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Solitude

von Lillebi
GeschichteFamilie, Schmerz/Trost / P16 / MaleSlash
Carlisle Cullen Edward Anthony Masen Cullen Esme Cullen Jasper Whitlock Hale Mary Alice "Alice" Brandon Cullen
05.08.2014
24.05.2017
93
175.736
66
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Dieses Kapitel
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05.08.2014 1.048
 
November 1640, London

Eisiger Wind vermengt mit dicken Regentropfen, die so kalt waren, dass sie fast gefroren, peitschte durch die Straßen Londons. Der matschige Boden der Straßen weichte immer weiter auf und riesige verdreckte Pfützen stauten sich überall.
Wer es nicht unbedingt musste, der setzte keinen Fuß vor die Tür.

Der eilig herbei gerufene Pfarrer gelang trockenen Fußes zu dem Sterbebett der kleinen Prinzessin Anne, geschützt durch die hohen Mauern des Richmond Palace.

Die Wehfrau jedoch, die durch die schlammigen Straßen stolperte, hatte weniger Glück und ihre Aufgabe war ebenso wenig freudig wie es die Aufgabe des Pfarrers war. Sie wusste, dass die junge Frau zu der sie gerufen worden war, bereits seit vier Tagen in den Wehen lag. Eine solch schwere Geburt endete nur selten glücklich.
Fluchend stolperte sie über ein Brett, das im Schlamm verborgen war. Nur mit Mühe konnte sie sich aufrecht halten, in letzter Sekunde gelang es ihr sich an einer verdreckten Hauswand festzuhalten.
Am liebsten wäre sie umgekehrt. William Cullen war ein eher unangenehmer Zeitgenosse. Ihr lief ein Schauer über den Rücken, als sie an das düstere Häuschen dachte, in dem er mit seiner Frau lebte. Mit Gruseln dachte sie an die hetzerischen Predigten, die er in der kleinen Kirche abhielt. Es war kaum drei Wochen her, seit er zuletzt erfolgreich einer Hexe nachgestellt hatte. Der aufgebrachte Mob hatte sie getötet noch ehe die Gerichtsbarkeit eingreifen konnte, doch selbst wenn, sie wäre ohne Zweifel verurteilt und in Tyburn verbrannt worden.
Die Wehfrau hatte zeitgleich Respekt und Angst vor dem Mann, dessen Frau nun schon so lange vergeblich in den Wehen lag.

Pfarrer Cullens Frau war eine kleines, schmächtiges Wesen mit wundervoller blasser Haut und hellen blauen Augen. Sie passte nicht zu dem großen, stets hart und düster wirkenden Pfarrer.

Seufzend klopfte die Wehfrau an die grob gezimmerte Holztür des Pfarrhauses.
Die junge Frau des Pfarrers, ihr Name war Anne, sie trug denselben Namen wie die kleine sterbende Prinzessin, lag schweißgebadet in der Ecke auf einem Strohbett, beleuchtet von einer flackernden und rußenden Kerze. Immer wieder fuhr ein Zittern durch Annes geschwächten Körper.
Die Wehfrau sah sofort, dass es sehr zweifelhaft war, ob Anne noch die Kraft hatte ihr Kind zu gebären, falls es denn überhaupt noch lebte – und dass es ausgeschlossen war, dass sie selbst diese Geburt überlebte.

Niemand kniete an dem Bett Annes, niemand trocknete ihr die Stirn, niemand hielt tröstend ihre Hand. Das Nachbarsmädchen, das bis jetzt versucht hatte der jungen Frau bei der Geburt zu helfen, hatte sich aus dem Staub gemacht, sobald sie erfahren hatte, dass eine Wehfrau unterwegs war. Im Nachhinein verstand die Wehfrau den Grund für die Flucht des Mädchens, vermutlich hatte sie die schwerwiegenden Folgen bereits geahnt und war lieber davon gelaufen, um so ihr eigenes erbärmliches Leben zu retten.

Murrend zeigt William Cullen auf seine Frau.
„Du bist spät, Weib! Ich habe bereits vor Stunden nach dir gerufen!“
Die Wehfrau knickste zaghaft. „Es tut mir sehr leid, Sire, auch die Frau des Schuhmachers gebar ein Kind...“
„Schweig!“, herrschte er sie an. „Tu gefälligst deine Arbeit und verrichte sie gut!“
Die Wehfrau blickte auf Anne, deren Augenlider flatterten, sie sah wie schwach sich der Brustkorb der Frau hob und senkte.
„Sire, ich fürchte, Ihr solltet Eurem Weibe die Sterbesakramente lesen.“
Die Augen des Pfarrers wurden düster.
„Hellseherisches Teufelswerk! Wag es nicht mein Weib mit deinem teuflischen Zauber zu versehen! Hexe!“ Groß und bedrohlich baute er sich vor ihr auf. „Sollte meine Frau sterben, so Gnade dir Gott!“
Mit diesen Worten verließ er das winzige Zimmer und ließ die Wehfrau mit Anne allein.

Vor Angst bebend blickte sie sich um. Sollte sie davon laufen? Doch was nützte es, lief sie davon, würde Anne ohne jeden Zweifel sterben und man würde sie auftreiben und vor Gericht stellen oder gar wie die Hexe vor wenigen Wochen an Ort und Stelle richten. Verließ sie die Stadt, so war sie mittellos und ebenso dem Verderben ausgeliefert.
Einzig wenn sie blieb, hatte sie die Hoffnung, ihre Haut zu retten. Sie zweifelte nicht an der Wahrheit der Worte des Pfarrers, zu oft hatte sie gesehen, wie er Hexen und andere Dämonen anklagte und wie sie schließlich in Tyburn hingerichtet wurden. Sie musste versuchen Anne und ihrem Ungeborenen das Leben retten, auch wenn es noch so unwahrscheinlich war, dass es ihr gelingen würde.
Ängstlich rieb sie ihre zitternden verdreckten Hände an ihrer Schürze ab, ehe sie sich zu Anne kniete.
„Hört Ihr mich? Bitte, Ihr müsst jetzt noch ein mal all eure Kraft aufwenden.“
Als die Wehfrau Stunden später das Pfarrhaus verließ, war sie erleichtert. Sie hatte dem Pfarrer einen kleinen Sohn in die Arme legen können und trotz aller Erwartungen hatte Anne noch gelebt.

Doch als Anne nur wenige Stunden nach der Geburt ihres Sohnes ihren letzten Atemzug tat, ertönten zeitgleich die Glocken, welche von dem Tod der kleinen Prinzessin kündeten. Für William Cullen war es Beweis genug. Die Wehfrau hatte seine Gattin verhext, sie war schuldig an ihrem Tod und wahrscheinlich würde sie auch Schuld an dem Tod seines Sohnes sein, welcher so schwach war, dass er vermutlich nur wenige Tage leben würde.

Entsetzt schrak die Wehfrau auf, als sie in der nächsten Nacht von heftigen Schlägen gegen die Tür ihres kleinen Hauses geweckt wurde. Erschrocken blickte sie in die Augen der Männer, die die Tür aufstießen und sie aus ihrem Bett rissen. Verzweifelt schrie sie nach Hilfe, doch niemand kam und rettete sie.
Als sie wieder und wieder in das eisige Wasser der Themse getaucht wurde, wieder und wieder aufgefordert wurde zu gestehen, dass sie sowohl den Tod von Anne Cullens als auch den Tod einiger anderer Frauen durch Hexerei herbei geführt hatte, wusste sie nur zu gut, weshalb das Nachbarsmädchen der Cullens geflohen war.
Mit Panik erfüllt blickte sie auf die Eisschollen, die auf dem Wasser zwischen ihren bloßen Füßen trieben. Gleich würde man sie wieder untertauchen. Es würde niemals enden. Niemals. Es sei denn...
„Ich gestehe! Ich gestehe!“, schrie sie.
Und so brannte sie, während Williams Sohn Carlisle in den Armen seiner Amme lag und wohlig gähnte, als er die Wärme des Scheiterhaufens in seinem Gesicht spürte. Für William war klar, dass sein Sohn erst jetzt, wo die Hexe tot war, eine Chance hatte zu überleben. Der Fluch, mit dem das Weib seine Frau belastet hatte, war gebrochen.
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