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Frei wie der Wind

GeschichteAbenteuer, Freundschaft / P12 / Gen
Mungojerrie Rumpelteazer
01.08.2014
30.04.2020
14
46.508
6
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Dieses Kapitel
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02.08.2015 5.066
 
Ja, ich lebe noch. Ich bin seit fast einem Monat wieder zuhause und hab es trotzdem nicht früher geschafft… Sorry >.<
Die gute Nachricht: Mein geliebter kleiner Zwilling ist aus Amerika zurück!!! YAY!!!
Die schlechte: Ich hab versprochen, mit ihr Mathe zu lernen, weshalb ich anstatt nach einer Wohnung zu suchen und dringend überfällige Kapitel zu schreiben, den Stoff der EPH wiederholen durfte…
Da ich aber ab morgen schon wieder für einige Tage nicht zum Schreiben kommen werde und ich ungern vom übermorgigen Geburtstagskind geköpft werden wollte, müssen die Vektoren zu Gunsten dieses Kapitels wohl noch etwas warten. Sieh es als Teil deines Geschenks an, dass ich das heute noch fertig gemacht hab, Jule ;)
Jedenfalls wollte ich mich entschuldigen, dass ich so ewig gebraucht habe…^^’
Sagen wir einfach: Das Kapitel für den letzten Monat ist sozusagen ausgefallen und ab heute geht es wieder normal mit einem Kapitel pro Monatsanfang weiter… Also hoffe ich^^’
Kleine Info zum Kapitel, damit’s nicht zu Verwirrung kommt: Bis jetzt hab ich öfters mal Zeitsprünge von Minuten, Stunden, Tagen und Wochen gemacht. Heute gibt’s mal einen etwas größeren Zeitsprung von ein paar Jährchen^^


In Victoria Grove sind wir zu Haus


„Warum nochmal musst du den Dachboden aufräumen?“, wollte Teazer wissen.
„Und warum sollen wir dir dabei helfen?“, grinste Jerrie, während sie ihrer Freundin die Klappleiter hinauf folgten.
„Weil der seit bestimmt 200 Jahren nicht mehr ausgemistet worden ist und ich angeblich die einzige bin, die Zeit dafür hat. Als müssten wir nicht zur Schule und Hausaufgaben machen und so“, grummelte Electra. „Uuund…“ Die Braunhaarige versuchte sich an einem Dackelblick, „…weil ihr meine besten Freunde seid und Freunde einander helfen!“
Die Zwillinge, die mittlerweile neben Leah auf dem staubigen Boden saßen, bedachten sie mit einem kritischen Blick.
„Na gut“, meinte Jerrie.
„Das Argument lassen wir gerade nochmal durchgehen!“
Also machten sich die Jugendlichen daran, Kisten von Staub und Spinnweben zu befreien - wobei Teazer vor drei äußerst gefährlichen Hausspinnen von der Größe eines Fingernagels gerettet werden und den darauf folgenden Spott über sich ergehen lassen musste.

„Wir sollten einen Garagentrödelmarkt veranstalten“, befand Leah, nachdem sie den dritten Sack mit Kuscheltieren die Leiter hinuntergeworfen hatte. „Hier oben stehen echt nur alte Klamotten und Spielsachen von Julie und mir… Wieso haben wir die nicht schon vor Jahren aussortiert?“
Die nächste Kiste enthielt Porzellanfiguren und anderen Kitsch von der Uroma. „Das kann auch alles weg!“
„Was ist hiermit?“ Rumpleteazer hatte einen Sack mit Frauenkleidern geöffnet.
Electra winkte ab. „Das sind alles Klamotten von Mama, die sie letztes Jahr aussortiert hat. Sie dachte, dass ich den Stoff vielleicht mal zum Nähen gebrauchen kann, aber da ist echt nix Schönes dabei…“
„Und das hier? Soll diese Kiste auch weg?“, fragte Jerrie und hielt ein Buch und einen Stapel Eintrittskarten hoch.  
„Auf keinen Fall!“, rief Electra und schnappte sich die Sachen. „Die Kiste ist verloren gegangen, als ich in mein neues Zimmer gezogen bin - Die such ich schon ewig!“ Sie wühlte wild zwischen Zetteln, Büchern, Bildern und anderem Kram herum.
„Das ist eine absolute Schatzkiste! Guckt euch das hier mal an!“ Mit einem breiten Grinsen hielt sie den Zwillingen einen Stapel Fotos hin. „Meine Geburtstagsfotosammlung! Von jedem Jahr eins: An meinem fünften Geburtstag waren wir alle als Prinzessinnen verkleidet… Hier das ist an meinem neunten - War ne Riesenkatastrophe, weil ich mich mit Julie wegen ihrer neuen besten Freundin gestritten hab…“
„So lange kennen sich Etcetera und Exotica schon?“, wunderte sich Jerrie.
Leahs ältere Schwester hatte die beiden anfangs immer nur die Zwillinge genannt und so hatten sie ihr - quasi als Revanche - den Spitznamen Etcetera verpasst, weil sie gerne hochgestochen redete und viele ihrer Sätze mit etc pp beendete.
Auch später, als sie Julie längst zu ihren Freunden zählten, hatte sich dieser Name gehalten.
 Einmal auf den Geschmack gekommen, hatten sie die dunkelhäutige Taylor, das letzte Mitglied ihrer kleinen Gruppe, auf den Namen Exotica getauft.
Electra nickte. „Ich war total sauer, weil sie lieber was mit Taylor machen wollte als mit mir - an meinem Geburtstag!“ Sie lachte und blätterte weiter durch die Fotos. „So sah ich an meinem elften aus: Da hatte ich noch richtig lange Haare. Drei Tage später hab ich sie mir ganz kurz schneiden lassen… Und da seid ihr zum ersten mal dabei! An meinem zwölften Geburtstag…“ Sie sah die Zwillinge an. „Kaum zu glauben, dass ihr schon über vier Jahre hier wohnt…“
Mungojerrie und Rumpleteazer nickten nachdenklich. Als sie Electra kennengelernt hatten, hätten sie sich nie träumen lassen, jemals so lange an einem Ort zu bleiben. Eigentlich hatten sie nach ihrem Geburtstag direkt weiterziehen wollen.
„Das warn ganz schön lange drei Tage“, grinste Jerrie und seine Schwester nickte zustimmend.
Hätte sie etwas erwidern wollen, wäre das sowieso in Leahs Quietschen untergegangen.
„Was hast du jetzt wieder gefunden?“, wollte der Junge wissen.
„Eine Autogrammkarte von Mykal Rand!“
„Von wem?“
„Mykal Rand! Der beste Electradarsteller überhaupt!“ Ihre Augen leuchteten vor Begeisterung.
Teazer schmunzelte. „Wie oft warst du in dem Musical?“
„Fün- Nein, sechs mal.“
Auch Jerrie grinste. „Du bist so ein Fangirl!“
„Als ob ihr weniger Fangirls wärt als ich!“ Das brachte Leah Protest von Jerrie ein.
Das Mädchen musste lachen. „Okay, Teazer zumindest. Du bist dann halt ein… Fan…boy? Sagt man das? Fanboy? Oder heißt das Geek? Ist ja auch egal! Also gut, ich bin ein Hardcore-Fangirl von…“ Sie verzog überlegend das Gesicht. „…so ziemlich allem, aaaber zu eurem Glück bin ich ein Fangirl, das Nähen kann! Was mich direkt zur wichtigsten Frage des Tages führt: Als was geht ihr nächste Woche?“
Teazer wollte schon zu einer Antwort ansetzen, als Electra ihr dazwischenfuhr: „Nein, wartet! Lasst mich raten! Ihr geht als… Hm… So wie ich euch kenne ist es auf jeden Fall ein Partnercosplay… Rin und Sesshomaru!“
Die Rothaarige schüttelte den Kopf. „Nope.“
„Aber Sesshomaru ist doch - ich zitiere - soo toll!!!“ Sie streckte Teazer die Zunge raus.
„Kostüme mit Perücken sehen meistens dumm aus“, erklärte Mungojerrie. „Und außerdem ist sie der große Sesshomaru-Fan und ich werd mich bestimmt nicht als Rin verkleiden!“
Die Mädchen lachten.
„Na gut, dann vielleicht als Glinda und Elphaba!“, schlug Electra vor.
Dafür erntete sie einen bösen Blick von Jerrie. Willst du mich verarschen?
„Nala und Simba?“, fragte die Braunhaarige weiter. „Nein, warte, ihr wollt euch bestimmt keine Löwenkostüme anziehen… Das sieht dann aus wie kleine Kinder an Karneval… Dann vielleicht Hayate und Rurijo… Nein! Jetzt hab ichs! Iron Man und Captain America!“
Jerrie schüttelte schmunzelnd den Kopf. „Alles falsch! Wir heißen Mungojerrie und Rumpleteazer!“ Er zwinkerte seinem Zwilling zu. Erinnert dich das auch irgendwie an…
Teazer lachte. „Eigentlich müssten wir als Bonnie und Clyde gehen!“ …Jemima!
„Häh?!“, machte Leah und sah verwirrt zwischen ihren Freunden hin und her.
Sie war daran gewöhnt, dass die Zwillinge manchmal wirres Zeug redeten, das nur für sie Sinn ergab oder sich nur in Blicken und winzigen Gesten unterhielten. Aber sie war ihre beste Freundin und deshalb sah sie es nicht ein, das einfach so hinzunehmen.
„Erklären!“, forderte sie. „Los!“
„Wir haben dir doch schonmal von Jemima erzählt…“, begann Rumpleteazer.
Electra, Etcetera und Exotica waren neben Jenny Gumbie die einzigen, die die Vergangenheit der Zwillinge kannten. Für alle anderen waren sie Teresa und Jeremy, die Kinder von Miss Gumbies schottischer Cousine Patricia. Die alte Dame hatte Jerrie und Teazer schwer beeindruckt, indem sie ihre Geschichte gedreht und verzerrt hatte, bis sie irgendwie plausibel klang: Aidan, der imaginäre Ehemann der imaginären Patricia und Vater der zwar nicht imaginären, dafür aber umbenannten Teresa und Jeremy, war mit der imaginären Allison durchgebrannt, woraufhin Patricia Depressionen entwickelt hatte, die es ihr unmöglich machten, sich um ihre damals zwölfjährigen Kinder zu kümmern. Also hatte Jenny die beiden bei sich aufgenommen und als klar wurde, dass die Mutter auf absehbare Zeit nicht wieder genesen würde, hatte sie die Zwillinge adoptiert.
Bustopher Mürr hatte Miss Gumbie erklärt, dass sie ihn damals bezüglich des verstauchten Knöchels angelogen hatte, weil Patricia sie inständig gebeten hatte, ihre Krankheit diskret zu behandeln.
Komplizierter war die Angelegenheit beim Jugendamt geworden. Die Zwillinge besaßen keine Ausweise, Geburtsurkunden oder andere Dokumente. Sie standen in keinem Register und existierten rechtlich somit gar nicht. Also hatte Miss Gumbie sie als Findelkinder ausgegeben - was der Wahrheit sogar am nächsten kam - und nach einer kleineren Auseinandersetzung mit einem Sozialarbeiter, einem Haufen Papierkram, sechs Monaten Beratungsgesprächen und Hausbesuchen waren sie ganz offiziell Teresa und Jeremy Gumbie.

„Und meine Frage nach euren Kostümen hat euch jetzt an Jemimas Namensvorschläge erinnert?“, fragte Leah, nachdem Teazer geendet hatte.
Die Zwillinge nickten.
„Achso… Ich dachte schon, es wär was Spannendes!“, stichelte sie. „Jetzt müsst ihr mir aber verraten, als was ihr geht - sonst kann ich euch nicht mit den Kostümen helfen… Wir haben nur noch gut eine Woche bis zur Comic Con!“

***


„Der Hammer!“ Electras Stimme glich einem Quietschen.
Sie hatte Mungojerrie, Rumpleteazer und Taylor entdeckt, die etwas abseits des Gedränges auf dem Boden saßen und auf sie warteten, während sie auf der Toilette ihre Haare gerichtet hatte.
„Das ist einfach soo cool!“
Taylor verdrehte leicht genervt die Augen. „Das hast du jetzt schon mindestens zehnmal gesagt.“
„Ja, aber wenn es doch stimmt!“ Sie nahm das Schlüsselschwert, das neben Teazer an der Wand lehnte und ließ es durch die Luft sausen. „Ich hab ein Schlüsselschwert! Ein richtiges, obercooles Schlüsselschwert!“
Die Zwillinge hoben synchron die Arme zu einer Danke, danke, wir wissen, dass wir gut sind-Geste. Im Gegenzug dafür, dass Electra Rumpleteazer eine rote und eine schwarze Hose zu einer zusammengenäht und mit viel Mühe ellbogenlange Lederhandschuhe geschneidert hatte, hatten die Gumbiezwillinge ihr ein Schlüsselschwert gebastelt.
„Und ihr seht einfach…“ Sie rang nach dem richtigen Wort. „…perfekt aus!“
„Mein Weltbild steht Kopf - Sora steht auf irre Clowns!“, scherzte Jerrie und grinste, was dank seiner Joker-Schminke ziemlich psychopathisch aussah.
„Ich glaub’s einfach nicht, dass ich mich von euch habe breitschlagen lassen, zu dieser dämlichen Veranstaltung mitzukommen…“, murmelte Exotica.
Leah streckte ihr die Zunge raus. „Du hättest dich ja auch verkleiden können - Dann hättest du mehr Spaß und müsstest nicht so rumstänkern!“
Diesmal waren die Zwillinge dran mit Augen verdrehen. Ihre beiden Freundinnen gerieten dauernd aneinander.
Taylor warf der Jüngeren einen abschätzigen Blick zu. „Ich bin doch verkleidet! Guck, ich hab Öhrchen…“ Sie wackelte an ihrem Haarreif, an dem ein Paar Katzenohren befestigt war. „Reicht das nicht?“
„Ja, toll, du bist eine Katze oder was?“, fuhr Electra sie an. „Das ist doch kein Kostüm! Warum bist du nicht als…“ Sie überlegte kurz. „…Tiana aus Küss den Frosch gegangen?“
„Nur weil ich schwarz bin?!“, empörte Taylor sich.
Das Mädchen im Sora-Kostüm setzte ein verkniffenes Lächeln auf. „Nein, weil ich dachte, dass du den Film magst…“
„Und jetzt kriegen wir uns alle mal wieder ein!“, ging Teazer dazwischen.
„Ich hab total Hunger - Lasst uns doch was zu essen holen!“, schlug Jerrie vor, um die angespannte Stimmung zu unterbrechen.
Exotica nickte. „Der erste gute Vorschlag, den ich heute höre…“

***


Missmutig ließ Alonzo den Blick über die anderen Cosplayer schweifen.
Das war ja wieder typisch: Max, der hier irgendwo als Itachi rumschwirrte, hatte sich mit irgendeinem Sasuke-Fangirl verquatscht, das ihn mit großen Augen angeschmachtet hatte. „Geh doch schonmal Waffeln holen, ich lös dich gleich ab beim Schlangestehen“, murmelte er. „Ja klar, als ob…“
Dieser Arsch hatte sich mit der Kleinen aus dem Staub gemacht und ihn einfach stehen lassen. Dabei gab es kaum etwas Blöderes als alleine auf einer Convention rumzuhängen.
Während er darauf wartete, dass die Schlange vor dem Waffelstand kürzer wurde oder - Bei dem Gedanken hätte Alonzo beinah laut aufgelacht - Max wieder auftauchte, zählte er welche Charaktere am häufigsten vertreten waren: Die Evergreens aus Naruto und co machten dem Hauptcharakter dieser neuen Serie, die jetzt alle so hypten, keine ernsthafte Konkurrenz.
Eine Disneyprinzessin drängelte durch die Schlange, die hinter ihm schon wieder länger geworden war, und eine Gruppe Minions verteilte free hugs.
Direkt vor ihm unterhielten sich der Joker, eine süße Harley Quinn und Sora aus Kingdom Hearts mit einem Mädchen mit Katzenohren. Einen Moment lang fragte er sich, ob sie wohl irgendeinen Katzenmenschen etwa aus Loveless oder einem anderen Manga, den er nie gelesen hatte, darstellte. Dann wanderte sein Blick über das wirklich gute Sora-Cosplay, das er leider nur von hinten begutachten konnte, zurück zu dem Jokerpärchen, das sich zu seinen Freunden umgedreht und scheinbar darauf eingestellt hatte, dass sie noch ein bisschen länger auf ihr Essen warten mussten.
Der Junge trug den typischen violetten Anzug über der grünen Weste, hatte kurze, quietschgrüne Haare und war stärker geschminkt als Heath Ledger. Cooles Kostüm, aber auch nicht das originellste, das Alonzo in den letzten Jahren so zu Gesicht bekommen hatte.
Das Mädchen war da schon interessanter: Sie trug ein bauchfreies, rotes Korsagentop mit aufgenähten Rauten, lange Handschuhe, ein Halsband und schwarze Stiefel über der halb schwarzen, halb roten Hose.
Sie hatte genau die richtige Figur für dieses Cosplay: Flacher Bauch mit einem leichten Ansatz Muskeln, Arsch und Brüste, die das Jokerinen-Outfit gut ausfüllten. Alonzo wusste, dass es ungerecht war, so zu denken, aber er konnte es nicht ausstehen, wenn dicke Leute sich in enge Kostüme zwängten, sodass die Speckrollen nur so hervorquollen, oder diese knochigen Hungerhaken, die aussahen wie in die Länge gezogene Kleinkinder, einen auf sexy Mangacharakter machten.
Diese Harley musste sich nicht schämen, bauchfrei und als wandelndes Warnsignal durch die Gegend zu laufen.
Auch ihr Gesicht war hübsch, auf eine kindlich-fröhliche Art anziehend und dezent weiß geschminkt, die Augen dick schwarz umrandet, die Lippen knallrot, so wie fast alles an ihrem Kostüm. Sogar die rechte Hälfte ihrer Haare war rot - allerdings eher rotbraun - und die linke schwarz.

„Ich hab übrigens eine Idee für Julie“, sagte die Sora-Cosplayerin in einer Lautstärke, als wäre sie ganz allein auf dem großen Messegelände. Zum Glück war ihre Stimme angenehm, etwas tiefer als der Siebzehnjährige vermutet hätte.
„Schrei nicht so! Wir sind doch nicht taub…“, wies ihre Freundin mit den Katzenohren sie zurecht.
Sora ließ sich davon nicht stören, sondern quasselte einfach drauf los: „Aaalso, ich hab euch doch von dieser Band erzählt, die sie so toll findet. Ratet mal, wer in drei Wochen, wenn Julie wieder da ist, auf dem Festival in Matlock auftritt!“
„War das jetzt ne Fangfrage?“, grummelte die Dunkelhäutige, aber Alonzo meinte den Ansatz eines Lächelns zu erkennen.
„Ha! Du hast gelacht!“, rief der Joker.
Sora nickte eifrig. „Jahaaa! Ich habs genau gesehen!“
„Man, ihr seid echt nervig…“, grinste das Katzenmädchen.
„Auf jeden Fall finde ich, dass wir mit ihr da hingehen sollten“, wurde der Plan weiter ausgeführt. „Die Karten sind recht billig, weil vor allem Newcomer und andere eher unbekannte Bands da sein werden und Julie würde sich riesig freuen.“ Sie grinste schelmisch, was so gar nicht zu dem Charakter passen wollte, den sie verkörperte. „Julie steht total auf den Leadsänger.“
„Wie hieß der nochmal?“, wollte die Dunkelhäutige wissen.
Schulterzucken war die Antwort. „Jack oder Jake oder so… Keine Ahnung. Der ist auch schon fast 30 und ehrlich gesagt versteh ich nicht ganz, was sie an ihm findet, aber Hauptsache sie freut sich.“
Katzenöhrchen machte ein Gesicht, als müsse sie nachdenken. „Er sieht schon ziemlich heiß aus…“ Alonzo unterdrückte ein genervtes Stöhnen. Er hatte wirklich keine Lust, sich diese Art von Gespräch anzutun, bis er endlich seine Waffeln bekam.
„Aber ich bin kein Fan von dieser auf Alternativ getrimmten Mainstream-Musik“, fuhr das Mädchen fort.
„Sag mal, bist du überhaupt Fan von irgendwas?“, stichelte die Braunhaarige. Alonzo bewunderte, dass sie es tatsächlich geschafft hatte, ihre eigenen Haare zu Stacheln zu frisieren, anstatt wie die meisten Cosplayer zur Perücke zu greifen. Unfrisiert mussten die Haarspitzen bis fast auf ihre Schultern reichen, sodass sie nur ein wenig zu kurz für Sora waren.  

Die beiden Mädchen, die mit dem Rücken zu ihm standen, kabbelten sich noch weiter, was das Jokerpaar in etwa so wenig zu interessieren schien wie Alonzo selbst. Sie wechselten nur einen vielsagenden Blick und schwiegen.
Nach wenigen Minuten begann Harley herumzuhibbeln, auf und ab zu hüpfen und zu summen.
Dann legte sie den Kopf schief. „Mr. J?“, fragte sie in einer unnatürlich hohen Tonlage, wobei sie das J quietschend in die Länge zog. Entweder hatte die Cosplayerin tagelang geübt, um so zu klingen wie die echte Harley, oder sie war tatsächlich mit so einer nervigen Stimme gestraft.
„Was gibts denn, Pumpkin Pie?“, schnarrte der Joker.
„Ich hab mich gefragt… warum warten wir hier in der Schlange? Warum zerquetschen wir sie nicht einfach?“
Kichernd hob sie den riesigen Hammer, den sie bei sich trug.
„Harley…“, tadelte der Oberclown in wohlwollend herablassendem Tonfall. Auch er schien geübt zu haben. „Sei ein braves Mädchen und leg den Hammer weg.“ Er grinste, sodass sich der bis über die Wangen geschminkte Mund zu einer Fratze verzog. „Sonst verletzt sich noch jemand…“
Die nächste Grimasse war sehr harleyuntypisch. „Grins nicht so, Jerrie! Das ist gruselig…“
Alonzo musste schmunzeln. Jetzt war Klein-Harley aus der Rolle gefallen.
Der Junge, den sie mit Jerrie angesprochen hatte, lachte. „Ich bin der Joker! Was erwartest du?“ Dabei klang er so wenig nach Joker wie irgendmöglich.
Das Mädchen presste die Lippen zu einem Strich zusammen, bevor sie antwortete: „Wenn du so grinst, siehst du aber nicht aus wie der Joker, sondern wie der Teufel!“
Das war ein etwas merkwürdiger Vergleich, fand der Siebzehnjährige.
Jerrie hingegen schien das gar nicht seltsam zu finden. Er nickte ernst.
Fasziniert beobachtete Alonzo, wie die Cosplayerin wieder in den Harleymodus wechselte: Das leicht irre Lächeln und die Quietschstimme wurden angeknipst wie eine Lampe. „Lass uns nicht streiten, Puddin!“ Mit diesen Worten sprang sie ihm in die Arme, wobei sprang wirklich keine Übertreibung war. Umso erstaunter war Alonzo, dass ihr Partner sie scheinbar mit Leichtigkeit auffing. Das hätte er dem eher schlaksigen Jungen gar nicht zugetraut.
„Oh man, ihr seid echt peinlich, wenn ihr diese Pärchennummer durchzieht…“, stöhnte der Miesepeter der Truppe und fuhr sich angenervt über das Gesicht.
Harley setzte ein dümmliches Gesicht auf und schmiegte sich an den Joker. „Aber Mr. J ist doch so süß!“, flötete sie.
„Teazer…“, brummte der Grünhaarige und Alonzo hätte wetten können, dass er unter der zentimeterdicken Schminke rot wurde. Nur allzu verständlich, wenn ein so attraktives Mädchen ihm so einfach auf den Arm hüpfte.
Völlig unerwartet klingelte Alonzos Handy. „Wo bist du, man?“, ranzte er Max an.

***


Hidan mit Handy am Ohr war ein lustiger Anblick, fand Jerrie. Da er nicht nur mit zerrissenem Mantel, grauer Perücke und Sense ausgestattet, sondern auch noch vom Haaransatz bis zum Bauchnabel flächendeckend schwarz-weiß geschminkt war, musste er das Handy einige Zentimeter von seinem Gesicht weghalten, um es nicht völlig zu verschmieren. Die Art wie er stocksauer  seinen Gesprächspartner anbrüllte passte allerdings gar nicht schlecht zum Charakter des Akatsuki-Mitglieds.
„Ruhig bleiben?! Ja, du mich auch Max!“
Jerrie musste schmunzeln, weil er sich Kakuzu am anderen Ende der Leitung vorstellte.
„Ach steck dir deine Ausreden sonst wo hin! Du hast mich hier einfach stehen lassen, du Arsch! Warte nur, bis ich dich mit meiner Sense erwische! Dann wirst du sowas von zerstückelt!“
Teazers Reaktion dagegen sah etwas anders aus: Mit großen Augen starrte sie erst Hidan an, drehte sich dann zu Jerrie, wieder zu Hidan und flüsterte dann so laut, dass es jeder in der Schlange hören konnte: „Aww… Jerrie! Ein Hidan! Guck doch mal!“
Ihr Zwilling bedachte sie mit einem abfälligen Blick. Wirklich, Teazer? Der steht da schon die ganze Zeit…
„Hä, bin ich einzige, die ihn nicht gesehen hat oder was?“, fragte das Mädchen und ignorierte dabei, dass der Akatsuki-Cosplayer sein Telefonat beendet hatte und sie problemlos hören konnte.
„Bllllindfisch!“, machte Jerrie und tippte ihr gegen die Stirn.
„Sogar Leah und ich haben ihn gesehen - obwohl er hinter uns steht“, kommentierte Exotica. Ihr war es in den meisten Fällen sowieso egal, was andere von ihr dachten.
Bevor Teazer sich irgendwie verteidigen konnte, hörten sie jemanden rufen: „Da sind sie! Los, Robin! Schnappen wir sie uns!“
Ein Junge und ein Mädchen im Batman- und Robinkostüm kamen auf die Gruppe zugestürmt, die mittlerweile fast ganz vorne in der Schlange stand. Ein Batarang landete direkt vor Teazers Füßen.
„Hey!“, quietschte sie. „Begrüßt man so etwa seine Lieblingsfeinde?!“
Die Schlange hinter den Zwillingen wich vorsichtshalber ein paar Schritte zurück.
„Ich kümmere mich um den Joker!“, rief die Cosplayerin in dem rot-grünen Kostüm.
„Nein, Robin, das ist viel zu gefährlich. Du knöpfst dir Harley Quinn vor und ich werde mich um den Joker kümmern!“
„Alles klar, Batman!“, stimmte der Sidekick zu.
Die Jokerine verdrehte die Augen. „Nein wie süß. Und du glaubst, du kannst es mit mir aufnehmen?“
Jerrie sah seine Schwester fragend an. Dass einige Cosplayer gerne mit anderen aus dem gleichen Fandom interagierten war nichts Neues, aber den Zwillingen selbst war so etwas noch nie passiert und er hatte keine Ahnung, was genau das Batmanduo vorhatte oder wie sie jetzt darauf reagieren sollten.
Viel Zeit sich darüber Gedanken zu machen, blieb allerdings nicht, da Batman mit einer weiteren fledermausförmigen Spielzeugwaffe auf ihn zugeraunt kam.

***


Alonzo beobachtete fasziniert diesen spontanen Schaukampf. Seiner Meinung nach war das eines der besten Dinge an Conventions wie der Comic Con, dass wildfremde Menschen völlig ungehemmt aufeinander zugingen und die verrücktesten Sachen veranstalteten, bloß weil ihre Kostüme zufällig zueinander passten. Dass Itachi alias sein verräterischer bester Freund Max mit Sasuke durchgebrannt war, fand er trotzdem zum Kotzen.
Während der Joker noch etwas unschlüssig Batman auswich, Harley nach ihrem überdimensionalen Hammer griff und Sora die beiden anfeuerte, kaufte Katzenöhrchen in aller Seelenruhe ihre Waffel.
Als Harley den Hammer hob, um ihn dem etwas tollpatschig wirkenden Robin auf den Kopf zu donnern, rief ihr Partner: „Mach’s nicht kaputt, Teazer! Wir saßen Stunden an dem blöden Teil!“ Tatsächlich sah der Hammer zwar ziemlich cool aus, aber allein die Leichtigkeit mit der das Mädchen ihn herumtrug, zeigte, dass er keineswegs aus Holz, sondern vielmehr aus Pappe oder Pappmaschee bestehen musste.
„Hups, ganz vergessen…“, murmelte die Clownin, als wäre ihr das auch gerade erst wieder eingefallen.
Während sie die Waffe abstellte, ließ Robin blitzschnell zwei Plastikhandschellen aufschnappen und wollte sie der abgelenkten Harley anlegen.  
Bei jedem anderen Cosplayer hätte das funktioniert, da war Alonzo sich sicher. Die süße Harley allerdings wich mit einem Flick Flack nach hinten ganz lässig aus.
„Was zum…?“, murmelte der Siebzehnjährige. Hatte sie wirklich gerade…?
Die einzigen Menschen, die von dieser Aktion nicht völlig beeindruckt waren, waren der Joker, der nur kurz nickte, als habe er gar nichts anderes erwartet, und Katzenöhrchen, die desinteressiert ihre Waffel mit Puderzucker bestreute.
„Was jetzt? Willst du nun eine Waffel oder nicht?“ Alonzo und die vor ihm in der Schlange wartende Sora-Cosplayerin fuhren zum Besitzer des Waffelstands herum, der nun als Nummer drei auf die imaginäre Liste der nicht-beeindruckten gesetzt wurde.
„Öhm, ja! Klar! Eine Waffel bitte!“, brachte die irritierte Braunhaarige heraus.
„Du auch eine oder stehst du nur zum Spaß hier an?“, wollte der Mann von Alonzo wissen.
Dieser bestellte drei Stück, obwohl es ziemlich unwahrscheinlich war, dass Max und seine kleine Freundin nochmal auftauchten.
„Geht nicht. Teig ist alle“, wurde er mürrisch informiert. „Reicht grade noch für zwei Stück.“
„Na dann eben zwei…“ War ja nicht seine Problem, wenn Sasuke keine Waffel abbekam.

„Hey Teazer!“, rief der Joker. Als Alonzo sich mit seinen beiden Waffeln wieder zu den Kämpfenden umdrehte, flog etwas durch die Luft, das die rot-schwarz Gekleidete auffing.
Im nächsten Moment richteten sich zwei Plastikpistolen auf Batman und Robin, die es irgendwie geschafft hatten, sich von dem Clownsduo umzingeln zu lassen.
„Wer hat jetzt wohl gewonnen?“, kicherte die als Teazer angesprochene Harley.
Gleichzeitig drückten die Clowns die Abzüge ihrer Waffen, aus denen kleine Fähnchen geschossen kamen. Peng stand auf den Flaggen. Sehr jokertypisch.
„Soo, und jetzt will ich meine Waffel!“, verkündete Harley. Sie ging auf das braunhaarige Mädchen zu und streckte ihr fordernd die Hand entgegen.
„Uups…“, machte diese. „Ich hab aus versehen nur eine gekauft…“
„Alles muss man selber machen!“, grinste der Joker und drängelte sich nach vorne durch. „Zwei Waffeln bitte!“
Der Waffelverkäufer seufzte genervt. „Gibt keine Waffeln mehr. Teig ist alle. In ner halben Stunde gibts neuen“, verkündete er in einem Tonfall, der vermuten ließ, dass es nichts langweiligeres und nervigeres auf dieser Welt gab, als auf einem überfüllten Messegelände Waffeln an verkleidete Jugendliche zu verkaufen.
„Waas?!“, kam es von Joker und Harley gleichzeitig.
„Beschwert euch bei wem anders“, grummelte der Mann. „Ich mach hier auch nur meinen Job. Wenn ihr einen Sündenbock sucht, nehmt doch den jungen Mann da, der die letzten beiden gekauft hat.“ Er zeigte auf Alonzo.

***


„Hidan hat unsere Waffeln?“, fragte Teazer entsetzt und sah dabei aus wie ein getretener Welpe.
„Jap… Genau das hat der freundliche Herr hier uns gerade höflichst zu verstehen gegeben“, entgegnete ihr Bruder. Wie kann man bloß so schlecht gelaunt sein?
„Aber… aber… ich will jetzt eine Waffel!“
„Du hast ihn doch gehört: In ner halben Stunde gibts neue…“, versuchte Jerrie sie zu beschwichtigen.
Teazer sah nahezu verzweifelt aus. „In einer halben Stunde?! Das dauert ja noch eewig! Jerrie, ich sterbe!“
Während Angesprochener ihr einen Blick a la Jetzt übertreib mal nicht, du Dramaqueen zuwarf, stand plötzlich ein freundlich grinsender Hidan vor Teazer und hielt ihr eine Waffel hin. „Da ich dir ja scheinbar die letzte weggeschnappt habe, kannst du eine von mir haben.“
„Echt?!“ Die Sechzehnjährige war völlig aus dem Häuschen. „Danke!“
„Hidan als Lebensretter ist auch mal ne interessante Idee“, kommentierte Jerrie. „Krieg ich die zweite Waffel?“ Wäre ja eigentlich meine gewesen, wenn wir nicht abgelenkt worden wären…
Der als Hidan verkleidete Junge lachte. „Sorry, aber dann hab ich ja selbst keine mehr!“
Der Grünhaarige zuckte mit den Schultern. „Na macht nix. Teazer gibt mir sicher gerne was ab…“
„Für wen war die zweite denn gedacht? Kriegen deine Freunde wegen Teazer jetzt keine Waffel?“, wollte nun Leah wissen.
Hidan winkte ab. „Mein Kumpel, mit dem ich unterwegs war, ist sowieso verschwunden.“
Jerrie nickte. Das Telefonat vorhin hatte schon so geklungen. „Willst du mit uns mitkommen?“, bot er an.
„Möchtest du nicht wenigstens nach dem Namen fragen, bevor du irgendwem wildfremdes anbietest, den Rest des Tages mit uns hier rumzulatschen?“, warf Exotica ein.
Der Junge grinste. „Ihr seid ne lustige Truppe. Ich bin Alonzo.“
Taylors dauergelangweilter Gesichtsausdruck hellte sich auf. „Alonzo?“, fragte sie. „So wie Allons-y, Alonzo?!“
„WAAS?!“, rief Leah. Jetzt war es an ihr, große Augen zu bekommen. „Ich glaub’s ja nicht! Taylor ist Doctor Who Fan!“
„Ignorier die beiden einfach“, riet Teazer dem leicht irritiert wirkenden Alonzo. „Du kannst mitkommen!“

***


Als das Messegelände sich langsam leerte, machten sich Mungojerrie, Rumpleteazer, Leah und Taylor auf den Weg zum Bahnhof. Alonzo begleitete sie, weil er mit Max, der in der ganzen Zeit nicht ein einziges mal aufgetaucht war, ausgemacht hatte, sich dort zu treffen.
„Seit wann könnt ihr eigentlich tanzen?“, wollte Leah wissen, weil Jerrie und Teazer Gehen zu normal war, sodass sie versuchten, sich mit Cha-Cha-Cha-Schritten fortzubewegen.
Jerrie zuckte mit den Schultern. „Hat Tante Akira mir auf Hamishs Hochzeit beigebracht und ich hab’s Teazer beigebracht - aber wir können nur Cha-Cha-Cha, Discofox und den Jive-Grundschritt.“
Nur Cha-Cha-Cha, Discofox und Jive“, wiederholte Leah sarkastisch. „Ja dann… Was könnt ihr eigentlich nicht?“
„Mathe“, antwortete Jerrie mit Seitenblick auf seinen Zwilling.
„Kopfrechnen“, meinte gleichzeitig Teazer und deutete auf ihren Bruder.
„Hey!“, beschwerte sie sich dann. „Ich kann Mathe, ja?!“
Der immer noch Grünhaarige hob zweifelnd eine Augenbraue. „Du bist total durchgedreht und hast Lieder über Polynomdivision gedichtet, als ich das letzte mal mit dir gelernt habe…“ Du kannst definitiv kein Mathe…
„Dafür kann ich wenigstens vier mal vier ohne Taschenrechner rechnen!“, konterte sie.
„Na und? Ich steh wenigstens dazu! So!“

***


„Sind die beiden immer so?“, wollte Alonzo von Taylor wissen, die neben ihm ging, während Jerrie und Teazer sich ein paar Meter vor ihnen weiter zankten.
Ihm war nicht entgangen, dass das Jokerpärchen ziemlich aufeinander fixiert war.
„Jap… Die zwei sind dauernd am Streiten, aber wenn’s mal drauf ankommt, hast du immer beide gegen dich.“ Als sie Alonzos fragenden Blick bemerkte, grinste das dunkelhäutige Mädchen. „Nur Spaß! Jerrie und Teazer sind echt klasse. Ein bisschen nervig, aber gute Freunde. Du musst dich nur dran gewöhnen, dass es die beiden nur im Doppelpack gibt. Teazer wollte mal ein Jahr nach Amerika, aber sie hat’s nicht gemacht, weil sie Jerrie so lange nicht gesehen hätte.“
Ein paar Meter weiter vorne hatten die Clowns sich beruhigt.
„Jerrie? Lass uns einen Tanzkurs machen!“, schlug Rumpleteazer vor.
Angesprochener grinste. „Okay.“
Völlig aus dem Kontext gerissen, kam von Teazer: „Hilfst du mir nachher noch bei meiner Zeichnung? Ich krieg den Arm nicht hin. Der sieht immer aus wie Spargel!“
Jerrie schien das nicht im Geringsten zu verwirren. „Okay…“
Einige Meter herrschte Schweigen.
„Jerrie, ich bin müde… Trägst du mich?“
„Nein.“
„Bitte!“
„Nein.“
„Biiittee!“
Der Junge blieb stehen, seufzte. „Okay.“
Er nahm Teazer Huckepack.
„Jerrie?“
„Hm?“
„Ich liebe dich.“
Das kam unerwartet für Alonzo.
„Okay.“
Auch nicht gerade die Antwort mit der er gerechnet hatte.
Okay? Ich gesteh dir hier meine Liebe und du sagst okay?“, entrüstete Rumpleteazer sich übertrieben. Scheinbar hatte auch sie sich eine andere Antwort erhofft.
„Ich schreibe ein Wörterbuch Jerrie/Teazer - Deutsch Deutsch - Jerrie/Teazer“, schaltete Leah sich dazwischen. „Die ersten zwanzig Seiten beschäftigen sich nur mit der Bedeutung von Okay, Ja, Jo, Jop und Jap. Mögliche Bedeutungen sind zum Beispiel Ja, Ich bin einverstanden, Sehe ich auch so, Das wollte ich auch grade sagen, Ist bei mir auch so, Ich weiß, Ich dich auch. Hab ich was vergessen?“
Jerrie nickte anerkennend. „Nicht schlecht! Sag mir bescheid, wenn das Wörterbuch fertig ist!“
Während Teazer weitere Bedeutungen von Okay auflistete, wandte Alonzo sich wieder an Taylor: „Ich versteh’s immer noch nicht ganz… Sind die beiden jetzt ein Paar oder nicht?“
Taylor prustete los.
Die drei vor ihnen gehenden drehten sich irritiert um. „Alles okay bei dir?“
„Ja, klar, alles super!“, wehrte Taylor ab, wobei es ihr sichtlich schwer fiel, ein Grinsen zu unterdrücken. „Ich hab nur… meine Kontaktlinsen verloren… oder so… ähm… Alonzo hilft mir beim suchen - Geht schonmal vor!“
Nach einem verwirrten Blick auf ihre Freundin gingen die drei tatsächlich weiter.
„Was war denn daran jetzt so witzig?“, flüsterte Alonzo verstimmt.
„Nichts, nichts!“, grinste das Mädchen.
Er funkelte sie böse an.
Taylor schien sich mehr zu amüsieren als den ganzen restlichen Tag. Sie giggelte, was so gar nicht zu dem passen wollte, was er bis jetzt von ihr mitbekommen hatte.
„Was?! Jetzt sag schon!“
„Bist du blind?“, fragte sie immer noch grinsend. „Jerrie und Teazer sind Zwillinge!“
Darauf wusste Alonzo nun wirklich nichts zu erwidern.

Doch das ist nur das Zentrum für die Aktionen,
die wir unternehmen, tagein und tagaus
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