Ein Fall, eine Verhandlung, eine neue Liebe?

GeschichteDrama, Romanze / P16
21.08.2014
21.08.2014
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Es war der 23. September. Ein kalter regnerischer Tag. Das Wetter passte genau zur Stimmung von Staatsanwältin Benita Schrank. Sie war gerade dabei sich fertig zu machen. An ihrem freien Tag ins Gericht. Wundervoll. Doch schließlich war sie die Kronzeugin in einem Mordfall. So einfach konnte sie also nicht zu Hause bleiben.

Benita entschied sich dazu einen schwarzen Hosenanzug mit passenden Pumps anzuziehen. Nicht das es wichtig gewesen wäre, aber da sie selbst oft mit dem vorsitzenden Richter arbeitete, wollte sich auch als Zeugin ein gutes Bild hinterlassen. Sie zog sich also an und machte ihr gekipptes Schlafzimmerfenster zu. Der Regen prasselte gegen die Scheiben und Benita seufzte. Sie ging in die Küche und schenkte sich eine Tasse dampfend heißen Kaffee ein. Sie nippte an ihrem Kaffee und lehnte ihre Stirn gegen das kalte Fenster. Was für ein Tag. Was für ein unendlich trauriger Tag. Und das nicht weil sie ins Gericht musste, nein das war ihr egal, schließlich war sowieso niemand zuhause der sie vermissen würde, eigentlich nahm sie der Fall ziemlich mit. Ein Kind, 6 Jahre alt, kaltblütig erschossen vom eigenen Vater. Benita schüttelte sich. Und in diesem Fall musste sie auch noch als Hauptzeugin auftreten.

Benita trank ihren Kaffee aus. Dann ging sie  zur Tür. Sie nahm ihre Autoschlüssel und schloss hinter ihr die Türe ab. Dann fuhr sie zum Gericht.

Vor dem Gericht war der Teufel los. Der Fall hatte viel mediale Aufmerksamkeit erregt. Natürlich. Benita murmelte nur etwas von 'kein Kommentar' und drängte sich durch die Menge. Sie wurde von einem Journalisten, sie glaubte zumindest das er ein Journalist war, ziemlich unsanft zur Seite geschubst. "Verzeihung", murmelte der Journalist. Benita strich sich ihren Blazer zu recht und ging einfach weiter. Der Tag war schon schlimm genug da wollte sie nicht auch noch mit einem Journalisten diskutieren.

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Es war ein verregneter, grauenvoller, düsterer Tag. Genauso düster wie die Stimmung bei Staatsanwalt Stephan Lucas. Er war bereits in seinem Büro. Schon seit halb sechs Uhr morgens. Heute war schließlich die große und wichtige Verhandlung. Er las bereits zum 100 mal die Akte und konnte noch immer nicht glauben was passiert war. Ein Vater der sein eigenes Kind erschossen haben soll. "In dubio pro reo", flüsterte er. Doch sofort fiel ihm wieder ein, welche Zeugin die Hauptzeugin war. Benita. Seine Kollegin und langjährige Freundin.

Er atmete aus und nippte an dem Kaffee der vor ihm stand. Er war längst kalt. Wie sollte es auch anders sein er stand schließlich schon knapp eine Stunde vor ihm. Und es war auch nicht sein erster heute. Der junge Staatsanwalt warf einen flüchtigen Blick auf seine Uhr. Eine Stunde noch bis zur Verhandlung. So ironisch das vielleicht klingen mag doch er freute sich auf den Moment in dem Benita zur Aussage kommen würde. Er mochte sie und hatte sie schon länger nicht mehr gesehen. Vergangene Woche hatte er Urlaub gehabt und diese Woche sie. In Gedanken glitt er ab zu  ihrem bezaubernden Lächeln. Doch sofort schüttelte er sich. Was dachte er da eigentlich? Der Mord war es der ihn beschäftigen sollte und nicht das Lächeln seiner Kollegin, die mitunter bestimmt vergeben war, so hübsch wie sie war.

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Es war nicht üblich für Benita und doch schlotterten ihr die Knie vor der Verhandlung. Sie saß vor dem Sitzungssaal und wartete darauf aufgerufen zu werden.  Was der Angeklagte wohl ausgesagt hatte? Benita schauderte. Da ertönte ihr Name durch die Sprechanlage des Gerichtes.

Benita erhob sich und ging in den Saal. Der tränennasse Blick der Mutter des Jungen streifte sie. Dann sah sie den Angeklagten. Er wirkte nicht traurig. Einfach nur unendlich kalt. Und sie war sich sicher er würde alles bestritten haben. Wie konnte man so grausam sein?

Benita setzte sich und da fiel ihr Blick auf ihren Kollegen Stephan Lucas, der die Anklage in diesem Fall vertrat. Sie lächelte kurz und sah dann zum Richter, Alexander Hold. "Frau Schrank...", begann er ihre Personalien vor zu lesen und sie anschließend mit einem leichten Lächeln im Gesicht zu belehren. Sie nickte nur. Irgendwie fühlte sie sich komisch. Ihr war ein bisschen schlecht. Ein dumpfes Gefühl machte sich in ihrem Magen breit.

"Frau Staatsanwältin? Alles in Ordnung? Sie sehen sehr blass aus", hörte sie Alexander Hold besorgt fragen. Nun ja war alles in Ordnung? Benita war sich selbst nicht so ganz sicher.

"Ähm ja...Mir ist nur ein bisschen übel. Kein Problem es geht gleich wieder", sagte sie. Sie sah aus den Augenwinkeln Stephan aufstehen und ihr ein Glas Wasser bringen. Dankbar wollte sie nach dem Glas greifen als plötzlich alles um sie herum schwarz wurde....

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Stephan musste schon viel in seiner Laufbahn als Staatsanwalt ertragen. Doch sowas hatte er noch nie erlebt. Er hatte der Aussage des Angeklagten aufmerksam gelauscht und ihn dabei genau beobachtet. Dieser Mann konnte kein Herz haben. Er saß einfach da, bestreitete es sein Kind getötet zu haben und sein Gesicht zeigte dabei keinerlei Regung. Unglaublich.

Ihn selbst nahm es viel zu sehr mit. Er war Staatsanwalt, er wurde nicht dafür bezahlt Mitleid mit den Opfern zu haben. Er schluckte und versuchte sich nun auf die Aussage der Frau und Mutter zu konzentrieren. Sie weinte gar bitterlich und ihm zog es alles zusammen. Mein Gott, wie schlimm musste es sein gleichzeitig sein Kind und seinen Mann zu verlieren? Und noch dazu war der Mann an allem Schuld. Stephan schüttelte einfach den Kopf.

Als nächstes kam Benita herein. Sie wirkte blass und erschöpft. Bestimmt hatte sie sich auch viel zu sehr mit dem Fall beschäftigt. Er lächelte sie an und ihm ging das Herz auf als sie zurück lächelte. Doch da ahnte er nicht was dann passieren würde...
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