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Josephine Klick - Allein unter Cops (die Fiktive Fortsetzung der 1. Staffel)

von Ringa
Kurzbeschreibung
GeschichteKrimi, Liebesgeschichte / P16 / Gen
12.08.2014
17.01.2015
35
72.893
1
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12.08.2014 2.085
 
Josie:
Obwohl ich mit solch positiven Gedanken eingeschlafen war, träumte ich nur Müll. Ich wältzte mich die ganze Nacht hin und her. Ich träumte von Stefan, meinem Vater und dem Junggesellenabschied. Ich träumte alles bis ins kleinste Detail.
Ich hatte eigentlich mit der Geschichte abgeschlossen. Aber als Stefan auftauchte, wühlte er alles wieder auf.

Es war noch sehr früh. Fritz schlief wie ein Baby, deswegen schlich ich mich aus dem Zimmer raus.
„Eine heisse Tasse Kaffee wird die trüben Gedanken schon vertreiben,“ tröstete ich mich selber.
„Machst du mir auch eine Tasse?“, fragte mich Viktor.
„Moin. Hast du auch schlecht geträumt?“, fragte ich.
„Ich habe hervorragend geschlafen. Ich bin ein Frühaufsteher, das weisst du doch. Geht’s dir nicht besonders?“
„Ich habe schlecht geschlafen. Ich will dich jetzt aber mit meiner schlechten Laune nicht runterziehen. Lieber erzähle ich dir etwas fröhliches. Gestern spät habe ich meinen Vater angerufen. Ich werde ihn am Wochenende besuchen.“
In Viktors Gesicht konnte ich Erleichterung sehen.
„Das ist wirklich eine gute Nachricht. Ich habe mit deinem Vater öfters telefoniert. Er hat sehr unter der Situation gelitten, das kannst du mir glauben.“
„Genau aus dem Grund entschloss ich mich diesen Schritt zu wagen. Wir haben schon genug gelitten.“
„Ich bin sehr stolz auf dich,“ sagte Viktor und drückte mich kurz.
„Danke.“

Wir tranken unseren Kaffee aus und ich begleitete Viktor in den Stall. Ich wollte Wotan besuchen.
Ich versuchte so oft es ging ihn zu besuchen und mich um ihn zu kümmern.

„Wotan, mein guter,“ redete ich schon von Weitem mit ihm.
Als er meine Stimme hörte, schabte er mit der Hufe und schnaubte ziemlich laut. Ich kam zu ihm in die Box und als erstes streichelte ich ihn. Dann nahm ich eine Bürste und verwöhnte ihn ausgiebig. Wotan liebte es gebürstet zu werden.
„Wollen wir beide einen kurzen Ausritt wagen?“, fragte ich mein Pferd.
Wotan schabte erneut mit seiner Hufe und bewegte seinen Kopf von oben nach unten, als ob er nicken würde.

Ich sattelte ihn auf und führte ihn aus dem Stall nach draussen.
Einen Fuss stellte ich in den Steigbügel und wollte mich schon aufs Pferd schwingen. Eine Stimme hielt mich aber ab.
„Darf ich mit?“
Ich drehte mich um.
„Bist du dir sicher?“, fragte ich Fritz.
„Na klar! Was gibt’s schöneres als ein Ausritt vor dem Frühstück?“, sagte er und grinste.
„Wenn du mich gerade verarschst, dann kannst du sofort wieder reingehen.“
Seine Laune schien bestens zu sein, im Vergleich zu meiner.
„Süsse, ich meine es ernst.“
Ich schwang mich aufs Pferd, dann hielt ich Fritz meine Hand hin und half ihm auf Wotan zu steigen.
„Halte dich gut fest,“ sagte ich.
Fritz umschlang meine Taille mit seinen Armen und wir setzten uns in Bewegung. Wir ritten zu der Stelle, wo Fritz' Geburtstagsparty stattgefunden hatte.
„Es gibt einen anderen Weg, der hierhin führt?“, fragte er überrascht.
„Aber sicher doch,“ erwiderte ich.
„Und warum mussten wir uns im Wald durch alle Äste durchquetschen?“
„Was glaubst du? Wenn wir diesen Weg genommen hätten, hättest du deine Party schon von Weitem gesehen“, erklärte ich ihm.
„Stimmt,“ sagte er nur.

Wir stiegen vom Pferd ab. Die Sonne ging gerade auf. Es sah märchenhaft aus.
„Hast du schon mal einen Sonnenaufgang gesehen?“, fragte ich Fritz.
„Nur einmal“, entgegnete er.
„Dann haben wir Glück gehabt. Es wird ein zweites mal für dich sein.“

Wir setzten uns auf die Wiese. Er umarmte mich und wir genossen die wunderschöne Aussicht.
„Wow, es ist so romantisch,“ sagte ich fasziniert von der Aussicht.
„Und du hast erzählt, dass dich ein Mann mal verlassen hatte, weil du so unromantisch wärst,“ sagte Fritz.
„Tja, du weckst die schönsten Gefühle in mir. Ich weiss auch nicht, wann ich so sentimental geworden bin. Vielleicht war ich das schon immer.“
Fritz sagte nichts, er lächelte nur. Plötzlich hatte er den Blick in den Augen. Er legte eine Hand auf meine Schulter, die andere auf meinen Rücken und dann legte er mich langsam auf die Wiese. Er selber legte sich über mich und stützte sich mit seinen Händen neben meinem Kopf ab. Er küsste mich.
„Hey, willst du die Aussicht gar nicht geniessen?“, fragte ich ihn, als sich unsere Lippen von einander lösten.
„Oh, ich geniesse meine Aussicht voll und ganz,“ sagte er und dann flüsterte er mir ins Ohr:
„Wir haben noch eine Stunde bis unsere Schicht anfängt.“
„Dann sollten wir schleunigst nachhause reiten,“ hauchte ich zurück.

Zuhause angekommen, verschanzten wir uns in meinem Zimmer. Ich genoss jede Sekunde mit Fritz, egal was wir unternahmen.

„Tja, mit dem Frühstück wird es wohl nichts mehr,“ sagte Fritz, als er auf die Uhr schaute.
„O ja. Kann man nichts machen. Das hier war viel wichtiger als Essen“, sagte ich und zwinkerte.
„Da bin ich ganz deiner Meinung.“

„Das ist schon das zweite mal, dass wir ohne Frühstück und ohne Kaffee aus dem Haus gehen,“ stellte ich fest, als wir unterwegs ins Präsidium waren.
Fritz schmunzelte.
„Das erste mal war es, als wir verschlafen hatten.“
„Diesmal werden wir wenigstens pünktlich auf der Arbeit sein,“ sagte ich.

Wir trafen Alex draussen, als er aus dem Wagen stieg.
„Hallo ihr Hübschen,“ begrüsste er uns.
„Na du, alles fit?“, fragte ich Alex. Er nickte.
Wir trudelten ins Büro hinein. Karin und Waldi waren schon da.
„Kaffee ihr lieben?“, fragte Karin.
„O ja!“, sagten ich und Fritz unisono.
„Und Frühstück dazu,“ witzelte ich.
Waldi schaute uns stirnrunzelnd an.
„Ist bei euch zuhause Kaffee und Frühstück ausgegangen? Dass mal Kaffee ausgeht, kenne ich, aber das Essen?“
„Ha ha, du Klugscheisser“, zog ich Grimassen.
„Das interessiert mich jetzt auch, wieso ihr ganz nüchtern seid“, sagte Alex.
„Wir hatten keine Zeit fürs Frühstück, ok? Zufrieden?“, erklärte ich.
„Und Waldi, bevor du weitere Fragen stellst...“
Fritz unterbrach mich zum Glück.
„Haben wir etwa nichts zu tun?“
„Genau. Haben wir keine Morde aufzuklären, oder was?“
Ich wollte noch etwas sagen, aber der Chef kam mir zuvor. „Apropos Mord. Ihr habt einen Fall.“
„Und wo? Wieder im Wald?“, witzelte ich.
„Ja, im Wald,“ sagte Chef.
„Nein, im Ernst?“, wunderte sich Alex.
„Wir hatten schon zwei Tatorte im Wald“
„Wieso passieren die Morde an solch schönen Orten?“, fragte ich rhetorisch.
„Wenn dich jemand anruft und fragt, wo ein Mord passieren soll, kannst du einen unschöneren Ort empfehlen, Bielefeld.“
Ich schaute Alex böse an.
„Wer bist du und was hast du mit Alex gemacht? Das war etwas geschmacklos und nicht im Ansatz witzig.“
Alex' Gesicht wurde wieder ernst.
„Ja, sorry.“
„Wollen wir noch ein wenig plaudern oder fahren wir jetzt endlich los?“, fragte Fritz etwas genervt.


Die ganze Fahrt über schwieg ich. Ich fand es witzig, dass Alex sich immer Sorgen machte, wenn ich schwieg. Es hiess dann, es war irgendwas im Busch. Für mein Schweigen diesmal gab's aber keinen Grund. Wir fuhren schliesslich zu einem Tatort, deswegen wollte ich mich konzentrieren.
Fritz drehte sich zu mir und lächelte mich an. Ich erwiderte es, denn egal wie konzentriert ich war, sein schönes Gesicht konnte ich nicht ignorieren. Alex drehte sich zu mir und lächelte ebenfalls. Nanu, so viel Aufmerksamkeit schmeichelte mir. Ich musste schmunzeln, denn ich erinnerte mich, wie Alex mich einmal im Auto anbrüllte. Er meinte ich wäre überheblich, besserwisserisch und beleidigend. Die Zeiten waren zum Glück vorbei. Jetzt bekam ich ein Lächeln statt Schimpfe.

Die Fahrt dauerte etwa 15 Minuten.
Am Tatort erwartete uns das gleiche wie immer: Teresa und die SpuSi.
„Guten Tag,“ begrüssten wir die Kollegen.
Ich beäugte den ganzen Tatort. Wir standen neben einem Zelt. Drum herum lag viel Müll und eine zerbrochene Auflaufschale. Darin befanden sich noch Essensreste. Weiter entfernt wurde ein Mann befragt. Er sah verwahrlost und verwirrt aus.
„Ihr könnt schon den Leichnam begutachten. Ich gehe zu dem Mann dahin,“ sagte ich zu den Jungs.
Ich kam näher. Ein Kollege befragte den Mann, er sagte aber nicht viel, wiederholte nur „Leon war mein Freund.“
„Darf ich?“, fragte ich den Kollegen.
„Bitte,“ sagte er und war erleichtert, dass er sich entfernen durfte.
Ich ging neben dem Mann in die Hocke.
„Guten Tag. Ich heisse Josephine Klick. Wie ist ihr Name?“
Der Mann starrte einen Punkt an und wippte mit dem ganzen Körper auf und ab.
„Wie heissen Sie?“, fragte ich erneut und legte meine Hand auf seine.
Der Mann hörte augenblicklich auf zu wippen und schaute mich an. Seine Augen waren müde, traurig und angsterfüllt. Er kam zu sich, dann zog er seine Hand hastig heraus.
„Ich entschuldige mich. Ich wollte Sie nicht bedrängen oder Ihnen zu nahe kommen,“ erklärte ich.
Der Mann fing wieder an zu wippen und wiederholte abermals „Leon war mein Freund.“

„Josephine!“, hörte ich Fritz' Stimme. „Komm und schau dir das Opfer an, bevor es abtransportiert wird.“
„Ich komme gleich wieder,“ sagte ich dem Unbekannten und ging schnell zum Zelt.
Ich muss gestehen, ich hatte Angst davor, was mich erwartete. Ich lugte durch die Öffnung hinein. Auf dem Boden lag ein junger Mann. Seine Kehle war durchgeschnitten. Etwas war aber gewaltig falsch an dem Bild, das ich sah. Ich kam wieder heraus.
Teresa und die Jungs warteten schon auf meine Frage.
„Wo ist das ganze Blut? Der Mann liegt dort mit durchgeschnittener Kehle und da ist kein Tropfen Blut, weder auf der Kleidung noch irgendwo im Zelt.“
„Ich kann nur vermuten, dass er woanders getötet, gesäubert, frisch angezogen und hier abgelegt wurde,“ erklärte Teresa.
„Was für eine Scheisse,“ sagte ich nur. „Ich gehe zurück zu dem Mann. Hat jemand einen Kaffee hier?“
Alex ging zu den anderen Kollegen und kam kurz darauf mit einem Becher zurück.
„Ich danke dir.“
Ich nahm den Kaffee entgegen und ging zu dem verwahrlosten Mann.

„Hallo, da bin ich wieder. Möchten Sie vielleicht einen Kaffee?“.
Ich hielt dem Mann den Becher-to-go hin. Er nickte nur und nahm ihn entgegen. Das Eis war gebrochen, denn er fing an zu reden.
„Leon war mein bester Freund,“ sagte er vielleicht zum fünften mal.
„Wie heissen Sie,“ gab ich nicht nach.
„Frank,“ antwortete der Mann.
„Und ihr Nachname?“ Frank schaute mir in die Augen.
„Und wie heissen Sie?“, fragte er mich.
„Ich bin Josephine Klick.“
Ich hatte mich ihm schon vorgestellt. Er war wohl noch unter Schock gewesen, deswegen wusste er nicht mehr, wer ich war.
„Ich heisse Frank Peters.“
Der Mann schien mir jetzt weniger verwirrt zu sein. Ich wollte es ausnutzen und soviel Info aus ihm herausbekommen, wie es ging.
„Ist der junge Mann da im Zelt Leon?“, fragte ich.
Herr Peters nickte traurig.
„Er hat mich jeden Tag besucht und mir zu Essen gebracht.“
„Lebte Leon hier im Wald?“
„Ja,“ sagte er leise.
„Und Sie? Leben Sie hier in der Nähe?“, bohrte ich nach.
Er drehte sich um und zeigte mit seinem Finger in die andere Richtung. „Da“
„Haben Sie Leon heute gefunden?“
Meine Fragen lauteten teilweise idiotisch, ich musste aber mit dem Mann wie mit einem Kind umgehen, denn er schien mir nicht ganz auf der Höhe zu sein. Der Mann nickte stumm und fing wieder an zu wippen. Die Erinnerung an das Gesehene wühlte ihn wieder auf. Ich konnte es nachvollziehen. So etwas grausames sah man nicht jeden Tag. Ich nahm die Hände des Mannes in meine um meine Dankbarkeit zu zeigen.
„Vielen Dank. Sie haben mir sehr geholfen.“
In seinen Augen konnte ich ein kleines Aufleuchten sehen. Er stand auf und ohne etwas zu sagen ging er. Ich hinderte ihn nicht daran, denn ich wusste, weit weg würde er nicht gehen.

Ich ging wieder zu meinen Jungs zurück.
„Konntest etwas erfahren?“, fragte mich Fritz.
„Nicht viel. Wie es scheint, hiess der junge Mann Leon und lebte hier im Wald.“
„Du meinst, er war obdachlos?“, fragte Alex.
„Ja, genauso wie Frank Peters, mit dem ich gerade gesprochen hatte.“
Fritz hielt mir seine Hand entgegen.
„Lasst uns ins Präsidium fahren. Hier können wir nichts mehr tun.“
Ich war auch nicht abgeneigt hier zu verschwinden. Auf dem Weg ins Auto wurde mir ein wenig schwindelig und ich stolperte beinah über meine eigenen Füsse. Zum Glück hielt Fritz mich auf, sonst wäre ich auf die Schnauze gefallen.
„Was ist mit dir?“, fragte mich Fritz besorgt.
„Falls du es schon vergessen hast,  haben wir heute noch nichts gegessen.“
„Aber deswegen kippt man nicht um,“ entgegnete Alex.
„Keine Ahnung, vielleicht bin ich einfach unterzuckert.“

Bevor wir ins Präsidium fuhren, machten wir einen Halt und aßen zu Mittag.
„Besser?“, fragte mich Alex.
„Und wie. Müsste ich länger hungrig herumlaufen, würde ich unausstehlich werden.“
Alex wollte noch irgendeinen blöden Spruch loslassen, hielt sich aber zurück. Wieso auch immer.

Zurück im Büro machten wir uns wieder auf die Arbeit...
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