltest vielleicht mit Stefanie irgendwann darüber reden. Ihr findet mit Sicherheit eine Lösung dafür.“
Wir sahen beide zu Benny, der weiter vornewegrannte. Erst an der Schlange vom Eisstand hielt er inne und blickte uns ungeduldig an.

„Wollen wir nach dem Eis noch zur Stuntman Show“, fragte Fritz als er neben Benny trat und sich zu ihm vorbeugte. Benny nickte ihm entschlossen zu. Ich sah auf die Uhr. Wir hatten noch zwanzig Minuten bis zur Show.
„Schaffen wir das überhaupt noch?“, fragte ich Fritz skeptisch.
„Müssen wir. Das ist die letzte Show für heute.“

Ich blickte die Schlange vor uns an. Etliche Leute standen dort und es ging nur schleppend voran. An diesem heißen Tag gönnten sich wohl alle eine kleine Abkühlung.
„Fritz? Josephine?“
Ich drehte mich um. Vor uns stand Caroline, die mindestens genauso erstaunt war wie ich. Sie blickte auf die Hand von Fritz, die meine hielt. Vielleicht lag es daran, dass bisher nur Falk von uns wusste, aber mich überfiel Unsicherheit und ganz automatisch versuchte sich meine Hand aus der von Fritz zu lösen. Aber Fritz dachte gar nicht daran mich loszulassen. Sein Griff wurde fester und als ich ihn ansah, traf mich sein warnender Blick. Die Unzufriedenheit stand ihm ins Gesicht geschrieben. Caroline bekam davon wohl nichts mit, da Benny sie gerade umarmte.

"Was macht ihr denn hier?“, fragte Caroline als sich Benny von ihr löste und die beiden sich neben uns stellten.
„Wir wollten uns mit Benny mal Babelsberg ansehen“, entgegnete Fritz und lächelte sie an.
„Was für ein Zufall, dass wir uns hier treffen…“
„Kann man wohl sagen“, murmelte ich halb geistesabwesend. Ich hatte Mühe mich zu konzentrieren. Es war nicht so, dass ich nicht wollte, dass sie davon erfuhren, aber ausgerechnet so? Ich hatte mich mental noch gar nicht darauf eingestellt. Wer konnte denn damit rechnen hier Bekannte anzutreffen? Schon immer hielt ich mein Privatleben lieber unter Verschluss.

Vielleicht war ich aber auch einfach nur egoistisch und ich genoss den Gedanken, dass Fritz und ich etwas teilten, von dem die anderen noch keine Ahnung hatten. Solange niemand etwas wusste, konnten sie auch nicht ihre Meinung darüber äußern. Aber jetzt war es sowieso egal. Es konnte wohl nicht all zu lange dauern bis Caroline es Alex erzählte. Wo war Alex überhaupt?

Fritz kam mir mit der Frage zuvor. „Wo sind denn Alex und deine Mädchen?"
Caroline sah sich etwas suchend um, bevor sie mit den Achseln zuckten. „Keine Ahnung, die wollten sich irgendwie noch was in einem Shop holen… Ich sollte mich schon mal anstellen, weil hier die Schlange vorhin schon so schrecklich lang war, aber eigentlich müssten sie gleich da sein."

Zu wissen, dass Alex ebenfalls jeden Moment hier sein würde, machte mich noch unruhiger, als ich eh schon war. Er und Fritz hatten schon immer eine enge und besondere Beziehung gehabt. Sie waren beinahe wie eine Familie füreinander und mich machte es nervös ihm gleich gegenüber zu stehen. Aber eigentlich war es totaler quatsch. Ich kannte Alex doch schon längst. Ob mir gerade deswegen soviel an seiner Meinung lag? Ich wollte keinen Keil zwischen die beiden treiben. Auf Dauer würde es weder Fritz noch Alex gut tun.

Alex kam mit seinen beiden Töchtern wenig später um die Ecke. Er war bepackt mit etlichen Tüten und hätte diese beinahe fallen lassen als er uns sah. Er blieb nicht stehen, aber sein Schritt wurde langsamer und ich sah wie es in seinem Kopf ratterte. Es dauerte einige Augenblicke bis er die Situation erfasste und mich durchströmte Erleichterung als er uns beide mit hochgezogener Augenbraue schmunzelnd ansah.
„Na ihr beiden, dass ist ja eine Überraschung.“

Bei uns angekommen setzte er die Tüten ab und kam einen Schritt auf mich zu.
„Josephine, schön dich zu sehen“, sagte er sanft und lächelte mich an. „Du scheinst dich ja wirklich gut erholt zu haben.“ Ich war überrascht als er mich zur Begrüßung umarmte. Dieses Mal ließ Fritz meine Hand los, damit ich die Umarmung erwidern konnte.

Das Verhältnis zwischen Alex und mir war seit dem Vorfall in der Lagerhalle anders. Es sagte nie was dazu, aber ich konnte den Respekt in seinen Augen sehen. Seine Dankbarkeit Fritz gerettet zu haben und seine Anerkennung, die ich bis zu diesem Zeitpunkt nur einmal nach der Nacht auf dem Strich kurz erlebt hatte.

Die beiden Männer begrüßten sich herzlich und ich sah wie Alex Fritz vielsagend anblickte. Hatte er schon etwas gewusst oder zumindest geahnt? Es war nichts von seiner anfänglichen Überraschung geblieben. Mich sollte das nicht stören, da er offensichtlich keine Einwände erhob.

Fritz und Alex waren so im Gespräch vertieft, dass sie abseits der Schlange stehen blieben. Ich konnte hören, wie sie tuschelten, verstand aber leider kein Wort.
„Die beiden benehmen sich wie zwei Jungs, die nach den langen Sommerferien erstmal ihre Abenteuer austauschen müssen“, sagte Caroline neben mir. Ich musste lächeln und stimmte ihr zu. Das war es, was das Verhältnis zwischen den beiden so besonders machte. Man glaubte, dass sie sich schon seit Ewigkeiten kannten.
„Seit wann seid ihr beide eigentlich zusammen? Alex hatte mir noch gar nichts davon erzählt.“

„Alex wusste davon auch noch nichts. Es hat sich mit euerm Österreich Urlaub überschnitten. Es sind etwas mehr als zwei Wochen.“
„Ich freu mich für euch. Fritz verdient eine gute Frau.“
Ihre Worte wärmten mich. Ich folgte Carolines Blick und beobachtete wie Alex und Fritz gerade beide lachten. Fritz haute Alex auf die Schulter und erwidert etwas. Erst wirkte er ernst, dann wurde sein Blick aber schelmisch. Ich hätte zu gerne gewusst, was die beiden sich erzählten, aber der Eisverkäufer fragte im nächsten Moment nach meiner Bestellung. Benny bekam sein heiß ersehntes Softeis und für Fritz und mich kaufte ich jeweils zwei Kugeln in der Waffel. Anschließend warteten wir noch auf Caroline und die Mädchen, bevor wir zurück zu den Männern gingen.

Angekommen überreichte ich Fritz sein Eis. Er lächelte mich warm an und legte seinen Arm um meine Hüfte. Unsicher blickte ich kurz zu Alex und Caroline bevor ich meinen Blick dann aber lieber auf die Kinder richtete. Benny hatte mit den beiden Mädchen die Sitzbank eingenommen und sie genossen sichtlich die kleine Leckerei.

***

Wir waren nur kurz zusammen geblieben. Nach der Eis-Pause gingen wir wieder getrennte Wege. Alex wollte mit seiner Familie noch das GZSZ-Set besuchen. Caroline und die beiden Mädchen hatten wohl darauf bestanden.

Wir waren nach der Stuntman Show noch ein wenig in der nachgebauten Westernstadt umhergelaufen. Aber jetzt waren wir alle erschöpft und gingen zum Ausgang.
„Was hast du eigentlich vorhin mit Alex besprochen?“, fragte ich Fritz.
„Montag haben wir eine Teamsitzung bezüglich der neuen Aufteilung der Kollegen. Der Chef weiß zwar, dass du noch zwei Wochen krank bist, aber er lässt fragen, ob du trotzdem teilnehmen kannst.“

Ich sah ihn ungläubig an. „Deswegen hast du so gegrinst und mit Alex gefeixt?“, fragte ich skeptisch.
Sein Mundwinkel zuckte bei meiner Frage. „Nein“, sagte er gedehnt und zog mich enger an sich. „Da ging es um ein anderes Thema.“
„Und das wäre?“

Er sah kurz zu Benny und ich folgte seinem Blick. Benny schien aber im Moment überhaupt nicht zuzuhören. Er blickte zum nachgebauten Vulkan, in dem die Stuntman Show heute Nachmittag gelaufen war.
Fritz beugte sich zu mir vor und flüsterte in mein Ohr: „Er hat mir gratuliert, dich endlich von meinen Vorzügen überzeugt zu haben.“

Die Zweideutigkeit seiner Worte war nicht zu überhören, aber vielleicht war ich auch der einzige Mensch, der die Doppeldeutigkeit seine Worte wahrnahm. Nur allzu gut erinnerte ich mich an seine Vorzüge, die er mir gerade erst gestern Nacht demonstriert hatte. Ein wohliger Schauer durchlief meinen Körper bei der Erinnerung. Ich stellte fest, dass er nicht so prüde war, wie er schien und ich genoss jeden Moment davon.
„Du solltest lieber mit diesen Zweideutigkeiten aufhören, wenn wir Begleitung haben“, sagte ich und boxte ihm auf seinen Brustkorb.

Fritz sah mich gespielt entrüstet an.
„Ich weiß nicht wovon du sprichst.“
Ich schlug ihm erneut auf den Brustkorb und versuchte mich von ihm zu lösen, jedoch war sein Griff zu fest. Fritz lachte auf und drückte mir einen Kuss aufs Haar.
Benny sah uns zwar fragend an, sagte aber nichts weiter. Der Kleine sah völlig erledigt aus. Er konnte sich wohl kaum noch auf den Beinen halten vor Müdigkeit. Wir waren den ganzen Tag in dem Park unterwegs gewesen und auch ich merkte wie erschöpft ich war.

Am Auto angekommen setzte ich mich mit letzter Kraft auf den Beifahrersitz. Durch den Rückspiegel sah ich Benny mit geschlossenen Augen gleichmäßig atmen, bevor wir das Parkgelände verließen.

Wir fuhren eine Weile und ich war auch kurz davor einzuschlafen, als mein Handy vibrierte. Die Nachricht war von meinem Vater. Seine Frage ging mir durch Mark und Bein.
»Der Todestag deiner Mutter nähert sich. Kommst du wenigstens für den Tag nach Hause, damit wir gemeinsam zum Grab gehen?«
Durch die ganzen Ereignisse hatte ich beinahe vergessen, dass der Tag bereits in wenigen Wochen war. Unweigerlich tauchten wieder Bilder von meiner Mutter in meinem Kopf auf. Bisher waren wir jedes Jahr gemeinsam zum Grab gegangen.

„Alles in Ordnung?“
In sah in das besorgte Gesicht von Fritz. Er hatte gleich gemerkt, dass etwas nicht mit mir stimmte. Also erzählte ich ihm was mich gerade beschäftigte.
„Wirst du hinfahren?“
„Ich habe noch nie den Jahrestag verpasst.“
„Dann solltest du ihn auch in diesem Jahr nicht verpassen... Ich begleite dich, wenn dir das hilft. Natürlich nur, wenn du willst.“
„Wirklich?“
„Ich will mich nicht aufdrängen und würde es verstehen, wenn du es mit deinem Vater alleine sein willst. Aber du sollst wissen, dass ich da bin, wenn du mich brauchst.“
Ohne zu zögern kannte ich bereits die Antwort. „Ich wäre wirklich froh, wenn du mitkommst.“

Das Wissen, Fritz an meiner Seite zu haben, beruhigte mich. Für mich war es ein großer Schritt zurück in mein Heimatdorf zu fahren - auch wenn es nur für ein paar Tage war. Ich war Fritz dankbar, dass er es verstand und mich unterstütze.
Ich griff nach seiner Hand, die auf der Gangschaltung lag und drückte sie leicht. Er konnte nicht wissen, wie viel mir sein Angebot bedeutete.

Zuhause angekommen schafften wir Benny gleich ins Badezimmer um ihn für die Nacht fertig zu machen. Eigentlich wollten wir ihn danach gleich ins Bett schicken, aber er weigerte sich und versuchte so lange wie möglich wachzubleiben. Ich machte mich als nächste fertig und gesellte mich dann wieder zu den beiden. Als Fritz wenig später ins Bad ging, legte ich mich mit Benny auf die Couch und es dauerte nicht lange bis er einschlief.

Ich musste wohl selber kurz danach weggedämmert sein, da ich erst wach wurde, als mich Fritz gerade in sein Zimmer trug.
„Bin ich eingeschlafen?“, murmelte ich noch ganz schlaftrunken.
„Ihr beide. Benny liegt schon in seinem Bett.“
„Tut mir leid.“
„Ist okay. Heute war bestimmt anstrengend für dich“, sagte er und legte mich ins Bett. Er deckte mich zu und schlüpfte anschließend selber unter die Decke. Seine Arme umfingen meinen Oberkörper, als er meinen Rücken an seine Brust zog.
„Lass uns schlafen“, sagte er leise und drückte einen Kuss auf meine Schulter. Seine Wärme umhüllte mich und ich ergab mich meiner Müdigkeit.
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