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Am Rande des Wahnsinns - Das Leben im Irrenhaus

GeschichteAllgemein / P12
04.08.2014
04.05.2015
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1. Tag - Die Schikanen der Ankunft


Freitag, 1. August 2014


- Internationaler - Croatoan - Tag (Supernatural)

Aber nicht nur das, sondern auch mein erster Tag in der Tagesklinik.

3 Jahre zuvor


Das Thema Psychiatrie kam zum ersten Mal auf. Damals wusste ich noch nichts, über die Tagesklinik und dachte, wenn ich rein muss, müsste ich gleich in die stationäre Klinik. Und das kam schon damals für mich niemals in Frage, denn es bedeutete, ich würde meine Hobbys aufgeben müssen. Hätte ich damals jedoch von der Tagesklinik gewusst, hätte ich sie auch strikt abgelehnt.
Damals dachte ich noch, ich würde es allein wieder aus diesem Loch heraus schaffen. Da war ich noch stark und innerlich noch intakter.

Heute


Ich bereue es inzwischen, damals noch so sehr gegen Therapie gewesen zu sein. - Was, wenn es jetzt schon zu spät für eine Heilung ist?
Mittlerweile ging es mir so schlecht, dass ich sogar froh bin in diese Klinik zu gehen. Ich will mich endlich wieder gut fühlen, glücklich sein. Und die Tagesklinik sehe ich als meine letzte Möglichkeit das zu erreichen. Denn alles, was ich bisher probierte, scheiterte in ganzen Längen.

7.30 Uhr


Ich stand mit meinem Vater vor den Pforten der Klinik, auf das Aufnahmegespräch wartend. In diesem ging es um all das Formelle. Aufnahmepapiere mussten ausgefüllt werden, genauere Informationen über die Klinik wurden bekannt gegeben, ich musste Seitenweise Fragebögen beantworten und ich musste ihnen noch einmal, zum tausendsten Male nun, die Gründe nennen, weshalb ich in die Klinik wollte.
~Weshalb ich denn ausgerechnet in die Tagesklinik wolle? Weil es ja schon 'Hardcore' ist, jeden Tag Therapie.~ Ich glaube jedoch, eine normale Therapie, die nur einmal pro Woche ist, hilft mir nicht. Zumal meine vorherigen Therapien mir auch nicht geholfen haben ... obwohl zugegeben, ich da kaum etwas gesagt habe. Trotzdem kann ich mir nicht vorstellen, was es bringen soll, einmal pro Woche irgendwo hinzurennen und der Rest der Woche verläuft wieder normal. Und ich wollte keinen Rückschlag, im Sinne von wenn die normale Therapie nichts helfen würde.
Besondere Probleme bereitete mir, als ich meine Probleme ganz genau Zusammenfassen musste. Ist gar nicht so einfach, wenn eigentlich das komplette Leben völlig beschissen ist.
-Was willst du denn an deinen Gefühlen ändern? Ganz einfach alles ..das reichte ihnen leider nicht.. Ich will aufhören, mich selbst zu verletzen, möchte meine Gefühle wieder in den Griff bekommen, wieder glücklich sein und mit anderen wieder besser klarkommen.-

7.50 Uhr


Alles war geklärt. Mein Vater ging wieder nach Hause, Ich blieb in der Klinik.
1. Schritt: Alle elektronischen Geräte abgeben, da diese in der Klinik nicht erlaubt waren. Zusammen mit meinen anderen Wertsachen legte ich sie in einen Beutel, welcher weggeschlossen wurde. Meine restlichen Sachen bekamen einen Platz in der Garderobe.
Die Tagesklinik war ganz anders, als ich sie mir vorgestellt hatte. Es waren nur sehr wenige Patienten dort, ungefähr 11 oder 12. Ich ließ mir auch etwas über die stationäre Klinik erzählen und auch dort gab es zu meinem Erstaunen nur sehr wenige Patienten. An sich war die Tagesklinik auch sehr klein. Es gab 3 Gruppen. Gruppe 1, welcher ich angehörte, waren die ältesten. In Gruppe 2 war die mittlere Altersklasse. Gruppe 3 waren die jüngsten.
2. Schritt: Ein Mädchen aus meiner Gruppe führte mich durch die Räume. Die ganze Tagesklinik bestand nur aus einem einzigen Gang. Es war kein kurzer Gang, aber lang konnte man ihn ebenso wenig nennen.
Er beinhaltete:
-Gruppenraum 1
-Gruppenraum 2
-Gruppenraum 3
-Freizeitraum
-Esszimmer
-Küche
-4 Bäder
-Garderobe
-Ruheraum
-Schwesternzimmer

Am Eingang hing eine große Tafel, auf welcher die Patienten aufgeführt waren und dazu, welche Aktivitäten oder Therapien jeder an welchem Tag der Woche und um welche Uhrzeit hatte.
Andere wichtige Räume, wie Schule, Sporthalle oder Therapiezimmer, lagen außerhalb der Tagesklinik.
Nachdem ich herumgeführt wurde stand ich erst mal eine Weile unschlüssig in unserem Gruppenraum und beobachtete die anderen Personen aus meiner Gruppe. Ich hatte keine Ahnung, wie der Alltag hier in der Klinik abläuft. Dementsprechend unsicher fühlte ich mich auch.

8.30 Uhr


Es gab Frühstück.

Danach


Ich fand beim Durchsuchen des Gruppenraumes einen interessant erscheinenden Roman über Zombies. So setzte ich mich auf eine Couch und fing an zu lesen.
Für die nächsten Tage sollte das auch meine Hauptbeschäftigung sein, weil man am Anfang noch fast keine Aktivitäten und Therapien hatte. Man wird sozusagen langsam eingewöhnt dort den Tag zu verbringen. Oder man wird erst so zu Tode gelangweilt, damit man dann umso Bereitwilliger bei den Therapien mitmacht.

Derweil in der Küche


Ein paar der Patienten entschieden sich dazu, einen alkoholfreien Cocktail zuzubereiten. Die Zutaten waren Ananas, Kokos und diverse andere Dinge.
Er hatte die Konsistenz von Babybrei und sah dadurch auch nicht sonderlich aus.. er schmeckte jedoch ausgezeichnet.

11 Uhr


2 Stunden, etliche Buchseiten und ein paar Rommee-Spiele später fand die sogenannte Vollversammlung statt. Alle Patienten setzten sich in einen Kreis in den Freizeitraum. Da es eine Neue gab, mich, wurde mit einer Vorstellungsrunde begonnen. Das hieß, jeder sagte, wie er hieß und warum er in der Klinik war. Danach wurde die Woche ausgewertet. Außerdem musste jeder einen Dienst übernehmen. Ich entschied mich dafür, jeden Tag den Gruppenraum 1 zu fegen und mich um eines der Bäder zu kümmern.

12 Uhr


Wir aßen zu Mittag.
Danach las ich wieder eine Weile.

13 Uhr


Es ging in die Turnhalle. Bis 13.45 Uhr machten wir dort Sport. Auch das war ein Dienst, die Sportstunde zu organisieren ... hoffentlich musste ich das nie machen.

14 Uhr


Ich hatte Einzeltherapie.
Soweit ich sie jetzt schon kannte, mochte ich meine Therapeutin. Sie war nett und auch witzig. So konnte ich während der Therapiesitzung auch einige Male Lachen. Nach nur diesem einen Tag erkannte sie schon, dass ich meine Gefühle nie zeige und eigentlich immer glücklich erscheine. Zu meiner Verunsicherung lobte sie mich sogar dafür. -Weil es ja auch eine große Leistung sei, immer alles hinter einer lachenden Maske zu verbergen, meinte sie.-


Damals


Ich hatte in all meinen vorherigen Therapiesitzungen die ich die letzten 2-3 Jahre hatte, nie etwas gesagt.

Heute


Nun beantwortete ich bereitwillig jede Frage und redete über meine Gefühle. Es fiel mir immer noch verdammt schwer, darüber zu reden. Es ging mir jedoch mittlerweile so schlecht, dass ich alles dafür tat, mich wieder besser zu fühlen. Und so gab ich mein Bestes und redete ... stockend und ziemlich verlegen ... aber immerhin redete ich.

Nach der Therapie - kurz vor 15 Uhr


Es gab noch Kuchen, weil eine Patientin heute entlassen wurde. Glückwunsch.

15 Uhr


Die Gruppen fanden sich, mit jeweils ihrem Betreuer, in ihren Gruppenräumen zusammen, um auswertend über dem Tag zu reden und neue Wochenziele für die nächste Woche zu setzen.
Mein Wochenziel war: Die Abläufe in der Klinik kennenlernen.

15.20 Uhr


Nach dem wir aufgeräumt hatten durften wir uns unsere Handys und Wertsachen abholen und nach Hause gehen.

Tagesbilanz


Mir hatte der Tag ganz gut gefallen. Ich mochte die Vorstellung, endlich Hilfe anzunehmen und auch zu bekommen und die hoffentlich daraus resultierende Heilung.
Während ich mich in der Klinik befand, versuchte ich zu vergessen, dass ich in einer Psychiatrie war. Denn ich habe trotz, dass ich da selbstständig rein wollte immer noch das böse Vorurteil, dass in der Psychiatrie nur Dumme und Geistesgestörte sind. Den Therapeuten begegnete ich deshalb auch gerne etwas frech und vor allem ironisch, um schlauer rüberzukommen.
Zugegebener Maßen freute ich mich schon auf Montag, wenn ich wieder hier in der Klinik sein würde.





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