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Frei wie der Wind

GeschichteAbenteuer, Freundschaft / P12 / Gen
Mungojerrie Rumpelteazer
01.08.2014
30.04.2020
14
46.508
6
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02.04.2015 3.206
 
Das Problem bei manchen Jellicles ist einfach, dass sie keine eignen Lider haben… Aber ihr habt sowieso mit einem Gumbie-Katzen-Kapitel gerechnet, oder?^^
Ich wünsch euch frohe Ostern und viel Spaß bei den Großeltern, auf Texel, in Mexiko oder wo ihr sonst gerade unterwegs seid ;)


Die Gumbie Katze, die ich mein,

die nennt sich Jenny Fleckenreich

Ihr Mantel ist besonders fein -

getigert und gefleckt zugleich


Tropf.
Tropf. Tropf.

Jerrie lauschte dem Regen, der in unregelmäßigen Abständen gegen das Fenster des Gästezimmers platschte. Sie klangen anders als die Tropfen, die immer auf das Dach ihres Zirkuswagens niedergeprasselt waren. Als wäre es nicht bloß ein anderes Dach, sondern anderer Regen.
Natürlich war das Quatsch. Regen war überall gleich: Kalt und nass und eklig. Aber zum ersten mal war er auch irgendwie gemütlich.
Es raschelte. Aus dem Deckenwust zu seiner Rechten tauchte ein wirrer roter Haarschopf auf.
Rumpleteazer rieb sich die Augen, blinzelte ihn verschlafen an. „Du bist schon wach?“
Ihr Bruder bedachte sie mit einem Blick, der eindeutig Nö, ich tu nur so - Natürlich bin ich wach! besagte.
Sie verdrehte bloß die Augen. Ach lass mich! Ich schlafe ja eigentlich noch…
Ihr Bruder ignorierte den Einwand. „Hör mal“, sagte er.
Teazer lauschte.
Tropf.
Tropf.
Tropf. Tropf.

„Es regnet“, stellte sie fest. Dann grinste das Mädchen. „Und es kann uns egal sein! Wir sind hier drinnen im Trockenen!“
Jerrie nickte zustimmend. Ganz genau! „Stell die mal vor, wir säßen immer noch in London in der Oper!“
„Da könnten wir zur Bühne schwimmen!“, kicherte sie. Die Vorstellung war witzig, aber nur, weil es nicht tatsächlich so gekommen war. Gut, dass wir da weg sind!
„Das wär doch mal eine coole Meldung: Alte Oper neueröffnet! Jetzt als Schwimmbad!“
Die Tür zum Gästezimmer öffnete sich und Jenny Gumbie kam herein. „Da habe ich ja richtig gehört: Ihr seid wach. Wisst ihr eigentlich wie spät es ist?“
Die Zwillinge schüttelten synchron den Kopf. Woher sollten sie das wissen?
„Es ist viertel vor zehn. Reichlich spät für ein Frühstück. Habt ihr gar keinen Hunger?“

Der Frühstückstisch war bereits gedeckt, als Jerrie und Teazer in geblümtem Schlafanzug und rosa Nachthemd die Treppe herunter kamen.
„Ihr hättet euch ruhig vorher anziehen können“, tadelte Miss Gumbie. „Und Haarbürsten benutzt ihr wohl auch nicht gerne…“ Sie seufzte kurz. „Machen wir heute mal eine Ausnahme. Aber nach dem Frühstück zieht ihr euch etwas Ordentliches an!“
Die Zwillinge tauschten einen vielsagenden Blick. Was ist das denn für eine bescheuerte Regel?
Warum wollen uns immer alle vorschreiben, was wir tun sollen?
Erwachsene wollen immer, dass man so wird wie sie!
Wann gehen wir wieder?

Schweigend setzten sie sich an den Tisch. Sie hatten schon immer gewusst, dass so ein ganz normales Leben nichts für sie war.
Im Zirkus hatte es kaum feste Regeln gegeben. Keiner hatte sich dafür interessiert, wo sie tagsüber rumtollten, keiner hatte versucht, sie zu erziehen, ihnen Manieren beizubringen. In der Schule hatte das oft zu Problemen geführt, aber auch das hatte beim Zirkus niemanden gestört. Jemima hatte manchmal versucht, ihnen die Schule näher zu bringen, sie zum Lernen zu animieren, aber funktioniert hatte das nie. Die Feuerspukerin war eben mehr eine große Schwester für sie gewesen. Sie hatte nie ernsthaft versucht, ihnen Regeln aufzuzwingen. Die einzige Regel, die jeder beim Zirkus befolgte, lautete: Macavitys Wort ist Gesetz. Und das war schon eine Regel zu viel.
Vielleicht waren viele kleine Regeln wie „Zieht drinnen die Schuhe aus“, „Kämmt euch die Haare“ und „Kommt nicht im Schlafanzug zum Frühstück“ nicht so schlimm wie eine große Regel, aber sie nervten die Geschwister jetzt schon.

Teazer griff nach einem Einmachglas und strich Marmelade auf ihr Brot. „Warum essen Sie nichts?“, wollte sie wissen.
Die alte Dame lächelte. „Ich habe schon vor ein paar Stunden gegessen. Ich dachte mir, ihr wollt sicher ausschlafen. Ihr habt schließlich ein paar anstrengende Tage hinter euch.“
Bevor Teazer etwas erwidern konnte, rief Miss Gumbie plötzlich: „Berlioz! Runter vom Tisch! Aber sofort!“
Mungojerrie, der gerade nach seinem Brot greifen wollte, erschreckte sich, als eine kleine braune Schnauze neben seiner Hand auftauchte. Einen Moment lang sah die Katze ihn aus großen, runden Augen an. Dann nahm sie die Vorderpfoten vom Tisch und sprang vom Stuhl.
„Sie haben ja eine Katze!“, rief Teazer erfreut aus.
„Er gehört nicht mir“, stellte die Frau lächelnd klar. „Berlioz ist ein Streuner. Ich füttere ihn nur. Im Winter darf er auch ins Haus.“
„Warum nur im Winter?“, fragte Teazer.
„Wir haben doch noch gar nicht Winter!“, sagte Jerrie gleichzeitig. Oder ist November schon Winter?
Miss Gumbie schmunzelte. „Berlioz ist ein Kater. Wenn er andere Katzen riecht, will er sein Revier markieren. Entgegen der landläufigen Meinung, man könne Katzen nicht erziehen, kann man ihnen sehr wohl das ein oder andere abgewöhnen, wenn man nur konsequent genug ist. Berlioz zum Beispiel ist anfangs immer auf den Tisch gesprungen und hat versucht, Wurst zu klauen oder die Butter anzulecken. Mittlerweile schaut er höchstens noch über die Tischkante. Das Reviermarkieren dagegen kann man ihnen nicht abgewöhnen. Deshalb lasse ich selten Streuner über einen längeren Zeitraum in mein Haus. Im Winter können sie hier schlafen, wenn es draußen zu kalt wird. Im Flur steht ein Katzenkorb.“
„Aber so kalt ist es doch noch gar nicht“, meinte Jerrie.
„Das nicht, aber ich habe heute einen Tierarzttermin. Wenn ich ihn nicht solange im Haus behalte, ist er wieder weg und ich muss einen neuen Termin ausmachen.“
„Sie gehen mit den Katzen zum Tierarzt, obwohl die gar nicht ihnen gehören?“
„Irgendwer muss sich ja um die Tiere kümmern“, erklärte die alte Dame leichthin. „Und außer mir scheint das in dieser Gegend niemanden zu interessieren!“ Sie plusterte in leichter Empörung die Backen auf, wie sie es schon getan hatte, als sie gestern von den abfälligen Spitznamen erzählt hatte. „Es scheint zu viel verlangt zu sein, mal ein kleines bisschen Verantwortung für andere Lebewesen zu übernehmen…“ Sie schüttelte bedauernd den Kopf. „Wenn ihr Thomas oder Duchesse seht, lasst sie ruhig rein, dann kann ich sie direkt mitnehmen zum Tierarzt. Thomas O’Malley ist ein großer brauner Kater mit Stummelschwanz und eingerissenem Ohr und Duchesse eine sehr scheue weiße Katzendame. Ich glaube nicht, dass sie sich heute blicken lässt.“
„Das sind aber komische Namen“, befand Mungojerrie.
Miss Gumbie schmunzelte. Die Katzen waren nicht die einzigen mit ungewöhnlichen Namen. „Sie sind nach den Aristocats benannt. Ich wollte ihnen keinen dieser albernen Katzennamen geben wie Maunzi oder Minka…“ Sie verzog verächtlich das runde Gesicht. „Meine Kinder haben den Film heiß und innig geliebt, deshalb sind mir diese sofort in den Sinn gekommen. Ich finde, es sind sehr edle Namen.“
Von dem Film hatten die Zwillinge noch nie gehört. Insgesamt kannten sie kaum Filme, weil sie nie einen Fernseher besessen hatten. Zweimal waren sie mit Jemima im Kino gewesen, konnten sich aber nur noch undeutlich daran erinnern.

***


Am Nachmittag machten die Geschwister eine Erkundungstour durch Macclesfield. Sie zogen über die noblen Restaurants in der St. James’s Street her und machten sich einen Spaß daraus, die Fußmatten der ordentlichen Reihenhäuser in Victoria Grove und den umliegenden Straßen zu vertauschen. Dann entdeckten sie eine Landstraße, die an einem alten Bauernhaus vorbei zu den umliegenden Feldern führte. Die schlecht geteerte Straße, die man treffender als Feldweg bezeichnen müsste, war noch etwas nass vom morgendlichen Regen, aber die Sonne kam schon wieder hinter den Wolken hervor.
Teazers Augen wurden groß. „Guck mal, Jerrie, wie schön!“, rief sie und zeigte auf die gelb blühenden Felder. „Was ist das? Ist das Raps?“ Raps war Rumpleteazers absolute Lieblingspflanze, weil sie ganze Landstriche in sonnigem Gelb erstrahlen ließ. Aber November war wohl nicht die richtige Zeit für Raps.
Jerrie zuckte mit den Schultern. „Keine Ahnung, glaub nicht…“
Sie liefen näher heran, hockten sich an den Feldrand und begutachteten die gelben Blüten. Dann entdeckte Jerrie in einiger Entfernung einen kleinen Wald und die schier unlösbare Frage, um welche Pflanzenart es sich handelte, war augenblicklich vergessen.
Sie liefen den Feldweg entlang, bis sie die ersten Bäume erreichten. Der Waldboden war aufgeweicht vom Regen, sodass die Kinder bei jedem Schritt einsanken und die ohnehin schon dreckigen Schuhe noch mehr versauten.
„Ich liebe die Natur!“, schwärmte Teazer, bis ihr eine dicke, erdbraune Spinne über den Schuh krabbelte. Unter entsetztem Blick und Herzrasen als würde sie von einem Monster angegriffen schüttelte die Zwölfjährige das verwirrte Tier in hohem Bogen ab. Dass sie dabei nicht panisch rumkreischte, war auch schon alles, was man Teazer zugute halten konnte.
„Ich liiiebe die Natur!“, machte Jerrie sie grinsend nach und kassierte einen wütenden Stoß in die Seite. Ach sei doch still!

***


AC/DC ist okay für mich! tönte es aus den Kopfhörern ihres iPods.
Gleich dreht sich mein Strom und wechselt sich. Leah lag mit hinterm Kopf verschränkten Armen auf ihrer Jacke. Ihre Mutter hätte sich bestimmt aufgeregt, wenn sie hier gewesen wäre. Sie würde sich garantiert erkälten, bla bla! Dem Mädchen war das egal. Sie fror nicht schnell.
Ich bin elektrisch, ich bin gefährlich.
Unter sich hörte sie Schritte. „Geh weg!“, rief sie. „Ich bin immer noch sauer auf dich! Nur damit du’s weißt!“
Die Schritte verstummten, aber es kam keine Antwort.
Denn ein Schlag von mir kann Herzen sehr schaden.
Jetzt setzte Leah sich doch auf, nahm die Stöpsel aus den Ohren und beugte sich über den Rand, um nach unten auf den Waldboden sehen zu können. Anstatt ihrer Schwester erblickte sie einen Jungen und ein Mädchen in ihrem Alter. „Häh? Wer seid ihr denn?“
Die Kinder sahen zu ihr auf, scheinbar hatten sie das Baumhaus gerade erst entdeckt.
„Mungojerrie und Rumpleteazer“, antwortete der Junge. „Und wer bist du?“
„Electra“, antwortete das Mädchen grinsend. „Sieht man doch!“ Sie deutete auf ihre sonst braunen Haare, die sie zum Iro hochgekämmt und mit roter und blauer Farbe angesprüht hatte.
„Ist das dein Baumhaus?“, wollte das rotblonde Mädchen wissen.
Leah nickte stolz. Sie hatte es mit Julie und ihrem Vater gemeinsam im letzten Sommer gebaut. Es war richtig toll geworden. Nicht bloß so ein paar Holzlatten im Baum, sondern ein richtiges Haus mit Dach und einem großen Fenster. Sogar einen kleinen Tisch hatte sie hier oben und das Baumhaus hing richtig weit oben in der Baumkrone.
„Dürfen wir raufkommen?“, rief der Junge. Hieß er Mungojerrie oder Rumpleteazer? Waren das überhaupt richtige Namen oder hatten die zwei sie verarscht?
Leah überlegte. „Nö!“, rief sie dann zurück. „Nur wenn ihr selber hochkommt! Dann schon!“
In der Ecke gab es ein Loch im Boden, durch das man eine Strickleiter nach unten werfen konnte. Und an die kam man nur dran, wenn man entweder schon oben war, oder mit dem langen Stock, den Leah und Julie ein paar Meter weiter in einem hohlen Baum versteckt hatten, danach angelte. Klettern konnte man nicht, weil die Äste erst zwei Meter über dem Boden anfingen und der Stamm viel zu glatt war, um daran hochzuklettern. Mal sehen, ob die beiden den Stock fanden.
Interessiert beobachtete sie von oben herab, wie die beiden sich ratlos ansahen.
Sie steckte die Kopfhörer wieder in die Ohren und startete AC/DC von vorne. Das konnte jetzt dauern.
Clear Electra - verify
Go to Electra - load

Mungojerrie und Rumpleteazer sahen am Baum hinauf, umrundeten ihn einmal.
Shift - Electra
Space - Electra

Dann blieben sie stehen, das Mädchen hielt die Hand auf, in die der Junge mit dem Fuß hineintrat. Neugierig beobachtete Leah sie dabei.
Enter - Electra
Rrrrrun - Electra

Sie wuchtete ihn hoch, sodass er einen dicken Ast erreichte und sich daran hochzog. Die Braunhaarige staunte nicht schlecht. Sie hatte es noch nie geschafft, ohne die Leiter den Baum hochzukommen.
Config, config - Enter
Oben angekommen setzte er sich auf den Ast und half seiner Schwester, die sich mit den Füßen gegen den Baumstamm stemmte und von ihm hochziehen ließ.
Ich bin elektrisch, steh unter Spannung. Hab magnetische Kraft, fühlst du es nicht?
Von da aus war es nicht mehr besonders schwierig. Weiter oben hatte der Baum dichtere Äste. Kurze Zeit später kletterten die beiden durch das Fenster des Baumhauses.
Ich bin elektrisch, hab die Kontakte. Ich bin- Leah drückte die Stopptaste. „Das war echt cool!“
Die beiden grinsten.
„Wer sind die Coolsten?“, fragte das Mädchen an ihren Bruder gewandt.
„Wir sind die Coolsten!“, antwortete dieser. Dann schlugen sie die Fäuste gegeneinander.
Leah fühlte sich sofort an ihre Schwester Julie und deren beste Freundin Taylor erinnert, die sich auch immer mit komplizierten Handschlägen begrüßten.
„Ihr seid doch Geschwister?“, hakte das braunhaarige Mädchen nach.
„Klar!“, meinte der Junge.
„Sieht man doch!“, sagte seine Schwester.
Schon bei Leah und Julie erkannte man, dass sie Geschwister waren. Zwar hatte die Jüngere braune Haare und viel gebräuntere Haut als ihre blonde Schwester, aber sie hatten unverkennbar das gleiche Gesicht. Bei Mungojerrie und Rumpleteazer war es noch viel deutlicher zu erkennen.
„Und ihr seid auch beste Freunde?“, fragte Leah.

***


Jerrie und Teazer sahen einander irritiert an. Beste Freunde?
Waren sie beste Freunde? Darüber hatten die Zirkuskinder noch nie nachgedacht.
„Glaub schon…“, mutmaßte Rumpleteazer mit einem unsicheren Blick auf ihren Zwilling. Bin ich deine beste Freundin?
Jerrie nickte langsam. „Ja, du hast recht, denke ich!“, entschied er dann. Du bist meine beste Freundin.
„Habt ihrs gut!“, seufzte Electra theatralisch. „Meine Schwester und ich streiten uns dauernd! Und ihre beste Freundin bin ich bestimmt nicht…“
Jerrie zuckte mit den Schultern. „Na ja, wir sind halt Zwillinge.“ Ob es wohl anders wäre, wenn Teazer nur seine Schwester und nicht sein Zwilling wäre? Würde das einen Unterschied machen?
„Echt?! Wie cool! Ich wollte auch immer einen Zwilling haben!“, rief Electra. „Dann seid ihr so wie Hanni und Nanni?“
Die Geschwister tauschten ratlose Blicke. Von Hanni und Nanni hatten sie noch nie gehört.
Electras Augen wurden groß. „Ihr kennt Hanni und Nanni nicht?! Wirklich? Das waren immer meine Lieblingsbücher!“
„Nö, kennen wir nicht.“
„Was?! Das geht nicht!“, empörte sich die Braunhaarige. „Hanni und Nanni muss man einfach kennen! Okay, kurzer Crashkurs…“

Und dann begann das Mädchen zu erzählen. Wer Hanni und Nanni waren, welche Abenteuer sie auf Lindenhof erlebten und weil sie gerade so gut dabei war, erzählte sie die Handlung der Filme gleich mit.
Als sie fertig war, ließ sie sich von den Zwillingen zeigen, wie sie den Baum hinauf geklettert waren.
„Räuberleiter kenn ich!“, sagte Electra. „Julie und ich haben das auch mal versucht, aber wir sind einfach nicht an den Ast drangekommen! Wie habt ihr das gemacht?“
„Mit viel Schwung!“, grinste Jerrie und verschränkte die Hände ineinander. Sein Zwilling setzte ihren Schuh hinein, an dessen Sohne der halbe Waldboden klebte. „Ich werfe Teazer hoch und sie springt gleichzeitig. Dann kommt sie höher als bei einer normalen Räuberleiter.“
Das Mädchen klammerte sich an den Ast und zog sich rauf, wobei Jerrie noch ein bisschen von unten schob. Dann winkte sie Electra auffordernd zu. „Und jetzt du!“
Jerrie hielt ihr die Hände hin, Electra trat hinein und sprang hoch.
„Zu früh!“, kommentierte Teazer von oben, als die Braunhaarige wieder auf dem Waldboden landete und nur mit Mühe das Gleichgewicht halten konnte. „Jerrie war noch gar nicht bereit!“
„Okay, nochmal!“, forderte Electra.
Diesmal landetet sie mit dem Hintern auf den matschigen Blättern.
„Zu spät!“, trällerte es vom Ast herunter. „Du musst dich genau dann abstoßen, wenn Jerrie dir mit den Händen Schwung gibt!“
„Und woher weiß ich, wann ich springen soll?“, maulte Electra.
Die Zwillinge sahen sich ratlos an. „Na ja, das… merkst du halt…“
„Nein, ich merk das nicht!“, protestierte das Mädchen, dessen Iro schon ziemlich mitgenommen aussah. „Woher wisst ihr denn, dass ihr im richtigen Moment abspringt? Habt ihr irgendein Zeichen oder so?“
Schulterzucken von beiden. „Wir wissen das halt einfach… Wir brauchen kein Zeichen…“
„Versuchs einfach nochmal - Du merkst schon, was wir meinen!“, schlug Jerrie vor.
„Oder wir zählen einfach bis drei und bei drei wirfst du mich und ich springe!“
„Das können wir auch machen“, grinste der Junge.

***


Nachdem sie noch mehrere Male ins Baumhaus hoch und wieder heruntergeklettert waren, Electra ihnen gezeigt hatte, wo sie den Stock im hohlen Baum finden konnten, eine kleine Brücke über einen ausgetrockneten Bach gebaut, herausgefunden, dass Jerrie am höchsten klettern konnte und sie ihre gesamte Kleidung eingesaut hatten, verabschiedeten sich die Kinder voneinander.
„Ihr seid echt cool - Wenn ihr wollt, könnt ihr zu meinem Geburtstag kommen!“
„Zu deinem Geburtstag? Wann ist der denn?“
„Und wie alt wirst du?“, bestürmten die Zwillinge sie. Sie waren noch nie zu einem Geburtstag eingeladen worden.
Electra Augen leuchteten vor Begeisterung. „In drei Tagen! Ich werde zwölf! Also, kommt ihr?“
Die Zirkuskinder wechselten einen fragenden Blick. Sind wir in drei Tagen überhaupt noch hier?
Jenny Gumbie hatte ihnen angeboten, zu bleiben, so lange sie wollten. Wollen wir denn so lange bleiben?
Teazers Mundwinkel zuckten nach oben. Ich mag Electra - Und ich möchte mal eine richtige Geburtstagsparty sehen!
Jerrie nickte leicht. Ich auch! Also lass uns so lange noch bleiben!
„Wir sind dabei!“
„Super!“, freute sich die Elfjährige. „Ihr müsst mir aber auch was schenken!“
„Was denn?“ Teazer sah erst ihre neue Freundin, dann ihren Zwilling fragend an. Und von welchem Geld? Wir sind doch total pleite und wenn uns hier nochmal jemand erwischt, kriegen wir echt Ärger…
„Eine neue Hose wär nicht schlecht!“, lachte Electra, die von dem Blickwechsel nichts mitbekommen hatte. „Mama rastet aus, wenn sie sieht, dass ich mich so eingesaut hab! Nein, keine Ahnung - lasst euch was cooles einfallen!“
Dass cool Electras Lieblingswort war, hatten die Zwillinge schon herausgefunden, welche Art von Geschenk sie cool finden würde, hatten sie aber keinen blassen Schimmer.

„Wann habt ihr eigentlich Geburtstag?“, wollte Electra noch wissen, bevor sich am Bauernhof ihre Wege trennten.
Ohne groß darüber nachzudenken, antwortete Jerrie: „Am 24. Januar.“
„Am 26. Januar“, kam es zeitgleich von Teazer.
„Hä? Aber ihr seid doch Zwillinge!“
„Ja, genau… Also…“
In Wahrheit wussten die Kinder gar nicht, wann sie Geburtstag hatten.
Das Mädchen war der festen Überzeugung, es müsse der 26. Januar sein, Jerrie schwor, dass Jemima mal gesagt hatte, es sei der 24.
Also hatten sie sich irgendwann auf die Mitte geeinigt.
„Wir meinten natürlich…“
„…am 25.“, beendete Teazer den Satz.
Electra blickte sie skeptisch an. „Ihr seid komisch…“ Dann grinste sie. „Aber ich mag euch! Jetzt muss ich aber echt los! Sonst kriegt Papa einen Kollaps, wenn ich nicht bald nach Hause komme!“ Damit lief sie los und ließ ihre neuen Freunde etwas bedröppelt an der Kreuzung stehen.
Jerrie hob ungläubig eine Augenbraue. „Wir sind komisch?“
„Wir doch nicht! Wir sind ganz normal!“
Dafür erntete sie einen Blick a la Wirklich? Wir und normal?
Das Mädchen grinste. Nein, eigentlich nicht… „Also sind wir komisch?“
„Komisch und stolz drauf!“, beschloss Jerrie.
Teazer nickte zustimmend. Komisch und stolz drauf!

Doch...

sind die Geschäfte des Tages getan
,
fängt für eine Gumbie-Katze die Arbeit erst an



Auch hier noch einmal die Warnung: Mein neuer Laptop besitzt eine ganz wundervolle Autokorrektur, die mir schonmal aus „gekreischt“ „gekriegt“ macht - oder noch schlimmer aus „Teazer“ „Theater“ o.O Sollte also irgendwo ein Wort beim dritten Korrekturlesen meinen Adleraugen entkommen sein und deshalb völlig sinnfrei (im letzten Moment "sinnier" noch zu "sinnfrei" zurückgeändert :D) in der Gegend rumstehen, bitte ich darum, mit Hilfe des restlichen Kontexts einfach mal zu raten, was ich eigentlich gemeint haben könnte, und mir bescheid zu geben, damit ich das noch ändern kann^^
Und hier noch ein wenig unnützes Wissen, das ihr bestimmt schon immer vermisst habt: Wusstet ihr, dass Hanni und Nanni im Original Pat und Isabel heißen? :D
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