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The Art of Breaking (Rewrite)

GeschichteDrama, Familie / P16 / Gen
Bianca Chris Halliwell Leo Wyatt Piper Halliwell Wyatt Matthew Halliwell
01.08.2014
07.08.2018
8
28.785
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04.05.2015 4.116
 

The Art of Breaking
Kapitel 6
(No) Rest for the Wicked


Willkommen im Mai 2015…. Ehm… jap, lange ist es her.
Ich hoffe, es gibt trotzdem noch einige Leser. Wenn ja, dann viel Spaß mit diesem Kapitel (zwar eher ein Filler Kapitel, aber sowas muss auch mal sein^^)

R&R


I like to stare at the sun
And think about what I've done
I lie awake in my great escape

I like crossing the line
And slowly losing my mind
Are you ok
'Cuz I feel fine
Maybe it's me
I'm just crazy
Maybe I like that I'm not alright

Shinedown – I’m not alright





„Wie viel hast du die Nacht geschlafen?“, waren Biancas Worte zur Begrüßung. Über die Strenge in ihrer Stimme musste Chris schmunzeln.

Chris hatte sie schon aus der Ferne kommen sehen.
Die beiden hatten sich an ihrem üblichen Ort treffen wollen und da es sich hierbei um einen Park mitten in der Stadt handelte, war es nicht gerade praktisch auf magischen Weg aufzutauchen. Besonders nicht, wenn man Gefahr lief von normale Bürgern beobachtet zu werden. Also mussten die guten Öffentlichen Verkehrsmittel herhalten, oder man materialisiert sich dort, wo einen niemand sehen konnte.

„Warum sind das die ersten Worte aus deinem Mund?“, meinte Chris und zog einen Schmollmund. Bianca schenkte ihm ein warmes Lächeln, welches jedoch nicht lange blieb. Ihre Miene verfinsterte sich, als sie die dunklen Augenringe deutlicher denn je hervorstechen sah. Aufmerksam glitten ihre Augen über jeden Zentimeter von ihm. Etwas in seinen Augen fehlte, ein gewisser Glanz, den selbst ihre Anwesenheit nicht dauerhaft zurückbringen konnte. Chris war schon immer, beziehungsweise so lange sie ihn kannte, recht dünn gewesen, wenn auch nicht ohne Muskeln. Beruhigend stellte sie fest, dass er kein Gewicht verloren hatte, zumindest nicht so viel, als dass es auffallen würde.

Chris wurde es ein wenig warm ums Herz, als er die Sorge in Biancas Augen sehen konnte, die nicht ganz so gut versteckt war, wie sie es wohl wollte.
Aus diesem Grund erzählte er ihr nicht, wie er die Nacht aufgeschreckt war, nass geschwitzt und schwer atmend. Er sagte nichts von seinen dunklen Träumen und die furchtbare Angst, die sie ihm machten. Es war nicht wichtig, nicht ihrer Sorge wert.

Bianca starrte ihn einen Moment lang eindringlich an, dann schüttelte sie seufzend den Kopf.
„Du bist ein hoffnungsloser Fall“, meinte sie nur leise, doch in ihren Worten lag eine deutliche Spur von Zuneigung.
„Aber du liebst mich trotzdem“, erwiderte Chris mit einem spielerischen Lächeln. Er wollte nicht weiter über die vergangene Nacht nachdenken. Es war ein schöner Tag mit strahlendem Sonnenschein und er hatte vor ihn mit ihr zu verbringen, es war ein Grund gute Laune zu haben. Von merkwürdigen Träumen und ein paar schlafloser Nächte, würde er sich den Tag nicht ruinieren lassen.

„Das hättest du wohl gerne“, feixte Bianca.  Sie hatte einen recht dunklen Humor, aber nichts desto trotz nahm Chris jeden Scherz, der auf seine Kosten ging, gerne auf. Ihr flüchtiges, absolut ehrliches, Lächeln war es allemal wert.
„Hey“ Wieder verzogen sich seine Lippen zu einem Schmollmund, aber seine Augen schienen heller zu sein, als würden sie etwas von ihrem Strahlen zurück gewinnen, welches Bianca so liebte.

Sie verbrachten den Tag damit, sich in Möbelhäusern umzusehen und zu überlegen wie sie ihre Wohnung einrichten sollen.
Und als ihnen klar wurde, was dieser so banale Gedanke eigentlich zu bedeuten hatte, war es als wäre eine Art Beklommenheit von ihnen genommen worden. Sie hatten in einem Café gesessen und Chris hatte nicht aufhören können Biancas Hand zu halten.
Auch wenn er sich im Nachhinein vorkam wie ein Teenager bei seinem ersten Date, konnte er nicht abstreiten, wie glücklich er in diesem Moment war.

Es war etwas so normales, etwas so simples.
Einfach nur den Tag diese gewöhnlichen Dingen zu tun, die vielleicht noch nicht einmal so bedeutsam waren, aber für die beiden war es viel wichtiger, als zunächst angenommen.
Es war etwas, das beide nicht wirklich kannten. Und es reichte aus, um sich wenigstens für ein paar Stunden einzubilden, sie wären normale Menschen. Alle Gedanken an Dämonen und Hexen und Magie und einfach allem, zu verdrängen, wenn auch nur für einen Nachmittag.

Es reichte, um für ein paar Stunden die Dunkelheit, die sonst immer so allgegenwärtig schien, zu vergessen.
Sie mit diesem hellen Licht kurz zu verjagen.

Und genau solche Momente brauchten die Beiden in ihrem Leben und würde sie auch weiter brauchen, sonst würde es der, ihnen auflauernden, Dunkelheit gelingen, sie zu verschlingen.


--- ---



Laute Musik spielte, die Band auf der Bühne tat ihr bestes um ihrem Publikum einzuheizen. Viele junge Erwachsene tanzten ausgelassen vor der Bühne oder wiegten im Takt der Musik mit. Nur wenige Besucher hatte es auf ihren Sitzplätzen gehalten, als die Band angefangen hatte zu spielen.
Es war vielleicht nicht die Beste Band, die je im P3 gespielt hatte, aber für eine recht unbekannte Band aus einem Vorort von San Francisco war sie nicht schlecht.

Der Club war gut gefüllt und Jane hatte an der Theke viel zu tun.

Gerade als sie sich der Bestellung eines Gastes widmen wollte, erblickte die junge Frau jemand Unerwartetes an der Theke sitzen.  Mit einem Lächeln stellte sie einem jungen Mann sein Glas Wodka E hin und wandte sich schnell wieder ab. Ihr Lächeln wurde immer breiter, als sie sich schließlich vor ihrem Cousin über die Bar beugte.

„Und was treibt der Herr sich noch zu so später Stunde herum?“, fragte sie mit einem Hauch Sarkasmus. Chris deutete ihr einen deutlichen Blick an, dass er ihren Tonfall nicht zu schätzen wusste.
„Man wird ja wohl noch fragen dürfen“, murmelte Jane und hob verteidigend ihre Hände.
Wieder blickte Chris sie an und da Jane noch immer keine Antwort bekommen hatte, wurde sie ungeduldig. Hey, Geduld war noch nie ihre Stärke gewesen.
„Also, was machst du hier?“

„Was, darf ich nicht einfach mal vorbei schauen?“, fragte Chris mit hochgezogenen Augenbrauen. Etwas an seiner Stimme störte sie, doch sie konnte nicht genau sagen was. Da war etwas … Merkwürdiges.

„Doch schon“, antwortete Jane gelassen. „Aber ich hätte auch nichts dagegen, wenn du einfach mal hallo gesagt hättest.“

Sofort schlich sich ein spöttisches Lächeln auf seine Lippen und mit leicht zur Seite geneigtem Kopf grinste Chris sie an. „Hallo Jane, wie geht es dir heute Abend?“

‚Oh, so wollte er also spielen‘, schoss es der Schwarzhaarigen durch den Kopf. ‚Das kann ich auch, Freundchen.‘

„Sehr gut“, antwortete Jane in einem ebenso spöttischen Ton. „Danke der Nachfrage. Wie geht es dir denn so?“ Chris rollte nur mit seinen Augen.

In ihrem Augenwinken bemerkte Jane einen jungen Mann, der schon ungeduldig mit seinen Fingern auf der Theke trommelte. Mit einem Blick deutete sie Chris an sitzen zu bleiben, während sie sich der Bestellung des jungen Kerls widmete. Dieser gab seine Bestellung mit unfreundlichen Worten von sich und knallte seine Verzehrkarte auf die Theke. Er hatte dringend einen Haarschnitt nötig, fand Jane, denn die hellen Haare, vom Schweiß verklebt, fielen ihm ständig in die Augen. Zwar sah er gut aus, mit braungebrannter Haut und zumindest angedeuteten Muskeln, aber an der Persönlichkeit musste gearbeitete werden. Trotzdem lächelte Jane weiter freundlich und stellte sein Getränk vor ihm ab. Ohne ein Danke verschwand er wieder in der Menge. Arsch, dachte sich Jane im Stillen. Aber sie war schlimmeres gewohnt und wegen ein paar unfreundlichen Gästen, ließ sie sich nicht die Stimmung verderben.

Also wandte sie sich wieder ihrem heutigen Problemkind zu. Mit einem gespielt verständnisvollem Lächeln beugte sie sich wieder Chris entgegen. „Was liegt dir auf dem Herzen, Schätzchen?“ Chris sah sie einen Moment völlig verdutz an und sie musste sich zusammen reißen, nicht lauthals zu lachen. Einen Moment später, konnte sie ein kurzes Lachen nicht verkneifen.
„Was denn?“, fragte sie lachend. „Ich bin die Barkeeperin und du der Typ mit dem gebrochenen Herzen. Nach den Regeln von Hollywood, musst du jetzt ganz viel Alkohol bestellen und mir all deine Sorgen erzählen.“

Chris sah sie an, als wäre sie verrückt geworden und Jane fühlte sich ein wenig geneigt, dem zuzustimmen. Aber hey, das Leben war zu kurz, um es ernst zu nehmen.

„Ersten“, begann Chris, nachdem er sich von seinem kleinen Schock erholt hatte. „das hier ist nicht Hollywood und bist du immer so unverschämt zu deinen Gästen?“

„Nein, eigentlich nur, wenn du es bist“, erwiderte Jane leicht mit einem breiten Grinsen.  

„Dir ist klar, dass ich theoretisch dein Boss bin und dich rausschmeißen könnte“, erwiderte Chris mit hochgezogenen Augenbrauen.

Janes Lippen zogen sich zu einer dünnen Linie zusammen und ihre Augen verengten sich.
„Was darf es sein, der Herr?“, fragte sie in einer zuckersüßen Stimme.
Chris sah sie einen Augenblick lang nur streng an, bevor Jane sich augenrollend von ihm abwand, um ihm sein übliches Bier zu holen. Die Gelegenheit sich weiter zu unterhalten bekamen sie nicht, da sich die Theke, während einer kurzen Pause der Band, wieder einmal füllte. Erst als die Band mit einem ruhigeren Song weiter spielte, konnte Jane sich wieder Chris zuwenden. Die Lautstärke war jetzt perfekt, um sich gut unterhalten zu können.
Obwohl die Lichtverhältnisse im Club nicht gerade optimal waren, nahm sich Jane einen Moment Zeit ihren Cousin genau zu mustern. Irgendetwas an ihm schien anders, sie konnte nur nicht genau sagen was es war. Seine Haut wirkte blasser als normal und seine Augen eingesunken und müde. Es hätte auch am Licht liegen können, aber Jane war sich da nicht so sicher.

„Mel hat mir erzählt, du willst ausziehen?“, begann sie schließlich die Unterhaltung von neuem. Vielleicht würde sie herausfinden was los war, wenn sie ihm ein wenig auf den Zahn fühlte.

Chris stellte sein Bier ab und sah sie mit einem typischen Chris-Blick an. Seine Stimme klang genervt.
„Ist es eigentlich möglich irgendwas in dieser Familie geheim zu halten?“, fragte er nach und wenn Jane ihn nicht besser gekannt hätte, so hätte sie geglaubt er wäre ihr ernsthaft böse.
„Kommt ganz drauf an. War es ein Geheimnis?“, fragte Jane nach und setzte ein unschuldiges Lächeln auf.
„Es ging mir eher ums Prinzip“, antwortete Chris und erklärte das Gespräch damit für beendet. Etwas in seiner Haltung hatte sich verändert, er wirkte angespannter, zurückgezogener. Irgendwas hatte er zu verbergen. Und da er nun einmal direkt vor ihr saß, würde Jane sich die Chance nicht entgehen lassen.
Mit einem verschlagenen Grinsen und einem auffälligen Blitzen in ihren Augen beugte sie sich zu Chris vor, sodass sie halb über der Theke hing.

„Also, wer ist sie?“, flüsterte sie verschwörerisch. Chris hingegen schien nun völlig verwirrt zu sein und sah seine Cousine nur verständnislos an. „Was?“
„Wer sie ist“, wiederholte Jane mit einem übertriebenen Augenrollen.
Chris sah sie nur weiter verwirrt an. Jane musste seufzen, ihr Cousin war aber auch manchmal schwer von Begriff.
„Das Mädchen, mit dem du dich triffst? Wer ist sie?“, erklärte sie, als wäre alles vollkommen selbstverständlich.
„Wie kommst du darauf, dass ich mich mit jemand treffe?“, erwiderte Chris abweisend. Seine ganze Haltung verriet ihn.
„Komm schon, glaubst du ich bin blind?“, grinste Jane. ‚Erwischt‘, schoss es ihr mit einem Hauch von Genugtuung durch den Kopf.
„Blind? Nein. Ich hätte eher etwas in der Richtung nervig, oder aufdringlich, gesagt.“ Chris‘ Stimme wirkte abweisend und Jane erkannte, dass er versuchte vom eigentlichen Thema abzulenken.
„Sehr witzig“, erwiderte die aufdringliche junge Frau.

„Das macht doch so, wenn man eine Freundin hat, oder nicht?“, fuhr Jane fort. Auf Chris‘ fragenden Blick fügte sie noch erklärend hinzu: „Ausziehen und so.“
Chris blinzelte sie nur stumm an, unsicher ob er antworten sollte, oder vielmehr wie. Unbeirrt redete Jane weiter. „Obwohl normal bei unsere Familie nicht unbedingt zählt, aber hey, wer nicht wagt, der nicht gewinnt!“
„Pass bloß auf, deine Mutter färbt auf dich ab.“, erwiderte Chris und musste sich ein Lachen verkneifen. Dabei entstand ein eher erstickendes Geräusch, worauf Jane nur mit spöttisch hochgezogenen Augenbrauen antwortete.
„Ha Ha, Mister. Ich bin ein Genie, das ist ein Naturgegebenes Talent.“, erwiderte Jane selbstsicher und stemmte sich ihre Hände in die Hüften.

Chris bot ihr ein schwaches Lächeln, besonders ehrlich wirkte es nicht. Ihr war nicht entgangen wie sich Chris immer mehr anspannte, als wäre ihm die Unterhaltung unangenehm. Etwas schien sich in seinen Augen verändert zu haben, als wäre eine Mauer herunter gekommen versperrte alles.

„Ist alles in Ordnung mit dir?“
Unter der spärlichen Beleuchtung konnte sie seine Augenringe nicht richtig sehen, hielt sie viel mehr für bloße Schattenspiele. In dem dunklen Licht gehüllt, wirkte er irgendwie anders, sie konnte es nicht erklären, aber der Anblick ließ Sorgen in ihr hochsteigen.

„Natürlich“, antwortete Chris, seine Stimme klang merkwürdig. Aber bevor Jane etwas antworten konnte, war Chris aufgestanden und verschwand in der Menge. Ihre Rufe nach ihm gingen in der immer lauter werdenden Musik unter.
Irgendwie hatte Jane das Gefühl etwas falsch gemacht zu haben, sie hatte ihn nicht verscheuchen wollen. Schuldig versuchte sie einen Blick in der Menge auf ihn zu erhaschen.
Die Theke füllte sich wieder einmal und Jane musste ihre Aufmerksamkeit wieder den Bestellungen der Gäste widmen. Mit einem aufgesetzten Lächeln ging sie wieder an die Arbeit.
Aus den Augenwinkeln sah sie Chris noch ein letztes Mal, wie im Hinterzimmer des P3 verschwand. Sie hatte das Gefühl, er würde doch nicht alleine sein.


--- ---



Als Chris das Hinterzimmer des P3 betrat, war sie schon da.
Bianca hatte es sich auf dem Sofa gemütlich gemacht und sah Chris mit einem verschmitzten Lächeln an, als dieser hereinkam. Bei ihrem Anblick konnte Chris nicht anders, als zurück zulächeln. Der Ärger, der sich während seiner Unterhaltung mit Jane angesammelt hatte, war wie weggeblasen.

„Kleiner Chaosmensch“, bemerkte Bianca, mit einem Wink auf die verstreuten Papier und Bücher im Raum. Einige Hefte lagen aufgestapelt auf dem Schreibtisch, Ordner und weiterer Papierkram lag überall herum. Alles was Chris brauchte, um den Club am Laufen zu halten. Und noch ein paar andere Sachen, die sich im Laufe der Zeit so angesammelt hatten.

„Wenn du glaubst ich bin schlimm, solltest du mal Wyatt sehen“, schnaubte Chris abfällig, während er anfing für ein wenig Ordnung zu Sorgen. Teils sah es wirklich sehr chaotisch aus. Kurzer Hand sammelte er lose Papiere zusammen und stopfte sie in den nächstbesten Ordner.

„Vielleicht sollte ich das mal“, antwortete Bianca mit leiser Stimme, doch Chris hörte sie laut und deutlich. Sofort verharrte er in seiner Position und ließ die eben aufgesammelten Papiere wieder sinken.
„So war das nicht gemeint“, sprach er leise und sah seine Freundin entschuldigend an. Er wusste, dass ihre Situation alles andere als optimal war. Es wäre schön einen Moment so tun zu können, als wären sie normale Menschen und hätte nicht diese Geheimnisse zwischen ihnen und ihren Familien stehen. Aber das war nun mal reines Wunschdenken.
Vorsichtig trat Chris an sie ran und sah ihr in die Augen. Sie wich seinem Blick aus. Die Arme hielt sie vor ihrer Brust verschränkt.

„Was ist los?“, fragte Chris sanft nach, denn er merkte, dass es sich hier um mehr handelte.
„Es ist nichts“, erwiderte sie mit einem zögerlichen Lächeln, das er ihr nicht ankaufte.
„Bianca“, sprach er diesmal mit etwas mehr Nachdruck.

„Es ist nur…“, Bianca sah zu Seite. Plötzlich wirkte sie anders, unsicher und verletzlich und Chris hätte alles getan, um all ihre Sorgen fortzujagen. Aber er wusste auch genau, dass Bianca ihm nie verzeihen würde, könnte sie hören was er dachte. Sie war eine erschreckend eigenständige Frau und nahm es nicht freundlich auf, wenn man sie für zu schwach hielt sich selbst zu schützten. Auch wenn sie die einzige war, die so dachte. Es war eine Eigenschaft, die sie dem Lebensstil ihrer Mutter zu verdanken hatte, den auch sie von klein auf gelebt hatte.
Chris versuchte sie nicht einzuengen, also trat er einen Schritt zurück und lehnte sich gegen den Schreibtisch, vorsichtig, um nicht den angesammelten Stapel Blätter herunterzuwerfen.
Bianca verstand was er für sie tat und konnte ein kleines, zärtliches Lächeln nicht unterdrücken.
„Es ist nur meine Mutter“, versuchte sie zu erklären, auch wenn sie nicht ganz die richtigen Worte fand. „Du weißt wie sie ist.“ Es war bei Weitem nicht der erste Streit, den die beiden gehabt hatten. Aber so etwas war normal, wenn zwei so starke und unterschiedliche Persönlichkeiten aufeinander trafen. Es half auch nicht, dass Mutter und Tochter unterschiedliche Ansichten über das Familiengeschäft hatten.
Chris nickte kurz, ja, er verstand.

„Sie will einfach nicht akzeptieren, dass ich meine eigenen Entscheidungen treffe.“ Dass sie etwas anderes wollte, als ihre Mutter, die ihr Leben lang mit Blut an ihren Händen leben musste. Dass sie einen anderen Weg einschlug, einen Weg der hoffentlich hinaus aus der Finsternis führte. Dass sie etwas -  jemanden -  gefunden hatte, der wichtiger war.  
Aber all das sagte Bianca nicht, warum auch, Chris wusste diese Dinge bereits.

Chris sah sie einen Augenblick an, öffnete den Mund, obwohl er nicht wusste was er sagen wollte und schloss ihn wieder.
„Ich will eigentlich nicht drüber reden“, meinte Bianca abweisend. „Ich will nur-“, sie hielt kurz inne, formulierte ihre Gedanken. „Ich will einfach das alles hinter mir lassen.“
Sie lächelte Chris an, ein ehrliches Lächeln. Ich will einfach bei dir sein. Auch das sagte sie nicht, zumindest nicht laut.

Manche Dinge musste man nicht aussprechen, manche Dinge wusste man einfach.

„Und jetzt komm her, du Idiot.“ Trotz des harschen Tons, war etwas Liebevolles in ihrer Stimme.
Chris konnte sich ein kurzes Lachen nicht verkneifen.
Immer noch lachend verringerte er den Abstand zu ihr, bis er schließlich nah genug war, um sie in seine Arme zu schließen.
In der dann eintretenden Stille konnte man die Band aus dem Club spielen hören. Es war ein ruhiges Lied und Chris begann im Takt der Musik hin und her zu schwanken. Es war nicht wirklich ein Tanz, aber als die beiden so Arm in Arm da standen uns sich zur Musik leicht bewegten, kam es dem schon sehr nahe.



---




Als Chris am nächsten Morgen die Haustür aufschloss wurde er von einer unnatürlichen Stille begrüßt. Er war einen kurzen Blick auf seine Armbanduhr, nur um sich zu vergewissern, dass er die Zeit nicht völlig falsch eingeschätzt und irgendetwas vergessen hatte.
Es war schon fast 13 Uhr, normalerweise war an einem Samstag um die Uhrzeit irgendetwas im Haus los. Das Haus der Halliwells war nie wirklich ruhig, nicht so wie jetzt.
Bei dem Gedanken lief es Chris kalt den Rücken herunter.
War etwa etwas passiert?

Etwas in seinem Bauch zog sich schmerzhaft zusammen und bevor er sich wirklich bewusst war, dass er sich bewegte, stand er in der Küche. Das Wohnzimmer, so hatte er es mit einem flüchtigen Blick sehen können, war leer. Auch in der Küche wurde er von Leere begrüßt.
Bevor sich Panik gänzlich in ihm breit machen konnte, hörte er eine Stimme hinter sich.

„Chris?“, fragte eine erstaunte Stimme. Es war definitiv eine weibliche Person, die da sprach, doch aus irgendeinem Grund konnte er ihr kein Gesicht zu ordnen.

Er wirbelte herum, rutschte in eine standhafte Haltung und hielt seine Hand so, als würde er etwas werfen. Und tatsächlich spürte er das Gewicht einer Waffe, die nicht da war.

„Chris?“, wiederholte die Stimme noch einmal, diesmal deutlich erschrocken.
Vor ihm stand seine kleine Schwester, die unsicher ein paar Schritte nach hinten trat. Der Ausdruck in ihrem Gesicht hatte etwas Ängstliches und Chris verspürte einen Stich in seiner Brust.  
Er hatte ihr keine Angst einjagen wollen.
Er hatte ja gerade selbst Angst vor sich selbst.

Was hätte er wohl getan, wäre tatsächlich ein Messer in seiner Hand gewesen und nicht nur ein bloßes Phantom?

„Mel“, brachte Chris schließlich heraus, seine Stimme klang selbst in seinen eigenen Ohren zitterig und unsicher, wie musste er sich nur für sie anhören?

„Ist alles in Ordnung mit dir?“, fragte Melinda vorsichtig, ohne sich aus dem Türrahmen zu entfernen.

Chris bemerkte, dass er immer noch in dieser merkwürdig vertrauten Kampfhaltung stand und versuchte einen entspannten Stand einzunehmen. Seine Hand zitterte und sein Herz raste.
Trotzdem versuchte er ein Lächeln auf seine Lippen zu zwingen. „Ja, alles gut.“

Er konnte sehen, dass Melinda ihm nicht glaubte, er glaubte sich selbst auch nicht.

Mit einem Nicken traute sich Melinda schließlich die Küche zu betreten, wobei sie ihren Bruder jedoch immer in ihrem Augenwinkel behielt.

Chris ließ sich auf einem Hocker, der an der Insel mitten in der Küche stand, fallen und vergrub sein Gesicht in seinen Händen, während Melinda sich ein Glas Wasser einschenkte.
Plötzlich fühlte er sich schrecklich erschöpft und er konnte ein Pochen in seinem Kopf spüren.

Was war nur los mit ihm?
Zuerst diese verstörenden Albträume, die er so lange versucht hatte zu ignorieren. Immerhin waren sie völlig unsinnig, zeigten ihm Dinge, von denen er wusste, dass sie nie geschehen waren und auch nie geschehen würden. Dafür waren sie einfach zu absurd.
Er ignorierte die Stimme in seinem Hinterkopf, die leise und heimlich seine Zweifel ansprach.
Das konnte einfach nicht sein.
Unmöglich.

Und wieder versuchte er sich rauszureden, sich vor sich selbst zu rechtfertigen.

Das erste Zeichen, dass etwas wirklich nicht stimmte, waren die Halluzinationen.
Zuerst waren es nur Kleinigkeiten gewesen. Schattenspiele, alles bloße Einbildung, sein übermüdeter Verstand spielte ihm Streiche.
Aber jetzt hatte er beinahe seine eigene Schwester angegriffen, ohne sich dessen überhaupt bewusst zu sein.

Das Pochen hinter seinen Augen wurde schlimmer. Chris presste seine Augenlider fest aufeinander, als wolle er die Welt um sich herum ausblenden. Seine Hand vergrub sich in seinen Haaren und zog an einem Schopf, nur um sicher zu gehen, dass er den Schmerz auch noch spürte und nicht komplett den Verstand verlor.

„Chris?“, hörte er wieder diese Stimme besorgt sagen. Es dauerte einen Augenblick, bis er wieder wusste, dass es Melinda war, die in gebückter Haltung vor ihm stand und ihn voller Sorge in ihren Augen ansah. Chris musste ein paar Mal blinzeln, bis ihr Gesicht nicht mehr verschwommen vor ihm tanzte.

„Was ist los mit dir?“, fragte sie schließlich mit scharfer Stimme. Über den Ton war Chris etwas überrascht. Innerhalb von ein paar Sekunden schien Melindas Stimmung völlig umgeschlagen zu sein. Wo vorher noch Sorge in ihrer Stimme war, klang sie jetzt wütend. Hatte er sie verärgert?

Kopfschüttelnd richtete sich Melinda wieder auf. „Ist doch alles unglaublich“, seufzte sie.
Chris starrte sie einfach nur an, völlig überfordert mit der Situation.

„Ist etwas passiert?“, fragte er deshalb vorsichtig nach. Allmählich hatte er das Gefühl etwas Wichtiges verpasst zu haben. Wenn er nur wüsste was.

„Nicht mehr, als sonst auch“, antwortete Melinda nur schulterzuckend. Sie wandte sich von ihrem Bruder ab und griff sich schnell einen Joghurt aus dem Kühlschrank, bevor sie Richtung Küchentür ging.

„Hey, wo ist Wyatt?“, fragte Chris, bevor er überhaupt realisiert, dass er die Worte ausgesprochen hatte. Er war immer noch sauer auf seinen Bruder, der Streit der vergangenen Nacht nagte noch immer an ihn. Aber es war so ungewohnt, dass Wyatt nicht hier war, nicht sofort wieder mit ihm sprach und ihren Streit vergaß.
Die beiden hatten sich noch nie wirklich gestritten. Es waren immer nur Kleinigkeiten gewesen, wie es unter Jungs nun mal üblich war. Aber nie waren sie ernsthaft aufeinander wütend gewesen. Jeder Streit hatte sich in 24 Stunden gelegt.

Es war ohne Wyatt so still im Haus, niemand der wie ein Elefant stampfend durchs Haus lief, niemand der sich unnötig laut unterhielt, der den Fernseher im Wohnzimmer viel zu laut stellte.
Wyatt war eine sehr laute Person, in allem was er tat. Ohne ihn, war es einfach zu leise.

Melinda verharrte in ihrer Position. Chris konnte sehen, wie sie den Plastikbecher in ihrer Hand viel zu stark drückte. Sie drehte sich nicht wieder zu ihm um.
„Wyatt hat anscheinend eine neue Freundin“, erzählte Melinda schließlich mit einem ironischen Lächeln. Chris sah ihren Rücken mit hochgezogenen Augenbrauen an. Davon wusste er gar nichts.

„Hab ihn gestern nach der Schule in der Stadt gesehen“, redete Melinda weiter, immer noch mit gekünstelter Stimme. „Er saß da mit ihr in einem Café. Hat mich gar nicht bemerkt, er war so vertieft in ein Gespräch mit ihr.“ Ihre Stimme wurde richtig bissig, sodass Chris sich zusammenreißen musste, nicht einen Schritt zurückzuweichen. Melinda warf ihm einen merkwürdigen Blick über ihre Schultern zu. Als würde sie etwas Bestimmtes von ihm erwarten, aber Chris wusste beim besten Willen nicht was.

„Ist es eigentlich normal geworden, in dieser Familie Geheimnisse zu  bewahren?“ Sie seufzte und verließ Kopfschüttelnd den Raum. „Ich muss lernen, stör mich nicht“, rief sie noch schnell zurück, dann war sie weg.

Perplex stand Chris da. So ein Verhalten war er von seiner Schwester nicht gewohnt und um ehrlich zu sein, waren ihre bissigen Kommentare verletzend.
Er blieb einen Augenblick still stehen, nicht ganz sicher, was gerade geschehen war. Warum um alles in der Welt, benahmen sich alle so merkwürdig?

Letztendlich brachte auch langes Grübeln Chris keine Antwort, also beschloss er sich zunächst einmal seinen eigenen Problemen zu widmen. Denn davon hatte er wirklich genug.
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