"Ich lass dich nicht los."

KurzgeschichteRomanze / P16
Izaya Orihara
18.08.2014
18.08.2014
1
1988
 
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Glücklich und unbekümmert lief Nina durch die Straßen Ikebukuros. Es war ein normaler Tag für die dreiundzwanzigjährige Blumenverkäuferin.
Eigentlich war sie ausgebildete Arzthelferin doch hatte sie sich entschieden, den Blumenladen ihrer Großmutter zu übernehmen.
Sie ging an einer Gasse vorbei und sah in dieser eine sitzende Gestalt.
Schlagartig blieb sie stehen als sie bemerkte, dass die Person blutete.
Schnell rannte sie zu der Person und kniete sich vor sie.
„Hallo?
Können Sie mich hören?“
Langsam hob die Person den Kopf und rötliche Augen blickten in Ninas graue Augen.
Diese zuckte zusammen als sie die Person erkannte.
Izaya Orihara.
Ihr Klassenkamerad aus der High-School und ehemaliger Schwarm.
Sie schob seinen Ärmel hoch und begutachtete die Wunde an seinem Arm.
„Warum machen Sie das?“
Nina ließ nicht von ihrem Tun ab.
„Weil es gegen meine Ehre als Arzthelferin verstößt, wenn ich dich hier sterben lasse, Izaya Orihara.“
Ein Grinsen legte sich auf dessen Gesicht ehe er mit dem Gesicht bewusstlos auf ihrer Schulter landete.
Durch sein Gewicht zurückgeworfen fiel sie auf ihren Hintern.
Nina hörte, wie sich ihr Schritte näherten.
„Was machst du mit dem Floh?“
Nina kannte die Stimme und sah über ihre freie Schulter den blonden Mann an.
„Nach was sieht es den aus, Shizuo?
Ich helfe ihm.
Du weißt genau, dass es gegen meine Ehre als Arzthelferin ist, wenn ich ihn sterben lasse.“
Der Mann schüttelte den Kopf.
„Du bist dabei, den größten Fehler deines Lebens zu begehen, Nina.“
Diese schüttelte nun ihren Kopf.
„Nein, den habe ich damals begangen als ich mich in ihn verliebt habe.
Doch nun hilf mir bitte, ihn zu mir zu schaffen.
Er ist nämlich etwas zu schwer für mich.“
Shizou seufzte tief ehe er den Schwarzhaarigen von Ninas Schulter nahm und aufstand.
Zusammen gingen sie zu Ninas Wohnung, wo Shizuo den Verletzten auf ihr Sofa legte.
„Ich geh eben Shinra holen.“
Damit verschwand der Mann.
Nina entledigte Izaya seiner Jacke und seines T-Shirts.
Danach folgten seine Schuhe.
Die Tür öffnete sich und herein kam ein besorgter Shinra mit einem genervten Shizuo.
„Verdammt.
Die Wunden sehen schlimm aus.
Wie ist die Lage, Nina?“
„Er hat eine Kugel im Bein und im Bauch.
Außerdem einige Schnittverletzungen am Arm.
Er wurde ziemlich demoliert.“
Zusammen machten sich Shinra und Nina daran, die Kugel aus Izayas Bauch zu holen.
Nachdem die Wunde gesäubert und genäht wurde zogen sie ihm die Hose aus und machten mit seinem Bein weiter.
Zum Schluss kamen noch die kleineren Verletzungen dran.
Sie verbanden die Wunden schließlich noch.
Geschafft seufzten die beiden Ärzte tief.
„Ich gehe mal eben seine Kleidungen waschen.
Shinra, in der Küche ist noch etwas zum Essen.
Ruh dich etwas aus.
Shizuo, könntest du in der Zeit auf Izaya aufpassen?
Danke.“
Mit diesen Worten und Izayas Kleidung verließ Nina das Wohnzimmer.
Shinra lachte leise.
„Sie scheint ihn immer noch zu lieben.“
Auf seine Worte stöhnte Shizuo nur genervt.
Eine Zeit war es still bis man Shizuo rufen hörte.
„Irgendetwas stimmt nicht.“
Sofort waren beide Ärzte zu Stelle.
Shinra fühlte Izayas Puls und blickte ernst Nina an.
„Er hat einen Herzstillstand.
Wiederbelebungsmaßnahmen einleiten.“
Shinra leitete die Herz-Druck-Massage ein.
Nach zwei Minuten hatten sie wieder einen Puls.
„Er ist stabil.“
Shinra zog Izaya einen weißen Bademantel an und legte ihn mit Shizuos Hilfe in Ninas Bett.
Diese legte eine Decke über das Sofa und setzte sich darauf.
Besorgt seufzte sie.
Shinra setzte sich neben sie.
„Keine Sorge.
Ich bin mir sicher, Izayas Wunden werden heilen und dann ist er wieder der Alte.“
„Ich hoffe, du hast Recht.
Ich geh mir mal die Beine vertreten.
Es wäre nett, wenn du ein Auge auf ihn haben könntest.
Shizuo, du kannst übrigens gehen.
Ich denke, Shinra kommt gut allein zu recht.
Danke für deine Hilfe.“
Shizuo grummelte etwas und verließ die Wohnung.
Einen Teil des Weges gingen Nina und Shizuo gemeinsam ehe sie sich trennten.
Shizuo ging zu sich nach Hause während Ninas Weg in den Park führte.
Dort setzte sie sich auf eine Bank und spielte das Geschehen der vergangenen Stunde in ihrem Kopf noch mal ab.
Sie hatte nicht geglaubt, Izaya noch einmal wiederzusehen.
Demnach kam das Ganze überraschend.
Sie hatte jedoch keine Zeit, sich zu freuen und seine Nähe zu genießen.
Sie würde in wenigen Tagen nach Kyoto gehen, um dort zu arbeiten und ein neues Leben anzufangen.
In ihren Gedanken versunken merkte sie nicht, wie schnell die Zeit vergangen ist.
Derweil setzte sich eine Person in ihrem Bett auf.
Der Schwarzhaarige wusste nicht, wo er war, noch, warum man ihn verarztet hatte.
‚Das Letzte, an das ich mich erinnern kann, ist diese Frau mit den grauen Augen und dem bronzenen Haar.
Wo bin ich also?‘
Die Tür öffnete sich und herein trat Shinra.
„Oh!
Du bist wach, Izaya!“
Izaya blickte dem Arzt emotionslos entgegen.
„…Shinra.“
Dieser hielt ihm zwei Finger vors Gesicht.
„Okay, hier!
Wie viele Finger siehst du?“
„2…“
Shinra strahlte ihn förmlich an.
„Richtig.
Deine Sehkraft sowie Hirnströme scheinen normal zu sein.
Die Atmung ist ebenfalls in Ordnung…Glückwunsch, Izaya.
Du hast eine Kugel im Bein, eine im Bauch und einen Herzstillstand von zwei Minuten überlebt.“
Izaya sah einen Moment auf die Decke.
„Shinra, warum lebe ich noch?“
Verdutzt blickte dieser ihn an.
„Na weil wir dich verarztet haben.“
Nun hob Izaya den Kopf.
„Wer ist „wir“?“
„Na wir.
Shizuo, Nina und ich.“
Izaya blieb still.
‚Nina?
Etwa die Frau, die mich fand?‘
„Sag bloß nicht, du erinnerst dich nicht mehr an Nina.
Du weißt schon, die kleine braunhaarige Streberin mit der Brille und der viel zu großen Kleidung.
Du hast angefangen sie zu hassen, weil du ihre Reaktionen nicht analysieren konntest.“
Nun machte es bei dem Schwarzhaarigen Klick.
Ruckartig schoss sein Kopf nach oben.
Er setzte sich auf und suchte seine Kleidung.
„Hey, Izaya!
Was machst du da?
Leg dich wieder hin oder die Wunden reißen wieder auf!“
Doch Izaya ignorierte den Arzt und fing an sich wieder anzuziehen.
„Wo ist sie?“
Shinra merkte schon an Izayas Ton, dass ihm die Sache wichtig war.
„Im Park, schätze ich.
Sei aber bitte vorsichtig.
Nicht das die Wunden wieder aufreißen.“
Izaya nickte ehe er aus der Wohnung trat und sich auf den Weg zum Park machte.
Er würde am liebsten rennen, doch das machte sein Körper nicht mit.
Schließlich ist er nur knapp dem Tod entgangen.
Tief in seinem Inneren hatte er das Bedürfnis, ganz schnell zum Park und zu Nina zu gelangen.
Er konnte sich denken warum.
Die Erinnerungen zogen sich durch seinen Kopf.
Shinra, Shizuo, Nina und er selbst.
Doch eines Tages war Nina weg.
Ohne etwas zu sagen.
Einfach weg.
Am Park angekommen sah er die Frau schon auf der Bank sitzen.
Langsam ging er auf sie zu.
Vor der Bank blieb er stehen.
Ihr Kopf ruckte zur Seite und sie sah Izaya, der auf sie zukam.
Ein erleichtertes Lächeln erschien auf ihrem Gesicht.
„Es scheint dir wieder besser zu gehen.
Sag!
Was führt dich her?“
„Warum?“
Seine Stimme war leise.
Sein Blick auf den Boden gerichtet und sein Pony verdeckte den Blick auf seine Augen.
Schlagartig fuhr sein Kopf hoch und er starrte sie intensiv an.
„Warum bist du damals einfach gegangen?
Ohne auch nur ein Wort des Abschieds zu sagen.
Ohne noch einmal zurück zu blicken.“
Entsetzt, geschockt und auch ein bisschen verwirrt stand Nina auf.
„Du hast mich gehasst.
Das hast du mir doch ständig gesagt.
Mir gezeigt, wie unerwünscht ich in deiner Nähe bin.“
Er lief auf sie zu.
„Weißt du, wie sehr ich wegen dir gelitten habe?“
Nina starrte ihn ungläubig an.
Dachte nicht daran, zurückzuweichen.
„Sollte ich das nicht eher sagen?“
Sie bemerkte erst, wie nah sie sich waren als er sie umarmte und seinen Kopf in ihrer linken Halsseite vergrub.
„Izaya…“
„Halt einfach die Klappe.“
Nina fühlt wie etwas Nasses ihren Hals herunter lief.
Auch konnte sie durch das unaufhörliche Zucken seiner Schultern erkennen, dass er weinte.
„Izaya, was ist denn in dich gefahren?
So hast du dich doch nie benommen.“
„Ich hab gesagt, du sollst die Klappe halten.
Außerdem bin ich auch nur ein Mensch mit Gefühlen.“
Nina zuckte zusammen.
Sie begann die Situation zu genießen und legte vorsichtig ihre Arme um seinen verletzten Körper, darauf bedacht, die Wunden nicht aufzureißen.
„Bleib hier!“
Seine Stimme war nur ein Flüstern.
Doch Nina verstand es trotzdem.
„Ich kann nicht.
Ich muss in Kyoto an meiner neuen Arbeitsstelle erscheinen.“
„Dann sag denen ab.
Arbeite für mich.
Ich kann den Blumenladen deiner Großmutter finanzieren.
Nur bleib bei mir!“
„Ich würde ja gerne.
Nur kann ich nicht.“
„Das ist mir egal!
Ich lass dich nicht wieder los!“
Da erklang eine Stimme.
„Das müssen Sie auch gar nicht.“
Izaya blickte über seine Schulter und Nina starrte den älteren Herren mit großen Augen an.
„Herr Mikazuchi.“
„Sie hätten mir aber erzählen können, dass das der Blumenladen ihrer Großmutter ist.
So kann ich Sie auf keinen Fall nach Kyoto verlangen.
Schon gar nicht, wenn Sie diesen Mann hier haben, der sie nicht loslassen will.
Ich mache Ihnen ein Angebot.
Sie können hier bleiben.
Dafür müssen Sie nur das Schild der Firma an ihren Laden machen.
Die Bezahlung ist die Gleiche, wie auch in Kyoto.
Die Miete des Ladens wird auch von der Firma getragen.“
Tränen sammeln sich in Ninas Augen.
Sie konnte nicht glauben, dass es in der Welt noch nette Menschen gab.
Weinend stimmte sie dem Angebot zu.
Herr Mikazuchi lächelte sie an.
„Gut!
Dann kommen Sie morgen bitte um 13:00 Uhr zu dem Laden ihrer Großmutter und wir regeln den Papierkram.“
Wieder nickte Nina während sie sich beide Hände vor den Mund drückte und versuchte, die Tränen zurückzuhalten.
„Dann bis morgen.“
Damit verschwand Herr Mikazuchi und ließ Nina mit Izaya allein.
Izaya lächelte Nina schwach an.
„Ich sagte doch, du gehst nicht weg.“
Er nahm eine Hand von Ninas Mund und verschränkte ihre Finger ineinander.
Seine freie Hand legte er an ihre Wange.
Diese wurde wenig später von ihrer anderen Hand bedeckt.
Langsam näherten sich ihre Gesichter bis ihre Lippen sich zart berührten.
Ninas Tränen flossen ihre Wangen herunter.
Hoch schien der Vollmond über den beiden.
Als sie sich lösten setzten sie sich auf die Bank.
Erschöpft lehnte er seinen Kopf an ihre Schulter und war wenig später auch schon eingeschlafen.
Einige Zeit verging ehe sich wieder Schritte näherten.
„Der Kerl macht auch nur Probleme.“
Nina blickte auf.
„Shizuo?
Shinra?“
Shinra lächelte sie an während Shizuo etwas grummelte und Izaya hochhob.
Zusammen gingen sie zu Ninas Wohnung zurück.
Dort legte Shizuo den Schwarzhaarigen zurück ins Bett und ging.
Auch Shinra verabschiedete sich.
Nina zog Izaya noch Jacke, Schuhe und Hose aus.
Dafür lieh sie ihm eine Hose ihres Vaters.
Sie kuschelte sich an ihn.
Hätte man ihr gesagt, sie würde durch einen Beinahe-Tod ihres früheren Schwarms einen Partner und auch eine gut bezahlte Arbeitsstelle finden, für die sie nicht mal umziehen müsste, würde sie die Person als verrückt bezeichnen.
Doch nun hatte sich doch noch alles zum Guten gewendet.
Blieb nur noch zu hoffen, dass dieses neue Leben nicht langweilig werden würde.
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