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My Opinionated

GeschichteLiebesgeschichte / P12 Slash
Akihiko Usami Misaki Takahashi
06.08.2014
06.08.2014
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My Opinionated

,,Bin wieder zu da!“, rief jemand vom Eingang her. Es war nicht nur irgendjemand, sondern Akihiko Usami, ein berühmter Schriftsteller. ,,Willkommen zu Hause!“, entgegnete ich , auch wenn ich gerade in der Küche stand und das Abendessen zubereitete. Ich bekam damals von ihm Nachhilfe, aber nun hatte sich eine Menge verändert. Inzwischen waren wir fest zusammen. Ein Paar. Auch, wenn wir beides Männer waren. ,,Bist du gleich fertig, Misaki? Ich hab langsam Hunger,“ meinte Akihiko gelassen. Mein Vorname klang zwar weiblich, aber ich war 100 prozentig männlich. ,,Ja, gleich. Warte noch ein bisschen“, bat ich, während der Romanautor die Küche verließ und ich mir leise in die Faust hustete. Seit heute Morgen fühlte ich mich etwas schlapp. Es konnte daran liegen, dass ich letzte Nacht nicht gut geschlafen hatte. Akihiko durfte davon nichts mitbekommen, sonst würde er sich wieder unnötige Sorgen machen. Normalerweise arbeitete er zu Hause, aber heute hatte ein Meeting stattgefunden, zu dem er wortwörtlich hingeschleift wurde. Er mochte Veranstaltungen nicht. Deshalb vermied er sie, so gut es eben ging.
Nach dem Essen verschwand Akihiko in sein Arbeitszimmer. Sicherheitshalber wartete ich noch ein paar Minuten, ehe ich mir erneut in die Faust hustete. Bloß kein Risiko eingehen. Von Stunde zu Stunde wurde mir immer wärmer. Es war schon nach 23:00 Uhr. Morgen musste ich wieder zur Uni. Ich war Student im ersten Semester. Müde ließ ich mich auf die Couch fallen, schnappte mir eines der Kissen und bettete meinen immer schwerer werdenden Kopf darauf. Ich wollte mich nur kurz ausruhen. Meine Gedanken drifteten langsam ab. Eigentlich wollte ich ins Bett gehen, aber mein Körper fühlte sich wie Blei an. Für einen Moment schloss ich erschöpft die Augen, was zur Folge hatte, dass ich einfach einschlief...

Am nächsten Morgen rüttelte mich jemand an der Schulter. Verschlafen öffnete ich die Augen, sah in Akihikos besorgtes Gesicht. ,,Du solltest langsam aufstehen, Misaki. Oder musst du heute nicht zur Uni?“, fragte dieser verwundert. Ich rieb mir ein Auge, während ich mich langsam aufsetzte. Erst jetzt bemerkte ich die Decke, die mich umhüllte. Mein Kopf schmerzte, doch ich ließ mir nichts anmerken. Akihiko beugte sich zu mir herunter. Immerhin war er um Längen größer als ich. Gerade, als er mich küssen wollte, wich ich zurück. ,,Misaki, du siehst schlecht aus, geht’s dir nicht gut?“ ,,Doch. Alles okay. Bin nur ein bisschen müde“, antwortete ich, rang mir ein Lächeln ab. Jedoch schenkte mir der Romanautor keinen Glauben, packte mich am Arm und zog mich zu sich. ,,Usagi-san?“, fragte ich verwirrt, als er in dieser Position verharrte. ,,Dafür, dass es dir gut geht, bist du ganz schön heiß. Du brauchst mich nicht anzulügen. Ich weiß es schon längst.“

,,A-aber woher?“, stotterte ich schon fast verzweifelt. ,,Was meinst du, wer dich gestern zugedeckt hat? Ich habe mitbekommen, wie du gehustet hast und konnte es mir schon denken.“ Eine Weile sah ich Usagi unbeholfen an. ,,Du wirst heute bestimmt nicht mehr zur Uni gehen. Du gehörst ins Bett“, meinte er schon fast streng. ,,Nein, das geht schon. Ich geh jetzt einfach zur Uni und wenn es mir schlechter geht, komme ich nach Hause“, widersprach ich, erntete aber einen zornigen Blick von meinem Gegenüber. ,,Misaki...“ Seine Stimme klang schon fast bedrohlich. ,,Zwing mich nicht, dich so hart durchzunehmen, dass du dich nachher nicht mehr bewegen kannst.“ Mit einer schnellen Bewegung stand er vor mir und hob mich über seine Schulter. ,,War-Warte! Usagi-san!“ Ich strampelte heftig mit Armen und Beinen, doch dadurch wurden die Kopfschmerzen nur stärker. Mit der Zeit hatte ich das Gefühl, ich müsste mich übergeben, während Akihiko mich immer noch geschultert die Treppe rauftrug. In seinem Schlafzimmer legte er mich aufs Bett und wickelte mich in mehrere Decken ein. Doch anstatt es zu akzeptieren versuchte ich sie wieder beiseite zu schieben. ,,Usagi-san, das ist zu warm“, jammerte ich. ,,Vergiss es. Du bleibst schön im Bett“, konterte der Romanautor. ,,Und was ist mit meinen Prüfungen? Diese Woche stehen gleich vier davon an.“ ,,Sind dir die Prüfungen wichtiger, als deine Gesundheit?“, fragte er. Darauf hatte ich keine Antwort parat. ,,Ich will dir nur helfen. Dann holst du die Prüfungen eben später nach. Auf jeden Fall werde ich, solange es dir schlecht geht, mich um dich kümmern.“ Er machte eine kleine Pause, beugte sich zu mir herunter. Seine Lippen legten sich auf meine, verschlossen sie zu einem sanften Kuss. ,,Ich liebe dich, Misaki.“ Akihiko zerzauste mir liebevoll die Haare, küsste mich noch einmal. Ich erwiderte diese sanfte Geste nur allzu gern. ,,Ich gehe nach nebenan und werde ein wenig arbeiten. Wenn irgendetwas ist, ruf einfach. Versuch solange ein bisschen zu schlafen.“ Damit verließ er das Spielzeug überladene Schlafzimmer, um an seinem neuen Roman weiterzuschreiben...

Akihikos Pov:

Ich verließ das Schlafzimmer ungewohnt leise. Es kam selten vor, dass Misaki krank wurde. Um genau zu sein war es, seit er bei mir eingezogen war, das erste Mal.
Ans Schreiben war nun gar nicht zu denken. Misaki ging vor. Anstatt in mein Arbeitszimmer zu gehen, begab ich mich nach unten. Eine Zeit lang saß ich unbeholfen auf dem Sofa und grübelte. Aber plötzlich wurde eine Tür aufgerissen. Ihre Haare waren vom Wind ganz zerzaust, aber ihr Make up hielt all dem stand. Diue hatte mir gerade noch gefehlt. Ausgerechnet meine Vorgesetzte Aikawa stand schweratmend in meinem Wohnzimmer, funkelte mich wie ein wildes Tier an und hatte das Lächeln eines Satans auf den Lippen. Dennoch schien sie gut gelaunt. ,,Guten Tag, Usami-sensei. Ich hoffe doch sehr, dass sie das nächste Kapitel für mich haben“, meinte sie, doch ich musste verneinen. Aikawa schien langsam aber sicher die Nerven zu verlieren. ,,Ihre Deadline ist seit gestern abgelaufen! Der Chef wird nicht gerade begeistert sein, wenn ich mit leeren Händen komme!“, rief sie entnervt. ,,Seien sie leiser! Es ist mir egal, was ihr Chef denkt. Im Moment habe ich ganz andere Sorgen“, erwiderte ich ruhig. ,,Ach? Und das ist so wichtig, dass ihr neuer Roman warten kann?“, fragte meine Redakteurin wütend. Plötzlich sah sie sich um. ,,Wo ist denn Misaki? … Ach ja. Heute ist Montag. Er müsste in der Uni sein.“ ,,Und genau da ist er eben nicht.“ Ungläubig sah Aikawa mich an. ,,Was soll das denn heißen? Ist er etwa verschwunden?“ Ihre Stimme klang sehr besorgt. ,,Nein, Misaki ist hier. Er ist krank und ich werde nicht eher weiterschreiben, bis er wieder gesund ist“, sagte ich konsequent. ,,Wenn das so ist, geht das natürlich in Ordnung. Zumindest werde ich versuchen, meinen Chef zu überreden. Wenn es ihnen nichts ausmacht, dann bleibe ich gerne hier und helfe.“

In diesem Moment kam Misaki langsam die Treppe runter. Er hatte sich eine Decke um die Schultern gelegt und sie vor der Brust zusammengezogen. Seine Wangen waren gerötet und seine Augen glasig. ,,Was machst du hier unten, Misaki?“, fragte ich sanft. ,,Ich hab Stimmen gehört und wollte nachsehen. Hallo Aikawa“, schniefte er. ,,Geh wieder hoch und leg dich hin. Ich komme gleich nach.“ Ohne große Wiederworte ging er wieder nach oben. ,,Ihn hat's anscheinend voll erwischt. Ich werde erst mal dem Chef Bescheid sagen und danach in die Apotheke gehen. Sie wollen Misaki bestimmt nicht allein lassen“, lächelte die aufgeweckte Frau und verließ meine Wohnung. Kaum war sie aus dem Haus, erklomm ich die Treppe. Leise öffnete ich die Schlafzimmertür, betrat den Raum so still ich nur konnte. Mein Braunschopf lag im Bett, atmete schwer und keuchte manchmal sogar. Misaki zitterte vor Kälte, was wohl vom Fieber kam. Andererseits, war es in diesem Raum nicht besonders warm. Vorsichtig legte ich meine Hand auf seine Stirn, um ihn nicht zu wecken, und erschrak. Sie war viel zu heiß. Doch im Moment schien es besser zu sein, ihn schlafen zu lassen. Messen konnte ich später immer noch. Aus dem Bad holte ich eine Schüssel mit kaltem Wasser und ein Tuch. Sobald ich im Schlafzimmer angekommen war, tauchte ich das Tuch ins Wasser ein, wrang ihn kurzerhand aus und legte Misaki den feuchten Stoff auf die Stirn. Es schien ihm gut zu tun, da seine Atmung nach kurzer Zeit nicht mehr so schwer ging. Schweigend beobachtete ich ihn. Anscheinend durchlitt er einen Fiebertraum. Gequält wälzte er sich hin und her, keuchte schwer und fing schließlich an, leise zu schluchzen. In meinem Inneren fühlte ich mit ihm. Er sah s verletzt aus. Das wollte ich nicht so bleiben lassen. Vorsichtig zog ich ihn in meine Arme. Mit einem starken Zucken seines Körpers erschrak ich, ließ ihn aber nicht los. Nach einer Weile schien er sich beruhigt zu haben. Als ich meine Arme jedoch von ihm entfernte, begann Misaki zu zittern. ,,Kalt …“, raunte er mit verzerrtem Gesicht. Schnell holte ich von nebenan noch eine Decke und legte sie meinem Studenten sanft um. Mit der Zeit ebbte das Zittern ab. Unten hörte ich leise eine Tür ins Schloss fallen. Aikawa war also wieder zurück. Langsam begab ich mich nach unten, um nachzusehen. Mit besorgtem Gesicht sah sie mich an, fragte danach vorsichtig:,, Wie geht’s ihm?“ ,,Schlecht“, war nur meine knappe Antwort. ,,Ich hab ein paar Medikamente besorgt“, meinte sie und zeigte mir die Tüte. ,,Wir warten, bis er aufwacht. Ich werde ihn runter bringen. Ich habe keine Lust, immer nach oben zu gehen. Und hier ist es wärmer.“ Noch einmal erklomm ich die Treppe, die mir heute endlos lang vorkam. Im Schlafzimmer sah ich mir Misaki noch einmal kurz an, bevor ich ihn im Brautstil runtertrug.  Aikawa hatte einen besorgten Gesichtsausdruck, als ich ihn auf dem Sofa ablegte und ihn in mehrere Decken wickelte. ,,Er ist ganz blass“, meinte sie schon fast traurig. ,,Wir kriegen das schon wieder hin.“ Das war das einzige, was mir daraufhin einfiel.

Einige Stunden saßen wir uns stumm gegenüber, sagten entweder nichts, oder unterhielten uns nur mit Blicken. Umso erleichterter waren wir, als Misaki sich zu bewegen begann. Langsam schlug er die Augen auf, sah mich verschlafen an, ehe sein Blick zu Aikawa schweifte. ,,Wie geht’s dir?“, wollte sie sofort wissen. ,,Ich weiß nicht... Mir ist so schlecht“, klagte mein Braunschopf leise, sodass man die Vermutung hatte, er würde sofort wieder einschlafen. Aikawa holte etwas aus der Tüte, die sie von der Apotheke mitgebracht hatte, und brachte auch gleich ein Glas Wasser mit. Auffordernd hielt sie Misaki eine Tablette hin. ,,Hier, nimm das. Dann geht’s dir bestimmt besser“, sagte sie freundlich, doch Angesprochener drehte den Kopf zur Seite. ,,Ich mag das nicht“, murrte er, während er sich weiter wand. ,,Komm schon. Nimm es.“ Nachdem ich das gesagt hatte, ließ er sich darauf ein, würgte jedoch, als er die kleine Kapsel geschluckt hatte. Schnell trank er einen Schluck Wasser hinterher.
Ich legte vorsichtig meine Hand auf Misakis Stirn, wurde dabei aus verschleierten Augen angesehen. ,,Wir messen eben nach“, meinte ich kurz zu ihm, der das Ganze wohl in seinem Zustand nicht ganz zu begreifen schien. Aus dem Bad holte ich ein Fieberthermometer, kehrte danach zum Sofa zurück. Nachdem ich es meinem kleinen Studenten gezeigt hatte, öffnete er bereitwillig ein wenig den Mund. Einige Sekunden vergingen, bis das Gerät den erlösenden Piepton von sich gab. Angespannt schaute ich auf das Ergebnis, bemerkte noch nicht mal meine Redakteurin, die sich neugierig von hinten einen Blick über meine Schulter verschaffte. ,,40,2°C“, erwiderte ich, sah besorgt zu meinem Gegenüber, der jedoch vollkommen neben der Spur wirkte. ,,Usagi-san … Mir ist heiß“, jammerte Misaki, als ich das Thermometer auf den Tisch gelegt hatte, und versuchte wieder einmal, die Decken von sich zu schieben, was ich gerade noch so verhindern konnte. Aikawa half mir, ihn wieder zuzudecken. ,,Das ist gut so, Misaki. Glaub mir“, bat ich, doch der Student hörte nicht auf. ,,Das ist viel … zu warm …“, raunte er noch, bevor er sich völlig dem Schlaf hingab, der ihn schon die ganze Zeit versucht hatte, mitzunehmen. Besorgt sah ich zu Aikawa, die mich tröstend ansah und meinte:,,Wenn er schläft, ist es vielleicht das Beste.“ Ich nickte ihr zu, ehe ich mich wieder auf das Sofa sinken ließ. Ich machte mir große Sorgen um ihn. Das war mir inzwischen anzusehen. Es musste etwas passieren …

Misakis Pov:

Als ich die Augen aufschlug war es kurz vor sechs. Hatte ich wirklich so lange geschlafen? Noch immer ein wenig benommen schaute ich mich nach Akihiko um. Er saß mir gegenüber, hatte die Arme vor der Brust verschränkt und war in einen tiefen Schlaf gefallen. Wie lang er wohl gestern noch aufgeblieben war?
Meine Kopfschmerzen waren fast weg, ich konnte also zur Uni gehen. Leise schälte ich mich aus den Decken, schmierte mir ein Brot und zog mich danach um. Nachdem ich etwas gegessen hatte, nahm ich mir meine Tasche und stahl mich unauffällig aus der Wohnung. Schließlich wollte ich Usagi-san nicht wecken. Am Fahrstuhl musste ich mich abstützen, da mir kurz schwarz vor Augen wurde. Wenn ich langsam machen würde, würde das auch wieder vergehen. Normalerweise fuhr mich der Romanautor immer zur Uni und holte mich auch wieder ab, aber heute ging ich zu Fuß. An einer belebten Kreuzung blieb ich stehen, wartete darauf, dass die Ampel endlich auf Grün umsprang. Auf der anderen Seite stieß ich plötzlich mit jemandem zusammen. ,,Tut mir leid, ist alles in Ordnung?“, fragte mich ein junger Mann mit schwarzem Haar. Seine Miene verzog sich zu einem besorgten Gesicht, als er mir ins Gesicht schaute. ,,Ja, alles okay“, meinte ich leise. ,,So siehst du aber nicht aus, geht’s dir gut? Du bist ganz schön blass“, erwiderte der Mann, der sich vor mich hockte. Der war aber auch groß! ,,Kann es sein, dass du krank bist?“, fragte er weiter, war schon dabei, seine Hand an meine Stirn zu legen, als ich den Kopf hastig zurück zog. Das war ein Fehler, denn plötzlich begann sich alles zu drehen. Mir war so schwindlig, dass ich nicht wusste, wo oben und wo unten war, sodass ich dem Mann hoffnungslos entgegen kippte. Dieser fing mich etwas erschrocken auf und beendete sein Vorhaben. ,,Du hast hohes Fieber! Was machst du hier draußen?!“, wollte er wissen. ,,Zur … Uni gehen“, stammelte ich, bevor sich vor meinen Augen schwarze Punkte bildeten, die immer mehr zu werden schienen. Das Letzte, was ich noch spürte war, wie ich sanft hochgehoben wurde, bevor ich in kompletter Dunkelheit versank …

Ich hatte das Gefühl, ich würde gleich vor Kopfschmerzen sterben. Meine Sicht war zuerst verschwommen, ich konnte kaum die Umrisse wahrnehmen. Doch allmählich klärte sich alles wieder. ,,Bist du wach?“, fragte ein freundliche Stimme rechts von mir. Langsam drehte ich den Kopf, erkannte den Mann wieder. Mit ihm war ich doch auf der Straße zusammengestoßen. Aber es war viel leiser, als vorher. Erst jetzt bemerkte ich, dass ich in einem weichen Bett lag, zugedeckt bis zur Brust. ,,Du hast mich ganz schön erschreckt. Erinnerst du dich noch?“, fragte der Schwarzhaarige weiter. Benommen schüttelte ich den Kopf. ,,Du bist auf der Hauptstraße an der Kreuzung zusammengebrochen. Ich hab dich zu mir nach Hause gebracht.“ Allein diese zwei Informationen waren schon zu viel für mich. ,,Wer bist du?“, fragte ich leise. Das Lächeln dieses Mannes wurde noch breiter, als es ohnehin schon war. ,,Ich bin Nowaki. Freut mich dich kennenzulernen, Misaki“, sagte er fröhlich. ,,Woher …“, versuchte ich zu fragen, wurde aber von ihm unterbrochen.

,,Als du bewusstlos warst, hat dein Handy angefangen zu klingeln. Ich hoffe es war okay für dich, dass ich rangegangen bin?“ Ein leichtes Nicken meinerseits. ,,Jedenfalls war ein Mann namens Akihiko dran, kennst du ihn?“ ,,Ja. Ich lebe mit ihm zusammen“, brachte ich mühevoll hervor. ,,Ah, daher weht also der Wind. Ich habe ihm alles erzählt. Auch, dass du bei mir bist. Ich bring dich später zu ihm, okay? Keine Sorge, ich bin Arzt“, meinte er auf meine verwirrte Miene hin. ,,Wenn auch nur Kinderarzt. Aber das macht ja nichts.“ Plötzlich hörte ich eine Tür ins Schloss fallen. ,,Warte kurz. Ich bin gleich wieder da.“ Damit verschwand Nowaki durch die Tür und redete aufgeregt mit jemandem. ,,Bist du irre geworden?!“, rief jemand. ,,Wie kannst du einen Fremden hierher bringen?! Schick ihn nach Hause!“ ,,Aber Hiro-san! Er ist krank! Ich kann ihn nicht einfach vor die Tür setzen!“, meinte Nowaki ernst. ,,Das ist mir egal! Er soll einfach nur verschwinden!“, schnauzte der andere. ,,Sieh ihn dir wenigstens an, dann weißt du, was ich meine. Er soll sich hier nur ein bisschen ausruhen. Nachher bringe ich ihn zurück.“ Stille herrschte in der Wohnung, ehe ein genervtes: ,,Na schön“ ertönte. Die Zimmertür wurde noch behutsam geöffnet. Doch der Mann, der herein kam, hatte anscheinend nicht die beste Laune. Er hatte längeres braunes Haar, war aber vom Anblick her kleiner als Nowaki. Als dieser auch noch im Zimmer stand, schloss er die Tür hinter sich. ,,Also, wie heißt du?“, wollte der Mann namens Hiro wissen. ,,Misaki … Takahashi Misaki“, antwortete ich. ,,Aha. Und wer hat nicht richtig auf dich aufgepasst, dass du jetzt hier liegst?“, fragte er weiter. ,,Jetzt überfordere ihn doch nicht gleich. Er ist vorhin erst wieder zu sich gekommen“, bat Nowaki. ,,Usami Akihiko. Aber ich hab mich rausgeschlichen, als er geschlafen hat“, beichtete ich.

Hiros Augen wurden größer. ,,Meinst du diesen berühmten Schriftsteller? Er war damals mein Kindheitsfreund.“ Eine kurze Stille trat ein. ,,Na gut. Du kannst vorerst hier bleiben. Solange dich Nowaki heute noch nach Hause bringt, damit dein Herr sich keine Sorgen macht.“ Ich sah ein kurzes Lächeln über Hiros Gesicht huschen, bevor er wieder ernst wurde und das Zimmer verließ. ,,Seid ihr ein Paar?“, fragte ich Nowaki gerade heraus. ,,Ja sind wir. Und du bist mit Usami Akihiko zusammen, richtig?“, fragte mich mein Gegenüber lächelnd. Er konnte ziemlich scharfsinnig sein. ,,Ja“, antwortete ich schon fast ein bisschen beschämt.  

,,So. Langsam sollte ich sie erneuern“, meinte Nowaki plötzlich. Verwundert sah ich ihn an, als er die Bettdecke am Fußende wegschob und meine Beine vorsichtig anhob, um die Tücher, die darum gewickelt waren, abzunehmen. ,,Was ist das?“, fragte ich, fühlte mich dabei immer noch wie benebelt. ,,Das? Das nennt man Wadenwickel. Damit sollte das Fieber etwas sinken. Ich mach dir eben neue“, lächelte der Kinderarzt. Kurz darauf hörte ich Wasser, was ausgewrungen wurde. Die kühlen Tücher, die mir um die Beine gelegt wurden, waren wirklich angenehm. Irgendwie machte es müde. Ich gähnte auffällig, was Nowaki erneut zum lächeln brachte. ,,Du solltest ein bisschen schlafen. Das hilft bestimmt.“ Das sagte er so einfach, aber ich wollte nicht schlafen. Ich wollte mehr wissen. In der Zwischenzeit deckte mich Nowaki wieder zu. Unfreiwillig murrte ich. Meine Müdigkeit wog immer schwerer. Nur mit Mühe konnte ich die Augen offen halten, bis es mir schlussendlich nicht mehr gelang und ich in einen traumlosen Schlaf glitt...

Usamis Pov:

Als ich die Augen aufschlug, traf mich fast der Schlag. Misaki war weg. Ich hatte Aikawa gestern gebeten, nach Hause zu gehen. Jetzt bereute ich es jedoch, sie einfach fortgeschickt zu haben. Diese Frau wäre sogar noch auf gewesen, als Misaki sich aus dem Staub gemacht hatte. Wütend und verärgert, aber auch voller Sorge rief ich den Studenten auf seinem Handy an. Er war sicherlich in der Uni um seine Prüfungen zu schreiben. In seinem Zustand konnte er sich nicht einmal konzentrieren. Wie wollte er diese Prüfungen überhaupt bestehen.

Doch anstatt Misakis Stimme zu hören, war jemand ganz anderes am Ende der Leitung. ,,Hallo?“ Sie klang sehr jung, jedoch ließ ich mich davon nicht beirren. ,,Guten Tag. Mein Name ist Usami Akihiko. Ich suche meinen Schützling Misaki. Ist er zufällig bei ihnen?“, fragte ich etwas angespannt. ,,Ach, sind sie sein Erziehungsberechtigter?“, fragte die Stimme. ,,So ähnlich.“ ,,Ja, er ist hier, schläft aber im Moment. Ich bin Kusama Nowaki. Ihr Schützling ist an einer großen Kreuzung mit mir zusammengestoßen und ohnmächtig geworden. Aber sie brauchen sich keine Sorgen zu machen. Ich bin Kinderarzt. Wenn sie nichts dagegen haben, werde ich Misaki später bei ihnen abliefern. Dazu bräuchte ich jedoch ihre Adresse.“ ,,Das lässt sich einrichten. Sagten sie, sie heißen Nowaki?“ ,,Ja?“ ,,Sind sie dann vielleicht der Freund von Hiroki?“, fragte ich etwas perplex. ,,Ja, woher wissen sie das?“, wollte der Arzt wissen. ,,Ich bin sehr gut mit ihm befreundet. Er hat mir viel über sie erzählt.“ Am anderen Ende lachte der junge Mann. ,,Oh? Ich hoffe natürlich nur Gutes.“ ,,Sicherlich. Vielen Dank, dass sie mir meinen Schützling später vorbeibringen. Er ist sicher in guten Händen“, sagte ich erleichtert. ,,Das ist keine Ursache. Ich werde ihn später wie gesagt mit dem Auto vorbeibringen.“ ,,Ja, vielen Dank.“ ,,Gern geschehen.“ Ich legte auf. Misaki war also in der Obhut eines Arztes. Und in der Wohnung meines Freundes. Ich entspannte mich langsam. Jetzt wusste ich nur nicht, wann er Misaki bringen wollte.

Am frühen Abend dann klingelte es endlich an der Tür. Voller Hoffnung öffnete ich sie, sah einem Schwarzhaarigen Mann entgegen, der tatsächlich meinen Misaki im Arm hielt. Ich bat ihn mit einer Handbewegung zur Tür herein, was er sich nicht nehmen ließ und gelassen eintrat. ,,Hallo. Ich bring ihnen ihren Schützling“, lächelte der Mann. ,,Dann sind sie also Nowaki, freut mich, sie kennenzulernen“, meinte ich. Etwas beunruhig sah ich Misaki an, der immer noch in den Armen des Arztes lag. ,,Er ist während der Fahrt eingeschlafen und will anscheinend nicht so schnell aufwachen. Vielleicht ist das auch erst mal das Beste für ihn.“ Vorsichtig übergab er ihn mir. ,,Wenn etwas sein sollte, können sie ruhig anrufen. Misaki hat die Nummer in seiner  Tasche. Seien sie nicht so streng mit ihm. Er ist krank, da ist manchmal alles etwas durcheinander. Er hat es wirklich bereut.“ Auch, wenn er es mir jetzt sagte. Der Ärger über Misaki war schon längst verflogen. Hauptsache es ging ihm gut. ,,Na dann, vielleicht bis irgendwann mal“, meinte Nowaki noch, bevor er ging und die Tür leise hinter sich schloss. Hiroki hatte wirklich jemand gutes gefunden, so viel stand fest.

Zusammen mit Misaki in den Armen ging ich hoch ins Schlafzimmer, bettete den Braunschopf auf eine paar Kissen und deckte ihn zu. Der Schlaf schien ihm im Moment gut zu tun. Nachdem ich mich einige Schritte von ihm entfernt hatte, öffnete sich unten die Haustür. Vermutlich war Aikawa mal wieder anwesend. Mit einem letzten Blick auf den Studenten, nahm ich die Stufen nach unten. Tatsächlich stand Aikawa im Wohnzimmer, musterte mich fragend. Sie wusste nichts davon, dass Misaki verschwunden war, weshalb ich es ihr auch nicht erzählte. ,,Wie geht’s ihm?“ ,,Den Umständen entsprechend. Er schläft“, antwortete ich kalt. Und dennoch nahm meine Vorgesetzte die Besorgnis in mir wahr. ,,Das wird schon wieder“, versuchte sie mich zu beruhigen. Wir verbrachten Stunden mit reden, ehe von oben ein Schrei ertönte. Schneller als gedacht rannte ich die Treppen hoch und riss die Tür erschrocken auf. Misaki saß aufrecht im Bett, atmete schwer und was völlig verschwitzt. ,,U-usagi-san...“ Seine Stimme zitterte. Ich trat auf ihn zu, zog ihn an mich heran und streichelte ihm über den Kopf. ,,Es ist alles gut, ich bin da“, flüsterte ich, während sich sein zitternder Körper krampfhaft an mich drückte. ,,Usagi-san, es tut mir leid. Es tut mir leid!“, rief er. ,,Ja, ich weiß.“ Ich ließ von meinem kleinen Liebling ab, ließ es mir jedoch nicht nehmen, seine Stirn zu befühlen. Aikawa stand im Türrahmen, eine kleine Tüte in der Hand haltend. Ich nickte ihr zu, worauf meine Vorgesetzte näher kam und sie mir überreichte. ,,Holst du bitte noch ein Glas Wasser?“, fragte ich ungewohnt sanft, was sogar Aikawa zu überraschen schien. Ohne groß zu Fragen verließ sie das Schlafzimmer einen Moment. ,,Was ist das?“, wollte Misaki wissen. ,,Ein paar Medikamente. Die nimmst du gleich, dann geht’s dir bestimmt besser“. Meinte ich ruhig. ,,Nein, das geht schon, ich brauch nur ein bisschen Schlaf.“ ,,du wirst sie nehmen Misaki und keine Diskussion.“ ,,Ich mag sowas aber nicht.“ ,,Solange es dir hilft, wirst du es nehmen.“ Aikawa kam mit dem Wasser zurück, überreichte es mir. Kurz stellte ich es auf dem Nachttisch ab, um ein paar Tabletten herauszuholen. Ich hielt sie Misaki hin, aber dieser blieb stur und drehte den Kopf zur Seite. Trotz seinen schwachen Wehrversuchen schaffte ich es, ihm seine Medizin zu geben, wenn auch von Mund zu Mund. Nach diesem Akt war der Student zu erschöpft gewesen, um irgendetwas darauf zu sagen, ließ sich nur nach hinten in die Kissen fallen und schloss die Augen. Meine Vorgesetzte hatte uns zugesehen und war runter ins Wohnzimmer gegangen, um uns Freiraum zu lassen. Kurz darauf kam es von unten:,,Usami-sensei? Ich werde für heute nach Hause gehen!“ Sie wartete die Antwort gar nicht erst ab. Ich hörte noch das Zufallen der Tür. Benommen schlug Misaki die Augen wieder auf. ,,Usagi-san, mir ist heiß...“

Doch anstatt ihm die Decken wegzuziehen, deckte ich ihn nur noch mehr zu. ,,Usagi-san“, murrte der Braunschopf leise und versuchte, sich den Decken zu entledigen. ,,Das kommt nicht in Frage. Du bleibst so.“ Ich machte Anstalten aufzustehen, wurde jedoch am Ärmel festgehalten. ,,Geh nicht weg, bleib hier“, raunte mein Student. Vorsichtig setzte ich mich wieder, fuhr Misaki sanft durch sein verschwitztes Haar. Kurz darauf schlief dieser tief und fest. Eine Zeit lang blieb ich bei ihm, verwöhnte ihn weiter mit Streicheleinheiten. Irgendwann aber löste ich mich aus seinem Griff und verließ das Schlafzimmer. ,,Mein kleiner Sturkopf“, flüsterte ich amüsiert, ehe ich die Tür schloss. Was auch immer passieren würde, ich würde bei ihm sein. Das würde sich nie ändern. Denn dafür liebte ich ihn viel zu sehr.

ENDE
 
 
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