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Der Teufelskreis

von Drakorn
GeschichteDrama, Angst / P16 / Gen
10.08.2014
10.08.2014
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Hallo Leute! Nachdem diese Story offenbar so gut auf der Nippon Nation ankam, dachte ich, ich veröffentliche sie hier einmal. Ich bin gespannt, was ihr davon halten werdet. Ich wollte einfach mal die legendären Drachenältesten etwas näher unter die Lupe nehmen, und kam dann auf diese Idee. Viel Spaß!

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Der Teufelskreis

Der Regen prasselte ohne Gnade auf den glatten, kahlen Steinboden der riesigen Klippe. Der Wind heulte hier oben so stark, dass er sich schon anhörte wie das wütende Brüllen eines Tigrex. Er schien nur darauf zu warten, ihn zu packen und in den tiefen Abgrund zu werfen.

Er selbst war schon mehr als durchnässt. Nicht einmal seine Rathalos Rüstung schützte ihn nun vor dem gnadenlosen Himmelswasser. Immer wieder wurde er von einer Windböe beinahe über den Rand der Klippe gestoßen, doch immer konnte er sich im letzten Moment zurückdrücken. Nein, er war nicht so lange hier hinauf gereist um jetzt hinunter zu stürzen.

Lange genug hatte er diesen Ort gesucht. Lange genug hatte er letztendlich gebraucht um überhaupt hierher zu kommen. Und lange genug hatte diese Bestie schon Unheil über sein Land gebracht. Das musste nun endlich aufhören.

Mit immer größer werdender Nervosität blickte er in das riesige dunkle Loch in der Felswand, durch das er nun gehen musste. Dies war also sein Versteck, wo er sich all die Jahre über verkrochen hatte. Und nun war die Zeit der Vergeltung gekommen.

„Also dann“, sagte er sich und blickte auf das silberne Schwert in seiner Hand; „Ich hoffe, du hältst was du versprichst.“ Dann nahm er all seinen Mut zusammen und betrat die schwarze Höhle.

Schweißgebadet und mit pochendem Herzen erwachte Erin in seinem Bett. Sein Herz pochte nicht nur, es fühlte sich so an, als würde es ihm jeden Moment aus seiner Brust springen wollen. Seine schwarzen Haare klebten in seinem Gesicht. Er keuchte laut auf und tastete nach seinem kleinen Wasserkrug. Als das kühle Nass seine Kehle hinunterrann, beruhigte er sich ein wenig.

An Schlaf war in dieser Nacht nicht mehr zu denken, so viel war ihm klar. Dafür gingen ihm nun zu viele Dinge durch den Kopf. Schon wieder dieser Traum. Schon wieder diese Erinnerung an das Vergangene. Er wollte diese Zeit einfach nur vergessen, aber wie sollte er, wenn er in letzter Zeit jede Nacht damit aufs Neue konfrontiert wurde?

Langsam erhob er sich aus seinem Bett und ging unruhig in dem kleinen Raum hin und her. Er wusste nur zu genau, was diese Träume für ihn bedeuteten. Aber das konnte doch nicht sein. Diese Worte, die er vor solch einer langen Zeit gehört hatte konnten doch nicht tatsächlich stimmen.

Oder konnten sie es womöglich doch? Alle jetzigen Anzeichen schienen zu allem Unglück gegen ihn zu stimmen. Wenn diese Worte tatsächlich wahr sein sollten, dann war er verloren, und das rettungslos. Nichts und niemand würde ihm dann mehr helfen können.

Er blieb vor dem kleinen Wandspiegel stehen, der in seinem Zimmer hing. Das fahle Mondlicht, das durch das kleine Fenster hereinwehte spendete ihm genug Licht. Er sah einfach nur elend aus. Sein Gesicht war nass vor Schweiß, seine Augen waren angeschwollen und seine Haut war so weiß wie der kälteste Schnee im hohen Gebirge.

Seit Wochen schon war er krank gewesen. Zuerst hatte es nur mit einigen leichten Schwindelanfällen begonnen, doch jetzt war es das hier. Ein neuerliches Brennen in seiner Kehle ließ ihn vermuten, dass auch damit etwas nicht stimmte.

Erin keuchte erneut auf. Wann würde das endlich vorbeigehen? Seit Tagen schon wollte er niemanden mehr sehen. Er hatte sein Schwein weggeben müssen, da er sich nicht mehr gut darum kümmern konnte, und seine Felynes kamen nur einmal am Tag um ihm wenigstens etwas zu Essen zu bringen.

Und vor einer Woche hatten die Träume angefangen. Bisher hatte er sich die ganze Zeit gefragt, woher diese plötzliche Krankheit kommen konnte. Jetzt, nach all diesen Nächten des Schreckens, bot sich ihm eine Erklärung. Aber die war so schrecklich, dass er beim bloßen Gedanken daran zitterte.

Nicht einmal das Licht seiner Fackel konnte Erin dabei helfen sich wirklich genau umzusehen. Es schien fast so, als hätte die Finsternis selbst Besitz von dieser Höhle ergriffen. Diese mächtige Dunkelheit konnte doch gar nicht bloß natürlich sein.

Auch war es hier sehr kalt. Natürlich, in allen Höhlen, in denen er bis jetzt gewesen war, war es kalt, aber diese Art von Kälte hatte er nie zuvor gespürt. Sie drang mühelos durch den Panzer seiner Rüstung, direkt in ihn hinein, bis hin zu seinem Herzen. Diese Kälte erfüllte ihn mit einer unnatürlichen Furcht.

Doch immer wenn Erin umkehren wollte, immer wenn die Furcht beinahe vollständigen Besitz von ihm ergriffen hatte, konnte er sich noch ein letztes Mal dagegen anstemmen. Und so setzte er den Weg fort.

Mit jedem weiteren Schritt spürte Erin, wie die Finsternis immer mehr an Macht gewann. Er wusste, es war SEIN Werk. Er tastete nach dem Schwert. Kaum hatte er es berührt, spürte er wieder Hoffnung. Und wenn er dem Schatten gegenübertrat, so war diese Hoffnung entscheidend. Vielleicht war sie seine Rettung, wenn das Schwert doch versagen würde.

Nach einer weiteren Ewigkeit, wie es ihm schien, spürte er plötzlich einen kalten Wind, der aus dem inneren des Berges zu kommen schien. Er atmete tief durch um die Nervosität unterzudrücken. Sein Herz fing an zu pochen. Das war nicht gut. Er würde diese Nervosität spüren und sie gegen ihn ausnutzen.

Nach einigen weiteren Minuten öffnete sich plötzlich der große Gang, durch den er schon so lange ging und mündete in einem gewaltigen Raum. Eigentlich war es kein Raum, sondern ein riesiger dunkler Schacht. Die einzige Lichtquelle, die hierher durchdrang war eine eher kleinere Öffnung in der Decke. Das musste wohl die Spitze des Berges sein.

Erin tat einige Schritte in den gewaltigen Raum. Er befand sich ganz offensichtlich am Boden des Schachts der so aussah wie eine gewaltige schwarze Halle.  Riesige Stalagtiten hingen von der scheinbar unerreichbar hohen Decke hinab und unzählige Stalagmiten ragten aus dem kalten Boden empor. Und auf allem lastete die immerwährende Finsternis, die ER heraufbeschworen hatte.

„Also gut“, flüsterte Erin und atmete tief durch; „Es wird Zeit. Zeige dich.“

Nach einigen weiteren Minuten, in denen er fieberhaft überlegt hatte, was er nun als nächstes tun sollte, öffnete Erin die kleine Holztür seiner Hütte und trat hinaus in die Nacht. Die warme Sommerluft des Dorfes Kokoto wehte ihm entgegen. Er atmete leise ein. Doch sofort musste er wieder husten. Dieses Mal war es ein so starkes Husten, dass er in die Knie ging. Er gurgelte erbärmlich und spuckte aus. Als er die Augen wieder aufmachte, sah er Blut vor sich auf der Erde.

Wankend erhob er sich. Es ging ihm wirklich elend. Doch zurück ins Haus konnte er nicht. Ein schrecklicher Widerwillen stieg in ihm hoch, wenn er auch nur daran dachte. Er war schon viel zu lange darin gewesen, ein Gefangener im eigenen Heim.

Als er zum Mond empor blickte spürte er ein seltsames Gefühl. Er konnte es nicht richtig deuten, aber es war dennoch da. Er fühlte sich, als ob diese Nacht etwas verändern würde. Und tief in sich wusste er, dass diese Veränderung nichts gutes bringen würde.

Seine Schritte lenkten ihn hinter seine Hütte, in den verlassenen kleinen Garten. Dort steuerte er auf den kleinen Felsen unter dem großen Baum zu. Die dünne Mulde war immer noch zu sehen. Von dort hatte er damals das Schwert aus dem Stein befreit, nachdem er die Gefahr des Dorfes, den Rathalos, endgültig besiegt hatte. Damals hatte er sich noch wie ein richtiger Jäger gefühlt, doch jetzt...jetzt fühlte er sich wie ein echtes Wrack.

Eine lange Zeit geschah nichts. Erin tat einen Schritt vor den anderen, die ganze Zeit auf das Schlimmste gefasst. Doch nichts geschah. ER war nicht hier. Oder wollte er nur nicht herauskommen? Endlich fasste Erin seinen Mut zusammen. Er trat in den kleinen beleuchteten Teil der Halle, den Teil auf den das Licht aus der Öffnung oben fiel.

„Ich bin hier!“ rief er; „Lange suche ich dich schon, Drachenältester! Ich weiß genau, dass du hier bist. Dein dunkles Gift ist überall hier zu spüren! Zeige dich! Ich weiß doch, dass du es willst! Zeige dich, denn dein Ende ist nah!“ Stille, Totenstille. Wut stieg in Erin auf. Das konnte doch gar nicht sein. Sollte am Ende all dieser Weg umsonst gewesen sein? All diese Strapazen sollten grundlos gewesen sein?

Plötzlich veränderte sich die Atmosphäre im Schacht. Um Erin herum schien es auf einmal immer dunkler und dunkler zu werden. Eine bleierne Kälte, viel schlimmer als die Kälte die ohnehin schon da war, senkte sich über den gesamten Raum. Ein flüsternder Wind fegte durch den Berg und blies Erin die Fackel aus. Da sie nun nutzlos geworden war, warf er sie weg. Sie würde ihn nur behindern. Und dann...sah er ihn. Die dunkelste Ecke des Schachtes schien plötzlich die gesamte Finsternis des Berges zu sich herzuziehen. Die Dunkelheit dort wurde immer schwärzer und schwärzer. Erin spürte ein leichtes Angstgefühl, versuchte es aber so gut es ging zu verdrängen.

Langsam begann sich aus der Finsternis eine Gestalt zu formen. Es sah so aus, als würde die gesamte Schwärze sich zu einem Körper aus Fleisch und Blut verformen. Und die Gestalt wuchs. Sie bekam immer mehr Konturen. Erin konnte in kürzester Zeit vieles erkennen. Er sah den langen, reptilienartigen Leib, er sah die riesigen pechschwarzen Schwingen, er sah den langen Schweif der jeden Gegner mühelos wegschlagen konnte...und er sah die Augen. Diese Augen...so rot wie die Flammen der Vulkane. Pure Finsternis und Mordgier sprachen aus ihnen, und sie sahen ihn direkt an.

Wirklich raffiniert, flüsterte eine Stimme in Erins Kopf; Nach all der Zeit hast du mich also endlich aufgespürt. In dieser Stimme spürte Erin alle Verachtung, die er selbst für dieses Wesen empfand. Sie hörte sich an wie eine Stimme, die direkt aus dem Grab zu kommen schien. Dunkel, kalt, röchelnd, aber auch mächtig.

„Ich bin hier“, sagte Erin; „So, wie ich es dir versprochen habe, Fatalis.“ Der große schwarze Drache trat aus dem Schatten heraus. Die roten Augen schienen Erin geradewegs in die Seele zu starren.

Es stimmt, du hast mich gefunden, sagte Fatalis; Aber glaubst du tatsächlich, dass dies was ändern wird, Jäger? Wir beide wissen doch ganz genau, was das letzte Mal passiert ist, als wir zwei uns begegnet sind. Erin erinnerte sich. An diesen Tag würde er sich immer erinnern. Alles, was ihm lieb und teuer gewesen war, hatte der Drache ihm gestohlen. So lange her schien es zu sein, und trotzdem spürte Erin immer noch den Schmerz, noch immer spürte er den Hass gegen dieses Monster.

„Ich erinnere mich, ja“, sagte er; „Aber das war vor vielen Jahren! Ich war unerfahren und töricht. Das hat ein Ende. Nun bin ich ein Jäger, ich wurde ausgebildet um dich zu töten!“ Er hörte ein schallendes Lachen in seinem Kopf. Es war kalt, freudlos und durch und durch verdorben.

So redet ein Besessener, sagte Fatalis; Du magst viele Jahre der Ausbildung gehabt haben. Aber was gibt dir die Hoffnung, dass du mir jetzt gewachsen bist?

„Vielleicht das hier!“ rief Erin und zog sein Schwert. Beim Anblick dieser Klinge hörte er ein wütendes Fauchen von der Seite des Drachen aus.

„Ja, das gefällt dir nicht“, sagte Erin; „Das kann ich mir gut vorstellen.“

Woher hast du diese Klinge? fauchte Fatalis.

„Was spielt das für eine Rolle?“ fragte Erin; „Ich habe sie, das ist alles was zählt.“ Zum ersten Mal seit er diese Reise begonnen hatte, fühlte Erin eine Chance. Er fühlte die Chance, dass er tatsächlich siegen konnte. Und dieses Gefühl gab ihm Kraft.

Ich werde dich zermalmen, du kleine Made, hörte er Fatalis’ bedrohliche schreckliche Stimme in seinem Kopf; Ich werde dich auslöschen, wie ich es damals hätte tun sollen! Erin umklammerte sein Schwert. Jetzt war es endlich soweit.

„Ich kann es kaum erwarten“, sagte er, hob das Schwert in die Luft und stürmte auf den schwarzen Drachen zu.

Mit kaum verbliebener Kraft klopfte Erin an die alte Holztür zum Haus des Dorfältesten. Eine Weile lang geschah nichts, doch dann hörte Erin Schritte, die sich langsam der Tür näherten. Einige Sekunden später wurde diese auch aufgemacht und das kleine Männchen kam zum Vorschein.

„Erin“, sagte der Dorfälteste; „Dich habe ich lange nicht mehr gesehen. Geht es dir gut?“ Doch dann, als er Erins Zustand sah, weiteten sich seine Augen.

„Du liebe Zeit!“ rief er; „Was ist denn mit dir los?“

„Genau deswegen bin ich hier“, sagte Erin; „Ich muss mit Ihnen etwas besprechen.“

„Ich sehe, dass es etwas ernstes ist. Komm rein“, sagte der Dorfälteste und half Erin hinein.  Dessen Zustand wurde von Minute zu Minute schlimmer. Er wusste, dass es im Haus des Dorfältesten hell erleuchtet war, doch er sah fast nur noch Schatten. Und mit jeder verstreichenden Minute wurden sie länger.

„Komm, setz dich“, sagte der Dorfälteste und wies Erin auf ein Polster auf dem Boden vor der Feuerstelle zu. Nur mit Mühe konnte Erin das bewerkstelligen. Als er sich schließlich hinsetzte, war alles vor ihm verschwommen. Fast hätte er aufgestöhnt, doch er konnte sich im letzten Moment noch beherrschen.

„Was ist nun los?“ fragte der Dorfälteste sanft; „Vielleicht kann ich dir ja helfen.“

„Das könnt Ihr nicht“, sagte Erin; „Ich bin nur zu Ihnen gekommen um mich zu beraten, was ich als nächstes tun soll.“

„Erin, mich fasst Furcht. Worüber möchtest du genau mit mir reden?“ Erin ging alles noch einmal in seinem Kopf durch. Am Anfang der Nacht hatte er dies noch bestritten. Vielleicht war das auch eine natürliche Krankheit. Doch je mehr er darüber nachdachte, desto sicherer wurde er. Dies war mitnichten natürlich. Er atmete tief durch.

„Es fängt an“, sagte er schließlich. Alle Farbe wich aus dem Gesicht des Dorfältesten.

„Du meinst-„

„Ja, genau das. Der Teufelskreis beginnt erneut.“  Entsetzen breitete sich auf dem Gesicht des Dorfältesten aus.

„Dann ist es also tatsächlich wahr“, sagte er leise.

„Ja“, sagte Erin; „Fatalis hat nicht gelogen.“

Schmerz. Überall am Körper spürte Erin ihn. Er lehnte sich langsam an die Wand und nahm seinen Rathalos Helm ab. Vor seinen Augen drehte sich alles. Er fühlte sich so, als ob er sich in Kürze übergeben würde. Doch da war auch etwas anderes, etwas gutes: Das Gefühl des Sieges.

Er sah nach vorne. Der große, schwarze Leib des Drachen lag von unzähligen Wunden gezeichnet in der Mitte des Schachts. Aus hasserfüllten Augen blickte er ihn an. Er versuchte sich aufzurichten, doch das schwere Gewicht seiner gebrochenen Flügel verhinderte dieses Unterfangen. Das finstere Leuchten in seinen Augen wurde immer schwächer.

Erin umklammerte sein Schwert und ging auf den Drachen zu. Mit jedem Schritt den er tat, spürte er eine neue Welle von Hass in sich aufsteigen. Dieser Drache hatte alles zerstört. Er hatte ihm seine Familie, sein Zuhause und seine Liebe genommen. Ihn jetzt so zu sehen brachte ihm große Genugtuung. Doch jetzt war es an der Zeit dieses Unterfangen zu beenden.  Er trat an den großen Schädel des Drachen heran und hob sein Schwert.

Warte, erklang Fatalis’ Stimme in seinem Kopf; Bist du dir sicher, dass du das wirklich tun willst, Erin? Erin umklammerte den Griff des Schwertes noch fester.

„Auf jeden Fall“, flüsterte er und hob das Schwert erneut.

Ein Schwert aus Drachenknochen und Karbalit, sagte Fatalis; Ja, es würde mich gewiss töten. Aber überlege doch einmal. Würde es dich wirklich stillen, wenn du selber Schaden davontragen würdest?

„Du hast mir alles genommen, was mir wichtig war“, sagte Erin voller Hass; „Ich denke nicht, dass es mir schaden wird, wenn ich die Welt von dir befreie, Drachenältester.“

Je nachdem wie du es auffasst, sagte Fatalis; Du kannst mich töten. Aber dein Leben würde von diesem Tage an anders sein. Es wird sich nicht sofort zeigen, aber nach einigen Jahren, wer weiß?

„Was meinst du damit, du Schlange?“ fragte Erin.

Ihr Jäger seid so naiv. Ihr denkt, wir sind nichts anderes als gewöhnliche Monster. Aber ihr irrt. Ihr irrt gewaltig. Jeder Drachenälteste, mich eingeschlossen, steht für einen Aspekt der Natur. Ich stehe für Nacht und Finsternis.

„Worauf willst du hinaus?“ fragte Erin.

Wenn ein Drachenältester stirbt, oder getötet wird, dann muss der, der ihn getötet hat oder für seinen Tod verantwortlich ist, seinen Platz einnehmen. Erin spürte Entsetzen. Was war das?

„Du meinst, dass-„

Wenn du mich hier und jetzt tötest, sei gewarnt, sagte Fatalis; Du wirst genauso werden wie ich. Du wirst groß und mächtig sein, du wirst von allen Menschen gefürchtet und du würdest nur Zerstörung und Tod bringen. Überlege es dir gut, Erin. Triffst du die falsche Entscheidung, so wird es dir teuer zu stehen kommen.

Fatalis schwieg und blickte Erin erwartungsvoll an. Unzählige Gedanken gingen dem Jäger durch den Kopf. Was, wenn der dunkle Drache recht hatte? Was, wenn er wirklich seinen Platz einnehmen musste? Alles bloß das nicht. Aber andererseits...Erin fiel etwas ein.

„Die einzige andere Möglichkeit wäre, dich laufen zu lassen“, sagte er voller Hass; „Das hättest du wohl gerne, schwarze Schlange. Ich durchschaue deine Lügen, Fatalis. Mich kannst du nicht täuschen!“ Und damit hob er sein Schwert und rammte es Fatalis in die Kehle. Ein leises Ächzen und Gurgeln war zu hören, und der Körper des Drachen erschlaffte.

Du jämmerlicher Narr, hörte Erin den Drachen noch sagen; Jetzt gibt es kein Zurück mehr für dich. Merke dir meine letzten Worte: In drei Jahren, wenn der Mond am stärksten ist, wirst du genauso sein wie ich! Und bei solch einer Wut und bei solch einem Wunsch nach Rache ist es noch schlimmer bei dir. Du hast mich aus unstillbarem Hass getötet. Und Hass soll deine einzige Emotion werden. Denk daran, Erin. Wenn es soweit ist, wirst du dich daran erinnern. Das rote Leuchten in Fatalis’ Augen erlosch. Und dann geschah etwas, was Erin niemals gedacht hätte. Der Körper des Drachen begann sich in Schatten aufzulösen. Immer mehr Konturen verschwanden im schwarzen Nichts der Höhle. Eine Minute später war nichts mehr vom schwarzen Drachen zu sehen.

Eine Welle der Genugtuung erfüllte Erin. Er steckte das Schwert zurück in die Scheide. Dann atmete er tief durch. Die Rache war gestillt.

„Es ist alles wahr“, sagte Erin; „Heute sind drei Jahre vergangen, seitdem ich dieser Echse die Kehle durchgerammt habe. Und seitdem fühle ich mich so.“ Verzweifelt sah er den Dorfältesten an.

„Ich hätte ihn nicht töten sollen“, flüsterte er; „Ich will nicht wie er sein!“ Lange blickte der Dorfälteste ihn an. Das Knistern des Feuers war das einzige, was im Moment in dieser tödlichen Stille überhaupt zu hören war. Schließlich seufzte er.

„Du willst Rat von mir“, sagte er; „Und doch ist dies eine der Ausnahmen wo ich dir leider nicht helfen kann. Das Wissen über die Drachenältesten ist ein Wissen, das noch keinem Menschen und fast keinem Wyverianer zukam. Ich kann dir nicht helfen.“

„Dann ist alles verloren“, sagte Erin verzweifelt.

„Das habe ich nicht gesagt“, sagte der Dorfälteste; „Es gibt jemanden, von dem ich glaube zu wissen, dass er dir helfen könnte.“ Erin schöpfte Hoffnung.

„Wer?“ fragte er.

„Der Heiler auf Schloss Schrade. Möglicherweise weiß er einiges über Fälle wie dich.“

„Schloss Schrade?“ fragte Erin; „Lebt dort nicht der Baron?“

„In der Tat“, sagte der Dorfälteste; „Wenn du mehr über dein Problem wissen willst, dann begib dich dorthin.“

„Ich werde mich sofort auf den Weg machen“, sagte Erin und hustete erneut.

„Nicht in diesem Zustand“, sagte der Dorfälteste; „Ich informiere den Händler morgen, dass er noch einen Passagier bekommt.“

„Ich danke Euch“, sagte Erin; „Ich hoffe nur, dass es noch nicht zu spät sein wird.“

„Hab Vertrauen, mein Freund“, sagte der Dorfälteste; „Du hast den Rathalos getötet. So schnell gibt dein Wille nicht auf. Das weiß ich. Und jetzt geh nachhause und ruhe dich für morgen aus.“ Erin nickte. Dann bemühte er sich aufzustehen. Der Dorfälteste geleitete ihn zur Tür hinaus. Draußen auf dem kleinen Platz fühlte sich Erin ein wenig besser. Das Schwindelgefühl verschwand sogar ein wenig.

Als Erin seine kleine Hütte betrat war das Schwindelgefühl vollständig verschwunden. Neue Hoffnung überkam ihn. Er würde morgen zum Schloss gelangen, und dann würde er vielleicht geheilt werden. Er hoffte nur, dass sie es rechtzeitig dorthin schafften.

Dann streifte sein Blick den Wandspiegel. Das Herz rutschte Erin in die Hose. Er taumelte dorthin und sah sich selbst an.

„Nein“, flüsterte er; „Nein!“ Er wandte sich so schnell er konnte ab und raufte sich die Haare vor Verzweiflung. Diese Augen...es waren nicht Erins Augen...es waren SEINE Augen.

Schloss Schrade, zwei Tage später

„Sollte er jetzt nicht eigentlich kommen?“ fragte Liria neugierig.

„Vermutlich wurde er nur etwas aufgehalten“, sagte ihr Vater und lächelte sie an; „Kein Grund zur Sorge.“ Der riesige Schlosshof war voller Menschen. Bedienstete rannten umher und Wachen standen an verschiedenen Posten.

„Was bringt er denn dieses Mal mit?“ fragte Liria.

„Was weiß ich? Vielleicht schon wieder das gleiche. Er ist ein Händler, keiner weiß, was die immer so bei sich haben“, sagte ihr Vater. Liria zuckte die Schultern. Ihr war eben langweilig.

„Brauchen wir überhaupt etwas?“ fragte sie ihren Vater.

„Um ehrlich zu sein, nein, brauchen wir nicht. Aber wer weiß? Händler bringen immer gerne Überraschungen mit sich.“

„Was denn für welche, zum Beispiel?“

„Liria“, lachte ihr Vater; „Was fragst du mich heute die ganze Zeit aus? Ich weiß es wirklich nicht, gut?“

„Also gut“, sagte Liria gelangweilt. Plötzlich ertönte der Ruf einer Wache aus dem Torhaus.

„Einzelner Wagen vor dem Schloss, Herr Baron!“

„Lasst ihn hinein“, rief dieser zurück; „Da, siehst du? Jetzt ist er da“, sagte er zu Liria gewandt. Liria lächelte aufgeregt. Das große Tor wurde langsam geöffnet. Als es schließlich oben war, hatte Liria einen guten Ausblick auf den Wagen.

Dieser wurde von einem einzelnen großen Aptonoth gezogen, das schon an dem Rand seiner Kräfte zu sein schien. Es stöhnte und ächzte und schien die Last seiner Fracht kaum noch tragen zu können. Doch der Mann der den Wagen lenkte war nicht der, den Liria erwartet hatte.

Auf dem Bock saß ein großer Mann. Er hatte recht unordentliche schwarze Haare und eine mehr als nur bleiche Haut. Von Kopf bis Fuß war er in Schwarz gekleidet. Sogar schwarze Handschuhe hatte er sich übergezogen. Je länger Liria ihn ansah, desto mulmiger wurde ihr zumute. Etwas an diesem Mann gefiel ihr nicht. Sie wusste nur nicht was es war.

„Ihr seid nicht Händler Yarak“, sagte ihr Vater zu dem Mann, als er sich näherte.

„Nein, bin ich nicht“, sagte der Mann mit einer fast flüsternden Stimme; „Ich musste an seiner statt hierherreisen. Er hat sich nur eine schlimme Krankheit zugezogen und kann deswegen nicht erscheinen.“

„Wie bedauerlich“, sagte ihr Vater; „Nun denn. Was habt Ihr zu bieten?“

„So einiges“, sagte der Mann; „Ich verspreche euch. Nach meinem Besuch hier wird das Schloss nicht mehr so sein wie früher.“ Die Art, wie er das sagte, gefiel Liria überhaupt nicht. Was war da nur los?

„Nun denn, dann zeigt uns doch einmal, was Ihr zu bieten habt!“ rief ihr Vater.

„Eines nach dem anderen. Zuerst muss ich nur noch eine wichtige Lieferung überbringen“, sagte der Mann.

„Ach ja? Und an wen?“

„An Euren wyverianischen Heiler. Vertraut mir, es ist sehr wichtig und duldet keinen Aufschub.“

„Also gut, wie Ihr wünscht. Dann folgt mir bitte“, sagte ihr Vater und wies den Mann an, ihm zu folgen. Langsam stieg dieser vom Bock und folgte der Anweisung. Irgendetwas an ihrem Gang gefiel Liria nicht. Er wirkte irgendwie...unmenschlich, fast schon schlangenartig. Als der Mann an ihr schließlich vorbeiging, erschrak sie gewaltig. Für einen Augenblick hatte sie doch tatsächlich geglaubt, die Augen des Mannes würden rot glühen.

Ein Zittern ging durch ihren Körper. Etwas stimmte mit diesem Mann auf jeden Fall nicht. Eine ungute Ahnung beschlich sie. Was hatte es mit ihm auf sich?

*******

„So, wir sind gleich da“, sagte der Baron; „Folgt mir bitte.“

„Geht nur voran“, sagte der Mann leise. Je mehr er ihn beobachtete, desto mehr wurde ihm mulmig zumute. Diese mehr als nur bleiche Haut, diese merkwürdig aufblitzenden Augen und dieser seltsame schlangenartige Gang. Was war mit ihm los?

„Sagt mir doch mal, Herr Baron“, sagte der Mann plötzlich; „Welchen Mond haben wir heute?“

„Vollmond. Den stärksten von allen.“ Der Mann nickte.

„Dann ist noch Zeit“, sagte er.

„Zeit wofür?“ fragte der Baron.

„Diese Lieferung muss vor dieser Nacht abgeliefert werden. Ansonsten ist es wirkungslos.“

„Ich verstehe“, sagte der Baron etwas verwirrt. Sie gingen durch einen langen düsteren Gang, der nur von einigen Fackeln erhellt wurde. Bildete er sich das ein, oder schien eine Art Schatten von den Mann auszugehen, immer wenn sie sich beinahe in vollkommener Dunkelheit befanden? Oder lag das nur am schwarzen Mantel, der beinahe seinen ganzen Körper einhüllte?

Nach einigen stillen Minuten kamen sie endlich zu einer kleinen Tür ein. Der Baron klopfte schnell. Er warf einen Blick auf den fremden Händler und stellte fest, dass dieser immer unruhiger zu werden begann. Was war nur mit ihm los? Endlich öffnete der Heiler die Tür.

„Herr Baron?“ fragte das Männlein; „Was kann ich für Euch tun?“

„Hier ist jemand, der Euch sehen möchte“, sagte der Baron und deutete auf den Mann; „Er meint, er habe eine wichtige Lieferung für Euch?“

„So?“ fragte der Heiler verwirrt, dann blickte er auf den Mann; „Also schön. Kommt rein.“ Der Fremde nickte.

„Ich bin bald zurück“, sagte er zum Baron:

„Ihr könntet doch inzwischen zum Wagen zurückkehren. Es dauert nicht lange.“

„Also gut“, sagte der Baron verwirrt. Der Mann trat durch die Tür, die ihm der Heiler offen hielt. Ein wenig verwirrt aber mit der Schulter zuckend schloss dieser sie hinter sich. Der Baron blieb einige Minuten vor der Tür stehen, dann entschloss er sich aber, dem Rat des Mannes zu folgen. Er entfernte sich langsam von dem Zimmer des Heilers und ging den spärlich beleuchteten Gang zurück aus dem er gekommen war. Noch immer wunderte er sich über das nun mehr als seltsame Verhalten des fremden Händlers. Er musste sich gerade eingestehen, dass er noch nie jemand so merkwürdigen getroffen hatte. Aber vielleicht war das auch nur der erste Eindruck, und er war in Wahrheit gar nicht so. Er beschloss, ihn in den nächsten Stunden genau zu beobachten.

Doch dazu sollte es nicht kommen. Nicht einmal zwanzig Meter war der Baron von der Tür gekommen, als er plötzlich einen grässlichen Schmerzensschrei hörte. Sofort drehte er sich um und rannte den Weg zurück. Im Nu hatte er ihn zurückgelegt. Er blieb vor der Tür stehen, zögerte nicht lange und riss sie auf. Das Bild, das sich ihm bot hätte grausamer nicht sein können.

Der Fremde Händler hielt den Heiler mit einer Hand um den Hals umklammert. Er schien ungeheure Stärke zu haben, den der Heiler baumelte einen guten Meter über den Boden.

„Lasst mich los!“ keuchte er.

„Ich wiederhole mich ein letztes Mal“, flüsterte der Mann; „Könnt Ihr mich heilen? Könnt Ihr DAS hier heilen?“ Er riss seinen Mantel hinunter, was den Blick auf seinen Oberkörper freigab. Der Baron keuchte vor Entsetzen. Die Haut des Fremden war mit schwarzen Schuppen bedeckt, die schon langsam in Richtung des Halses wucherten. Auf seinem Rücken schienen sich die ersten Ansätze für zwei Flügel zu formen. Als er dem Baron seinen Blick zuwandte, waren es keine menschlichen Augen, die ihn ansahen. Es waren die rot glühenden Augen eines Reptils.

Als der Heiler keine Antwort geben wollte, drückte der Fremde ihn verächtlich noch fester zu.

„Dann nützt Ihr mir nichts“, sagte er und zog seinen Handschuh aus. Dort, wo menschliche Finger sein sollten, waren die langen Krallen einer Echse. Er blickte den Heiler ein letztes Mal an, dann rammte er ihm die Krallen in die Kehle. Ein leises Gurgeln war das letzte Lebenszeichen, was er von sich gab. Dann plumpste er wie ein nasser Sack zu Boden. Sofort wandte sich der Fremde wieder dem Baron zu. Dieser wollte fliehen, doch binnen einer Sekunde war der Fremde bei ihm und umklammerte seinen Hals.

„Jetzt kann ich Euch doch wohl schlecht gehen lassen“, flüsterte er. Seine Stimme hörte sich plötzlich so an, als würde sie direkt aus dem Grab kommen.

„Wer seid Ihr?“ presste der Baron hervor. Sein Entsetzen wuchs und wuchs.

„Jemand, der den Worten des Drachen keinen Glauben schenkte“, sagte er; „Ich bin jemand, der nun den Platz eines anderen einnehmen muss, als Buße für meine Tat!“

„Was wollt Ihr hier?“

„Dieser Mann dort drinnen war vielleicht meine letzte Rettung! Doch er war nutzlos. Nun bin ich verloren. Ich werde wohl oder übel auf jemanden warten müssen, der später MEINEN Platz einnehmen wird! Und fortan soll dieses Schloss mir als Unterschlupf dienen!“

„Wer bist du?“ fragte der Baron mit erstickter Stimme. Der Fremde lächelte ihn an, und vor seinen Augen begann sich das Gesicht des Mannes zu verändern: Es wurde viel kantiger, viel länger und größer. Aus den schwarzen Haaren wuchsen langsam Hörner hervor.

„Mein Name ist Fatalis“, zischte der Mann, und das letzte was der Baron sah, war eine Krallenhand, die direkt auf seine Augen zuschoss. Dann wurde es dunkel.

*******

Kaum hatte Erin von dem Baron abgelassen, so krümmte sich sein ganzer Körper vor Schmerz. Er musste hier weg. Sonst würde er hier niemals hinauskommen. Er drehte sich um und rannte so schnell er konnte den Gang zurück. Bildete er sich das ein, oder wurde er mit jedem Schritt schneller? Schon flogen die Fackeln geradezu an ihm vorbei. Er wurde immer schneller und schneller. Und schon sah er das Tageslicht auf sich zukommen. Er machte einen riesigen Sprung und befand sich außerhalb der engen Wände.

Er knallte auf den steinernen Boden des Schlosshofes und stieß einen lauten Schrei aus. In diesem Schrei lag all sein Hass, all seine Verzweiflung und all seine Hilflosigkeit. Er war verloren. Er hatte Fatalis getötet und nicht auf ihn gehört. Jetzt musste er seinen Platz einnehmen, so wie er es ihm gesagt hatte.

„Ergreift ihn!“ hörte er einige Wachen schreien. Auch hörte er unzählige Schreie des Entsetzens von allen Seiten. Vor ein paar Tagen wäre er diesen Schreienden zu Hilfe geeilt. Doch jetzt war er derjenige, der sie verursachen würde. Jetzt war er das Monster.

„Bleibt weg von mir, Ihr Narren!“ brüllte er den Wachen entgegen. Diese ignorierten ihn und zielten mit ihren Sperren nach ihm. Doch diese prallten einfach von seiner bereits vollständig beschuppten Haut ab. Ein enger Kreis umzingelte ihn bereits. Er stieß ein lautes Lachen aus. Alle Gefühle der Verzweiflung waren wie weggeblasen. Jetzt fühlte er sich groß, mächtig und gefürchtet. Wie ein Wirbelsturm flog er um die Wachen herum und stieß jeden einzelnen Mann weg.

Plötzlich stürzte er zu Boden und fing an sich vor Schmerz zu krümmen. Jetzt ging es endlich zu Ende. Er nahm seine wahre Gestalt an. Er fühlte, wie er immer größer wurde. Er spürte neue Stärke, die sein Blut durchfloss, er spürte das Feuer, das in ihm nun loderte und er fühlte die großen mächtigen Schwingen auf seinem Rücken. Es war soweit. Die Verwandlung war abgeschlossen. Er war Fatalis.

Mit einem großen Flügelschlag erhob sich der schwarze Drache in die Luft und war binnen Sekunden über dem höchsten Turm von Schloss Schrade. Dann stieß er ein durchdringendes Brüllen aus. In ihm spiegelte sich dieses Mal all seine Zerstörungswut, all sein Hass und sein Wunsch, die Menschen unter ihm zu beseitigen. Durch seine neuen Augen konnte er jeden Stein unten erkennen.  Der Großteil der Menschen unten auf dem Hof hatte bereits die Zugbrücke hinter sich gelassen und floh in die nahen Wälder. Sollten sie doch rennen, es war ihm egal. Doch die, die noch da waren sollten nicht entkommen.

Er konzentrierte sich völlig auf sein Inneres. Dann riss er sein Maul auf und entfachte einen gewaltigen Feuerball. So schnell wie eine Kanonenkugel schoss diese auf die Zugbrücke hinab. Eine grelle Explosion ertönte und unzählige Steine und Holzsplitter flogen durch die Luft.

Wie ein Pfeil schoss Fatalis hinunter und landete direkt vor den Überresten der Zugbrücke. Es waren noch Menschen da. Wie ein riesiger Berg aus Nacht und Schatten bäumte sich der Drachenälteste vor ihnen auf. Er betrachtete jeden einzelnen von ihnen. Alle seine menschlichen Gefühle waren verschwunden. Jetzt gab es nur noch Hass, Wut und Mordgier. Mit einem drohenden Knurren riss er seinen Rachen auf. Einige der Frauen und Kinder begannen vor Angst zu weinen. Das gefiel ihm. Er labte sich an ihrer Angst. Und es würde ihm ein Vergnügen sein, diese Angst noch weiter zu verstärken.

Er stieß einen erneuten Feuerball aus und ließ ihn direkt in die Menschenmenge schießen. Schreie des Schmerzes und der Verzweiflung ertönten. Das war Musik in seinen Ohren. Mehrere Wachen unternahmen einen letzten Versuch ihn zur Strecke zu bringen. Er breitete die Flügel aus und stürzte sich auf sie.

Mehrere Stunden dauerte das Gemetzel, doch letztendlich war es still rund um und im Schloss Schrade. Überall waren Brandspuren und Blut zu sehen. Das eiserne Schweigen des Todes wurde nun für alle Zeiten über diesen Ort verhängt. Hier würde niemand mehr leben, außer ihm natürlich.

Mit einem triumphierenden Flügelschlag stieß sich Fatalis in die Höhe und flog zum höchsten Turm von Schloss Schrade. Dort ließ er sich nieder und blickte ins Tal hinab. All diese Menschen würden nun vor ihm zittern. Es war nur eine Frage der Zeit, bis die Jäger kommen würden. Aber er freute sich schon auf diese Begegnungen. Dann konnte er ihnen zeigen, was es hieß, ihn, den Herrscher der Nacht herauszufordern. Er würde sich an ihrer Furcht laben und ihre Knochen wie einen Schatz horten.

Erneut stieß er ein Gebrüll aus. Doch dieses Mal war es leiser, finsterer, bedrohlicher. Gleichzeitig konzentrierte sich der schwarze Drache. Es dauerte nicht lange, und aus dem hohen Gebirge stieg eine Reihe dunkler Wolken auf. Sie schimmerten in einem tödlichen Lila und unzählige Blitze waren in ihnen zu erkennen. Wie ein riesiges Leichentuch breiteten sie sich über das Gebirge aus und versetzten alles was dort lebte, egal ob Mensch oder Monster in panische Angst. Fatalis wusste es, denn er fühlte es.

Ein Gefühl des unendlichen Triumphes stieg in ihm auf, als er in das Tal hinabblickte. Den Helden von Kokoto gab es nicht mehr. Jetzt gab es Fatalis. Er war die Nacht, er war die Dunkelheit. Er war die ewige Dunkelheit.

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Der Fatalis ist ein legendärer schwarzer Drache, von dem erzählt wird, dass er diese Lande vom Anbeginn der Zeit auf heimgesucht habe. Viele erfahrene Jäger haben versucht, sich gegen dieses Monster zu behaupten, doch keiner ist je zurückgekehrt. Ein Monster umhüllt in Mysterien.

„Und das steht da tatsächlich?“ fragte Jaman.

„Sieht ganz so aus“, sagte Yukari.

„Wie sehen dann unsere Chancen aus?“ fragte der Jäger und blickte zum verfallenen alten Gemäuer hoch.

„Das werden wir gleich herausfinden“, sagte Yukari und zückte seine Gewehrlanze.

„Ich hoffe nur, wir übertreiben es nicht wieder“, entgegnete Jaman und machte sein Langschwert bereit.

„Wir doch nicht“, grinste Yukari; „Und unsere beiden Chaoten von Shakalakas sind nicht hier. Was soll also schief gehen?“

„So einiges“, antwortete Jaman; „Es ist immerhin ein Drachenältester.“

„Drachenälteste sind nur stärkere Wyvern, sonst nichts“, sagte Yukari; „Komm, wir gehen hinein.“ Jaman schluckte ein wenig, nickte dann aber. Wozu hatten sie diese Reise immerhin angetreten?

Doch kaum hatten die beiden Jäger einen Schritt in Richtung des Schlosses getan, hörten sie ein grauenerregendes Brüllen, das wie ein Großschwert durch die Nacht schlug.

„Er ist wohl erwacht“, sagte Yukari; „Bist du bereit dafür?“

„Bereit wenn du es bist“, antwortete Jaman. Yukari nickte, dann setzten sie sich ihre Helme auf und machten sich zum Aufstieg zum Gipfel bereit. Sie mussten einen Drachenältesten töten.

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Soooo.....das war es auch schon. Ich hoffe, diese Idee war nicht ZU abgedreht, wenn ihr versteht, was ich meine. Vielleicht mache ich noch etwas in dieser Richtung. Doch fürs erste heißt es: Bis dann!
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