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Josephine Klick - Allein unter Cops (die Fiktive Fortsetzung der 1. Staffel)

von Ringa
Kurzbeschreibung
GeschichteKrimi, Liebesgeschichte / P16 / Gen
12.08.2014
17.01.2015
35
72.893
1
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12.08.2014 1.603
 
Fritz:
Sehr lange mussten wir nicht herumsitzen, denn Teresa rief an, wir sollten zu ihr kommen.
„Sag uns, dass du etwas nützliches für uns hast,“ sagte ich ungeduldig.
„Das kann ich nicht versprechen,“ erwiderte die Pathologin.
„Schaut mal hier hin. Am Hals sind mehrere Schnitte. Die sind nicht sehr tief, eher oberflächlich. Und seine Hände haben auch viele kleine aber ziemlich tiefe Schnitte. Ich vermute, er hatte sich sehr stark gewehrt.“
„Und sonst irgendwelche Spuren?“, fragte Josie.
„Wenn er sich so gewehrt hat, müsste er doch irgendwelche Spuren an sich haben,“ sagte ich noch dazu.
„Tut mir leid, ich habe sonst absolut nichts gefunden,“ sagte Teresa.

„So ein Mist. Und jetzt?“, fragte Alex.
„Wir müssen irgendwie herausfinden, wer er war,“ sagte Josie.
„Ewald, kannst du alle möglichen Datenbanken nach Leon durchsuchen? Vielleicht wurde mal ein Vermisster mit dem Namen gemeldet,“ sagte ich.
„Das ist eine sehr gute Idee,“ hörte ich von Josie.
„Läuft,“ kam von Waldi.
Eine Weile passierte nichts.
„Wie lange dauert das noch?“, fragte ich sehr ungeduldig.
„Es könnte 5 Minuten oder mehrere Stunden dauern,“ antwortete Ewald.
„Oh Mann, wie ich es hasse herumzusitzen und nichts tun zu können,“ stöhnte Josie.
„Du bist nicht die einzige,“ gab Alex dazu.
„Mindestens eine Sache macht kein Sinn,“ sagte Josie.
„Was denn?“, wurde ich neugierig.
„Na mehrere Schnitte am Hals. Wie kann es sein, dass der Mörder einige Messeransätze brauchte um Leon die Kehle durchzuschneiden?“
„Ja genau,“ sagte Alex. „Und wie kann es sein, dass er keine Spuren hat, obwohl er sich offensichtlich gewehrt hatte?“
„Wir haben mehr Fragen als Antworten,“ stellte ich fest.

Waldis PC machte einen Ton.
„Hast du etwas?“ sprangen wir drei gleichzeitig auf.
„Yep,“ sagte Waldi stolz. Insgesamt acht Augen starrten auf den Bildschirm.
„Leon Reuters wurde vor drei Monaten vermisst gemeldet, kurz danach wurde die Anzeige jedoch zurückgenommen,“ las ich laut vor.
„Merkwürdig,“ sagte Alex.
„Jetzt haben wir wenigstens wieder Anhaltspunkte. Lasst uns zu seinen Eltern fahren,“ sagte ich.
Wir schrieben uns die Adresse auf und machten uns auf den Weg.

„Wer sagt es seinen Eltern?“, fragte uns Alex.
„Bitte Alex, lass uns das spontan entscheiden. Ich mag diese Rollenverteilung im Voraus überhaupt nicht,“ sagte Josie und rollte ihre Augen.
„Gut Bielefeld, du hast recht.“
Wir klingelten an der Tür und keine zehn Sekunden später wurde sie geöffnet. Das ging aber schnell, als ob die Hausbewohner wussten, dass wir kamen.
„Guten Tag. KriPo: Klick, Mahler und Munro,“ stellte ich uns vor. Jedes mal die gleiche Arie, wenn wir Hausbesuche machten.
Unser Gegenüber starrte uns mit grossen Augen an.
„Dürfen wir reinkommen?“, fragte ich.
Die Frau kam zu sich. „Natürlich, kommen sie rein. Entschuldigen sie mich, ich wollte nicht unhöflich erscheinen,“ sagte sie.
Wir kamen rein und durften uns hinsetzen.
„Torsten, Melanie, kommt ihr bitte hierhin?“ rief die Frau.
„Mein Name ist Beatrice Reuters und das ist mein Mann Torsten und meine Tochter Melanie,“ stellte uns die Frau ihre Familie vor.
„Setzen sie sich, wir möchten mit ihnen reden,“ sagte ich.
„Haben sie einen Sohn, Leon?“, fragte ich.
„Ja. Was ist mit Leon? Wissen sie, wo er ist?“, fragte Frau Reuters.
„Mama, das ist doch Kriminalpolizei, Leon ist bestimmt tot. Habe ich Recht?“
Das überraschte mich jetzt. Melanie schien nicht sehr mitgenommen zu sein.
„Ist es wahr? Ist mein Sohn tot?“, meldete sich der Vater.
„Ja, Leon ist tot. Er wurde ermordet. Unser Beileid,“ sagte Josie so einfühlsam wie es ging.
„Ermordet?“
Die Mutter war fassungslos. Sie fing an bitterlich zu weinen, was nur verständlich war.
„Wer hat das meinem Sohn angetan?“, fragte der Vater.
Er schien zutiefst erschütert zu sein, im Gegenteil zur seiner Tochter Melanie. Wusste sie vielleicht etwas, was die anderen nicht wussten?

Josie:
Wir warteten ein wenig, bis die Mutter sich einigermassen beruhigt hatte.
„Wir hätten noch ein paar Fragen an sie. Könnten Sie sie uns beantworten oder geht es jetzt gar nicht?“, fragte ich.
Sie schniefte in ihr Taschentuch und nickte. Ich war erleichtert, denn ich wollte den Fall so schnell wie möglich lösen.
„Können Sie uns sagen, wieso Leon vor drei Monaten als vermisst gemeldet, dann aber die Anzeige zurückgezogen wurde?“
„Sie müssen wissen, dass unser Sohn krank war. Bei ihm wurde vor einem Jahr Schizophrenie festgestellt“, erklärte der Vater.
„Es wurde immer schlimmer,“ fuhr die Mutter fort. „Er fing an Angst vor uns zu haben. Er behauptete, wir würden ihm wehtun und...“
Sie fing an zu weinen. Ihr Mann strich ihr beruhigend den Rücken.
„Eines Tages, also, vor drei Monaten ist er von zuhause weggelaufen,“ erzählte er weiter. „Wir haben die Vermisstenanzeige aufgegeben, einige Tage später kam er wieder, weil ihm Geld und Essen ausgegangen waren. Die Anzeige nahmen wir deswegen zurück. Lange blieb er aber nicht. Kurz darauf lief er wieder weg, nachdem er uns beschimpft und uns diverser Sachen beschuldigt hatte. Und seitdem hatten wir keinen Kontakt mehr.“
Ganz schön hart, dachte ich mir. Melanie saß nur da, starrte den Boden an und sagte kein Wort.
Wir bedankten uns und wollten schon gehen, da hörte ich ihre Stimme.
„Wo habt ihr Leon gefunden?“, fragte Melanie.
„Er lebte im Wald, in einem Zelt. Da haben wir ihn auch gefunden,“antwortete Fritz.
„Wir melden uns noch, falls wir mehr Fragen haben und nochmal, ihr Verlust tut uns sehr leid,“ sagte ich und wir gingen.
„Boah, bin ich froh, dass wir da raus sind,“ sagte ich laut. Das war nicht leicht. Das war es nie.
„Jetzt haben wir ein paar Antworten, klarer ist der Fall trotzdem nicht geworden,“ ärgerte sich Fritz.

Alex:
Zurück im Präsidium erfuhren wir von der SpuSi, dass das Zelt von innen mit Bleiche gesäubert worden war.
„Das heisst dann, dass er im Zelt umgebracht wurde, oder?“, fragte ich, obwohl ich die Antwort kannte.
„Scheisse, das gefällt mir ganz und gar nicht,“ fluchte Fritz.
„Ich befürchte, wir können heute nichts mehr machen, denn in ein paar Stunden ist Feierabend,“ sagte Josie.
Ich hasste es mit dem Gefühl, dass man nichts erreicht hatte, nachhause zu gehen. Ich schätze, meinen Kollegen ging es genauso.

„Ich brauche einen Drink,“ sagte Josie. „Oder einige.“
„Du hast was vor, Bielefeld, was?“
„Ihr lasst mich doch nicht etwa alleine trinken, oder?“, fragte sie erschrocken.
„Bist du verrückt? Natürlich nicht,“ beruhigte ich sie.

Wir setzten uns an unseren Tisch und bestellten Bier, viel Bier. Ich musste stöhnen, als ich die Frau, diese Lena an der Bar wieder sah. Ich schätzte Fritz hatte Josie nichts davon erzählt.
„Was ist los?“, fragte Josie. „Du schnaubst genervt und rollst deine Augen. Imitierst du mich etwa?“
Ich schaute Fritz an und sagte erstmal nichts.
„Geht's dir nicht gut?“, fragte mich Fritz.
Ich deutete mit meinen Augen zur Theke, Fritz drehte sich um. Das Weib lächelte Fritz an und ich konnte sehen, wie Josies Gesicht sich verdüsterte.
„Was ist hier los?“, fragte sie und starrte mal mich, mal Fritz an.
„Willst du es deiner Freundin erzählen oder soll ich es?“
„Es gibt nichts zu erzählen,“ sagte er nur.
Wenn Josies Blick töten könnte, wäre ich schon erledigt.
„Die Frau an der Theke heisst Lena. Das wissen wir, weil sie letzte Woche Fritz angebaggert hat und ihm ihre Telefonnummer auf der Serviette hinterlassen hat.“
Ich klang wie eine miese Petze, aber Fritz war nicht sehr erzählfreudig. Josie kippte sich das Bier rein und sagte nichts. Wenn eine Frau nichts sagte, dann war das kein gutes Zeichen. Und wenn die Frau Josephine hiess, dann bereitete man am besten die Flucht vor.

Fritz:
„Willst du mir nichts sagen?“, fragte ich sie vorsichtig.
„Ach ja? Du wolltest mir auch nichts sagen.“
Sie starrte mich an und sah angepisst aus.
„Wieso hast du mir nichts erzählt?“, fing sie an.
„Weil es nichts zu erzählen gibt.“
Oh Mann, was für ein Drama wegen nichts. Sie schien sich zu beruhigen, was mich mehr als erstaunte. Mal schauen, was passierte, wenn wir zuhause waren.
„Nur damit wir uns verstehen,“ fing sie an. „Falls mich ein wildfremder Mann anbaggert und mir seine Nummer hinterlässt, du brauchst nichts davon zu wissen, ja?“
„Wie bitte? Natürlich muss ich das wissen, was für eine Frage,“ regte ich mich auf.
„Oh verdammt,“ plötzlich verstand ich, wieso sie so sauer auf mich war. Schon beim Gedanken, dass sie von einem anderen Mann begehrt werden würde, sah ich rot.
„Damit es klar ist. Ich will es wissen, falls dich irgendwelche Tussis anmachen, klar?“
Ich musste schmunzeln.
„Du siehst so sexy aus, wenn du eifersüchtig bist,“ sagte ich ihr.
„Es würde mich interessieren, ob auch du dabei so sexy wärst,“ sagte sie und lächelte.
„Wenn ich eifersüchtig bin, dann bin ich alles andere als sexy, eher wie ein Bulle, der ein rotes Tuch sieht.“
„Ihr seid so süss,“ mischte sich Alex ein.

Josie:
Aus dem Augenwinkel beobachtete ich die... Lena. Sie schaute immer wieder zu Fritz rüber. Das machte mich wahnsinnig. Am liebsten wäre ich zu ihr gegangen und hätte sie an den Haaren aus der Kneipe herausgeschleift. Den Rest des Abends konnte ich keine Ruhe mehr finden.
„Die Frau macht mich fertig. Sie schaut immer wieder zu Fritz,“ beschwerte ich mich.
„Och Süsse, vergiss sie jetzt endlich,“ versuchte mich Fritz zu beruhigen.
„Falls sie dich am Mittwoch abend anbaggert, sagst du mir bescheid, dann rede ich mit ihr.“
„Mit reden meinst du wirklich reden?“, fragte mich Alex.
„Hängt von der Situation ab,“ erklärte ich.
„Ok, Themawechsel bitte. Ich will mich von unserem aussichtslosen Fall ablenken und mir keine zusätzlichen Sorgen machen,“ sagte ich und bestellte mehr Bier.
„Addie, noch 'ne Runde!“

Den Rest des Abends amüsierten wir uns ordentlich und als wir bei Fritz zuhause waren, revanchierte ich mich für das Eifersuchtsdrama.
„Wow, wenn das immer so endet, dann kannst du öfters eifersüchtig sein...“
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