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Im grünen Gras

von shaack
GeschichteFreundschaft, Action / P12 / Gen
Dr. Sydney Green Jarod Ms. Parker
23.08.2014
23.08.2014
4
9.038
 
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23.08.2014 918
 
Ein Samstag, Juni 1994, Delaware, Blue Cove, Haus der Parkers

„Ich muss jetzt los, meine Kleine.“

Catherine Parker küsste ihrer Tochter, der 11-jährigen Miss Parker, zum Abschied die Stirn. Im Spiegel überprüfte sie noch einmal ihr dezentes Make-Up und strich sich einige Strähnen aus dem Gesicht.

„Mami, musst du wirklich weg?“, nörgelte Miss Parker.

„Ja, mein Schatz, ich muss meinen Flieger kriegen“, antwortete sie ihrem eigenen Spiegelbild. Dann nahm sie Blickkontakt zu ihrer Tochter im Spiegel auf und ihr Blick wurde ganz freundlich. „Was hast du heute vor?“

„Ich geh später zu Papa ins Center.“

Catherine drehte sich um und nahm ihren Koffer: „Vergiss nicht, das Geschirr zu spülen. Hab dich lieb.“

„Hm“, antwortete Miss Parker lustlos und öffnete ihrer Mutter die Tür.

Mrs. Parker strich ihrer Tochter noch einmal über den Kopf und ging. Miss Parker lehnte sich mit dem Rücken an die Tür, die mit einem leisen Klick ins Schloss fiel. Sie überlegte, was sie jetzt tun sollte. Das Geschirrspülen verschob sie auf später.

Und dann hatte Miss Parker eine Idee.

Am Nachmittag kam Miss Parker erschöpft aber glücklich zurück. Sie setzte sich auf den Boden und zog kräftig an ihren Reiterstiefeln, bis sie sich von ihren Füßen lösten. Dann fummelte sie den Verschluss ihres Reiterhelms auf und pfefferte ihn in die Ecke.
Durstig lief sie in die Küche, öffnete den Kühlschrank und trank die Milch direkt aus der Verpackung. Sie setzte den Trinkkarton ab und blickte sich in der Küche um. I

n dem sonst so ordentlichen Parker-Haus standen überall leere Weingläser, halbleere Käseplatten, Teller an denen Soße, Krümel und Speisereste klebten. Außerdem viele Tassen mit Kaffeerändern und Gläser (die meisten davon hatte Miss Parker selbst benutzt) mit Saftresten. Der gestrige Empfang hatte eindeutig seine Spuren hinterlassen.

Miss Parker sah auf die Uhr. Sie würde es auf keinen Fall bis 16 Uhr ins Center schaffen, wollte aber dennoch pünktlich sein, damit ihr Vater nicht auf sie warten musste. Sie würden gemeinsam wiederkommen und es wäre nicht gut, wenn ihr Vater sehen würde, dass sie das Chaos nicht beseitigt hatte.

Da fiel Miss Parker ein, wie sie das Geschirr reinigen und trotzdem pünktlich bei ihrem Vater sein konnte. Sie schloss die Kühlschranktür und lief in den Garten. Im Geräteschuppen begann sie hektisch Sachen hin und her zu räumen, bis sie fand, was sie suchte.

Eine Schubkarre.

Mit der lief sie ins Haus zurück. Sie hievte sie zwei Stufen durch den Hintereingang hinauf, der direkt in die Küche führte. In aller Eile kippte sie die Reste aus den Tassen und Gläsern in den Ausguss. Essensreste verschwanden im Müll. Dann stapelte Miss Parker das dreckige Geschirr nach und nach im Schubkarren. Die Zwischenräume stopfte sie mit Geschirrtüchern aus. Dann zog Miss Parker ihre Reitkleidung aus und tauschte sie gegen einen hübschen Rock und eine Bluse.

Auf der Straße zum Center

"Klapper, klirr, klapper, klirr" waren die Geräusche, mit denen Miss Parker voran zog. Das Haus der Parkers lag nicht weit vom Ortsausgang von Blue Cove entfernt. Ebenfalls nicht weit hinter dem Ortsausgang lag das Center.

Da das Center direkt am Meer lag, war es auf einen großen Deich gebaut. Diesen Deich schob Miss Parker ihren Geschirrtransport nun hinauf und schnaufte vor Anstrengung. Sie lief zum Lieferanteneingang und schob die Karre in den Lastenaufzug. Dann lief sie zum Haupteingang. Selbstbewusst bewegte sich Miss Parker durch die Lobby und fuhr mit dem Aufzug in die Führungsetage. Ihre digitale Armbanduhr zeigte 16:07 Uhr. Um nicht noch später zu kommen, rannte Miss Parker den Flur entlang und schwang die Flügeltüren zum Büro ihres Vaters auf.

Zu ihrer Enttäuschung war es leer. Aus ihrer Enttäuschung wurde schnell ein schlechtes Gewissen. Miss Parker setzte sich auf den ledernen Drehsessel, auf dem sie winzig wirkte und betrachtete die Fotos auf dem Schreibtisch ihres Vaters. Auf dem Foto waren Miss Parkers Mutter und Miss Parker als Baby in ihrem Arm. Sie betrachtete das freundliche und anerkennende Lächeln ihrer Mutter und dachte dann an ihren Vater, der das meiste, was Miss Parker tat, missbilligte. Aus Langeweile begann Miss Parker die Büroklammern ihres Vaters zusammenzuknüpfen. Da öffnete sich die Tür. Mr. Parkers überraschtes Gesicht verriet, dass er das Treffen mit seiner Tochter vergessen hatte.

„Engelchen! Was machst du denn hier?“

„Papa!“, antwortete Miss Parker empört und stand auf.

„Ach ja, ja, mein Engelchen, es tut mir leid. Du musst noch etwas auf mich warten, ich habe noch eine wichtige Besprechung.“
Hinter ihm tauchte Mr. Raines auf. Miss Parker konnte ihn nicht leiden. Er blickte immer alle so an, als würden sie nach Erbrochenem riechen, fand Miss Parker. Mit genau diesem verachtenden Blick sah er erst Miss Parker, dann Mr. Parker an und schob fragend die Augenbrauen nach oben. Mr. Parker schob Mr. Raines aus dem Zimmer.

„Kommen Sie, wir sprechen im Konferenzraum“.

Miss Parkers Vater drehte sich noch einmal um: „Engelchen, mach deine Hausaufgaben und warte hier auf mich, ja?“

Dann fiel die Tür hinter ihm zu. Miss Parker ließ sich wieder auf den Stuhl fallen und verschränkte trotzig die Arme. Mit ihren Beinen stieß sie sich ab und drehte einige heftige Runden auf dem Bürostuhl.

„Typisch“, ärgerte sie sich. Ihr Vater lebte in seiner eigenen Welt. Für ihn gab es keine Samstage und Sonntage. Für ihn waren alle Tage gleich. Er wusste nicht mal, dass Miss Parker heute gar keine Schule gehabt hatte. Sie stoppte das Drehen und grinste. Vielleicht kam ihr die Arbeitswut ihres Vaters heute doch ganz recht. Miss Parker stand entschlossen auf und verließ das Büro.
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