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Zaubererbruder

GeschichteDrama, Freundschaft / P18
Juro Krabat Meister
22.08.2014
22.08.2014
28
26.987
5
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11 Reviews
Dieses Kapitel
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22.08.2014 1.504
 
Kurzer Disclaimer: Alle Rechte an der Geschichte verbleiben bei Otfried Preußler, allein der Handlungsverlauf gehört mir. Die Rechte an den verwendeten Lyrics verbleiben selbstverständlich bei ASP. Danke für's Ausleihen.

Inhaltswarnungen: Teilweise explizite Beschreibungen von: Physischer Gewalt, Verletzungen, Wunden, Narben, Krankheit, Nacktheit, Mord, Tod, Verlust und Trauer
Warum Inhaltswarnungen? Elea Brandts Blogbeitrag zum Sinn und Zweck von Inhaltswarnungen

Vorbemerkung: Ich weiß, dass dieses erste Kapitel sehr, sehr songtextlastig ist, aber ASPs Lyrics sagen so viel mehr als jede Beschreibung, die ich selbst geben könnte. Die folgenden Kapitel werden allerdings wieder songtextfrei sein, keine Angst. Allerdings möchte der geneigte Leser sich doch bitte den Song einmal anhören, um einen Einblick in die Stimmung zu erhalten. Danke sehr.
Des weiteren muss ich anmerken, dass ich es ASP zu verdanken habe, nun endlich in der Lage zu sein, meine Version vom Tod des Meisters zu schreiben. Mir fehlte jahrelang der dringend notwendige zweite Blickwinkel auf die Legende, den er mir ermöglicht hat. Ja, richtig zwischen den Zeilen gelesen, hiermit erfülle ich mir einen kleinen großen Wunsch, den ich schon hege, als ich mit zwölf den "Krabat" zum siebten Mal gelesen habe. Der "Krabat" ist, ehrlich gesagt, das Buch meines bisherigen Lebens, und ich wage zu hoffen, dass er es noch eine ganze Weile bleiben wird.
Jetzt aber viel Spaß mit der Geschichte.


Song: ASP - Verwandlungen I - III
http://youtu.be/-Ho97m5ugS4


Zaubererbruder

Prolog
Verwandlungen I - III


Neujahrsabend im Koselbruch. Die Burschen haben den ganzen Tag über schwer geschuftet; sie gehen nach dem Abendessen bald zu Bett. Die Stimmung war schlecht, den ganzen Tag über. Selbstverständlich war vom Meister nichts zu sehen, er hat sich eingeschlossen in seine Kammer. Die Mühle liegt still unter dem Schnee wie unter einem Leichentuch. Nur Krabat ist noch wach, wartet bei der Türe auf die Kantorka. Seine Unruhe lässt ihn zittern. Schließlich hält er es nicht mehr aus; er stürmt auf den Hof hinaus, läuft ihr entgegen, den Weg nach Schwarzkollm hinauf. Er bemerkt nicht den einäugigen Raben auf dem Dach der Mühle, auch der starre Blick des Karpfens im Mühlteich entgeht ihm.  Am Waldrand trifft er auf sein Mädchen...

I -  Das Duell

Erwischt! Ertappt!
Setz dich zur Wehr!
Nun zeig, was hab ich dich gelehrt?
Geflüster sei ein Spinnenetz und fang die Turteltäubchen für mich ein!
Klein soll ich werden, eine Maus, und ich schlüpfe durch die Maschen!
Ich bin zum Sprung bereit, und meine Hände sollen Katzentatzen sein!
Spreize die Arme, flieg, ein Spatz und du kannst mich nicht erhaschen.
Gefieder und gen Himmel, jetzt als Habicht bin dir schon zum Greifen nah.
Flügel als Schuppen, als Forelle bin ich schnell dem Griff entwunden.
Mit 700 Zähnen stelle ich als Hecht dir nach; schon bin ich da.
Ans Ufer als Otter, sei kalt und kälter dort im Eis gebunden.

Abrakadabra!
Worte sind Waffen.
Abrakadabra!
Sie können dich zerbrechen.
Abrakadabra!
Ich werd' neu erschaffen.
Abrakadabra!
Ich bin das was ich spreche.

Zersplittert sei das Weihereis, ein Wolfsfell soll mein neuer Mantel sein!
Hauerbewehrt komm' ich als Keiler und zerschmettre deine Knochen.
Als Eibe rag ich auf, so renn dir doch den Schweineschädel an mir ein!
Rufe den Sturm und einen Blitz, um dir deinen Saft zu kochen.
Gewitter kann mir nichts, ich bin ein Feuer das dich mit dem Rauch erstickt.
Packe den Sturmwind und schleud're ihn damit er dich verwehe.
Verrichte mich zur Schlange, dort im hohen Gras entschwinde ich dem Blick.
Stehe als Falke in der Luft und so werd' ich dich schon sehen.

Er hat es geschafft. Der Meister ist besiegt. Krabat hat ihn zur Flucht gezwungen. Der Einäugige hat sich zurückgezogen, auch als Falke war es Krabat unmöglich gewesen, ihn zu finden. Er sinkt zu Boden, doch noch bevor er sich in einen Menschen verwandeln kann vernimmt er die heisere Stimme in seinen Gedanken, die er mittlerweile nur zu gut kennt. "Krabat", krächzt sie...

II - Die Lektion

Gut gekämpft, mit Wort und Tat, mit Hand und Zunge;
Dafür gebührt dir nun der Lohn.
Ja, dafür lernst du heute endlich guter Junge,
Die allerwichtigste Lektion.
Manche Nacht gelang es dir im Buch zu lesen,
Und Spruch um Spruch warst du gestärkt.
Am Tag verhieltst du dich als wäre nichts gewesen,
Und glaubst ich hätte nichts bemerkt.
Durch Worte macht man sich die dunkle Macht zu Diensten,
Doch sie genügen nicht allein.
Denn so tief man eintaucht in die Kunst der Künste,
So schwarz muss man im Innern sein.

Der Koraktor muss die Seele widerspiegeln.
Schau hinein, du wirst erkannt!
Sonst bleibt er nichts als ein Buch mit sieben Siegeln,
Nicht umsonst wird sie die schwarze Kunst genannt.
Wie die Mächtigen es schon seit jeher wissen,
Es gibt immer einen Kniff.
Denn als Guter bist du niemals so gerissen,
Ein Zauberpfeil der immer trifft,
Hilft am Ende nicht die finsterste Intrige,
Und wenn du dich mir nicht ergibst,
Kann ich dich vielleicht auch heute nicht besiegen,
Dann töte ich das was du liebst!

Durch Heidekraut so wie ein Pfeil so unbarmherzig tödlich wenn er trifft!
Gleich bin ich da, nichts mehr stellt sich zwischen mich und meine Beute.
Dort liegt sie hinterm Weidenstrauch, und von den spitzen Zähnen tropft das Gift.
Den falschen Geliebten hast du dir gewählt und darum stirbst du heute!

Krabats Herz setzt aus, als er die Kantorka zu Boden sinken sieht. Sein Sieg hat ihnen beiden nur den Tod gebracht. Er selbst hat ihr den Tod gebracht. Sie stirbt wegen ihm, wie damals Worschula für Tonda das Leben gelassen hat. Der Meister wird ihm ein weiteres, bitteres Jahr auf der Mühle vergönnen und ihn danach umbringen. Wie er es mit Tonda getan hat. Und mit weiß Gott wievielen noch...

III - Der Tod

Ich sehe, nur ganz kurz,
Eine Schlange sich fortwinden.
Ich fang dich, noch im Sturz
Und seh das Leben schwinden.

Oh Liebste, bleib bei mir!
Wie soll ich weiterleben?
Du zitterst, und du frierst.
Will dir einen Mantel weben.

Ich flüst're in dein Haar.
Erschaffe zarte Daunen.
Dein Blick ist nicht mehr klar
Und zeigt nur noch Erstaunen.

Ein weißes Federkleid
Um dich drin einzuhüllen,
Ein Gefäß für kurze Zeit
Um die Seele einzufüllen.

Dein Körper ist schon tot,
Doch ich muss ihn weiter wiegen.
Und ich seh' im Abendrot
Einen Schwan zum Himmel fliegen.

Eine einzelne, weiße Schwanenfeder bleibt in Krabats Händen zurück. Sein Innerstes ist so kalt wie der Schnee, in dem er kniet. Er kann nicht zur Mühle zurück. Jetzt nicht mehr. Doch er muss, er hat gesiegt und nicht der Meister... er muss sie rächen. Kalt brennt der Hass in ihm, als er sich auf den Rückweg macht.


Die Burschen erwarten ihn verstört, als er die Mühle betritt. Vom Meister fehlt jede Spur. Er stößt die Tür zur Schwarzen Kammer auf, schreit wie wahnsinnig nach ihm, bricht selbst das Schloss zum Zimmer des Meisters, doch die Mühle bleibt still, der Meister antwortet nicht...

Am Neujahrsmorgen finden die Burschen Krabats Bett leer vor, doch nicht er ist es, der für den Meister mit dem Leben bezahlt hat. Merten liegt starr und kalt auf der Pritsche, das Haar zerwühlt und das Gesicht vor Entsetzen verzerrt.  Andrusch, der ihn entdeckt hat, zieht ihm die Decke übers Gesicht.

Sie bestatten ihn am folgenden Tag auf dem Wüsten Plan, ohne Pastor und Kreuz, und ohne viel Worte. Der Schnee fängt an, das Grab zuzudecken, sobald es zugeschaufelt ist.  Krabat und der Müller bleiben verschwunden bis zum Vorabend des Dreikönigstages.  Als sich die Mühle rumpelnd und ächzend in Gang setzt, steht Krabat wieder auf der Schwelle. Sein Haar ist weiß wie frisches Mehl, er sieht gealtert aus. Er verlangt, den Müller zu sprechen, doch der Müller verlacht ihn und sperrt sich in der Schwarzen Kammer ein. Krabat bleibt bis zum nächsten Morgen vor der Tür zur Schwarzen Kammer stehen.

Als die Burschen zum Frühstück aus der Schlafkammer kommen, steht er immer noch dort. Just als auch der letzte von ihnen die Gesindestube betreten hat, reisst der Meister die Tür auf und stößt Krabat um. Der Geselle schreit wie ein Wahnsinniger auf, zerrt sein Beil vom Gürtel und hackt damit auf den Müller ein. Der lacht nur, lacht ein grausames, kaltes Lachen, als ihm die Klinge wieder und wieder ins Fleisch fährt und sein Blut auf die Dielen spritzt.

Die Burschen haben sich im Flur versammelt. Der Meister geht zu Boden, kein Stückchen Haut an ihm ist noch unversehrt, und doch lacht er noch. Er lacht dem Jungen ins Gesicht, dem er alles genommen hat.

"Du bringst mich nicht um, Krabat", sagt er hämisch. Man hört das Blut in seiner Brust glucksen, als er weiterspricht mit fester Stimme: "Du bringst mich nicht um, dafür kommst du zu spät." Dann verliert er das Bewusstsein. Die Mühle steht mit einem Schlag totenstill. Und Krabat, blutbesudelt von oben bis unten, lässt das Beil fallen und bricht in die Knie. Er beginnt zu zittern, zu schluchzen und schließlich lacht auch er wie von Sinnen...
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