The book of Aristea -The Assassin of Rome Part 1

GeschichteDrama, Schmerz/Trost / P18 Slash
08.08.2014
04.10.2014
7
27041
2
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Disclaimer: Alle Charaktere aus XWP gehören MCA/ Universal & Ren Pics, ich habe nicht vor mit dieser Geschichte irgendein Copyright zu verletzten, geschweige denn, das Ansehen der Darsteller oder der Charaktere. Dies ist eine rein erfundene Geschichte, welche lediglich die Fantasie der Leser beflügeln soll.

Sexwarning: Diese Geschichte spielt im alten, sündhaften Rom. Um sie so glaubwürdig wie möglich zu machen, gibt es graphisch detaillierten Sex zwischen dem gleichen Geschlecht, aber auch zwischen Mann und Frau, daher sollte sie nicht unter 18 Jahren gelesen werden.

Violence/Gewalt: Ist sehr wohl vorhanden und wird graphisch beschrieben, deshalb ist diese Kategorie ebenfalls ab 18 eingestuft!!

Anmerkung der Autorin: Da Teil 8 der Serie * The truth about Varia and Eve – Rückkehr nach Higuchi* erst noch entsteht, gibt es hier mal etwas ganz Neues von mir. Inspiriert, eine Geschichte über das Thema Livia zu ihrer Zeit, als grausame Herrscherin in Rom zu schreiben, wurde ich, als ich mir neulich mal wieder Staffel 5 angesehen habe. Dazu ein paar Recherchen über das alte Rom und eines meiner Lieblingsbücher, welches mir bei den Gladiatorenkämpfen geholfen hat und das Schreiben ging mir flott von der Hand. Erzählt wird die Story aus der Perspektive der Hauptfigur, also in der Ich Form. Und ebenfalls enthält sie, wie alle meine Werke, viel Dialog.

Viel Spaß beim Lesen.

Eure Blue :o)


The book of Aristea - The Assassin of Rome Part 1

Wege des Schicksals“


„Unterschätze niemals den Hass und die Wut einer gebrochenen Seele, denn die schlimmste Rache auf Erden ist die einer Frau...“



Mein Name ist Aristea...

Zumindest gab man mir diesen, als man mich in den stinkenden Abfällen, mitten auf den Straßen der Subura, dem ärmlichsten Stadtviertel des mächtigen Roms fand. Meiner an nahm sich ein Mann namens Verigilanus. Er und seine Frau Flavia hatten ihr zweites Kind an Krankheit verloren. Erst später sollte ich erfahren, das mein Vater der Leiter der größten Gladiatorenschule Roms war. Als er mich sah war ich schwach und unterernährt. Flavia, eine warmherzige und liebevolle Frau, nahm mich wie ihre eigene Tochter an und sorgte eisern dafür, dass ich und mein drei Jahre älterer Stiefbruder Pheroas alles hatten, was wir zum Leben brauchten.

An meine ersten Jahre erinnere ich mich gar nicht, an meine Kindheit nur schemenhaft. Ehrlich gesagt ist alles, was ich bis hin zu meinem 15. Lebensjahr erlebt hatte, im Nebel meiner Erinnerungen verschüttet. Verdrängt durch die Grausamkeiten der letzten Jahre. Doch genau hier beginnt meine unglaubliche Geschichte...


(xxx)

Ich wuchs zu einem, wie die Männer sagten, wunderschönen Mädchen heran.

Doch ich war anders als die meisten Frauen Roms...

Schon immer trug ich mein Herz auf der Zunge. Mein schönes, markantes Gesicht verriet jedem meine griechische Abstammung. Ich hatte langes, schwarzes Haar und durchdringende braune Augen. Mein Körper war schmal, muskulös und trotzdem mit allen Vorzügen der Weiblichkeit gesegnet. Wie weit er sich tatsächlich entwickeln sollte und welche Macht er noch ausüben würde, hätte ich bis zu diesem Zeitpunkt nie erahnen können.

Schon immer meinte Flavia, meine Mutter, dass ich anders, ja einzigartig wäre. Die meisten Mädchen meines Alters fingen an sich ihres Geschlechts mehr als nur bewusst zu werden. Sie legten Wert auf ein gepflegtes Äußeres, die neuesten Kleider, Schmuck, feinste Frisuren und jagten den Männern nach, während ich mit meinem Bruder Pheroas im staubigen Sand herumwälzte und Kämpfe austrug, die ich meistens verlor. Pheroas war all mein Glück, bewundernd blickte ich zu ihm auf. Er war groß und kraftstrotzend wie Herkules und ebenso schön. Jetzt, im Nachhinein kann ich sagen, er war der einzige Mann, den ich je von Herzen geliebt habe. Während meine Mutter uns beide, die wir doch seit Kindertagen unzertrennlich waren, belächelte, sah mein Vater meine Entwicklung mit Sorge. Wenn er wütend war, sagte er immer:

„Frau! Ihr sollt sie die Feinheiten der Weiblichkeit lehren. Unsere Tochter gleicht eher einer wilden, griechischen Amazone, als der sanften, lieblichen Venus.“

„Ach Verigilanus, lasst ihr Zeit! Unsere Tochter ist etwas Besonderes.“, pflegte meine Mutter immer schnippisch darauf zu antworten.

Wie besonders wusste nur das Schicksal selbst...

Unsere Familie war durch die Tätigkeit meines Vaters hochangesehen. Wir mussten, im Gegensatz zu dem größten Teil der römischen Bevölkerung, keinen Hunger leiden. Verigilanus hatte gute Verbindungen zu verschiedenen Senatoren, hohen angesehenen Männern im Senat, ebenso zu den Veranstaltern des Kaisers, die immer auf der Suche nach guten Gladiatoren waren, um dem Volk das zu geben, wonach es lechzte.

Spiele...

Blutige, tödliche Spiele...

Wie grausam die Arbeit meines Vaters war, sollte ich viel zu schnell erfahren. Ich hatte zwar von den Gladiatoren gehört, jedoch nie einen bei uns gesehen, geschweige denn gewusst, was es bedeutet, ein Totgeweihter zu sein. Das änderte sich an meinem 18. Geburtstag, als mein Vater beschloss, mich und meinen Bruder zum Ludus Magnus, der kaiserlichen Gladiatorenschule, mitzunehmen. Es war ein langgestreckter, zweistöckiger Bau, der zwischen dem Esquillin und dem Caelius lag. Er hatte nur zur Straße hin kleine Fenster. In westlicher Richtung konnte man das Kolosseum gut sehen. Mit erhobenem Haupt führte er uns über den Säulenhof, einem riesigen Exerzier- und Übungsplatz.

Wie gebannt starrten Pheroas und ich auf die schwitzenden, bärtigen, muskelbepackten Gestalten, die erbitterte Zweikämpfe austrugen...

Ich sah einen Mann, der seinen Körper nur durch einen Armpanzer mit festem Schulterschild schützte. In seiner Hand ein Netz und der Dreizack. Eine furchteinflößende Waffe, der des Neptuns nachempfunden, versehen mit drei scharfen Spitzen, die tödlich im Licht der Sonne funkelten. Ihm gegenüber stand ein Mann mit eng anliegendem Helm, Beinschienen, einen ovalen Schild und einem geraden Schwert. Neben ihnen im Abstand von etwa sechs Metern, kämpften zwei Männer mit einem kleinen, runden Schild und scharfen, gebogenen Schwertern gegeneinander.

„Die mit dem Dreizack nennt man Retarier, der andere Mann kämpft in der Rolle des Samniten! Sie sind die Lieblinge des Volkes und jene, welche zuerst blutig fallen.“

Erschreckt wich ich zurück...

„Remus, alter Narr! Ihr schwatzt zu viel“, rief mein Vater freudig aus, „…kommt her und lasst Euch umarmen!“

„Verigilanus! Schön Euch zu sehen!“

Langsam trat der alte Mann näher und beäugte mich und Pheroas.

„Ist er nicht stattlich!“, mein Vater klopfte Pheroas, der verwundert drein blickte, auf die Schulter.

„Fürwahr, dass ist er! Als hätte Jupiter ihn selbst geformt und doch, es scheint, als hätte Mars ihn noch nicht für sich entdeckt?“, fragte er neugierig.

„Ihr sprecht wahre Worte, guter Freund. Doch von heute an wird Mars ihm gewogen sein, denn mein Sohn es ist Zeit, dass Ihr wisst, wie das Schwert zu führen ist!“

Ich war wie erstarrt...

Waren wir deshalb hier?

Hatte mein Vater vor, Pheroas als seinen Nachfolger auszubilden?

„Er ist mehr als würdig in Eure Fußstapfen zu treten. Das ist gewiss!“, nickte der Alte.

„Doch nun erlaubt mir, Euch meine wunderschöne Tochter Aristea vorzustellen.“

„Es ist mir eine Ehre, endlich die Tochter des großen Verigilanus kennenzulernen.“

Als ich ihm, wie es die Sitte verlangt, die Hand darbot, umfasster er meine Finger mit einem merkwürdigen Griff. Länger als sonst hielt er sie fest, sein Haupt nach unten geneigt. Als er endlich zu mir aufsah, schienen seine Augen mich zu durchbohren. Als sich unsere Blicke begegneten, glaubte ich, er würde den Grund meiner Seele suchen. Lächelnd küsste er meinen Handrücken, bevor er sich wieder meinem Vater zuwandte.

„Sie ist wirklich etwas Besonderes.", murmelte er seltsam, „...Nun, wenn ich Euch richtig verstanden habe, Verigilanus, so wollt Ihr, dass ich Euren Sohn unterrichte?“

„So soll es sein, alter Freund!“, sprach mein Vater mit Stolz in der Stimme.

„Aber Vater!!“, rief ich erschrocken.

„Aristea schweigt! Dies ist wahrlich seine Bestimmung. Nicht wahr, mein Sohn?“

Als ich zu Pheroas blickte, erschrak ich. Wie vom Gott des Krieges persönlich in seinen Bann geschlagen, hielt er das Schwert prüfend in der Hand.

„Natürlich Vater!“, kam es laut zurück.

„Aber Pheroas! Ihr wolltet niemals...“

„Lasst ihn und kommt! Dies ist kein Ort für eine junge und schöne Frau.“

Ich begriff erst nicht was er meinte, bis ich in die Gesichter der Gladiatoren blickte. Lüstern rieben sie sich die Bärte und starrten wollüstig auf meinen Körper. Sie hatten das Kämpfen komplett eingestellt und zogen mich mit ihren Blicken aus.

„Was starrt Ihr denn so, Ihr Gesindel!!!“, schrie mein Vater, „...Kämpft weiter oder Ihr sterbt alle durch meine Hand! Wenn es auch nur einer wagt, meine wunderschöne Tochter anzurühren, schneide ich ihm bei lebendigem Leibe die Eingeweide heraus und werfe sie den Hunden zum Fraße vor!!!!“, das genügte, um die Männer einzuschüchtern.

„Kommt mein Kind. Heute ist der Tag Eurer Volljährigkeit. Eure Mutter und ich sind am Abend bei Senator Narcissus eingeladen. Ich habe ihm von Euch erzählt und er möchte Euch kennenlernen. Man munkelt, er suche nach dem Tod seiner ersten Frau eine Neue...“

Ich zuckte regelrecht zusammen.

„Ihr wollt mich verheiraten?“

„Nun, meine Liebe,  Ihr seid eine der schönsten Frauen hier, das hört natürlich auch ein Senator. Es wäre nur von Vorteil, die Frau eines wohlhabenden und hochangesehenen Mannes zu werden. Und wenn sich dadurch eine Heirat ergibt, umso besser!“

„Aber ich will... noch nicht heiraten1!! Und dann schon gar nicht einen Mann, den ich nicht kenne. Wenn er ein Senator ist, dann ist er alt!“

„Aristea!!“

„Verzeiht... Vater.“

„Senator Narcissus ist beim Kaiser hochangesehen. Er ist ein ehrenwerter Mann und er ist 40 Jahre alt. Ihr seid jetzt eine Frau. Und Frauen haben, wie Ihr ja wisst, andere Verpflichtungen als Männer. Die Zeiten, in denen Ihr mit Pheroas im Sand herumgetollt seid, sind nun endgültig vorbei! Aelia und Eure Mutter warten bereits.“

(xxx)

Als wir zu Hause ankamen, war meine Mutter bereits in heller Aufregung. Hektisch lief sie von Zimmer zu Zimmer und suchte irgendwelche Dinge zusammen. Aelia, meine beste Freundin, legte eine Tunika nach der anderen auf meinem Bett aus und schien fieberhaft zu überlegen, welche davon mir besser stehen würde. Ich wusste, das meine Mutter in Wahrheit nicht viel von ihr hielt. Aelia war voller Sünde. Ständig brachte sie neue Männer mit oder vergnügte sich mit mehreren gleichzeitig. Sie wusste immer genau, wo in Rom ein Bett für sie frei war. Als ich erfuhr, dass sie eine der bestbezahltesten Huren der Stadt ist, wurde mir übel. Aelia erzählte für ihr Leben gern und so wusste ich mehr über das andere Geschlecht, als mir lieb war. Ständig versuchte sie mich an den Mann zu bringen, ich solle endlich meine Unschuld verlieren. Die körperliche Liebe sei befreiend und könnte mir ungeahnte Lust bescheren. Sie bot mir sogar an, es mit einem Mann vor meinen Augen zu tun, damit ich wüsste, wie es geht.

Doch ich lehnte jedes Mal ab...

Mir selbst war es anfänglich unverständlich, dass ich keine Männer mochte. Als ich vor langer Zeit einmal mit meiner Mutter darüber sprach, lachte sie und erzählte mir, das es ihr in der Jugend, ebenso ergangen war. Bis mein Vater kam, meinte sie anzüglich. Von da an sei sie verrückt nach allem gewesen, was er ihr bieten konnte, vor allem im Bett. Jede Frau die ich kannte, schwärmte von der körperlichen Liebe, von den kräftigen Leibern der Männer und deren Ausdauer.

Für mich war all dies nebensächlich...

Mein Herz war zu dieser Zeit voller Sorge um Pheroas. Mein geliebter Bruder entwickelte sich zum Mann. Einem Mann, der stehts sein Herz am rechten Fleck trug, jedoch voll und ganz in der Rolle meines Vaters aufging. Ich sah ihn nur noch selten und vermisste ihn schrecklich. Mir fehlten unsere kleinen Rangeleien und Kämpfe, aber auch die langen Gespräche und seine Heldengeschichten am Abend.

Doch ich schweife ab...

Als Aelia mich erblickte, fiel sie mir in die Arme.

„Da seid Ihr ja endlich! Heute ist der Tag!“

„Was soll das schon für ein Tag sein...“, knurrte ich wütend.

„Ach Aristea, Ihr solltet Euch freuen. Von einem Senator und dann noch von Narcissus eingeladen zu werden, ist eine große Ehre! Ich wünschte, ich hätte dein Glück. Ein solcher Mann ist der Traum einer jeden Frau hier. Er soll sehr gut bestückt sein.“, grinste sie anzüglich.

„Das ist mir egal. Ich will keinen Mann und schon gar nicht einen solch alten!“

„Ihr seid stur wie immer. Ein Mann in seinem Alter hat auch Vorteile. Er wird Euch endlich in die Liebe einweisen. Und er hat Geld, Ihr habt, wenn alles klappt, ein sorgloses Leben.“

„Versteht Ihr denn nicht? Ich will das alles nicht! Ich bin nicht bereit dafür!“, Aelias Blick, als ich das aussprach...

Merkwürdig und doch so, als wüsste sie, wie es in mir aussah. Ich wollte gerade nachhaken...

„Aristea!?“, hörte ich meine Mutter rufen.

„Ja?“

„Ich möchte, dass Ihr mit Aelia zu Tigellinus geht und den bestellten Falerner abholt.“

„Kann nicht die Sklavin zum Weinhändler gehen?“

„Nein! Fabia muss mir hier helfen! Nehmt die Sesterzen auf dem Tisch und beeilt euch. Keine Umwege!“


(xxx)

Unser Weg führte uns am Forum Julium und an der Basilika Ämilia vorbei, direkt an der Kurie entlang zum Forum Romanum. Dort quoll es über vor Leben. Das Geschwätz der Massen war ohrenbetäubend. Überall standen Händler, Ölpfannen mit duftendem Essen qualmten und der Geruch von Wein lag in der Luft. Aelia und ich hatten alle Mühe uns durch die laute Menge zu schlängeln.

„Ich habe noch eine Überraschung für Euch!“, grinste sie breit, packte meinen Arm und zog mich mit sich fort.

„Wartet... wo wollt Ihr denn hin? Zur Basilika Julia geht es in die andere Richtung!“

„Vergesst die Basilika! Wir gehen zur Mulvischen Brücke.“

„Aber... wartet! Dort ist es nicht ungefährlich!“

„Jetzt hört aber auf, wart Ihr je dort?“

„Nein, doch ich habe genug Geschichten gehört.“

„Vertraut mir einfach. Es wird Euch gefallen..."

An der Mulvischen Brücke herrschte tagtäglich eine wahre Flut von Geschäftsreisenden, jungen Römern und zwielichtigen Gestalten. Der Tiber zog sich trübe unter der Brücke entlang auf der viele Frauen und Männer standen. Mit verführerischen Gesten und erotischen Posen versuchten sie, potentielle Freier anzulocken. Ich muss, jetzt im Nachhinein gestehen, dass ich geschockt war, denn die Frauen dort kannten keine Tabus. Aelia lachte nur über mein Gesicht.

„Nun, Aristea merkt Euch... wer zu dieser Brücke kommt, will kaufen oder gekauft werden.“, sie grinste breit.

Ich kam aus dem Staunen nicht heraus.

„Seht Ihr die Frau dort hinten?“

Mein Blick fiel auf eine Frau, schöner als das Licht der Sonne. In lasziven Bewegungen räkelte sie sich am Geländer der Brücke.

„Das ist Ausilia, sie verlangt ganze drei Aurei! Sie hat feste Kunden und spielt wie ich in der oberen Klasse!“

„Huren haben eine obere Klasse?!“

„Ja, meine Liebe. Auch bei uns Geschäftsfrauen gibt es eine Hierarchie!“, rief sie empört.

„Können wir jetzt wieder gehen? Ich...“, meine Kinnlade klappte nach unten.

Wenige Schritte vor mir sah ich zwei Männer. Der Vordere, noch fast ein Jüngling, stützte sich laut stöhnend an der Brücke ab, während der Andere ihm schwitzend sein steifes Glied immer wieder ins Gesäß stieß.

„Das ist Nevio. Er liebt nur die Männer, nicht jedoch die Frauen. Und es gibt viele Männer, Soldaten, ja sogar Stadträte, die zu ihm kommen und seine Kraft und Ausdauer zu schätzen wissen.“

Als ich meinen Blick weiter schweifen ließ, sah ich eine Frau, deren Kopf unter der Tunika einer anderen halb verborgen war. Sie keuchte und hielt den blonden Kopf der Anderen liebevoll umarmt. Unter all dem sündigen Treiben, übte dieses Bild eine ungeahnte Faszination auf mich aus. Es hatte nichts ekelhaftes oder hemmungsloses an sich. Sie taten es nicht wie wilde Tiere, so wie Nevio, sondern sinnlich, als würden sie miteinander spielen. Mir war gar nicht recht bewusst, dass ich sehr lange in ihre Richtung sah. Und so bemerkte ich auch nicht, das Aelia mich lächelnd beobachtete. Als die Frau anfing zu zittern und den Kopf laut stöhnend nach hinten warf, wurde mir regelrecht heiß.

„Gefällt es Euch?“, riss mich Aelia ins Jetzt zurück. Mit hochrotem Kopf sah ich verlegen zur Seite.

„Ich wusste nicht das Frauen...“, stotterte ich.

„Dass Frauen untereinander zu solch intensiven Gefühlen fähig sind?“

„Ja. Ich meine, nein. Ich habe von dieser Liebe gelesen und gehört... doch gesehen habe ich sie nie.“, hauchte ich mit heiserer Stimme.

„Nun, es kann sehr entspannend sein...“

„Ihr habt...“

„Ja. Gut, ich verdiene mein Geld mit Männern, doch bei einer schönen Frau kann selbst ich nicht widerstehen. Und sie zahlen bei mir nicht. Kommt jetzt!“

Immer noch leicht verwirrt zog sie mich in eine kleine Seitengasse.

„Was wollen wir denn hier?“

„Uns amüsieren!“

„Aber...“

„Nichts aber! Aristea, lasst Euch doch einfach mal treiben und vertraut mir.“

Als wir auf die Taverne zusteuerten wurde mir mulmig. Ohne Vorwarnung riss Aelia die Türe auf. Sofort drehten sich die Köpfe der Gäste zu uns herum. Ich erkannte Frauen und Männer in eindeutigen Positionen. Der Wirt, ein kleiner hagerer Mann, stürmte regelrecht auf uns zu.

„Aelia!! Meine Göttin!“, rief er und küsste ihre Hand.

„Cajus, mein Treuer. Bringt Wein für alle hier!“, rief sie laut, was ihr begeisterten Jubel der Anwesenden einbrachte.

„Gesegnet seid Ihr, Aelia!!!“, riefen mehrere der Männer, bevor sie mit ihrem Liebesspiel fortfuhren. Ein großer, kräftiger Mann kam uns entgegen.

„Es ist eine wahre Freude Euch zu sehen, meine Gebieterin.“, säuselte er und verneigte sich. Ehe ich mich versah, schlang Aelia ihre Arme um ihn und küsste ihn innig.

„Und wer ist diese wunderschöne Venus?“, fragte er gierig, „... Eine Neue?“

„Lasst sie, Linus. Sie ist nicht zu Eurem Vergnügen hier.“

„Wie schade...“, flüsterte er.

„Cajus, bringt einen Krug Falerner auf mein Zimmer! Kommt Aristea.“

Sie packte mich am Arm und wir gingen die Stufen zum oberen Teil hinauf. Dort angekommen war ich völlig durcheinander. Es gab mehrere Zimmer an den Seiten eines langen Flures. In dem einen lag ein Mann auf dem mit Fellen ausgelegtem Boden, eine Frau saß auf seinem Gesicht, während eine Zweite seine Männlichkeit mit der Zunge verwöhnte. Im Raum daneben saßen drei Männer auf weichen Kissen, deren Hände sich rhythmisch zwischen ihren Beinen bewegten, während zwei Frauen sich vor ihnen liebten. Ich konnte erkennen wie einer von ihnen aufstand, sich neben die Frauen kniete und seinen Saft laut stöhnend über die beiden Körper vergoss. Endlich erreichten wir das Zimmer.

Ich war verwirrt und auch wütend über die Freizügigkeit, mit der Aelia mich auf solch harte Weise konfrontierte...

„Was soll das?? Warum bringt Ihr mich in ein Freudenhaus!?“, schrie ich aufgebracht.

„Beruhigt Euch...“, sprach Aelia als sie aufs Bett sprang und etwas zu suchen schien. Erst jetzt nahm ich das Zimmer richtig wahr. Es war nur dieses große Bett aufgestellt, die Wände waren mit dunklem Samt abgehängt, überall lagen Kleider und mehrere Perücken, "...Fühlt Euch ganz wie zu Hause.“

"Sehr komisch...", ich verzog das Gesicht, "...Ist das hier...“

„Es ist eines der vielen Zimmer, die ich bewohne. Es ist immer von Vorteil ein Bett zu haben, wenn Ihr versteht.“, beendete sie meine Gedanken mit Worten.

„Aber warum sind wir hier?“

„Ich möchte Euch etwas geben. Etwas, dass mir sehr am Herzen liegt. Heute ist Euer Geburtstag und als gute Freundin habe ich etwas für Euch. Deshalb sind wir hier.“

Ich blickte sie verwirrt an. Es klopfte und der Wirt betrat den Raum. Er stellte den Krug ab und verneigte sich, leise schloss er die Tür.

„Es tut mir leid, ich wollte Euch nicht erschrecken, doch ich dachte, es wäre gut, wenn Ihr mal das wahre Rom kennenlernt.“, sprach Aelia, während sie mir einen Becher mit der süßlichen Flüssigkeit reichte. Vorsichtig nippte ich an dem Getränk, "...Die Gegend in der Ihr lebt, spielt Euch eine Welt vor, die es so nicht gibt. Rom ist unendlich, geprägt von Armut und Krankheit. Nicht jeder lebt so gut wie Ihr. Die Römer sind süchtig nach allem was Vergnügen bereitet. Es ist eine brutale Welt der Macht, Lust und der Spiele. Rom ist verrucht und solange nichts geschieht, wird es immer so bleiben. Wart Ihr je woanders außer in dem Bezirk, in dem Ihr lebt? Habt Ihr je Menschen gesehen, die Hunger leiden? Sie brechen einfach auf den Straßen zusammen und niemand kümmert sich um sie. Die Pest ist in der Subura ausgebrochen, hunderte Menschen sterben dort. Doch interessiert es jemanden? Nein! Augustus ignoriert die Vorfälle, er hält das Volk mit Spielen bei Laune, veranstaltet teure Orgien, um seine Stadträte und den Senat zu unterhalten. Und dann ist da noch Livia... habt Ihr sie je gesehen?“

„Nein...“, flüsterte ich erschrocken über ihren plötzlichen Wutausbruch.

„Diese Frau steht über allem, selbst der Kaiser ist ihr verfallen. Sie ist wunderschön und doch grausamer als alle Frauen vor ihr. Niemand wagt es, ihr zu widersprechen. Ihre Soldaten fürchten sie und sind ihr treu ergeben. Sie trägt zurecht den Namen 'die Bestie Roms', obwohl Hure Roms wohl eher zutrifft. Sie kämpft wie ein Mann und mit dem Verstand einer Frau. Niemandem ist es bis jetzt gelungen sie zu schlagen. Erst neulich hat sie die mächtigen Amazonen in Griechenland überfallen und die Frauen in den Orient verkauft! Als Sklavinnen!!“, schrie sie aufgebracht.

„Ich habe davon gehört...“

„Seid froh, dass Ihr sie und ihre Grausamkeiten nie sehen musstet. Vor drei Tagen hat sie, ohne zu zögern, zwei ganze Familien exekutieren lassen, nur weil die Männer schlecht über den Kaiser sprachen. Selbst die Kinder sollen getötet worden sein!“

Ich hielt mir geschockt die Hand vor den Mund...

„Ja, Aristea. Das ist das wirkliche Rom. Regiert von einer Furie, deren Wut und Gewalt legendär ist. Sie ist zu allem fähig und nimmt sich, was immer sie will, egal ob Mensch oder Land. Und sollte es jemand wagen sich ihr zu widersetzen, so lebt er nicht lange genug, um davon zu erzählen. Ihre Rachsucht ist unübertroffen. Doch genug davon...“, sie setzte sich mit einem Seufzen aufs Bett und hielt mir ein rotes Kästchen vors Gesicht, "... ich möchte, dass Ihr ihn bekommt. Ihr wisst es vielleicht noch nicht, doch er passt in jeder Hinsicht zu Euch, denn Ihr seid anders als ich und die Frauen Roms.“

Als ich den kleinen Kasten öffnete, lag in ihm ein herrlicher, aus reinem Silber gefertigter Armreif. Auf seiner Außenseite befand sich das eingravierte Bild der Diana.

„Er ist atemberaubend schön...“, entwich es mir heiser.

„Ich wusste, dass er Euch gefällt.“, nickte Aelia gütig.

„Doch er scheint sehr wertvoll, ich kann ihn nicht annehmen.“

„Oh doch, dass könnt Ihr. Sonst würdest Ihr mich beleidigen!“, sie sah mich streng an.

Das Silber lag kühl auf meiner Haut, der Armreif passte wie angegossen, als wäre er eigens nur für mich gefertigt worden. Das Bild der Göttin blendete mich und es erschien mir, als würde sie mich ansehen und mein Herz erwärmen.

„Ich danke Euch, Aelia.“, sprach ich mit Tränen in den Augen und zog sie in eine liebevolle Umarmung.

„So nun aber Schluss mit den Rührseligkeiten! Trinkt aus, wir müssen noch die Bestellung abholen und sollten langsam los.“, sprach sie mit weicher Stimme. Als wir aus der Taverne traten, fühlte ich mich seltsam unbefangen, mutig und für alles kommende gestärkt. Zusammen gingen wir geradewegs in Richtung Tigellinus, als mich jemand an der Tunika packte. Der Mann stand mit einem Taubenkäfig in der Hand da.

„Was wollt Ihr?“, fragte ich vorsichtig.

„Ihr werdet dem Schicksal sehr bald begegnen. Ich spüre es!“, wisperte er heiser.

„Verschwinde, elender Bettelprophet! Wir haben keine Lust auf Euer törichtes Geschwätz!“, herrschte Aelia ihn an.

„Wartet! Lasst den Haruspex reden. Was verlangt Ihr für einen Blick in die Zukunft?“

„Einen Sesterz.“

„Aristea, lasst ihn. Er erzählt Euch alles, was Ihr wissen wollt. Das ist reine Geldverschwendung!“

„Meine Vorhersagen treffen immer zu!“, zischte er beleidigt.

Ich reichte ihm das Geld. Ohne zu zögern griff er nach der Taube, trennte ihr den Kopf vom Rumpf und ließ sie ausbluten.

„Uhh...das ist so widerlich...“, stöhnte Aelia.

Fast liebevoll rupfte er dem noch zuckenden Tier die Federn aus und schnitt ihm den Bauch auf. Summend rieb er die Innereien zwischen seinen Fingern.

„Was seht Ihr?“, fragte ich ungeduldig.

Erschrocken richtete er seine blinden Augen auf mich...

„Ich sehe Dunkelheit in Eurem Leben. Blut... sehr viel Blut. Ihr werdet einen, von Rache vergifteten Weg, einschlagen. Einsamkeit und Hass werden Euch begleiten. Thanatos wird wie ein Bruder zu Euch sein. Ich sehe Angst, einen schweren Verrat... und Euer Herz... welches bricht...Ihr...“

„Jetzt reicht es aber!!!“, schrie Aelia, als sie mein blasses Gesicht bemerkte.

„Ich sage die Wahrheit Frau. Ihr werdet anderen Menschen den sicheren Tod bringen...“, hörte ich ihn noch flüstern, bevor Aelia mich wegriss.

„Geht es Euch gut?“

„Ah... ja...“

„Hört nicht auf ihn, man kann keinem der Haruspices trauen...“, ich nickte nur, „...schaut mal, da ist Tigellinus Laden!“