Eine Sache der Perspektive

von - Leela -
KurzgeschichteRomanze, Freundschaft / P12
Ansabone Eddie ShockClock
02.08.2014
02.08.2014
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Tasha kam gerade in das Büro des Ghostkommandos und fing Eddys Blick auf, der am Schreibtisch stand. „Hi!“
      „Hey!“ Eddy strahlte ganz automatisch bei ihrer Anwesenheit.
      Sie hielt einen Augenblick gedankevoll inne und betrachtete ihn; merkte aber schnell, daß sie ihn dadurch verunsicherte. Schließlich faßte sie sich ein Herz, ging zu ihm herüber und sah ihn mit einem versunkenen Ausdruck an. „Du hast ein umwerfendes Lächeln!“ bekannte sie, so ehrlich und seelenvoll, daß es ihm direkt unter die Haut ging. Er sah sie entgeistert an; das hatte er nicht vermeiden können. Sie lächelte verlegen. „Das mußte ich dir unbedingt mal sagen.“
      Eine verlegene Stille trat ein, in der dem etwas fülligeren Ghostbuster die Röte in die Wangen schoß. „Danke…“ brachte er nur gerade noch heraus, bevor weder er ihrem, noch sie seinem Blick standhalten konnte.
      „Ähm, ich wollte mal in der Bücherwand nachsehen, ob ich da Fachliteratur für mein Referat finde. Ist das in Ordnung?“ riß sie das Ruder schnell herum, um diese sonderbare Situation aufzulösen.
      „Oh, ja sicher!“ erwiderte er schnell, und dankbar dafür, den Moment der Unsicherheit dadurch für’s erste verlassen zu können.
      Sie atmete leicht durch, dann nutzte sie den Augenblick sofort und ging zu der Bücherwand herüber, während er versuchte, sich von ihrer Offensive zu erholen. Er spürte sein Herz schlagen wie selten zuvor. Die Studentin focussierte sich rasch auf ihre neue Aufgabe, froh darum, daß sie sich ihre eigene Verlegenheit so nicht anzumerken lassen brauchte.
      Eddy wandte sich derweil völlig überfordert um, schlug leicht die Hände vors Gesicht und konnte es nicht verhindern, als ihm leise über die Lippen kam: „Oh mein Gott, oh mein Gott, oh mein Gott…“
      Die angehende Geisterwissenschaftlerin sah mit einem erstaunten Lächeln zu ihm herüber und beobachtete ihn atemlos, ohne daß er es bemerkte. Das eigentümliche, aufgeregte Gefühl in ihrer Magengegend schien sich noch mehr zu potenzieren, als sie feststellte, wie sie ihn anscheinend mit ihrer kleinen Bemerkung aus der Bahn geworfen hatte. Sie riß sich zusammen und sah weiter durch die Lektüre.
      In die Stille hinein, die einzig und allein aus Herzklopfen zu bestehen schien, wagte er es, ihr einen vorsichtigen Blick zuzuwerfen. Doch sie war so versunken in ihre Aufgabe, daß sie es nicht mitbekam, und so ruhte sein Blick eine Weile verliebt auf ihr. Wenn er jetzt doch nur ein bißchen mehr Mut aufbringen würde…
      Bei einer Bewegung von ihr, die er so schnell nicht einordnen konnte, räusperte er sich schnell und widmete sich den Unterlagen auf dem Schreibtisch, mit denen er sich eigentlich beschäftigt hatte, bevor sie sich zu ihm gesellt hatte; auch wenn es in diesem Moment nicht mehr als eine Alibifunktion hatte, denn er nahm nichts von dem auf, was ihm die Papiere sagen wollten. Statt dessen versuchte er, die Verzweiflung in seinem Inneren zu bekämpfen. Wie gerne hätte er jetzt ihre Aufmerksamkeit auf sich gezogen, durch einen Blick, eine Geste, vielleicht ein Kompliment… Doch er ließ sich viel zu schnell verunsichern, allein durch die Präsenz dieses tollen Mädchens, das sein Herz mehr und mehr eroberte, mit jedem Augenblick, den sie zusammen verbrachten und sich näher kennenlernten. Wäre er doch nur etwas selbstsicherer, etwas offensiver… Er war sich sicher, damit würde sie ganz sicher nicht zu kämpfen haben. Warum nur traute er sich so wenig zu, es ihr zu sagen?
      Tasha hatte von alledem nicht einmal etwas mitbekommen, da sie lediglich ein Regalelement weitergegangen war, um ihre Suche fortzusetzen. Während sie dort weiter nach Büchern recherchierte, die sie verwenden konnte, sah sie sich vorsichtig zu Eddy um. Sie erwischte einen Moment, in dem er gedankenvoll in eine andere Richtung sah und lächelte versonnen. Sie ärgerte sich ein wenig über sich selbst, daß sie den guten Schwung vorhin nicht ausgenutzt hatte; doch jetzt traute sie sich nicht mehr, dort noch einmal anzusetzen. Sie wußte nicht warum, aber das erste Mal in ihrem Leben spürte sie, wie sie schwach wurde, kam gegen das Chaos der Gefühle in ihrem Inneren nicht mehr an, das er in ihr auslöste. Warum nur wurde es um so schwieriger, jemandem seine Emotionen zu offenbaren, je mehr man ihn mochte? Warum wurde sie dabei so unsicher, ja, fast schulmädchenhaft schüchtern, ihm zu zeigen, was sie für ihn fühlte; obwohl es das schönste auf der Welt war, das man jemandem mitteilen konnte? Sie wischte sich die schweißnassen Hände an ihrer Hose ab. Dann suchte sie schnell weiter durch das Regal, ohne zu merken, wie er ihr verstohlen einen verträumten Blick zuwarf.
      Das Ticken der ShockClock, die zwischen den Büchern im Regal stand, gab einen leisen Takt an, der kaum mit der Frequenz der zwei Herzen mithalten konnte; sich davon aber auch keineswegs beeindrucken ließ.
      „Das hier leihe ich mir mal aus, wenn ich darf, ja?“ sagte sie nach einer Weile und deutete auf ein Buch, das sie in Händen hielt.
      „Gerne!“ erwiderte er, und bemerkte kaum selbst, wie er ihr ganz automatisch wieder das umwerfende Lächeln schenkte, mit dem er sie so gefangennahm.
      Sie atmete durch und versuchte, ihre Aufregung soweit zu unterdrücken, daß man sie ihr nicht anmerkte, lächelte ihn noch einmal an und ließ ihn dann wieder allein.
      Ein wenig betrübt sah er ihr nach, als sie das Zimmer verließ, – und noch immer spürte er seinen Puls rasen. Ihre Worte von ganz zu Anfang ihrer Begegnung hallten noch immer in seiner Seele nach und lösten eine Aufregung in ihm aus, die er noch nie zuvor in seinem Leben gespürt hatte. Er biß sich aufgewühlt auf die Unterlippe, drehte sich zu dem Skelefon um, welches die Szene gezwungenermaßen vom Schreibtisch aus mitverfolgt hatte, nahm es in die Hände und sah ihm in die Augen. „Hast du das gehört, Ansabone? Sie hat gesagt, ich habe ein umwerfendes Lächeln!“
      „Ja! Ich bin auch schon ganz aus dem Häuschen!“ meinte das Skelefon emotionslos.
      Eddy registrierte den Zynismus in dessen Stimme nicht einmal. Er war völlig in seiner eigenen Gedankenwelt versunken und grinste wie ein Irrer. Die Dokumente auf dem Schreibtisch, die er sich eigentlich hatte ansehen wollen, waren vergessen, und er schien weltenentrückt, als er schließlich ebenfalls das Zimmer verließ.
      Die Büroeinrichtung sah ihm argwöhnisch nach.
      „Dieser verklärte Blick macht mir Angst!“ bekannte Ansabone, als sie unter sich waren.
      „Mir macht dieses »umwerfende Lächeln« gerade Angst…“ ergänzte die ShockClock.
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