Auf der Suche nach den Erinnerungen

GeschichteRomanze / P12
Conrad Weller Murata Ken Shibuya Yuri Wolfram von Bielefeld
13.08.2014
13.08.2014
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Auf der Suche nach den Erinnerungen

Eigentlich wusste ich gar nichts von mir. Weder meinen wahren Namen, noch mein Alter. Ich wusste ebenso wenig wo ich herkam oder wer meine Eltern sind. Obwohl das mit den Eltern stimmt nicht ganz. Ich habe ein Bild von ihnen, nur kann ich nicht sagen, wie sie heißen. Ich weiß nicht mal genau, woher ich weiß, dass dies meine Eltern sind. Ich kann auch nur sagen, dass ich nicht aus Japan komme, denn ich habe helles Haar, was kein Japaner besitzt.

Ich bin bei Bekannten untergekommen. Ob das wirklich Bekannte von meinen Eltern sind, weiß ich nicht, aber ihr Sohn meinte es. Ich leide ja an einer Amnesie, da ist das gar nicht weiter verwunderlich, dass ich mich nicht an ihn oder seinen Eltern erinnern kann. Ich habe ihm geglaubt und ihn dann gefragt, ob er denn wüsste, wie ich heiße. Und dann hat er mir meinen Namen und auch mein Alter verraten.

Er und ich gehen auf zwei verschiedene Schulen, aber trotzdem gehen wir oft zusammen, doch nach der Schule hat er meist keine Zeit, was ich etwas schade finde. Ich weiß nicht, was er macht, aber es interessiert mich doch sehr. In meiner Schule habe ich wenige, bis gar keine Freunde. Wobei keine wohl eher zutrifft, als kaum. Ich habe bloß das Gefühl, dass mich nur Yuri leiden kann.

An diesem Vormittag betrat der Lehrer die Klasse mit einem neuen Schüler. Als ich ihn sah, schaute ich ihn Recht verwirrt an, denn er kam mir sehr bekannt vor. So als ob ich ihn schon mal gesehen habe und ich ihn auch kennen müsste. „Das ist Wolfram von Bielefeld, er ist vorübergehend hier. Er kommt aus einem fremden Land und kann daher unsere Sprache noch nicht sprechen, seid deshalb etwas nachsichtig mit ihm.“, sagte der Lehrer.

Wolfram von Bielefeld? Aber das habe ich doch schon mal gehört, oder in einer ähnlichen Art. Wie war das gleich? Graf? Nein, Lord. Ja, genau. Das war es. Lord Wolfram von Bielefeld. Das kommt mir durchaus bekannt vor. Aber woher kenn ich seinen Namen?

„Lord Wolfram von Bielefeld…“, murmelte ich, obwohl dies nicht mal gewollt war. Es kam mir einfach über meine Lippen. Und als ich ihn die fragenden Blicke meiner Klassenkameraden blickte, schaute ich verwirrt umher. „Lisa?“, sagte der Blondschopf, der noch immer vorne stand. Da fragte ich mich, wer denn diese Lisa sei.

Nach einer Weile kam der Junge zu mir und setzte sich neben Yuri und mich. „Lisa? Du bist doch Lisa, oder?“, sagte er zu mir. Ich war verwirrt. Nicht, weil er mich Lisa nannte, sondern weil er sehr wohl unsere Sprache sprach. „Ich dachte du sprichst unsere Sprache nicht?“, fragte ich ihn einfach. „Das tue ich auch nicht, ebenso wie du es gerade tust. Und die Sprache dieses Landes kann auch nicht deine sein.“, sagte der Junge. „Das verstehe ich nicht.“, sagte ich und zerbrach mir die gesamte Stunde über den Kopf darüber.

Nach der Schule wollte ich auf direkten Weg nach Hause gehen, als mir Yuri und Wolfram ins Auge fielen, die in eine andere Richtung gingen, als ich es von Yuri gewohnt war. Also ging ich ihnen leise hinterher. Aber darauf achtend, dass sie mich nicht sehen konnten. „Du hast mir gar nicht gesagt, dass Lady Lisa Langenfort hier ist.“, hörte ich die Stimme von Wolfram sagen.

Lady Lisa Langenfort? Es kommt mir irgendwie so vor, als hätte ich das auch schon mal gehört, so als ob es zu mir gehören würde, aber ich kann mich nicht daran erinnern, aber eigentlich müsste ich es doch wissen.

„Wer?“, sagte Yuri. „Lady Lisa Langenfort. Sie wird vermisst seit Konrad in diese Welt gereist war. Sie ist ein adliger Dämon aus dem Großreich, aber ihr Land gibt es nicht mehr, da auch ihre Eltern gestorben sind. Nun haben die Menschen dieses Gebiet.“, erklärte Wolfram. „Und das soll Miki sein?“, fragte Yuri. „Ja, daran besteht kein Zweifel… Sie sieht aus wie sie und kann unsere Sprache, aber ich glaube sie ist sowieso verweichlicht und kann auch gleich hier bleiben.“, sagte Wolfram. Die beiden sind inzwischen an einem Fluss angekommen, bei dem auch der Sohn von den Bekannten meiner Eltern war.

Verweichlicht!? Was fällt diesem Typen ein? Ich bin alles andere als verweichlicht. Ich habe ein schweres Leben hinter mir und das dürfte er am besten wissen, woher ich das weiß, weiß ich allerdings nicht. Ich wusste nur, dass ich gerade richtig sauer auf ihn bin.

Ich lief aus meinem Versteck raus und schnurstracks auf Wolfram zu. Vor ihm blieb ich stehen und funkelte ihn böse an. Daraufhin holte ich aus und schlug ihm kräftig ins Gesicht. „Spinnst du!?“, schrie ich ihn an. Ich wollte noch etwas sagen, als mir plötzlich einfiel, was ich gerade getan hatte. Augenblicklich sank ich auf den Boden. Ich hielt mir meine Hände an den Kopf, da ich auch plötzlich starke Kopfschmerzen bekam. „Oh nein… Was habe ich getan?“, murmelte ich immer wieder vor mich hin. „Na, ihm einen Heiratsantrag gemacht.“, sagte Yuri. „Aber Yuri! Ich bin doch schon dein Verlobter!“, sagte Wolfram, was mich wieder aufspringen ließ. „Was!?“, rief ich. Im nächsten Moment sank ich wieder zusammen.

„Was ist mit ihr?“, fragte Wolfram. „Ich weiß nicht… Ich weiß gar nichts…“, murmelte ich. Plötzlich spürte ich einen Arm auf meiner Schulter. Als ich aufsah, sah ich in ein lächelndes Gesicht. „Ken?“, sagte ich. „Keine Sorge. Alles wird wieder gut werden. Ich wusste, dass dieser Tag kommen würde.“, sagte er. „Was?“, fragte ich, doch Murata stand schon wieder auf und ging auf Wolfram zu. „Sie hat ihre Erinnerungen gelöscht, aber sie fängt an sich langsam wieder zu erinnern, deswegen darfst du nicht so hart zu ihr sein.“, sagte er.

Plötzlich fing Yuri an zu taumeln und fiel ins Wasser. Dabei zog er noch Wolfram mit sich, der sich an Murata festhielt. Letzterer zog mich dann einfach mit sich. Und so landeten wir alle vier im Wasser und dann fühlte es sich so an, als würden wir vom Fluss eingesaugt.

Als ich meine Augen wieder aufschlug, sah ich ein Schloss. „Schloss Ketsumei…“, sagte ich. „Richtig. Woher weißt du das?“, sagte Yuri. „Keine Ahnung.“, antwortete ich ihm. „Du warst schließlich schon mal hier.“, sagte Wolfram, der an meine Seite getreten war. „Ja, es kommt mir sehr bekannt vor.“, sagte ich und sah mich um. Eine leichte Brise kam auf und fuhr mir durch das Haar.

Dann kam plötzlich jemand angelaufen und als ich ihn sah, schoss mir ein Name in den Sinn. „Lord Gunther von Kleist.“, sagte ich und da schaute er mich an. „Lady Lisa Langenfort!?“, rief er überrascht aus. „Sie kennen mich?“, fragte ich. „Aber natürlich. Ich habe mich um sie gekümmert, wenn ihre Eltern nicht da waren.“, antwortete er. „Sind das hier meine Eltern?“, fragte ich ihn und hielt ihm das Bild meiner Eltern hin. Dieser nickte und gab es zurück.

„Ken? Wer ist sie?“, wandte ich mich an Murata, von dem ich bisher noch dachte, dass ich ihm wirklich in allem glauben konnte. „Ulrike.“, sagte er. „Da kann ich doch nur allein hin. Sie hat doch schon für Konrad eine Ausnahme gemacht.“, sagte ich und dann schaute ich nach einer Weile wieder hoch. „Hm? Woher…?“, machte ich dann. „Ich glaube schon, dass sie uns rein lässt. Bei Yuri und mir erklärt es sich ja schon, also nur bei Wolfram.“, antwortete Murata.

Nach kurzer Zeit waren wir dann bei Ulrike, die uns auch alle rein gelassen hat. „Willkommen zurück, Lady Langenfort.“, begrüßte sie mich. „Ja, zum Glück.“, sagte ich und kniete vor ihr nieder. „Warum bist du hier?“, fragte sie mich. „Ich will meine Erinnerungen zurück und wissen, wieso sie mir genommen wurden.“, antwortete ich hier. „Deine Erinnerungen kann ich dir nicht zurückgeben, sie wurden dir nicht genommen, sondern nur versiegelt, um dich zu schützen, aber ich sehe, dass du dich langsam wieder erinnerst. Ich kann dir auch sagen, dass ich Wolfram, einen Schlüssel zu deinen Erinnerungen geschickt habe, um dich zurückzuholen.“, erklärte sie. „Das wird auch langsam mal Zeit! Du wusstest genau, dass ich nicht so lange von Wolfram getrennt sein wollte!“, rief ich ihr zu. „Sie kommen sogar schneller wieder als erwartet. Du wirst noch heute auf alle wieder zugreifen können.“, sagte sie und dann verabschiedeten wir uns.

Draußen kam uns mal wieder jemand entgegen. „Lord Gwendal von Voltaire.“, begrüßte ich ihn. „Lady Lisa Langenfort.“, kam die Begrüßung zurück. „Was führt sie hierher?“, fragte ich ihn. „Ich wollte mich versichern, ob Yuri in Sicherheit ist, aber da brauch ich mir bei euch ja keine Sorgen zu machen.“, sagte Gwendal. „Aber warum denn das?“, fragte ich. „Na, weil sie eine der fähigsten Krieger sind und deswegen oft Leibwächterin sind. Sagen sie bloß, das haben sie vergessen?“, sagte er. „Na ja…“, sagte ich und kratzte mich verlegen am Hinterkopf. „Ulrike hat ihre Erinnerungen komplett versiegelt. Sie kann sich aber wieder an etwas erinnern.“, sagte Wolfram zu seinem Bruder.

„Vorsicht!“, schrie ich und Gwendal und Wolfram zuckten zusammen und schauten mich an. Doch dann sprangen sie doch noch rechtzeitig zur Seite, denn dort, wo sie noch vor einen Moment standen, steckte jetzt ein Pfeil. Ich wollte zu meinem Schwert greifen, doch ich hatte keins. Frustriert knabberte ich an meinem rechten Daumennagel.

Dann sah ich plötzlich wie ein Pfeil direkt auf Yuri zuflog. Ich fühlte für den Moment ein Stich im Kopf, doch ich ignorierte es. „Seine Majestät!“, rief ich und konnte noch rechtzeitig vor ihm eine Eiswand erscheinen lassen, gegen die der Pfeil prallte. Erleichtert atmete ich für den Moment aus. „Wolfram! Gwendal! Wir müssen seine Majestät und Murata von hier wegbringen!“, rief ich ihnen zu und ließ Gwendal und Wolfram an der Spitze laufen, während ich hinten darauf achtete, dass Yuri und Murata nichts geschah. Ganz ohne einen weiteren Angriff kamen wir nicht am Schloss an, aber immerhin schafften wir es, ohne dass den beiden was geschah. Im Schloss trafen wir dann auf Konrad. „Konrad!“, rief ich aus und lief gleich auf ihn zu und in seine Arme. „Lisa? Wo kommst du denn auf einmal her?“, fragte mich Konrad. „Ja, ich hab dich auch vermisst, mein Lieber, auch wenn ich versehentlich deinem Bruder einen Heiratsantrag machte, als ich mich noch nicht wieder komplett erinnern konnte.“, sagte ich zu ihm und schaute dabei zu Wolfram rüber.

„Das macht nichts. Das können wir auch niemanden wissen lassen.“, sagte Konrad. „Ja, ich glaube das wäre besser so.“, sagte ich und lehnte mich gegen seine Brust. Wie sehr ich das und ihn vermisst hatte. Viel zu schnell konnte ich die anderen hören. „So, wie du dich an Konrad schmiegst, kann das nur bedeuten, dass du deine Erinnerungen zurückhaben musst, oder?“, sagte Wolfram. „Ja, da hast du Recht Wolf.“, sagte ich. Dann drückte mir Konrad etwas in die Hand, was sich als mein Schwert entpuppte. „Jetzt bin ich aber verwirrt. Bis eben klang es noch so, dass sie auf Wolfram stehen würde, aber jetzt hat sie was mit Konrad?“, sagte Yuri. „Wolf ist mein bester Freund und deswegen wollte ich nicht so lange von ihm getrennt sein. Konrad kam ja mit, obwohl es nicht geplant war, dass wir uns trennen.“, sagte ich. „Es war auch nicht geplant, dass du länger bleibst.“, fügte Konrad hinzu und ich nickte daraufhin.

„Aber jetzt erklärt doch mal, was denn überhaupt vorgefallen ist.“, sagte Wolfram. Ich nickte. „Konrad sollte die Seele seiner Majestät in die andere Welt bringen, damit Yuri dort zur Welt kommen kann. Ich sollte ihn  begleiten. Damals wurde mir halt gesagt, dass dies nicht allzu lange dauern würde und ich schnell wieder zurückkehren würde, da ich nicht so lange von meinem besten Freund getrennt werden wollte. Konrad war ja bei mir. Aber dann wurden Konrad und ich getrennt und ich durfte ihn erst einmal suchen gehen. Als ich ihn fand, habe ich die Sprache gelernt, aber dann war Yuri bereits geboren und dann wurde es eigentlich Zeit dafür, dass wir zurückkehren sollten. Bei Konrad ging das auch, aber ich konnte nicht zurück. Ich habe mich damals sehr gewundert, aber es stellte sich schnell heraus, dass ich seine Majestät beschützen sollte. Das habe ich dann auch getan, aber dann verlor ich plötzlich meine Erinnerungen.“, erklärte ich. „Ulrike sagte, um dich zu schützen, aber wäre Yuri in Gefahr gewesen, hättest du dich sofort erinnert und ihn retten können. Außerdem war ich noch da. Ich habe ein Auge auf dich geworfen, damit dir nichts passiert.“, sagte Murata. „Dann bin ich aber froh, dass sich endlich alles aufgeklärt hat und ich meine Lisa wiedersehen kann.“, sagte Konrad und lächelt mir zu.

Am Abend waren Konrad und ich dann alleine. „Jetzt will ich aber nichts mehr ohne dich machen. Ich meine, ich werde dir nie mehr von der Seite weichen.“, sagte ich. „Das glaube ich dir sogar aufs Wort. Ich werde auch bei dir bleiben.“, sagte Konrad, der scheinbar etwas zu suchen schien. Nach einer Weile setzte er sich neben mich auf das Bett und zeigte mir einen Ring. „Auf der Erde macht man sich doch so einen Heiratsantrag, oder?“, sagte er. „Ja, der Mann kniet meist vor der Frau und fragt sie.“, sagte ich. Dann kniete sich Konrad vor mich und nahm meine Hand. „Lady Lisa Langenfort wollen sie mich heiraten?“, fragte er mich. Sofort schoss mir die Röte ins Gesicht. „Ja, das wäre mir eine Ehre, Lord Konrad Weller.“, sagte ich. Dann steckte er mir den Ring an und kam dann wieder auf meine Höhe. Zum Schluss drückte er mich noch auf das Bett und küsste mich. Und diesen Kuss werde ich mein Leben lang nicht mehr vergessen.
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