I'm the American Dragon (Arbeitstitel)

von PrincessJ
GeschichteFamilie, Fantasy / P12
Der Große Jäger Fu Dog Luong Lao Shi
10.08.2014
29.03.2016
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10.08.2014 1.561
 
Wie alles anders wurde

New York, 2004
-Alles begann als ich 6 Jahre alt war-.
Ich saß auf meinem Bett und wartete auf meine Mom. Sie war schwanger. In 2 Monaten sollte meine kleine Schwester auf die Welt kommen und ich freute mich schon.
Meine Eltern natürlich auch, aber mein Dad war ziemlich gestresst. Er war, wie Mom es liebevoll umschrieb, ein „kleiner Tollpatsch“. Er versuchte grade die Wände im Zimmer meiner Schwester zu streichen.
Ich musste nicht dabei sein um zu wissen, dass er zum 3. Mal in den Farbtopf gefallen war. Das Baby würde direkt gegenüber von meinem Zimmer schlafen. Das fand ich super, obwohl Dad meinte, dass das irgendwann Probleme geben könnte. Nur weil er mit seiner jüngeren Schwester hier aufwuchs dachte er, er wäre beim Thema „Geschwister“ ein Experte.
Mom konnte ich so was nicht fragen, da sie keine Geschwister hatte. Meine Großmutter starb eine Woche nach ihrer Geburt und seit dem hat mein Großvater nicht mehr geheiratet.
„Hast du alles, Süße?“ Ich bemerkte sie zuerst nicht. "Melody", ich blickte auf und sah meine Mom mit einem kichern ins Zimmer kommen und wie sie sich neben mich auf das Bett setzte. „Gleich“, ich saß schon seit einer viertel Stunde hier, malte und sang vor mich hin, wie immer.
Mom starrte mit ihren dunklen Augen auf meine Zeichnung. Die schwarzen Haare reichten ihr bis zu den Schulterblättern, wie bei mir. Nur das ich Brünett war. Das hatte ich bestimmt von meinem Vater.
„Wer ist das?“, fragte sie mich, ohne von der Zeichnung aufzugucken. Für meine 6 Jahre konnte ich echt gut zeichnen. Viele dachten, dass ich Hochbegabt war. Natürlich nicht nur wegen dem malen.
-Damals konnte ich schon 2 Sprachen fließend sprechen-. Das glaubte ich aber nicht.
„Ich weiß nicht.“ „Woher kennst du sie?“ „Tue ich nicht. Ich glaube ich habe mal von ihr geträumt.“ Den Gesichtsausdruck meiner Mom werde ich wohl nie vergessen.
-Dieses Bild gibt es immer noch. Hätte ich damals gewusst was es damit auf sich hat, hätte ich ihre Verwirrung besser verstanden-. Ich mochte das Bild. -Und mag es immer noch. Ich finde die Frau immer noch wunderschön-.
Sie hatte lange, braune, etwas lockige Haare, dunkle Augen und ein perfektes Lächeln. Sie war Chinesin, doch von dem wenigen das man von ihrem Outfit sehen konnte, bemerkte man, dass der amerikanische Stil zum Vorschein kam.
-Wie gesagt, wenn ich damals gewusst hätte was das bedeutet. Ich wäre auch verwirrt gewesen.-
Sie lenkte schnell vom Thema ab. „Komm. Großvater wartet sicher schon.“                                                                                               
Ich liebte es zu Großvater zu gehen. Dort war ich jeden Tag. Das war schon immer so. Sogar als Baby habe ich mich gefreut, wenn er da war. Als wir in Chinatown einbogen kamen mir sofort, durch das offene Autofenster, die bekannten Gerüche in die Nase die ich schon seit meiner Geburt kannte.
Warum Chinatown? Hier lebte mein Großvater. Er zog 1973 mit meiner Großmutter aus China her. Hab ich das noch nicht erzählt? Ja, ich bin Chinesin. Eigentlich Halbchinesin, Dad ist Amerikaner. Das finde ich eigentlich ganz cool. Ich spreche auch chinesisch. Das habe ich von Großvater gelernt. Er spricht mit mir so schon seit ich auf die Welt kam.
„Großvater!“ Ich rannte in seinen Laden und auf ihn zu und er umarmte mich. Mom kam jetzt auch rein. Seit ein paar Wochen brauchte sie etwas länger als sonst. Großvater meinte, dass es an ihrer Schwangerschaft lege.
„Susan.“, sagte er lächelnd als er von meiner Umarmung aufguckte und meine Mutter sah. Mom lächelte ihren Vater ebenfalls an, kam auf uns zu und umarmte ihn auch.
Er war viel kleiner als sie, ungefähr 1,50 Meter, während Mom normal gewachsen war. Großvater trug stets eine blaue Robe und hatte einen typischen chinesischen Bart, der ebenso weiß war wie seine Haare.
„Wie geht es euch?“, das sagte er seit Mom’s Schwangerschaft immer. Er meinte mit  ‘euch‘ sie und das Baby. Anstatt einer Antwort setzte sie sich auf die Couch und holte ein Ultraschallbild heraus. Großvater deutete mir mich auch auf die Couch zu setzten.
Er betrieb einen kleinen Elektronikladen. Obwohl er arbeiten musste hat er ständig für mich Zeit. Wenn man in den Laden kam erinnerten nur die Kasse auf dem Tresen, die Schaufenster und die Geräte in den Regalen an einen Laden. In dem Raum gab es nur 2 Türen, die Eingangstür und eine mit einem Vorhang verhangene Hintertür, damit keiner in das Hinterzimmer, dass direkt in Großvaters Wohnung führte, hineinsehen konnte.
Mom zeigte ihm die Bilder und ich sah ein deutliches Lächeln auf seinen Lippen. Laut Mom kann man vieles über ihn sagen, aber er ist sehr liebevoll. Vermutlich bin ich deshalb so gerne bei ihm.
Die beiden unterhielten sich noch, doch ich hörte nicht mehr zu in Gedanken, war ich ganz wo anders. Ich nahm nur ein Lächeln meiner Mutter war, der Grund dafür war bestimmt das Baby.
„Mel?“, die Stimme meines Großvaters riss mich aus meinen Gedanken. Verdutzt guckte ich ihn an. „Gehst du schon mal nach hinten? Fu wartet sicher schon.“
Fu war Großvaters Hund. Er war ein chinesischer Faltenhund. Er hatte graues Fell und wie der Name schon sagte hatte er sehr viele Falten. Großvater hatte ihn schon seit… Um ehrlich zu sein, wusste ich es nicht. Auf jeden Fall war er schon da, als ich geboren wurde.
Ich stand also auf, schnappte mir meine Tasche, die ich neben die Theke gestellt hatte und ging nach hinten. Kaum war ich hinter den Vorhang verschwunden, fing Mom an zu flüstern.
Ich gebe es zu. Ich war Neugierig. -Und bin es immer noch-. Also lauschte ich heimlich.
„Wie kann das sein?“, hörte ich Mom deutlich verwirrt flüstern. Erst jetzt fiel mir auf, dass sie schon vorhin so komisch leise gesprochen hatte. „Glaubst du wirklich, dass…“ „Wer sollte es sonst sein? Dad, guck sie dir doch mal an, sie ist es!“, ich schaute unbemerkt durch den Vorhang und sah die beiden, immer noch auf der Couch sitzend, mit einem Blatt Papier in der Hand meiner Mutter. „Ich weiß doch wie sie aussieht. Aber woher sollte sie wissen, wie…“, wieder unterbrach sie ihn. „Ich weiß es nicht! Ich bin mir sicher, dass sie sie noch nie gesehen hat.“, warf Mom ein. „Und was ist, wenn sie sich selbst als Erwachsene gemalt hat? Du weißt doch, wie ähnlich sie sich sehen.“, er seufzte, nahm Mom das Bild aus der Hand und betrachtete es. Dabei sah er aus als würde er sich an etwas erinnern.  „Nein, das glaube ich nicht. Dann hätte sie es gesagt, aber sie meinte, dass es eine fremde Frau ist.“ Mehr bekam ich nicht mit, denn Fu stupste mich ans Bein. Ich erschrak aber konnte einen Aufschrei unterdrücken. Das tat er immer. -Das stupsen meine ich-. Ich mochte es nicht, wenn Hunde bellten. Ich fand sie dann so „böse“. Das wusste er, glaubte ich, denn er machte es nie. Zumindest nicht, wenn ich in der Nähe war. Fu bellte nur, wenn er mich beschützen wollte. -Doch damals wusste ich noch nicht vor was er mich beschützen wollte-.
„Hey“, ich lächelte, beugte mich zu ihm und kraulte ihm den Kopf. Fu legte sich auf den Rücken und genoss sichtlich seine Streicheleinheiten.
Ich versuchte wieder etwas vom Gespräch zwischen meinen Großvater und meiner Mutter mitzubekommen, aber das funktionierte nicht mehr. Entweder sie waren zu leise oder sie hatten ihr Gespräch beendet.
„Süße? Sagst du mir noch Tschüss?“ Mom hatte schon ihre Jacke angezogen, aber saß immer noch auf der Couch mit der Hand auf ihren Baby Bauch. Ich stellte mich neben ihr auf die Couch. Erst jetzt war ich groß genug um ihr in die Augen zu gucken. Ich umarmte sie und sie gab mir einen Kuss, dann stand sie auf und verabschiedete sich von Großvater.
Mir fiel in diesem Moment auf, dass auf dem Tisch ein Blatt Papier lag, dass vorher noch nicht dort lag. Wahrscheinlich war es das worum es in ihren Gespräch ging. Grade als ich es mir angucken wollte, lenkte Großvater mich ab. „Willst du nicht was malen gehen?“ „Und was machst du?“ „Ich komme gleich nach“, er lächelte mich an und streichelte mir kurz über mein Gesicht.
Ich ging also wieder nach Hinten, doch ich drehte mich noch einmal unbemerkt um. Großvater stand mit dem Blatt in der Hand neben der Couch und betrachtete es mit einem Lächeln im Gesicht. Ich lächelte auch, drehte mich wieder um und schnappte mir meinen Rucksack.  
Als Großvater in den Raum kam saß ich, wie jedes Mal, wenn ich malte, in den roten Sessel, der farblich überhaupt nicht in den Raum passte.
Die nächsten Stunden verbrachten wir wie immer redend nebeneinander. Mittlerweile saßen wir zusammen auf der Couch. Dabei taten wir etwas, was Dad jedes Mal verwirrte, für uns aber die normalste Sache der Welt war. Während wir redeten wechselten wir immer zwischen Englisch und Chinesisch.
So saßen wir also da. Ich im Schneidersitz mit meinen halbvollem Block und einen frisch angespitzten Bleistift und Großvater einfach nur daneben mit den Blick auf meinen Block.
Wir redeten über verschiedene Themen, dabei ständig zwischen den beiden Sprachen wechselnd. Wir aßen und Gramps reparierte noch ein kaputtes Radio bevor er sich wieder neben mich auf die Couch setzte. Bis er nur meinte: „Wollen wir noch schnell mit Fu Gassi gehen?“
-Den Satz sollte er später bereuen und hätte ich gewusst, was mich erwartete, dann wäre ich darüber wahrscheinlich weniger froh gewesen.-
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