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Das WG-Baby oder was passiert wenn Wilde Hühner und Pygmäen sich ihre vier Wände teilen

von Mimimore
GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P16 / Gen
Charlotte Slättberg /Sprotte Frieda Goldmann Friedrich Baldwein / Fred Melanie Klupsch Wilhelm Blödorn / Willi Wilma Irrling
22.08.2014
22.08.2014
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22.08.2014 653
 
Frieda saß mit ihrem Laptop am Küchentisch und versuchte sich zu konzentrieren. Statistik konnte sie noch nie besonders gut leiden, da zeigte sich mal wieder, dass Mathe einfach nicht ihr Ding war. „Oh verdammt, Steve, jetzt dreh doch mal die Musik leiser! Es gibt auch Leute, die bis übermorgen ihre Hausarbeit abgeben müssen!“ Frieda studierte Psychologie im dritten Semester und jobbte nebenbei auf einem kleinen Biobauernhof außerhalb von Berlin. „Tschuldige“ Steve stecke seinen verschwitzten Kopf aus der weißgestrichenen Zimmertür, er hatte offenbar mal wieder trainiert.

Manchmal fragte sich Frieda echt, ob das mit der WG eine so gute Idee gewesen war. Sie hatten sich das komplette oberste Stockwerk eines Berliner Altbaus in Neuköln gemietet. Dort wohnten sie nun zu neunt, seit mehr als einem Jahr schon. Alle waren mitgekommen, die Hühner Melli, Trude, Wilma, Sprotte und Frieda und natürlich die Pygmäen Fred, Willy, Steve und Torte. Dass das alles so hingehauen hatte, war ein kleines Weltwunder, schließlich hatte jeder für seine Zukunft ganz eigene Pläne. Wilma hatte ihre Träume zur professionellen Schauspielerei mittlerweile aufgegeben, sie hatte eine kleine Schauspielgruppe gefunden, mit der sie sich regelmäßig traf. Ihre restliche Energie steckte sie in ein von ihr initiiertes Projekt gegen Diskriminierung an Schulen. Trude und Steve waren gerade erst von ihrem einjährigen Trip nach Skandinavien wiedergekommen und waren noch mehr oder weniger unschlüssig, wie es weitergehen sollte. Fred studierte Agrarwissenschaften, Sprotte Sonderpädagogik und Willy hatte dieses Jahr sein Politikwissenschaftsstudium begonnen. Melanie arbeitete zurzeit fünfmal wöchentlich in dem  kleinen Café unten im Haus, um sich ihre im nächsten Jahr anstehende Ausbildung zur Kosmetikerin zu finanzieren. Sogar Torte war aus Dänemark zurückgekommen und unterrichtete jetzt dänisch an der VHS.

So ging alles seinen Gang und doch war es schwer in der Altbauwohnung mit den hohen Holzfenstern und dem knarzenden Parkettboden Ruhe zu finden, geschweige denn allein zu sein. Frieda beobachtete, wie Melli draußen auf dem kleinen mit Pflanzen zugestellten Balkon stand, telefonierte und gleichzeitig an ihrer Zigarette zog.  Wahrscheinlich hatte sie wieder Stress mit ihrem derzeitigen Freund, Leander oder so ähnlich. Frieda hatte ihn erst einmal gesehen. Zugegebenermaßen, er sah verdammt gut aus, aber mehr konnte sie an dem Kerl echt nicht finden. Sowas von arrogant. Mist, sie durfte nicht abschweifen. Diese Hausarbeit war wirklich wichtig und vor allem noch lange nicht fertig. Wenigstens war Steves Musik jetzt aus, dafür drangen jetzt so verdächtiges Stöhnen und Keuchen aus dem Zimmer. Dass Trude das nicht stört, dass Steve so verschwitzt ist…

Frieda klappte ihren Laptop zu und gab auf. Dann würde sie ihre Zeit eben besser nutzen und nach oben zu den anderen gehen. Nach oben bedeutete mit einer Leiter hoch aufs Flachdach. Sprotte hatte bestimmt ein halbes Jahr gebraucht, um sich zu überwinden da hinauf zu klettern. Dort hatten sie, wenn auch nicht ganz erlaubt, ein paar Sitzsäcke und eine Holzkiste als Tisch aufgestellt. Umgeben waren diese von großen Blumentöpfen, aus denen Friedas Tomaten- und Paprikapflanzen rankten.

„Frieda…“ Willy saß da, von den anderen keine Spur. Frieda lächelte und kuschelte sich zu ihm auf den Sitzsack, ja so war die Zeit wirklich besser genutzt, sie hatten ohnehin so wenig Zeit füreinander. Willy küsste sie zärtlich in den Nacken. „Ich liebe dich. Frieda, ich liebe dich“. Sie drehte ihr Gesicht zu ihm, sah ihm in die Augen und flüsterte: „Ich dich auch. Willy, ich dich auch“. Sie streichelt über seine Brust, über seine kräftigen Schultern sein Stoppelkinn, seine Haare, sie zieht seinen Geruch ein, ach könnte dieser Moment doch ewig währen!

„Frieda, du weißt, ich liebe dich, ich habe dich immer geliebt und ich werde dich immer lieben.“, sagt er wieder, ein Hauch von Verzweiflung ist aus seiner Stimme zu entnehmen. „Ich dich doch auch, Willy“ Das wird langsam merkwürdig, was ist los mit ihm?  „Frieda, ich muss mit dir reden.“ Irgendwie schwante ihr nichts Gutes, diese Art, als müsse er ihr irgendetwas Schreckliches beichten, irgendetwas, was sie am liebsten gar nicht wissen möchte.
 
 
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