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Josephine Klick - Allein unter Cops (die Fiktive Fortsetzung der 1. Staffel)

von Ringa
Kurzbeschreibung
GeschichteKrimi, Liebesgeschichte / P16 / Gen
12.08.2014
17.01.2015
35
72.893
1
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12.08.2014 2.310
 
Josie:
Das Tagebuch las sich ziemlich schwer. Er schrieb schlimme Sachen über seine Eltern. Er beschuldigte sie, dass sie ihm etwas antun wollten und noch viel mehr. Das war kein Wunder, denn er war psychisch sehr krank. Als ich die letzte Seite las, traute ich meinen Augen nicht.
„Oh mein Gott,“ entfuhr es mir.
Die Jungs horchten sofort auf.
„Hast du etwas?“, fragte Fritz.
„Leon hat sich selbst umgebracht,“ erklärte ich.
„Steht es da drin, oder hast du dir es gerade selbst ausgedacht?“, fragte Alex.
Er riss mir das Tagebuch aus der Hand und die beiden vertieften sich darin. Wenige Minuten später sahen sie mich stirnrunzelnd an.
„Bielefeld, erklär uns bitte, was du meinst. Die letzte Seite ist doch sehr positiv. Er schreibt, dass er sich endlich besser fühlt und ist sogar glücklich.“
„Und du glaubst, er ist über Nacht gesund geworden? Er hatte doch keine Grippe, sondern eine psychische Krankheit.“
„Ja, aber wieso glaubst du, dass er sich selber umgebracht hat,“ fragte Fritz.
„Ich weiss jetzt nicht mehr, wie der Fachbegriff heisst, aber solche Euphorie empfindet ein Mensch, wenn er weiss, dass seine Qualen bald ein Ende haben werden. Er hatte mit seinem Leben abgeschlossen und freute sich darauf endlich erlöst zu werden,“ erklärte ich.
„Die mehrfachen Schnitte an seinem Hals machen jetzt Sinn,“ sagte Fritz. „Er hatte sich selbst die Kehle durchgeschnitten und dafür brauchte er mehrere Ansätze.“
„Aber was für eine Rolle hatte seine Mutter dabei gespielt? Hat sie ihm etwa geholfen?,“ fragte Alex.
„Sie muss am Tatort gewesen sein, denn Leons Tagebuch war bei ihr.“
„Wir müssen nochmal zu ihr fahren um endlich die ganze Wahrheit zu erfahren,“ sagte Fritz.
Wir setzten uns in Bewegung Richtung Auto, da klingelte mein Handy.
„Josephine Klick,“ meldete ich mich, denn die Nummer war mir unbekannt.
„Frau Klick, hier ist Melanie.“
„Was ist los?“, fragte ich erschrocken.
„Ich kam gerade nachhause und fand einen Zettel auf dem Tisch. Darauf stand in Mamas Handschrift „Es tut mir leid“. Sie ist nicht da, ich kann sie nicht finden.“
Melanie fing an zu weinen, ich versuchte sie zu beruhigen.
„Weisst du, wo sie sein könnte? Vielleicht gibt's einen bestimmten Ort, wo sie sein könnte.?“
Ich schaute zu Fritz und Alex, sie standen da und durchbohrten mich beinahe mit ihren fragenden Blicken.
„Sie ging oft auf eine Brücke. Sie mochte es einfach da zu stehen und die fahrenden Autos zu beobachten. Es beruhigte sie ein wenig.“
Ich klärte was für eine Brücke das war und sagte, dass sie ihren Vater anrufen und schnell dahin kommen sollte.
„Lass uns schnell fahren. Ich befürchte, Beatrice will sich umbringen.“
„Scheisse,“ hörte ich von den beiden.
Wir schalteten das Blaulicht an und fuhren so schnell es ging.

Alex hatte noch nicht richtig angehalten, da sprang ich schon aus dem Wagen, denn ich sah eine Frau, die auf dem Geländer der Brücke stand.
„Frau Reuters, tun sie das nicht,“ schrie ich, als ich zu ihr lief.
Als sie mich hörte, schreckte sie auf.
„Lassen sie mich in Ruhe,“ flehte sie.
Ich kam auf sie zu und versuchte sie davon abzubringen herunter zu springen. Alex und Fritz näherten sich ganz langsam. Fritz rief den Krankenwagen und die Feuerwehr, ich betete nur, dass sie bald ankämen.
„Frau Reuters, tun sie es nicht. Sie haben noch ihre Tochter und ihren Mann. Wir wissen, dass Leon sich umgebracht hat.“
Sie schaute mich mit ihren vom Weinen angeschwollenen Augen an. Es tat mir in der Seele weh, so etwas zu erleben. Ich gab den Jungs ein Zeichen, dass sie Abstand halten sollten, ich wollte nicht, dass sie sich erschreckt und von der Brücke stürzt. Ich streckte ihr meine Hand entgegen.
„Beatrice, geben sie mir ihre Hand, bitte. Mit Hilfe ihrer Familie werden sie das überstehen, das verspreche ich ihnen.“
Ich war so verzweifelt, dass ich einfach hätte losheulen können, dennoch gab ich nicht auf. Ich schaute der Frau direkt in die Augen.
„Frau Reuters, ich kann mir nicht mal im Traum vorstellen, wie schmerzhaft der Verlust ihres Sohnes für sie sein muss. Aber wenn sie springen, stellen sie sich vor, wie ihre Tochter und ihr Mann leiden werden. Sie werden es schaffen, ich verspreche es Ihnen.“
Die Frau drehte sich langsam und sehr vorsichtig zu mir und streckte mir ihre zitterige Hand entgegen. Ich zögerte keine Sekunde und griff so fest zu, dass ich dachte, ich würde ihr alle Handknochen brechen. Es war mir aber egal, hauptsache sie war am Leben. Ich zog sie zu mir und schloss sie in meine Arme. Sie fing an schrecklich zu weinen und zu schreien.
„So ist es gut, lassen sie alles raus,“ sagte ich und strich ihr beruhigend über den Rücken.
Allmählich beruhigte sie sich ein wenig und wir gingen auf Alex und Fritz zu. In dem Moment sprangen Melanie und ihr Vater aus dem Wagen und liefen zu uns. Herr Reuters sah fassungslos aus. Wir übergaben die ganze Familie den Ärzten. Ich brauchte einige Minuten um alles zu verdauen.
„Josephine, dass hast du gut gemacht,“ sagte Alex und tätschelte mir die Schulter.
Wortlos ging ich zum Auto, stieg ein und fing an bitterlich zu weinen. Das konnte man schon Heulen nennen. Die Jungs quetschten sich zu mir auf die Rückbank. Sie versuchten mich zu trösten.
„Manchmal hasse ich meinen Job,“ kam es aus mir raus.
Die beiden staunten nicht schlecht, als sie das hörten.
„Bielefeld, machst du Witze? Du hast gerade der Frau das Leben gerettet.“
„Und was ist mit mir? Fragt mich jemand, wie es mir dabei geht?“, konnte ich mich nicht beruhigen. „Was, wenn sie gesprungen wäre und ich sie nicht hätte aufhalten können?“
„Du darfst dich nicht mit „was-wäre-wenn“ quälen, sagte Fritz und nahm mich in seine Arme.
Alex strich mir einmal tröstend durchs Haar und ging nach vorne ans Steuer. Fritz blieb hinten bei mir.

Wir waren schon seit drei Stunden wieder im Präsidium. Das Protokoll war geschrieben und lag schon beim Chef auf dem Tisch. Ich fühlte mich immer noch nicht sehr besonders, aber ich durfte die persönlichen Gefühle nicht die Oberhand gewinnen lassen.
„Ich hole mir einen Kaffee, möchte noch jemand?“, fragte ich als ich aufstand.
Ich nahm die Bestellung auf und ging in die Küche. Ich liess mir Zeit. Total geistesabwesend bediente ich mich an der Kaffeemaschine. Ich fragte mich, was mit mir los war. Früher war ich nicht so empfindlich. Ich musste zugeben, in Bielefeld gab's nur harmlosere Fälle. Was hier im Raum Berlin abging, war schon eine andere Geschichte. Vielleicht war dieser Beruf doch nicht der richtige für mich? Harte Fälle werden wir auch weiterhin haben. Wenn sie mir jedes mal so unter die Haut gehen, halte ich das nicht lange durch. Ich weiss nicht, wie lange ich in der Küche war. Als ich zurückkam, stand Familie Reuters da und zwar alle drei. Die Frau schien ruhig zu sein, wahrscheinlich hatte sie gute Beruhigungsmittel bekommen. Ich stellte das Tablett mit dem Kaffee auf den Tisch und schenkte ihnen meine ganze Aufmerksamkeit.
„Wie geht’s ihnen?“, erkundigte ich mich.
„Meine Frau möchte ihnen die ganze Geschichte zum Protokoll geben,“ erklärte Herr Reuters.
„Nur damit sie es wissen, es hätte auch ausgereicht, wenn sie morgen gekommen wären,“ sagte ich.
„Ich möchte das so schnell wie möglich hinter mich bringen,“ sagte die Frau mit einer ruhigen Stimme.
„Ich verstehe. Lassen sie uns ins Büro gehen.“
Ich wollte nicht das Wort „Verhörraum“ benutzen. Der Ehemann und die Tochter warteten bei Karin und wir vier gingen in DEN Raum.
Frau Reuters setzte sich, legte ihre Arme auf den Tisch, verhakte ihre Finger ineinander und fing an zu erzählen.
„An dem Tag hatte ich mir nichts gedacht. Melanie war in der Schule, Torsten auf der Arbeit und ich war zuhause. Ich war sehr fröhlich, denn ich hatte vor, Leon zu besuchen. Ich kochte sein Lieblingsessen und konnte es schon kaum erwarten, bis ich losfuhr.
Als ich sein Zelt sah, fing ich schon von Weitem an mit ihm zu reden. Anfangs war er sehr dagegen, dass ich zu ihm kam, aber nach einer Weile gewöhnte er sich daran, obwohl er immer sehr misstrauisch mir gegenüber war. Als er mir nicht antwortete und nicht aus dem Zelt herauskam, steckte ich mein Kopf durch die Öffnung hinein. Bei dem Anblick gefror mir mein Blut in den Adern. Er lag da, überall war Blut. Das ganze Zelt war von innen mit Blut getränkt und ein Messer lag in seiner Hand. Ich konnte es nicht fassen, was passiert war. Ich war so in Schock, dass ich erstmal nicht wusste, was zu tun war. Dann fuhr ich zu einem Laden, kaufte Bleiche und kam wieder zurück. Ich wollte und konnte es nicht zulassen, dass meine Tochter und mein Mann erfuhren, was Leon getan hatte. Ich wischte das ganze Blut auf, zog ihm frische Kleider an und liess ihn einfach da liegen. Ich wusste, dass sein Freund Frank ihn früher oder später finden würde. Ich weiss, dass das grauenvoll klingt, aber zu dem Zeitpunkt schien es mir, dass ich das Richtige täte.“
Die Geschichte hörte sich wirklich unglaublich an, aber wir waren nicht da um darüber zu urteilen.
„Was passiert jetzt mit mir?“, fragte sie ängstlich.
„Was hat der Arzt denn zu ihnen gesagt?“, fragte ich sie.
„Das Gutachten ergab, dass ich nicht mehr suizidgefährdet bin, sondern aus Verzweifelung handelte,“ erklärte sie uns.
„Gut, dann gehen Sie jetzt zu ihrer Familie.“ Ich stand auf und die Frau tat es mir gleich.
Wir kehrten zurück ins Büro, wo Melanie und ihr Vater ungeduldig warteten. Als sie uns sahen, schnellten sie zu uns.
„Was passiert jetzt?“, fragte Melanie.
„Ihr fahrt jetzt nachhause und steht euch gegenseitig bei, ok? Das schafft ihr,“ sagte ich.
Überraschend kam Melanie zu mir und umarmte mich.
„Vielen Dank, dass sie meine Mutter gerettet haben.“
Ich war so gerührt. Ich drückte sie auch ganz kräftig.
„Gern geschehen. Es ist mein Job.“
Das Mädchen liess mich los und ging zu ihrer Familie. Beatrice und Torsten bedankten sich auch nochmal und dann gingen sie. Ich atmete kurz durch und setzte mich.
„Miss Klick,“ hörte ich Amanns Stimme.
„Würden Sie bitte in mein Büro kommen?“
Ich schaute zu den Jungs, die nur die Schulter zuckten.

„Ich habe ihr Protokoll gelesen,“ fing der Chef an.
Ich setzte mich. Er schaute mich eine Weile an.
„Wie geht’s Ihnen?“, fragte er dann endlich.
„Mir geht’s gut,“ entgegnete ich.
„Wie geht’s Ihnen wirklich?“
Mein Blick wanderte nach unten.
„Nicht sehr besonders, nehme ich an,“ fuhr er fort.
Ich sagte immer noch nichts. Ich wollte nicht wieder anfangen zu jammern. Die Jungs hörten schon genug davon.
„Wenn es Ihnen mal zu viel wird und alles über den Kopf wächst, müssen sie keine Angst haben es mir zu sagen. In so einem Fall haben wir einen ausgezeichneten Psychologen. Meine Tür steht Ihnen auch immer offen. Und wenn sie ein oder zwei Tage frei haben möchten, ist es überhaupt kein Problem. Miss Klick, sie sind eine ausgezeichnete Polizistin mit aussergewöhnlich guten Qualitäten, ich möchte, dass es Ihnen gut geht. Ich will Sie noch viele Jahre hier haben.“
Ich blickte wieder nach oben.
„Danke. Es ist gut zu wissen, dass Sie hinter mir stehen.“
„Immer, Miss Klick.“
Ich stand auf und verliess Amanns Büro. Die Jungs platzten schon vor Neugier. Doch bevor jemand etwas fragen konnte, steckte Amann sein Kopf nochmal heraus.
„Ihr könnt jetzt Feierabend machen,“ sagte er und verschwand wieder.
Ich war froh um ehrlich zu sein.
„Ich weiss, dass der Tag für dich emotional schwer war,“ fing Alex an. „Wollt ihr vielleicht trotzdem zu mir fahren? Carolin würde sich schrecklich freuen dich wieder zu sehen. Was sagt ihr?“
„Ich habe absolut nichts dagegen und du Fritz?“
Mein Schatz hatte auch nichts dagegen.

Ich war erst mit einem Bein in der Wohnung drin, da lief Caro auf mich zu und drückte mich ganz fest.
„Hallo Süsse,“ begrüsste sie mich mit viel Freude.
„Hallo, schön dich endlich wieder zu sehen,“ entgegnete ich.
„Kommt, setzt euch,“ führte uns Caro ins Wohnzimmer.
„Wollt ihr etwas zu trinken?“, fragte sie uns.
„Oh ja,“ sagten wir drei unisono. Caro schaute uns verdutzt an.
„Ich nehme an, ihr wollt etwas stärkeres als Kaffee, oder?“
„Seit wann kannst du Gedanken lesen?“, witzelte ich.
Caro öffnete eine Flasche Wein und wir machten es uns gemütlich auf der Couch.
„Sag mal Josie, geht’s dir gut? Du siehst irgendwie erschöpft und mitgenommen aus,“ stellte Carolin fest.
Ich erzählte der Runde meine Zweifel und alles, was mich so beschäftigte.
„Was hat der Chef dir denn gesagt?“, fragte mich Fritz.
„Er hat mir gesagt, wenn ich Hilfe brauche, ist er und ein Psychologe immer für mich da. Und falls mir alles über den Kopf wächst, kann ich mir mal ein paar Tage frei nehmen.“
„Es ist schön, dass der eigene Chef sich so um einen sorgt,“ sagte Carolin.
„Er schätzt unser Mädchen eben genauso, wie wir,“ sagte Fritz stolz und küsste mich.
„Weisst du Bielefeld, du überraschst mich immer aufs Neue. Du bist selber kurz vorm Durchdrehen, behandelst andere aber mit sehr viel Ruhe und Fürsorge, wie die Familie heute. Ich bewundere dich wirklich sehr.“
„Danke Alex, das bedeutet mir viel.“
„Und du darfst nie daran zweifeln, dass du den richtigen Beruf ausgesucht hast. Wir bräuchten mehr von solchen Polizisten wie dich,“ sagte Fritz noch dazu.
„Danke. Was würde ich bloss ohne euch machen?“
„Ach Fritz, was mir gerade eingefallen ist. Ich werde am Wochenende zu meinem Vater nach Bielefeld fahren. Ich wollte fragen, ob du mit möchtest?“
„Na klar, fahre ich mit.“
„Falls ihr Verstärkung braucht, kann ich auch mitkommen,“ sagte Alex.
„Gut zu wissen, aber wenn ich schon mit dir klar komme, dann werde ich auch den Besuch meistern,“ zog ich Alex auf.
„Ja, gib's ihm,“ feuerte mich Caro an.

Es war sehr schön mit den Freunden den Abend zu verbringen und ein bisschen abzuschalten. Gute Gesellschaft und eine Flasche Wein konnte Wunder wirken.
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