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The Art of Breaking (Rewrite)

GeschichteDrama, Familie / P16 / Gen
Bianca Chris Halliwell Leo Wyatt Piper Halliwell Wyatt Matthew Halliwell
01.08.2014
07.08.2018
8
28.785
2
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Dieses Kapitel
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01.08.2014 3.049
 
The Art of Breaking
Kapitel 3
A Broken Man

Und es geht weiter :)
Vielen Dank an Alana, fürs Review zum letzten Kapitel. Ich bin noch nicht dazu gekommen, persönlich zu antworten, also mach ich das einfach hier^^
Keine Sorge, solange mein Computer mich nicht wieder im Stich lässt, sollte es immer alle zwei Wochen ein neues Kapitel geben. Ich hoffe das ist in Ordnung so für alle.

Viel Spaß beim Lesen, lasst mich wissen, was ihr denkt.

R&R


Nothing left but a broken man
Terrified of everything
Nothing left of his foolish pride,
His fond memories slowly die, then
As he wakes again alone
Still a prisoner in his home

Ready to allow the dark to
Penetrate his broken heart
Disturbed – The Infection






Die Schatten an den Wänden tanzten und bewegten sich wie von selbst. Keine Lichtquelle erhellte den Raum.
Es war tief in der Nacht und alle Bewohner dieses Hauses waren tief und fest in Schlaf versunken. Niemand würde sie stören, niemand würde sich ihr in den Weg stellen, niemand würde überhaupt bemerken, dass sie hier war. Es war ihr größter Vorteil.

Lautes Schnarchen lenkte ihre Aufmerksamkeit auf das Bett, oder viel mehr die Person die dort schlief. Die Bettdecke war wohl im Schlaf zur Seite getreten worden und nun lag er in einer merkwürdig verdrehten Lage auf dem Bauch und schnarchte in sein Kopfkissen.
Im Schlaf war Wyatt Halliwell keine Bedrohung, wirkte ja fast noch wie ein Kind, wie er dort friedlich und ungestört schlief. Nach allem was sie beobachtete hatte, war er ein recht unruhiger Schläfer, immerzu bewegte er sich und machte Geräusche. Zu Anfang hatte sie stets gefürchtet er würde aufwachen und sie bemerken. Aber nach nur kurzer Zeit war ihr klar geworden, wie fest sein Schlaf tatsächlich war. In gewisser Weise vereinfachte es ihre Mission und sie hatte nach und nach an Selbstsicherheit gewonnen. Mittlerweile war es ja schon fast zu einfach.
Er würde keine Gefahr für sie darstellen. Nein, jetzt bestimmt nicht.

Ihre Hand glitt langsam an der Wand entlang, suchend. Im sonst kalten Gemäuer fand sie die eine Wärmequelle, die ihr so vieles vereinfacht hatte. Als sie ihre Hand wieder zurückzog, folgte ihr ein schwach leuchtender Gegenstand. Er folgte ihrer Handbewegung, hinaus aus der Wand und fiel schließlich in ihre Hand. In ihrer offenen Handfläche lag er nun, ein roter Kristall, kaum länger als ihr Zeigefinger.
Die Kräfte des Kristalls schwanden, sein Leuchten verblasste und die Wärme war schon fast gänzlich verschwunden. Innerhalb weniger Sekunden war er bereits soweit abgekühlt, dass er in sich zusammenfiel. Seine Kraft war aufgebraucht und ohne großes Bedauern, ließ sie den zu Staub verfallenen Kristall zu Boden fallen. Die Wirkung dieses kleinen Kristalles war beeindruckend, doch dieser hatte bereits schnell seine Kräfte aufgebraucht.
Vielmehr war sie von Wyatt Halliwells Willen erstaunt. Ein normaler Mann, oder auch Hexe, wäre schon längst der Macht des Kristalls verfallen. Und obwohl sich seine Wirkung zu zeigen begann, war sie deutlich nicht so stark wie sie es erwartet hatte. Er hatte eine erstaunliche Resistenz gegenüber dieser Macht. Aber es würde nicht mehr lange dauern, da würde auch er ihrer Macht unterliegen.
Auch mit dieser kleinen Störung würde sie fertig werden, um nichts auf dieser Welt würde sie sich von ihrem Plan abbringen lassen.

Aus ihrer Tasche holte sie einen neuen Kristall hervor, er war größer als der, den sie aus der Wand gezogen hatte, und er strahlte in einem dunklen Rot. Eine höhere Dosierung würde das Problem aus der Welt schaffen. Wieder fuhr sie eine Hand über die Wand, der Kristall wurde von der Wand absorbiert und verschwand. Sie ließ ein zufriedenes Lächeln ihre Lippen streifen.

Ihre Spezialität nannte sie es, aber in Wirklichkeit stammte die Idee nicht von ihr. Sie hatte sie von einem alten Hexenmeister, aber er würde sich wohl kaum beschweren können, dass sie ihm seine Erfindung geklaut hatte.
Die Idee hinter dem roten Kristall war recht simple, aber dennoch hoch effektiv. In ihm wurde ein Zauber festgehalten, der immer stufenweise seine Wirkung frei ließ. Der Zauber war so konstruiert, dass er die Gefühle der Person verstärkte, die ihm ausgesetzt war. Dieser spezielle Kristall verstärkte negative Gefühle, wie Wut, Zorn, Ärger.
Aus ein wenig Verärgerung wuchs ein gewaltiger Zorn.
Und aus großem Zorn wuchs gewaltiger Hass.
Und es war genau der Effekt, den sie so dringend benötigte.

Weiter beachtete sie die schlafende Person nicht mehr, er war nicht weiter wichtig, nicht so bedeutend. Hier war sie fertig und sie wollte sich nicht länger aufhalten lassen.
Wieder betrat sie die Schatten, die ihr ein stilles Verschwinden ermöglichten. Ein netter kleiner Trick, den sie einst gelernt hatte. In der Unterwelt gab es immer etwas zu lernen.
Die Schatten schufen einen Durchgang für sie und als sie wieder aus ihnen heraus trat, fand sie sich in einem anderen Zimmer wieder. Sie musste kein Risiko eingehen unnötige Geräusche beim Öffnen von Türen zu machen.
Dieses Schlafzimmer unterschied sich vom Zimmer des älteren Bruders so stark, wie die Persönlichkeiten der beiden. Seit ihrem letzten Besuch hatte sich hier nicht viel verändert, aber ihre Aufmerksamkeit galt etwas anderem.

Sie schlich sich ans Bett heran, diesmal so viel vorsichtiger. Ihre Vorfreude wuchs, je näher sie kam. Es war schon fast ein freudiges Lächeln, welches zaghaft ihre Lippen umspielte, als sie die schlafende Person betrachtete. Noch schlief er friedlich vor sich hin, wusste nichts von ihrer Anwesenheit, oder ihren Plänen für ihn. Noch war er sorgenlos und einen Augenblick nahm sie sich die Zeit, ihn genau zu mustern. Seine braunen Haare waren vom Schlaf durcheinander und einige Strähnen fielen über seine Augen. Wie gern hätte sie diese grünen Tiefen erblickt, aber noch konnte sie es nicht riskieren. Seine Brust hob und sank sich regelmäßig, zu gern hätte sie die Bettdecke, in die er sicher eingewickelt war, zur Seite gerissen, um zu sehen was sich unter ihr verbarg. Aber wieder riss sie sich zusammen. Es war zu riskant, noch ein wenig Geduld musste sie aufbringen.
Fast schon wie von selbst streckte sie eine Hand nach ihm aus, strich ihm sanft über die Stirn und schob einige weiche Haarsträhnen beiseite. Ihre Hand verharrte in ihrer Position und ein Lächeln schlich über ihre Lippen, als er sich unbewusst und im Tiefschlaf an ihre Handfläche schmiegte.
Sie konnte seine Wärme spüren und auch ihr schoss eine unbekannte Wärme in ihre Wangen.

Schnell zog sie ihre Hand zurück, versuchte sein Geräusch des Verlustes zu ignorieren, als die Hand die ihn noch eben gestreichelt hatte verschwand. Nein, sie konnte es sich nicht erlauben leichtsinnig zu werden. Zu viel hing hiervon ab.
Geduld, rief sie sich immer wieder innerlich zu.

Wieder beugte sie sich näher zu ihm herunter, vermied allerdings jede Berührung. Nein, diesmal würde sie sich nicht verführen lassen. Ihre Lippen waren seinem Ohr so nah, sie konnte seine Wärme fast spüren, seinen Geruch wahrnehmen. Tief atmete sie ein, genoss diesen Moment, wollte ihn in ihr Gedächtnis einbrennen, ihn niemals vergessen. Dann sammelte sie sich und begann dunkle Worte in sein Ohr zu flüstern. Die Schatten reagierten auf ihre Worte, begannen zu tanzen, aber ihre ganze Aufmerksamkeit lag auf dem schlafenden jungen Mann vor ihr.

Auch wenn er sie in seinem schlafenden Zustand nicht hören konnte, nahm sein Unterbewusstsein ihre Worte dennoch war und reagierte dementsprechend. Allmählich wurde sein Schlaf unruhiger und seine Stirn legte sich in Falten, als dunkle Träume ihre dreckigen Finger nach ihm ausstreckten.
Langsam entfernte sie sich wieder von ihm, der Blick den sie ihm zuwarf wirkte besorgt, schon fast bemitleidend. Sie wollte ihn nicht leiden sehen, doch es war nötig. Ihr Plan, alles was sie hatte, hing davon ab, von seinem Schmerz.
Später, sobald alles soweit war, würde sie es wieder gut machen.
Im Stillen versprach sie es ihm und mit einem letzten Blick auf ihn, wie er nun begann mit einem unsichtbaren Grauen zu kämpfen, trat sie in die tanzenden Schatten und verschwand.


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Zuerst träumte er von dem Ausblick, den man hatten, wenn man auf den Pfeilern der Golden Gate Bridge stand. Wie die Stadt vor einem lag, selbst in dunkler Nacht von tausenden Lichtern erhellt.
Es war so normal, so selbstverständlich, hier oben zu stehen, dass ihm auf den ersten Blick nichts Ungewöhnliches auffiel. Bis er genauer hin sah.
Auch in dieser Nacht war die Stadt erleuchtet, doch von den Flammen der Zerstörung, wie sie alles niederbrannten. Selbst hier oben, soweit vom Chaos entfernt war deutlich zu sehen, wie alles lichterloh brannte. Und der Gestank, der vom Wind herüber getragen wurde, hätte wohl einen jeden in die Knie gezwungen.

Er stand reglos dar, sah sich dieses Schauspiel stumm und heimlich an. Es war alles was er tun konnte, es war das mindeste, dass er ansah was er angerichtet hatte. Was er zugelassen hatte.

Die Zeit war bald um, er konnte nicht lange bleiben. Konnte es nie. Aber fast jede Minute seines sogenannten  ‚Freiganges‘ verbrachte er an diesen Orten. All die Städte die wegen ihm brannte, die wegen ihm zu Asche zerfielen. All die Zerstörung die er nicht verhindern konnte. Zu Anfang hatte er sich noch die Namen der Städte merken können, die ersten die nach San Francisco fielen. Bis irgendwann die Übergriffe, die Feuer, die Grenzen von Kalifornien überschritten und die Liste einfach viel zu lang wurde.
Dennoch hatte er es sich zur Aufgabe gemacht, einige wichtige Städte immer wieder zu besuchen. Mal brannten sie noch, manche waren gänzlich verwüstet, in anderen wurde bereits das neue System eingeführt. Wieder andere kämpften noch. Mutig und hoffnungslos zugleich. Die Dummheit der Menschen sollte ihn nicht so beeindrucken.

Viel Zeit hatte er nie, es war nie genug um alles zu sehen. Aber es war die einzige Zeit, in der er wenigstens so tun konnte, als wäre er frei.
Sie verging viel zu schnell.

Und jedes Mal kehrte er freiwillig zurück, um von stählernen Gemäuern und Toren eingesperrt zu werden.


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Manchmal, wenn er dort oben stand und in den Abgrund hinabguckte, fragte er sich was wohl wäre, würde er fallen. Nur einen Schritt zu weit nach vorne gehen und einfach über die Kante gehen. Einfach auf den Aufprall warten. Im Kopf war er es schon einmal durchgegangen, er wusste wie lange der Fall etwa dauern würde, hatte es schon mehrfach berechnet. Tatsächlich hatte er einmal den Versuch gewagt. Es waren wirklich kaum mehr als 5 Sekunden gewesen. Doch so kurz vor dem Aufprall hatte ihn die Panik erfasst und instinktiv war er in hellen Lichtern verschwunden. Die letzten Zentimeter war er auf sein Bett gefallen, doch die Panik wollte nicht verschwinden. Erst als Wyatt kam und ihn anschrie und verfluchte und ihn schließlich ganz fest an sich drückte und ihn anflehte, ihn nie zu verlassen, hatte Chris sich beruhigen können.
Der Vorfall lag nun schon einige Zeit zurück, doch manchmal erwischte er sich dabei, wie er wieder daran dachte.
Was Wyatt wohl tun würde, wenn er das nächste Mal einfach die vollen 5 Sekunden, bis zum Aufprall abwarten würde?


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Des Nachts lag er in seinem viel zu großem Bett und kämpfte jämmerlich gegen die Kälte. Auch noch so viele Decken, in denen er sich einwickelte, schienen nicht genügend Wärme zu spenden. Die Nächte waren kalt geworden, die Tage nicht viel wärmer. Allmählich verlor er jedes Empfinden, selbst Unterschiede in der Temperatur konnte er nur schwach wahrnehmen. Es war als würde er langsam taub und abgestumpft für alles um ihn herum werden. Er starb jeden Tag ein wenig mehr.


Er bevorzugte die brennenden Städte, immerhin vermochten ihre Feuer noch ihn ein wenig zu wärmen.


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Die Wände waren karg und kalt. Dieser Gang wurde nur von hellen Lampen, die in der Decke eingelassen waren, erhellt, doch das Licht, dass sie spendeten wirkte kalt. Alles war sehr spartanisch gehalten, was keinen Nutzen hatte, hatte auch hier nichts zu suchen. Und dennoch war der Gänge ungewöhnlich lang und jeder seiner Schritte hallte von den Wänden wieder. Mit jedem Schritt schlug sein Herz schneller, wurde er immer nervöser und wütender zugleich.

Der Gang zog sich verlassen vor ihm hin, hier würde ihm niemand entgegen kommen und wer dumm genug war, sich ihm in den Weg zustellen musste mit seinem Zorn rechnen. Es lohnte sich nicht, ihn herauszufordern wenn er wütend war.
Hier war niemand und dennoch fühlte er sich jedes Mal so als würden hundert Augen seinen Schritten folgen. Jede seiner Bewegungen zu sehen und sofort Bericht zu erstatten. Womöglich war es auch nur die Paranoia, die ihn überall hin zu begleiten schien.

Er hasste diesen Gang, denn er führte nur zu einem Ort. Jedes Mal versuchte er diesen Ort zu meiden, das Haus war schließlich groß genug, doch auf Dauer konnte er ihm nicht entkommen. Er musste verflucht sein. Auch heute führte kein Weg an dem Raum, der am Ende des Ganges auf ihn wartete, vorbei und Chris sah sich gezwungen ihn zu betreten.

Es war wohl gut, dass er niemand begegnete. Bestimmt hatten sie schon alle vor ihm die Flucht ergriffen, es war das einzig sinnvolle wenn Lord Christopher wutentbrannt durch die Flure schritt.
In seiner Hand hielt er einen Fetzen Papier, den er vor dem Müll bewahrt hatte. Ein unbedeutender Zeitungsartikel und doch brachte er sein Blut zum Kochen.
Seine Hand zur Faust geballt, den Papierfetzten zerknüllt, schritt er weiter den endlos erscheinenden Gang entlang. Was er nicht alles tat für ein paar Antworten.

Wie konnte er?
Wie konnte er es wagen?

Hohe Stahltüren erschienen vor ihm, genauso schmucklos wie alles andere machten sie aber dennoch einen mächtigen Eindruck, wie sich die dicken Türen nach hoch oben erstreckten.

Vor den Türen waren keine Wachen postiert. Warum auch?

Entschlossen stieß er die Türen auf, ihr Gewicht war kein Hindernis für seine telekinetischen Kräfte. Gespräche starben abrupt ab und die Stille die einkehrte war ohrenbetäubend. Da saß er nun, umgeben von einigen seiner Berater und Chris wollte gar nicht darüber nachdenken, wovon sie wohl sprachen. Er hatte schon vor einiger Zeit aufgehört sich für diese Dinge zu interessieren. Nachdem die ersten Gespräche über Angriffe, Hinterhalte und das Auslöschen ganzer Völkergruppen ihn beinahe in den Wahnsinn getrieben hatten.

Desinteressierte blaue Augen blickten zu ihm, während ein Großteil der Dämonen seinen Blick mied. Ansonsten ließ sich Wyatt nicht von seinem Eintreten beirren, er blieb gemütlich in seinem hohen Stuhl sitzen und versuchte nicht einmal die Karten und Pläne, die ausgebreitet vor ihm lagen zu verbergen. Er musste doch wissen, dass Chris diesen Plänen niemals zustimmen würde. Wann hatte er eigentlich aufgehört, ihn um seine Meinung in diesen Angelegenheiten zu fragen?

Erst als Chris nur wenige Schritte vor seinen Bruder stehen blieb, konnte er die Gleichgültigkeit in seinen Augen lesen. Manchmal verschlug selbst ihm diese Kälte in den Augen dieses Mannes, den er einst so gut kannte, er früher so viel Wärme ausgestrahlt hatte, den Atem.
Wie hatte es soweit kommen können?
Er hatte doch so viel getan, um genau dies zu verhindern. Doch scheinbar waren seine Mühen umsonst gewesen. Zu wenig, zu spät.

Chris wusste, er hätte es kommen sehen müssen. Doch er hatte die Augen vor der Wahrheit verschlossen, hatte naiv an den Glauben gehangen, dass es noch nicht so weit gekommen war, dass er noch nicht zu spät war, dass es noch eine Chance gab. Er hätte es wirklich besser wissen müssen.
Der Zeitungsartikel in seiner Hand, war nur der letzte Tropfen der nötig war, um das Fass zum überlaufen zu bringen.

So tief in Gedanken, in dieser Einsicht, versunken war er, dass er kaum bemerkte, wie Wyatt die Dämonen fort schickte. Die Stille erstreckte sich weiter, Wyatts Blick brannte auf seiner Haut und Chris hielt es nicht mehr aus.

Er warf das Stück Papier auf den Tisch, auf alle noch so wichtigen Pläne und Aufzeichnungen, direkt vor Wyatts Augen. Der Artikel stach direkt hervor, so war er groß auf der Titelseite abgedruckt. Das Bild zeigte ein wohlbekanntes Haus, mit gepflegtem Vorgarten, Schildern die vor ihm aufgestellt worden waren, und kunstvolle Zäune, die es einrahmten. Die Schlagzeile verkündete in großen Buchstaben:

Eröffnung des Halliwell Museums!

„Was soll das?“, zischte Chris zwischen zusammengepressten Zähnen hervor, Zorn schwang in seiner Stimme mit.

Wyatt sah kurz zu dem Artikel, dann wieder hoch zu ihm, eine Augenbraue hochgezogen, als würde er nicht verstehen. Es machte Chris nur noch wütender.
„Warum hast du das getan?“, verlangte Chris zu wissen. Er stützte seine Arme auf dem Tisch ab und beugte sich näher zu dem älteren Mann herunter. Ihre Blicke trafen sich, heißes, brennendes Grün und eiskaltes Blau. „Warum hast du mir davon nichts gesagt?“

Wyatt lehnte sich in die Polsterung seines Stuhls zurück und verschränkte sein Arme vor seiner Brust. Mit einer Antwort ließ er sich Zeit und Chris spürte wie jede Sekunde schmerzhaft verstrich.
„Weil ich wusste, dass du dagegen sein würdest“, antwortete Wyatt schließlich simpel, ohne damit auch nur das Geringste zu erklären. Darin war er gut.

„Natürlich bin ich dagegen!“, brachte Chris hervor. „Das ist unser zuhause!“
Er sprach unbewusst in der Gegenwart, denn vollkommen egal was auch passiert war, dieses Haus würde auf immer sein zuhause bleiben. Immerhin war er dort aufgewachsen, für Chris konnte kein anderer Ort dieses Gefühl der Sicherheit, der Geborgenheit, bieten. Er deutet auf das Bild des Hauses, an dem noch so viele Erinnerungen hingen, gute wie auch schlechte. Das Haus, das ihm so viel bedeutete und das Wyatt für seine unsinnigen Zwecke missbrauchte.

„Nein“, begann Wyatt und zum ersten Mal seit langem, konnte Chris eine anderen Emotion als Gleichgültigkeit oder Wut in seiner Stimme hören. Es lief ihm kalt den Rücken herunter. Er war aufgestanden und hatte die Arme weit ausgebreitet, als wolle er den ganzen Raum, das ganze Gebäude, die ganze Welt umfassen. „Das ist jetzt unser Zuhause!“

Chris konnte nicht sagen was es war, aber seine Beine schienen ihn nicht mehr aufrecht halten zu können. Überwältigt ließ er sich in den nächstbesten Stuhl fallen. Ihm blieb die Sprache weg, was hätte er denn auch schon groß antworten können.
Doch in diesem Augenblick war etwas mit ihm geschehen, nur wurde es ihm erst später bewusst.


Nach allem was zuvor geschehen war, schien es ein wenig lächerlich zu sein, dass ausgerechnet dieses Ereignis, im Vergleich zu den anderen, so unwichtig, den Ausschlag für Chris gab.



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Als er mit einem erstickten Laut aufwachte und kerzengrade im Bett saß, rann der Schweiß von seiner Stirn und er hörte noch das Echo einer Stimme. Es verklang noch bevor ihm bewusst wurde, ob die Stimme aus seinen Träumen kam oder nicht.
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