Frei wie der Wind

GeschichteAbenteuer, Freundschaft / P12
Mungojerrie Rumpelteazer
01.08.2014
27.08.2016
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Sooo, nach dem kurzen Einstieg geht’s direkt mal mit einem längeren Kapitel weiter. Diesmal auch ohne lange Vorrede ;)


Mungojerrie  und Rumpleteazer
Mit  jedem Wasser gewaschen und schlau
Auch als Einbrecher sind wir unglaublich geschickt
Und unübertroffen beim Taschenklau


Bewaffnet mit einem Stapel Plakate, einem Malerpinsel und einem Eimer Klebe zogen Mungojerrie und Rumpleteazer durch die Straßen Londons.
Die Häuser zu beiden Seiten waren groß und schon ein bisschen älter, auf Vorplätzen und Garageneinfahrten standen Mittelklasseautos. Keine reiche Gegend, aber doch eine der besseren.
„Lass uns hier mal eins aufhängen“, schlug Jerrie vor.
Während seine Schwester fröhlich vor sich hin summend ein Wahlplakat überklebte, sah er sich aufmerksam um.
Doppelhaushälften mit drei Stockwerken – bei manchen war zusätzlich das Dachgeschoss ausgebaut – dazwischen kleinere Anbauten wie Garagen, Wintergärten und Schuppen. Über das Dach eines dieser Schuppen stolzierte ein schwarzer Kater mit weißem Bauch und weißer Schnauze.
Wie aus der „Felix“-Katzenfutterwerbung.
Just in diesem Moment setzte die Katze zum Sprung an und landete auf dem Sims eines Badezimmerfensters. Dieses befand sich nämlich keinen halben Meter oberhalb des Dachfirsts.
Wie praktisch, dachte der Junge.
Das Fenster war gekippt. Hätte es ganz offen gestanden, hätte der Kater mühelos ins Haus gelangen können. Ein kleines, quadratisches Fenster, groß genug für einen behäbigen Kater und vielleicht sogar für ein Kind…
„Teazer…“, flüsterte er. „Das Fenster.“ Mit einer leichten Kopfbewegung deutete er in die richtige Richtung.
Sie folgte seinem Blick. Dabei tropfte etwas Flüssigkleber vom Pinsel auf ihre helle Jeans, was sie allerdings nicht weiter störte.
Das Mädchen nickte. Sieht vielversprechend aus.
Sie zogen weiter, verteilten die übrigen Zirkusplakate an Litfasssäulen und Plakatwänden.
Dann machten sie sich auf den Rückweg. Als sie erneut an dem Haus vorbeikamen, stand das Fenster sperrangelweit offen.
Rumpleteazer grinste ihren Bruder vielsagend an. Ich weiß, wo wir heute einsteigen werden!

***


Stunden später, als die Sonne längst untergegangen war, standen die Zwillinge zum dritten Mal vor dem großen Einfamilienhaus. Sie hatten ihre bunten Straßenklamotten gegen dunkle Hosen und schwarze Kapuzenpullis getauscht, die auch ihre rotblonden Haare gut verbargen. Anstatt der Plakate hatten sie nun einen leeren schwarzen Rucksack dabei.
Die Zwölfjährige atmete tief durch und drückte die Hand ihres Bruders bevor sie sie losließ. Bereit?
Er nickte. Bereit wenn du es bist.
Das war es, was Zirkusauftritte und Einbrüche gemeinsam hatten: Die Aufregung.
Da war die Anspannung, weil man nie sagen konnte, was vielleicht passieren würde, die Angst, einen Fehler zu machen und gleichzeitig die Vorfreude, der Nervenkitzel.

Die Lichter in den Fenstern waren erloschen, in der Auffahrt vor dem Haus standen zwei Autos. Die Besitzer waren zuhause, schliefen aber.
Mungojerrie stellte sich an die Wand des Anbaus, öffnete die Hände zu einer Räuberleiter und ließ Rumpleteazer auf seine Schultern klettern. Eine ihrer leichtesten Übungen.
Manchmal behauptete die junge Artistin, auf seinen Schultern stehe sie genauso sicher wie auf dem Boden. Jerrie glaubte ihr.
Trotzdem trug sie die Turnschläppchen, die auch bei ihren Zirkusnummern zum Einsatz kamen. So hatte sie mehr Halt, denn Fehler wie Abrutschen konnten die beiden Diebe sich nicht leisten.
Das Mädchen hielt sich an der Regenrinne fest, setzte vorsichtig einen Fuß auf den Kopf ihres Bruders und zog sich schließlich nach oben.
Dann krabbelte sie auf allen Vieren das schräge Dach hinauf, balancierte leichtfüßig über den First und schlüpfte durch das geöffnete Fenster. Sogar Schultern und Becken passten problemlos hindurch, da sie mit ihren zwölf Jahren noch keine ausgeprägten weiblichen Kurven vorzuweisen hatte.

Teazer landete in einem winzigen, weiß gefliesten Bad, genauer gesagt in der Dusche.
So lautlos wie möglich öffnete sie die Tür und trat in den Flur hinaus. Zu ihrer Rechten befand sich eine Tür, zu ihrer Linken entdeckte sie die Treppe ins Erdgeschoss.
Mit angehaltenem Atem öffnete sie die Tür einen Spalt breit und spähte hinein. Das Schlafzimmer. In dem Doppelbett lagen zwei Erwachsene und schliefen seelenruhig.
Sie schloss die Tür und schlich zum anderen Ende des Flures. Dort gab es einen Bambusvorhang in einem leeren Türrahmen und einen Treppenaufgang, der ins Dachgeschoss führte.
Dachgeschoss war meistens uninteressant. Dort gab es für gewöhnlich Gerümpelkammern, Kinderzimmer oder verstaubte Dachböden. Nichts zu holen.
Der Bambusvorhang war ein unüberwindbares Hindernis für jemanden, der keinen Lärm verursachen wollte.
Also wandte sie sich letztendlich der Treppe zu, die nach unten führte. Sie war aus Holz und Holztreppen waren mit Vorsicht zu genießen.
Die erste Stufe war kein Problem. Die zweite knarrte unter ihrem Gewicht. Rumpleteazer verzog das Gesicht. Hoffentlich hatte es niemand gehört.
Sie blieb stehen und horchte, doch aus dem Schlafzimmer war nichts zu hören.
Vorsichtig setzte sie den Fuß auf die dritte Stufe, doch auch diese gab ein Geräusch von sich.
So ein Mist!
Wenn der Rest genauso klang, würde sie damit das ganze Haus aufwecken!
Wie sollte sie hier runter kommen, ohne die Stufen zu berüh-
Das Geländer…
Teazer schwang sich auf das hölzerne Geländer und rutschte daran entlang die Treppe hinunter. Sie musste sich zurückhalten, dabei nicht zu kichern.
Von dem kleinen Flur aus, den sie nun erreicht hatte, führten weitere – diesmal allerdings gekachelte – Stufen hinab zur Haustür.

Ungeduldig stand Mungojerrie vor dem Haus und wartete. Warum brauchte seine Schwester so lange?
Endlich öffnete sich die Haustür und sie ließ ihn herein.
Jerrie warf ihr einen bösen Blick zu. Trödel nicht immer so!
Sie hob nur gleichgültig die Schultern. Nichts zu machen. Es ging eben nicht schneller.
Da er ihr nicht widersprechen konnte, ohne Gefahr zu laufen, gehört zu werden, hob er nur skeptisch die Augenbrauen. Ach ja? Nächstes mal steige ich ein und du wartest draußen…
Das Mädchen schenkte ihm bloß ein verächtliches Lächeln und machte sich schon wieder auf den Weg nach oben. Träum weiter.
Der Zwölfjährige folgte ihr die gekachelten Stufen hinauf und durch eine Tür in eine offene Küche. Während er den Küchenschrank nach Wertgegenständen durchsuchte, lief Teazer schon vor in den Wintergarten.
Als sie sich dem Tisch näherte, spürte sie plötzlich eine Berührung an den Beinen. Erschrocken drehte sie sich um, presste die Hände vor den Mund, um nicht zu schreien und stieß mit dem Rücken gegen den Esstisch.
Eine leere Blumenvase geriet ins Wanken. Aus dem Augenwinkel nahm Rumpleteazer wahr, wie sie zu Boden fiel.
Ihre Augen weiteten sich vor Schreck. Oh nein!

Im letzten Moment fing Mungojerrie sie auf.
Der Rothaarigen entfuhr ein Seufzer der Erleichterung. Das war knapp.
Sie sah ihren Zwilling an, der vielsagend grinste. Du bist vielleicht ein Tollpatsch! Was würdest du bloß ohne mich machen?
Da spürte sie wieder etwas an ihrem Bein.
Es war eine Katze. Nicht der Felix-Kater von heute morgen, sondern eine kleine, grau getigerte Mieze, die nun auch noch die Dreistigkeit besaß, die Kinder fordern anzumaunzen.
Die Geschwister sahen einander an und nickten knapp. Wir sacken soviel Bargeld und Wertsachen ein, wie wir in den nächsten fünf Minuten finden und dann nichts wie weg hier!

***


Zirkusdirektor Macavity saß an seinem improvisierten Schreibtisch im hinten Teil des großen Zelts und musterte die Wertgegenstände, die seine beiden jüngsten Artisten ihm hingelegt hatten.
„Das ist alles? Zwei Portemonnaies, ein Sparschwein und eine mickrige Schmuckschatulle?“
Die Kinder nickten betreten.
Macavity war sich seiner Wirkung auf andere Menschen durchaus bewusst. Seine große, hagere Gestalt wirkte gleichermaßen imposant und einschüchternd, das flammend rote Haar, das unter dem seidenen Zylinder hervor lugte, und der ebenfalls rote Bart verliehen ihm etwas koboldhaftes, wenn nicht sogar dämonisches. Mit seinen kalten, grauen Augen fixierte er die Kinder, als könne er bis in ihre Köpfe sehen. Dann streckte er die Hand aus.
„Gebt es her“, befahl er ruhig, aber mit einem Tonfall, der keinerlei Widerworte duldete.
Die Zwillinge sahen sich erschrocken an.
„Na macht schon. Ihr wisst, dass es keinen Zweck hat, vor mir etwas verstecken zu wollen. Her damit.“
Rumpleteazer zog aus der Tasche ihres Pullovers eine grünlich schimmernde Perlenkette und reichte sie ihm widerwillig.
„Geht doch. Brave Kinder. Ihr dürft jetzt gehen.“ Er winkte sie ungeduldig hinaus.
Dann betrachtete er die Schätze, die die Kinder herangeschafft hatten, genauer. Der Schmuck war größtenteils wertlos. Die Kette, die Rumpleteazer für sich hatte behalten wollen, bestand aus offensichtlich falschen Perlen. Wenigstens enthielten die Portemonnaies eine annehmbare Summe.
Er sah nicht auf, als jemand durch den Vorhang trat.
Es gab nur einen Menschen, der es wagen durfte, ohne Vorankündigung bei ihm aufzutauchen.
„Jemima. Ist er schon da?“
Seine einzige Vertraute.
Die junge Frau trat näher an den Tisch heran. „Ja. Soll ich ihn hereinbringen?“
Macavity sah auf. Die schwarzhaarige Schönheit sah ihn abwartend an. Sie trug eine eng anliegende Jeans und eine leuchtend rote Bluse. Anders als die meisten Menschen schien sie sich unter seinem starren, durchdringenden Blick nicht unwohl zu fühlen.  
Er griff nach einer ihrer dicken, schwarzen Haarsträhnen und rieb sie zwischen den langen, feingliedrigen Fingern.
Dann ließ er die Hand sinken. „Tu das.“
Sie wandte sich zum Gehen.
„Ach und Jemima?“
Die Artistin blieb stehen, drehte sich zu ihm um, lächelte. „Ja?“
„Sieh mal nach, was unsere Sorgenkinder gerade so anstellen.“
Sie nickte und der Vorhang fiel hinter ihr zu.

***


Mungojerrie und Rumpleteazer lümmelten auf der Wiese vor ihrem Wagen herum.
„Die Kette war doch gar nichts wert!“, maulte das Mädchen. „Ich hätte sie so gern behalten! Nie dürfen wir irgendetwas behalten!“
„Nicht so laut!“, mahnte ihr Zwilling. „Wer weiß, wie gut der Teufel hören kann…“
Der Teufel. So nannten sie den Zirkusdirektor. Weil er aussah wie der Leibhaftige persönlich. Im Vergleich zu seinen Haaren wirkten ihre eigenen orangeroten Haare beinah blond, seine Hände waren wie die eines Skeletts und seine Augen waren einfach nur unheimlich!
Und weil er sich so benahm. Er war gerissen, streng und mitleidlos. Und niemand kannte ihn wirklich. Nicht mal seinen Vornamen – dass Macavity sein richtiger Nachname war, bezweifelten die Kinder auch.
Alle hier beim Zirkus fürchteten den Teufel oder hatten zumindest gehörigen Respekt vor ihm.

Das Zelt öffnete sich. Der zwielichtig aussehenden Mann, der davor gewartete hatte, verschwand im Inneren und Jemima trat ins Freie.
Jemima, Feuerkünstlerin und Assistentin des Messerwerfers Tumblebrutus.  
Jemima war sehr nett. Die Zwillinge mochten sie gern und doch waren sie in ihrer Gegenwart immer ein bisschen auf der Hut.
Denn Jemima vertraute Macavity. Sie war die Einzige, die keine Angst vor ihm hatte, die nicht aus Furcht, sondern aus Loyalität tat, was er sagte und das allein war Grund genug, der Einundzwanzigjährigen nicht zu trauen.
Jemima sah sich suchend um, dann entdeckte sie die Zwillinge. „Paul, Tina, wie geht’s euch?“ Sie ließ sich zu den beiden ins Gras fallen.
Mungojerrie verzog angewidert das Gesicht. „Paul? Ist das dein Ernst?“
„Und Tina? Da hab ich aber schon bessere Vorschläge gehört“, fügte Rumpleteazer hinzu.
So begrüßte die Feuerspuckerin sie jedes Mal. Jedes Mal dachte sie sich andere Namen für die beiden aus, aber nur selten war etwas dabei, das den Geschwistern gefiel.
„Nicht? Ich hab den ganzen Tag drüber nachgedacht! Ich dachte, ich hätte endlich die richtigen Namen herausgefunden!“, tat die junge Frau beleidigt.
Dann lächelte sie. „Na gut, wie wäre es dann mit Clary und Timothy?“
„Abgelehnt!“
„Finn und Svenja?“
„Auf keinen Fall!“
„Jack und Jacky?“
„Nein.“
„Bonnie und Clyde?“
Die Kinder grinsten. „Klingt gut, aber leider auch falsch! Wir heißen Mungojerrie und Rumpleteazer!“
„Aber ihr müsst doch eure richtigen Namen kennen!“, rief Jemima aus.
Teazer schüttelte den Kopf.
Sie traten schon so lange unter diesen Namen auf, wurden von allen so genannt und sprachen sich auch untereinander so an, dass sie ihre ursprünglichen Namen einfach vergessen hatten.
Aber beim Zirkus war das auch nichts Ungewöhnliches. Kaum einer hier hatte einen normalen Namen.
Der Kraftmensch und Messerwerfer Tumblebrutus hieß eigentlich Augustus Fletscher, die Wahrsagerin Miss Mercury hieß Scarlett Jones und Jemima war eine Abkürzung für Jelena Mila Maria.
Als die Zwillinge sie einmal nach ihrem außergewöhnlichen Namen gefragt hatten, hatte Jemima erklärt, dass die Namen in der Ukraine, wo sie herkam, ganz alltäglich wären.
Und sie hatte von ihrer Kindheit erzählt, von ihren Eltern, von den Männern, die eines Tages gekommen waren, hübsche Mädchen und kleine Kinder geraubt hatten, um sie in reicheren Ländern wie England oder Deutschland zu verkaufen. Schließlich hatte Macavity sie vor einem schrecklichen Schicksal bewahrt und in seinen Zirkus aufgenommen.

Der zwielichtige Mann trat aus dem Zelt heraus. Er trug einen großen, flachen Gegenstand bei sich, der mit einer schwarzen Plane verhüllt war.
„Wie unauffällig…“, murmelte Rumpleteazer.
Unter den Artisten war es ein offenes Geheimnis, dass ihr kleiner Zirkus gar kein Zirkus war, sondern eine Geldwäscherei und Umschlagpunkt für Macavitys Diebesgut. Eigentlich handelte es sich bei ihnen allen um die eigenartigste Verbrecherbande Englands.
Die meisten Artisten steckten – freiwillig oder nicht – in Macavitys Machenschaften mit drin und die wenigen, die nur zur Tarnung hier waren, schwiegen.
Wieso war vor dem Verbrecherkönig noch niemand auf die Idee gekommen, einen Zirkus für diese Zwecke zu benutzen?
Man konnte die seltsamsten Gestalten um sich versammeln und ohne Erklärung ständig von Ort zu Ort wechseln. Einfach perfekt.

„Welche Rolle spielen wir eigentlich bei dem Ganzen hier?“, fragte Mungojerrie, nachdem Jemima sie wieder allein gelassen hatte.
„Weiß nicht genau…“
Sie waren noch nie bei einem der großen Cous dabei gewesen, konnten immer nur Vermutungen anstellen, wo der Teufel wohl als letztes zugeschlagen hatte. Da der zwielichtige Kunde ein Bild mitgenommen hatte, musste es wohl ein Museum oder eine Galerie gewesen sein.
Die Zwillinge traten in den Zirkusvorstellungen auf und manchmal schickte der Direktor sie auf nächtliche Streifzüge, um ganz gewöhnlichen Menschen ein paar Wertgegenstände abzuluchsen. Meistens waren sie in der Nacht unterwegs bevor der Zirkus sein Gastspiel an einem Ort beendete.
„Sind wir nur Ablenkung?“, überlegte die Zwölfjährige laut. „Oder sind wir-“
„Ihr seid also der Nachwuchs!“

Die Kinder schreckten hoch und sahen einen sehr alten, beleibten Mann auf sich zukommen.
„Wer sind Sie denn?“, fragte Mungojerrie stirnrunzelnd.
Der Alte lächelte großväterlich. „Man nennt mich Alt-Deuteronimus, aber eigentlich bin ich nur ein alter Mann, der mit seiner Urenkelin den Zirkus besuchen will.“
Die Zwillinge sahen einander verständnislos an. „Die Vorstellung beginnt erst heute Abend…“
„Ich weiß, aber mein Enkel hat doch immer so viel zu tun und die kleine Lizzy wollte unbedingt schon jetzt den Zirkus sehen. Man kann ihr einfach keinen Wunsch ausschlagen.“ Er lächelte wohlwollend.
„Was meinten Sie gerade damit, dass wir der Nachwuchs sind?“, fragte Teazer.
„Na, ihr seid doch die Nachwuchsartisten!“, lachte der alte Mann. „Die Jugend ist unsere Zukunft und es freut mich immer, junge Menschen in etwas hineinwachsen zu sehen, das später mal ihr Leben sein wird. Wie heißt ihr beiden denn eigentlich?“
„Tom und Serafina“, sagte Mungojerrie.
„Mary und Oliver“, sagte gleichzeitig Rumpleteazer.
Die Nachwuchsartisten sahen sich an und brachen in Gelächter aus. Alt-Deuteronimus blickte sichtlich verwirrt drein.
„Soll ich Ihnen mal die anderen Wagen zeigen?“, bot Mary-Serafina schnell an, bevor der Alte weiter nachfragen konnte.
Während sie ihn mit sich zog, stibitzte Jerrie ihm die Brieftasche.

***


„Das war wirklich sehr nett“, bedankte sich Alt-Deuteronimus.
Die kleine Lizzy quengelte „Ich will ein Eis! Ein ganz großes Eis!“
„Da muss ich erstmal nachsehen, ob ich genug Geld dabei habe!“, lachte der Urgroßvater und kramte nach seiner Geldbörse. „Nanu, wo ist denn… Ich war mir sicher, ich hätte sie eingesteckt…“, murmelte er in seinen zottigen, graubrauen Bart.
Mungojerrie und Rumpleteazer wechselten einen unruhigen Blick.
Schließlich bückte der Junge sich und ließ das Portemonnaie in seiner Hand auftauchen als habe er es gerade aufgehoben. „Ist es vielleicht das hier?“, fragte er und hielt es dem Mann hin.
Die Miene des Alten hellte sich sofort auf. „Genau das ist es. Ich werde aber auch schusselig auf meine alten Tage…“
Er schüttelte bedauernd den Kopf. „Vielen Dank, junger Mann.“ Er zog ein Fünf-Pfund-Stück aus dem Portemonnaie und reichte sie Jerrie. „Hier, als kleiner Finderlohn. Leider sind nicht alle Menschen so ehrlich wie du…“
„Krieg ich jetzt mein Eis?“, fragte Lizzy.

***


Mungojerrie und Rumpleteazer sahen dem alten Mann und seiner aufgedrehten Urenkelin nach, als diese sich auf den Weg zur nächsten Eisdiele machten.
„Das war furchtbar“, meinte der Junge.
Seine Schwester nickte. „Und ich glaube, er hatte recht… Wir sind wirklich der Nachwuchs…“
Nun war es an Jerrie zu nicken. „Er schickt uns los, damit wir was lernen. Und irgendwann gehören wir dann auch dazu.“
„Ich will nicht dazugehören“, sagte sie. Zu seiner Teufelsbande. Und ich will nicht mein Leben lang hier bleiben.
„Ich auch nicht.“ Ich will ein anderes Leben führen. Eins, in dem wir selbst bestimmen können, was wir tun und was nicht.

Einen Moment lang schwiegen sie beiden.
Dann fragte Jerrie: „Denkst du, was ich denke?“
Blöde Frage. Sie dachte immer, was er dachte.
„Lass uns abhauen!“


Macavity, Macavity, ein Bösewicht mit Ambition
Er ist eine Ausgeburt
An Hinterlist und Korruption
Da betrügt er eine Lady
Dort bestiehlt er einen Lord
Zwar wird die Schandtat ruchbar doch:
Macavity ist nicht dort!
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