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{MMFF} Shadow Falls Camp - the next generation

MitmachgeschichteFantasy / P16 / Gen
15.08.2014
10.05.2020
19
42.323
3
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59 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
 
10.05.2020 3.888
 
Hallihallo ihr Lieben! :-)

Ist kurz nach 5 Uhr morgens nicht eine tolle Uhrzeit, um ein Kapitel hochzuladen? xD
Wer braucht schon Schlaf? :D

Ich hoffe, es geht euch allen gut und ihr seid sicher und gesund. ♥
Um euch ein bisschen Langeweile zu Quarantäne-Zeiten zu nehmen,
gibt es heute ein neues Kapitel aus Andrea's Sicht - ich hoffe, es gefällt euch. ^-^

Leider kann ich dieses Mal niemandem für ein Review danken, aber ich freue mich riesig über
alle neuen Leser und Favoriteneinträge zum letzten Kapitel! Willkommen an Bord! :) ♥

So, und jetzt genug gelabert! Viel Spaß! ^-^
-sunshinex- :**



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Ich hoffte einfach, dass ich Evelyn oder ihrem Vater niemals wieder über den Weg laufen musste. Wie konnte ich mich nur so täuschen und nicht realisieren, dass George Evelyn’s Vater war? Nein, Andy musste natürlich direkt all-in gehen und ihn hemmungslos anflirten. Oh Gott.
Das war das mit Abstand Peinlichste, was mir jemals passiert war. So peinlich, dass ich mich den gesamten Nachmittag und Abend über in meinem Zimmer verkrochen hatte. Was sonst hätte ich tun sollen? Alle mir wichtigen Leute waren irgendwo unterwegs mit ihren Familienmitgliedern, naja, abgesehen von Klara, aber die hatte schnell gemerkt, dass ich allein sein wollte und mich in Ruhe gelassen.
Meine Eltern hatten mir bereits einige Wochen vor Campbeginn gesagt, dass sie am ersten Besuchertag nicht dabei sein würden, aber das störte mich nicht. Wir waren erst ein paar Tage getrennt, so sehr vermisste ich sie dann doch nicht, als dass sie für mich stundenlang quer durch Texas fahren müssten, nur, damit wir uns schon wiedersehen konnten. Irgendwann mussten wir auch mal lernen, ohneeinander klarzukommen. Notfalls gab es ja auch immer noch Handys.
Was Klara anging: Mir war bewusst, dass ihre Eltern ihr noch nicht allzu sehr fehlten. Sie wusste, worauf sie sich eingelassen hatte, als sie nun schon zum zweiten Mal den ganzen Weg von Deutschland nach Amerika geflogen war, nur, um im Shadow Falls Camp zu sein. Dass ihre Eltern nicht immer alle paar Wochen nur wegen ihr aus Deutschland nach Texas kommen konnten, war für sie logisch und somit mehr als verständlich. So viel Geld hatte keiner. Außerdem war Klara kein extremes Heimweh-Kind. Ihre Eltern hatten ihr versprochen, in fünf Wochen einmal vorbeizuschauen.
Letztes Jahr musste sie dann bereits zurück nach Deutschland, da die Sommerferien dort anscheinend nur ungefähr sechs Wochen lang waren und nicht drei Monate wie in den USA. Dieses Jahr konnte sie das Ganze allerdings als eine Art Schüleraustausch laufen lassen und durfte deswegen zum Glück das gesamte Camp über bei uns bleiben.
Ich konnte mich noch genau daran erinnern, wie ich letztes Jahr Rotz und Wasser geheult hatte, als Klara gehen musste. Und das lag nicht an der Tatsache, dass unsere alte Mitbewohnerin und ich direkt am selben Nachmittag eine neue Mitbewohnerin bekommen hatten, die ich absolut nicht ausstehen konnte. Das hatten wir nämlich erst nach Klara’s Abschied erfahren. Und mein Hass auf unsere neue Mitbewohnerin hatte ganz sicher nichts damit zu tun, dass Wren sich ihr direkt an den Hals geworfen hatte und infolgedessen gefühlt dauerhaft bei uns in der Hütte abhing. Sie trug bereits so einen Namen, als würde sie besser sein als wir alle. Toyah. Wer hieß schon Toyah?!  
"Toyah bedeutet 'fließendes Wasser'. Ich bin nämlich eine Meerjungfrau", äffte ich lautlos ihre damalige Erklärung nach. Blöde Kuh.
Folglich war ich jetzt überglücklich, dass ich Klara diesen Sommer länger an meiner Seite hatte. Dass unsere Hütte nun mit Willow, ihr und mir voll war, war nur ein netter Nebeneffekt ihrer Anwesenheit. Nein, jetzt mal ernsthaft. Ich hatte Klara wirklich unbeschreiblich doll lieb und würde sie gegen nichts auf der Welt eintauschen. Dass ich das nun auch nicht musste, war, wie bereits erwähnt, nur die zweite Fliege, die ich mit einer Klappe schlagen konnte.
Ich grinste. Klara würde mich nie mehr loswerden. Es ging einfach nichts über das Band, das zwei Hexen teilten.
Jedenfalls war mir klar, dass Klara heute nicht traurig und einsam war. Ansonsten hätte ich natürlich nicht den ganzen Tag in meinem Zimmer verbracht, sondern wäre bei ihr gewesen und hätte sie abgelenkt.
Nach einiger Zeit klopfte es dann an meiner Zimmertür. "Ich gehe jetzt zum Abendessen", ertönte Klara’s Stimme und ich stöhnte, bevor ich mich in meinem Bett umdrehte und auf die Uhr schaute. Halb Acht. Ein Seufzen verließ meinen Mund. "Sind wir nicht eh viel zu spät dran?"
"Wenn du noch weiter so rumjammerst, dann ja", erwiderte Klara nur stumpf.
"Ugh. Ich komm ja schon!", stöhnte ich erneut. Dann hievte ich mich irgendwie aus meinem Bett und blickte mich im Spiegel an. Meine blonden Haare waren wild zerzaust und ich sah einfach komplett fertig aus. Genervt pustete ich mir eine Haarsträhne aus dem Gesicht. So konnte ich mich nicht in der Öffentlichkeit zeigen. Das würde Evelyn nur noch einen Grund mehr geben, sich über mich lustig zu machen.
Plötzlich öffnete sich meine Zimmertür und meine Mitbewohnerin trat ungefragt ein. Sie schaute mich einige Sekunden stumm an, ehe sie tadelnd eine Augenbraue anhob. "Kein Wunder, dass du so lange brauchst. Du siehst schrecklich aus."
"Klara!", rief ich empört, sodass die Hexe ohne Umschweife einfach zu meinem Schreibtisch ging und mir Deo, Parfüm und Concealer in die Hand drückte. "Hopp hopp jetzt", sagte sie nur. Dann nahm sie sich meine Haarbürste und fing an, irgendwie das Vogelnest auf meinem Kopf zu entwirren.
Für wenige Minuten standen wir lediglich schweigend vor meinem Spiegel.
"Willst du darüber reden?" Klara hatte mittlerweile alle Knoten aus meinem Haar entfernt und war nun dabei, alles einmal gründlich durchzukämmen.
Ich gab ihr ein Zeichen, dass ich nun Deo und Parfüm benutzen würde, nachdem ich großzügig den Concealer unter meinen Augen eingeklopft hatte, und sie wich einen Schritt zur Seite.
Währenddessen schüttelte ich nur den Kopf.
"Na gut." Klara lief wieder zu meinem Schreibtisch und schnappte sich einen zartrosé-farbenen Lippenstift aus meiner Makeup-Schublade. "Du kennst ja das Procedere. Möchtest du doch reden, bin ich da und so. Darf ich?" Sie hielt inne und zeigte mir den geöffneten Lippenstift. Als ich nickte und meinen Mund leicht öffnete, damit sie mir den Lippenstift auftragen konnte, schaute Klara mir auf einmal tief in die Augen. Obwohl ich wusste, dass sie nicht vorhatte, mich wie in all den kitschigen Filmromanzen zu küssen, zitterte ich dennoch etwas unter ihrem festen Blick.
"Du weißt, dass du viel zu hübsch bist, um dich so gehen zu lassen, oder?"
"Kommt nicht wieder vor", murmelte ich direkt leise, weil ich wusste, dass sie recht hatte. So zu verzweifeln, nur, weil ich Evelyn’s Vater angeflirtet hatte, war wirklich etwas übertrieben. Vielleicht bekam ich einfach meine Tage. Würde zumindest so einiges erklären.
Klara schien zufrieden. "Gut."
Danach trug sie mir den Lippenstift auf und beobachtete mich prüfend von oben bis unten.
"Hmm...", machte sie immer wieder, bis sie irgendwann meinen Kleiderschrank öffnete und zielsicher ein Langarmshirt mit dunkelblau-weißen Querstreifen, eine dunkelblaue Jeans und meine weißen Sneaker raussuchte. "Hier. Zieh das an, dann bist du perfekt. Ich warte draußen auf unserer Veranda auf dich."
Dankbar lächelnd nahm ich ihr die Kleidungsstücke ab. "Danke, Klara."
"Kein Ding", erwiderte sie lediglich, drehte sich um und verließ mein Zimmer. Kurz danach hörte ich die Hüttentür zufallen.
Diese Situation hatte mir gezeigt, dass ich Klara genauso wichtig war wie sie mir. Sie würde definitiv nicht solche Längen gehen für eine Person, die ihr egal war.
Schnell zog ich mir die neuen Klamotten an. Bevor ich zu Klara ging, warf ich noch einen letzten Blick in den Spiegel. So hatte ich genug Selbstbewusstsein, um mich unter die anderen Übernatürlichen zu mischen. Ohne Klara würde ich jetzt vermutlich immer noch grummelnd in meinem Bett liegen.
Ich schnappte mir mein Handy und zog die Hüttentür hinter mir zu.
"Fertig?", wollte Klara von mir wissen.
"Fertig", bestätigte ich und hakte mich bei ihr ein. Gemeinsam machten wir uns auf den Weg zur Cafeteria. Hoffentlich war noch genug Essen da, ich hatte bis zu diesem Zeitpunkt nämlich nicht mal realisiert, wie viel Hunger ich eigentlich hatte.



Nachdem wir uns mit unseren Caesar-Salaten zu den letzten fünf Hexen an den Tisch in der Cafeteria gesetzt hatten, bemerkte ich, dass ich meinen Tee vergessen hatte. Ohne zu zögern, zückte ich meinen kleinen Finger und keine Sekunde später tauchte ein frisch dampfender Früchtetee vor meiner Nase auf. Ich atmete glücklich den frischen Duft ein und aus und erntete dafür auch sofort einen gehässigen Blick von Luca. "Weißt du, Andy, ich glaube, so befriedigt habe ich das letzte Mal gesehen, als du neben mir im Bett lagst."
Augenblicklich verkrampften sich meine Hände um die Tischkante und ich musste mich zurückhalten, ihm den heißen Tee nicht über den Schoß zu kippen. Ich hasste ihn. Ich hasste ihn so so abgrundtief.
"Sei bitte einfach leise", antwortete ich kalt und versuchte, mich auf meinen Tee zu konzentrieren.
"Ha, witzig! Das musste ich damals auch immer zu dir sagen, erinnerst du dich? Du warst echt extrem laut." Luca grinste fies.
Wie ein Vulkan fing die Wut in mir an zu brodeln. "Du verdammter kleiner Wi-", setzte ich  an, wurde jedoch unterbrochen, als mir jemand einen Arm um die Schultern legte mit den Worten: "Davon würde ich mich auch gerne mal selbst überzeugen."
Tief einatmen, Andy. Eins … zwei … drei … vier …
Es dauerte einen Moment, bis ich mich so weit beruhigt hatte, dass ich Wren entgegentreten konnte, ohne Gefahr laufen zu müssen, ihm gleich den Kopf abzureißen.
"Hey Andy!" Der Werwolf grinste breit.
"...Hi." Ich starrte ihn abwartend an. "Was willst du?"
"Du musst mir einen Gefallen tun", rückte Wren auch direkt mit der Sprache raus, "Du bist nämlich die einzige, die mir dabei helfen kann."
Abwartend hob ich eine Augenbraue. Ich war ehrlich gespannt, was jetzt folgen würde.
Wren Ausdruck änderte sich schlagartig und er suchte verzweifelt meinen Blick mit dem seinen, ehe er mir so tief in die Augen schaute, als würde er geradewegs in meine Seele blicken. "Meine Eltern stressen rum. Deswegen musst du für die nächsten acht Wochen unbedingt meine feste Freundin spielen." Er stoppte und legte seine Hände auf meine, die sich immer noch um die Tischkante gekrampft hatten. "Und ich brauche dich, weil das niemand sonst so gut kann wie du. Du bist einfach so atemberaubend und wunderschön. Ohne dich schaffe ich das nicht."
Fast hätte ich angefangen zu lachen, als Wren begonnen hatte zu erklären. Dann hatte er weitergeredet und mich so voller Ehrlichkeit angelächelt, dass ich mich für einen kurzen Augenblick komplett von seinen Worten hatte einlullen lassen. Er brauchte mich. Er brauchte mich wirklich. Nur ich konnte ihn vor seinen bösen Eltern retten.
Bis Klara mich unter dem Tisch mit ihrem Fuß ankickte. "Au!", rief ich sauer und fixierte sie wütend. Ihr Gesichtsausdruck schrie förmlich "Bist du dumm?! Er manipuliert dich nur!"
Das hatte ich gebraucht, um wieder in die Realität zurückzufinden. In die Realität, in der Wren nichts als ein verdammter Schauspieler war.
Deswegen prustete ich einfach laut los. "Pfff, als ob ich dir helfen würde! Nicht mal in deinen kühnsten Träumen!"
"Aber ich brauche dich!", versuchte Wren es weiter, weswegen ich seine Hände von meinen abschüttelte und mich vor ihm aufbaute. "Nicht mal in einer Millionen Jahren würde ich dir in irgendeiner Art und Weise helfen. Das hast du nicht verdient."
In dem Moment, als diese Worte meinen Mund verlassen hatten, tauchte plötzlich eine weitere Person neben Wren auf. Sie war klein, hatte indianische Gesichtszüge und leckte gerade genüsslich an einer Eiswaffel.
Nope. Nö. Alter. Auf gar keinen Fall. Nein. Das kam gar nicht in Frage. Das konnte nicht wahr sein.
Gott, ich flehe dich an. Alles, aber bitte nicht –
"Richtige Entscheidung, Andrea. Ich hab ihn auch schon abserviert. Übrigens schön, dich wiederzusehen. Wie geht’s dir?" Ein Grinsen zierte das filigrane Gesicht des Mädchens.
"Toyah", war alles, was ich überfordert feststellte. Das konnte doch nun wirklich nicht wahr sein.
Auch Klara war gleichermaßen geschockt und fixierte mich erschrocken à la "DAS ist Toyah?!"
Langsam nickte ich. Das war Toyah, wie sie leibte und lebte. Das war die Toyah, dessen erster Move im Camp es war, sich an Wren ranzumachen. Das war die Toyah, die dann letztendlich sogar mit Wren geschlafen hatte, trotz dass sie wusste, dass ich im Zimmer nebenan war. Zwei Mal. Direkt hintereinander. Und alles, was sie dazu schulterzuckend zu sagen hatte, war: "Tja, wenn du es nicht tust, mach ich es halt." Das war die Toyah, von der ich gehofft, gebetet hatte, dass ich sie nie wiedersehen musste.
Da nahm Wren erneut meine Hände in seine. "Eben. Toyah wollte nicht, also musst du meine Freundin spielen."
"Einen Scheiß muss ich!", schrie ich daraufhin laut. Zuvor hatte sich eine Träne in meinem Auge gebildet. Denn ich hatte verstanden, was Toyah und Wren damit impliziert hatten: Ich war nur die zweite Wahl. Wren war mit seinem Problem nicht zu mir gekommen, sondern er war schnurstracks zu Toyah gegangen, obwohl er haargenau wusste, wie sehr ich sie nicht leiden konnte. Und auch wenn ich niemals vorgehabt hatte, ihm zu helfen, so verletzte es mich doch mehr als erwartet, dass ich nur sein Back-Up-Plan war.
"Du bist nichts als ein manipulatives, egoistisches Arschloch, Wren, und ich würde dir nicht mal helfen, wenn die Welt in Flammen stehen würde und du die einzige Rettung wärst!", schmetterte ich ihm stinksauer entgegen. Allerdings ließ Wren sich davon so gar nicht beeindrucken. Er grinste lediglich. "Ich wusste, dass ich bei dir etwas mehr Überzeugungskraft brauchen würde, Andy. Wie wär’s? Nach dem Abendessen zeige ich dir bei einem gemütlichen Filmabend in meiner Hütte die Vorzüge einer Fake-Beziehung mit mir?" Er wackelte anzüglich mit den Augenbrauen.
Doch ich war absolut nicht in der Stimmung für Netflix & Chill und ganz besonders nicht mit einem arroganten Vollidioten wie Wren.
Also nahm ich kurzerhand meinen Tee in die Hand und tat etwas, das schon seit viel zu langer Zeit in meinen Fingern kribbelte: Mit einem Mal schüttete ich den gesamten Inhalt der Tasse in Wren’s Gesicht und lächelte selbstzufrieden, während Wren einzelne Teetropfen von den Wangen und Haaren tropften.
"Was zur Hölle, Andy?!", schrie Wren irritiert und starrte mich entgeistert an.
"Nein heißt Nein, du Arsch!"
"Boah, hast du deine Tage oder so?!" Wren wischte sich übers Gesicht. Er schien nicht angepisst, einfach nur verwirrt und genervt.
Als Antwort hob ich meinen Mittelfinger, drehte mich schwungvoll um und stampfte los in Richtung Cafeteria-Ausgang.
Weit kam ich allerdings nicht, weil auf einmal Holiday mit Evelyn im Schlepptau in meine Richtung gehastet kam. Die Campleiterin sah wirklich überhaupt nicht gut aus, was mich zum Stehenbleiben brachte.
"Andrea! Gut, dass ich dich treffe. Ich muss etwas mit dir und Klara besprechen. Kommst du mit?" Holiday rang sich ein Lächeln ab und bedeutete mir, zurück zum Hexentisch und damit zurück zu Wren und Toyah zu gehen.
Widerwillig folgte ich ihr. Dabei hatte ich vorher so einen guten Abgang hingelegt.
"Hallo, ihr Lieben", begann sie, hörte aber sofort auf, als sie Wren sah. Fragend legte sie ihren Kopf schief, abwartend, ob irgendjemand von uns zu einer Erklärung ansetzen würde. Nachdem das aber nicht der Fall war, fuhr sie fort: "Ich lasse das jetzt einfach mal so stehen, hoffe aber, dass ihr das geregelt habt. Wie dem auch sei, ich habe vorhin einen Anruf von Willow’s Eltern bekommen, dass Willow aus familiären Gründen das Camp für einige Wochen verlassen muss."
Ein geschocktes Luftschnappen ging durch unsere Runde.
Arme Willow.. Was war wohl bei ihr los?
Ich presste meine Lippen aufeinander. Mir war genau klar, worauf Holiday hinauswollte.
Sie sprach weiter: "Folglich wird ja ein Platz bei euch in der Hütte frei, Klara und Andy. Es könnte also Evelyn zu euch ziehen, damit sie nicht mehr in einer Hütte mit Wren und Neal wohnen muss."
Na super. Das war zwar nicht mein Worst-Case-Szenario, aber dennoch nichts, was mich unbedingt glücklich machte.
"Allerdings müsste dafür dann Toyah zu Wren und Neal ziehen. Außer natürlich, Evelyn erklärt sich bereit, bei den zwei Jungs zu bleiben. Dann müsste Toyah zu Klara und Andy." Holiday ließ ihren Blick durch unsere Truppe schweifen.
Das waren zwei absolut scheiß Optionen. Ich wollte weder, dass Toyah bei Wren in einer Hütte wohnte, noch wollte ich sie wie letztes Jahr in unserer Hütte haben. Egal, wofür wir uns zum Schluss entscheiden würden – ich konnte nur verlieren.
"Toyah kommt zu uns!", legte Wren direkt grinsend fest und legte seinen Arm um ihre Hüfte.
Wenn möglich, presste ich meine Lippen daraufhin noch fester zusammen.
"Das hättest du wohl gerne", mischte Evelyn sich ein. "Kein anderes Mädchen würde ich freiwillig zu euch in die Hütte ziehen lassen. Nur über meine Leiche. Ich bleibe bei euch, Toyah geht zu den Hexen."
"Aber wir wollen Toyah auch nicht haben!", rief ich schnell dazwischen, ohne darüber nachzudenken, wie dieser Satz rüberkommen musste.
"ANDY!", ermahnten Klara und Holiday mich auch sogleich dafür und ich schenkte Klara meinen besten Auf-wessen-Seite-stehst-du-eigentlich?!-Blick.
Da fuhr Evelyn mich an: "Geht’s noch?! Wie selbstsüchtig kann man sein?!"
Mittlerweile wusste ich nicht mehr, was überhaupt schlimmer war. Wren und Toyah 24/7 auf engem Raum oder Toyah und ich 24/7 auf engem Raum. Das war beides der größte Mist.
Ohne Umschweife ging eine hitzige Diskussion zwischen uns los und Holiday hatte alle Mühen, uns irgendwie im Zaum zu halten.
Irgendwann wurde es ihr zu bunt und sie klatschte mehrmals laut in die Hände. "Hey! Ruhe jetzt!"
Zuerst reagierte keiner, aber als die Campleiterin ihre Stimme noch ein Stückchen mehr erhob, sodass sie einen richtig autoritäten Ton angenommen hatte, wurde es schlagartig still.
"Geht doch", meinte sie zufrieden. "Also, da du heute besonders unkooperativ zu sein scheinst, Andy-" Wren schob ein leises "Sag ich ja schon die ganze Zeit" ein, "ist die letzte Möglichkeit, die wir haben, dass Evelyn und Toyah beide zu Klara ziehen und du dafür zu Neal und Wren gehst, Andrea."
Prompt erhellte sich Wren’s Gesicht und er grinste wieder. "Das unterstütze ich."
"Ich lasse Klara doch nicht allein!", beschwerte ich mich allerdings, woraufhin Holiday nur nickend sagte: "Dann hätten wir das ja geklärt. Wir können Evelyn nicht zwingen, ihre Hütte zu verlassen, Andy will nicht wegziehen, also kommt Toyah zu Klara und Andrea. Arrangiert euch bitte mit meiner Entscheidung, ich werde jetzt gehen und die Formulare zusammenstellen. Und mich etwas ausruhen. Eure ständigen Streitereien werden mir irgendwann nochmal den kompletten Rest geben."
Bedrückt ließen wir alle unsere Köpfe hängen, ehe wir durcheinander verschiedene Entschuldigungen murmelten und uns von Holiday verabschiedeten.
Hatte ich also richtig gesehen, dass es ihr nicht gut ging und sie etwas bedrückte. Besorgt blickte ich ihr hinterher. Das musste ich echt im Auge behalten.
Auf einmal fing Toyah von einer Backe zur anderen an zu strahlen. "Andy! Das heißt, wir sind ja wieder Mitbewohnerinnen! Das wird bestimmt super cool!"
Ich verdrehte nur meine Augen. Toll. Ganz toll. Wäre ich doch einfach im Bett geblieben. Dass sie nicht merkte, dass ich sie nicht leiden konnte. Immerhin hatte ich offensichtlich gesagt, dass ich sie nicht in meiner Hütte haben möchte. Oder sie wollte es einfach nicht merken. Wahrscheinlich ignorierte sie es absichtlich. Um mich noch mehr zu provozieren.
Genervt beobachtete ich, wie Toyah sich Klara zuwandte. "Ich bin Toyah, Meerjungfrau. Und du bist?"
Meine beste Freundin ließ sich sogar zu einem kleinen Lächeln hinreißen und erwiderte höflich: "Klara." Sie wurde einfach zu gut erzogen.
"Oh, du bist die aus Deutschland, oder? Letztes Jahr habe ich deinen Hüttenplatz eingenommen", erklärte Toyah grinsend. Im nächsten Moment drehte sie sich Wren zu, zog ihn zu sich runter, küsste ihn plötzlich viel zu leidenschaftlich und viel zu lang, neckte ihn daraufhin mit den Worten: "Ich hoffe, du Idiot hast den Kuss genossen, denn es war definitiv der letzte. Also, zumindest vorerst. Mal gucken, wie ich so drauf bin", und zog eine komplett überforderte Klara dann mit sich in Richtung Ausgang.
Meine Ohren konnten gerade noch so ausmachen, wie Klara verwirrt ein "Ich weiß" antwortete und weg waren sie.
Laut stöhnte ich. So schnell war das restliche Camp ruiniert.
Während ich sauer und genervt und wütend und unglücklich und enttäuscht meine Schläfen massierte, weil ich merkte, dass sich eine Migräneattacke anbahnte, war Luca vom Hexentisch aufgestanden. Er hatte alles genüsslich beobachtet und musste nun natürlich auch seinen Senf dazugeben. "Also für mich sieht das ja so aus, als würde die kleine Meerjungfrau dir deinen Loverboy und deine beste Freundin klauen. An deiner Stelle würde ich aufpassen."
"Verzieh dich, Luca", presste ich nur noch hervor und schloss die Augen. Das war zu viel für mich. Viel zu viel.
Selbstzufrieden verließ auch er den Tisch und ließ nur noch Wren und mich zurück. Dieser grinste erst für ein paar Sekunden, musterte mich dann jedoch mit schief gelegtem Kopf. "Geht’s dir gut?"
"Sehe ich so aus, als würde es mir gut gehen?!"
"Naja, du siehst genauso heiß aus wie sonst auch." Er ließ seinen Blick einmal über meinen gesamten Körper schweifen und zuckte anschließend mit den Achseln.
"Geh einfach weg, Thornwood."
"Und wenn ich dir helfen möchte?" In Wren’s Stimme schwang fast so etwas wie Mitleid mit und das warf mich kurzzeitig komplett aus der Bahn. Als ich mich wieder gefasst hatte, seufzte ich erschöpft. "Mir ist nicht mehr zu helfen."
"Aber mir! Also, wegen der Fake-Freundinnen-Sache-"
Ein weiteres Seufzen kam über meine Lippen.
Wren würde für immer ein egoistisches Arschloch bleiben, das nur auf seinen eigenen Vorteil aus war. An ihm war nichts auch nur ansatzweise Empathisches zu finden.
Ohne Wren ausreden zu lassen, machte ich auf dem Absatz kehrt und schlurfte langsam erneut in Richtung Ausgang.
Wie es wohl Willow gehen musste? Ich hatte sie den ganzen Tag nicht gesehen, weil ich ja konstant in meinem Bett lag und sie außer Haus war. Jedoch hatte ich gedacht, sie wäre mit ihrer Familie unterwegs. Da ihre Eltern allerdings angerufen hatten, waren sie vermutlich nicht bei ihr und sie hatte den ganzen Nachmittag und Abend allein verbracht. Hoffentlich konnte ich sie noch abfangen, bevor sie das Camp verlassen würde und dann würde ich sie ganz ganz doll an mich drücken und ihr ganz viel Kraft wünschen. Wenn ich das noch tun wollte, musste ich echt einen Zahn zulegen.
Angestrengt zog ich mein Tempo an. Aber ich war plötzlich so müde. Einfach nur müde. Müde und enttäuscht.
Da knurrte mein Bauch. Und hungrig war ich auch.
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