Die wahre Geschichte von Brynna

von vallie
KurzgeschichteRomanze, Fantasy / P12
Ariella Tularyn Ashallayn "Ash" Darkmyr Tallyn Meghan Chase Robin "Puck" Goodfellow Rowan
24.08.2014
24.08.2014
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Ashallyn´darkmyr Tallyn trat aus den Schatten und lächelte dem Mädchen entgegen, in dem Wissen, was als nächstes geschehen würde. Er würde sich vorstellen, plötzlich würde er Gewissensbisse kriegen und ihr sagen, wie unmöglich er sich aufgeführt hatte, sie heimlich aus dem Wald zu beobachten und ihr Geschenke zu machen. Er würde ihr sagen, dass es das beste war, wenn er ging, für immer. Sie würde energisch den Kopf schütteln und ihn bitten zu bleiben...
"Hallo.", sagte er und das Mädchen blickte auf, Er erwartete ein naives Lächeln und ein wenig Angst und Neugier, doch ihre Augen waren tief und wissend, als hätte sie ihn die ganze Zeit wahrgenommen oder erahnt. Er schluckte und einen Moment lang brachte es ihn aus der Fassung. Als er mit Rowan hier war, da schien sie so...anders. Hatte sie gewusst, dass sie beide dagewesen waren, ihre Existenz gespürt? Hatte sie gewusst, welch üble Seelen sie da beobachtet hatten und sie für ein schreckliches Spiel geplant hatten zu benutzen und ihnen nur vorgespielt, dass sie das perfekte Opfer ihres kleinen Spiels war? Doch dann lächelte sie naiv und er wiegte sich schnell wieder in Sicherheit. "Hallo.", sagte sie zart und naiv und er fiel auf ihr scheinbares Unwissen herein, verfolgte seinen Plan weiter, so wie er es vorgehabt hatte. "Es tut mir sehr Leid.", sagte er in gespieltem Bedauern. "Das ist so ein unmögliches Verhalten von mir. Beobachte dich einfach aus dem Wald und mache dir heimlich Geschenke, um dich kennenzulernen, anstatt ins Licht zu treten." Sie blinzelte, aber nur für den Bruchteil einer Sekunde, in dem es ihm so vorkam, als würde sie direkt durch seine grausame Maske hindurch in seine Seele blicken. Er bemühte sich, dass sie ihm sein Erstaunen nicht ansehen konnte, doch sie blickte ihn forschend an. Er wusste, dass Rowan hier irgendwo lauerte und sie beide beobachtete, auch wenn er versprochen hatte, erst bei Vollmond Ash Werk in Betracht in nehmen. Er hatte gesagt, Ash wäre der Aufgabe nicht gewachsen. In Wahrheit war Rowan derjenige, der dieses Mädchen nie bekommen hätte. Sie hätte ihn sofort durchschaut, seine schwarze Seele, die von diesem netten Grinsen verdeckt wurde, das auch er aufgesetzt hatte, wie sie auch ihn gerade durchschaute, ohne es sich anmerken zu lassen oder mit der Wimper zu zucken.

Sie saßen mal wieder am Bach und er machte ihr Komplimente und fütterte sie mit netten Worten, warf ihr ein Häppchen nach dem anderen hin. Sie nahm sie dankend an, als würde sie sich wirklich freuen, doch er wusste, er musste dieses Spiel weiterspielen, um Rowan zu täuschen. Doch immer wenn Brynna, das junge Mädchen aus dem Druidenstamm, ihn ansah, schienen ihre Augen wie Brunnen, sie spiegelten sein wahres Gesicht und ließen die eiserne Maske Stück für Stück zersplittern, sie sah, wer er wirklich war, und er bemühte sich jedes Mal, nicht zusammenzuzucken oder aus dem Konzept zu kommen. Bald war es so weit, bald war der Vollmond da und er würde das Ritual durchziehen, in dem sie ihm alles von sich darbot, ihren Körper, ihren Geist, ihre Seele und ihr Herz. Doch ihr Herz würde nicht brechen, das wusste er.

"Ich liebe dich, Fremder, obwohl ich weiß, dass du mich nicht liebst. Du willst es-aber dein Herz ist kalt wie Stein. Du wirst mich in vielen Jahrhunderten noch einmal treffen, dann wirst du fähig sein, zu lieben", sagte sie mit ruhiger, gespielt naiver Stimme, da Rowan nur ihre Stimmen vernehmen konnte und nicht das, was sie sagten. Ash lachte nur. Es war ein lächerlicher Gedanke, aber er amüsierte ihn ein wenig. "Das glaube ich weniger.", sagte er. "Wie du gerade sagtest, mein Herz ist kalt wie Stein und so wird es immer bleiben." Sie lächelte nur und schwieg, als würde sie längst die Wahrheit kennen und einsehen, dass Ash jetzt noch nicht bereit war, sie anzunehmen. Sie wusste, jetzt musste er sie noch nicht kennen. Er würde wissen, dass sie Recht gehabt hatte, wenn es so weit war. "Du kannst noch nicht lieben. Dazu bist du noch viel zu naiv und jung und hast zu wenige Fehler gemacht, die du bereuen wirst.", sagte sie. Er wollte sie gerade verwundert und belustigt zugleich anstarren. Er? Naiv...? "Man sagt, wir Menschen, die im Einklang mit der Natur leben, haben ein so reines Herz, dass wir wiedergeboren werden.", antwortete sie anstatt. "Ich kenne dein wahres Gesicht, Ash´allyn, ich kann deine Aura spüren", sagte sie mit der leichten, unwissenden Stimme eines jugendlichen Mädchens, doch ihre Worte klangen zu weise, als dass er seinen Augen wirklich trauen konnte und sie aus ihrem Mund kamen. "Die Schale deines Herzens ist hart, doch der Kern ist weich und hält sich noch am Leben zwischen all dem Eis." Sie schenkte ihm ein trauriges Lächeln. Er starrte sie an und verfiel augenblicklich in eine ungläubige wie geschockte Starre. "Irgendwann werde ich diesen Kern befreien, Ash und du wirst bereit sein, dir die Schale freiwillig aus der Brust zu reißen. Du wirst mich so sehr lieben, dass du dein Leben für mich geben würdest." "Wie heißt du?", fragte er unwillkürlich. "Ich heiße Brynna.", antwortete sie. "Aber in meinem nächsten Leben werde ich anders heißen. Du wirst wissen, dass ich es bin, wenn du mich siehst. Richte mir bloß nicht aus, das ich es war, den du getroffen hast. Sag, du hättest das Mädchen gebrochen, wie du es vorhattest. Zwischen all den Taten und Fehlern, die du begangen hast, wird diese Tat kaum auffallen. Ich werde dir sicher Glauben schenken, Ash. Du musst es nur gut genug spielen." Sie schenkte ihm ein schmales Lächeln. Er stockte. Zum ersten Mal verspürte er dieses seltsame Gefühl. Es fühlte sich fremd an, als würde es nicht dort hingehören und doch konnte er es nicht mehr loslassen. Er verspürte ein Gefühl von unfassbarer Liebe und Sehnsucht nach diesem Mädchen, wie er es zuvor nie für möglich gehalten hätte. "Brynna. Wie werde ich dich finden?" "Ich habe doch bereits gesagt, du wirst es wissen. Sie wird das tun, was ich tat, als du aus den Schatten getreten bist. Sie wird dein wahres Gesicht erkennen und dich so nehmen, wie du bist, doch vielleicht wirst du mich vorerst verwechseln..." "Was meinst du damit?" Sie schien mit sich zu ringen. "Du wirst mich vergessen und jemanden kennenlernen, der ein reines Herz besitzt, doch keine Seele. Du wirst sie für mich halten, denn sie wird dich sehr lieben, genauso wie ich und später sogar ihr Leben für dich geben, damit du glücklich werden kannst, da sie dich so sehr liebt. Nur, wer jemanden liebt, kann ihn verlassen, wenn er denkt, dass es das Beste für ihn ist. Das werde ich übrigens auch machen und du wirst sehr verletzt sein...Naja wo waren wir stehen geblieben?" Sie lächelte versonnen, während sie ihre Zukunftsvisionen mit mir teilte, von denen sie bereits wusste, dass sie sich alle bewahrheiten würden. "Du wirst sie also für mich halten, bis du mich wirklich triffst. Dann wird es dir klarwerden." Sie lächelte ihn an. "Hab keine Angst. Das gehört zu deinem Schicksal." Er sah sie zweifelnd an und runzelte die Stirn. "Ich habe keine Angst, Brynna. Ich habe vor nichts Angst." "In der Tat.", sagte sie und nickte. "Nicht um dich. Doch nachdem dir alles genommen werden wird, was dir lieb ist, wirst du Angst um die haben, die dir noch bleiben und sie mit deinem Leben beschützen wollen. Doch deine wahre Liebe wird nicht gestattet sein. Sie wird unmöglich erscheinen und niemand wird sie dulden. Dann kommt es auf deine Stärke an, Ash. Die wahre Stärke liegt in deinem Herzen, nicht in deinem Schwert." Sie gab ihm einen zarten Kuss, der seine Lippen zum Glühen brachte. "Ich werde jetzt gehen. Tu so, als ob du dich bei mir verabschiedet hättest und mir gesagt hättest, du musst jetzt gehen, so wie dein Bruder es wollte. Ich soll schließlich Sehnsucht nach dir bekommen." Sie zwinkerte ihm unauffällig zu. Er nickte, doch er wusste, das der einzige, der Sehnsucht haben würde, er war.
Ashallyn wollte sie nicht verlassen. Nie im Leben hatte er so etwas gefühlt. Er konnte sie nicht einfach verlassen, doch er wusste, er musste es. Niemand würde die Liebe zwischen einem Winterprinzen und einem Menschen dulden. Er würde sie wiedersehen, doch es würde einige Zeit vergehen und sie würde ihn dann nicht kennen. Ihre gemeinsame Liebe würde verloren sein und er musste dafür sorgen, dass sie sich wieder in ihn verliebte, das hatte Brynna wohl mit der Stärke der Liebe gemeint. Er wusste, dass er verdammt sein würde, aber das war ihm egal. In dieser Nacht hatte er seine große Liebe gefunden. Er würde sie nie vergessen. Seinem Bruder würde er das Ritual bei Vollmond einfach vorspielen und sie würde mitspielen, denn sie wusste, dass sie sich dann eines Tages wiedersehen würden. Sie würde das verletzte, naive, von ihm abhängige Mädchen spielen, obwohl in Wahrheit er es war, der es nicht verkraften würde, sie zu verlassen. Doch in Wahrheit war sie nur so gerissen, es seinem Bruder vorzuspielen, nicht nur, weil sie Ash liebte, sondern auch, weil sie wusste, das wenn Ashallyn scheitern würde oder sie in Ruhe lassen würde, sein Bruder versuchen würde, Ash zu zeigen, dass er es schaffte, sie zu zerstören. Würde er merken, dass es bei ihr nicht funktionierte, würde er sie ganz sicher umbringen in seinem verletzten Stolz. Die Alternative war, sie mit an seinen Hof zu bringen, wo sie alt werden würde, würde sein Bruder sie nicht davor quälen und töten und ihn selber vom Hof verbannen. Nein, sie sollten sich in besseren Zeiten lieben, wenn ihre Liebe eine Chance hatte. Sie würde sicher als Winterfee wieder kommen. Ja so würde es sein. Brynnas Kommentar über eine Verwechslung und Komplikationen hatte er wie durch ein Wunder vergessen.  Diese Lösung war eine deutlich bessere, fand Ash. Sein Bruder würde ihnen das kleine Schauspiel ohne Zweifel abkaufen, wie er ihn kannte.

Vollmond war angebrochen und sein Herz fühlte sich zunehmend schwer an, was es eigentlich immer tat, doch diesmal war es anders. Er würde sie auf dem Steinaltar, den Rowan bereits eingeweiht hatte mit den zahlreichen Mädchen davor, die seinen grausamen Spielchen zum Opfer gefallen waren, nehmen und nur sie würde wissen, dass nicht nur sie ihm dabei ihre Gefühle darbot. Es würde dadurch nur schwerer für Ash werden, sie zu vergessen, das wusste er. Aber wenn er sich drückte, würde Rowan ihr Schlimmeres antun, da war er sich sicher.

Als es vorbei war, kämpfte er mit sich und hatte das Gefühl, seine Maske könnte jedes Mal seine wahren Gefühle durchscheinen lassen, wenn er sie kalt anblickte. Doch sie spielte mit. Grandios. Sie weinte und protestierte, wobei sie Rowan ganz genau sehen konnte, der sich umsonst mit Schein umhüllt hatte und als er sich umwand und in die Schatten trat, lächelte sie ihm noch einmal heimlich zu. Rowan war viel zu sehr damit beschäftigt, sich etwas neues für Ash auszudenken, einen neuen Fehler in seinem Leben, den er begehen würde. In diesem Lächeln lag nicht nur ihre ganze aufrichtige und reine Liebe, die sie ihm, trotz besseren Wissens, geschenkt hatte, sondern auch das Wissen und die Ermunterung, dass sie sich wieder sehen würden, irgendwann. Er würde sie sehnlichst erwarten, das geheimnisvolle Mädchen des Druidenstammes an jenem Bach vor 500 Jahren, das ihn immer kommen sehen hatte. Gerade als sie aus seinem Blickfeld verschwand sah er noch, wie sie einem Kobold einen wissenden Blick zuwarf, der sich an sie herangeschlichen hatte und aus Erstaunen sofort das Weite suchte.

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Als ich erfuhr, dass Brynna tot war, sie war als alte Frau gestorben, verlor ich mich immer mehr selbst, denn obwohl ich wusste, dass sie wiederkehren würde, hatte ich immer Hoffnung gehabt, sie würde nicht sterben, wie jeder normale Mensch. Sie war doch so weise gewesen, so wunderschön, ihre Augen waren wie Spiegel gewesen, und ihre Liebe so rein, stark und schmerzhaft. Ich wusste, wie lange es dauern würde, bis sie wiederkehrte. Ich begann sie zu vergessen und die Liebe in mir, die ihr gegolten hatte und wurde immer mehr wie früher, als ich sie noch nicht gekannt hatte, bevor ich sie getroffen hatte. Doch ich wusste noch nicht, dass sie wirklich wiederkehren würde als eine gewisse Meghan Chase und ich liebte sie mehr denn je.

Ich hatte sie gefunden. Konnte das wirklich sein? Ariella Tularyn, eine Winterfee, die voller Mut, Aufopferung und reinen Herzens war. Ich liebte sie so sehr, doch auch sie konnte meine Maske nicht zerstören. Immer, wenn ich bei ihr war, konnte ich so sein, wie ich wirklich war, denn sie sah Liebe nicht als eine Schwäche sondern als ihre ganz persönliche Stärke und wenn jemand versuchte, sie deswegen niederzumachen, hatte sie ihre Stärke und ihr Selbstbewusstsein nicht verloren und starrte denjenigen in Grund und Boden, bis er das Weite suchte.  Ich liebte sie ja so sehr. Und deswegen traf es mich auch wie tausend Messerstiche, als sie starb. Das Eis umwebte und überdeckte die Risse in meiner Maske und meinem Herz, das sich nach einiger Zeit wieder anfühlte, wie der gewohnte Klumpen, den ich zuvor immer verspürt hatte. Ich wurde wieder grausam und kalt, ausdrucks- und gefühllos, gleichgültig, denn meine Seele war zu Eis erstarrt und nicht mehr fähig, etwas anderes zu fühlen als Gleichgültigkeit. Ich hatte meine Liebe verloren. Ein zweites Mal. Und sie würde nie wieder zurückkehren, diesmal nicht. Also machte ich mich wieder auf und beging die Fehler, zu denen ich verdammt war, sie immer wieder zu tun. Das war nun mal so. Das Schicksal kann manchmal grausam sein.


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Ich hatte Brynna, den Menschen, der wiedergeboren wurde und den ich geliebt hatte, längst vergessen, als Meghan Chase in mein Leben trat oder eher ritt. Und trotzdem fielen mir zum ersten Mal seit Langem wieder Brynnas Worte ein. Zum ersten Mal seit Jahrhunderten erinnerte ich mich wieder an sie. Mir war nun klar, was oder bessergesagt wen sie in Bezug auf die Verwechslung gemeint hatte und mir war auch sofort klar, was es mit den Komplikationen auf sich hatte. Da sah ich sie: Meghan Chase, ihre blonden Haare peitschten wild um ihr Gesicht, sie hatte die blauen tiefgründigen Augen angsterfüllt aufgerissen und ihre Wangen waren ganz rot von der Kälte des Windes. Sie saß auf dem Rücken meines Erzfeindes Puck, der für den Tod von Ariella verantwortlich gewesen war. Und er hatte sich in ein Pferd verwandelt. Ja, ich würde verdammt sein. Brynna hatte mir nicht gesagt, dass sie als Halbbluttochter von Oberon, dem Sommerkönig, wiedergeboren werden würde, geschweige denn als beste Freundin von Puck, der sie mit seinem Leben beschützte und augenscheinlich ebenso etwas für sie empfand. Ja, das waren wirklich Komplikationen. Aber es war mir egal. Ich liebte sie trotzdem, vom ersten Augenblick an. Ich werde verdammt sein. Auf ewig. Doch das ist es mir wert. Auf meinem Mund bildete sich ein Lächeln, ich spannte den Bogen an und mein Pfeil war bereit zum Abschuss.
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