Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

The book of Aristea -The Assassin of Rome Part 1

GeschichteDrama, Schmerz/Trost / P18 / MaleSlash
08.08.2014
04.10.2014
7
24.698
2
Alle Kapitel
29 Reviews
Dieses Kapitel
4 Reviews
 
08.08.2014 3.485
 
Wütend lief ich in meinem Zimmer auf und ab. Selbst meine Mutter konnte mich nicht beruhigen. Als ich hinaus ging, um mir etwas Wasser zu holen, hörte ich Amelia leise weinen und Pheroas, der beruhigend auf sie einredete. Ich hielt es in meinem Zimmer kaum aus, die Luft darin erschien mir so dick, dass ich schwer atmete. Endlich brach die ersehnte Nacht herein, ich nahm meinen Umhang, verließ unser Haus und schlich in der Dunkelheit über die Dächer davon. Ich weiß nicht mehr wie es kam, doch irgendwann fiel mir auf, dass ich sehr weit gegangen war. Längst hatte ich unser Stadtviertel verlassen und ging gedankenverloren durch die gefährlichen Straßen Roms.

„Oh, hübsches Weib. Wie kommt es, dass Ihr so allein hier seid?“, hörte ich eine widerliche Stimme aus der Gasse neben mir. Augenblicklich war ich in höchster Alarmbereitschaft.

„Ich habe mich wohl verlaufen...“, sprach ich schnell und machte auf dem Absatz kehrt. Doch zwei andere Männer versperrten mir den Weg.

„Aber nicht so hastig, schönes Kind. Vielleicht können wir Euch ja helfen?“, säuselte die Stimme weiter.

„Ich wollte zur Mulvischen Brücke.“, sprach ich heiser.

„Ahhh!! So eine seid Ihr also. Nun, die Brücke ist gleich dort. Nur ein paar Schritte diese Straße herunter. Doch wenn Ihr dorthin wollt, dann müsst Ihr an mich einen kleinen Wegzoll zahlen.“

„Ich habe keinen einzigen Sesterz bei mir.“

„Wie schade... doch Ihr könnt Euren Zoll auch anders entrichten.“, er trat ins Licht. Vor mir stand ein kleiner, dicker, schmieriger Mann. Er roch streng nach Schweiß und grinste mich lüstern an. Seine braunen Zähne verursachten bei mir ein Gefühl der Übelkeit. Er löste den Gürtel seiner Tunika und präsentierte mir sein winziges, steifes Glied.

Wie sehr wünschte ich mir jetzt ein Schwert...

Die Männer hinter mir drängten mich in die Gasse und zogen sich ebenfalls aus. Ich schloss die Augen und spannte meinen Körper an. Gerade als ich mich auf den Ersten werfen wollte, hallte der Schrei eines anderen Mannes durch die Nacht.

„Magnus, lasst sie, wir müssen verschwinden. Die kaiserliche Garde, angeführt von Livia, kommt! Es gab einen neuen Mord, Aurelius der Sklavenhändler des Kaisers ist erhängt aufgefunden worden, sie vermuten den Attentäter hier, in dem Viertel!“

Kaum hatte er das ausgesprochen, hörte man Schritte vieler Männer. Ehe ich mich versah, waren meine Peiniger verschwunden. Gerade noch rechtzeitig schaffte ich es, mich aufs Dach zu ziehen und zu ducken. Schnell zog ich meinen dunklen Umhang über mich.

„Beeilt Euch! Er muss hier sein! Gnade Euch Pluto wenn Ihr ihn erneut entkommen lasst! Ich habe ihn mit meinem Dolch getroffen, achtet also auf Blutspuren!“, hallte ihre Stimme durch die Straßen. Erst jetzt wurde mir die gefährliche Situation bewusst, in der ich mich befand.

Ich hockte, wie jemand der sich versteckte, auf dem Dach...

Livia..

Die Bestie Roms, stand genau unter mir...

Sollte sie mich sehen, wie sollte ich das erklären?

Und das Schlimme war, sie ging nicht. Die Soldaten waren längst weiter gezogen, doch sie stand bewegungslos da und schien in die Dunkelheit zu lauschen. Es war so still, dass ich sie atmen hören konnte. Zu meinem Glück, kam ein Zenturio angelaufen und berichtete, dass sie Blutspuren nahe der Brücke gefunden hatten. Ich hockte noch Minuten später auf dem Dach, als ich mir sicher war allein zu sein, sprang ich leise auf die Straße und ging in Richtung der Brücke. Wieder war es meine Neugier die mich trieb, unbedingt wollte ich sehen, was sich dort abspielte. Ganze Truppen von Soldaten durchsuchten die Gegend rund um den Tiber. Ich zog meine Kapuze tiefer und ging geradewegs durch die verschreckte Menschenmasse. Wie aufgescheuchte Hühner liefen Huren, ihre Freier und irgendwelche Tagelöhner herum, sodass die Brücke zusehens leerer wurde. Ich beeilte mich hinüber auf die andere Seite zu kommen, zu spät erkannte ich die Gestalt auf der Brücke. Mit einem Blick härter und kälter als jeder Stahl, stand sie mitten in der fliehenden Menschenmenge. Hätte ich mich jetzt umgedreht, wäre ich ihr sofort aufgefallen. So musste ich an ihr vorbei...

Ich versuchte es seitlich, nicht zu nah und achtete auf meinen Gang um keine Aufmerksamkeit zu erregen. Ich hatte es fast geschafft als plötzlich:

„Ihr da mit dem schwarzen Umhang, bleibt sofort stehen!“, ich wusste, auch ohne das ich mich zu ihr umsah, wen sie meinte. Ich hörte noch wie sie ihr Schwert zog, als ich loslief.

Nie davor in meinem  Leben, bin ich so gerannt wie in jener Nacht...

Sie hätte mich ohne Zweifel eingeholt, hätte Fortuna mir nicht erneut das Leben gerettet. Ein Mann, wohl ein Freier, stieß im Laufen gegen sie und riss sie um. Ich blickte kurz zurück und sah wie sie ihr Schwert ohne Skrupel in seinen Bauch stieß. Ohne Pause lief ich am Ufer des Tiber entlang, mied die Soldaten, bis mir die Luft ausging. Völlig orientierungslos irrte ich weiter. Mir war so heiß, dass ich ganz nahe ans Wasser ging um mir etwas davon ins Gesicht zu gießen.

Urplötzlich schoss eine Hand aus den Fluten und griff nach mir...

Trotz meiner Angst wagte ich nicht zu schreien, fürchtete ich doch so, die Soldaten zu mir zu locken.

„Helft mir...“, röchelte eine Frauenstimme.

Ich packte ihre Arme mit aller Kraft und zog sie aus der braunen Brühe, keuchend lag sie neben mir. Als ich im Schein des Mondes näher hinsah, erkannte ich den Dolch in ihren Rippen. Den Dolch mit einer unverkennbaren Gravur... dem Zeichen der Livia.

War das möglich?

Ich konnte keinen klaren Gedanken mehr fassen und starrte wie gelähmt auf die blutende Frau. Instinktiv griff ich nach der scharfen Waffe.

„Nein... lasst... ihn... stecken... solange mein Licht noch leuchtet.“, flüsterte sie kraftlos.

„Seid Ihr... der Mörder Roms!?“, hauchte ich fassungslos, als ich meine Tunika am Ärmel zerriss und den Fetzen auf die blutende Wunde drückte.

„Ja...“, flüsterte sie geschwächt.

„Aber Ihr seid eine Frau.“

Sie lachte erstickt. Als ich ihr das nasse Haar aus dem Gesicht strich, erkannte ich ihre einzigartige Schönheit. Ihr Blick fiel auf meinen Armreif.

„Woher... habt... Ihr... das?“, wisperte sie, bevor sie einen Schwall Blut hustete.

„Eine Freundin gab ihn mir.“

„Ich wusste es. Ich wusste, dass Ihr... dass du... es bist.“, röchelte sie erneut.

„Ich verstehe nicht?“

Sie sah mich seltsam an...

„Noch nicht. Aber... bald. Vertrau... darauf und... verzage nie. Dein Weg... wird... kein leichter sein."

„Du brauchst einen Medicus. Wir müssen dich...“

„Bitte... meine Zeit ist... gekommen. Du... du... musst mir einen letzten Gefallen tun.“,  es war kaum mehr als ein Flüstern, „... du weißt es noch nicht... aber... du... bist... wie... ich. Nimm meine... Hand. Den Armreif...“

Ungeschickt fummelte ich an ihrem dunklen Gewand herum, bis ich das Schmuckstück fand und abnahm. Sie hustete stark, ich konnte das Blut sehen das ihr bereits aus Nase und Mund lief.

„Bring... das... zu einem Mann... namens Remus. Du findest ihn... in der Schule... der Gladiatoren. Pass auf, dass dich niemand dabei sieht...ahhh! Sag ihm... sag...ihm... dass ich ihn... liebe und ihm auf ewig... dankbar bin für... das Leben... dass er mir schenkte. Bitte ... wirst du das tun?"

Ich konnte nicht verhindern, dass ich in Tränen ausbrach. Obwohl ich die Frau nicht kannte, fühlte ich mich, als würde jemand sterben der mir sehr nahe stand. Sie hob mit letzter Kraft ihren Arm, ihre Hand legte sich kalt auf mein Gesicht und streichelte es.

„Weine nicht... Tochter der Diana. Wir werden uns wiedersehen. Erfüll mir meinen... letzten Wunsch Amazone. Bitte...“

„Das werde ich, ich verspreche es im Namen der Göttin.“

Fest drückte sie meine Wange, ihre Augen begannen zu flackern als Atropos, die dritte der Parzen, ihren Lebensfaden durchtrennte. Schlaff und leblos lag sie in meinen Armen, ich hielt sie noch lange fest und weinte. Erst die Stimmen der Soldaten ließen mich aufhorchen.

„Sucht das ganze Ufer ab!!“

Behutsam legte ich meine Finger auf die Lider ihrer Augen und schloss diese, zog den Dolch aus ihrem Fleisch und ließ sie sanft ins Wasser gleiten, so das der Tiber sie mit sich fortnahm...


(xxx)


Als die Dämmerung des Tages einsetzte erreichte ich unser Haus. Fast apathisch zog ich mich aus und legte mich ins Bett, doch an Schlaf war nicht zu denken. Der Mörder, der ganz Rom in Angst versetzt hatte, war all die Jahre eine Frau gewesen. Doch warum nannte sie mich eine von ihnen? Eine Tochter der Diana?! Und woher kannte sie den alten Remus? Die vielen Fragen ließen mich wahnsinnig werden. Ich stand auf und ging zu meinem Umhang, griff hinein und zog den Armreif hervor. Als ich das Blut abgewischt hatte, setzte mein Herz für Sekunden aus. Der Armreif war absolut identisch mit dem, welchen Aelia mir gegeben hatte. Ein furchtbarer Verdacht keimte in mir auf und so beschloss ich, ihm auf den Grund zu gehen. Ich versteckte den Dolch der Bestie und begleitete, trotz meiner Müdigkeit, Pheroas und meinen Vater zum Ludus Magnus. Gerade dort angekommen sah ich Mulawi, Marcos und Remus zusammen. Marcos schien sehr aufgeregt, sein ganzer Leib schien angespannt. Remus hingegen war blass und vor Sorge gezeichnet. Als sie uns bemerkten, verstummten sie. Mulawi war an diesem Tag ungewöhnlich still. Marcos schien, obwohl er bei ihr war, sehr weit weg zu sein. Selbst ich hatte keine Lust, so wie sonst, mich zu stärken, stattdessen saß ich gedankenverloren in dem Zimmer und starrte an die Wand. Die Frau ging mir nicht mehr aus dem Kopf, doch noch kälter hing der bevorstehende Abend des Festes über mir. Wie eine schwarze Wolke folgte er mir wohin ich auch ging und ließ mich verzweifeln. Gegen Nachmittag begann ich wie ein wildes Tier auf und ab zu laufen, überlegte was ich tun konnte um zu verhindern, dass mein geliebter Bruder auf diese grausame Frau traf.

„Ich muss mir die Beine vertreten...“, sprach ich matt, Marcos nickte stumm und folgte mir. Durch Zufall hörte ich die Männer in der Waffenkammer. Sie unterhielten sich in leisem griechisch.

„Habt Ihr Angst, mein Freund?“

„Ja. Ich habe Angst. Der Gedanke morgen zu sterben, mein Körper gehorcht mir nicht mehr. Ich kann keine einzige Speise bei mir behalten.“

„Das ist nur natürlich.“

„Habt Ihr keine Angst, Aristophanes?“

„Ich vertraue auf mein Können und Ares unseren Gott des Krieges. Die cena libera soll wahrlich prachtvoll sein. Es gibt die herrlichsten Speisen, maskierte Sklavinnen und Frauen, wie Ihr sie Euch nicht erträumen könnt. Eine jede ist willig und mehr als nur bereit, sich Euch  hinzugeben.“

„Was nützt das, wenn ich am nächsten Tag sterbe? Ich hatte mal Frau und Kind in Griechenland. Ich war glücklich...“

„Warum seid Ihr dann gekommen?“

„Ich habe alles verloren, meinen Sohn, mein Weib. Die Götter, so schien es mir, hatten mich vergessen und so kehrte ich ihnen und meiner Heimat den Rücken.“

Ich hatte genug gehört. Die Worte des Mannes brachten mich auf eine riskante Idee. Lautlos zogen Marcos und ich uns zurück. Im Zimmer angelangt warteten mein Vater und Pheroas auf mich.

„Es ist Zeit für Euch zu gehen.“, sprach mein Vater ohne mich anzusehen. Seit dem gestrigen Tag redeten wir nur das Nötigste miteinander.

„Ich wollte sowieso noch etwas einkaufen...“, erwiderte ich leise.

„Dann wird Marcos Euch begleiten. Es ist gut, dass Ihr Euch etwas ablenken wollt.“, nickte Pheroas.

Ja geliebter Bruder...

Ablenken...

Das war das Stichwort...


(xxx)


Mein Sklave und ich schlugen den Weg Richtung Forum Boarium ein, einem riesigen Marktplatz für Produkte vom Land. Wir schlenderten weiter durch das Velabrum ein Geschäftsviertel das vorwiegend Essbares anbot. Überall wurde mit Fisch, Fleisch, Wein und dem besten Öl der Stadt gehandelt. Lärmend drangen die Stimmen der Händler an mein Ohr. Drei Frauen an einem Stand für Backwaren, erregten meine Aufmerksamkeit, tuschelnd steckten sie die Köpfe zusammen.

„Habt Ihr gehört? Livia soll gestern nahe der Mulvischen Brücke den Mörder Roms gefasst haben!“

Ich stellte mich ebenfalls an den Holzstand und tat so als würde ich die Brote prüfen.

„Also ich habe gehört, sie soll ihn lediglich verwundet haben. Schwer so wie man sagt.“

„Sie haben aber keine Leiche gefunden. Wenn er tot ist, so müssten sie doch wenigstens einen Körper finden.“, warf die Frau neben mir ein.

„Da ist etwas Wahres dran...“

„Ich würde gerne wissen, wer dieser Mann ist. Eine Bekannte sagte mir, das der Kaiser und Livia ihn im Adel vermuten.“

„Nein!!“, rief die Frau wieder.

„Doch... doch. Sie stellen weiter ganz Rom auf den Kopf, Augustus will einen Beweis für den Tod des Attentäters."

„Dann wird es heute Abend spannend. Die cena libera verspricht ein Hochgenuss zu werden, halb Rom wird dort sein und sich an den Männern erfreuen. Ich gehe natürlich auch hin. Mich locken die starken, haarigen Körper, außerdem könnte ich es mal wieder brauchen!“, grinste sie den anderen Frauen zu, die ebenfalls laut lachten.

„Doch ich hörte, Livia sei ebenfalls dort.“

„Warum ist die Kaiserin dort, wenn der Mörder angeblich tot ist?“

„Warum wohl. Die Gladiatoren natürlich! Sie soll eine Nymphomanin sein, sie verschlingt die Männer regelrecht.“

„Die Frauen aber auch.“

„Mein Mann ist wie Ihr wisst, Principales. Er erzählte mir, dass sie sich einst drei Jungfrauen kommen ließ und alle in nur einer Nacht, ihrer Unschuld beraubte.“

Das Brot fiel mir aus der Hand und schlug dumpf auf der Straße auf...

„Junge Frau!“, der Händler zerrte an mir. „... Ihr müsst dieses Brot nun kaufen!“

„Ja, sicher... entschuldigt.", schnell reichte ich ihm zwei As und machte das ich dort wegkam. Die ganze Zeit hielt ich das Brot in der Hand, ich hatte es ehrlich gesagt vollkommen vergessen. Diese Frau schien vor nichts Halt zu machen. Ich musste unbedingt heute Abend auf das Fest, kostete es was es wolle. Als wir das Geschäftsviertel hinter uns ließen, erreichten wir schließlich die Straße der Stoffhändler. Hierher wollte ich. Gründlich sah ich mich um und wandte mich enttäuscht ab als ich nicht fand, wonach ich suchte. Allmählich wurde mir bewusst, dass ich meine Suche am falschen Ort begann. Hier gab es alles für die Reichen, Tuniken aus feinster Seide, seltenen Kopfschmuck und prunkvolle Gewänder. Für das, was ich brauchte, musste ich dahin, wo die Sünde regierte. Und ich wusste genau wer mir da helfen konnte, ich musste nur meinen Begleiter irgendwie loswerden.

„Marcos...“, ich versuchte so müde wie möglich zu klingen, „...bringt mich nach Hause.", er verstand und wir gingen den langen Weg zurück. Gerade als ich mich bückte um meine Sandalen zu richten, sah ich die Frau mit dem kleinen Mädchen an ihrer Seite. Bettelnd stand sie an der Wand eines Hauses und flehte die vorbeigehenden Menschen um Nahrung an. Doch niemand schien sie zu sehen, als ein stämmiger Mann gegen sie stieß, taumelte sie kraftlos zurück und stürzte schwer.

„Könnt Ihr dummes Weib denn nicht aufpassen!“, rief er böse und trat mit seinem Fuß nach ihr. Schützend stellte sich das kleine Mädchen vor seine Mutter.

„Du Kind einer Hure, wagst es, dich mir entgegen zu stellen!“, drohend erhob er die Hand zum Schlag.

Mein Arm schoss blitzschnell vor...

Meine Hand griff nach seiner Faust und umschloss sie mit brechender Kraft. Ich konnte seinen Daumen knacken hören und zwang ihn so, mich anzusehen. Erschrocken blickte er mich an, mit all meiner Stärke zwang ich ihn auf die Knie.

„Wenn Ihr es wagt dieses Kind anzurühren, breche Euch jeden verdammten Knochen in Eurem fetten Leib. Habt Ihr das verstanden?“, fauchte ich mit einer Stimme, die nicht mehr meine eigene zu sein schien. Die Aktion war so schnell ausgeführt, das selbst Marcos nur verblüfft mit dem Kopf schütteln konnte.

„Ja, Frau...“, keuchte er unter Schmerzen, „...Ich habe Euch verstanden!“

„Dann verschwindet!“, zischte ich gefährlich. Schnell war er auf den Beinen. Ohne mich nochmal anzusehen, verschwand er in der Menge.

„Ich danke Euch von Herzen...“, sprach sie mit brüchiger Stimme. Ich nahm mein Brot, brach es in zwei Hälften und reichte ihr und dem Mädchen jeweils eine.

„Ihr seid zu gütig!“, sie beugte sich nach vorne und küsste mir die Füße.

„Bitte lasst das und erhebt Euch.“, sprach ich sanft. Genüsslich stopfte sich das Kind mehrere der dicken, weichen Brocken in den Mund. Ihr Augenmerk richtet sich auf meinen Arm. Als ich mich umdrehte um zu gehen, hielt sie mich an der Kleidung fest.

„Passt auf euch auf, Tochter der Diana...“, flüsterte sie, nahm das Mädchen und verschwand in der Gasse. Als ich Marcos daraufhin ansah, lag in seinem Blick ein helles Leuchten. Er begleitete mich wortlos, aber lächelnd nach Hause und überließ mich meiner Mutter. Als sie versuchte ein Gespräch mit mir zu beginnen, wehrte ich dies ab und ging stumm in mein Zimmer. Kaum hatte ich die Tür verschlossen, kletterte ich über das Dach ins Freie. Meine Beine trugen mich schnell durch die Stadt, zielsicher Richtung der Brücke, an der mein Leben sich für immer verändert hatte. Ich brauchte nicht lange um die Taverne zu finden, ohne Umschweife, öffnete ich die Tür. Verdutzt über meine Anwesenheit, kniff Cajus die Augen zu Schlitzen zusammen.

„Was verschafft mir die Ehre Eures Besuches?“, fragte er vorsichtig.

„Ich bin auf der Suche nach Aelia!“

„Sie ist oben und...“

„Danke.“

„Wartet, Ihr könnt dort nicht einfach hochgehen!“, doch ich hatte die Treppe bereits erreicht. Ich ignorierte das perverse Treiben um mich herum und erreichte die Tür ihres Zimmers. Ans Anklopfen dachte ich nicht, riss sie auf und erstarrte. Aelia saß keuchend auf einem Unbekannten und bewegte ihr Becken rhythmisch auf seiner harten Männlichkeit.

„Schneller Hure!“, grunzte der Mann während seine großen Hände ihr Gesäß kneteten.

„Ich muss mit Euch reden!“, rief ich laut. Als hätte der Blitz des Jupiters sie persönlich getroffen, zuckte Aelia zusammen. Schnell war sie von ihm runter und bedeckte sie Beide mit einer Decke. Verdattert starrte sie mich mit großen Augen an.

„Aristea, was... macht Ihr denn hier??!!“

„Ich brauche Eure Hilfe, sofort!“

„Ich habe Kundschaft!“

„Es muss jetzt sein und duldet keinen Aufschub!“, sprach ich scharf.

„Verschwindet!!!“, brüllte der Freier, stand auf und kam auf mich zu. Er packte mich an der Schulter und schubste mich in Richtung Tür.

Ein fataler Fehler seinerseits...

Ruckartig drehte ich mich zu ihm um und schlug die fremde Hand beiseite. Mein Knie schnellte hoch und traf ihn genau zwischen den Beinen. Mit einem hellen Schmerzensschrei hielt er sich sein Gemächt, bevor mein Fuß mit voller Wucht in seine Kniekehle trat. Wie ein Stein knickte er ein, meine Faust schlug ihm von hinten auf den Kopf, so dass er hart an den Rahmen der Tür schlug. Ohnmächtig blieb er liegen. Ich riss in von dort weg und zerrte ihn an den Armen vorran ans Bett. Leise verschloss die Tür wieder. In den Augen meiner Freundin spiegelte sich das blanke Entsetzen wider. Mit einem Blick, der den Tod versprach, griff ich nach dem Schwert das bei seinen Sachen lag. Gekonnt drehte ich es in der Hand und hielt es Aelia unter die Nase.

„Wenn ich Euch sage, dass ich Eure Hilfe brauche Hure, habt Ihr gefälligst...“, erst als ich ihre Angst sah, verstummte ich. Tränen der Furcht liefen an ihren Wangen herab, zitternd hielt sie die Decke fest, die um ihren Körper geschlungen war.

„Aelia, es tut... mir leid...“, stammelte ich benommen. Achtlos ließ ich die Waffe fallen, „... ich werde wohl besser gehen.“, ich wandte mich dem Fenster zu.

„Aristea, wartet! Kommt her und setzt Euch.“, sie legte eine weitere Decke auf das Bett, kraftlos ließ ich mich darauf nieder.

„Einen Moment noch!“, flink war sie angezogen und lief aus dem Zimmer. Wenige Minuten danach, erschienen sie, Cajus und ein junger Mann.

„Er wollte nicht zahlen, als er gerade gehen wollte, versagten ihm die Beine. Er ist gegen die Tür gefallen, hat viel getrunken.“, log sie.

„Bringt den Abschaum raus und merkt Euch sein Gesicht. Er soll dieses Haus nicht mehr betreten! Aelia, geht es Euch gut, meine Schöne?“

„Cajus, danke. Bitte sorgt dafür, das heute keine Kundschaft mehr kommt, ich brauche Ruhe.“

„Wie Ihr wünscht...“

Als sie weg waren, blickte Aelia mich lange an.

„Wir haben uns ewig nicht gesehen, jedes Mal wenn ich zu Besuch kam, wart Ihr in der Gladiatorenschule. Ihr habt Euch verändert, Aristea.“

„ Ihr glaubt nicht wie sehr...“, flüsterte ich schwach.

„Ihr seid wegen der cena libera hier, oder?“

„Woher...“

„Ich habe meine Augen und Ohren überall. Sie wird dort sein, nicht wahr?“

„..........“

„Lasst mich raten. Sie findet Gefallen an Pheroas?“

„Wie könnt Ihr das alles nur wissen?“, fragte ich misstrauisch.

„Auch, wenn ich Euch über zwei Jahre Jahre nicht sah, so war ich stets in Eurer Nähe. Sie ist tödlich, Aristea. Ihr seid noch lange nicht so weit.“

„Lange nicht soweit? Wovon redet Ihr?!“

„Warum genau seid Ihr hier?“

„Ich brauche ein paar Eurer Sachen. Eine Maske und eine Perücke, mehr will ich nicht.“

„Ich würde das nicht tun...“, ich sprang auf, entsetzt wich sie zurück.

„Ihr wollt mir also nicht helfen?", knurrte ich wütend.

„Nein! Ich will nicht dafür verantwortlich sein, wenn Ihr so töricht seid und Euer Leben aufs Spiel setzt!“, sie ging zur Tür, „... Ihr solltet...“, doch ich war längst auf und davon. Ich sah noch wie sie ans geöffnete Fenster ging und nach mir suchte, bevor ich hinter dem Dach des gegenüberliegenden Hauses verschwand...
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast