The Murdock Files (Storysammlung)

GeschichteFamilie, Freundschaft / P12
"Howlin' Mad" Murdock Bosco "B.A." Baracus Frankie "Dishpan" Santana John "Hannibal" Smith Templeton "Face" Peck
05.08.2014
29.10.2017
6
14.938
2
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Dieses Kapitel
4 Reviews
 
 Datenschutzinfo
05.08.2014 1.829
 
Titel: Fliegen
Autor: Lady Charena (Januar 2008/Juli 2014)
Fandom: The A-Team
Episode: ---
Wörter: 1830
Charaktere: HM Murdock, Emma Murdock
Pairing: ---
Rating: gen, pg, AU
Beta: T‘Len

Summe: Emma versucht ihren Enkel aufzumuntern, nachdem der Junge Ärger mit einem Klassenkameraden hatte.


Disclaimer: Die Rechte der in dieser Fan-Story verwendeten geschützten Namen und Figuren liegen bei den jeweiligen Inhabern. Eine Kennzeichnung unterbleibt nicht in der Absicht, damit Geld zu verdienen oder diese Inhaberrechte zu verletzen.




„Du bist heute aber früh Zuhause, mein Schatz.“ Emma Murdock kam in die Küche und sah ihren Enkel am Küchentisch sitzen. Er wandte ihr den Rücken zu und sie warf einen Blick auf die Uhr an der Wand. „Sind die letzten beiden Stunden wieder ausgefallen?“ Es war Sommer und der Beginn der Erntezeit stand an und sowohl Lehrer als Schüler nahmen es mit der Schulpflicht unmittelbar vor den Sommerferien nicht so genau.

Ein wenig verwundert darüber, dass er ihr nicht entgegen lief und sie begrüßte, wie es sonst seine Art war, trat Emma zu ihm. Sie nahm ihm seine Mütze ab, strich ihm übers Haar und legte den Arm um die schmalen Schultern des Jungen, als sie sich zu ihm hinunter beugte, um ihn auf die – wie sie mit einem Lächeln bemerkte – schmutzige Wange zu küssen. „Ist alles in Ordnung mit dir?“

Erst jetzt wandte er ihr das Gesicht zu und Emma atmete erschrocken ein, als sie sein linkes Auge sah, die Haut blaurot verfärbt und grotesk angeschwollen. „Was ist passiert?“, fragte sie entsetzt und berührte sanft seine Wange unterhalb der Schwellung. „Bist du wieder mit dem Fahrrad gestützt?“

Der Achtjährige zögerte, dann nickte er, das Kinn gegen die Brust gepresst, um ihren Blick zu vermeiden.

Emma wusste sofort, dass es nicht der Wahrheit entsprach. „Oder war es vielleicht doch etwas anderes?“, hakte sie sanft nach. „Es ist okay, Liebling, was immer passiert ist, sag es mir einfach.“

Große, braune Augen hoben sich zu ihren und sie sah, dass der Junge mit den Tränen kämpfte. Kurzentschlossen griff Emma nach der Rückenlehne des Stuhls, drehte ihn samt ihrem Enkel zur Seite, so dass HM ihr gegenüber saß, dann ging sie in die Hocke, damit er ihr ins Gesicht sah. So bemerkte sie auch den Riss über dem Knie in seinen neuen Jeans und die Schmutzflecken auf seinem T-Shirt.

„Ich habe nicht angefangen“, flüsterte HM. „Es war nicht meine Schuld, Grandma.“

„Erzähl mir die Geschichte ganz von vorne, Schatz.“ Emma nahm seine Hände in ihre und betrachtete die aufgeschrammten Knöchel an der linken Hand mit einem besorgten Stirnrunzeln.

„Da ist dieser Junge in der Schule...“ HM zögerte und schlug die Hacken seiner Schuhe ein paar Mal nervös gegen die Stuhlbeine. „Er ärgert mich immer“, murmelte er. „Tommy Miller.“

Emma seufzte. Es war leider nicht das erste Mal, dass sie dieses Thema mit ihrem Enkel erörterte. Er war sehr schlank und immer noch ein wenig zu klein für sein Alter, und da er zudem eine Klasse übersprungen hatte, war er auch noch jünger als die meisten seiner Mitschüler. Seine wache Intelligenz und Wissbegier machten ihn bei den Lehrern beliebt, weniger jedoch bei seinen Klassenkameraden. Andererseits ließ er sich auch leicht ablenken und zog sich gelegentlich in Fantasiewelten zurück, anstatt mit anderen Kindern zu spielen.

„Was ist passiert?“, fragte sie erneut und drückte seine unverletzten Finger sanft, damit er nicht abschweifte. „Habt ihr euch… geprügelt?“

HM nickte und zog die Nase hoch. Er schlug wieder mit den Hacken gegen die Stuhlbeine.

Sie seufzte erneut und war sich nicht sicher, was sie zu ihm sagen sollte. Gewalt war bestimmt keine Lösung für seine Probleme. Und Emma kannte ihren Enkel gut genug, dass er sich nicht unprovoziert prügelte. „War es denn so schlimm, was er zu dir gesagt hat?“

„Er hat gesagt...“ Sie sah seine Unterlippe zittern, dann presste er die Lippen zusammen als wolle er die Worte zurückhalten. „Er hat was Böses über Mami gesagt. Er hat gesagt, ihr habt gelogen und dass Mami nicht im Himmel ist, sondern weg ging, weil sie mich nicht haben wollte.“

Emma nahm ihn in die Arme, zog ihn fest an sich und spürte ihn zittern. „Du weißt doch, dass das nicht wahr ist“, meinte sie leise. „Deine Mutter hätte uns – und sie hätte vor allem dich – niemals freiwillig verlassen. Egal, was dieser Tommy Miller sagt.“ Sie strich ihm über die Haare. „Okay? Glaubst du mir das?“ Als er nickte, ließ sie ihn los. HM setzte sich auf, um mit den nach vorne gezogenen Ärmeln über die Wangen zu wischen. Emma lächelte und rieb mit der Fläche des Daumens einen Schmutzfleck von seinem Kinn. „Geh’ dich waschen, Liebling, ich kümmere mich ums Mittagessen.“

Sie stand auf und sah ihm nach, als er vom Stuhl rutschte und nach oben in sein Zimmer eilte. Erst da fiel ihr auf, dass sie noch immer nicht wusste, warum HM früher nach Hause gekommen war. Sie hoffte, es hatte nichts mit der Prügelei zu tun, denn die Aussicht auf einen weiteren Brief der Schulleitung war nicht besonders erfreulich. Aber es gab Schlimmeres. Wie zum Beispiel, dass ihr Enkel solche Dinge zu hören bekam. Emilys Tod lag fast drei Jahre zurück und der Junge litt so schon genug unter ihrem Verlust, ohne dass er sich mit Hohn und Spott plagen sollte.

Emma nahm die vergessene Mütze vom Tisch und strich gedankenverloren den ausfransenden Saum des Schirms entlang. Sie musste mit ihrem Mann sprechen und eine bessere Lösung finden. Vielleicht konnte ihnen ein Lehrer helfen, oder sie unterhielten sich mit Tommy Millers Eltern. Notfalls schickten sie HM eben doch auf eine andere Schule in der Nachbarstadt, auch wenn das eine längere Fahrtzeit mit dem Bus bedeutete. Sie legte die Mütze zur Seite und ging nach oben, um sich um die Versorgung seiner Schrammen zu kümmern.


* * *


Am nächsten Morgen sah Emma ihren Enkel über den Tisch hinweg an, während sie seine zerrissene Hose flickte. HM widmete sich seinem Frühstücksflocken mit der üblichen Hingabe. Sie zuckte immer noch innerlich zusammen, wann immer sie sein Gesicht blickte. Die Schwellung war fast völlig zurückgegangen, dank der vielen kalten Umschläge, die er geduldig, aber mit wenig Begeisterung über sich ergehen lassen hatte. Doch die Verfärbung war noch schlimmer geworden. Wenn man genau hinsah, konnte man die Umrisse der Faust erkennen, die HM getroffen hatte.

Als der Junge am Vorabend im Bett gewesen war, hatte Henry beschlossen, zuerst mit Tommy Millers Eltern zu sprechen. Auf keinen Fall konnten sie das einfach so auf sich beruhen lassen. Es handelte sich hier um mehr als um eine kleine, harmlose Rauferei zwischen zwei Kindern. Und was Tommy zu HM gesagt hatte, klang eher so als hätte der Zehnjährige etwas nachgeplappert, dass er bei den Erwachsenen gehört hatte.

Sie fragte sich, ob sie ihn zum Arzt hätte bringen sollen, aber HM sagte, dass er keine Schwierigkeiten mit dem Sehen hatte. Trotzdem erleichterte es Emma, dass er nicht in die Schule musste.

Henry war bereits draußen bei den Tieren, die keine Rücksicht auf das Wochenende nahmen.

„Was willst du heute unternehmen?“, fragte Emma.

Der Junge zögerte, und zuckte dann mit den Schultern. „Weiß nicht“, murmelte er um einen Mund voll Lucky Charms herum.

„Nicht mit vollem Mund sprechen, Schatz“, tadelte Emma automatisch. „Nun, es ist gut, wenn du noch keine Pläne hast, denn ich werde heute deine Hilfe brauchen.“ Sie sah, dass seine Neugier geweckt war.

„Wobei, Grandma?“ Er ließ den Löffel sinken.

„Wir müssen uns etwas ausdenken, wie wir deinen Großvater dazu bringen, dass er mit uns beiden heute Abend auf den Jahrmarkt in Fairsdale geht.“

Die Augen des Jungen blitzten auf. „Auf den Jahrmarkt?“, wiederholte er begeistert. „Können wir nicht gleich gehen? Und darf ich Karussell fahren? Und Corndogs essen? Oder Zuckerwatte? Und denkst du, sie haben auch Tiere? Löwen oder Affen und so etwas.“

Emma lachte. „Natürlich darfst du mit dem Karussell fahren. Und was die Corndogs betrifft, wir werden sehen, wie viel Hunger du nach dem Abendessen noch hast.“ Wie sie ihren Enkel kannte, stellte das kein Hindernis dar. Ihre Tochter war in dem Alter genauso gewesen. „Und nein, wir können nicht sofort gehen. Zuerst muss die Arbeit erledigt werden. Wenn du mir ein bisschen dabei hilfst, dann werden wir rasch fertig und können bald losfahren.“

HM runzelte nachdenklich die Stirn. „Wenn ich ganz viel helfe, können wir dann ganz bald losfahren?“

Sie prüfte den aufgesetzten Flicken und legte dann die Jeans beiseite. „Ich fürchte, so einfach geht das nicht.“ Emma lächelte und räumte ihr Nähzeug zurück in den Korb, in dem sie es aufbewahrte. „Aber ich schlage vor, du isst jetzt erst einmal dein Frühstück auf und dann hilfst du mir, die Hühner zu füttern und die Eier einzusammeln. Und dann…“

HM stoppte, den Löffel auf halben Weg zum Mund. „Und dann?“, fragte er angespannt.

„Dann sehen wir nach, wie weit dein Großvater mit der Reparatur des Zaunes ist.“ Sie stand auf und stellte das benutzte Geschirr in die Spüle.

„Okay.“ HM löffelte zwei große Bissen Frühstückflocken in den Mund, kaute hastig und stoppte dann. Er leckte mit der Zunge nach einem kleinen Rinnsal Milch, das an seinem Kinn entlang lief. „Grandma?“

„Ja, Liebling?“ Emma sah über die Schulter zu ihm. „Möchtest du noch mehr Milch?“

„Nein. Danke.“ HM kaute einen Moment auf der Unterlippe. „Denkst du, es gibt auf dem Jahrmarkt… Denkst du das Karussell da hat auch ein Flugzeug und nicht nur Pferde?“

„Das weiß ich nicht. Wir werden abwarten müssen, bis wir dort sind.“ Emma wischte sich die Hände an einem Tuch trocken und drehte sich um. „Du magst Flugzeuge sehr, nicht wahr?“ Das war nicht schwer zu erraten, oft beobachteten sie ihn dabei, wie er in den Himmel starrte und Zeichnungen von Flugzeugen bedeckten sein „Geheimversteck“ in der Scheune, von dem sie und Henry offiziell nichts wussten.

HM nickte. „Flugzeuge sind toll“, erklärte er ernsthaft, stand auf und trug seine leere Schale zur Spüle. Er musste sich auf die Zehenspitzen stellen, um sie im Spülbecken abzustellen. „Man kann damit überall hin.“ Er blickte zu seiner Großmutter hoch und lächelte und Emma verspürte ein Stechen in der Brust – HM sah in diesem Moment seiner Mutter so ähnlich. „Wenn ich groß bin, dann habe ich mein eigenes Flugzeug und fliege Mami im Himmel besuchen.“

Sie wusste nicht, was sie antworten sollte, also nickte sie nur. Emma blinzelte und strich ihm übers Haar. „Hol schon mal den Korb für die Eier“, sagte sie schließlich.

Der Junge blickte sie noch einen Moment an, dann nickte er und holte seine Mütze, die auf dem Tisch lag, bevor er aus der Küche lief.

Emma sah ihm nach, eine Hand unwillkürlich flach gegen den Bauch gepresst. Sie lächelte, wischte sich mit dem Handrücken eine Träne von der Wange und band sich ein Tuch um den Kopf, um ihre Haare im Hühnerstall vor Schmutz zu schützen. HM rief ungeduldig von draußen nach ihr. Der Gedanke an den Jahrmarktsbesuch verlieh ihm offenbar Flügel. Sie lächelte wieder.

Pilot zu werden – egal, aus welchem Grund - war ein ehrgeiziges Ziel. Aber wenn es jemand schaffte, dann ihr wundervoller, besonderer Junge.

Ende
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