Außerdurchschnittlich

KurzgeschichteFreundschaft / P12
Akashi Seijūro Mibuchi Reo
21.08.2014
21.08.2014
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Kuroko no Basuke und damit die in dieser Geschichte vorkommenden Charaktere sind geistiges Eigentum von Fujimaki Tadatoshi.

Schon wieder Kack mit 'nem Kacktitel. Ihr werdet mich nicht los. xD
Das ist 'ne Fortsetzung zu Puzzle. Oder so. Und es ist ganz sicher nicht die Story, die ich schreiben wollte, als ich vor 'nem halben Jahr das erste Mal dachte "Wenn Rakuzan verliert, schreibst du 'ne Fanfic darüber."
Viel Spaß. :)
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„Wenn ihr mich enttäuscht habt und ich mich von euch abgewandt habe. Wenn ich entschieden habe, allein aus eigener Kraft zu kämpfen.“

„Es ist wirklich ärgerlich, dass ihr fragen müsst, wer ich bin. Ich bin offensichtlich Akashi Seijūrō.“

„Ich habe euch eine unansehnliche Seite von mir gezeigt und dafür sollte ich mich entschuldigen. Es tut mir leid.“

Irgendwann im Verlauf des Finalspiels hatte Reo einfach nicht mehr verstanden, was genau grade passierte. Nicht wegen des Spiels an sich. Sondern wegen Akashi, der, je mehr das Spiel sich dem Ende neigte, immer mehr zu einem einzigen Widerspruch heranwuchs und damit alles auf den Kopf stellte, was Reo im letzten dreiviertel Jahr über ihn gelernt hatte.
Das war nicht wirklich leicht für ihn.
Er hatte diesen Akashi sehr gern gehabt, der ihn kühl und berechnend angesehen hatte und der ihn stets respektiert und mit Höflichkeit behandelt hatte, ohne jemals etwas von sich selbst Preis zu geben und ohne sich zu öffnen. Dieser Akashi war ein Akashi gewesen, den Reo kannte und einschätzen konnte und bei dem er wusste, wie weit er gehen konnte. Den neuen Akashi hingegen konnte er überhaupt nicht einschätzen.
Der neue Akashi hatte ihn angelächelt und seinen Wurf gelobt und hatte die Zone mit ihnen geteilt und Dinge getan, mit denen Reo niemals gerechnet hatte. Und der neue Akashi stand jetzt als letzter in der Umkleide, während Reo auf dem Flur an der gegenüberliegenden Wand lehnte und wirklich nicht wusste, ob er zu ihm hineingehen durfte oder nicht, weil er nicht wusste, was für ein Mensch ihn dort drinnen erwarten würde.
Der alte Akashi war ein König gewesen.
Nein, er war sogar noch mehr gewesen. Er hatte Könige gestürzt und Bauern geopfert, bis er auf einem Thron aus ausrangierten Schachfiguren gesessen und auf die Welt zu seinen Füßen hinabgeblickt hatte. Das war seine Welt gewesen und wie ein Gott hatte er darüber gewacht. Er war so unerreichbar gewesen, so erhaben, unfehlbar und so schön...
Aber um all diese Eigenschaften hatte Reo ihn nie beneidet, denn er musste auch sehr einsam gewesen sein. Wer hätte seine Größe auch erreichen sollen? Er war mehr als die Menschen in seinem Umfeld, er war besonderer... Und Reo hatte in diesem Winter Cup Finale nichts mehr gefürchtet, als dass man Akashi seine Größe nehmen würde.
Mit dem, was in diesem Finale aber wirklich passierte, hatte er nicht gerechnet.
Der neue Akashi war anders, aber... Reo mochte ihn. Er wusste nur nicht, wie er mit ihm umgehen sollte. Oder durfte.
Deshalb stand er im Gang gegenüber der Tür ihrer Umkleidekabine und fragte sich, ob er hineingehen durfte. Aber im selben Moment wurde ihm die Entscheidung abgenommen, weil die Tür von innen geöffnet wurde.
„Mibuchi“, sagte Akashi überrascht. Sein Nachname aus Sei-chans Mund klang bitter distanziert und ungewohnt, aber wahrscheinlich würde er sich daran gewöhnen müssen. „Hast du auf mich gewartet?“
„Aber natürlich.“ Reo setzte ein Lächeln auf, aber es kostete ihn unglaublich viel Mühe, weil die Gesamtsituation ihn vollkommen überforderte. Das war ihm vorher noch nie passiert. Er hatte immer alles im Griff, in diesem Punkt war er dem alten Akashi gar nicht so unähnlich. Er hatte auch sich selbst immer im Griff und bewahrte selbst in hektischen Momenten eine Seelenruhe, um die er manchmal von seinen Teamkollegen beneidet wurde.
Wenn sie ihn jetzt sehen könnten, würden sie ihn wohl kein bisschen beneiden. Er war, weil er nicht genau wusste, was er sagen sollte. Akashi hatte immer gewonnen und ihm war immer alles gelungen, aber jetzt... Sie hatten verloren und eigentlich erwartete Reo eine sehr viel heftigere Reaktion von seinem Captain.
Aber alles, was Akashi in diesem Moment tat, war ihn anzulächeln und sich bei ihm zu bedanken.
„Aber das ist doch selbstverständlich“, erwiderte Reo nur und dann gingen sie eine Weile nebeneinander her, ohne dass einer von ihnen auch nur ein Wort sagte.
Irgendwie war Reo ziemlich dankbar dafür, dass die anderen ohne Murren vorgegangen waren und sie allein gelassen hatten. Er brauchte etwas Zeit, um diesen Akashi kennenzulernen und er wollte sich diese Zeit nehmen - aber er wollte sie alleine, damit er sich auf nichts anderes konzentrieren musste. Und um ehrlich zu sein auch, damit Akashi sich auf nichts anderes konzentrierte.
Manchmal - das musste er ehrlich zugeben - konnte er ziemlich besitzergreifend sein. Deshalb war er immer ein wenig stolz darauf gewesen, so gut mit Akashi auszukommen und eine so enge Beziehung zu ihm aufgebaut zu haben. Diese Beziehung wollte er wiederhaben, auch wenn das bedeutete, dass er Akashi ein zweites Mal komplett neu kennenlernen musste. Immerhin schien er in absolut jeder Hinsicht ganz anders als die Person, mit der Reo seit fast einem Jahr Basketball spielte.
Aber jetzt, da Reo neben ihm her ging und ihn aus dem Augenwinkel betrachtete, wurde ihm bewusst, dass er das eigentlich nicht so schlecht fand. Ungewohnt, das war es wirklich, aber nicht schlecht.
Trotzdem gab es einiges, das ihn störte und dieses distanzierte Mibuchi war wirklich nur ein kleiner Teil davon. Am meisten störte ihn, dass er einfach nicht verstand, was passiert war und was das für eine Person war, die jetzt neben ihm ging. Er überlegte eine ganze Weile, wie er die Frage danach formulieren konnte, ohne Akashi zu nahe zu treten und ohne ihn zu erzürnen oder dergleichen, aber irgendwie wollte ihm dazu absolut nichts in den Sinn kommen.
„Wer bist du?“, fragte er deshalb einfach. Das war sicherlich nicht die netteste und auch sicherlich nicht die klügste Art, diese Frage zu stellen, aber die einfachste und zu seiner Überraschung wurde Akashi nicht einmal wütend.
Er lächelte nur.
Warum lächelte er so oft?
„Das habe ich euch schon während des Spiels gesagt“, antwortete er. „Ich bin Akashi Seijūrō.“
„Aber…“ All die Dinge, die Reo sagen wollte, klangen falsch und unhöflich und deshalb sagte er lieber gar nichts.
„Aber ich war für eine Weile… unpässlich, könnte man sagen“, fuhr Akashi fort. „Und es mag zwar etwas gedauert haben, aber jetzt bin ich zurück.“
Eigentlich glaubte Reo, dass ihm das verrückt und seltsam vorkommen sollte, aber das tat es absolut nicht. Immerhin sprach er mit Akashi. Akashi war noch nie durchschnittlich oder wie jeder andere gewesen und irgendwie passte deshalb auch dieses unpässlich und zurück sein zu ihm.
Um ehrlich zu sein erleichterte ihn das ungemein, denn Akashi hatte zumindest nichts von seiner Besonderheit und seiner Außerdurchschnittlichkeit verloren, beides Dinge, die Reo an ihm immer sehr geschätzt hatte.
Er hatte ohnehin alles an Akashi geschätzt und vermutlich würde er das auch in Zukunft tun. Trotzdem gab es einige Dinge, die nicht so bleiben konnte, wie sie jetzt waren und ein guter Anfang wäre es, wenn Akashi ihn wieder mit seinem Vornamen ansprach.
„Sei-… Akashi“, begann er deshalb, nachdem er einen Moment darüber nachgedacht hatte, wie er diese Bitte formulieren sollte und nachdem er damit gehadert hatte, wie er Akashi nennen sollte. Er hatte sich für seinen Nachnamen entschieden, weil er damit auf der sicheren Seite war, aber er fühlte sich trotzdem nicht wirklich wohl damit. „Würde es dir etwas ausmachen, mich nicht Mibuchi zu nennen?“
Akashi sah für einen Moment fast überrascht aus, was Reo noch viel mehr verwirrte als sein Lächeln oder die Tatsache, dass er ihn während des Spiels gelobt hatte. Dann lächelte er wieder; diesmal deutlicher als zuvor.
„Ich schätze, wir können bei Reo und Sei-chan verbleiben.“
Wirklich. Reo hatte absolut keine Ahnung, wie er damit umgehen sollte – aber vielleicht gab es auch gar keinen alten und keinen neuen Akashi, sondern einfach nur Reos Sei-chan, der vielleicht sowas wie sein bester Freund war.