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"Geheuchelte" Freundlichkeit...

von Mii-chama
GeschichteDrama / P16 / Gen
Kasamatsu Yukio Kise Ryōta
17.08.2014
17.08.2014
1
20.311
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Dieses Kapitel
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17.08.2014 20.311
 
Hallo und herzlich willkommen zu meinem ERSTEN Kuroko no Basket Three-Shot *-*
*total hibbelig desu xD*
Und OMG O.O
Nach 3 Wochen hab ich den ersten teil endlich fertig gestellt O.O
Ursprünglich sollte es ja nur EIN Os werden... aber TOO much ideas xD
Außerdem war meine süße daran Schuld *hust*
Ne, Froggycchi... wir stacheln uns immer gegenseitig an *HUST*

Aber genug davon *sich räusper*
Ehe sich meine Leser allerdings in das Lesevergnügen stürzen können noch einige Infos =D

Titel: "geheuchelte" Freundlichkeit
Genre: Drama
Pairings: Kise x OC, Kasamatsu x OC

Infos/ Warning: - OC's (ich warn nur vor, es gibt sicher den einen oder anderen der das nicht so mag >.< derjenige muss dann ja auch nicht weiterlesen ^^)

- oocness (lässt sich leider nicht vermeiden >.< aber fresst mich bitte nicht gleich auf O.O *hust* besonders für die eine oder andere Szene O.O)

- verschiedener Sichtwechsel (im ersten Teil ist es nur aus der Sicht meines einen OC's Sarana, der zweite teil mit wechselnden Sichtwechseln und der dritte aus der Hanas)

Widmung: Natürlich an meine süße Froggycchi (Gott, unglaublich wie hier ein bestimmter Charakter abfärbt o.O) Auf was für verrückte Ideen wir immer kommen wenn wir über belangloses Zeug quatsche Herzchen O.O Dieser OS ist definitiv der längste den ich eh geschrieben habe O.O
Und er ist NUR für dich *-*

So jetzt hab ich aber genug gelabert xD
Ich wünsche ganz viel Spaß beim lesen und über Kritik, Lob, Anregungen oder einfach eure Meinung in Form von Reviews freue ich mich natürlich immer ^^

Eure Mii ~

+++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++


Erleichtert seufzte ich auf als der Unterricht endlich für beendet erklärt wurde. Das hieß ich konnte nun nach Hause und wieder meiner Leidenschaft frönen, schließlich stand heute nichts weiter an, von den Hausaufgaben mal abgesehen, die ich aber sowieso niemals machte. Nicht weil ich so gut in der Schule war und es nötig hätte so etwas zu erledigen, sondern einfach weil ich keine Lust darauf hatte.
Es war langweilig und meiner Meinung nach völlig überflüssig.
//Nun gut, die meisten Dinge empfand ich eh als langweilig//, dachte ich und seufzte abermals leise auf ehe ich dabei war meine Sachen zu verstauen, um dann endlich diese vermaledeite Schule zu verlassen.
„SARA-CHAN!“, ertönte plötzlich eine fröhliche Stimme und ich sah meine Beste schon in den Klassenraum stürmen und mich freudig begrüßen.
//Soviel zu DIESEM Plan...//, schoss es mir durch den Kopf, verzog dabei aber wie immer keine Miene.
„Hana...“, sagte ich nur monoton und legte den Kopf schief nachdem sie sich atemlos von mir gelöst hatte und mich grinsend ansah.
„Waren wir für heute verabredet?“, fragte ich ohne sie zu richtig zu begrüßen, aber das kannte die Violetthaarige bereits von mir. Ich war nicht der Typ Mensch der seine Gefühle offen zeigte und meine beste Freundin akzeptierte es ohne zu murren.


„Sag nicht du hast es vergessen?“, riss mich meine Freundin aus den Gedanken während ich nun nachdenklich die Stirn runzelte, einfach weil ich nicht wusste wovon sie sprach. Konnte sie denn nicht einfach sagen, was heute für ein Tag war?
Wollten wir vielleicht wieder shoppen gehen?
//Nein, das hatten wir erst letzte Woche getan und ich war mit meiner Ausbeute noch nicht einmal ganz durch...//, beantwortete ich mir gleich selbst meine Frage.
Um die Clubaktivitäten konnte es sich nicht handeln, da ich diesen schließlich gründete und für heute eben nichts anstand.
Die Prüfungen lagen auch noch gefühlte 5 Monate vor uns, also das auch nicht.
Langsam aber sicher gingen mir die Ideen aus, sodass ich Hana nur resignierend ansah und sie stumm bat mich endlich zu erlösen.


„Was immer es ist... ich hab es vergessen... also wird es doch hoffentlich nichts allzu wichtiges sein?“, fragte ich, woraufhin diese mich nur spielerisch boxte und dann ihre Wangen aufblies um mir zu signalisieren dass genau das Gegenteil der Fall war.
„MOOOOOI, Sara-chan. Du weißt doch was heute für ein Tag ist...“
Daraufhin schwieg ich nur ehe Hana endlich mit der Sprache rausrückte und ganz ehrlich? Ich wünschte ich hätte mein Vorhaben in die Tat umgesetzt. Sprich meine Sachen gepackt  und am besten gleich die Abkürzung durch das Fenster genommen, selbst wenn ich dafür einige gebrochene Knochen in Kauf hätte nehmen müssen.
„Heute ist ein Trainingsspiel und du hast versprochen mit mir hinzugehen...“, erklärte sie und ich verdrehte nur innerlich die Augen.
//Wer immer du da oben auch bist und jetzt zusiehst... WARUM hasst du mich so sehr?//, fragte ich mich und seufzte nur leise auf.
„Habe ich das? Daran kann ich mich nicht erinnern... da war ich bestimmt nicht zurechnungsfähig“, versuchte ich mich rauszureden, aber es hatte keinen Zweck.
„Gar nicht wahr... DU hast es versprochen... außerdem warst du noch nie bei einem Basketballspiel dabei... das hast du mir selbst gesagt...“
„Ja... weil es langweilig ist...“, erklärte ich und bereute es gleich wieder, nachdem ich ihren entrüsteten Blick begegnete.
„Das kannst du schlecht beurteilen wenn du noch nie eines gesehen hast...“
„Was ist so spannend daran, wenn irgendwelche Vollidioten einem dämlichen Ball hinterher rennen... ist genau wie beim Fußball...“, erklärte ich aber das Mädchen hörte mir gar nicht mehr richtig zu sondern schleifte mich erbarmungslos mit sich mit.
„Basketball kann man nicht mit Fußball vergleichen“, protestierte sie sogleich und ich dachte mir nur meinen Teil, während ich mich von meinem freien Nachmittag verabschiedete.


„Es wird dir gefallen, glaub mir...“
„Wohl kaum...“
„VERSUCH wenigstens  begeistert zu wirken...“, bat sie und ich zeigte ihr mein Gesicht in welchem, wie immer keine Emotionen zu erkennen waren.
„Siehst du nicht wie begeistert ich bin, Hana?“
„Ich sehe gar nichts...“
„Eben...“, erklärte ich nur und spürte im nächsten Moment auch schon wie sie mich knuffte woraufhin meine Lippen leicht zuckten und ein Lächeln andeuteten.
„Na schön... DIR zuliebe aber es ist das einzige Mal...“, erklärte ich woraufhin ich noch in Gedanken hinzufügte dass es mir eben NICHT gefallen würde.
„Das reicht mir schon... Komm wir gehen zu den anderen... er müsste auch gleich hier sein...“, erklärte sie mir eine Spur zu fröhlich, aber ich folgte ihr brav und fragte auch nicht weiter nach wen sie mit IHN meinte. Eigentlich war es mir total egal welcher Spieler bei dem Training gleich noch mit dabei sein würde. In meinen Augen waren sie eh alle nur Idioten. Ich meine, sie rannten einem verdammten Ball hinterher und am Schluss waren sie so fertig, als wären sie einen Marathon gelaufen.
Meiner Meinung war das einfach nur verschwendete Energie, wie eigentlich jeder Sport den ich mir bis jetzt angesehen hatte. Und mal ehrlich? Glaubte auch nur einer von ihnen dass sie ihn nach der Schulzeit weiter ausüben konnten? Sollten sie sich doch lieber darauf konzentrieren was sie in der Zukunft machen wollten, als irgendwelchen Bällen hinterher zu jagen, aber vielleicht sah ich das ganze einfach nur zu verbissen?


Das Kreischen einiger Mädchen, welche sich ebenfalls in unserer Nähe befanden, riss mich plötzlich aus meinen Gedanken und ließ mich heftig zusammenzucken. Was war denn jetzt in diesen verrückten Haufen gefahren? Verloren sie eventuell den Verstand?
//Ach nein... geht ja nicht... was man nicht besitzt kann man auch nicht verlieren//, dachte ich gehässig und sah fragend zu meiner Freundin welche aber  ihren Blick auf das Basketballfeld richtete und so folgte ich diesem, um vielleicht eine Erklärung für diesen Tumult zu finden. Allerdings konnte ich nichts Ungewöhnliches entdecken, da waren nur normale Typen, eigentlich kein Grund um auszuticken.
Natürlich hätte ich Hana fragen können weswegen gerade so ein Trubel gemacht wurde und vor allem um WEN, aber so wie es aussah würde das Spiel gleich beginnen und ich wollte sie nicht dabei stören. Denn anscheinend hatte sie sich schon den ganzen Tag auf dieses Ereignis gefreut, weshalb ich einfach schwieg und versuchte so gut es ging den Spiel zu folgen. Ich versuchte es wirklich, aber bereits nach 5 Minuten bemerkte ich wie interessant doch der Fußboden oder die Decke waren.
//Irgendwie hab ich das ja geahnt...//, schoss es mir durch den Kopf während ich mich umsah und mein Blick an meiner Schultasche hängen blieb. Sehnsüchtig dachte ich dabei an den Manga der sich daran befand und ich drehte meinen Kopf leicht zu Hana während ich mich fragte ob ich es wagen konnte diesen verstohlen rauszuholen und weiter zu lesen? Sie würde mir das wahrscheinlich NIEMALS verzeihen aber was sollte ich tun? Ich hatte ihr gesagt dass mich Basketball langweilen würde und so war es dann auch. Wenn sie wenigstens etwas anspruchsvolles tun würden, wie zum Beispiel Go oder Shogi zu spielen dass würde ich ja noch verstehen.
Aber Basketball? Komm schon, BASKETBALL?!?


Seufzend schüttelte ich den Kopf und bückte mich dann einfach zu meiner Tasche um den Manga herauszufischen, hinter dem ich eh schon gefühlte 24 Stunden hinterherhinkte. Leicht lächelte ich als ich die erste Seite aufschlug und dabei ganz gebannt der Geschichte des Protagonisten folgte. Natürlich war es ein Psychothriller und VERDAMMT, ich liebte es einfach. Wie lange ich so dastand und las wusste ich gar nicht mehr, erst als ich abermals dieses nervtötende Geräusch von den ganzen weiblichen Zuschauern bemerkte, schreckte ich auf und warf JEDEM dieser Mädchen einen giftigen Blick zu. Wie konnten sie es auch wagen mich beim lesen zu stören? Und gab es nicht eine Grenze für einen gewissen Hörpegel? Zu allem Überfluss riss meine beste Freundin nun auch ihre Hände in die Luft und applaudierte freudig. Ich nahm mal an, dass einer dieser Typen den Ball ins Netz geworfen hatte.
//Wow, was für eine Leistung... gebt ihm einen Orden//, dachte ich nur sarkastisch ehe ich meine Aufmerksamkeit abermals meinem Manga widmete, der diese wohl mehr verdiente als diese Hampelmänner dort. Allerdings war es mir heute wohl nicht vergönnt in Ruhe zu lesen da sich gerade Hana zu mir umdrehte und aufgeregt an meinem Ärmel zupfte, zumindest so lange bis sie sah WAS ich gerade tat.


„Sara! Sara! Ist er nicht einfach unglaublich... Einfach seine ganzen Bewegungen... wie er an ihm vorbeilief und den Korb warf? Waaaaaah *-* Kise-kun ist so toll, findest du nicht auch Sa-! MOOOOOOOOI! WIE kannst du jetzt nur lesen?“, rief sie und ich sah gelangweilt auf während sie mich mit einem missbilligenden Blick bedachte.
„Gegenfrage: Wie kann ich nicht?“, erwiderte ich und seufzte leise auf.
„Aber doch nicht wenn Kise-kun spielt... Du hast ihn gar nicht richtig gesehen...“
„Wer war das noch gleich?“
„Der Blonde, hübsche und gutaussehende...“, hauchte sie und ich warf einen kurzen Blick auf diesen ehe ich mich wieder der Geschichte widmete.
„Aha...“, war alles was ich dazu sagte weil ich nicht verstand warum sie deshalb so einen Aufriss machte. So toll sah er nun auch wieder nicht aus.
„SARA! Wie kannst du so desinteressiert sein? Und vor allem wie kannst du während eines Spiels nur lesen? Du hast es versprochen...“, nuschelte sie und ich verdrehte einfach nur genervt die Augen.
„Ich HABE versprochen dass ich mir das angucken würde, aber nicht dass es mir gefällt. Tut mir ja Leid dass der Manga interessanter ist als das Rumgehopse von diesen Deppen dort, die nur nem Ball hinterher rennen und das die GANZE Zeit! Da ist keine Action, keine Dramatik, kein gar nichts!“, knurrte ich und ging zu meiner Tasche hin um diese zu schultern und nun endgültig von hier zu verschwinden. Dass uns nun bereits jeder ansah und dieser Konservation lauschte bekam ich dabei kaum mit, genauso wenig dass das Spiel kurz zu stoppen schien. Aber selbst wenn, wäre es mir völlig schnuppe gewesen.


„WO willst du denn hin, Sara?!?“
„Ich gehe... das Kasperle Theater und Rumgekreische dieser Irren tu ich mir nicht länger an... Jeder Yaoi Manga ist besser als diese Show...“, knurrte ich und warf meiner besten Freundin einen bösen Blick zu, immerhin war das ganze ihre Idee gewesen.
Allerdings wandte ich mich noch einmal zu ihr um, ehe ich im Inbegriff war die Turnhalle zu verlassen.
„Im Übrigen bist du doch gar nicht wegen Blondinchen hierhergekommen, meine liebste Hana-chama...“, erwiderte ich und sah dass ich ins Schwarze getroffen hatte, da ihre Wangen sich schlagartig rot verfärbten.
//Recht gehabt!//
„Wie auch immer... viel Spaß noch, mir reicht’s...“, murrte ich und lief dann schnurstracks auf den Ausgang zu, um endlich hier herauszukommen und doch noch etwas von meinem freien Tag zu haben. Und ich schwor mir beim nächsten Mal gleich die erste zu sein die die Kaijō High verließ, damit mich Hana gar nicht erst abfangen und zu SO ETWAS nötigen konnte.
Basketball, pah!



~ * ~ * ~ * ~ * ~ * ~ * ~ * ~ * ~ * ~ * ~ * ~



~ am nächsten Morgen ~


Seufzend erhob ich mich und streckte mich erst einmal, während ich mir dabei noch über die Augen rieb. Wäre es nach mir gegangen, hätte ich mich gleich wieder ins Bett gelegt und bis Mittag geschlafen.
//Hm... was hält mich eigentlich davon ab?//, fragte ich mich im Stillen und wusste auch sogleich die Antwort darauf: Hana!
Sie würde fuchsteufelswild werden und mir sonst was husten, wenn ich das wirklich wagen sollte, besonders nach meinem gestrigen Auftritt. Ich gab zu, dass er vielleicht doch nicht hätte so krass sein müssen, aber ich war eben genervt.
Von ihrer „gestellten“ Schwärmerei, schließlich wusste ich dass es nicht Blondie war weswegen sie seit Wochen so aus dem Häuschen war, von ihrem plötzlichen Interesse was Basketball anging und diesem dämlich kreischenden Fanclub.
Es war ja in Ordnung von jemanden oder etwas Fan zu sein, aber musste man denn deswegen gleich so dermaßen austicken?


„Diese Art von Menschen werde ich wohl nie verstehen...“, flüsterte ich leise vor mich hin, ehe ich mich auf den Weg ins Badezimmer machte um mich für die Schule fertig zu machen, die mich genauso interessierte wie das Spiel gestern. Nämlich überhaupt nicht. Wer hatte so was überhaupt erfunden?
Schule, tch!
Die brauchte ich nicht mal wirklich, wenn ich ganz ehrlich war. Weder wollte ich Historikerin noch irgendeine Wissenschaftlerin oder gar Sportlerin werden.
Meine Interessen erstreckten sich ausschließlich über den Bereich Manga und eben Kunst. Ja, ich hegte sogar den Wunsch eines Tages einmal Mangaka zu werden, was natürlich so gut wie niemand wusste, nicht einmal meine beste Freundin. Aber ich verschwieg es ihr nicht weil ich ihr nicht vertraute, sondern weil ich mir selbst noch nicht ganz sicher war. Natürlich, ich LIEBTE Mangas und zwar abgöttisch und meine Ideen konnten sich sehen lassen, wie viele RPG’s bewiesen. Aber ob das reichte um sich als Mangaka zu etablieren? Da gehörte noch viel mehr dazu und wenn ich an meine zeichnerischen Fähigkeiten dachte, geriet ich erst Recht ins grübeln. Ich meine sie waren in Ordnung aber eben nicht überragend und genau DAS war mein Problem. Deshalb konnte ich Hana einfach nicht sagen was ich für die Zukunft plante. Das ich den Club in der Schule einzig und allein deshalb gegründet hatte, um mit anderen über Mangas zu diskutieren. Zu lernen Plots, Charaktere und alles was dazugehörte zu entwickeln. Zu verstehen wie die Herstellung eines Mangas überhaupt funktionierte und dann an mir zu arbeiten. Und das tat ich und zwar schon sehr lange, nur hatte ich das Gefühl mich überhaupt nicht zu verbessern. Leider war es aber genau DAS was mich so frustrierte. Denn es gab Phasen da war ich mir nicht mehr so sicher ob es richtig war, was ich da tat. Verschwendete ich nicht vielleicht doch meine Zeit?
Würde ich es überhaupt schaffen meinen Traum zu verwirklichen?
Oder früher oder später scheitern?
All diese Fragen zerfraßen mich und es gab niemanden dem ich sie stellen konnte.
Niemand der mir sagte, ob der Weg den ich einschlug der richtige war.
Niemand der mir Mut machte, wenn ich zweifelte.
Niemand der mir bedeutete ,dass er an mich glaubte und sagte er stünde hinter mir.


Leise seufzte ich auf während ich mir das Gesicht wusch, die Zähne putzte und mir dabei all diese Gedanken durch den Kopf gingen.  Es war überhaupt nicht gut daran zu denken WAS wäre WENN. Vor allem wenn man bedachte, dass ich außer Hana ja eigentlich niemanden wirklich an meiner Seite hatte. Meine Klassenkameraden konnte man eigentlich vergessen, da sie so verdammt oberflächlich waren und mich eh nur die ganze Zeit ignorierten, was mir ganz recht war, da dieses Verhalten auf Gegenseitigkeit beruhte. Meine Familie? Die bestand nur noch aus meinem Bruder, an den ich aber auch nicht gern dachte da dieser ja seit 3 Monaten im Koma lag seitdem er diesen Unfall hatte. Außerdem hatte ich ihn während dieser Zeit nicht sehr oft besucht, aber nicht weil ich nicht wollte sondern einfach weil ich Angst davor hatte.
Angst zu hören dass sich nichts verändert hatte, seit ich ihn das letzte Mal sah. Angst, dass mir die Ärzte sagten dass es keine Hoffnung mehr für ihn gäbe.
Angst, dass er vielleicht NIE wieder aufwachen würde.


//Irgendwie ziemlich deprimierend//, dachte ich als ich das Bad verließ und meine Schuluniform anlegte und alles nötige zusammen suchte um es dann in meine Schultasche zu packen. Dabei seufzte ich abermals leise auf und sagte mir, dass es nichts brachte zu jammern. Davon würde sich schließlich auch nichts ändern, also konnte ich nichts anderes tun als weiterzuleben und mein Bestes zu geben. Außerdem musste ich bald mal wieder im Krankenhaus vorbeischauen einfach weil ich wusste, dass ich es brauchte. Ich wollte Gewissheit über den Zustand meines Bruders, obwohl mir klar war, dass ich mich auch gleichzeitig davor fürchtete. Aber ich wollte ihn einfach sehen und mit ihm sprechen, selbst ich wusste, dass er mich nicht hören konnte.
//Es würde mir gut tun ihn wieder zu besuchen und mir einfach alles von der Seele zu reden...//, schoss es mir durch den Kopf obwohl ich gleich darauf ein schlechtes Gewissen. War das denn nicht ziemlich egoistisch? Akito zu besuchen und alles zu erzählen was mir auf der Seele brannte? Leise seufzte ich auf und schüttelte dann den Kopf, da ich mir später immer noch Gedanken darüber machen konnte. Jetzt musste ich mich erst einmal auf den Weg machen, sonst würde ich noch zu spät kommen und DAS würde mir meine violetthaarige Freundin DEFINITIV übel nehmen. Ich sah mich noch einmal in der Wohnung um, ehe ich meine Tasche packte und dann durch die Tür schritt um der täglichen Langeweile entgegen zu gehen. WAS für ein Leben.


Es dauerte nicht lange und ich stieg die Stufen der Kaijō High hinauf, um in mein Klassenzimmer zu gelangen. Nun zumindest war dass der Plan gewesen, den mir aber meine Freundin natürlich vereiteln musste.
//Will ich wissen wie lange sie da schon steht?//, fragte ich mich nachdem ich die erste Etage überwunden hatte und vor dem Mädchen zum stehen kann.
Diese sah mich nur ausdruckslos an und ich verfluchte sie in dem Moment dafür.
Sie wusste ganz genau WIE sie mir ein schlechtes Gewissen einreden konnte, ohne auch nur ein Sterbenswörtchen zu sagen.
„Schön... es tut mir Leid... und jetzt hör auf mich so anzugucken...“, murmelte ich nur leise und sah wie Hana bereits breit zu lächeln begann. Irgendwie gefiel mir das ganz und gar nicht. Als ich sie das letzte Mal so sah hatte sie mich zu einem dummen Basketballspiel geschleppt und ich hoffte sie hatte das heute nicht auch noch vor. Dann würde ich mir wahrscheinlich die Kugel geben oder mich aus dem Fenster werfen. Letzteres wäre sogar noch am naheliegensten.
„Ich vergebe dir...“
„Ach wirklich?“, hakte ich nach und beäugte das Mädchen misstrauisch während sie nun neben mir lief. Irgendwie wurde ich das Gefühl nicht dass sie etwas im Schilde führte.
„Ja... ich hätte wissen müssen dass dich so etwas langweilt... aber ich wollte wirklich dass wir uns das zusammen ansehen, weißt du... und ich wollte dass es dich interessiert... wenigstens ein ganz kleines bisschen... immerhin haben wir uns in letzter Zeit eher weniger gesehen und wenn dann haben wir nur über Mangas gesprochen...“, flüsterte sie und ich lächelte daraufhin nur kaum sichtbar.
„Ich will nicht, dass wir uns auseinanderleben oder eines Tages nebeneinander stehen und uns einfach nichts mehr zu sagen haben...“
„Hana...“, hauchte ich leise und sie blieb stehen während sie mich traurig anlächelte.
„Das wird nicht passieren, glaub mir... Du bist meine allerbeste Freundin und nichts auf der Welt wird das ändern... auch wenn ich deine Begeisterung was Basketball angeht nicht ganz nachvollziehen kann... meiner Meinung ist es einfach Zeitverschwendung, aber ich akzeptiere das natürlich...“, erklärte ich während mein Gegenüber nur nickte.
„Danke...“, hauchte sie aber ich winkte ab, da das selbstverständlich war. Ich musste einfach nur lernen damit umzugehen, aber das würde schon werden.


„Aber du wirst es wieder gutmachen müssen, Sara-chan...“, erklärte sie und hob einen Zeigefinger während ich nur leise aufseufzte.
„Als ob ich es nicht geahnt hätte... Okay... was soll ich tun? Wieder ein Basketballspiel ansehen? Hey? Dieses Mal halt ich sogar bis zum Ende durch...“
„Wirklich?“
Ich nickte.
„Ich hab doch genügend Mangas mit, das reicht bis zum Ende des Tages...“
„MOOOOOOOI, du bist so gemein!“, rief sie und ich schmunzelte daraufhin nur während ich dann die Schultern zuckte. Ich konnte es mir eben einfach nicht verkneifen.
„Gomen... Gomen... also ein Spiel?“, hakte ich dann ernsthaft nach und wurde überrascht als sie den Kopf schüttelte. Dabei sah sie schüchtern auf den Boden und zwirbelte eine ihrer violetten Haarsträhnen ehe sie mich dann bittend ansah.
//Oh Oh! DAS ist nie ein guter Blick...//
„E-Eigentlich... naja... i-ich wollte...“, begann sie stotternd und ich sah sie nur abwartend an. Was sollte ich auch anderes tun? Wenn Hana etwas zu sagen hatte, würde sie es schon aussprechen, sie brauchte eben nur Zeit.
Kurz schwieg sie und holte Luft ehe sie einen neuen Versuch startete.
„A-Also... du hattest Recht... a-als Wiedergutmachung... e-es hat was mit Basketball zu tun... a-allerdings... wollte ich... naja... ich wollte etwas üben und ähm... und mit dir reden!“, rief sie dann einfach und ich sah wie sie knallrot wurde.
Überrascht blinzelte ich und kratzte mich dann verlegen an der Wange, ehe ich antwortete.
„Einverstanden...“
„Eh? Anno... h-hast du denn verstanden was ich gesagt habe?“
„Sicher... du willst ein paar Körbe werfen, nehme ich an?“
Sie nickte zögerlich.
„Und du willst dass ich dir zusehe, nicht wahr?“
Abermals ein nicken.
„Reden willst du auch noch... Ich denke das krieg ich hin... Wenn ich raten müsste würde ich einfach mal behaupten, dass du mir endlich den Grund sagst warum du plötzlich so anders bist und dich für den Sport begeistern kannst...“
„Uh... Du hast es gemerkt?“, fragte sie nuschelnd woraufhin ich nur die Augen verdrehte.
„Ich wäre eine miese Freundin, wenn es mir nicht aufgefallen wäre“, erklärte ich stattdessen monoton.
„Ja... stimmt... Okay dann sehen wir uns nach der Schule auf dem Platz ja?“, fragte sie um noch einmal sicher zu gehen, woraufhin ich einfach nur nickte. Dann jedoch stutzte ich weil die Violette plötzlich auf den Absatz kehrt machte und kurz davor war die Treppe herunter zu steigen. Dabei wusste ich ganz genau, dass sie im gleichen Stockwerk Unterricht hatte wie ich.
„Wo willst du denn hin?“
„Ah... ich hab etwas vergessen und muss noch etwas erledigen... Warte nicht auf mich und bis nachher ja?“
„Ähm... okay...“, antwortete ich nur verwirrt und machte mich wieder auf den Weg, wobei ich nicht umhin konnte mich über das Verhalten meiner besten zu wundern.
//Was sie wohl zu erledigen hatte?//, fragte ich mich und ärgerte mich darüber dass sie es mir nicht einfach gesagt hatte. Ich mochte es nicht dass sie Geheimnisse vor mir hatte, aber dann erinnerte ich mich daran dass ich ja nicht anders war.
Ich hielt auch Dinge vor ihr geheim, die ich ihr einfach nicht sagen konnte, also sollte ich mich lieber nicht darüber beschweren.


Ich war so in meinen Gedanken vertieft, dass ich gar nicht auf den Weg vor mir achtete und erst zu mir kam als ich in jemanden hinein lief und dabei auf meinen Hintern landete.
„Itai...“, murmelte ich nur leise und blickte dann nach oben um zu sehen WEM ich es zu verdanken hatte, dass ich nun mit dem Boden Bekanntschaft machte.
„Entschuldige... ich hab nicht aufgepasst...“
„Ja, dass seh ich...“, murrte ich nur leise und ignorierte seine Hand, welche er ausstreckte um mir aufzuhelfen.
„Ich kann selber aufstehen...“, hauchte ich nur und musterte mein Gegenüber dann etwas genauer, wobei ich das Gefühl nicht los wurde dass ich ihn schon einmal getroffen hatte. Nur wusste ich nicht wo das gewesen sein sollte.
Eigentlich war an dem jungen Mann nichts Besonderes.
Er trug die Uniform der Kaijō High, welche aus einer grauen Hose, einem weißen Hemd mit Krawatte und einer ebenso grauen Jacke bestand.
Außerdem hatte er blondes, verwuscheltes Haar, Goldene Augen, wobei ich mich gleich fragte ob diese Farbe nicht eher durch Kontaktlinsen herrührte, und lächelte mich auf eine Weise an, die ich nur als nervig empfinden konnte.
Alles in allem war er völlig normal, uninteressant und wie jeder andere langweilig.


„Kennen wir uns?“, fragte ich plötzlich und musterte ihn eingehender weil ich ihn einfach nicht einordnen konnte und das war noch etwas was mich nervte. Ich hatte das miese Gefühl ihn schon einmal gesehen zu haben, nur wo konnte das gewesen sein?
War ich ihm vielleicht schon einmal über den Weg gelaufen?
Vielleicht in den Schulfluren und hatte es wieder vergessen?
In einem Cafe, Supermarkt oder Kino?
„Jetzt sag nicht du hast mich vergessen? Wie gemein...“, riss mich seine Stimme aus den Gedanken und ich runzelte nur die Stirn.
„Hab ich dich schon mal beleidigt?“, fragte ich dann einfach ohne nachzudenken, weil ich wirklich nicht wusste WOVON der Typ eigentlich sprach.
„Eh? Also das ist doch keine 24 Stunden her...“, protestierte er und machte ein Gesicht als würde er gleich losheulen würde.
//Oh bitte nicht. Nicht jetzt und am frühen Morgen. Dafür hab ich wirklich KEINEN Nerv//, schoss es mir durch den Kopf während ich leise aufseufzte.
„Das war gestern beim Basketballspiel, weißt du nicht mehr? Kise... Kise, Ryōta...“, half er mir auf die Sprünge und meine Augen weiteten sich als ich nun erkannte wovon er sprach.
„Stimmt... da war was und ich weiß wer du bist... Diese Kreisch Weiber waren nicht zu überhören...“, erwiderte ich kalt und ich sah nur wie der Blonde ein wenig blasser wurde mich dann aber doch wieder lächelte. Oh wie gern würde ich ihm dieses verdammte Lächeln vom Gesicht wischen. Wie konnte man nur so heuchlerisch sein?
Ja, in meinen Augen war der Blonde nur ein mieser Heuchler und die Tatsache, dass ich ihn überhaupt nicht kannte und mir deshalb kaum ein Urteil über ihn erlauben konnte, ignorierte ich ganz einfach.


„Ähm ja... das waren meine Fans... So sind sie eben...“, erwiderte er grinsend, was mich innerlich nur die Augen verdrehen ließ.
„Aha...“
„Übrigens... hab ich dich gestern mitten im Spiel gehen sehen...“, begann er und ich sah ihn nur abwartend an. Wenn ich ehrlich war hatte ich es noch NIE so eilig in meine Klasse zu kommen.
//Gott, Satan oder wer auch immer, bitte erbarme sich doch einer...//, schoss es mir nur durch den Kopf und warf einen schnellen Blick auf die Uhr, die der Blonde trug.
Leider hatte ich noch genügend Zeit und ich fragte mich, was mich eigentlich davon abhielt meinen Weg fortzusetzen? Wenn man es genau betrachtete könnte ich wirklich einfach gehen und die Nervensäge hinter mir lassen.
//Wunschdenken ist doch was Schönes...//, seufzte ich und richtete meine Aufmerksamkeit wieder auf den Blonden, nun ja zumindest versuchte ich es.
„Hattest du noch etwas zu erledigen?“
//Ach daher weht der Wind... Prinzessin will wissen wie ich es wagen konnte einfach zu gehen und ihn nicht anzuhimmeln...//, dachte ich sarkastisch und schüttelte innerlich nur den Kopf.
„Nein... ich bin gegangen weil es langweilig war...“, antwortete ich ohne nachzudenken und sah mein Gegenüber nur kurz überrascht blinzeln, ehe abermals ein Lächeln seine Lippen zierte.
„Nun ja... es war auch nur ein Trainingsspiel und sicher nicht so spannend wie-“, fing er an doch ich ließ ihn gar nicht erst ausreden.
„Ich hätte mich genauer ausdrücken sollen... Das Spiel war langweiliger als der mieseste Manga den ich jemals in der Hand hielt... Basketball ist langweilig... Ihr Vollidioten rennt jedes Mal hinter einem Ball hinterher... Wie kann man nur so bescheuert sein?“, erklärte ich mit monotoner Stimme und sah zu meiner Zufriedenheit wie sein Lächeln immer mehr verblasste.
„Und DU bist das Allerlangweiligste...“, fügte ich noch eiskalt hinzu ehe ich dann einfach an diesen vorbei stürmte um mich endlich auf den Weg in mein Klassenzimmer zu machen. Als ich dieses dann endlich erreichte seufzte ich nur erleichtert auf und steuerte sogleich auf meinen Platz zu, ohne jemanden von meinen Klassenkameraden auch nur anzusehen.
//Der Morgen fängt ja gut an... Hoffen wir dass der Nachmittag besser verläuft//, dachte ich als ich mich setzte und auch schon der Lehrer eintrat, uns begrüßte und dann damit begann die Anwesenheitsliste zu überprüfen.


~ * ~ * ~ * ~ * ~ * ~ * ~ * ~ * ~ * ~ * ~ * ~



„Das war es dann auch schon für heute. Bitte lest euch den Abschnitt auf Seite 113 noch einmal durch und befasst euch mit dieser Thematik, da wir bald darüber einen Test schreiben werden“, beendete Kobayashi-sensei den Unterricht während ich mich als Erste erhob und dass in die Tat umsetzte was ich mir gestern geschworen hatte. Heute würde mich niemand mehr nerven oder gar aufhalten, meine beste Freundin war da die absolute Ausnahme. Aber Hana hatte in vielen Dingen eh privilegierte Rechte, wenn man es mal ganz genau betrachtete.
//Hana ist eben etwas Besonders...//, beantwortete ich mir innerlich die nicht gestellte Frage. Auf ihre Art war sie einfach ganz speziell. Anfangs noch total schüchtern und unsicher aber sobald man sie kannte wusste man, dass sie auch ganz anders konnte. Sie war mindestens genauso verrückt nach Animes, wie ich nach Mangas, außerdem standen andere bei ihr IMMER an erster Stelle und wenn sie jemanden ins Herz schloss überwand sie sogar zeitweise ihre Schüchternheit. Andererseits war sie dann auch wieder so ein Pechmagnet und Tollpatsch, wie er im Buche stand. Selbst der alltägliche Gang zur Schule entwickelte sich zu einem mörderischen Trip für Hana, sodass ich sie meist begleitete. Leise seufzte ich auf und gähnte, als ich bemerkte dass ich bereits an dem Basketballfeld angekommen war. Nur von meiner besten Freundin war weit und breit noch keine Spur.


„Vielleicht kommt sie ja etwas später...“, murmelte ich leise vor mich hin und setzte mich einfach in die Ecke des Feldes, nur um mich dann meiner Lieblingsbeschäftigung zu widmen: Manga lesen. Nur, ganz auf den Verlauf der Geschichte konnte ich mich dieses Mal nicht konzentrieren. Dafür ging mir die Begegnung mit den Blonden heute Morgen einfach nicht mehr aus dem Kopf. Ich hatte nun Zeit mir darüber Gedanken zu machen, aber wirklich schlau wurde ich nicht. Wenn ich ehrlich war wusste ich nicht einmal was er mit der ganzen Fragerei eigentlich bezwecken wollte.
Nachdem wir zusammengestoßen waren, hätte er sich einfach entschuldigen und wieder gehen können, aber das hatte er nicht getan. Warum bloß?
Wollte er einfach nur höflich sein oder steckte mehr dahinter?
War ich vielleicht paranoid oder tat er das seines Imagewegen?
Fühlte er sich verpflichtet etwas Small Talk zu führen?
Allein bei dem Gedanken schnaubte ich nur auf und schüttelte den Kopf.
Was interessierte mich das Ganze überhaupt?
War doch völlig egal warum er wissen wollte WESHALB ich gegangen war.
//Vielleicht konnte er es aber auch nicht ertragen dass ihn jemand mal nicht zu Füßen lag//, überlegte ich und ließ meinen Manga etwas sinken, um dann nachdenklich in den Himmel zu sehen. Schließlich hatte ich gestern seinen Fanclub ja kennengelernt, obwohl ich darauf gut und gerne verzichtet hätte. Was war eigentlich so toll an diesem Mistbengel? Er sah nicht mal gut aus und was das Basketball spielen anging, da war er höchstens Durchschnitt, wenn überhaupt.
Ein mieser Heuchler war er obendrein auch noch. Die ganze Zeit zu lächeln und tun als ob er es wirklich so meinte. Allein bei dem Gedanken wurde mir ganz schlecht und ich verzog angewidert das Gesicht. Nein, ich persönlich konnte dieses ETWAS nicht ausstehen und hoffte dass die heutige Begegnung die letzte mit ihm war.
Ich hatte ja keine Ahnung WIE sehr ich mich irrte.


„Sara-chan... wartest du schon lange?“, riss mich plötzlich eine Stimme aus meinen Gedanken. Ich hob meinen Blick während ich meine violette Freundin sah, welche mit schnellen Schritten auf mich zu lief und dann atemlos vor mir stehen blieb. Anscheinend war sie wirklich spät dran gewesen und ist den ganzen Weg von der Schule bis hierher gerannt. Dass sie das überhaupt heil überstanden hatte, war allerdings das was mich  mehr beeindruckte.
„Hol erst einmal Luft...“, kommentierte ich nur ehe ich meinen Manga aufgeschlagen neben mich legte und abwartete dass Hana sich wieder etwas beruhigt hatte.
„G-Gomen nasei...“, entschuldigte sie sich atemlos wobei ich nur die Augen verdrehte.
„Du sollst atmen, nicht reden...“, erwidere ich woraufhin sie nur nickte und mich dann entschuldigend ansah. Hana konnte es einfach nicht lassen.
Nachdem weitere 5 Minuten vergingen erhob sich meine Freundin und sah mich dann breit lächelnd an, während sie sich ihren Ball schnappte und einige Körbe warf. Vielleicht sollte ich noch hinzufügen, dass sie eher versuchte nicht wieder KO zu gehen.
Leise seufzte ich auf und widmete ihr dieses Mal meine ganze Aufmerksamkeit, natürlich nur um sicher zu gehen dass sie sich nicht verletzte.


„Warum spielst du eigentlich selbst? Reicht es dir nicht mehr zuzusehen?“, begann ich dann einfach das Gespräch, da sie keine Anstalten machte etwas zu sagen.
Sie schwieg kurz ehe sie sich unsicher zu mir umdrehte und nach den richtigen Worten suchte, ehe sie antwortete.
„Naja... ich möchte... ich möchte nicht einfach nur zusehen weißt du? I-Ich will auch mal selbst spielen... I-I-Ich will mit Leuten spielen die ich mag und ähm... Ich will aktiv sein...“, nuschelte sie woraufhin ich sie nur perplex ansah ehe ich dann leicht lächelte.
„Dir ist aber schon klar, dass dich alleine der Versuch eine Sportart auszuüben bereits umbringt, oder?“
„Das ist mir bewusst... deshalb... deshalb übe ich ja... weil ich weiß dass ich noch lange nicht gut genug bin um ins Team zu gehören...“, erklärte sie woraufhin ich nur verwirrt die Stirn runzelte. Musste ich ihre Logik verstehen? Warum übte sie überhaupt alleine, wenn sie doch so sehr in das Kaijō Team wollte? Wäre es nicht besser wenn sie mit Gleichaltrigen lernte, die sie auch auf Fehler aufmerksam machen konnten?
„Warum trittst du nicht einfach dem Club bei?“, fragte ich dann einfach geradeaus während Hana wie vom Donner gerührt stehen blieb und schwieg.
„Es ist doch total sinnlos alleine zu üben... du weißt doch gar nicht was du
falsch machst und- OH!“, begann ich und hielt plötzlich inne, als ich sah dass sich die Wangen meiner besten Freundin zartrosa färbten.
Es war nicht so dass sie Basketball spielte weil sie es unbedingt wollte oder gar ein Talent dafür hatte, viel mehr tat sie es für jemand bestimmten.
Ich konnte mir ein leises Lachen einfach nicht verkneifen, als ich verstand dass ein Junge an ihrem plötzlichen Interesse Schuld war. Wahrscheinlich noch jemand aus dem Basketball Club. Dabei hoffte ich, dass es nicht dieser Blonde Idiot war, dem ich heute Morgen begegnet war. Allein der Gedanke an ihm reichte um meine Mordfantasien anzukurbeln.


„Ist zufällig ein Junge daran Schuld, dass du spielen möchtest, meine Süße?“, schnurrte ich und sah wie die Violette beschämt ihren Kopf zur Seite drehte.
//Recht gehabt... ich wusste es!//, dachte ich triumphierend und wollte natürlich gleich mehr darüber erfahren.
„Wer ist es?“
„Naja... also... du hast ihn schon mal gesehen... denke ich...“
„Nicht dieser Schönling...“, rutschte es mir einfach heraus und Hana sah mich etwas verwirrt an, ehe sie die Stirn runzelte und dann verstand WEN ich damit meinte.
„Schönling? Meinst du Kise-kun?“
„Tch... selbst sein Name ist langweilig...“, knurrte ich und bedeutete ihr, dass sie sich nichts aus meinem Kommentar machen sollte.
„Also wer ist es nun?“
Sie schwieg.
„Ich kann auch einfach jeden Namen nennen und bei welchem du knallrot wirst, ist der Gewinner...“, erklärte ich monoton und sah bereits wie sie verzweifelt ihren Kopf schüttelte und nun auf mich zukam um sich ebenfalls zu mir zu setzen.
„Ich trau mich nicht...“, wisperte sie und ich hatte das Bedürfnis ihr etwas an den Kopf zu werfen. Warum war sie bitte so verdammt kompliziert?
„Okay... dann anders... wie ist er denn so?“
„Einfach nur toll...“
//Ja damit kann ich ja auch total was damit anfangen, Baka...//, dachte ich nur und Hana blickte beschämt auf den Boden während sie mit einer ihrer Haarsträhnen spielte.
„Er ist anders... und ich bewundere ihn schon sehr lange... Er ist vielleicht nicht so charmant wie Kise-kun, aber auf seine Art und Weise einfach nur toll... Zudem ist er der Käptn des Teams... vielleicht manchmal etwas streng und grob aber er hat auch seine guten Seiten... denke ich...“, erklärte und ich konnte nicht anders als zu grinsen.
„Wow...“
„Was?“
„Du schwärmst ja richtig von ihm... Dich hat es ganz schön erwischt...“, meinte ich und merkte wie ich mich einerseits darüber freute, andererseits aber auch hoffte dass sie es endlich mal schaffte über ihren Schatten zu springen und es ihm zu gestehen.


„Ja... ich weiß nicht wann ich damit angefangen habe in ihn mehr als einen Senpai zu sehen... Ich weiß nur dass ich seit Wochen nur noch an ihn denken kann… Wenn ich schlafen gehe ist er mein letzter Gedanke und der erste wenn ich aufsteh... ich gehe nur zu den Spielen damit ich ihn sehen kann... Es ist total verrückt, ich weiß... aber ich kann einfach nicht anders... I-Ich mag Kasamatsu-senpai eben auch wenn ich ihn bisher immer nur aus der Ferne bewundert habe...“
Lächelnd legte ich ihr eine Hand auf die Schulter und nickte nur verstehend.
„Aber so muss es nicht bleiben, Hana... Ich meine... sieh dich doch mal an... Du magst ihn... du magst ihn so sehr... warum gehst du nicht etwas auf ihn zu?“
„NEIN! D-das kann ich nicht... Schau mich doch an! Ich bin unscheinbar... schüchtern... schlecht in Sport... tollpatschig und furchtbar ungeschickt...“, rief sie verzweifelt wobei ich nur leise aufseufzte und sie einfach in ihren Ausführungen unterbrach.
„Hana... das ist nicht wahr und das weißt du... Du bemühst dich, dass hab ich doch vorhin gesehen und obwohl du das alles weißt, was du gerade aufgezählt hast, willst du es dennoch versuchen... Ich bin mir sicher dass er das sehen wird wie sehr du dich reinhängst... Das ist doch auch was...“, redete ich auf sie ein, obwohl meine Freundin noch nicht ganz überzeug schien.
„Aber... Sara... Ich... Ich bin doch...“
„Du bist etwas ganz Besonders. Du bist hübsch... einfühlsam... sensibel und IMMER für jemanden da, wenn derjenige Hilfe braucht. Deine schüchterne Art ist total süß und ich liebe deinen fürsorglichen Charakter einfach. Ich liebe es wie du dich um deine Mitmenschen kümmerst, für die sich andere nicht interessieren... Lass dir niemals etwas anderes einreden... Du bist gut wie du bist...“, flüsterte ich und sah ihr dabei in die Augen während ich all ihre guten Eigenschaften aufzählte.


„Hana... ich merke doch wie sehr dir dieser Kasamatsu bedeutet und deshalb lass ich es nicht zu dass du dich selbst so runterziehst... Wenn du ihn wirklich so magst dann solltest du auch um ihn kämpfen… Wenn es sein muss helfe ich dir auch...“, verkündete ich und sah wie Hana ungläubig die Augen weitete.
„D-Das würdest du tun?“
„Ich bin eher bestürzt, dass dich das so überrascht... Du bist meine BESTE Freundin und wenn du jemanden magst, werde ich alles tun damit du etwas mehr Selbstbewusstsein bekommst, damit du ihm sagen kannst was du fühlst...“
Gerührt sah mich die Violetthaarige an und umarmte mich dann einfach spontan während sie sich bei mir unter Tränen bedankte.
„D-Danke... i-ich wusste auf dich kann ich zählen...“, nuschelte sie und ich nickte einfach nur während ich ihr den Vorschlag unterbreitete als erstes in den Basketball Club der Schule einzutreten. Natürlich war sie davon nicht begeistert, aber entweder sie trat FREIWILLIG ein oder ich würde sie eiskalt einschreiben, natürlich OHNE sie vorher zu fragen. Aber das würde ich ausdiskutieren wenn es soweit war.
Jetzt hatte ich ihr erst einmal den Vorschlag unterbreitet dass sie doch wenigstens darüber nachdenken solle. Immerhin hatte es für Hana nämlich gleich 2 Vorteile. Sie würde mit anderen Basketball Irren lernen und wäre in der Nähe ihres Schwarms, der sie dann vielleicht auch endlich mal wahrnahm. Wobei ich selbst immer noch nicht genau wusste WER dieser Kasamatsu-senpai nun eigentlich war. Aber solange es sich nicht um diesen verdammten Schönling handelte, war ich einverstanden.


Wie lange wir jetzt nun dasaßen, wusste ich gar nicht mehr, nur dass ich einen Blick auf die Uhr warf und sah dass es schon ziemlich spät war.
„Sag mal Hana... wie wär’s, wollen wir noch in unser Lieblingscafe? Dort ist es auch tausendmal bequemer als auf dem harten Boden...“, schlug ich vor und nach kurzem Überlegen stimmte meine Freundin lächelnd zu. Außerdem konnten wir beide das ganz gut gebrauchen, nachdem was sie mir über ihren Tag erzählt hatte. Von wegen, sie sei mal wieder nur Treppen hoch UND runtergestürzt. In Momenten wie diesen verfluchte ich das Schicksal dafür, dass wir in unterschiedlichen Klassen waren. Es wäre doch sowieso viel spannender wenn Hana und ich in derselben wären. Ich könnte mit ihr in den Pausen quatschen und herumalbern, müsste nicht still vor mich hinstarren und dabei diese Blicke und Sprüche über mich ergehen lassen. Ich könnte einfach mal „Spaß“ im Unterricht haben, natürlich auf MEINE Weise. Außerdem könnte sie davor bewahren sich immer halb das Genick zu brechen.
Leise seufzte ich auf und schüttelte dann über mich nur innerlich den Kopf. Es brachte nichts sich etwas zu wünschen was nicht passieren würde. Außerdem wollte ich nicht jammern, sondern das Beste draus machen und soviel Zeit wie möglich mit meiner Besten verbringen. Hana war eh das einzige, neben meinen Mangas, was ich in meinem Leben brauchte. Alles andere war nutzlos und ersetzbar.


„Du bist so gemein Kasamatsu-senpai...“, riss mich plötzlich eine Stimme aus meinen Gedanken und ich hoffte nur ich würde sie mir einbilden oder dass ich mal wieder halluzinierte. Aber nein, es war genau WIE ich vermutet hatte. Während Hana und ich uns auf den Weg machten, war ich natürlich mal wieder mit meinen Gedanken ganz woanders gewesen. So hatte nicht auf meine Umgebung geachtet, eine Tatsache die ich jetzt verfluchte. Warum hatte ich nicht besser aufgepasst und mir dadurch dieses Dilemma erspart? Wer hasste mich so sehr dort oben, dass ich mich schon wieder mit diesem Modepüppchen abgeben musste?
Nun gut, dieses Mal schien er in Begleitung zu sein aber trotzdem!
Ohne darüber nachzudenken drehte ich mich auf den Absatz um und wollte gleich wieder kehrt machen, schließlich hatte mir die Begegnung heute Morgen völlig gereicht und zwar für den Rest meines Lebens. Allerdings bedachte ich dabei nicht, dass ich nicht alleine war, sondern Hana direkt neben mir lief, welche mich einfach am Ärmel packte und somit an meiner Flucht hinderte.
„Kasamatsu-senpai...“, hauchte sie nur ehrfürchtig und ich verdrehte innerlich die Augen.
Warum?
Warum HEUTE und warum JETZT?
Und wieso während dieser Schönling an seinem Rockzipfel hing?
War der etwa auch noch so drauf wie Blondie?
//Wenn ja nehme ich alles zurück was ich zu Hana sagte und werde diese Non-Beziehung mit allem was ich habe sabotieren...//, nahm ich mir vor und spürte wie meine vor einigen Sekunden gute Laune nun rapide gen Keller ging.
Aber Freundin war Freundin, also blieb ich einfach an ihrer Seite während die beiden Gestalten immer näher kamen und nun auch realisierten, dass sie nicht mehr ganz alleine waren.


„Ah... Sawyercchi... auf dem Heimweg?“, fragte der Blonde gleich mit seinem typischen Lächeln und ich wusste nicht was ich zuerst mit ihm machen sollte. Ich schwankte zwischen erwürgen oder ihn einfach nur vor das nächste Auto zu schubsen, beides klang so unheimlich verlockend. Wie kam der überhaupt dazu Hana zu grüßen und auch noch dieses dämliche „-cchi“ an ihren Namen anzuhängen? Das war eine Todsünde!
„Kise-kun... K-K-Kasamatsu-senapi... hallo...“, hauchte die Violette nur und ich beobachtete jetzt den Begleiter des Blonden welcher nur irritiert hin und her sah.
Nun, verübeln konnte ich es ihm nicht.
Kurz musterte ich ihn und blickte dann wieder  zu meiner Freundin, ehe ich entschied dass sie ganz gut zu ihm passen würde. Zumindest vom optischen her.
Allerdings kam ich nicht dazu den Schwarzhaarigen zu grüßen, da sich der verdammte Schönling  gerade mir zu wandte und mich freundlich anlächelte.
//Wenn ich ihn jetzt ganz zufällig schubse, er sterben würde und behaupte ich musste es tun weil mich sein verdammtes 1000 Watt Lächeln nervte, würde ich dann damit durchkommen?//, fragte ich mich während ich meinen Gegenüber nur eisig ansah.
„Wir sind heute noch gar nicht gekommen uns vorzustellen...“
//Das werden wir auch nicht, Püppchen...//, dachte ich nur, schwieg aber und jeder normale Mensch hätte längst bemerkt wie die Temperatur plötzlich gen Nullpunkt kletterte.
„Ähm... anno... also... d-das ist meine beste Freundin...“, begann Hana und ich warf ihr einen absolut tödlichen Blick zu, der besagte sie solle ihm ja nicht meinen Namen nennen. Natürlich verstand sie es und schwieg, wofür ich ihr sehr dankbar war.
Wenn dieser Kerl meinen Namen erfuhr und ihn ebenso verunstaltete wie den Hanas würde ich wirklich für GAR NICHTS mehr garantieren.


„A-Also... Kise-kun... e-eigentlich wollten wir in das Cafe...“, begann abermals die Violetthaarige und wie der Blonde sie dann ansah gefiel mir überhaupt nicht.
„Was wir für ein Zufall... Senpai und ich hatten das Gleiche vor...“
Fragend blickte ich zu dem Schwarzhaarigen und sein genervter Blick bestätigte mir dass es definitiv NICHT geplant war, allerdings schwieg dieser.
„Habt ihr nicht Lust mit uns einen Kaffee zu trinken?“, lud er uns dann einfach ein während ich nur die Augen zu Schlitzen verengte.
„Eher lass ich mich überfahren...“, knurrte ich ehe meiner Besten auch nur die Möglichkeit gab in irgendeiner Form zu reagieren. Selbst dass ich ihr gerade die Chance nahm ihrem Angebeteten näher zu kommen, ignorierte ich. Im Augenblick wollte ich nichts anderes als weg von diesem Idioten, der doch wirklich glaubte wir würden uns auf so eine dämliche Einladung einlassen. Wenn er Gesellschaft brauchte sollte er doch seinen Fanclub fragen. Die waren doch so hohl, die würden sogar mit einer Ameise ausgehen, zumindest benahmen sie sich so.
„Ähm... Also... Äh... S-Sara-chan meint das nicht so... Sie ist nur etwas überarbeitet und gereizte und desw-“, versuchte sich Hana um Schadensbegrenzung, da mich beide Männer nur wie ein Auto ansahen.
„Hn... ich meine es genauso wie ich es sage, Herzchen...“, erwiderte ich kalt und funkelte den Blonden dabei böse an. Der sollte bloß nicht glauben dass ich eines seiner Fanclub Girlies war, die kuschten wenn er nur mit den Augen zwinkerte. Pah, so kannte er vielleicht mit denen umspringen aber nicht mit mir!
„Als würde ich mich mit einem Modepüppchen abgeben, dass andauernd von einer Traube kreischender Weiber umgeben ist...“, fügte ich noch hinzu was den Blonden nun wieder leicht zum lächeln brachte, was ich nicht ganz verstand.
Vielleicht war er aber auch genauso blöd wie er aussah, wer wusste das schon?
„Darauf musst du nun wirklich nicht eifersüchtig sein...“, erwiderte er nur und ich fragte mich zum wiederholten Male warum ich keine Waffen bei mir hatte, wenn ich sie am meisten brauchte.
„Eifersüchtig?“, wiederholte ich nur emotionslos und lachte dann leise auf ehe ich zu einer Antwort ansetzte.
„Als ob so was wie DU das überhaupt wert wäre...“, erwiderte ich und sah dieses Lächeln endlich aus seinem Gesicht schwinden. Sein Begleiter drehte indes seinen Kopf zur Seite und ich sah eine leichte Andeutung eines Grinsens aber vielleicht irrte ich mich auch. Ich wusste es nicht und in dem Moment war es mir völlig schnuppe.
„Sorry Hana... aber ich hab noch etwas zu erledigen... wir sehen uns dann morgen...“, wandte ich mich an meine Freundin und machte auf den Absatz kehrt. Ihren Protest ignorierte ich einfach und sah zu, dass ich einfach von da verschwand. Wohin war mir erst einmal egal und ich achtete nicht wirklich auf meinen Weg, während ich mich über die Dreistigkeit dieses Mistkerl ärgerte.


//Was fiel ihm eigentlich ein? Eifersüchtig? Tch... auf so was wie DAS DA war ich nicht neidisch... warum auch?//, dachte ich knurrend und stampfte wütend weiter, die Passanten ignorierend welche ich gerade anrempelte. War mir doch egal wenn ich jetzt aneckte, ich war eben sauer und es dauerte schon lange ehe ich mal auf 180° war! Aber dieser... dieser... dieser... dieses ETWAS schaffte das einfach innerhalb weniger Sekunden.
//Nein, allein wenn ich seinen Namen nur höre, könnte ich ihm an die Gurgel gehen!!!//, widersprach ich mir selbst und ich schnaubte nur abfällig.
Kise Ryōta .
Langweiliger Name.
Langweiliger Typ.
Alles an ihm war nichts Besonderes und total langweilig!
Also wie schaffte er es mich von 0 auf 180 zu bringen?
Vor allem was fanden die denn alle so toll an ihm?
Er war gewöhnlich, bestenfalls Durchschnitt wenn man mal alle 2 Augen zudrückte.
Blonde Haare, Goldene Augen, normale Uniform und trug einen Ankerhaken in seinem Ohr und das war es auch schon.
Weshalb rasteten die also alle so aus?
Ehrlich, ich verstand es einfach und noch weniger kapierte ich warum mich das gerade so beschäftigte. Er war doch nur ein Idiot, ein Idiot der mich verdammt wütend machte.
//SEHR wütend sogar//, dachte ich und zuckte plötzlich zusammen, als ich merkte dass mich meine Schritte, beinahe wie von selbst, zu dem Krankenhaus getragen hatten, in welchem mein Bruder seit fast 3 Monaten lag. Leise seufzte ich auf und war hin und hergerissen ob ich jetzt wirklich zu ihm sollte. Jetzt wo ich doch so geladen war, aber andererseits warum denn nicht? Was sollte ich schon zuhause wo ich mich doch nur schwarz ärgern würde? Also zuckte ich nur einmal kurz mit den Schultern ehe ich entschlossen und immer noch grummelnd auf den Eingang des Hospitals zuging, dabei nur kurz der Rezeptionistin zu nickte ehe ich in den Fahrstuhl stieg, welcher mich in die 5te Etage brachte, wo sich Akito befand.



~ * ~ * ~ * ~ * ~ * ~ * ~ * ~ * ~ * ~ * ~ * ~



~ einige Tage später ~


Gedankenverloren sah ich aus dem Fenster und hörte der Sensei gar nicht mehr richtig zu. Dafür beschäftigten mich ganz andere Dinge, welche ich nun seit dem Besuch im Krankenhaus ins Rollen gebracht hatte. Zwar hatte ich den Blonden seit dem Tag weder gesehen noch gesprochen, wofür ich sehr dankbar war, dafür nahm mir meine beste Freundin meine Aktion allerdings sehr übel und dass war auch ihr gutes Recht. Wenn man bedachte dass ich wirklich genau DAS getan hatte was ich mir vor einigen Tagen auf dem Basketballplatz geschworen hatte. Ich hatte meine Freundin, ohne ihr Wissen, in dem Basketball Club angemeldet. Natürlich aus 2 Gründen: Erstens damit sie ihr neues Hobby ausleben konnte und Zweitens damit Kasamatsu sie endlich mal wahrnahm. Natürlich passte ihr das nicht und wir hatten danach eine handfeste Diskussion, aber ich redete mir immer wieder ein dass ich richtig gehandelt hatte. Dass mir Hana irgendwann dafür dankbar sein würde, nur wann das war wusste ich natürlich nicht und seit einigen Tagen redeten wir ja auch nicht mehr miteinander.
Um ehrlich zu sein seit dieser Diskussion – ich weigerte es mich Streit zu nennen – war zwischen uns einfach Funkstille, was ich nicht verstand. Seit wann war meine beste Freundin eigentlich so nachtragend geworden?
Leise seufzte ich auf und fragte mich ob ich mich vielleicht entschuldigen sollte?
Aber weswegen? Ich hatte doch nichts falsch gemacht.
Alles was ich wollte war, dass es bei ihr einfach vorwärts ging und sie glücklich wurde. Und da sie das alleine eben nicht schaffte, wollte ich ihr einen kleinen Schubser gegeben, mehr nicht. Aber das war nichts weswegen man nun SO sein musste.
Abermals entkam mir ein Seufzer während ich mich fragte ob wir uns wohl wieder vertragen würden.
Haha, welche Ironie!
Dabei hatten wir uns ja nicht einmal gestritten, also wie konnte ich da von
Versöhnung reden?
//Warum muss auch alles nur so furchtbar kompliziert sein?//, fragte ich mich und bemerkte nicht einmal, dass der erste Unterrichtsblock für heute bereits beendet war.
Dafür war ich einfach viel zu sehr damit beschäftigt mir zu überlegen wie ich das zwischen Hana und mir wieder gerade biegen konnte. Nur leider fiel mir nichts Passendes ein und das würde es auch nicht, da mich einer meiner Klassenkameraden gerade bei meinem Spitznamen rief während dieser  meinte, dass mich  jemand sprechen wolle. Dabei machte mein Herz einen Hüpfer, da ich dachte es wäre Hana. Die Ernüchterung traf mich dann allerdings, als ich sah WER mich vor dem Klassenraum erwartete.


„Terumiicchi...“, begrüßte mich genau DIE Person welche ich im Augenblick am allerwenigsten sehen wollte.
//Gott... was habe ich dir eigentlich getan dass du mich SO sehr hasst und mir jedes Mal diese Modepüppchen auf den Hals hetzt?//, fragte ich mich innerlich und erhielt natürlich keine Antwort. Aber es war nicht nur die Tatsache dass dieser Schönling auf der Matte stand und mich wegen irgendwas Unwichtigem nerven wollte, sondern auch die pure Vergewaltigung meines Namens.
//Woher wusste er den überhaupt?//, schoss es mir durch den Kopf und als hätte er meine Gedanken gelesen antwortete er bereits auf meine nicht gestellte Frage.
„Sawyercchi hat mir deinen Namen verraten...“, grinste er und ich ließ nur ein tonloses „Aha“ verlauten um darauf zu warten was er DIESES Mal von mir wollte.
Hoffentlich beeilte er sich denn ich hatte nicht den ganzen Tag Zeit  und um ehrlich zu sein, verspürte ich kein besonderes Bedürfnis mit dem Blonden mehr als 5 Minuten alleine zu sein ohne ihn gleich sonst was an den Hals zu wünschen. Dabei fragte ich mich wirklich immer wieder WARUM sämtliche Mädchen so verrückt nach ihm waren.
Was hatte er bitte an sich dass sie so durch drehen ließ?
Ich verstand es einfach nicht und wollte es auch nicht.
Das Einzige was ich mir im Moment wünschte war dass er zum Punkt kam und dann wieder verschwand, damit ich wieder meine Ruhe hatte.


Leise seufzte ich auf als der Blonde keine Anstalten machte etwas zu sagen, wobei er doch angeblich derjenige war, der mich unbedingt sprechen wollte. Nur weswegen dass wusste ich nicht und  ich war nicht besonders scharf drauf es zu erfahren.
So wie ich ihn kannte konnte da wirklich nur Unsinn herauskommen.
//Außerdem bin ich nicht in der Stimmung, um mir sein Geschwätz anzuhören... Das von vor einigen Tagen reichte mir//, schoss es mir durch den Kopf während ich innerlich die Augen verdrehte und einfach den ersten Schritt machte. „Also was willst du?“
Dieser blinzelte nur überrascht und kratzte sich dann etwas verlegen lächelnd an der Wange ehe er zu einer Antwort ansetzte.
„Naja... du warst neulich so schnell weg...“, begann er woraufhin ich nur schwieg.
Was sollte ich auch dazu sagen?
Dass ich abgehauen bin weil mich der Blonde nervte?
Ich keine Lust hatte von so jemandem eingeladen zu werden und dann ein Gesicht zu ziehen, als hätte ich in ein Kilo Zitronen gebissen. Immerhin war mir klar, dass es die Chance für Hana gewesen wäre, aber in diesem Moment war ich einfach nur so unglaublich egoistisch gewesen. Aber das wusste ich!
Ich wusste dass ich der Violetten wahrscheinlich die Chance nahm sich dem Schwarzhaarigen Captain des Basketball Clubs zu nähern.
Dass sie deshalb sauer auf mich war, konnte ich gut nachvollziehen und dass sie nicht mehr mit mir reden mochte ebenfalls.


//Sie hat allen Grund wütend auf mich zu sein, wenn man bedenkt was ich getan habe...//, schoss es mir durch den Kopf und merkte weder dass der Blonde weiter sprach, noch dass er resigniert seufzte und sich dann vorbeugte um wieder meine Aufmerksamkeit zu erlangen.
Erst als ich dieser mich anstupste schreckte ich aus meinen Gedanken und blickte ihm dabei ins Gesicht, wobei ich nur meine Stirn runzelte. Dieser Blick, mit dem er mich gerade bedachte, gefiel mir überhaupt nicht. Fast bildete ich mir ein in diesem Unbehagen oder gar Sorge zu lesen, aber das war völlig ausgeschlossen. Er war ein Model, ein selbstverliebtes Etwas dass sich doch sowieso nur für sich selbst oder den Sport begeistern konnte, zumindest dachte ich das.
„Du hast mir gar nicht zugehört, oder Terumiicchi?“, fragte er und lächelte dabei leicht während ich nur meine Augen abwandte.
//Natürlich nicht, Baka... Wenn du das schon weißt dann nerv mich doch nicht weiter!//, dachte ich nur knurrend.
„Sollte ich etwa?“, erwiderte ich daraufhin tonlos wobei mein Gegenüber nun das Gesicht verzog und schmollend meinte wie gemein ich doch sei.
„Von mir aus... Wenn du dann mal zum Punkt kommst...“, fügte ich noch wispernd hinzu, schielte dabei zu der Uhr welche sich an der Wand befand und mir zeigte, dass Blondie immer noch genügend Zeit blieb um mich zu nerven.


„Mooooi, warum bist du nur so abweisend Terumiicchi... Ich hab dir doch nichts getan...“, beschwerte er sich, woraufhin ich nur schnauben konnte.
Der Witz war wirklich gut und ich sollte ihn mir merken.
Nichts getan? Pah!
Allein dass er vor mir steht und nur blöd vor sich hin grinste war schon genug.
Weshalb ich mich nicht einfach umdrehte und ging, war mir selber ein Rätsel.
„Warum nicht?“, antwortete ich dann einfach mit einer Gegenfrage woraufhin ich nur perplex angesehen wurde. Anscheinend hatte er damit jetzt nicht gerechnet.
//Tut mir ja Leid, dass ich dir nicht so verfalle wie der Rest deines dämlichen Fanclubs...//, schoss mir prompt dieser Gedanke durch den Kopf, welchen ich natürlich nicht aussprach.
„Eh? Magst du mich etwa nicht?“
//Ach, auch schon gemerkt? Hallo, Sarkasmus!//
„Sollte ich?“, erwiderte ich abermals ziemlich knapp und kühl. Wie sehr wünschte ich mir doch dass der Blonde endlich mal zum Punkt kam, ich wollte hier weg.
Und wieso zum Henker kroch die Zeit nur so dahin?
Langsam aber sicher hatte ich das Gefühl dass die Sekunden extra langsam verstrichen.


//Warum hör ich mir das ganze eigentlich noch an?//, fragte ich mich und schüttelte fassungslos über mich den Kopf nur um mich dann doch einfach umzudrehen und wieder zurück ins Klassenzimmer zu gehen. Nun, zumindest hatte ich das vor und es hätte auch geklappt wenn der Blonde nicht plötzlich nach meinem Handgelenk gegriffen hätte, um mich so daran zu hindern einfach wieder zu verschwinden.
„Warte, Terumiicchi...“
Wortlos blieb ich stehen und drehte meinen Kopf nach hinten und sah diesen fragend an.
„Jetzt hau doch nicht schon wieder ab... Ich... Ich will dich noch etwas fragen...“
Ich schwieg, signalisierte ihm aber dass ich zuhören würde.
Nun, als würde ich eine andere Wahl haben.
Einige Sekunden verstrichen in der mein Gegenüber nur schwieg und ich merkte wie mir langsam aber sicher Geduldsfaden riss.
„Wenn du was willst setzt es voraus, dass du irgendwann mal den Mund aufmachst...“, erklärte ich während der Blonde nervös auflachte. Jedenfalls kam es mir so vor aber ich konnte mich natürlich auch irren.


„Entschuldige, Terumiicchi... wenn ich ehrlich bin ist mir aufgefallen, dass du die meiste Zeit eher für dich alleine bist... wenn man mal von Sawyercchi absieht und-“, redete Kise einfach darauf los, während ich ihn dann einfach unterbrach.
„Sag endlich was du sagen willst oder lass es...“
„Nun, ich hab mir gedacht vielleicht könnten wir nach der Schule einfach mal etwas unternehmen oder du siehst wieder beim Training zu... Ich würde nämlich gerne etwas mehr Zeit mit dir verbringen...“, erklärte er woraufhin ich nur tief ein und wieder aus atmete ehe ich den Kopf schüttelte.
„Was du willst interessiert mich nicht... jetzt lass mich los“, und ignorierte die Frage des Blonden dabei vollkommen.
„Nein... erst wenn du mir antwortest... Du musst doch nicht immer alleine sein...“
„Kaum vorstellbar für so jemanden wie dich, aber ich LIEBE die Einsamkeit...“
„Lüg nicht! NIEMAND ist gerne allein!“, widersprach er mir sofort worüber ich wirklich nur lachen konnte.
„Ich glaube kaum dass ausgerechnet so jemand wie DU das beurteilen kann...“, knurrte ich und bemerkte wie ich langsam aber sicher wütend wurde. Normalerweise war ich die Ruhe in Person aber dieser Kerl schaffte es tatsächlich mich bereits nach nicht einmal 5 Minuten in Rage zu versetzen.
„Jemand wie ich?“, wiederholte er monoton und blinzelte mich irritier an.
„Ja, jemand wie DU! Als würde ich FREIWILLIG mit dir etwas unternehmen wollen.
Hätte ich gewusst dass du derjenige bist der mit mir reden will, wäre ich erst gar nicht hergekommen... was glaubst du eigentlich wer du bist? Denkst du ernsthaft ich bin wie die anderen hirnlosen Tussis aus deinem Fanclub? Dass ich dich sehe und mein Herz bleibt stehen oder ich dir sabbernd hinterher laufe?“, fuhr ich ihn plötzlich an, einfach weil es mir reichte. Ich hatte die Schnauze voll davon,  mir gerade von einem Modepüppchen vorschreiben zu lassen, was Lüge und was die Wahrheit war.
Was wusste der schon von mir?
Was wusste der schon was in mir vorging oder warum ich so war wie ich war?
Er hatte doch keine Ahnung!
Sollte er doch weiter sein ach so perfektes Leben weiterführen, aber mich dafür einfach nur in Ruhe lassen!
Was war eigentlich so schwer daran zu kapieren?


„Du bist so dermaßen arrogant und eingebildet, davon wird einem ja einfach nur schlecht! Glaubst wohl die ganze Welt dreht sich um dich und alle müssten dir hörig sein, nur weil du so ein 0815 Model bist! Hopst auf dem Spielfeld rum wie ein Vollidiot und denkst dann auch noch du seiest cool... Aber weißt du was? Du bist einfach nur lächerlich und nervst mich mit deinem Getue!“
„W-Was?“, hauchte der Blonde und musste erst einmal schlucken, da er wohl damit nicht gerechnet hatte, aber was soll ich sagen? Ich war eben ehrlich! Von der ersten Sekunde an als ich diesen Mistbengel sah, war er mir unsympathisch und das steigerte sich mit jeder verfluchten Begegnung.
Es herrschte kurz Schweigen während das junge Model mich losließ und das Gehörte erst einmal verarbeiten musste ehe er anfing zu sprechen.
„Das meinst du nicht ernst, Terumiicchi...“, widersprach er und ich bemerkte voller Genugtuung dass seine Stimme zitterte und er sich nun nicht mehr so sicher war, ob das was ich sagte nicht doch der Wahrheit entsprach.
„Falsch... DU verdrehst Tatsachen! Ich kann dich überhaupt nicht ausstehen, das war schon so als ich dich das erste Mal sah!“, konterte ich und verengte dabei wütend meine Augen da er doch immer noch behauptete, dass es nicht stimmte.
Gott, wie bescheuert konnte man eigentlich sein?
„Ich kann nicht glauben dass du so über mich denkst, Terumiicchi... Du lügst...“, wisperte er während ich nun wütend meine Hände zu Fäuste ballte.
„Tu ich nicht...“, widersprach ich trotzig und zuckte plötzlich zusammen als mir dieses besagte Model auch noch etwas näher kam und sich zu mir beugte.
„Terumiicchi, ich weiß dass du lügst...“, begann er und schwieg kurz ehe er fortfuhr.
„Ich kann mir vorstellen dass du sehr einsam bist und dir einredest dass du mich verachten und hassen würdest... Aber... sei doch mal ehrlich! Eigentlich hast du mich doch recht gern nicht wahr? Ist ja auch verständlich, schließlich hat mich noch nie ein Mädchen abgewiesen und du musst dich dafür wirklich nicht schämen... Außerdem glaube ich, dass du nur Angst hast es dir einzugestehen und dann eine Abf-“
KLATSCH!


Ich wusste nicht was mich dazu getrieben hatte aber bevor ich darüber nachdenken konnte, hatte ich bereits ausgeholt und diesem Möchtegern-Schönling eine Ohrfeige verpasst. Dabei zitterte ich immer noch vor unterdrückter Wut und versuchte mich davon abzuhalten dem Blonde nicht noch eine reinzuhauen.
Verdient hätte er es auf jeden Fall!
„Halt... Deine... verdammte... Klappe!“, presste ich nur zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor und biss mir auf die Lippen ehe ich mich abermals an den Blonden wandte, nur um ihn dieses Mal anzuschreien und zwar das erste Mal seit Jahren.
Wann ich jemals so laut geworden war wie in diesem Moment?
Ich hatte keine Ahnung und in diesem Augenblick interessierte es mich nicht besonders, das einzige was wichtig war, war dass ich meiner angestauten Wut Luft machen musste.


„HALT AUCH NUR MAL FÜR EINE SEKUNDE DEINE VERDAMMTE SCHNAUZE!!! Hörst du dir Abschaum eigentlich auch mal selber zu? Weißt du wie du dich anhörst, du selbstverliebtes arrogantes Arschloch!!!“, brüllte ich und merkte wie mir langsam aber sicher Tränen aufstiegen, die aber zu verdrängen versuchte.
„ICH tue nicht so oder rede es mir ein: Ich HASSE dich wirklich! Bereits als ich dich bei dem Spiel sah wurde mir schlecht und je mehr Hana mir über dich erzählte, desto weniger konnte ich dich leiden... als wir uns dann zufällig begegnet sind habe ich nur noch Verachtung für dich empfinden! Ja, ich verachte dich, Kise Ryōta!
Du tust so als würdest du mich kennen, aber DAS ist eine verdammte Lüge!
Du weißt nichts, aber auch überhaupt nichts über mich!
VERARSCH MICH NICHT! Du bist doch derjenige der sich hier was einredet...
Was ist los, kannst du es nicht ertragen dass ich dich nicht so toll finde und in Ohnmacht falle wenn ich dich sehe?“, schrie ich und schnappte nach meiner Ansprache erst einmal nach Luft während der Blonde mich nur fassungslos ansah.
„Ehrlich, du bist doch echt das Allerletzte! Keine Ahnung warum du ach so beliebt bist... weder bist du besonders helle noch attraktiv... in meinen Augen bist du ein Nichts, ein absoluter Niemand! Also wag es nicht MIR zu unterstellen, was falsch ist und was nicht!
Und sprich mich NIE WIEDER an, kapiert? Sonst garantiere ich für nichts!“, fauchte ich und brachte dabei sämtliche Selbstbeherrschung auf, die ich noch besaß, um mich einfach umzudrehen und dieses ETWAS hinter mir zu lassen.


Ohne mich auch noch einmal umzudrehen rauschte ich ins Klassenzimmer und ignorierte dabei die ganze feindseligen Blicken sowie das Tuscheln. Irgendwie war es ja klar, dass irgendjemand die Szene mitbekommen hatte, besonders bei meinem Geschrei. Aber das war mir im Moment so ziemlich egal da ich mich erst einmal beruhigen musste.
Wie konnte es überhaupt so weit kommen dass ich meine Selbstbeherrschung verlor?
Weshalb war ich nicht einfach eiskalt gegangen, als ich merke dass bei diesem Gespräch nichts Sinnvolles herauskommen würde?
Und warum war ich so aufgebracht und hatte ihm eine gescheuert?
Nicht dass ich es bereuen oder gar zurücknehmen würde, aber ich war einfach nur so schockiert über meinen Wutausbruch. Immerhin war ich keine besonders gewalttätige Person die andauernd austeilte, ganz im Gegenteil!
Aber was konnte ich dafür, dass mich der Blonde mit seinem Geschwätz so nervte, dass ich gar nicht anders konnte als ihn zu ohrfeigen?


//Warum musste er mich auch so provozieren?
Weshalb sich damit geradezu brüsken dass er noch NIE zuvor abgewiesen wurde?
Wieso nur? Warum konnte er nicht einfach seine verdammte Klappe halten?//, fragte ich mich und seufzte dabei frustriert auf da ich darauf keine Antwort wusste.


„Dämliche Otaku-Ziege...“
„Der arme Kise-kun...“
„Die spinnt wohl...“
„Was glaubt die Tusse eigentlich wer sie ist?“
„Das wird sie noch bitter bereuen...“, riss mich plötzlich das Getuschel meiner Klassenkameraden aus den Gedanken, während ich nur genervt mit der Zunge schnalzte.
//Hallo? Könnt ihr vielleicht mal nicht lästern und still sein... Ich versuche nachzudenken...//, knurrte ich innerlich und verdrehte dabei nur genervt die Augen.
Ich konnte nicht glauben dass sich diese hirnlosen Tussen immer noch darüber aufregten. Na und , ich hatte dem Modepüppchen eben eine Ohrfeige verpasst.
Was war schon dabei, er hatte es eben verdient.
Und ganz ehrlich? Was wollten die jetzt mit mir machen?
Mich öffentlich an den Pranger stellen?
//Als ob das auch nur irgendetwas ändern würde...//, dachte ich seufzend und konnte nicht glauben dass ich mir darüber tatsächlich den Kopf zerbrach.
Sollten sie doch so böse gucken, reden und mir drohen wie sie wollten.
Mich hatte es noch nie interessiert was andere dachten und von meinen Klassenkameraden hatte ich eh eine schlechte Meinung.
Ich meine sie waren nervig, laut und oberflächlich bis zum geht nicht mehr.


Mal ganz davon abgesehen war die einzige Person die ich brauchte und akzeptierte meine beste Freundin Sawyer Hana, obwohl ich im Augenblick bezweifelte dass wir das noch waren.
War sie noch meine Freundin, nachdem wir seit fast einer Woche nicht mehr miteinander sprachen?
Natürlich hätte ich auch einfach auf sie zugehen und mich mit ihr aussprechen können, aber dazu war ich zu feige. Und ich hatte Angst vor ihrer Reaktion.
Angst dass sie mich vielleicht abweisen oder gar nicht mehr mögen würde.
Angst dass sie mir sagte dass wir keine Freunde mehr sein könnten, wobei diese Furcht ja nicht einmal unbegründet war. Was hatten wir eigentlich überhaupt noch für Gemeinsamkeiten? Hana interessierte sich seit Wochen nur noch für dieses blöde Basketballspiel und das nur wegen eines Kerls!
Ein anderes Gesprächsthema gab es für sie doch kaum noch.
Natürlich freute ich mich dass meine beste Freundin für jemanden schwärmte, aber musste sie deshalb gleich so übertreiben? Wann hatten wir eigentlich das letzte Mal über etwas anderes als ihren „Senpai“ und „Basketball“ geredet?


//Wobei ersteres ja noch erträglich war...//, schoss es mir durch den Kopf als ich an das Gespräch vor einigen Tagen auf dem Basketballplatz dachte. Trotzdem vermisste ich meine Freundin Hana, mit der ich über alles reden konnte, was im Moment ja nicht der Fall war, ganz im Gegenteil. Wir schwiegen uns an, wenn sie dann wieder von dem Sport anfing schaltete ich auf Durchzug und nickte ein paar Mal und sobald sie mich fragte ob es bei mir irgendetwas Neues gab, schüttelte ich den Kopf. Ich wusste selbst nicht warum ich ihr noch nichts von Akito erzählte oder davon dass meine Familie sich seit Monaten nicht mehr gemeldet hatte. Wahrscheinlich wollte ich ihr damit einfach nicht auf die Nerven gehen, gerade weil sie im Augenblick so von anderen Dingen vereinnahmt wurde was mich mehr als einmal eifersüchtig machte. Anfangs wollte ich es mir nicht eingestehen, aber die Realität sah nun einmal anders aus. Ich war eifersüchtig. Auf den Sport den Hana so besessen trainierte obwohl sie die Tollpatschigkeit in Persona war.
Die Aufmerksamkeit die ihr Senpai bekam und es nicht mal würdigte.
Darauf dass sie nun mehr Zeit mit einem Ball verbrachte als mit mir.
Unglaublich aber wahr, ich war auf einen Gegenstand eifersüchtig.
Das musste man sich erst einmal vorstellen!
So was war doch total krank, immerhin gehörte Hana mir nicht und sie konnte tun und lassen was sie wollte. Aber egal wie oft ich es mir einredete, es half einfach nicht.


Ich wollte mir der Violetten wieder wie früher 24 Stunden am Stück zusammen sein.
Mit ihr lachen und sie wegen ihrer Ungeschicklichkeit aufziehen.
Über die neusten Bücher, Mangas, Animes und CD’s quatschen.
Einfach wieder diejenige sein der sie ihre ganze Aufmerksamkeit schenkte.
Aber egal wie sehr ich mir das auch wünschte, dieser Wunsch würde sich niemals erfüllen. Dafür war sie viel zu sehr von dem Schwarzhaarigen eingenommen, welchen ich erst kurz gesehen aber trotzdem wie sonst was neidisch war.
Leise seufzte ich auf und blickte dabei aus dem Fenster während ich mich fragte warum das Leben nur so kompliziert sein musste und ob wir uns vielleicht auseinander gelebt hatten.
Ob unsere Freundschaft wohl in Gefahr war?
Waren wir überhaupt noch Freunde oder nur noch 2 Menschen die einander duldeten weil sich keiner traute den Schlussstrich zu ziehen?
Was verband uns eigentlich noch miteinander?
Hana hatte doch nur noch Augen für diesen Ball und ich für meine Mangas.
Ich zog mich zurück und nickte meist nur zustimmend, wenn die Violette redete.
Müsstete ich nicht eigentlich etwas sagen, wenn sie mir doch so viel bedeutete?
Meinen Ärger und meinen Frust Luft machen?
Mich wegen der Sorge meines Bruders ihr anvertrauen?
Machte das nicht erst eine WAHRE Freundschaft aus?


//Aber wieso?
Wieso schwieg ich dann nur?//, fragte ich mich selbst und antwortete mir prompt.
Aus Angst!
Ich sagte nichts und ertrug das alles aus Angst sie zu verlieren.
Genauso wie ich mich nicht traute auf sie zuzugehen, schwieg ich über meine Gefühle.
Außerdem fand ich es albern und schämte mich dafür.
Wie konnte ich als beste Freundin mir auch anmaßen eifersüchtig zu sein?
Dafür gab es schließlich keinen Grund.


„TERUMII SARANA!“, wurde ich plötzlich abermals aus meinen Gedanken gerissen, zuckte dieses Mal allerdings zusammen als die Tür mitten im Unterricht aufgerissen wurde und ich in das wütende Gesicht meiner besten Freundin blickte. Ich schluckte nur und schielte unauffällig zu dem Lehrer, während ich mich fragte warum er dass der Violetten durchgehen ließ.
Allerdings beschäftigte mich im Moment eine ganz andere Frage: Nämlich WAS Hana so dermaßen aufgewühlt hatte dass sie nun wie der Teufel persönlich wirkte.
Verwirrt blinzelte ich sie an und fragte mich was wohl passiert war.
„Ach, wir reden wieder miteinander?“, fragte ich sarkastisch was ich aber lieber  hätte bleiben lassen sollen, da mich meine Beste nur noch wütender anfunkelte.
„Versuch es gar nicht erst auf DIESE Tour, Sarana!“, knurrte diese und ich merkte dass sie innerlich wirklich auf 360° sein musste. Immerhin nannte sie mich sonst NIE bei meinem Vor-und Nachnamen und erst recht nicht in dieser Lautstärke.
„WAS fällt dir überhaupt ein?!?“, redete sie dann einfach weiter ohne mir auch nur die Gelegenheit zu geben etwas zu sagen.
„Ähm...?“
„OH, jetzt tu nicht so scheinheilig! Du weißt genau wovon ich rede!
Kise Ryōta!“, fauchte sie mich an und ich stöhnte nur genervt auf.
//Gott, bitte sag mir dass das jetzt nicht wahr ist! Nicht Hana auch noch!
Hat sie sich von ihm einwickeln lassen oder noch besser: Hat dieser Mistkerl gepetzt?//, fragte ich mich und allein bei dem Gedanken hatte ich nicht übel Lust ihm noch eine reinzuhauen. Nicht nur arrogant von hier bis nach Alaska sondern heulte sich bei der erst besten aus oder was? Tch... und auf so was standen diese Weiber? Unverständlich!


„Ach das...“, nuschelte ich und hoffte auf ein baldiges Ende des Gespräches, denn die Richtung die Hana einschlug, gefiel mir überhaupt nicht.
„JA, ALLERDINGS! WAS fällt dir überhaupt ein Kise-kun zu schlagen?“
„Pfft... ich bitte dich... der schrie doch geradezu danach...“, konterte ich eiskalt und blendete dabei aus dass wir zwei nicht allein waren und die anderen allein bei meinen Worten bereits auf die Barrikaden gingen.
„Und was heißt geschlagen? Es war nur eine Ohrfeige... Mach deswegen nicht so ein verdammtes Drama... Selbst Schuld... was redet der auch so einen Mist daher?
Von wegen es hätte ihn noch nie jemand abgewiesen... nur weil es so ist muss er nicht automatisch denken, dass jede ihm gleich verfällt... wie eingebildet kann man eigentlich sein?“, sprudelte es einfach aus mir heraus.
„WIE WAR DAS?!?“, fauchte die Violette und baute sich nun drohend vor mir auf, was mich allerdings wenig beeindruckte. Ich hatte noch nie Angst und vor meiner besten Freundin schon mal gar nicht, deswegen würde ich jetzt ganz sicher nicht damit anfangen. Das wäre ja noch schöner!
„Du hast mich schon verstanden... Was ist bitte so toll an dieser Modepuppe?“
„Kise-kun ist KEINE Modepuppe! Wie kannst du es wagen so etwas zu behaupten!
Du kennst ihn doch gar nicht richtig!“, konterte Hana sofort.
„Hn... dass muss ich auch nicht... Abschaum wie der ist doch gleich...
Ist wohl sofort zu dir gelaufen als er eine kassiert hat? Wie erbärmlich...!“, erwiderte ich nun langsam nicht minder wütend.
Dabei fragte ich mich was Hana eigentlich für ein Problem hatte.
Weshalb setzte sie sich so für diesen vermaledeiten Schönling ein?
„Nein, er ist nicht zu mir gekommen sondern ich hab ihn draußen vor dem Klassenzimmer stehen sehen...völlig neben der Spur...“
„Von mir aus...“, antwortete ich schulterzuckend und wich nun dem Blick meiner Freundin aus, auch weil ich dieses Gespräch beenden wollte.


KLATSCH!
Erschrocken fuhr ich zusammen als ich plötzlich einen Schlag auf meiner linken Gesichtshälfte spürte und wandte leicht meinen Kopf zu der Violetthaarigen, während ich diese einfach nur fassungslos ansah.
„JETZT HAB ICH ABER ENDGÜLTIG GENUG, TERUMII SARANA!“, brüllte diese und ballte dabei beide Hände zu Fäuste während sie mich anschrie.
„TU NICHT SO VERDAMMT GLEICHGÜLTIG, ALS WÜRDE ES DICH NICHTS ANGEHEN!!! DAS HAT DICH ZU INTERESSIEREN, KAPIERT?!? WIE KANNST DU ES WAGEN SO RUHIG DAZUSITZEN? WIE KANNST DU ES ÜBERHAUPT WAGEN NICHT ZU BEDAUERN WAS DU KISE-KUN ANGETAN HAST?!? WIE KANNST DU NUR SAGEN ER HÄTTE ES VERDIENT?!? KISE-KUN IST DER NETTESTE MENSCH DEN ICH KENNE UND ALLES WAS ER WOLLTE WAR SICH MIR DIR ZU UNTERHALTEN, ABER ANSCHEIND BIST DU ZU BLÖD UM DAS ZU KAPIEREN!“
Ich schluckte bei ihren Worten nur hart und merkte wie mir langsam aber sicher Tränen aufstiegen und zwar nicht weil Hana mich anschrie, sondern weil sie diesen Idioten in Schutz nahm während sie dabei so tat als wäre ich wie eine Furie auf ihn losgegangen.
Warum?
Warum nur verteidigte sie diesen Mistkerl überhaupt?
//Ob sie es bei mir auch getan hätte?//, fragte ich mich und musste mir leider eingestehen dass ich es nicht wusste.
„ABER ALL DAS GEHT JA NICHT IN DEINEN VERDAMMTEN SCHÄDEL REIN!!! VIELLEICHT ABER AUCH KEIN WUNDER WENN MAN SICH DEN GANZEN TAG NUR DIESEN SHONEN-AI KRAM REINZIEHT! DAS IST WIRKLICH WIDERLICH! ICH KANN NICHT GLAUBEN DASS ICH MIT SO EINER BEFREUNDET WAR!!!“, fauchte sie weiter und ich spürte wie sich mein Herz plötzlich zusammenkrampfte.
„DU BIST DOCH ECHT DAS ALLERLETZTE!!! ICH WILL DICH NIE WIEDERSEHEN KAPIERT, DU VERDAMMTER OTAKU-FREAK!!!“, war das letzte was ich realisierte bevor mehrere Dinge auf einmal geschahen.


Meine allerbeste Freundin machte auf den Absatz kehrt und ließ mich allein zurück, während ich hörte wie die anderen ihren Worten zustimmte. Darüber dass Hana Recht hatte und ich das mehr als nur verdiente. Dass ich nur ein verdammter Freak war und eigentlich noch recht glimpflich davon gekommen wäre. Dann das Lachen und der Singsang von Hanas Worten und während ich das Geschehene realisierte und dabei meine Welt zerbrach.
Das nächste was ich wusste war dass ich einfach aufstand, das Klassenzimmer mit schnellen Schritten verließ und in den nächstbesten Raum, das Chemielabor, flüchtete in dem sich zum Glück niemand befand. Nachdem ich die Tür hinter mir verschlossen hatte rutschte  an dieser entlang herunter, vergrub mein Gesicht in meinen Händen und ließ meinen Tränen freien Lauf.


~ * ~ * ~ * ~ * ~ * ~ * ~ * ~ * ~ * ~ * ~ * ~



~ einige Tage später ~


„Na sieh mal wer da ist...“, ließ mich plötzlich eine Stimme zusammenzucken und inne halten. Dabei verfluchte ich mich weil ich mal wieder vor mich hingeträumt und nicht darauf geachtet hatte, nach Unterrichtsschluss unverzüglich die Kaijou High zu verlassen. Schließlich wusste ich was mir blühte, wenn ich auch nur eine Sekunde trödelte. Ich würde mal wieder von dieser Mädchen Clique in die Mangel genommen werden, denn seit Hana mir an diesem einen schicksalhaften Tag quasi die Freundschaft kündigte und ich aus der Schule türmte, war ich eh zur Zielscheibe jeglicher Anfeindungen geworden.
Egal ob Beleidigungen, Drohungen, verschwundene Bücher oder andere Utensilien, „plötzliche“ Unfälle und sogar öffentliche Demütigungen – es war eigentlich von allem etwas dabei. Normalerweise hätte mich so was nicht besonders gestört, da ich ja eh keinen besonders großen Freundeskreis hatte, aber seitdem Hana mich ohrfeigte und so anschrie änderte sich alles. Ich merkte dass ich viel emotionaler und ängstlicher geworden war. Außerdem fühlte ich mich einfach nur noch leer und nutzlos, als ich realisierte dass die Violette mich fallen ließ.
Es wäre alles viel leichter zu ertragen gewesen wenn Hana noch an meiner Seite wäre. Wenn sie mich wieder aufgebaut und getröstet hätte.
Wenn ich einfach wüsste, dass sie da ist und auf meiner Seite wäre.
Aber die Realität sah nun einmal ganz anders aus.
Meine ehemalige beste Freundin hatte mich als „Otaku-Freak“ bezeichnet.
Mich als widerlich abgestempelt und aufgefordert sie niemals wieder anzusprechen.
Im Klartext hieß das also dass Hana mich hasste und ich ganz allein auf mich gestellt war. Und dieser Gedanke tat furchtbar weh.


Es schmerzte und trieb mir jedes Mal die Tränen in die Augen das nun niemand da war um mir zu helfen.
//Haha, na wer würde einem FREAK wie mir auch schon helfen wollen?//, schoss es mir sofort durch den Kopf während ich gerade mit den Boden Bekanntschaft machte, da mich deren Anführerin geschupst hatte. Wehren tat ich mich nicht, wozu auch?
War doch eh alles sinnlos und meist musste ich dann noch mehr einstecken als ohnehin schon. Diese Lektion hatte ich bereits am ersten Tag gelernt also ließ ich es bleiben.
Mal davon abgesehen war es ja nicht so, dass mir diese körperlichen Verletzungen etwas ausmachen würden. Schließlich zerbrach mein Herz und meine Welt bereits vor Tagen.
Wofür ich überhaupt noch lebte und atmete wusste ich nicht mehr.
Bis vorgestern hätte ich vielleicht gesagt, dass einzig und allein Akito mich noch am Leben erhielt aber das hatte sich nach der Hiobsbotschaft ja nun auch erledigt.
Also, wozu noch kämpfen und sich gegen diesen Abschaum bewähren?
Wenn dass doch sowieso sinnlos und völlig ausweglos war, da ich keine Kraft mehr hatte. Woher auch? Bisher war meine Beste meine Ressource gewesen wenn es um so etwas ging oder eben meine Manga Leidenschaft, aber selbst diese interessierte mich nicht mehr. Nichts von alledem war nun wichtig für mich.
Nicht nachdem ich von Hana verlassen wurde, drangsaliert bis zum geht nicht mehr und auch dabei war meinem Bruder zu verlieren.
Mein Leben war schlicht und einfach vorbei.


Ich zuckte nicht mal als mich eine der Mädchen an den Haaren packte und mich wieder und wieder beschimpfte. Nicht mal ihre Worte verstand ich richtig, da es in meinen Ohren zu rauschen begann aber vielleicht war das auch besser so. Ihre Worte und Beschimpfungen hätten mich nur wieder verletzt. Sie hätten mich dazu gebracht auch noch den letzten Rest an Würde zu verlieren, den ich noch hatte und das wollte ich einfach verhindern.
„Tch... dieses Dreckstück reagiert überhaupt nicht...“, fauchte eine und schlug mir ins Gesicht wobei ich keinen Mucks von mir gab.
//Es tut nicht weh... Das ist nichts... gar nichts im Vergleich zu den Schmerzen in meinem Inneren...//, redete ich mir immer wieder ein, konnte aber nicht verhindern wie mir Tränen aufstiegen, die ich mit aller Kraft nieder zu kämpfen versuchte.
Ich wollte nicht weinen und Schwäche zeigen, erst recht nicht vor DENEN!
„Verdammtes Miststück! Glaubst wohl es ist vorbei, was? Aber wir werden dir schon Benehmen beibringen...“, knurrte die andere und packte mich schließlich grob am Oberarm während sie mich den Flur entlang und zur Treppe schliff. Wahrscheinlich wollte sie mich wieder vor der ganzen Schule an den Pranger stellen oder sie hatte etwas ganz anderes im Sinn, was mich aber auch nicht besonders interessierte.


//Wie viel schlimmer als jetzt konnte es denn noch werden?//, schoss es mir durch den Kopf und riss plötzlich die Augen auf als ich realisierte dass deren Anführerin dieses Mal etwas viel schlimmeres im Sinn hatte als mich zu demütigen. Um ehrlich zu sein konnte ich selbst nicht glauben dass sie mich an den Rand des Treppenabsatzes schleifte und mich dann so fest hinunter stieß wie sie konnte.
Erschrocken riss ich meine Augen auf als ich zu fallen begann und fast ein halbes Stockwerk nach unten rollte. Dabei versuchte ich noch mich abzufangen, was mir aber mehr schlecht als recht gelang.


Geschockt blieb ich einige Sekunden liegen und rührte mich nicht, aus Angst vor den Schmerzen die mich erwarten würden. Denn dass ich das Ganze heil überstanden hatte war unwahrscheinlich. Ich behielt Recht als ich leise aufstöhnte und versuchte mich aufzusetzen. Dabei zuckte ich zusammen als ich einen stechenden Schmerz an meiner rechten Seite spürte, aber lange Zeit mich zu erholen hatte ich nicht, da meine Peiniger bereits zur Stelle waren und mich wieder gen Boden traten.
//Womit hatte ich das eigentlich alles verdient? Warum nur quälte man mich so?//, fragte ich mich und merkte wie mir nun Tränen über meine Wangen liefen und auf den Boden tropften. Den Versuch diese aufzuhalten unternahm ich jetzt gar nicht mehr.
Ich konnte einfach nicht mehr und konzentrierte mich nur noch darauf mich zusammenzurollen und keinen Mucks von mir zu geben, während diese Mädchen doch tatsächlich anfingen auf mich einzutreten. Hatten sie mich denn nicht schon genug verletzt? Mussten sie weitermachen, nachdem ich bereits auf den Boden lag?
//Dumme Frage... Natürlich... als ob die so was wie Mitleid kennen würden...//, dachte ich und konnte ein schmerzhaftes Wimmern einfach nicht mehr unterdrücken. Wie lange ich so da lag und die Tritte über mich ergehen ließ wusste ich nicht, nur dass sich plötzlich jemand einmischte und dafür sorgte dass diese Mädchen aufhörten.
„HEY! WAS ZUR HÖLLE MACHT IHR DA?!?“
Ich wusste nicht woher, aber irgendwie kam mir diese Stimme bekannt vor.
Allerdings schob ich es in diesem Augenblick auf meinen verletzten Zustand zu, dass ich halluzinierte. Jedoch war ich noch nicht so betäubt dass ich einfach liegen blieb sondern mich mit einem schmerzhaften Aufkeuchen in eine sitzende Position aufrichtete. Dabei dankte ich Gott oder wem auch immer dafür, dass diese verfluchten Weiber ihre Aufmerksamkeit denjenigen schenkten, welche gerade ihr Tun unterbrochen hatten.
//Das ist meine Chance...//, dachte ich und versuchte mich aufzurichten, indem ich mich dabei an der Wand abstützte. Allerdings schaffte ich es gerade so mich zu erheben, ehe ich wieder auf die Knie sank und mir dabei meinen linken Fuß hielt.
//Verdammt...//, fluchte ich und weitere Tränen kullerten mir dabei über die Wange um dann ihren Weg auf den Boden zu finden. Anscheinend hatte ich mir den Fuß verstaucht oder sogar gebrochen. Was sollte ich jetzt nur tun? Hier bleiben konnte ich schließlich nicht, wer weiß wie lange derjenige dieses Pack in Schach hielt, ehe es sich wieder ihrer Lieblingsbeschäftigung widmete: Nämlich auf mich einzuprügeln.


//Ich muss hier weg... dann eben anders...//, entschloss ich mich und ließ mich nach vorn fallen um mich dann so vorsichtig wie möglich fortzubewegen. Wenn ich schon nicht laufen konnte dann würde ich eben wegkrauchen. Hauptsache ich kam von diesen Monstern weg welche mich vor nicht einmal wenigen Minuten sprichwörtlich von der Treppe warfen. Ich konnte von Glück sagen dass ich mir dabei nicht das Genick gebrochen hatte.
//Obwohl... Glück relativ ist...//, dachte ich und zuckte zusammen als ein stechender Schmerz meine Seite durchfuhr, allerdings dachte ich nicht daran mich auszuruhen. Immerhin war ich noch nicht in Sicherheit und meine Peiniger würden meine Flucht wohl auch bereits bemerkt haben. Aber bevor ich mich wieder schlagen ließ, biss ich lieber die Zähne zusammen auch wenn die Schmerzen schier unerträglich waren.
//Durchhalten... irgendwie... ich muss mich irgendwo verstecken... nur wo?//, dachte ich und sah mich im Flur um ehe mir bewusst wurde dass ich mich im Erdgeschoss befand, in der auch die Bibliothek lag, in welche ich mich häufiger zurückzog wenn es mir zuviel wurde.
//Am besten dort... dann kann ich mich ausruhen... ich kann sowieso nicht mehr...//, schoss es mir durch den Kopf und schleppte mich entschlossen zu der Tür, die in die Bücherei führte, aber sich natürlich am Ende des Ganges befand.
//Gleich... Gleich geschafft...//, feuerte ich mich innerlich weiter an während mir immer wieder Tränen über das Gesicht liefen, welche ich aber nun ignorierte.
Erschöpft seufzte ich auf als ich diese endlich erreicht hatte und versucht sie sogleich zu öffnen, was mir aber nicht gelang.
Ich schluckte nur und merkte wie mein Herz vor Angst wie wild zu schlagen begann.
Dabei flehte ich dass diese verdammte Tür NICHT abgeschlossen war.
Ächzend zog ich mich an der Klinke hoch und trommelte auf die Tür ein bis diese plötzlich nachgab und ich mich der Länge nach hinlegte, was mir dieses Mal aber egal war. Zu erleichtert war ich, dass ich meinen Quälerinnen entkommen war, sodass ich mich gleich weiter in das Innere der Bibliothek schleppte und dabei die Tür mit meinem gesunden Fuß zustieß und das nicht zu früh. Nur wenige Sekunden später als diese ins Schloss fiel, hörte ich Schritte und aufgebrachte Stimmen.


„Dieses Miststück...“
„Sie ist entkommen...“
„Keine Sorge... die finden wir schon und dann machen wir sie fertig!“
„Wenn uns dieser Typ nur nicht aufgehalten hätte... Dabei war ich mir so sicher dass sie heute Training hätten...“, sagte eine der Stimmen und ich weitete erschrocken meine Augen da ich nicht glauben konnte was ich da gerade hörte.


//W-Was? Training... Heißt das-? Heißt dass das mich jemand aus einer der Clubaktivitäten gerettet hat?//, fragte ich und spürte wie mir ganz anders wurde.
Warum sollte dass denn jemand tun?
Wer war diese Person und vor allem wieviel hatte dieser mitbekommen?
Fragen über Fragen auf die ich keine Antwort wusste, wobei diese sowieso noch warten mussten, da ich gerade ganz andere Probleme hatte.
„Ist doch jetzt egal... Suchen wir diesen Freak endlich...“
„Yeah... weit kann die eh nicht gekommen sein... War ne geile Aktion von dir Yumiko...“
„Tja... man tut was man kann... wir teilen uns am besten auf...“, erklärte die Stimme, welche von der anderen beim Namen genannt wurde.
//Yumiko... so heißt meine Peinigerin also?//, schoss es mir durch den Kopf und wartete ab bis die Schritte verklungen waren ehe ich erleichtert ausatmete.
Anscheinend hatte ich noch einmal Glück gehabt, da diese Mädchen wohl erst einmal nach und nach die Kaijō High absuchen wollten.
Sollten sie doch, solange sie nicht auf die dumme Idee kamen die Bibliothek zu betreten, denn in dieser war ich jetzt erst einmal sicher.
Zumindest hoffte ich das, aber darauf verlassen wollte ich mich nicht, weswegen ich einfach in den hinteren Teil der Bücherei krabbelte und mich zwischen einigen Regalen verbarg. Selbst wenn sie hier nach mir suchen sollten war ich so gut wie unsichtbar.


„Warum muss so was auch immer nur mir passieren?“, nuschelte ich dann leise vor mich hin, wobei mir klar war dass es niemanden gab der mir antworten würde.
Niemand der mir sagen konnte aus welchem Grund das alles geschah und ob ich das nicht wirklich alles verdient hätte.
Hatte diese Yumiko womöglich Recht mit dem was sie sagte?
War es allein meine Schuld was mir die vergangenen Tage passierte?
Hätte es vielleicht verhindert werden können, wenn ich damals nur beherrschter vorgegangen wäre?
Wenn ich den Blonden keine Ohrfeige verpasst hätte, wäre dann alles anders gelaufen?
Bestimmt wäre es das.
Denn dann hätte Hana keinen Grund gehabt mir die Freundschaft zu kündigen.
Sie hätte mich dann nicht als einen „Freak“ und „widerlich“ bezeichnet.
Dieser ganze Fanclub hätte dann auch keinen Grund gehabt mich zu hassen, im Gegenteil. Sie hätten mich einfach wie immer links liegen gelassen, was mir sogar immer ganz lieb gewesen war. Ich hatte kein Problem damit ignoriert zu werden. Alles was ich immer wollte war einfach nur mein Leben zu leben, ohne mit irgendjemanden anzuecken aber wie mir die momentane Situation zeigte, sollte mir das nicht vergönnt sein.
//Und es ist ja nicht nur das...//, schoss es mir durch den Kopf während ich merkte wie mir eine Träne über die linke Wange lief und auf den Rock meiner Schuluniform tropfte.
Wenn es nur darum ging diese ganze krankhafte Tortur durchzustehen, hätte ich ganz sicher kein Problem damit. Wenn ich wüsste dass es irgendwann aufhören würde oder eben darauf hoffte, dass es noch jemanden an meiner Seite gab. Das noch jemand existierte welcher mich am Leben erhielt so wie mein Bruder zum Beispiel auch, wenn er seit 3 verdammten Monaten im Koma lag.


Allein der Gedanke, dass er eines Tages aufwachen und mich wieder in den Arm nehmen würde half mir das alles irgendwie zu ertragen. Ich konnte kämpfen weil ich wusste dass alles wieder gut werden würde. Zumindest dachte ich das bis vor 2 Tagen noch.
Bis dieser verfluchte Anruf aus dem Krankenhaus hereinkam und mir schlussendlich noch den letzten Rest meines Lebenssinnes nahm. Ich erinnerte mich noch zu gut daran, allein weil an diesem Tag mal wieder ALLES schief ging was nur schief gehen konnte. Als erstes verschlief ich und kam deshalb natürlich zu spät zum Unterricht was mir von meinen Klassenkameraden finstere Blicke und von meinem Lehrer eine Strafpredigt einbrachte. Das an sich war ja nicht einmal das Schlimmste, sondern dass gerade an diesem Tag eine Arbeit geschrieben wurde für die ich natürlich nicht gelernt hatte. Ja nicht einmal daran gedacht hatte ich, einfach weil ich nur noch zur Schule ging und versuchte die Stunden bis Schulschluss irgendwie so unbeschadet wie möglich zu überstehen. Manchmal klappte es und manchmal eben nicht.
An diesem Tag allerdings hatte wohl jemand entschieden dass es mir noch nicht mies genug ging, da ich in der Pause dann auch noch das Klassenzimmer aufräumen sollte.
Das Problem an sich war nur dass einige der Meinung waren, es wäre spaßig mir dabei zuzusehen und mich noch zu triezen. Ich wusste gar nicht mehr wie oft ich herumgeschubst wurde oder man in meiner Tasche herumwühlte und die Sachen über das Schulgelände verteilte, welche ich dann wieder einsammeln durfte. Der krönende Abschluss war natürlich dass deren Anführerin mir dann einfach einen vollen Eimer Wasser über mich ergoss. Bis zu diesem Augenblick dachte ich mir nur, dass es das gewesen ist. Noch schlimmer konnte es nicht mehr kommen, aber ich irrte mich. Denn nicht nur dass ich wie ein begossener Pudel vor den anderen dastand und mit den Tränen kämpfte, nein, einige aus den höheren Klassen bekamen das ganze Debakel mit.
Genau wie meine Ex-beste Freundin Hana, welche mir nur einen schnellen Blick zu warf und dann so schnell sie konnte in ihre eigene Klasse verschwand. Deutlicher konnte sie mir nicht mehr machen, dass ich das alles verdiente.


Und genau an diesem Tag, der sowieso schon von vorn bis hinten blöder gelaufen war, bekam ich diesen verhängnisvollen Anruf. Ich war an einen Punkt angekommen wo es nicht noch hätte mieser laufen können, aber ich hatte ja keine Ahnung wie sehr ich mich irrte. Nachdem ich es geschafft hatte dem Lehrer zu erklären dass es meine Schuld war, dass ich so nass war, hatte ich den Rest des Tages auch noch herumbekommen ehe ich mich so schnell ich konnte auf den Weg nach Hause machte. Dort angekommen ließ ich meiner Trauer und meinem Schmerz, in Form meiner Tränen, freien Lauf. Gott, wie sehr ich es doch hasste immer und immer wieder das gleiche durchmachen zu müssen. Wie oft hab ich mich jetzt schon gefragt wann das alles endlich ein Ende haben würde? Wie oft wünschte ich mir die Zeit zurückdrehen zu können und all das ungeschehen machen was zu dieser ganzen Kettenreaktion geführt hatte? Aber das war sinnlos! Es war dumm über etwas nachzudenken, was nicht mehr zu ändern war. Das Einzige was ich tun konnte war es einfach zu ertragen. Mir immer wieder einzureden dass es okay wäre und ich es verdiente. Dass es mich überhaupt nicht verletzte, allein weil Hana mein Herz und meine Welt bereits in tausend kleine Fetzen riss. Weil mir der Mensch, der mir eigentlich am meisten etwas bedeutete, ins Gesicht sagte wie abartig ich doch sei und sie es bereute überhaupt mit mir eine Freundschaft angefangen zu haben.
Nein, die Schmerzen die mir die anderen zufügten waren ein nichts gegenüber denen die mir meine ehemalige beste Freundin zufügte. Aber das war bevor ich noch meinen letzten Halt verlor. Bevor mein Handy an diesem Tag zu vibrieren begann, ich niedergeschlagen ranging und der anderen Stimme der Leitung lauschte.
Einer Stimme, die sich als behandelnder Arzt meines älteren Bruders zu erkennen gab.
Einer Stimme, die mit Fachwörtern nur so um sich warf, ehe er endlich erklärt aus welchem Grund er mich anrief. Nämlich dass keine Hoffnung mehr bestand und meine Familie sich eingeschaltet hatte, aus welchem Grund auch immer. Normalerweise wäre das ein Grund zur Freude gewesen, aber nicht bei mir. Wenn sie sich meldeten dann nur um uns zu zeigen wie wenig wir sie interessierten oder etwas wegzunehmen. Immerhin hatten sie sich scheiden lassen, als ich noch recht jung war und dann in verschiedenen Ländern Arbeit gefunden, während sie Akito und mich zurück ließen. Es war eine schwere Zeit, aber wir hatten sie überstanden und kaum mehr einen weiteren Gedanken an unsere Eltern verschwendet. Ja, sie wussten ja nicht einmal was damals geschehen war und ich hatte keine große Lust es ihnen zu erzählen.


Und als die Stimme des Arztes nach einer kurzen Pause weiter sprach, wusste ich auch wieder warum ich es nicht getan hatte. Denn diese teilten mir mit, dass meine Eltern mit ihm über den Zustand meines Bruders gesprochen hatten. Genauso nüchtern wie er mir diese Nachricht überbrachte, schilderte er mir auch dessen Entscheidung. Nämlich darüber die Geräte, an welchen Akito angeschlossen war, spätestens Ende diesen Monats abzustellen, sollten sich keine nennenswerten Ergebnisse benennen können. Für mich bedeuteten diese Worte nur eines: den Tod Akitos. Und als ich das realisierte glitt mir das Handy aus der Hand und ich spürte wie der letzte Rest von mir in meinem Inneren gerade starb.
Ich fühlte nichts mehr.
Keinen Schmerz, keine Trauer.
Nicht einmal mehr Tränen konnte ich vergießen.
Das einzige was mir noch blieb war diese Leere und Verlust des letzten Menschen, der mich am Leben erhalten hatte.


Doch das war nun vorbei, als mir auch noch mein Bruder genommen wurde, welcher sowieso nur noch knapp 2 Wochen zu leben hatte. Denn daran glauben, dass sich in dieser kurzen Zeit was ändern würde tat ich nicht.
Wie sollte so was auch möglich sein, wenn er doch bereits 3 Monate im Koma lag?
Mein Leben war schlicht und einfach vorbei, schließlich wusste ich nicht einmal mehr WESHALB ich noch atmete oder warum mein verdammtes Herz noch schlug.
„Das alles wäre niemals passiert wenn ich nur nicht auf diese Welt gekommen wäre...“, flüsterte ich leise vor mich hin, während immer mehr Tränen über mein Gesicht liefen. Dabei wunderte ich mich dass ich überhaupt noch weinen konnte, wo ich doch dachte dass ich sämtliche Tränen bereits vergossen hatte. Doch nachdem was vor wenigen Augenblicken geschehen war und der Gedanke daran dass mein Bruder bald sterben würde, ließen bei mir sämtliche Dämme brechen. Ich konnte einfach nicht mehr.
Ich konnte nicht mehr so tun als sei ich stark und emotionslos.
Denn das war ich schon seit dem Moment wo Hana ging nicht mehr.
Immer und immer wieder hatte ich es mir eingeredet, doch das Ganze war eine Lüge und der Anruf vor 2 Tagen bestätigte es mir. Ich konnte noch so oft sagen, dass es nicht schmerzte und mich kalt ließ, in meinem Inneren wusste ich dass es ganz anders war.
Dabei zuckte ich nicht einmal zusammen als ich auf den Gang Schritte vernehmen konnte, da es mir egal war wer dort nun vor der Tür stand.
Sollte es doch Yumiko und ihre Clique sein.
Sollten sie doch hereinkommen und mich fertig machen.
Sollten sie doch tun was immer sie wollten, mich interessiert es nicht mehr.
Immerhin konnte ich mich eh nicht mehr dagegen wehren.
Nicht nachdem sie mich eine Treppe runter warfen und auf mich eintraten.
Nicht nachdem die Tränen bei mir nur so zu fließen begannen.
Ja, ich war schwach und verletzt.
Und wahrscheinlich auch einsam, was ich erst jetzt realisierte und mich dazu brachte nur noch heftiger aufzuschluchzen. Dabei wollte ich nichts mehr im Moment, als diese Tränen zu stoppen, aber je verzweifelter ich es versuchte desto schlimmer wurde es.
Also gab ich es ganz auf und ließ ihnen freien Lauf.
Es war sowieso niemand hier, der sie hätte sehen können. Zumindest dachte ich das bis zu dem Augenblick, als ich einen Schatten über mir spüren konnte und verwirrt den Kopf hob um mich zu vergewissern dass ich mich nicht geirrt hatte.


Dabei schien mein Herz fast stehen zu bleiben, als ich ein mir bekanntes Augenpaar erblickte welches mich erst verunsichert aber dann besorgt musterte. Wie viele Sekunden vergingen während wir einander nur anstarrten, wusste ich nicht, nur dass ich nicht fassen konnte dass es gerade DIESE Person sein musste welche mich fand.
Warum war ER derjenige der hier hereinkommen und sich über mich beugen musste?
Weshalb war er überhaupt noch in dem Schulgebäude?
Wieso jetzt und gerade dann wenn ich emotional so aufgewühlt war?
Was wollte er überhaupt von mir und wieso sah er mich so komisch an?
Wollte er sich etwa über mich lustig machen?
Oder verschaffte es ihm Genugtuung zu sehen, wie fertig ich war?
All das waren Fragen die mir plötzlich durch den Kopf schossen und mich den Blick von dem jungen Mann abwenden ließ, während dieser nur leise aufseufzte, ehe er sich vor mich hinhockte und mich zögerlich ansprach.
„Terumiicchi?“
Ich schwieg, was sollte ich auch sagen?
Mal davon abgesehen sollte der Blonde sehen WIE es mir ging und auch die Tränenspuren in meinem Gesicht waren nicht zu übersehen gewesen.
Also weshalb noch etwas sagen, wenn doch alles so offensichtlich war?



„Was... was ist denn passiert?“
Abermals schwieg ich und zog meine Beine an, selbst wenn das bedeutete wieder einige Schmerzen in Kauf nehmen zu müssen, um dann meinen Kopf auf meine Knie zu legen.
Ich wollte ihn weder ansehen noch irgendwas von ihm hören.
Warum konnte er nicht einfach wieder verschwinden?
Schließlich hatte er doch was er wollte.
Ich hatte ihn geohrfeigt, ihn angeschrien und dafür von seinem Fanclub die Quittung erhalten, dass sollte ihm dich zur Genugtuung reichen oder nicht?
„Hey... Bitte rede mit mir... Was ist los?“, versuchte er es noch einmal, aber ich blieb hartnäckig und schwieg. War ja nicht so als ob es ihn interessieren würde.
Niemand juckte es wie es mir ging und wie ich mich fühlte.
„Hattest du einen schlechten Tag, hm?“
Hilflos zuckte ich nur mit den Schultern und hob meinen Kopf etwas um meinem Gegenüber in seine goldenen Augen zu sehen, jedoch nicht für lange.
Ich konnte seinen Anblick einfach nicht ertragen.
Warum verschwand er denn nicht wieder?
Plötzlich fuhr ich jedoch erschrocken zusammen, als ich spürte wie der Blonde seine Hand nach mir ausstreckte und mich berühren wollte.
Anscheinend um mich zu trösten, aber ich interpretierte das in diesem Augenblick völlig falsch ein, sodass ich versuchte von ihm wegzukommen und panisch meine Arme vor mein Gesicht hob um es zu schützen.
„Nein... b-bitte nicht...“, wimmerte ich ängstlich und konnte ein Zittern kaum noch unterdrücken. Ja, ich hatte Angst.
Angst noch mehr Schmerzen in Kauf nehmen zu müssen als ich eigentlich ertragen konnte.
Angst, dass der Blonde mir wehtun würde.
Angst, vor Berührungen.


„A-Anno... i-ich... es ist nicht so... ich wollte nicht...“, stotterte mein Gegenüber fassungslos und wollte mich beruhigen, machte es dabei aber eigentlich nur noch schlimmer. Die plötzliche Berührung versetzte mich in schiere Panik und ich wollte nichts mehr als einfach nur weg von dem jungen Model. Nur leider vergaß ich dabei völlig, dass ich mich allein kaum rühren konnte. Was mir allerdings zum Verhängnis wurde da ich versuchte mich zitternd aufzurichten und gleich wieder drohte mit dem Boden Bekanntschaft zu machen, wenn mich mein Gegenüber nicht aufgefangen hätte.
„N-Nicht...“, flehte ich abermals und merkte wie mein Herz vor Angst schneller zu schlagen begann während einzelne Tränen über mein Gesicht liefen und auf das Hemd meines Gegenüber tropften.
„H-Hey... jetzt beruhige dich doch erst einmal...“, hauchte Kise und hielt einfach meine Arme fest wobei dieser mich schon fast hilflos ansah.
„Nein... bitte... nicht... nicht schlagen...“, wimmerte ich nur und versuchte mich verzweifelt loszureißen, während der Blonde bei meinen Worten nur geschockt seine Augen weitete ehe sein Blick kurz zu meinen Handgelenken glitt und dann abermals zu meinem Gesicht huschte. Dann atmete er einmal beherrscht ein und wieder aus ehe er mich mit einem Ruck an sich zog. Erschrocken keuchte ich auf und kniff dann verängstigt die Augen zu, was allerdings nur so lange währte bis ich merkte dass sich Kise auf den Boden setzte und mich dadurch mit sich zog.


Verwirrt blinzelte ich und verstand jetzt gar nichts mehr, erst Recht nicht als ich spüren konnte wie Kise mir über den Rücken strich und immer wieder beruhigende Laute von sich gab.
War es denn nicht so dass er mich verletzten wollte?
Weshalb tat er als wollte er mich beruhigen, wobei ich genau wusste dass es so eben nicht wahr?
Wieso nur?
„Sssht... ist schon gut... Ich tu dir doch nichts...“, wisperte mein Gegenüber während ich nichts anderes tun konnte als zitternd in seinen Armen zu hängen. Denn obwohl er mir diese Worte ins Ohr flüsterte empfand ich nichts anderes als Furcht vor ihm.
Und zwar davor dass er nur darauf wartete und ich den Fehler beging mich fallen zu lassen, damit dieser mich verletzten konnte. Denn welch anderen Grund hätte der Blonde sonst haben können, als mich erst in Sicherheit zu wiegen und dann zuzuschlagen?
Ich schluckte nur während meine Tränen unaufhörlich zu fließen begannen, da es mir einfach zu viel wurde.


Verdammt, ich wollte dass nicht aber ich konnte sie auch nicht mehr zurückhalten.
„Es ist okay... Du musst dich dafür nicht schämen...“, hauchte dieser sanft und strich nun mit seiner anderen Hand über meinen Kopf, was mich erst Recht zusammenfahren ließ.
Warum?
Warum war er überhaupt so zu mir?
Wieso gab er mir das Gefühl dass mir bei ihm nichts passieren konnte?
Weshalb handelte er so wo ich ihm doch sagte dass ich ihn hasste?
Obwohl ich ihn ohrfeigte?
//Ich versteh gar nichts mehr...//, dachte ich während ich meinen Kopf in dessen Brust vergrub. Wenn ich schon weinte, dann sollte mich der Blonde dabei nicht sehen obwohl mir natürlich klar war dass dies ein sinnloses Unterfangen war. Allein mein Schluchzen und die Tatsache dass ich mich nun doch an mein Gegenüber klammerte zeugte davon wie fix und fertig ich eigentlich war.
Zum Glück schwieg er während ich mich regelrecht bei ihm ausheulte, was mir immer noch nicht ganz geheuer war. Wer ließ schon bei jemanden seinen Tränen freien Lauf den man doch eigentlich verabscheute?


Wie lange ich in den Armen der Person lag welche ich doch am meisten verabscheute, wusste ich nicht mehr nur dass ich irgendwann einfach keine Tränen mehr übrig hatte, die ich hätte vergießen können. Gequält schloss ich die Augen und löste langsam meine Arme von ihm, da ich mich während der ganzen Zeit doch tatsächlich an Kise festgehalten hatte wie an einen Rettungsring. Allein dafür hasste ich mich.
Wie konnte ich nur so selbstsüchtig sein und mich von jemandem trösten lassen, den ich doch überhaupt nicht mochte?
Warum hatte ich mich nicht gegen diese blöde Umarmung gewehrt?
Weshalb hatte ich das alles nur zugelassen?
Wieso?
Es war doch nur Kise Ryouta, ein dämliches Modepüppchen.
Jemand der gar nicht verstehen KONNTE was ich die letzten Wochen durchmachen musste und der indirekt an den ganzen Mist Schuld war.
Allein dieser Gedanke trieb mir beinahe schon wieder die Tränen in die Augen, die ich dieses Mal allerdings verdrängte.
//Für heute hab ich genug geheult, irgendwann musste doch auch mal Schluss sein...//, schoss es mir durch den Kopf wobei ich merkte dass ich nur noch mit der Stirn an meinem Gegenüber lehnte. Wenn ich gewollt hätte, hätte ich mich von diesem lösen können. Wenn ich nur genügend Willenskraft aufbrachte, hätte ich ihn von mir wegschieben können. Nur leider sah die Praxis ganz anders aus.
Ich konnte es eben einfach nicht.
Nichts von alledem, was mir gerade durch den Kopf schoss, tat ich.
Ich war wie gelähmt und wusste nicht einmal warum.
Immerhin gab es keinen Grund dafür völlig still zu verharren, oder etwa doch?


„Geht es wieder, Terumiicchi?“, riss mich plötzlich seine Stimme aus meinen Gedanken, woraufhin ich einfach nur still nicken konnte. Reden wollte ich nicht, ich war mir nicht einmal sicher ob meine Stimme einen sicheren Klang besitzen würde.
Leise seufzte ich auf als der Blonde mich an den Schultern packte und leicht von sich drückte, nur damit er mir ins Gesicht sehen konnte.
Allerdings gefiel mir dieser Umstand ganz und gar nicht, sodass ich eher auf den Boden sah anstatt in das Gesicht des Models. So merkte ich jedoch nicht wie dieser mich abermals genau musterte und sich dann etwas vorbeugte um mir genau die Frage zu stellen die ich am wenigsten hören wollte. Zumindest nicht von ihm.
„Woher sind diese Verletzungen?“
Mein Herz blieb bei seinen Worten beinahe stehen, bis es einige Sekunden später etwas schneller schlug als es sollte. Jedoch schwieg ich nur.
Ich war einfach nicht der Typ der andere Leute ans Messer lieferte oder gar verriet, selbst dann nicht wenn es berechtigt war.
„Hingefallen...“, nuschelte ich deswegen nicht besonders überzeugend und wagte es dabei immer noch nicht aufzusehen.
„Hingefallen?“
„Die Treppe...“, wisperte ich erklärend nach einem Nicken meinerseits, wobei das ja nicht einmal gelogen war. Die verdammte Treppe war ich ja wirklich runter geflogen, nur sagte ich dem Blonden nicht dass sein Fanclub seine Fingerdabei im Spiel hatte.
Wozu auch?
Er würde doch nicht anders als dieses Mistpack reagieren und der Meinung sein, ich hätte es nicht anders verdient. Besonders übel nehmen könnte ich es ihm nicht einmal.
Denn alles was mir seit einigen Tagen passierte, hatte ich mir selbst zuzuschreiben.
Es war meine Schuld.


„Terumiicchi... du bist vieles... aber Tollpatschigkeit zählt nun wirklich nicht zu deinen Repertoire...“, widersprach Kise mir sofort während ich mir auf die Lippen biss.
Warum nur musste er so sein und meine Lüge durchschauen?
Konnte er es einfach nicht dabei belassen, selbst wenn er wusste dass ich ihm nicht die Wahrheit sagte?
„Ich war... halt in Gedanken...“, versuchte ich ihn abermals davon zu überzeugen dass meine Verletzungen daher rührten und nicht weil mich jemand schubste.
Aber genau wie zuvor durchkreuzte der Blonde einfach meine Pläne.
„Und du gehörst nicht zu den Menschen die lange über etwas nachgrübeln...“
„Ach ja? WOHER willst du das denn bitte wissen?“, knurrte ich ungehalten und merkte wie ich langsam aber sicher, genau wie vor einigen Tagen, wütend wurde. Es war genau diese verdammte arrogante Art des Blonden die mich so nervte.
Der Blonde tat so als würde er mich in und auswendig kennen, aber das tat er eben nicht. Was wusste diese Modepüppchen schon von mir? Lebte in seiner perfekten Welt und glaubte nur weil er mit dem Finger schnippte würde ich ihm mein Herz ausschütten?
//Einfach nur widerlich!//, dachte ich mir während ich meine Hände nun zu Fäusten ballte und langsam meinen Kopf hob.
„WAS glaubst du verdammter Mistkerl eigentlich über mich zu wissen? Du hast... du hast überhaupt keine Ahnung von mir...“, hauchte ich und merkte wie meine Stimme zu zittern begann als ich an die vergangenen Geschehnisse dachte.
„DU denkst du kennst mich? VERARSCH MICH NICHT! Du weißt gar nichts über mich Kise Ryōta !“, fauchte ich während ich mich fragte warum ich den Blonden jetzt eigentlich anschrie. War ich nicht noch vor einer Minute davon überzeugt es sei alles meine Schuld gewesen?


„Terumiicchi... ich-“, fing mein Gegenüber an doch genau wie beim letzten Mal ließ ich ihn gar nicht erst zu Wort kommen.
Warum sollte ich auch?
Weshalb auf IHN Rücksicht nehmen, wenn das bei mir auch niemand tat?
„Du sagst, ich bin nicht tollpatschig und in sich über gewisse Dinge den Kopf zu zerbrechen würde nicht zu mir passen? WOHER NIMMST DU DIR DAS VERDAMMTE RECHT SO WAS ZU BEHAUPTEN?!? DU KENNST MICH DOCH GAR NICHT UND WEIßT WAS ICH DEINETWEGEN DURCHMACHEN MUSSTE!“, schrie ich ihn jetzt an während Tränen mir bereits wieder über die Wangen liefen, doch dieses Mal war es mir egal. Sollte diese Modepüppchen sie doch sehen, es interessierte mich nicht mehr.
„Tut mir ja Leid, dass ich dir nicht sofort verfalle und dir eine verpasst habe! Deswegen hast du doch deinen verdammten Fanclub auf mich gehetzt! Genau aus diesem Grund hat mich Hana fallen gelassen, was dir doch größte Genugtuung verschafft!“
„Was?“
„IN DEN LETZTEN TAGEN WURDE ICH ANGESCHRIEN, AUF DAS ÜBELSTE BESCHIMPFT, HERUMGESCHUBST UND GESCHLAGEN! MAN HAT MICH FREAK GENANNT! MEINE BESTE FREUNDIN HASST MICH DEINETWEGEN! MEINE FAMILIE KÜMMERT SICH EINEN SCHEIß DRECK UM MICH UND DIE ÄRZTE SIND KURZ DAVOR DIE GERÄTE, DIE MEINEN BRUDER AM LEBEN ERHALTEN, ABZUSCHALTEN! NIEMAND HAT MICH GEFRAGT WIE ICH DENKE ODER WIE ICH MICH FÜHLE! JEDEM IST DAS SCHEIß EGAL ALSO WIESO TUST DIR NICHT SELBST EINEN GEFALLEN UND SAGST DAS GLEICHE WIE DIE ANDEREN?!? DASS ICH MIR DAS SELBST ZUZUSCHREIBEN HABE!!! DASS ICH ES MEHR ALS VERDIENT HABE! NA LOS, JETZT LACH SCHON UND MACH MICH WIE DIE ANDEREN NIEDER, WEIL ES DIR GENUGTUUNG VERSCHAFFT MICH AM BODEN ZU SEHEN...“, brüllte ich den Mann vor mir an, welcher mich nur geschockt anblickte während ich mir gerade alles von der Seele schrie.
„GENAU DESHALB HASSE ICH SOLCHEN TYPEN DICH!!! JENE DIE IN EINER PERFEKTEN WELT LEBEN UND SICH NULL UM DIE LEUTE IN IHREN UMFELD SCHEREN!!! DIE SO TUN ALS WÜSSTEN SIE ALLES VON JEDEM!!! DU BIST ECHT DAS ALLERLETZTE!!!“
„Sarana...“


„Schon kapiert! Ich bin schwach! Ich kann mich alleine gegen dieses verdammte Pack kaum wehren! Ich weiß ja nicht mal wie ich das alles noch einen Tag länger ertragen soll! Aber du... DU setzt einem wirklich die Krone auf!!! Hör endlich auf so heuchlerisch zu sein! Das ist einfach nur widerlich!“, flüsterte ich während ich nun wieder auf den Boden sah und versuchte meine Tränen einzudämmen. Jetzt, nachdem alles raus war fühlte ich mich nur noch ausgelaugt und müde. Ich spürte gar nichts mehr, außer den stechenden Schmerz in meiner Brust, aber das war nichts Neues.
Damit konnte ich leben, da ich seit Tagen nichts anderes fühlte und dann hieß es ich sei gefühllos. Welch Ironie.
„ Du tust als wolltest du mich trösten aber innerlich triumphierst du doch... tu dir selbst einen Gefallen und brings einfach hinter dich! Lach doch einfach über mich...
Ich bin ja eh nur ein verdammter Freak... ein Miststück... jemand der es nicht verdient hat zu leben... haha... eine Versagerin...“, schluchzte ich, fuhr heftig zusammen als der Gewalt hochdrückte, damit ich ihn ansehen musste.


„Sarana...“, wiederholte er abermals meinen Namen wobei ich nur bitter auflachte.
„Na los... Jetzt mach mich schon fertig... ich bin doch eh jämmerlich...“, wisperte ich leise während ich meine Augen niederschlug, in Erwartung dass Kise genau so handeln würde, was er aber dann eben nicht tat.
„Hör auf damit... Warum sollte ich denn so etwas tun?“, stellte er mir die Gegenfrage und strich mit seinen Daumen über mein verweintes Gesicht.
Kurz schwieg er ehe er abermals zu sprechen begann.
„Es tut mir so Leid... Terumiicchi...“, flüsterte er und bei seinen Worten riss ich meine Augen sofort wieder auf. Hörte ich richtig? Entschuldigte sich dieses Pseudo-Model gerade bei mir? Aber warum?
„Wieso...?“, hakte ich fassungslos nach und blickte Kise ins Gesicht, was ich aber lieber nicht hätte tun sollen. Denn was ich dort sah, gefiel mir ganz und gar nicht.
Dieser gequälte Gesichtsausdruck... dieser bedauernde Blick in seinen Augen, ich verstand das einfach nicht.
„Ich... wusste nicht wie es dir ging... dass dich meine „Fans“ so drangsalieren... dass Hana dich fallen gelassen hat... woher deine Verletzungen wirklich stammen... es tut mir so Leid dass du das alles aushalten musstest... dass es dir meinetwegen so schlecht ging... Glaub mir, wenn ich das gewusst hätte...“
„Was dann?“, flüsterte ich leise und merkte wie sich mein Herz zusammenkrampfte, denn einerseits wollte ich es wissen aber andererseits hatte ich auch Angst davor.
„Ich hätte das nicht zugelassen...“, flüsterte er und trieb mir dadurch abermals die Tränen in die Augen, welche er vorsichtig wegwischte, als diese über meine
Wangen kullerten.
„H-Hör auf... bitte... Sei nicht... sei nicht so nett zu mir...“, flehte ich den Blonden vor mir an, während dieser nur traurig lächelte, dann einen Arm um mich legte und mich an ihn drückte. Dieses Mal hatte ich nichts dagegen, ich merkte erst jetzt wie sehr ich das eigentlich brauchte. Wie sehr ich mir jemanden gewünscht hatte der mich von all dem Horror befreite. Eine Person, die mich in den Arm nahm und tröstete.


„Warum sollte ich dich nicht freundlich behandeln, Terumiicchi? Meine Meinung über dich hat sich nicht geändert... Ich fand dich sympathisch , wollte dich näher kennenlernen und nachdem ich weiß wie schlecht es dir geht... wie verletzt und traurig du bist will ich es umso mehr... Wie kann ich denn so etwas ignorieren?“, hauchte er und ich kniff die Augen zusammen während ich meinen Kopf an seiner Schulter vergrub.
„Selbst wenn du mir sagst dass du mich hasst und verachtest... selbst als du mich geohrfeigt hast... ich kann nicht aufhören mir Gedanken über dich zu machen...
Jetzt erst Recht... Zu meiner Verteidigung kann ich nur eines sagen: Es tut mir Leid, was dir passiert ist...“, erklärte er während er mir über meinen Kopf strich und ich leise aufseufzend die Augen schloss. Komischerweise war das sogar angenehm und erinnerte mich an die Zeit meines Bruders. Immer wenn ich traurig oder niedergeschlagen war hatte er mich in den Arm genommen und so getröstet.
„Hätte ich es gewusst, hätte ich es verhindert... Terumiicchi...“
„Was willst du dagegen schon machen?“, nuschelte ich leise und lachte dabei bitter auf während ich mich langsam von dem Blonden löste. Dabei signalisierte ich ihm dass ich mich langsam beruhigt hatte.
„Moooooi... hast du überhaupt kein Vertrauen in mich?“
„Nein...“, erwiderte ich sofort und wischt mir über das Gesicht um die letzten Tränenspuren zu beseitigen. Dass es mir wegen dem Blonden etwas besser ging gefiel mir nicht unbedingt, aber die Tatsache ignorierte ich im Moment einfach.
Genauso dass meine Mundwinkel zu zucken begannen, als Kise meinte ich sei so gemein wie eh und je. Vielleicht war der Blonde ja doch nicht so wie ich ihn mir immer vorgestellt hatte, aber nur vielleicht!


~ * ~ * ~ * ~ * ~ * ~ * ~ * ~ * ~ * ~ * ~ * ~



~ etwas später ~

„Bist du sicher, dass ich dich nicht ins Krankenhaus bringen soll, Terumiicchi?“, fragte mich das blonde Model während ich nur eine Antwort grummelte. Nicht nur dass Kise mich getröstet und BEINAHE zum lächeln gebracht hatte. Nein, jetzt trug mich dieser Idiot auch noch nach Hause als ich ihm signalisierte, dass ich mich kaum noch bewegen konnte und wenn dann nur unter Schmerzen.
//Na klasse... jetzt stehe ich wirklich in seiner Schuld...//, schoss es mir durch den Kopf während ich leise aufseufzte.
„Terumiicchi?“
„Schon gut... bring... bring mich einfach nach Hause... So schlimm ist das Ganze gar nicht...“, erwiderte und überspielte damit eigentlich nur dass es mir nicht SO gut ging wie ich im Augenblick tat.
„Na gut... auch wenn mir das nicht gefällt...“, murmelte dieser und folgte dann meinen Anweisungen, sodass wir meine Wohnung ziemlich schnell erreichten.
„Du kannst mich jetzt runterlassen...“, meinte ich woraufhin Kise nur den Kopf schüttelte und meinte er würde mich noch bis nach oben tragen. Eigentlich wollte ich widersprechen, aber ich wusste es war zwecklos.
Dieser verwöhnte Bengel machte doch eh nur was er wollte, was ich ihm auch gleich unter die Nase rieb. Dieser konnte darüber allerdings nur lachen.


„Du könntest ruhig ehrlicher sein...“
„Bitte?“
„Eigentlich hast du nichts dagegen wenn ich dich noch etwas länger trage...“
„Hn... ich bin froh wenn ich dich endlich los bin und jetzt halt die Klappe Modepüppchen...“, knurrte ich und musste mich beherrschen dem Typen keine Kopfnuss zu geben. Was bildete der sich überhaupt ein? Ich hätte mir eher die Zunge abgebissen als ihn um Hilfe zu bitten.
„Wie gemein von dir Terumiicchi...“
„Hast es nicht anders verdient...“, meinte ich kalt während Kise nun die Stufen hinaufstieg und vor meiner Wohnungstür stehen blieb. Dann ließ er mich langsam runter und musterte mich dabei besorgt.
„Hör auf damit...“
„Eh?“
„Mich so komisch anzuschauen...“, nuschelte ich und wich seinem Blick aus da dieser mir wirklich unangenehm war. Er sollte sich keine Sorgen um mich machen, schließlich ging es mir gut. Das redete ich mir zumindest ein und bisher klappte es ganz gut.


„Terumiicchi...“
„Hör auf damit und hau ab... Ich komm schon klar...“, fauchte ich und drehte mich um damit ich die Tür aufschließen und mich endlich ausruhen konnte. Allerdings hielt mich besagtes Model zurück, als dieser sich vorbeugte und mich etwas fragte womit ich nun wirklich nicht gerechnet hätte.
„Hast du ein Handy?“
Verwirrt blinzelte ich ein, einfach weil ich nicht verstand was er damit bezweckte.
„Sicher hab ich- HEY!“, rief ich protestierend als ich es aus meiner Tasche zog um es ihm als Beweis zu präsentieren, nur damit Kise es mir aus der Hand nahm und aufklappte. Nach einigen Sekunden gab er es mir wieder wobei ich ihn nur misstrauisch beäugte.
„Anscheinend kann ich dich nicht davon überzeugen dich ärztlich untersuchen zu lassen, deswegen hab ich meine Nummer eingespeichert...“, erklärte er und ich schnappte empört nach Luft. Unverschämt war er ja mal gar nicht.
„Wenn es dir also schlechter geht oder du irgendwas brauchst, rufst du mich einfach an! Und zwar egal zu welcher Zeit, hast du mich verstanden?“, fügte der Blonde hinzu und ich nickte nur seufzend.
„Ich kann dich immer noch nicht ausstehen, Kise Ryouta. In meinen Augen bist du einfach ein arrogantes, heuchlerisches und dämliches Modepüppchen...“, fing ich an und sah mein Gegenüber schon eine Schnute ziehen, ehe ich weiter sprach.
„Aber... ich bin nicht undankbar... auch wenn ich es hasse es zugeben zu müssen aber du hattest Recht. Ich brauchte jemanden an den ich mich anlehnen kann, auch wenn es nur für kurze Zeit war. Also... was ich sagen will ist... Danke!“, überwand ich mich dann schließlich während ich merkte wie meine Wangen zu brennen begannen.


„Terumiicchi...“
„U-Und danke... fürs nach Hause bringen...“, fügte ich noch schnell hinzu ehe ich mich dann umdrehte und vorhatte schnell in meiner Wohnung zu verschwinden. Allerdings hielt mich Kise noch einmal auf und ich wandte meinen Kopf in seine Richtung. Dabei zuckte ich zusammen da dieser mich einfach in eine Umarmung zog und leicht grinste als er sich nach wenigen Sekunden wieder von mir löste.
„Kein Problem... das hab ich sehr gern gemacht... Wenn ich noch etwas für dich tun kann sagst du einfach Bescheid...“, erklärte er und ich nickte einfach nur während ich dachte dass der Blonde nun gehen würde. Allerdings schätzte ich ihn auch da falsch ein, da dieser mir kurz über den Kopf strich ehe er sich zu meiner Stirn vorbeugte und einen leichten Kuss aufhauchte. Fassungslos sah ich ihn an und knurrte dann missmutig.
„Das reicht! Dir steigt da wohl was zu Kopfe! Bild dir bloß nichts ein, ich war dir nur dankbar nicht mehr und nicht weniger...“, fauchte ich woraufhin er mich einfach nur angrinste, was mich allerdings eher nervte.
„Ach hau doch ab...“, knurrte ich, schloss endlich die verdammte Tür auf und verschwand dann in der Wohnung ohne mich noch einmal nach denjenigen umzudrehen, welcher mich heute so oft getröstet und sogar hierher geschleppt hatte.
Genauso wie ich mich nicht noch einmal zu Kise umwandte, genauso ignorierte ich den schnelleren Schlag meines Herzens. Immerhin hatte das überhaupt nichts zu bedeuten!
Das war gar nichts!
Mein Herz pochte nicht wie wild und meine Hände schwitzten auch nicht!
Und vor allen Dingen fing ich nicht an diesen Idioten zu mögen!
Niemals!

++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++

Nachtrag: Dieser OS ist vorerst abgeschlossen. Es wird definitiv noch eine Fortsetzung folgen, ob allerdings ebenfalls als Shot oder gar FF steht noch in den Sternen.
Danke an alle Leser die diese Geschichte fleißig mitverfolgt haben, für die süßen Reviews und Anfragen PM =)
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