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Für einen Tag normal

Kurzbeschreibung
KurzgeschichteAllgemein / P6 / Gen
01.08.2014
01.08.2014
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1.489
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Dieses Kapitel
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01.08.2014 1.489
 
Dies ist mein Beitrag zum Fandom-Turnier 2014/2015.
Die Vorgabe war zwei Charaktere aus dem Fandom freiwillig, ohne magische Hilfe, die Leben tauschen zu lassen und diese fünf Wörter unterzubringen: Wein, Zeitalter, Frechheit, Abendsonne, Tablett.
Leider bin ich einen Tag zu spät dran mit hochladen, aber dafür bin ich dieses Mal zumindest annähernd zufrieden mit dem OS.
Ich wünsche viel Spaß beim Lesen!

-- -- --

Bereits als Natori den Schulhof betrat, konnte er alle Augen auf sich spüren. Es war genauso wie damals, als er Natsume besuchen wollte. Nicht umsonst war er an jenem Tag am Tor stehen geblieben und hatte dort auf ihn gewartet statt das Schulgelände zu betreten. Leider blieb ihm dieses Mal keine andere Wahl, als den Schulhof zu betreten. Er würde bestimmt nicht lange dauern, bis die Ersten ihn ansprachen und nach Autogrammen fragten. Mit Realismus hatte diese Werbeaktion  nichts zu tun, obwohl sie damit angepriesen war. Vielleicht in einem anderem Zeitalter, in dem Schauspieler nur lokal bekannt waren, wäre der Lebenstausch realitätsnah gewesen, doch heutzutage definitiv nicht mehr.
„Natori-kun, was machst du hier?“, riss Natori eine ihm bekannte Stimme aus seinen Gedanken, „Suchst du nach Natsume-kun? Der ist heute nicht da.“ Takashi blieb neben ihm stehen und sah ihn fragend an.
„Nein, ich suche nicht nach Natsume-kun, ich bin beruflich hier.“ Er wandte sich in Richtung des Freundes Natsumes, dessen Blick von fragend zu besorgt umschwenkte.
„Es gibt einen Dämonen in der Schule?“
„Nein, heute gehe ich meiner Tätigkeit als Schauspieler nach“, beruhigte Natori den Jungen und fuhr sogleich mit einer genaueren Erklärung fort, um weitere Fragen zu vermeiden. „Es ist eine Werbeaktion für meinen neuen Film. Ich muss einen Tag lang Natsume-kuns Leben leben. Er geht dafür für mich ans Set.“ Nun schien Takashi noch verwirrter als zuvor und schwieg einen Moment lang, während Natoris Gedanken zu Natsume wanderten. Er war sich sicher, dass dieser sich am Set unwohl fühlte, er stand nur ungern im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit oder unterhielt sich mit Fremden. Auch an ihm hatten seine Fähigkeiten Spuren hinterlassen, sowie an jedem, der nicht als Exorzist aufwuchs. Er fragte sich, ob Hiiragi das bedacht hatte, als sie alles eingefädelt hatte.

Natsume wurde von einem Mitarbeiter am Set empfangen, der ihn herumführte und allen vorstellte. Bei den Vorstellungen wechselte er nicht viele Worte mit den anderen Schauspielern, Natsume wusste nicht so Recht, was er sagen sollte. Es machte ihn nicht nervös, dass sie berühmt waren, doch er fühlte sich fehl am Platz. Er hatte sich nie für die Werbeaktion beworben, hatte kein Interesse daran gehabt, doch nun stand er hier und war der Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Zu sagen, dass er sich unwohl fühlte, wäre eine Untertreibung gewesen.
„Du wirst den Kellner spielen, der den Wein fallen lässt, während die Protagonistin mit ihrer Mutter über ihre Gefühle spricht. Es ist keine große Rolle, aber wir hoffen, dass es ausreicht, damit du ein möglichst reales Gefühl dafür kriegst, wie es ist, vor der Kamera zu stehen.“ Der Mitarbeiter lächelte Natsume breit an, während er ihm die Details seiner Rolle mitteilte. Seit er ihn bei seiner Ankunft am Set begrüßt hatte, hatte er den Mann nicht einmal nicht lächeln sehen.
„Dafür wird es bestimmt reichen.“ Er erwiderte das Lächeln, nur weniger breit. Es war nur ein höfliches Lächeln, zur Überspielung seines Desinteresse. Er wollte die Euphorie des Mannes nicht mildern, weil er sich nicht für diese Sache begeistern konnte.
„Wer weiß, vielleicht entdecken wir sogar dein natürliches Talent für Schauspielerei und bald hast du deine eigene Hauptrolle!“
Natsume kam nicht dazu, ihm zu antworten. Hiiragi, die anstatt Madara, den er nicht hatte mitnehmen dürfen, auf ihn aufpasste, nutze diesen Moment, um ihn anzusprechen. „Du brauchst dir keine Sorgen machen, das wird nicht passieren. Es ist nur ein unbedeutender Auftritt, keiner wird während des Films auf dich achten außer in den zwei Sekunden nachdem du das Tablett fallen lässt.“ Natsume wollte ihr für die Aufmunterung bedanken, schwieg jedoch, um nicht den Eindruck zu vermitteln, mit sich selbst zu reden. Er wollte den Tag überstehen, ohne als verrückt abgestempelt zu werden.

Für normale Ohren waren die einzigen Geräusche im Klassenraum das kontinuierliche Kratzen von Stiften über Papier, sowie dessen gelegentliches Rascheln, wenn jemand sein Blatt vollgeschrieben hatte. Für Natori hingegen war es nicht so ruhig und so versuchte er, alle Geräusche auszublenden und sich auf die Aufgaben vor ihm zu konzentrieren. Zu seinem Leidwesen wollte der Dämon, welcher einige Zeit zuvor neben seinem Tisch aufgetaucht war, jedoch keine Ruhe geben.
„Du bist nicht Natsume. Wo ist Natsume? Ich muss mit Natsume sprechen“, wiederholte er bereits zum gefühlt hunderten Male und machte keine Anstalten, demnächst damit aufzuhören. Es zerrte an Natoris Nerven, nichts gegen den Störenfried unternehmen zu können. Ihm antworten ging nicht und exorzieren konnte er ihn ebenfalls nicht, ohne die Aufmerksamkeit aller auf sich zu ziehen. Er fragte sich, wie Natsume dies jeden Tag aushielt.
Als der Dämon auch fünf Minuten später noch keine Ruhe gab, stand Natori -am Ende seiner Geduld angelangt- auf und entschuldigte sich, bevor er den Raum verließ. Der Dämon folgte ihm in den Gang.
„Natsume kommt morgen wieder, dann kannst du ihn sprechen. Oder du folgst mir nach der Schule zu seinem Haus und wartest dort auf ihn. Aber nun lass mich in Ruhe, ich muss für ihn am Unterricht teilnehmen.“ Er hätte es bevorzugt, den Dämonen einfach zu exorzieren, doch er hatte Natsume versprochen, dies nur im absoluten Notfall zu tun. Unglücklicherweise war dies keiner. Nach seinen Worten verschwand der Dämon ohne ihm Probleme zu bereiten und ihm somit einen Grund zum Exorzieren zu geben. Nach ein paar Sekunden, die er sich zur Entspannung nahm, kehrte Natori wieder in den Unterricht zurück. Es war nicht mehr allzu lange, bis er die Schule endlich wieder verlassen konnte.

Die Kameras und Lichter waren rund um die momentan genutzte Kulisse aufgebaut und die Protagonistin sowie ihre Mutter saßen bereits am Tisch - alle warteten nur noch auf ihn. Zurückhaltend trat Natsume hervor, dabei versuchend, nicht allzu sehr an all die Aufmerksamkeit zu denken, die nun auf ihm lag. Er wusste nicht, wie Natori es aushielt, regelmäßig so im Mittelpunkt zu stehen. Er selbst fühlte sich vollkommen unwohl, auch wenn er versuchte, es sich nicht anmerken zu lassen. Er wollte denen, die sich solche Mühe gemacht hatten, ihn zu integrieren, nicht das Gefühl vermitteln, es wäre umsonst gewesen.
„Weißt du, was du tun musst?“, lenkte der Direktor Natsumes Aufmerksamkeit auf sich.
Da Natsume die Anweisungen für seine Rolle schon am Beginn des Tages erhalten, nickte er kurz, bevor er sie wiederholte. „Ich stehe am Rand der Kulisse. Wenn die Protagonistin anfängt zu stottern, betrete ich sie im Hintergrund und sobald sie bei >Ich glaube< angekommen ist, lasse ich das Tablett fallen.“
Der Direktor nickte zufrieden und kündigte den Beginn der ersten Einstellung an, woraufhin sich zu Natsumes Erleichterung die Aufmerksamkeit aller von ihm ab und der Szene zu wandte.
Als die Protagonistin zu stottern beginn, betrat er die Kulisse und schon kurz danach ließ er das Tablett wie verlangt fallen. Während die Mutter der Protagonistin sich darüber aufregte, was für eine Frechheit sein Missgeschick doch gewesen wäre, verschwand er wieder aus dem Blickfeld der Kameras und hatte seinen Auftritt hinter sich gebracht. Zu seinem Glück hatten auch die beiden anderen Schauspielerinnen gute Arbeit geleistet, sodass keine zweite Einstellung mehr nötig war und er sich zurückziehen konnte. Bereits der kurze Auftritt hatte gereicht, um Natsume zu zeigen, dass die Schauspielerei nichts für ihn war. Falls dieser Tag Natori jedoch wirklich half sein Vertrauen in Menschen und Freundschaften wieder zu finden, wie Hiiragi es geplant hatte, war es das wert gewesen. Auch wenn er trotzdem froh war nun wieder nach Hause zu dürfen.

Natori hatte sich im Unterricht gelangweilt, doch die mit Natsumes Freunden verbrachte Zeit hatte er genossen. Sie hatten ihn gut aufgenommen und so behandelt, als wäre er tatsächlich wie Natsume schon seit Monaten ein Teil des Freundeskreis. Es hatte ihm Leid getan, sie zwischenzeitlich anlügen zu müssen. Aber die Frage, wie es sein konnte, dass gerade Natsume die von der Produktionsfirma veranstaltete Losung gewonnen hatte, war schwer zu erklären gewesen. Keiner konnte sich vorstellen, dass Natsume sich aus Interesse dafür beworben, geschweige denn auch noch mehr Glück als die anderen hundert Kandidaten gehabt und gewonnen hatte. Das Hiiragi ihre Finger im Spiel gehabt und die Losung ohne sein Wissen fingiert hatte, konnte Natori jedoch nicht verraten, da nicht alle von Natsumes Freunden über die Existenz der Dämonen Bescheid wussten.
Sah man aber von dieser einen Frage ab, so hatte er offen und er selbst sein können, etwas das er außer bei Natsume schon lange nicht mehr gewesen war. Er konnte nur zu gut verstehen, warum Natsume seine Freude so wichtig waren.
Auch Natsumes Familie hatte ihn herzlich aufgenommen und als er später, in Natsumes Zimmer sitzend, die Abendsonne untergehen sah, kam er nicht umhin zu bedauern, dass der Tag schon vorbei war.
Offenbar war Hiiragis Plan aufgegangen.
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