Warum wir sind, wie wir sind

von Azarella
KurzgeschichteFamilie, Schmerz/Trost / P16
05.08.2014
16.11.2014
7
10976
3
Alle Kapitel
6 Reviews
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
 Datenschutzinfo
 
 
Hier ist ein etwas "düsteres" Projekt von mir. Wir befinden uns in der Vergangenheit, in der Holly & Co. noch nicht existieren. Für die Handlung müssen sie das aber auch noch nicht. Hier möchte ich jedenfalls erklären, woher einige Eigenschaften oder Angewohnheiten von gewissen Charakteren herkommen.

Viel Spaß beim Lesen

~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

Kapitel 1 – Leben ohne Liebe

Schon seit ihrer Geburt hatte sie immer alles bekommen, was sie wollte. Und von Allem nur das Beste. Als sie ein kleines Mädchen war, hatte man sie in allem Möglichen unterrichtet, Mathe, Geschichte, Musik, Kunst, Technik, Biologie und alles, was es eben sonst noch zu lernen gab. Allerdings alleine, denn sie wurde privat unterrichtet. In einem Alter, in dem die Meisten noch nicht einmal halb mit der Schule fertig waren, hatte sie bereits ihren Abschluss und lernte zusätzlich noch andere Dinge. Ihr wurden die Grundlagen der Politik beigebracht, sie lernte, wie man erfolgreich ein Geschäft leitete und wurde so erzogen, dass sie überall durch ihr perfektes Benehmen positiv auffiel. Rein körperlich war sie noch ein Kind, aber sie benahm sich nicht so. Sie war der Inbegriff absoluter Perfektion. Intelligent, gehorsam, geschickt, talentiert, höflich, aber auch vor allem elegant und so schön, dass sie von jedem als Engel beschrieben wurde.

Raine Ophelia Vinyáya war knapp 30 Jahre alt, also noch reichlich 20 Jahre davon entfernt, erwachsen zu sein, da man als Elfe, oder allgemein als Unterirdische, erst ab 50 zu den volljährigen gehörte, und stand dennoch immer im Mittelpunkt. In den Kreisen der Adligen und Reichen, zu denen sie und ihre Familie gehörte, war sie immer gefragt und absolut beliebt. Ihre helle Stimme klang süß wie Honig wenn im Salon zu ihrem Klavierspiel vorsang. Jeder wollte mit ihr Tanzen oder ihr dabei zusehen, wie sie umwerfend schöne Gemälde anfertigte. So kam es auch, dass ihr bereits in diesen jungen Jahren unzählige Heiratsanträge gemacht worden. Legal war eine Hochzeit für sie noch nicht, schließlich war sie dafür noch zu jung, aber das war ihren Eltern egal. Einer der mächtigsten und wohlhabendsten Elfen, etwa Mitte 600, hatte ein Auge auf das junge, schöne und talentierte Kind geworfen und bei ihren Eltern um ihre Hand gebeten. Dies wäre der sicherste Weg für Raine´s Familie, ihre hohe gesellschaftliche Position langfristig zu halten. Sicher, der Altersunterschied war enorm, aber das würde das kleine Mädchen, was immer so folgsam war und sich nie beschwerte schon verkraften. Sie sollte lieber an die Zukunft denken, als an solche Kleinigkeiten.

Raine selbst wusste nichts von all diesen Plänen. Sie lag in einem bezaubernden, seidenen Kleid auf dem Sofa, hatte die langen Haare hochgesteckt bekommen, und las. Lesen war etwas, das bildete. Etwas, das keinen Lärm machte und nett anzusehen war. Sie durfte nie Spielen, hatte keine Freunde und war fast nie außerhalb des Anwesens der Familie, schließlich könnte sie das negativ beeinflussen. Aber das störte sie nie, sie kannte es ja nicht anders. Raine Ophelia Vinyáya hatte nie eine Kindheit gehabt. Oder Träume. Sie kannte nur die absolute Perfektion ihrer Eltern, alles Andere gab es nicht in ihrer kleinen Welt. Solange sie genau das tat, was man von ihr verlangte, bekam sie alles, was sie sich wünschte. Kleider, Bücher, Schmuck, neue Musikinstrumente oder Zeichenutensilien.

Also sie allerdings eine Woche, bevor sie heiraten sollte, von den Plänen ihrer Eltern erfuhr, war sie davon nicht begeistert. Sie weigerte sich. Ihre Familie war außer sich. So etwas hatten sie nicht von ihrer perfekten Tochter erwartet. Raine bekam für ihren Ungehorsam einen Schlag ins Gesicht und wurde in ihrem Zimmer eingesperrt. Sie sollte über ihr Verhalten nachdenken.

Völlig verzweifelt lag das kleine Mädchen nun auf ihrem Bett und weinte. Ihr Gesicht tat ihr weh, sie verstand ihre Eltern nicht und sie hatte Angst. Angst vor ihrer Zukunft. Raine kannte ihren zukünftigen Ehemann. Er war ein alter, unfreundlicher und dicker Elf, den sie noch nie sonderlich leiden konnte. Er guckte sie auch immer so komisch an. Jetzt wusste sie warum. Sie wollte ihn nicht heiraten. Sie würde ihn nicht heiraten! Aber nach ihren Wünschen richtete sich niemand. Wenn sie sich recht erinnerte, hatte sie immer nur das getan, was ihre Eltern von ihr verlangten. Aber was war mit ihr? Durfte sie keine eigene Meinung haben? War ihre Zukunft, ihr ganzes Leben bereits ohne sie geplant worden? Hatte sie überhaupt keine Rechte?

Dies war wohl der Zeitpunkt, an dem Raine aus ihrer Perfektion erwachte. Jetzt wusste sie, was sie wollte. Als Kind hatte sie alles gelernt, was sie brauchte, also war es für sie einfach, einen Plan zu schmieden. Ohne Gold und Habseligkeiten würde sie nicht weit kommen, also packte sie das Nötigste in ihre größte Umhängetasche, die sie finden konnte, und bediente sich ordentlich am Familientresor. Das würde eine Weile reichen. Dann entschied sich Raine dazu, noch heute das Haus zu verlassen. Als erstes würde sie sich bei der ZUP melden, weshalb sie auch alle Beweise, die ihre bevorstehende Hochzeit belegten ein und zog sich die praktischsten Sachen an, die sie besaß. Ein paar weiter Kleidungsstücke nahm sie noch zum wechseln mit. Sie würde weit laufen müssen, mit den Bussen in Haven kannte sie sich nämlich leider nicht aus und in einem Taxi würde man sie zu schnell finden.
Kurz vor Mitternacht holte sich Raine leise die Schlüssel, schloss vorsichtig die Eingangstür auf und wollte gerade ins Freie schlüpfen, als die Hauseigene Alarmanlage ertönte. Sofort kamen Angestellte ihrer Familie angerannt. Das kleine Mädchen zog ihre Tasche enger an sich und stürmte blind los. Sie wollte einfach nur raus. Raus aus diesem Albtraum.

Unglücklicherweise, oder vielleicht auch glücklicherweise war gerade für diese Woche eine Tunnelvergrößerung geplant. Am Tag hatte man bereits große Teile der Decke und der Wände in der Nähe ihres Hauses fachmännisch weggesprengt und auf Grund eines Fehlers nicht richtig abgestützt. Raine war keine 200 Meter weit gekommen, also hatte sie noch nicht einmal den riesigen Garten verlassen, als es in Haven zu vibrieren begann. Alarmsirenen der Stadt übertönten die ihres Hauses und große Gesteinsbrocken stürzten zu Boden. In der Nacht hatte sich Haven etwas abgekühlt und darauf begann das Gestein jetzt zu reagieren. Einer der Brocken verfehlte sie nur knapp, ihre Verfolger hatten allerdings weniger Glück und einer von ihnen wurde erschlagen. Zum ersten Mal in ihrem Leben sah sie, wie jemand verletzt wurde, wie das Blut auf den Boden quoll und jemand starb. Hysterisch vor Angst schrie sie und rannte weiter, ohne dabei darauf zu achten, welchen Weg sie nahm. Überall um sie herum in Haven waren ebenfalls Schreie zu hören. Das letzte, an das sie sich erinnern konnte war, das sie stolperte und ihr Knöchel verräterisch knackste. Sie stürzte daraufhin, schlug sich den Kopf an und verlor das Bewusstsein. Dicht neben ihr ging noch ein Stück Decke zu Boden und ein weiteres landete Schräg darauf. Knapp über ihrem Körper und nur sehr wackelig abgestützt.

An diesem Abend wäre sie fast gestorben, bevor sie überhaupt angefangen hatte, zu leben.

~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

OK... vielleicht ist das erste Kapitel "etwas" dramatisch geworden. >.<
Aber das muss es auch, damit spätere Handlungen (in dieser Story und auch später) Sinn ergeben.

Ich hab echt keinen Plan, wie Raines Familie wirklich ist, ob sie reich sind oder sonst was. Jetzt sind sie jedenfalls so ;)  

Liebe Grüße
Azarella
Review schreiben