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Auf ewig mein

KurzgeschichteLiebesgeschichte / P6 / Gen
10.08.2014
10.08.2014
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Er saß an ihrem Bett seit sie in das Krankenhaus eingeliefert wurde.
Jeden Tag und jede Nacht saß er da und starrte auf ihren Körper. Dass sie ein Lebenszeichen von sich geben würde, doch nichts.
Tief im inneren wusste er, dass es nur eine kleine Chance gab, doch er hielt daran fest, betete. Jeden Tag mehrere Male.
Für sie.
Ihre Hand haltend oder einfach nur neben ihr sitzend, er war da.
Sie an die Geräte angeschlossen zu sehen brachte ihn an seine Grenzen. Er konnte, nein, er durfte sie nicht verlieren.
Die auf dem Krankenbett liegende Person war sein einziger Halt. Er hatte schon alles verloren und jetzt noch sie? Nein. Das würde er nicht verkraften.
Im Stillen rannen Tränen seine blassen Wangen hinunter. Der wenige Schlaf tat ihm und seinem Körper nicht gut, aber er wollte durchhalten.
Für sie.
Einmal wollten die Ärzte sogar schon die Geräte abschalten, die ihr zusätzlich halfen, zurück in die Welt der Lebenden zu kommen, doch er weigerte sich.
Jede Nacht, wenn fast niemand mehr da war, redete er mit ihr, um sie zu bewegen den Weg zu ihm zurück zu finden. Und er aß fast nichts mehr.
Verweigerte jegliches Essen, dass die Krankenschwester brachte.
Für sie.
»Komm zu mir zurück.« Die Worte waren nur sachte in den Wind geflüstert, doch für ihn klangen sie wie verzweifelte Schreie.
Schreie, die er ausstieß, weil er sie nicht verlieren konnte.
Mit jedem vergangenem Tag, an dem sie einfach nur in ihrem Krankenbett lag, brach sein Herz in mehr Splitter.
Kleine Splitter die sich in sein Fleisch zu bohren schienen.
Er wollte sie zurück haben. Sie in seine kräftigen Arme schließen und ihr zuflüstern, dass alles wieder gut werden würde.
Doch tief in sich wusste er dass es nie wieder so sein würde.
Er fühlte, dass sie dabei war die Brücke zu überschreiten.
Mit einem letzten Blick, der so viel Liebe in sich hatte, beugte er sich vor und presste seine Lippen ein letztes Mal auf ihre Stirn. Strich ihr ein letztes Mal
durch ihr seidiges, langes Haar und nahm dann ein letztes Mal ihre warme Hand.
Sie roch noch immer wie an dem Tag als sie sich trafen. Nach frischen Blumen im Frühling.
Mit seinen Lippen in eine dünne Linie zusammengepresst, flüsterte er an ihrem Ohr,
»Du darfst gehen. Du bist frei.«
Kurz nachdem er die Worte, die wie Blei in der Luft hingen, ausgesprochen hatte, hörte er nur noch das gleichmäßige Piepen des Apparates, an dem sie angeschlossen war und schloss für einen kurzen Moment die Augen, als erneut salzige Tränen seine Wangen hinunterliefen.
Sie hatte nur auf seine Einwilligung gewartet, hatte diese Worte aus seinem Mund hören wollen.
Und er hatte eingewilligt. Er wollte das Beste.
Nur für sie.
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