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Josephine Klick - Allein unter Cops (2. Staffel)

Kurzbeschreibung
GeschichteKrimi, Liebesgeschichte / P16 / Gen
Fritz Munro Josephine Klick
25.08.2014
10.09.2015
40
155.144
9
Alle Kapitel
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Dieses Kapitel
2 Reviews
 
19.01.2015 2.887
 
Kapitel 13

„Endlich Wochenende“, hört ich Alex stöhnen, als er ins Büro kam. Ich ging wenige Schritte hinter ihm. „Fritz“, rief er fröhlich aus, noch bevor ich die Tür erreicht hatte. „Schmeckt dir Zuhause dein Kaffee nicht oder warum lungerst du ständig hier rum?“
 Ich stockte vorm Eingang zum Büro. Meine Beine waren wie angewurzelt. Ich hatte nicht erwartet Fritz hier anzutreffen. Ich hörte ihn lachen. Die beiden begrüßten sich, wie richtige Männer halt – wie beste Freunde.

 „Nach deiner Miene zu urteilen, scheint ihr den Fall ja erledigt zu haben.“
 „Ja“, stimmte Alex zufrieden zu. „Die Kollegin hatte mal wieder recht mit ihrer Vermutung. Ist doch so, oder Jose-.. Josephine? Wo ist die denn jetzt schon wieder? Wenn man sich einmal nur umdreht...“, hörte ich ihn. „Josephine“, rief Alex erneut. Ich konnte seine Schritte hören.
 Bevor er mich wie angewurzelt vor der Tür stehen sehen konnte, betrat ich das Zimmer und setzte ein möglichst sorgenfreies Lächeln auf.
 „Ja, Alex. Die Kollegin hat wie immer Recht. Ich frage mich wirklich wie ihr vorher euer Fälle gelöst habt.“ Er verdrehte die Augen und schnalzte mit der Zunge.
 „Du scheinst ja wieder wohl auf zu sein.“
 „Mir ging´s nie schlecht“, entgegnete ich und verzog mein Gesicht herausfordernd. Ich blieb am Eingang stehen und lehnte mich gegen die Wand, versuchte den Blickkontakt mit Fritz möglichst zu meiden. Seine Blicke konnte ich spüren und irgendwie machte mich das ungewohnt nervös - heute mehr als sonst.

 „Hallo? Du hast mich im Auto angeschwiegen “, sagte er zu mir als wenn es etwas unvorstellbares wäre, drehte sich dann aber wieder zu seinen Kollegen um. „Ich kann das an einer Hand abzählen, wann das schon mal passiert ist. Und immer war was im Busch.“
Waldi nickte zustimmend. Karin sah mich etwas besorgt an. „Ist denn jetzt alles in Ordnung mit dir?“, fragte sie mich.
„Jaaha“, stöhne ich frustriert, beruhigte mich aber augenblicklich wieder. „Es hat mich nur gewurmt, dass ich nicht mit allen Vermutungen richtig gelegen habe“, sagte ich Karin und zuckte mit den Schultern, bevor ich meine Hände vor der Brust verschränkte.
 „Wieso?“, fragte Fritz.
 Alex drehte sich wieder zu ihm. „Josephine hat den Täter für so ´nen Golddigger gehalten. Aber es stellte sich dann doch etwas anderes heraus.“ Alex dachte einen Moment nach. „Aber deswegen gleich jemanden umbringen? Vielleicht hat das Opfer ihn ja erpresst. Vielleicht wollte sie es Frau Krämer erzählen und er hatte Angst, dass sich die beiden deswegen trennen würden. Ich meine, niemand verkraftet so leicht eine Affäre...“

 Während Alex und die anderen weiter über das mögliche Motiv sinnierten, hielt ich mich wieder zurück und lauschte nur. Ich wollte gerne Abstand zu diesem Thema gewinnen. Herr Dr. Schneider war Arzt. Und eigentlich setzten sich doch Ärzte für das Leben und die Sicherheit der Menschen ein, oder? Das sollte ein Polizist auch tun. Ich meine, deswegen waren wir doch Polizisten geworden. Und trotzdem hatte Fritz jemanden getötet. Ich hatte ihn nie gefragt warum. Und jetzt nagte diese Frage an mir.

 Mein Blick verlor sich ein wenig und bevor ich es wusste, hefteten sich meine Augen an Fritz fest. Ich verlor mich wieder in meinen Gedanken und merkte nicht, als sich zwei Augen auf mich richteten. Es waren etliche Momente vergangen, bis ich schließlich seine Blicke wahrnahm. Hatte ich ihn die ganze Zeit angestarrt ohne es zu merken? Er sah mich fragend, aber auch besorgt an.
 Ich blinzelte und sah weg. Dann räusperte ich mich und murmelte was wie `Ich hol mir mal einen Kaffee.´ und war aus dem Zimmer verschwunden.
  Am Kaffeeautomaten atmete ich tief durch und ließ mir Zeit. Die Frage brannte mir auf der Zunge. Aber war die Zeit nicht schon längst überschritten, ihm die Frage zu stellen? Mit einer vollen Kaffeetasse begab ich mich nach einer Weile wieder zurück ins Büro.

 Es war ganz ruhig. Nur Karins Stimme drang durch die offene Tür in den Flur. Sie musste wohl telefonieren. Hoffentlich war es kein neuer Fall. Alex und ich hatten übers Wochenende Bereitschaft. Caroline schien Pläne mit ihm und den Kindern gemacht zu haben.
 „Ja, natürlich“, hörte ich sie sagen. „Werde ich ihr ausrichten... Ja, Ihnen auch dann später ein schönen Feierabend. Wiederhören.“
 Als ich den Raum betrat legte Karin gerade auf. Fritz sah sie angespannt an und Ewald und Alex tuschelten sich was zu.
  „Was ist denn los?“, fragte ich. Karin antwortete nicht und schrieb ihren Zettel zu Ende. Auch die anderen sagten nichts. Fritz sah mich düster an. Ich versuchte mich auf Karin zu konzentrieren.
 „Kaaarin?“, harkte ich nach. „Wer war das denn?“ Sie legte den Stift beiseite und hielt den Zettel hoch. Der war anscheinend für mich.
 „Hier“,  sagte sie nur und wedelte mit dem Zettel rum. Ich ging zu ihrem Schreibtisch und nahm den Zettel entgegen. „Das war Herr Altenburg“, sagte sie in einem seltsamen Tonfall. „Du hast gestern Abend dein Handy bei ihm vergessen. Er hat es gerade gefunden.“

 Ich hatte mein Handy natürlich gestern Abend schon gesucht und war froh, dass jemand es gefunden hatte. Aber musste es ausgerechnet Herr Altenburg sein? `Mein Handy bei ihm vergessen...´ Wie sich das anhörte und wie sie es betonte. Es klang eine leichte Unterstellung in ihrem Ton nach.
 „Er meinte, du kannst es dir heute Abend nach Feierabend bei ihm abholen. Die Adresse und seine Nummer stehen auf dem Zettel. Er ist noch unterwegs, könnte es dir aber auch vorbei bringen, falls es heute bei dir wieder spät wird. Du sollst dann anrufen.“
 Ich nickte. „Danke Karin.“

 Ich starrte eine Weile die Adresse auf dem Zettel an. Keine Ahnung, wo das sein sollte. Aber hatte er nicht gesagt, dass er nicht weit von hier wohnen würde? Ich hörte, dass Karin sich räusperte, als ich mich schon wieder von ihr wegdrehen wollte. Sie sah mich verstohlen von der Seite an.
 „Was denn?“, fragte ich sie, musste aufpassen, dass ich nicht genervt klang.
 „Sag mal, Josephine, was hast du denn gestern Abend mit ihm gemacht? Ich meine, er hat dich sogar von der Arbeit abgeholt. Das sah ja fast aus wie ein Date.“
 Ich sah mich im Raum um. Allen lag wohl die gleiche Frage auf der Zunge.
 „Eh, Leute. Ehrlich?“, fragte ich fassungslos und zog fragend meine Schultern hoch, schüttelte aber meinen Kopf, als niemand was erwiderte.
 „Ich bitte euch, das war KEIN Date“, sagte ich mit Nachdruck.
 „Wir haben uns ja nur gewundert. Ich meine, er ist immerhin der Chefermittler.“
 „Ja, genau. Wunderbar erkannt, Karin. Und genau deswegen würde mir nie einfallen mich mit ihm ernsthaft zu verabreden. Aber das scheinen hier ja alle anscheinend anders zu sehen.“
 Schweigen.
Alex sah mich an und deutete mit seinem Kopf auf den Zettel in der Hand. „Fährst du denn nachher zu diesem Chefermittler?“
 „Natürlich. Ich brauche ja mein Handy. Und ich kann doch nicht erwarten, dass er es mir bringt. Ich werde nach Feierabend hinfahren.“ Dann sah ich wieder auf den Zettel und sah mir die Adresse an. „Wo das auch immer sein mag“, murmelte ich.
 „Ich kann dir eine Verbindung raussuchen, wenn du magst“, bot mir Karin an. Ich wollte schon zustimmen, als sich Fritz einmischte.

 „Ich fahr dich“, sagte er. Ich blinzelte erstaunt und sah ihn an.
 „Was...?“, fragte ich.
 „Ich fahr dich“, wiederholte er, sah mich aber nicht weiter an. Als wenn es eine Nebensächlichkeit wäre, verschränkte er die Arme vor der Brust und blickte aus dem Fenster. „Bei dem Wetter bin ich eh mit dem Auto da. Und ich habe wenigstens ein Navigationssystem.“
 Ich wusste nicht so recht, was ich dazu sagen sollte. Er hatte mir so was nie angeboten. Klar, einmal hatte er mich nach Hause gefahren. Aber da war ich vorher auch gerade ohnmächtig geworden. Außerdem war es vielleicht nicht so ratsam, wenn die beiden aufeinander trafen. Die Stimmung zwischen den beiden war immer noch viel zu angespannt. Außerdem war ich mir nicht sicher, ob ich heute mit Fritz allein sein wollte. Irgendwas lag in der Luft, aber ich konnte es einfach nicht fassen.

 Als ich ihn immer noch anstarrte ohne ihm eine Antwort zu geben, kam unser Chef ins Büro.  
 „Fritz? Ich wäre dann jetzt soweit.“ Fritz stieß sich leicht vom Tisch ab um zu ihm zu gehen. Neben mir hielt er kurz an und legte mir seine Hand auf die Schulter. Sie war angenehm warm. Er drückte einmal leicht zu, bevor er sagte: „Du wartest auf mich, ok Bielefeld?“
 „Wir haben sowieso gleich Nahkampftraining“, mischte sich Alex ein bevor ich was sagen konnte. „Bis wir damit fertig sind, wirst du wohl alles mit dem Chef geklärt haben, oder?“
 Fritz stimmte Alex zu, sah zu mir. „Dann bis später“, sagte er mit einem schrägen Lächeln, ließ meine Schulter los. Im nächsten Moment schnappte er sich meinen Zettel, den ich locker in meiner Hand gehalten hatte.
 „Eh“, protestierte ich.
 Sein Grinsen wurde breiter. „Nur zur Sicherheit“, sagte er und war aus dem Zimmer verschwunden.

 Soviel zum Thema Entscheidungsfreiheiten in diesem Team. Ich sah ihm über die Schulter nach. Ich blieb noch eine Weile so stehen. Den Kaffee hielt ich noch immer in der Hand, ohne einen Schluck getrunken zu haben.

***

Unser Coach erklärte gerade die nächste Übung. Ich entspannte mich beim Training. Es tat gut mit Alex zu trainieren, er war ein angenehmer Trainingspartner. Generell war es einfach sehr angenehm mit ihm zusammenzuarbeiten. Er war die ausgleichende Kraft in unserem Team.
 Wenn Fritz und ich mal wieder hitzige Diskussionen führten, brachte er uns wieder runter. Nur selten vergriff er sich im Ton. Meistens erst, wenn Fritz und ich uns mal wieder wie streitsüchtige Schulkinder benahmen. Er war ja selber schon Vater, musste damit also wohl Erfahrung haben.
 Ich landete gerade auf der Matte als die Tür aufging. Alex half mir beim aufstehen. Ich beobachtete, wie Fritz dem Trainer zunickte `Ich gucke heute nur zu´ sagte und sich an den Rand setzte.
 Anfangs sah unser Coach etwas überrascht aus, stimmte dann aber zu. Er war sich wohl nicht sicher, ob Fritz hier sein durfte, immerhin war er vom Dienst vorübergehend suspendiert.

 Dieses Mal war Alex dran auf der Matte zu landen. Er lächelte mich an, als er meine Hand nahm, die ich ihm zum Aufstehen anbot.
 „Wirklich gut, Bielefeld. Bei dir möchte man auch kein Verbrecher sein. Entweder du schießt mir ins Bein oder knallst mich auf den Boden wie eben. Ich weiß nicht, was mehr wehtun würde.“
 „Ich hätte auch noch die Methode meinen Gegner ohnmächtig zu quatschen“, witzelte ich.
 „Das wäre zu grausam“, entgegnete Alex mit hochgezogener Augenbraue. Ich verdrehte meine Augen. Er versuchte nett zu mir zu sein, weil heute nicht wirklich mein Tag war. Ich wusste das sehr zu schätzen. Auch unsere Beziehung war anfangs problematisch, aber langsam glätteten sich die Wogen - auch zwischen ihm und mir.
  Ich ging wieder in Position. Eine Wiederholung würde noch folgen. Ich sah im Augenwinkel wie Fritz uns beobachtete. Das bereitete mir Unbehagen. Ich versuchte das Gefühl abzuschütteln und wiederholte mit Alex noch einmal die Übung.

  „Ok... Partnertausch, Leute!“, rief der Coach. Jeder suchte sich einen neuen Partner. Alex klopfte mir noch einmal auf die Schulter und schenkte mir ein schiefes Lächeln.
 „Nimm dein nächstes Opfer bitte nicht zu hart ran. Wir brauchen alle Leute hier“, sagte er.
 „Ist gut, Alex“, antwortete ich gespielt ernst.
Sebastian, ein junger Kommissar, der nur wenige Monate vor mir auf diesem Revier angefangen hatte,  kam auf mich zu. Für sein Alter hatte er es weit gebracht. Mit Ende zwanzig schon Kommissar zu sein, bedeutete viel Ehrgeiz an den Tag gelegt zu haben.
 Er lächelte mich an. „Hey, Josephine“, begrüßte er mich. Alex hatte sich den Partner von Sebastian geschnappt.
   „Hey“, lächelte ich zurück.

 Sebastian baute sich vor mir auf. Ich musste ein ganzes Stück nach oben gucken. Er war groß und kräftig gebaut, hatte breite Schultern. Trotzdem war er wendig und flink. Ich hatte ihn schon öfter beim Training beobachtet. Er hatte eine vielversprechende Zukunft vor sich. Und ihn wollte man wirklich nicht als ernsthaften Gegner haben.
 „Willst du zuerst?“, fragte er vorsichtig.
 „Fang du ruhig an“, erwiderte ich.
 Er grinste und zog die Augenbraun hoch. „Aber nicht so eine Nummer wie bei Fritz und dir damals, ok?“, witzelt er. Ich rollte meine Augen und sah ihn kopfschüttelnd an. Nach über fünf Monaten hing mir die Auseinandersetzung mit Fritz beim Kampftraining immer noch nach.
 „Sollte ja kein Thema werden, wenn du mich richtig abwehrst“, sagte ich herausfordernd. Er stimmte mir zu und wir beide gingen in Position.

 Mein Angriff erfolgte schnell. Er wehrte ihn sicher, aber sehr behutsam ab. Mir blieb also Zeit um noch gegenzulenken. Das Resultat war, dass wir beide etwas strauchelten und auf dem Boden landeten. Dem Ergebnis tat es trotzdem kein Abbruch. Er hatte mich überwältigt und ich lag unter ihm. Das Wort zerquetscht würde es wohl eher treffen, dachte ich gequält.
 Er blieb ungeniert noch auf mir liegen, stützte aber zumindest ein wenig sein Gewicht mit seinen Händen ab und grinste mich frech an. „Da hättest du mich ja fast gehabt, Josephine. Geht´s dir gut?“
 „Sobald du von mir runter gehst, werde ich vermutlich fähig sein wieder zu atmen“, antwortete ich. Er musste lachen, richtete sich auf und zog mich gleich mit nach oben.

 Ich brauchte einen Moment um zu Atem zu kommen, er stand bereits wieder in Position. Wir hatten die Seiten gewechselt und ich konnte Fritz sehen. Er saß nicht mehr am Rand wie vor wenigen Minuten, er stand und hatte seine Arme verschränkt. Seine Kieferknochen arbeiteten und die Augen waren verengt, als er seinen Blick auf Sebastian heftete. Verwundert sah ich zwischen den beiden hin und her. Hatten die beiden etwas ein Problem miteinander? Das war mir noch nie aufgefallen.
  „Jetzt bin ich dran“, sagte Sebastian und holte mich wieder aus meinen Gedanken.
 „Denn jetzt aber mal richtig“, sagte ich herausfordernd und spielte auf die betonte Zurückhaltung seinerseits an. Vielleicht half es ein wenig an seinem Ego zu kratzen. Ich nahm meine Position ein und wollte mich bereit machen, als mir wieder der eindringliche Blick von Fritz auffiel. Dieses Mal fixierte er mich mit den Augen.
 Diese eine Sekunde der Unaufmerksamkeit reichte, dass ich den Angriff von Sebastian zu spät kommen sah. Er schien selber überrascht zu sein auf so wenig Abwehr zu stoßen, hatte aber zu viel Kraft und Schwung schon drin, um aufzuhören.

 Ich landete hart auf der Matte und es drückte mir die Luft aus der Lunge. Ich weitete meine Augen, als sich der Schmerz durch meinen Körper zog. Auch seine Augen weiteten sich, als er sah, wie ich auf die Matte knallte. Er wollte sich gerade über mich beugen, als Fritz auf uns zu gerannt kam.
 Sebastian konnte sich noch soweit halten, dass er nicht selber auf der Matte landete, als Fritz ihn mit voller Wucht anging.
 „Hast du´n Rad ab?“, brüllte Fritz Sebastian an.
 „Ich wollte nicht...“, begann er entschuldigend und sah von mir zu Fritz. Der Arme war etwas überfordert. Ich wusste, dass es nicht seine Absicht gewesen war. Ich war nicht aufmerksam gewesen. Also war es eigentlich meine Schuld. Fritz ging mit drohender Geste auf Sebastian zu. Mir fehlte noch die Luft, um was sagen zu können. Daher war ich dankbar, dass Alex dazwischen ging.

 „Fritz ist gut. Beruhig dich“, sagte Alex, als er ihn ein Stück nach hinten schob. Fritz Nasenflügel waren gebläht und er atmete schwer. Sein Gesicht war leicht gerötet.
 Als Alex noch mit dem Temperament von Fritz zu kämpfen hatte, richtete ich mich langsam auf. Sebastian wollte mir helfen und kam auf mich zu, stoppte aber als Fritz ihn erneut anbrüllte.
 „Fass sie nicht an.“
 „Jetzt beruhig dich mal, Fritz“, sagte ich noch etwas atemlos. Der Trainer kam mir zu Hilfe und richtete mich auf.
 „Alles klar?“, wollte er wissen.
 Ich nickte. „Ja, keine Sorge. Hab nur den Moment der Abwehr verpasst. Sebastian kann nichts dafür.“
 „Erhol dich erst mal am Rand, ok?“ Wieder nickte ich und ging langsam an den Rand. Ich beugte mich ein wenig vor und hielt meine Rippen mit meinen Händen umfangen. Sie schmerzten, aber es dürfte nichts Schlimmeres passiert sein.
  „Alles klar mit dir?“, wollte Alex wissen.
 „Ja, ich denke schon“, entgegnete ich mit einem schwachen Lächeln.

 Fritz schob Alex beiseite und kam auf mich zu. Wenige Millimeter vor mir blieb er stehen. Seine Augen waren schmal. Ich konnte seine Kieferknochen wieder arbeiten sehen. Das tat er immer wenn er angespannt oder sauer war.
  „Warum kapierst du nicht, dass du nur diesen einen Körper hast, Bielefeld?“, fragte er mich scharf, versuchte aber für seine Begriffe leise zu sprechen. „Hör auf dich ständig mit Männern messen zu wollen. Willst du mit 40 ein Krüppel sein?“
 „Fritz, also ehrlich. Nun übertreib aber mal nicht. Wenn ich draußen im Einsatz bin, ist den Verbrechern das auch egal, dass ich ne Frau bin. Da kann ich hier doch nicht geschont werden.“

 „Genau das ist das Problem“, schnaubte er zurück, wollte noch mehr sagen, verkniff es sich dann aber. Frustriert atmete er aus, als er sich mit einer Hand durch die Haare fuhr. Dann winkte er ab.  „Vergiss es“, fluchte er und verschwand aus dem Trainingsbereich.
 „Was hat er denn?“, wandte ich mich an Alex. Er sah Fritz kopfschüttelnd hinterher. Er steckte seine Hände in die Hosentasche während er genervt ausatmete.
 „Josephine, wenn ich ein Orakel wäre, würde ich nicht bei der Polizei arbeiten.“ Jetzt schnaubte auch ich frustriert. Na super, dachte ich, haben die Kollegen für die nächsten 5 Monate wieder was Neues zu Tuscheln.
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