[Captain Future] Drabble-Sammlung

von cortez11
DrabbleSci-Fi / P12
Curtis Newton / Captain Future Kim Ivan Prof. Simon Wright
07.08.2014
14.03.2015
5
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07.08.2014 621
 
Like Father and Son

Setting: Versorgungsschiff – es gibt noch keine COMET. Zu diesem Zeitpunkt ist Curtis ca. 10 Jahre alt

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"Alles o.k., Junge...?"
Curtis drehte sich nicht um, sondern zog stattdessen die Bettdecke bis zum Hals und starrte auf die Wand direkt neben ihm, während vor seinem geistigen Auge die Bilder des Erlebten vorbeizogen - der Tanz der Schweifengel (1), die das alte Versorgungsschiff wie ein Schwarm Delfine begleitet hatten, die unwirklichen Lichtphänomene der Centauri-Nacht und ihrer Jäger, der Angriff des Sumpfmonsters, der dichte Meteoritenschauer, in den sie geraten waren... Er hatte sich intensiv vorbereitet auf diese Tour, die erste richtige Forschungsreise, auf die Simon, Grag und Otho ihn mitgenommen hatten, war voller Vorfreude an Bord gegangen, geistig bis an die Zähne bewaffnet mit all' dem, was er im Vorfeld für diese Expedition recherchiert und vorbereitet hatte. Und trotzdem war das, was er gesehen und erlebt hatte, überwältigend. Gegenüber den Wundern des Alls kam er sich sehr machtlos und sehr unbedeutend vor. Winzig, um genau zu sein. Unwichtig.
Was er erfahren und empfunden hatte, hatte ihm die eigenen Grenzen mehr als deutlich aufgezeigt.
Den Blick immer noch starr auf die Wand gerichtet, begann er tonlos: "...Simon... das Universum ist so riesengroß, und ich bin so klein und so limitiert... Ich bin nichts, gar nichts, im Vergleich zu all' dem da draußen."
Simon hätte geschmunzelt, wenn er gekonnt hätte. So antwortete er nur: "Du bist ein Teil dieses Universums, Curtis, ein Teil seiner Wunder. Auch wenn Du Dich jetzt vielleicht klein und hilflos fühlst, bist Du ihm doch nicht schutzlos ausgeliefert - Du hast Deinen Kopf, Dein Hirn - und Deine Hände und Dein Herz."
Curtis dachte über die Antwort des Gehirns nach, rekapitulierte das Geschehen noch einmal, dann drehte er sich zu seinem Mentor um und blickte ihn aus dunklen Augen nachdenklich an. "...Ich dachte, ich kann schon viel und weiß viel. Doch ich stehe noch ganz am Anfang."
"Du wirst wachsen, mein Junge," erwiderte Simon. "Geistig wie körperlich. Und natürlich auch seelisch. Jetzt bist Du erst zehn Jahre alt, doch eines Tages kann Dir diese Welt, die jetzt noch so groß und überwältigend ist, zu Füßen liegen..."
"Zu Füßen liegen?" Curtis mochte sich das nicht vorstellen und schüttelte den Kopf. "Vielleicht, Simon. Aber es wird immer wieder Neues für mich geben - und ich werde immer wieder dazulernen müssen..."
"...Dann wird es wohl so sein." Das Gehirn blickte auf den Jungen im Bett vor ihm. "Und jetzt solltest Du endlich schlafen, Curtis. Der Tag war lang und anstrengend."
Curtis gähnte. "Gute Nacht, Simon."
"Gute Nacht, mein Junge."

Immer noch schaute das Gehirn auf die Gestalt in dem Bett vor ihm.
Wie sehr er doch Roger glich...
Er fühlte eine tiefe, innige Verbundenheit mit seinem Freund. Und mit dem Jungen dort vor ihm, der ihm vor zehn Jahren ganz plötzlich, sozusagen über Nacht, anvertraut worden war und ihn gezwungen hatte, ihm Vater zu sein.
Ihn, der doch eigentlich keine Kinder haben wollte...
Doch es war gut so, wie es war.

Schließlich drehte er sich um und schwebte zur Tür.
Als er seine Linsenaugen noch einmal nach hinten richtete, konnte er sehen, dass Curtis die Decke anstarrte. Der Junge würde an den Erlebnissen ihrer Reise noch eine Weile zu knabbern haben... aber er entwickelte sich prächtig.
Ja, er war stolz auf ihn.
Roger und Elaine würden es auch sein.
Bevor das Gefühl der Rührung, das ihn überkommen hatte, überhand nehmen konnte, gab er sich innerlich einen Ruck. Zischend öffnete sich die Kabinentür vor ihm, und er schwebte hindurch.

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(1) geklaut aus "Titan A. E."
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