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Josephine Klick - Allein unter Cops (2. Staffel)

Kurzbeschreibung
GeschichteKrimi, Liebesgeschichte / P16 / Gen
Fritz Munro Josephine Klick
25.08.2014
10.09.2015
40
155.144
9
Alle Kapitel
183 Reviews
Dieses Kapitel
5 Reviews
 
22.02.2015 4.699
 
Kapitel 36


„Du brauchst gar nicht so enttäuscht gucken“, begrüßte mich Viktor, als er in mein Zimmer kam.
Es fiel mir schwer ihn anzulächeln. Er hatte Recht. Ich war enttäuscht.

Heute war endlich der Tag meiner Entlassung und eigentlich wollte Fritz mich abholen. Aber da Viktor vor mit stand, musste ich davon ausgehen, dass er abgesagt hatte und das nicht einmal persönlich.
Sein Besuch mit Benny lag beinahe eine ganze Woche zurück. Die Situation zwischen uns war seltsam geendet, trotzdem verstand ich nicht, dass er mich jetzt komplett ignorierte.

Ich hatte ihn die Woche zwei Mal angerufen. Die Gesprächen waren von ihm auf das Nötigste beschränkt worden. Eigentlich sollte ich doch glücklich sein endlich das Krankenhaus verlassen zu dürfen, aber die ganze Situation mit Fritz ließ meine Laune in den Keller sinken. Ich war verwirrt und gleichzeitig verärgert.

Viktor hatte einen leeren Koffer mitgebracht, damit alle meine Sachen Platz fanden. Wir packten gemeinsam alles ein und nachdem ich mich beim Krankenhauspersonal bedankt und verabschiedet hatte machten wir uns auf den Weg nach Hause.

Viktor erzählte unterwegs, dass er heute Abend mit Freunden verabredet sei und ob es ok wäre, wenn er mich alleine ließ.
„Natürlich“, antwortete ich und blickte weiter aus dem Fenster. „Ich bin doch kein Kind mehr.“
„Aber wenn du mich brauchst, bleib ich auch Zuhause.“
„Mach dir keine Sorgen. Geh heute Abend aus. Ich werde sowieso früh ins Bett gehen.“

Ich kurbelte die Fensterscheibe herunter, lehnte mich an die Tür und hielt meine Hand ein Stück hinaus. Eine warme Sommerprise glitt durch meine Finger und wehte mir durchs Haar. Ich schloss meine Augen.
Es fühlte sich gut an. Natürlich verbesserte sich meine Laune nicht sonderlich, aber es beruhigte zumindest mein Gemüt ein wenig. Den Rest der Fahrt schwieg ich und blickte gedankenverloren aus dem Fenster.

Am Gestüt angekommen kommandierte mich Viktor in mein Zimmer und ließ mich nicht beim Tragen helfen.
Ich stockte im Türrahmen, als ich auf meinem Schreibtisch das Verbandszeug und davor den Gymnastikball sah, den mir meine Physiotherapeutin für Übungen Zuhause empfohlen hatte.

„Was ist das alles?“, fragte ich Viktor erstaunt.
Er lächelte mich an. „Das hat dir Fritz heute früh vorbeigebracht. Er war etwas in Eile, wollte aber, dass du für die ersten Tage ordentlich versorgt bist.“
Fritz war hier? Ich sah erstaunt wieder zu meinem Schreibtisch. Er hatte wirklich an alles gedacht. Mich wärmte der Gedanken auch wenn es mich noch immer frustrierte, dass er mir sonst aus dem Weg ging. Dieser Mann machte mich  verrückt. Auf der einen Seite sorgte er dafür, dass ich alles hatte was ich brauchte und auf der anderen Seite mied er mich. Wer sollte da noch mitkommen?

***

„Und es ist wirklich ok für dich, wenn du den ganzen Abend alleine bist? Warum lädst du dir nicht jemanden ein?“, fragte mich mein Vater übers Telefon.
Ich wusste, dass er sich um mich sorgte. Ich hatte noch immer diesen Albtraum von Hannes. Entweder träumte ich davon, wie er Fritz erschoss oder ich erinnerte mich an diesen Moment zurück, in dem ich sein Leben durch eine Kugel beendete.

Ich hatte aus Notwehr gehandelt, aber deswegen fühlte ich mich trotzdem nicht besser. Ich konnte froh sein, dass ich selber so schwer verwundet gewesen war, um nichts weiteres mehr mitzubekommen.

Im Krankenhaus musste ich neben meinen täglichen Untersuchungen und der Physiotherapie ebenfalls Sitzungen beim Psychologen wahrnehmen. Ich konnte verstehen, warum Fritz darüber immer so gestöhnt hatte. Ärzte, die in meinem Kopf rumwühlten, konnte ich noch weniger leiden, als die, die mir verlängerte Bettruhe verschrieben. Die Albträume kamen seltener, waren aber noch immer nicht vollkommen verschwunden. Mein Vater wusste davon.

Es war früher Abend und Viktor war vor einer halben Stunde gefahren. Ich war in den Stall zu Wotan gegangen und sah ihm beim Fressen zu, während ich versuchte meinem Vater weiter zuzuhören. Meine Gedanken schweiften jedoch immer wieder ab zu Fritz. Ich verstand ihn einfach nicht. Er hatte mich nicht angerufen, nicht gefragt, ob ich gut angekommen war, obwohl er aus meinem Zimmer eine halbe Arztpraxis gemacht hatte.

Es fiel mir schwer es zuzugeben, aber ich fühlte mich alleine, fühlte mich unsicher. Es gab so viel, dass ich mit Fritz bereden wollte, aber nicht wusste wie. Was konnte ich tun, damit diese Achterbahnfahrt in meinem Kopf endlich endete? Mir war die Antwort klar und ich musste endlich den Mut dazu aufbringen.

„Josephine? Hallo?“ Die Stimme von meinem Vater drang wieder an mein Ohr. Er hatte mir wohl eine Frage gestellt. „Hast du mir überhaupt zugehört?“
Wenn ich jetzt wieder zögerte, bekäme ich nie meine Antworten von Fritz. „Tut mir leid, Papa. Mir ist gerade eingefallen, dass ich noch was Dringendes erledigen muss. Lass uns morgen telefonieren.“
„Josephine, ich ...“
„Später, ok? Hab dich lieb.“ Ich legte auf und machte mich auf den Weg zu meinem Wagen.

Mein Entschluss stand fest. Ich musste mit Fritz reden. Mein Wagen meinte es heute gut mit mir und sprang ohne weitere Probleme an. Während ich im Krankenhaus lag, hatte Viktor meinen Wagen in die Werkstatt gebracht und mir eine grüne Plakette besorgt. Obwohl er wusste, dass ich mir bald einen neuen Wagen kaufen wollte bestand er darauf. Mein neues Navigationssystem brauchte ich für diese Strecke nicht. Ich kannte den Weg zu Fritz auch so.

Die Ernüchterung folgte schnell, als ich vor seiner Tür stand, er jedoch nicht öffnete. Es war naiv von mir zu glauben, dass er hier sei. Samstagabend – er trank bestimmt mit irgendwelchen Kumpels etwas. Vielleicht traf er sich aber auch mit einer Frau. Diesen Gedanken verdrängte ich augenblicklich.

Ich hätte ihm einfach eine Nachricht schreiben oder ihn anrufen sollen. Aber ich befürchtete, dass er mich ignorieren würde. Zu seiner Wohnung zu fahren hatte mich leider auch nicht sonderlich weitergebracht. Deprimiert stieg ich wieder in mein Auto.

Gerade als ich mich anschnallte, klingelte mein Handy. Ich ließ den Gurt los und wühlte in meiner Jacke. Der Anrufer war nicht Fritz und ich ärgerte mich darüber schon wieder so enttäuscht zu sein.

„Hallo?“, beantwortete ich ein wenig schwermütig den Anruf.
„Freut mich auch von dir zu hören“, entgegnete Falk verwundert. „Ist alles klar bei dir?“
Ich sollte mich zusammenreißen. Er konnte nichts dafür. Ich atmete einmal tief durch, bevor ich etwas freundlicher auf seine Frage einging.

„Tut mir leid, Falk. Ich bin nur ein bisschen müde. War ein lange Tag.“
„Kann ich verstehen. Ich wollte auch nur wissen, ob du gut angekommen bist.“
„Ja, bin ich. Viktor hat mich abgeholt. Danke der Nachfrage.“ Also hatte selbst Falk geschafft mich anzurufen, warum Fritz nicht?
„Sophia wollte morgen Nachmittag mal bei dir vorbeikommen. Wäre das ok?“
„Na klar“, antwortete ich knapp. Es war ja nicht so, dass ich Besuch erwarten konnte von jemand anderem.

„Ich ruf dich vorher noch mal an. Wollte auch noch mit dir wegen der Untersuchung sprechen. Aber du hörst dich erschöpft an. Ruhe dich erst einmal aus, wir telefonieren dann morgen, ok?“
„Ja, ich bin morgen Zuhause. Ruft einfach durch, bevor ihr losfahrt.“

Ich beendete das Gespräch und blickte eine Weile auf mein Handy bis mir ein Anruf in Abwesenheit auffiel und ich in die Anrufer-Chronik sah. Ich erwartete nicht länger, dass dieser Anruf von Fritz sein könnte. Es war Falk, der einige Minuten zuvor versucht hatte mich zu erreichen. Mein Benehmen war wirklich dumm. Ich sollte endlich erwachsen sein und nach Hause fahren.

Einige Einträge tiefer in der Chronik sah ich den Namen von Fritz. Vorgestern hatte ich mit ihm telefoniert. Ich tippte auf seinen Namen und sein Profil erschien im Kontaktbereich. Als ich sein Profilbild sah, musste ich lächeln. Ich erinnerte mich sehr genau an den Abend an dem ich das Foto von ihm gemacht hatte. Meine Finger strichen über sein Gesicht.

Mit zerwühlten Haaren saß er an der Theke, als seine Augen warm in meine Richtung blickten und seine Lippen ein Lächeln andeuteten. Es war der Abend an dem die Untersuchungen gegen ihn eingestellt worden waren, der Abend an dem er mich zum ersten Mal geküsst hatte.

Meine Finger zuckten zurück, als ich plötzlich seine Stimme hörte. „Josephine? Hallo? Ist alles in Ordnung?“
Scheiße. Ich musste auf den Anrufbutton gekommen sein. Ich überlegte einfach aufzulegen, aber er wusste, dass ich es war. Es würde nichts bringen. Also musste ich mir überlegen, was ich ihm sagen sollte.
„Ist alles in Ordnung bei dir?“ Seine Stimme klang ernster, beinahe alarmiert.

Ich stöhnte innerlich, bevor ich mein Handy ans Ohr legte. „Hey Fritz.“
„Josephine...“ Er klang erleichtert meine Stimme zu hören. „Ist alles ok bei dir?“
„Ja. Ich wollte mich nur kurz bedanken für die ganzen Sachen, die du vorbei gebracht hast.“ Ich wusste nicht, was ich ihm sonst übers Telefon sagen konnte. Ich hörte im Hintergrund Musik und viele Stimmen. Er musste mit Freunden feiern sein. Ich fühlte mich so idiotisch. Warum brachte er mich dazu, dass ich mich wie ein pubertierendes Schulmädchen fühlte? „Ich gebe dir natürlich das Geld wieder, sobald wir uns mal wiedersehen.“

„Das ist nicht nötig...“ Sagte er das, weil er mich nicht sehen wollte? Ich hörte im Hintergrund eine Frauenstimme, die nach ihm rief. Meine Hand verkrampfte sich um das Telefon.
„Doch ist es, Fritz.“ Meine Stimme klang selbst für mich tonlos und gebrochen. Ich musste das Telefonat beenden. Meine Hand zitterte und in meinen Augen bildeten sich Tränen, die ich einfach nicht stoppen konnte. Wie lange würde es noch dauern bis meine Stimme versagte?

„Ist mit dir wirklich alles in Ordnung?“, fragte mich Fritz besorgt.
Ich konnte das nicht. Er sollte nicht in so einem sanften Ton mit mir sprechen, wenn er mich dann doch im nächsten Moment wieder auf Abstand hielt.
„Ich bin müde. Lass uns ein anderes Mal reden. Mach dir einen schönen Abend...“

Ich konnte hören, wie er noch meinen Namen sagte, als ich das Telefonat beendete. Ich umklammerte mein Handy fester, als meine Arme zusammen mit meinem Kopf aufs Lenkrad fielen. Ich atmete mit geschlossenen Augen tief durch und versuchte mich wieder zu beruhigen.

Als ich mich aufrichtete steckte ich mein Handy zurück in die Jackentasche und ließ den Motor an. Ich drehte das Radio lauter und versuchte durch die Musik meine Gedanken zu vertreiben. Ich brauchte endlich wieder einen freien Kopf.

Ich verdiente es wohl. Wie lange hatte ich ihn auf Abstand gehalten und warum war ich solange so blind gewesen? Ich konnte nur erahnen wie er sich dabei gefühlt haben musste.
Mir war noch immer nicht bewusst, wie er es geschafft hatte meine Mauer zu durchbrechen. Er hatte mir geholfen Stefan hinter mir zu lassen. Ich sollte dankbar dafür sein... Vielleicht steigerte ich mich nur in etwas rein, aber diese Frauenstimme brachte mich wieder in eine Lage, in der ich mich haltlos fühlte.

Ich war noch nicht bereit wieder nach Hause zu fahren. Also fuhr ich einen Umweg um ein wenig mehr Zeit zu gewinnen. Jedoch musste ich mich auf den Weg nach Hause machen, als mein Tank anzeigte, dass ich bald auf Reserve fuhr. In der Hektik hatte ich mein Geld vergessen und ich wollte nicht irgendwo stehen bleiben.

Ich fuhr auf den Hof und meine Scheinwerfer trafen auf einen Wagen, den ich nicht kannte. Aufmerksamer fuhr ich über den Hof, als ich nach dem Besitzer des Wagens suchte. Ich näherte mich dem Parkplatz vor dem Wohngebäude, als mir jemand von der Eingangstür entgegen kam.

Es war Fritz, der im Scheinwerferlicht auf mich zukam. Ich war total perplex ihn zu sehen. Was macht er hier? Beinahe hätte ich ihn nicht erkannt durch seinen komplett anderen Kleidungsstil. Zum ersten Mal seit wir uns kannten sah ich ihn in einem Anzug - sogar mit Krawatte. Ich zuckte zusammen, als er plötzlich die Autotür aufriss.

„Geht´s dir gut?“, fragte er atemlos.
Sein intensiver Blick verunsicherte mich. „Ja, alles in Ordnung“, sagte ich etwas stockend.
Er betrachtete mich noch einen Moment, bevor er den Rahmen der Autotür losließ und einige Schritte rückwärts ging. Fritz fuhr sich mit einer Hand übers Gesicht und machte einen tiefen Atemzug. Ich schnallte mich ab und stieg aus dem Auto.

„Was machst du hier?“
Seine Kieferknochen arbeiten und er sah angespannt aus. Ich konnte sehen, dass er sauer war.
„Lass so eine Scheiße, Bielefeld“, sagte er in einem drohenden Ton und zeigte mit dem Finger auf mich. Ich war verwirrt und verstand nicht, was ich jetzt schon wieder falsch gemacht hatte.

„Was ist denn los?“
„Ich dachte, dass du mich anrufst, weil du Hilfe brauchst. Und im nächsten Moment legst du einfach auf, ignorierst meine Anrufe und später geht nur noch deine Mailbox ran. Kannst du dir eigentlich vorstellen, wie besorgt ich war, als ich dich nicht mal hier angetroffen habe?“ Er drehte sich von mir weg und atmete erneut einige Male tief durch.

„Tut mir leid“, sagte ich noch immer völlig überrascht. Geistesabwesend holte ich mein Handy aus der Tasche. Es war wirklich aus.
„Es tut dir leid? Es hätte sonst was passiert sein können. Nicht mal Viktor wusste, wo du bist.“

Er hatte sogar Viktor angerufen...? Hatte er sich solche Sorgen gemacht? Mein Kopf fühlte sich plötzlich völlig leer an. „Mein Akku muss ausgegangen sein. Ich war unterwegs und hab nicht auf mein Handy geachtet...“ Als ich den Ausdruck in seinen Augen sah konnte ich nicht weitersprechen. Ich senkte meinen Blick. „Tut mir leid.“

Er hatte den ganzen Weg auf sich genommen, weil er sich Sorgen um mich machte. Ich bekam ein schlechtes Gewissen wegen meinem Anruf. Er war nicht geplant gewesen und ich hatte instinktiv reagiert.

„Ich wollte dich nicht von deiner Feier wegholen.“
Ich konnte sehen, dass er langsam anfing sich wieder zur beruhigen. „Wenn ich dich anrufe, gehst du zukünftig an dein Handy, klar?“
Ich nickte ihm zögernd zu.

***

„Du musst dir keine Sorgen machen, Viktor. Ich bin nur kurz in die Stadt gefahren. Es gab wohl ein Missverständnis zwischen Fritz und mir.“
„Du hast uns einen ganz schönen Schrecken eingejagt, Kleine. Ist er noch bei dir?“

Bei der Frage von Viktor sah ich verstohlen zu Fritz. Er hatte sich gerade einen türkischen Kaffee aufgebrüht und nahm einen Schluck aus der Tasse. Ich senkte meinen Blick, als sich unsere Augen trafen und drehte mich von ihm weg. „Ja, er ist hier“, sagte ich etwas leiser in den Hörer.

„Dann klärt das Missverständnis.“ Viktor sagte das so bedeutungsvoll, als wenn er wusste was vor sich ging.
„Mach dir noch einen schönen Abend“, entgegnete ich knapp und beendete das Gespräch.
Ich ging langsam auf Fritz zu, blieb aber einige Schritte vor ihm stehen und lehnte mich gegen einen der Schränke.
„Du bist dir sicher, dass du keinen Kaffee willst?“, fragte mich Fritz, bevor er einen weiteren Schluck nahm.
„Ja, absolut. Sonst komm ich heute gar nicht mehr zum Schlafen.“

Fritz erwiderte nichts, als er sich gegen die Theke lehnte. Er trank schweigend weiter seinen Kaffee. Ich konnte den Gedanken einfach nicht ausblenden, wie gut ihm dieser Anzug stand und sah ihn immer wieder an.
„Wo warst du überhaupt feiern, dass du so einen Anzug trägst?“ Ich versuchte die Frage beiläufig klingen zu lassen.
„Meine Cousine hat geheiratet. Wir haben gerade draußen frische Luft geschnappt, als du angerufen hast.“

Es war also seine Cousine gewesen? Er hatte sich nicht mit irgendeiner Frau getroffen? Und er war zu mir geeilt, als er glaubte, dass ich Hilfe benötigte. Mich erschütterte die Erleichterung, die mich durchlief, bis ins Mark. Ich war wirklich und wahrhaftig eine Idiotin. Es war Fritz. Was hatte ich erwartet? Ich schloss meine Augen, als ich versuchte meine Gedanken endlich zu ordnen.

„Brauchst du noch was?“, fragte er mich, als er zum Waschbecken ging und die Kaffeetasse ausspülte und säuberte. Als er mich ansah schüttelte ich nur den Kopf.
Er stellte die Tasse ab und nahm sich ein Handtuch um seine Hände zu trocknen.
„Dann werde ich jetzt wieder los“, sagte er, hängte das Handtuch wieder auf und wandte sich von mir ab. Ich wollte ihn aufhalten, wollte nicht, dass er ging.

„Warum gehst du mir aus dem Weg?“ Die Worte verließen meinen Mund, bevor ich überhaupt darüber nachdenken konnte. Ich spannte mich augenblicklich an auch wenn ich froh war, dass ich es endlich ausgesprochen hatte.
Langsam drehte er sich zu mir um. Seine Stirn war in Falten gelegt, als er mich irritiert ansah.

„Tue ich das?“, fragte er in einem erschreckend ruhigen Ton. „Ich bin doch hier oder?“
Offensichtlich wartete er auf eine Antwort von mir, denn er fügte nichts weiter hinzu. Ich nahm all meinen Mut zusammen.
„Du hast dich die ganze Woche nicht blicken lassen.“
„Ich hatte zu tun, Josephine.“
„So viel, dass du mich nicht mal anrufen konntest?“

Ich musste einen Nerv bei ihm getroffen haben, als er mich aufgebracht anblickte und einige Schritte auf mich zumachte. Seine Worte klangen schroff. „Ich versteh dich beim besten Willen nicht. Was willst du eigentlich von mir? Sag´s mir, Bielefeld!“

„Ich will, dass du aufhörst dich von mir zu distanzieren.“
Er sah mich prüfend an, als wenn er nach einer Bedeutung hinter meinen Worten suchte.
„Ich kann mich daran erinnern, dass du mich darum gebeten hast, dass wir Partner bleiben, dass wir wie früher normal zusammenarbeiten können... Vielleicht hast du es nicht bemerkt, aber ich versuche das, ok? Aber das geht nicht von jetzt auf gleich, ich brauch Zeit dafür.“

Ich sah ihn bei seinen Worten irritiert an. „Wie meinst du das?“ Wozu brauchte er mehr Zeit?
„Hast du vergessen, dass du wegen mir angeschossen wurdest? Ich war unkonzentriert, hab mich ablenken lassen und dadurch die Gefahr nicht erkannt. Mir hätte das nicht passieren dürfen. Ich respektiere deinen Wunsch und ich arbeite daran. Aber das klappt nicht von heute auf morgen.“

Mir war noch immer nicht klar, was er mir sagen wollte. Gab er sich etwa Schuld an dem Vorfall? Meinte er kein guter Partner zu sein? Es war alleine meine Entscheidung gewesen die Kugel abzufangen.
Ich konnte in seinem Gesicht erkennen, dass er selber nicht wusste, was er mir sagen wollte. Er kämpfte mit sich und mit seinen Worten.
Meine Brust durchzog eine tiefe Wärme, als sein Verhalten meine Gefühle der letzten Tage spiegelte. Er war genauso zerrissen gewesen wie ich. So viele Missverständnisse hatten sich zwischen uns aufgebaut.

Ich ging auf ihn zu, wollte ihn beruhigen, mich für mein zwiespältiges Verhalten in den letzten Wochen entschuldigen. Ich war noch nie gut mit Worten gewesen, besonders wenn es um meine Gefühle ging und egal wie sehr ich Fritz traute, ich hatte noch immer Angst davor.

„Fritz“, sagte ich sanft, als ich meine Hand auf seinen Oberarm legte. Er sah mich gequält an, bevor er meine Hand abstreifte und Abstand zu mir nahm. Als ich einen Schritt auf ihn zugehen wollte, machte er eine abwehrende Handbewegung und ich hielt inne. Sein ganzer Körper wirkte angespannt, als er seine Hände zu Fäusten ballte.

„Verstehst du es wirklich nicht, Josephine? Ich liebe dich... Ich kann das nicht einfach abstellen. Gib mir Raum um zu atmen... Bis du wieder arbeiten wirst, werde ich mich wohl irgendwie sortiert bekommen.“
Ich konnte nicht glauben, was ich von ihm hörte. Er sprach von Liebe – so offen und ohne Scheu. Ich war darauf nicht vorbereitet und es traf mich tief, vergrub sich fest in meinem Herzen. Ahnte er überhaupt welches Geschenk er mir gerade gemacht hatte?

Er sollte aufhören darüber so viel nachzudenken. Ich für meinen Teil hatte genug davon ständig verwirrt zu sein - ich wollte endlich loslassen.
Ich ging die letzten Schritte auf ihn zu, als meine Hände sanft sein Gesicht umfingen und meine Daumen behutsam über seine Kieferknochen glitten.

Sein Blick hob sich und fing meinen ein. Die Fragen standen in seinen Augen. Ich wollte endlich meine Angst überwinden und ihm antworten. Aber ich wusste nicht was ich ihm sagen sollte. Also glitten meine Finger durch sein Haar und ich zog seinen Kopf zu mir hinunter. Ich beugte mich vor und presse meine Lippen auf seine.
Ich schloss meine Augen und verlor mich in diesem wunderbaren Gefühl. Wie sehr ich diese Nähe, seinen Duft und den Geschmack seiner Haut vermisst hatte.

Er blieb einfach nur stehen, drückte mich nicht weg, aber umfing mich auch nicht mit seinen Armen, wie er es bei unseren letzten Küssen getan hatte. Ich ließ es nicht zu, dass es mich verunsicherte. Ich musste geduldig sein. Er war es auch mit mir gewesen.
Ich strich zärtlich mit meinen Fingern durch seine Haare, während ich weiter seine Lippen liebkoste. Langsam begannen er meinen Kuss zu erwidern. Ich sog vorsichtig an seiner Unterlippe, bevor ich seinen Mund wieder frei gab.

Ich fühlte mich atemlos, als ich genügend Distanz nahm um ihn anzusehen. Meine Arme schlang ich um seinen Hals, damit er gar nicht erst den Versuch unternahm noch mehr Abstand zwischen uns aufzubauen. Ich würde es nicht länger dulden.
Sein Brustkorb hob und senkte sich deutlich, als er ebenfalls tiefe Atemzüge nahm. Langsam öffnete er wieder seine Augen und unsere Blicken trafen sich. Es versetzt mir einen Stich, als ich die Verletzbarkeit in seinen Augen erkannte.

„Josephine...“
Ich beugte mich erneut vor um ihn zu küssen, legte meine Emotionen nicht in Worte, sondern in meine Berührungen. Konnte er es nicht fühlen? Er kannte mich, wusste wie schwer es für mich war über Liebe oder Ängste zu sprechen.

In aller Ruhe lockte ich ihn endlich meinen Liebkosungen zu antworten. Seine Lippen wurden weicher, als er sich etwas entspannte. Ich zog mit meinen Zähne behutsam und ohne Eile an seiner Unterlippe, fuhr mit meiner Zunge einladend über seinen Mund. Sein Atem ging stoßweise und traf hitzig auf meine Haut.

Seine Hände ergriffen meine Oberarme, als sie sich in meinem Stoff festkrallten. Dann schob er mich plötzlich soweit weg, wie meine Arme um seinen Hals es erlaubten.
Sein Atem war unruhig und ich konnte die Hitze in seinem Blick sehen. Seine Augen flackerten. Er kämpfte noch immer mit sich. Meine Daumen streichelten über seinen Hals während ich ihn betrachtete und anlächelte. „Wenn du morgen wieder darüber anders denkst... “

Ich schüttelte langsam meinen Kopf und unterbrach ihn. „Das werde ich nicht. Und bitte... Schlag du mich nicht aus deinem Kopf.“ Ich sah ihn weiterhin an, strich zärtlich über sein Gesicht und hoffte, dass er mich verstehen würde, dass er in meinem Blick sah, wie wertvoll er für mich war.
„Nach deinen Worten eben, kannst du nicht erwarten, dass wir einfach Partner bleiben. Nicht, wenn sie mich so glücklich machen...“

Meine Hände zitterten leicht, als ich versuchte meine Emotionen besser zu kontrollieren. Aber es war mir nicht länger möglich. Ich glaubte, dass sein Blick sich tief in meine Seele grub, als er versuchte irgendetwas zu finden. Er sollte ruhig suchen. Ich hatte nichts mehr, was ich vor ihm verstecken musste.

Irgendwas veränderte sich in seinem Blick, als sich sein Griff um meine Oberarme lockerte. In einer fließenden Bewegung umfingen seine Hände mein Gesicht. Er streichelte zart über die Haut meiner Wangenknochen, während er mich weiter betrachtete und sich langsam ein Lächeln auf seinem Gesicht abzeichnete.

Meine Arme schlangen sich wieder um seinen Hals und ich ließ meine Finger durch sein Haar gleiten, als er sich dieses Mal ohne mein Zutuen vorbeugte. Sein Kuss war so sanft und voller Gefühl, dass meine Knie weich wurden und ich glaubte meinen Beinen nachgeben zu müssen. Er musste es spüren, denn schon in der nächsten Sekunde legte er einen Arm um meine Hüfte und zog mich noch enger an sich.
Meine Brüste pressten sich gegen seinen Oberkörper. Ich glaubte Fieber zu haben. Mein Atem stockte, als sein Kuss drängender wurde und seine Hand über meinen Rücken strich.

Sein Duft drang tief in mein Bewusstsein und berauschte meine Sinne. Mein Puls raste, als ich seinen Kuss mit gleicher Ungeduld erwiderte. Fritz hielt mich noch fester und drängte mich gegen die Küchentheke, während er mich weiter mit seinen Küssen und Berührungen um den Verstand brachte.
Ich konnte nicht mehr klar denken und hatte längst die Kontrolle über die Situation verloren. Alles ging so schnell und gleichzeitig doch viel zu langsam.

Mich ergriff eine innere Unruhe, die ich nicht zu beherrschen vermochte. Ich wollte mehr. Nein, brauchte mehr. Ich wollte seinen Körper fühlen, musste ihn berühren. Meine Hände zogen an seinem Hemd bis es sich aus seiner Hose löste. Mit meinen Fingern berührte ich seine hitzige Haut und erkundeten die Muskelpartien seines Rückens.
Seine Lippen fanden ihren Weg zu meinem Hals, um eine Reihe von Küssen zu hinterlassen, die auf meiner Haut prickelten. Mein Atem stockte, als er begann an meiner Haut zu saugen. Ich hatte das Gefühl keine Luft mehr zu bekommen, wenn er damit weitermachte.

Meine Finger vergruben sich wieder in seinem Haar. Er löste seinen Mund von meinem Hals und ich merkte erst wie sehr ich mich nach seinem Kuss sehnte, als er erneut meine Lippen in Besitz nahm.
Ich stöhnte auf, als seine Hand über meine Brust fuhr und er sie zärtlich berührte. Dieser Mann machte mich wirklich verrückt.

Ich drängte meinen Körper dicht an seinen. Seine Hitze traf auf meine und ich genoss dieses Gefühl. Seine Hände wanderten über meine Taille zu meinem Po. Sein Stöhnen verlor sich in meinem Mund, als ich ihm meine Hüften instinktiv entgegen hob.
Ich fühlte mich noch ganz benebelt, als er seine Lippen von mir löste und seinen Kopf neben meinen bettete. Schwer atmend verweilte er dort einige Augenblicke. Ich sehnte mich noch immer nach seiner Berührung und seinen Küssen. Mein Mund fühlte sich geschwollen an und prickelte. Als mein Atem und mein Puls sich ein wenig beruhigten, wurde auch mein Verstand wieder klarer.

Seine Hände glitten langsam und sinnlich über meinen Körper hoch zu meinen Armen, die noch immer auf seinen Schultern lagen. Er nahm meine Hände in seine, hielt sie über seinem Brustkorb fest. Ich wollte schon protestieren, als er ein wenig Abstand zu mir nahm, aber mir fehlte die Kraft.
Er blickte hinab auf meine Hände. Seine Daumen strichen sanft über meine Haut. Er drehte meine Hand ein wenig und drückte einen Kuss in meine Handfläche. Alleine diese kleine Berührung brachte mich beinahe wieder um meinen Verstand und ich biss mir auf die Lippen.

Er hob seinen Blick und sah mich an noch bevor er seinen Mund von meiner Handfläche löste. Sein Blick war warm und ich konnte die Gefühle erkennen, die auch in mir brodelten.
„Nenn mich ruhig altmodisch“, begann er in sanftem Tonfall. „Aber ich würde mich gerne mit dir verabreden, bevor ich dir die Klamotten vom Leib reiße und dich auf dein Bett schmeiß.“

Ich brauchte einige Momente um seine Worte zu verstehen. Der Gedanke erregte mich, dass er mir die Klamotten vom Leib reißen wollte.
Als ich darüber nachdachte, dass er sich mit mir aber erst einmal verabreden wollte, bildete sich ein Lächeln auf meinem Gesicht. Ich hätte erwarten sollen, dass Fritz solche Prinzipien hatte. Aber er schaffte es immer wieder mich zu überraschen und zu erstaunen. Es machte mir klar, wie besonders er wirklich ist.

„Ich hoffe ernsthaft, dass du bald Zeit für eine Verabredung hast“, sagte ich und war selber überrascht wie schüchtern ich mich durch diese Aussage auf einmal fühlte.
Fritz zerrte an seinem Kragen und der Krawatte, als wäre ihm zu warm - ich konnte mir ein Lachen einfach nicht verkneifen. Er hob seine Augenbraue und sah mich fragend aber gleichzeitig auch warnend an.
Sein Blick wurde weicher, als ich mit meinem Daumen die Konturen seines Kinns nachzeichnete. Sein Bart fühlte sich viel weicher an als er aussah. Er legte seine Hand auf meine.

„Wir gehen es langsam an, in Ordnung?“
Ich nickte und lächelte. „Langsam klingt gut.“
Wir standen einen Moment schweigend da. Ich konnte einfach nicht glauben, dass dieser Mann mich wirklich liebte. Meine freie Hand fuhr über seinen Anzug, als ich ihn weiterhin betrachtete.

„Der Anzug steht dir wirklich gut.“ Meine Finger fuhren einige Male über seine Krawatte, bevor ich etwas fester daran zog und seinen Kopf zwang sich langsam zu mir runter zu beugen. Bevor der Kuss jedoch ausarten konnte, beendete er ihn.
„Vielleicht hätte ich schon eher so einen Anzug tragen sollen“, sagte Fritz und verzog sein Mund zu einem schiefen Lächeln. Meine Mundwinkel zuckten, als ich ein `Vielleicht´ flüsterte und ihn erneut zu mir runter zog.

Der Kuss wurde wieder drängender und dieses Mal war ich an der Reihe ihn zu unterbrechen. Mir gefielen seine Prinzipien, auch wenn es mir im Moment schwer fiel sie nicht zu brechen.
„Du solltest zurück zu deiner Feier, die vermissen dich bestimmt schon.“
Er sah mich unzufrieden an, murmelte dann aber: „Das sollte ich wohl...“
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