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I'm the American Dragon (Arbeitstitel)

von PrincessJ
GeschichteFamilie, Fantasy / P12 / Gen
Der Große Jäger Fu Dog Luong Lao Shi
10.08.2014
29.03.2016
9
14.108
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10.08.2014 3.422
 
3 Wochen später

Mittlerweile hatten sowohl Gramps als auch ich uns an die Umstände gewöhnt. Das er meine Gedanken und Gefühle wahrnehmen konnte war so alltäglich, dass ich mich schon fast nicht mehr daran erinnern konnte, wie es ohne war. Wir mussten die ganze Sache nur noch unter Kontrolle bekommen. Denn zugegeben war es manchmal cool, wenn jemand sofort wusste was man braucht, doch andererseits, nervte es doch etwas rundum die Uhr die Gefühle von gleich zwei Menschen aushalten zu müssen.
Obwohl wir die Erste Hürde nämlich die Schmerzen des anderen Teilweise überwunden hatten, sodass ich glücklicherweise keinen Schmerz in meinen Füßen spürte, wenn ihm eine Kiste auf diese fiel und er ebenfalls kein ziehen merkte, wenn ich aus lauter langerweile Mal wieder in meinem Zimmer einen Spagat machte. Eine Erklärung hatten wir dafür auch. Fu hat sie gefunden, als wir, vor drei Wochen, meiner Mutter erklärten, dass ich von meinen Kräften wusste.
-Die Antwort ist genau so einfach wie selten. Normalerweise verlieren Drachen ihr Blut bei ihrer ersten Verwandlung nicht, denn die meisten werden nicht sofort Angegriffen. Sie sind dann zum Beispiel Zuhause oder friedlich im Park, ohne das Beisein von Monstern, und wissen was sie sind oder besser was sie werden. Es gibt zahlreiche Legenden über „das erste Drachenblut“. Eine der ältesten besagt, dass das erste Blut unverwundbar macht, aber das ist wahrscheinlich nur eine Legende. Aber eine der Legenden ist wahr. Sollte eine andere Person das Blut berühren entsteht eine Verbindung fürs Leben. Tja und diese Verbindung haben Großvater und ich seit April 2004.-
Ich packte grade meine Tasche als Fu durch die Tür kam. „Kleine wir müssen bald los“ „Ich bin ja gleich fertig“ „Wir bleiben doch höchstens 2 Tage. Wie viele Sachen brauch man da?“ „Sagt der Richtige“, ich streckte ihm die Zunge raus. Grade als Gramps in den Raum kam streckte Fu mir seine Zunge ebenfalls entgegen. „Habt ihr euch wieder lieb?“, fragte er spöttisch. „Sie hat angefangen!“, versuchte Fu sich zu rechtfertigen. „Du bist 600 Jahre alt und schiebst es ihr in die Schuhe?“, ich lachte und Großvater ging, ohne auf eine Antwort von ihm zu warten, nach unten zu meiner Mutter. „Du Kleines..“, sagte Fu, als ich an ihm, mit meiner Tasche auf dem Rücken, vorbeiging. Wieder streckte ich ihm die Zunge heraus, einfach um ihn etwas zu ärgern.
Im Wohnzimmer wartete Mom schon auf mich, um sich von mir zu verabschieden. Dad erzählten wir das Großvater mich ein paar Tage zu sich geholt hatte, damit er und Mom noch etwas Ruhe bekamen, bevor das Baby auf die Welt kam. „Pass auf dich auf ok, Süße?“, Mom gab mir einen Kuss auf die Stirn, da unser Taxi das uns zum Bahnhof bringen sollte noch nicht da war, ging ich in die Küche und holte mir eine Kleinigkeit zu essen. „Auf Drago sind hunderte Drachen. Ihr wird schon nichts passieren. Das verspreche ich dir.“, Gramps kam auf Mom zu und küsste sie auf die Wange. „Ich werde schon auf sie aufpassen“ „Das weiß ich doch, Dad“ Mom lächelte sanft.                                                                                                      
„Bist du aufgeregt?“ Ich nickte und guckte aus dem Fenster des Taxis. „Drago wird dir gefallen. Das verspreche ich dir.“ -Drago ist eine Insel am anderen Ende der Welt, auf der der Drachenrat ist. Deshalb sind wir auch dort hingefahren. Großvater musste klären, wär mein Drachen Meister wird. Natürlich wollte er es selbst machen, doch es gibt eine Regel von Familie und so. Doch so kampflos wollte er damals nicht aufgeben. Zum Glück...-
Als wir aus dem Taxi stiegen holte Gramps die Leine von Fu raus und machte sie an seinem Halsband fest, dass er, seid ich wusste das er sprechen konnte, so gut wie nie trug. „Wieso die Leine?“, fragte ich leicht verwirrt. „Bis wir auf Drago ankommen sind müssen wir Inkognito reisen.“
Fu gab ein künstliches bellen ab das ganz klassisch: „Wau! Wau!“ war. Entweder er wollte mich verarschen oder er war tatsächlich der einzige Hund der Welt der nicht bellen konnte. „Das war richtig schlecht.“, sagte ich lachend. “Mach es doch besser, Kleine.“ „Ich bin doch nicht der Hund.“ Fu und ich stichelten uns andauernd, seit er mit mir redete. Das war meistens echt lustig.
Wir standen vor den Gleisen und langsam wurde mir etwas bewusst: „Wir fahren mit dem Zug ans andere Ende der Welt?“ Großvater lachte: „Sei nicht albernd.“, ich atmete auf, „Wir fahren natürlich mit den Aufzug.“ Er zog mich vor einen Fahrstuhl und ich suchte mit den Augen schon die Kameras. „Das ist ein Scherz oder?“, doch Gramps drückte schon in einer verrückten Kombination die Tasten des Fahrstuhls und dieser öffnete sich.
Fu ging voraus, doch ich zögerte. In dem Fahrstuhl stand ein Troll, der höchstens 4 Zentimeter größer war als ich, mit einer Paschen Uniform. Ich guckte ungläubig zu Großvater, der gleich neben mir stand. Er schob mich in den Fahrstuhl und der Troll fing an zu reden.
„Wir begrüßen sie recht herzlich in unserem Zauberlift.“ Er grinste breit was sehr lustig aussah. „Bitte machen sie sich zur Abfahrt bereit.“ Er stellte sich auf eine Plattform. „Halt dich lieber fest, Kleine“ „Wieso?“ „Naja bis jetzt hat mein Freund Wirkreier seinen Namen alle Ehre gemacht.“ Er tätschelte sich den Bauch und ich wich einen Schritt zurück. Dabei stieß ich an Gramps, der sofort einen Arm um mich legte, um mich zu halten.
Die Fahrt dauerte wahrscheinlich nur ein paar Sekunden, doch die reichten völlig, um mein Gehirn durchzuschütteln. Ich spürte nur, wie der Boden unter meinen Füßen verschwand und wir mit einer riesigen Geschwindigkeit nach unten fuhren. Wie auch immer das Funktionierte. Ich kniff meine Augen zusammen, aber das machte es nur schlimmer. Gramps Griff verstärkte sich. Dadurch fühlte ich mich deutlich sicherer. Ich drückte mich noch enger an ihn. Grade als ich die Augen wieder öffnen wollte, blieb der Fahrstuhl stehen und die Türen öffneten sich und sofort spürte ich die Wärme der Sonne die hoch am blauen, fast wolkenlosen Himmel stand.
Ich musste ein paar Mal blinzeln, weil das Licht hier deutlich heller war, als das künstlich erzeugte in der New Yorker U-Bahn. Generell war es hier viel heller als in der Stadt. Natürlich war ich schon  auf dem Land, raus aus der Großstadt, aber hier war es anders. Obwohl ich an einen fremden Ort war, fühlte ich mich überraschend geborgen.
Wieder meldete sich der als Pasche verkleidete Troll: „Wir hoffen ihnen hat die Fahrt in unseren Zauberlift gefallen. Einen schönen Aufenthalt auf der Insel Drago.“ Wir stiegen aus dem Lift und guckten von einem Hügel aus auf eine Art Camp. Auf einer großen Grasfläche standen einen Haufen Zelte. Am Himmel flogen Drachen, während andere sich am Boden lachend unterhielten. Meine Augen wurden groß und ich guckte mich weiter um. In der Nähe des Camps gab es einen Strand mit Meer, wenn man genau zuhörte konnte man die Wellen, sogar aus dieser Entfernung, rauschen hören.
Großvater nahm meine Hand und wir setzten uns in Bewegung. Wir gingen auf einen Tempel ähnlichen Gebäude zu. Drachen, die ihre menschliche Gestalt angenommen hatten, verfolgten mich mit ihren Augen. Hatten sie etwa von mir gehört? Diese Verbindung, dieser Unfall das musste doch wichtiger sein als ich Anfangs dachte. Ich versuchte das nicht zu beachten, aber ich konnte ihre durchbohrenden Blicke förmlich Spüren.
Vor einer riesigen Treppe blieben wir kurz stehen und ich guckte nach oben. Der ganze Tempel schien aus purem Kupfer zu bestehen. Doch umso mehr Stufen, der schier endlosen Treppe, wir hinter uns ließen, umso besser sah man, dass dies nur Schein war. Anders, als ich erst vermutete, bestand der Tempel nicht aus Kupfer, sondern aus mysteriösen Steinen. Die Steine waren geprägt von Symbolen, die Hieroglyphen ähnelten. Ich war mir 100 prozentig sicher, dass es solche Steine in der „Menschen Welt“ nicht existierten. Diese Tatsache fand ich jedoch Schade. Die Art, wie die Sonne den Tempel zum Glänzen brachte, war nicht nur prachtvoll, sondern auch wunderschön.
„Der Rat hätte ruhig etwas Geld, dass sie hier reingesteckt haben, in einen Fahrstuhl investieren können.“, sagte Fu, der neben uns lief und schnaubte, als wäre er grade um sein Leben gelaufen. Er war mit Abstand einer der unsportlichsten Personen, die ich jemals gesehen hatte. Und das obwohl ich zugeben musste, dass der Aufstieg nicht unbedingt leicht war.
Umso mehr erstaunte mich, dass es meinen 51 jährigen Großvater überhaupt nichts auszumachen schien. Auch als ich Geistig versuchte Erschöpfung zu finden, hatte ich keine Chance. Es machte ihm also wirklich nichts aus.
Oben angekommen, drehte ich mich um und schaute hinab auf das Camp. Überall auf der riesigen Grasfläche standen große Zelte. Neben jedem Zelt wehte eine Flagge, die ein anderes Land symbolisierte. Wo man nur hinsah, erblickte man Drachen. Dabei waren sie entweder in ihrer Drachen- oder in ihrer Menschlichen Form. Es war ein erstaunlicher Anblick.
Gramps spürte das, denn er stellte sich neben mich und legte die Hand auf meine Schulter. „Es ist wunderschön. Nicht wahr, Schätzchen?“ „Ja, sowas haben ich noch nie gesehen.“ „Komm. Es wird Zeit.“, er drehte sich mit mir um und wir gingen in den Tempel.
Alles in ihm erstaunte mich. Die Bögen, mit den Mustern von Drachen, die alle in andere Räume führten. Die Statuen, die links und rechts neben den Bögen standen. Die Bilder und Portraits, die an den Wänden hingen, mit Dingen und Leuten, die ich nie zuvor gesehen hatte.
Erst als wir das Ende des Ganges erreichten, bemerkte ich, dass wir, seit wir in den Tempel gekommen waren, auf einen roten Teppich liefen. Wir standen vor einer gewaltigen, steinernen Tür. Als sie sich langsam und scheinbar von allein öffnete, griff ich nach Gramps Hand, bevor wir weiterliefen.
Der Raum erinnerte mich eher an ein Gericht und nicht an den Hauptsitz eines weltweiten Rates. Ein langer, edler Tisch mit fünf Plätzen stand vor einer Wand mit drei Scheiben. Sie waren riesig und schienen aus Glas zu bestehen, aber, da wir hier in einem magischen Raum waren, wollte ich mich nicht darauf festlegen. Gegenüber vom Tisch waren hunderte Sitze, als würde man Zuschauer erwarten.
Mit jedem Schritt, den wir näher kamen, rückte ich näher an Gramps. Er merkte schnell, dass ich nervös war und drückte meine Hand. Das wirkte jedoch nicht mehr. Grund für meine Nervosität, waren fünf Erwachsene auf den Plätzen hinter dem Tisch. Sie starrten mich an, musterten mich von oben bis unten. Vor allem eine ältere Frau, mit grauen Haaren. Sie schien ebenfalls aus China zu kommen, wirkte streng und grimmig aber auch sehr selbstsicher. Sie hatte viele Falten und guckte mich mit einem unbeschreiblichen Ekel an. Sie war mir vom ersten Moment an unsympathisch.
Die Meisten lächelten zwar ebenfalls nicht, aber wirkten auf mich viel offener. Mit Ausnahme von einem Ratsmitglied. Gramps hatte mir erklärt, dass jedes Mitglied einen Kontinent betreut.
-Ganz einfach erklärt ist es so. Ich und andere, ausgewählte Drachen, so wie Gramps früher, betreuen und beschützen unser Land. Und die Hohen Mitglieder des Rates, betreuen wiederum uns. Sie haben bei jeder wichtigen  Entscheidung das letzte Wort.- Es gab den asiatischen, den afrikanischen, den europäischen, den nord- und südamerikanischen und den antarktischen Drachen. -Damals gab es den australischen Drachen noch nicht.- Aufjedenfall, konnte ich aus dieser Information herausnehmen, dass der Mann, der mich anlächelte, der afrikanische Drache war. Er war circa 30-40 Jahre alt. In einer typischen afrikanischen Robe.
Nach diesen Gedanken merkte ich, dass jedes Mitglied in eine Robe gehüllt war. Jede von ihnen in den typischen Farben und Mustern ihres Kontinents. Wir blieben ein paar Meter vor dem Tisch stehen.
Gramps ließ meine Hand los. Ich guckte den Mann, der mich immer noch anlächelte, an und ich erwiderte seinen freundlichen Ausdruck. Ich guckte mir die restlichen Anwesenden an, die nun, als sie mein Lächeln sahen, ihren harten Blick entschärften. Alle, bis auf diese eine Frau, die mich offensichtlich versuchte, mit ihren Blicken zu töten.
„Lao Shi!“, sagte die grimmige Frau mit einem verbitterten Ton in der Stimme. „Es ist schön euch beide Gesund zu sehen.“, sagte ein etwas älterer Mann mit schneeweißen Haaren. Er saß nicht auf seinen Platz, so wie die anderen, sondern stand neben den Tisch. „Das haben wir ich zu verdanken.“, sagte Großvater und guckte kurz zu mir.
Mein Lächeln war verschwunden. Ich wirkte nun schüchtern und unsicher. Grund dafür, war weiterhin diese komische Frau. „Lao Shi, du musst zugeben, dass wenige von dem du uns berichtet hast, hört sich“, er suchte nach den richtigen Worten, „unglaublich an.“
„Aber es stimmt!“, versuchte ich ihn zu verteidigen. „Sprich, wenn du gefragt wirst!“, knurrte die Grauhaarige.  „Chang! Sie ist noch ein Kind.“, verteidigte mich wiederum der afrikanische Drache. Die Frau hieß also Chang. „Wir würden dich bitten, uns die Ereignisse noch einmal komplett zu erläutern.“, fuhr der Mann mit den weißen Haaren fort, als hätte er Changs Worte nicht gehört.
Ich betrachtete ihn genauer und kam zu der Erkenntnis, dass er der antarktische Drache sein musste. „Ratsmitglied Andam.“, fing der freundliche Mann an und erhob sich von seinen Platz, „Ich glaube die Kleine sollte nicht dabei sein. Sie hat fürs Erste genug durch gemacht.“ „Da habt ihr wohl Recht, Kulde.“
Andam und Kulde. Nun kannte ich schon drei der fünf Anwesenden beim Namen. Kulde ging auf mich zu, kniete sich vor mich hin und reichte mir die Hand. Ich guckte unsicher zu Großvater. Er nickte kurz: ‚Keine Angst‘. Ich legte meine Hand leicht zögernd in seine. Sie wirkte so winzig. Kulde lächelte mich vertrauenswürdig an und führte mich in einen der unzähligen Räume im Tempel.
Er war komplett leer. Ich setzte mich auf einen roten Stuhl Mitten im Raum. Wie immer im Schneidersitz. „Warte bitte hier. Ich werde dich dann holen.“ Ich nickte. Als er weg war, versuchte ich sofort Kontakt zu Großvater aufzunehmen, vergebens. Egal wie sehr ich mich auch anstrengte, ich konnte ihn zwar spüren, aber nicht hören. Ich tröstete mich damit, dass wir die Verbindung wahrscheinlich noch ausbauen konnten.
Der Raum bot nicht viel zu sehen. Rote Sitze an den Wänden verteilt und in der Mitte der Platz, auf den ich saß. Es dauerte nicht lang und ich langweilte mich. Ich merkte erst jetzt, dass ich immer noch meinen Rucksack, den ich auf die Insel mitgenommen hatte, auf den Rücken trug. Ich holte ein weißes Blatt und einen Stift heraus. Doch ich malte nicht. Nicht, dass ich nicht gewusst hätte, was ich malen sollte. Viel eher, weil mir was Entschiedenes fehlte. Konzentration. Ich wusste, ich hätte es im Augenblick nicht einmal geschafft auch nur einen graden Strich zu zeichnen.
Es entschied sich in den nächsten Minuten, wer mich Ausbilden sollte. Und natürlich wollte ich, dass Gramps das übernahm, doch ich wusste, dass nur der Rat dies entscheiden konnte. Ich brauchte etwas um mich abzulenken. Ich seufzte und erschrak, als ich sah, dass ich Feuer spie. -Ich hatte es damals noch nicht so gut unter Kontrolle.-
Plötzlich kam mir eine Idee. Ich spie eine Feuerkugel in meine Hand und dachte mit aller Kraft an eine Elfe. Das Feuer verformte sich und bildete das Abbild jener. „Wow!“, flüsterte ich. Auf meiner flachen Hand schwebte nun eine kleine Feuerelfe. Ich versuchte es nochmal. Dieses Mal mit einem Oger. Ich ließ beide in die Luft steigen und schon bald tanzte die kleine Feuerelfe um den Oger. Ich war erstaunt und freute mich, dann ich etwas so schönes erschaffen konnte.
Und bald kam mir die Idee, ein Spiel daraus zu machen. Ich erschuf viele kleine Magische Wesen aus Feuer. Zwei kleine Armeen standen sich gegenüber. Auf den Boden schaffte ich es ein Feld mit vielen Vierecken zu bauen. Ich unterschied die Figuren, indem ich die einen mit einem kräftigen, dunklen Feuer erschuf und die anderen mit einer schwächeren, helleren Flamme.
Ich musste mich sehr konzentrieren, damit das Feuer nicht außer Kontrolle geriet. Auf das Blatt schrieb ich die Regeln. -Und das, obwohl ich erst in ein paar Monaten eingeschult werden sollte.- Es war so, als würde ich mir das alles nicht ausdenken, sondern mich bloß erinnern.
Ganz vorne stand eine Reihe voller Trolle. Dahinter, an den Ecken des Spielfeldes, jeweils ein Drache. Die Wichtigste Figur, war der Zauberer. Wenn er zerstört wird, ist das Spiel entschieden. Da ich allein war, und das Spiel für zwei bestimmt war, spielte ich mit mir selbst. Keine Ahnung wie lange ich spielte.
Ich war zu sehr damit beschäftigt mich auf das Spiel zu konzentrieren. Schon allein das Feuer zu kontrollieren war anstrengend genug, aber die Regeln gleichzeitig zu beachten, die ebenfalls nicht so einfach waren, war wirklich kein Kinderspiel. Deshalb bemerkte ich Kulde nicht, als er kam um mich zu holen.
Er wirkte erschrocken, als er das Feuer sah. -Woher ich das wusste, ohne, dass ich ihn sah? Eine tolle Geschichte.- „Was machst du da?“, fragte er mit Neugier, anstatt Wut in der Stimme. Ich drehte mich erschrocken um und das Feuerspiel verpuffte. So schnell, als wäre es nur ein Traum gewesen. Ich guckte von Kulde zum Spiel und dann wieder zu ihm. „Ich… Ich hab gespielt.“, sagte ich zögernd, da ich dachte, ich würde Ärger bekommen. Doch stattdessen  setzte er sich neben mich und sagte: „Erklär es mir.“
Ich zeigte ihm das Blatt mit den Regeln und erschuf erneut die Feuerwesen. Kulde hörte mir konzentriert zu, als ich die Wesen bewegte. Nach dem ich fertig war und ihm die Regeln erklärt hatte, schwieg er eine gefühlte Ewigkeit. Dann fragte er nur: „Seit wann kannst du Schach?“ Ich guckte fragend von den Feuerwesen, die grade nacheinander verpufften, zu ihm. „Was ist Schach?“ Er guckte mich leicht verdutzt, jedoch überwiegend belustigt an und ging in Richtung Tür.
Ich nahm meinen Rucksack und folgte dem großen Mann, der meine Hand nahm, als ich neben ihn stand, zurück zu den Gerichtsähnlichen Raum. Als wie hineingingen, waren sämtliche Augen auf uns gerichtet. Ich ging sofort zu Gramps, den neben Fu, einzigen vertrauten Gesicht auf der gesamten Insel.
Umso näher ich ihm kam, desto klarer konnte ich wieder seine Gedanken hören, was mir ein Gefühl der Sicherheit gab. ‚Wie ist es gelaufen? Darfst du mich ausbilden? ‘ Kein Lächeln. Also werde ich einen Fremden zugewiesen.
Ich senkte traurig den Kopf. Großvater legte den Arm um mich. Ich hätte am liebsten geweint, denn ich spürte nicht nur meine Trauer, sondern auch seine. Ich guckte zum Rat. In jedem Gesicht sah ich Mitleid. Außer, wie erwartet in Changs, die fies grinste und dabei ihr Kinn trotzig anhob.
Kulde ging auf Andam zu, sodass ich sein Gesicht nicht sehen konnte. Er flüsterte ihm etwas ins Ohr. Der alte Mann guckte, als könnte er nicht glauben, was er da grade hörte. Er nickte, nachdem Kulde fertig zu sein schien. „Melody“, ich schaute in sein optimistisches Gesicht, „würdest du dem Rat bitte dein Spiel erklären?“ Ich war zwar etwas verwirrt aber tat was er mir sagte.
Ich ging ein paar Schritte auf den Rat zu und kniete mich hin. Zuerst erschuf ich das Spielfeld, dann die Feuerwesen und erklärte ein weiteres Mal die Regeln. Ich achtete während dessen nicht auf mein Umfeld, sondern nur das Spiel. Doch als ich fertig war und mich umsah, sah ich in wirklich jeden Gesicht erstaunen. Selbst in Changs.
Der Erste, der die Ruhe zerstörte, war Gramps. „Du kannst Schach?“ „Was ist denn dieses Schach?“, alle redeten plötzlich von diesen „Schach“ Ding, aber niemand wollte mir sagen, was das war. „Melody, weißt du was du da grade getan hast?“ Ich schüttelte den Kopf. Ich habe doch bloß gespielt und nun guckten mich alle an, als hätte ich eine Bank überfallen. „Aus Feuer solche Figuren zu erschaffen, dass schaffen nur trainierte und erfahrende Drachen. Woher  kannst du das?“ Ich dachte kurz nach. „Mir ist das plötzlich eingefallen.“ Und doch, es fühlte sich ein weiteres Mal so an als würde ich mich erinnern.
Ich spürte etwas in mir, was nicht von mir auskam. Als wäre ich bei etwas erwischt worden. Ratsmitglied Kulde guckte jeden der restlichen Mitglieder an. Nacheinander nickte jeder mit dem Kopf. „Wollen wir wirklich wegen solch einer Nichtigkeit eine unserer obersten Regeln brechen?“, warf Chang ein. „Nein.“, begann Andam. „Wir tun es einfach.“, beendete Kulde den Satz.
Ich guckte auf und meine Augen fingen an zu leuchten. Fu, der sich die ganze Zeit überraschend ruhig verhalten hatte, stieß einen Freuden Schrei aus. Und auch Großvater, der sich Äußerlich zwar beherrschte, war von Innen fast nicht mehr zu halten. Unsere Freude wurde jedoch schnell unterbrochen, als Chang sagte: „Vergiss nicht, Lao Shi, das ist nur ein Probelauf. Nur ein Modell.“ „Sie wird jede Herausforderung meistern. Davon bin ich überzeugt.“ „Ihr dürft nun gehen.“, beendete Andam die Sitzung. Doch bevor wir gingen, schaute ich tief in Kuldes dunkle Augen. „Danke“, formte ich mit meinen Lippen. Er nickte.
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