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The Art of Breaking (Rewrite)

GeschichteDrama, Familie / P16 / Gen
Bianca Chris Halliwell Leo Wyatt Piper Halliwell Wyatt Matthew Halliwell
01.08.2014
07.08.2018
8
28.785
2
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Dieses Kapitel
1 Review
 
01.08.2014 3.023
 

The Art of Breaking
Kapitel 1
Let’s begin

AN.: Sooo und bevor ich nun zum Ende der Ferien in meinen ‚wohlverdienten‘ (*hust*) Kurzurlaub gehe, lass ich euch das 2te Kapitel da.
Einige Szenen ähneln noch sehr der ersten Version, obwohl ich schon einiges geändert und ausgebessert hab. Die wirklich großen Veränderungen kommen erst später, aber ich hoffe dieses Kapitel gefällt euch trotzdem.
Wie immer, ich würde mich über Feedback freuen (Dank an Alana fürs erste Review!)
Weiter geht’s dann, wenn ich wieder da bin.

R&R




What a shame we all became
Such fragile broken things
A memory remains
Just a tiny spark
I give it all my oxygen
To let the flames begin
Paramore - Let the Flames begin





Chris hatte in der vergangenen Nacht kein Auge mehr zugekriegt. Nachdem Wyatt ihn zurück ins Haus geschleppt hatte, war ihm der Gedanke an Schlaf gar nicht erst gekommen. Immer wenn er die Augen schloss, sah er die Bilder wieder vor sich.
Seine Träume hatten schemenhaft angefangen, nach dem Aufwachen konnte er sich meist schon nicht mehr an sie erinnern. Doch seit einiger Zeit wurden sie immer deutlicher. Wo zu Beginn nur dunkle Fetzen und wage Gestalten sichtbar waren, konnte er mittlerweile so viele Details ausmachen, Regungen und Emotionen so deutlich spüren, als wären es seine eigenen. Als hätte er diese Dinge selbst erlebt.
Sie jagten ihm ungemein Angst ein, einfach weil er sich nicht erklären konnte, warum er von solchen Dingen träumte. Teilweise waren sie zu real, wirkten zu echt und es fiel schwer zwischen Traum und Wirklichkeit zu unterscheiden. Aber der Gedanke war dumm, die Dinge von denen er träumte waren nie geschehen. Es waren nur Träume, nichts weiter.  
Bilder von Feuer, das alles niederbrannte und selbst leere Straßen durchzog. Gebäude, die in sich zusammenfielen, zerstört durch seine eigene Hand. Schmerzerfüllte und panische Schreie und der Geruch von Verbranntem.


Er hatte die restliche Nacht auf dem Dachboden mit einem Buch verbracht, in sein Zimmer hatte er sich nicht zurück gewagt. Aus irgendeinem Grund hatte er immer öfter das Gefühl, als würden die Wände sich auf ihn zu bewegen, als hätte er keinen Platz mehr zu atmen. Der Gedanke war merkwürdig, es war sein Kinderzimmer, er hatte immer schon ruhig dort schlafen können. Es war sein Zimmer in seinem Zuhause und dennoch, etwas hielt ihn davon ab Schlaf zu finden. Auf dem Dachboden fand er immer genügend Platz, umgeben von alten Andenken, die seit Generationen angesammelt wurden, fühlte er sich sicherer, behütet.

Als er nach einigen Stunden hörte wie auf die anderen Bewohner des Hauses erwachten und ihren Tag begannen, empfand es Chris als gute Gelegenheit ebenfalls den Tag zu beginnen. Er machte sich auf dem Weg nach unten, begrüßte in der Küche seine Eltern und bediente sich am frisch gekochten Kaffee, immer dabei so tuend, als wäre er gerade erst aufgestanden. Seine Eltern mussten nicht wissen, dass er eine weiter Nacht größten Teils schlaflos verbracht hatte.
Weder Piper noch Leo waren verwundert, dass er schon so früh wach war. Er war immer schon ein Frühaussteher gewesen, nur wusste niemand wie wenig er wirklich schlief.

Sich um die Uhrzeit aus dem Haus zu stehlen, war ebenfalls keine Schwierigkeit gewesen. Nur weil er im Moment keine Vorlesungen hatte, hieß dies noch lange nicht, dass er nichts zu tun hatte.

Und nun saß er im Hinterzimmer des P3 über einen Haufen Papiere gebeugt.
Nachdem Piper ihr Restaurant eröffnet hatte, musste sie ihre Zeit gut einteilen und konnte sich nicht mehr so ausgiebig wie sonst um den Nachtclub kümmern. Als die beiden alt genug dafür waren, hatten Chris und Wyatt die Führung des Clubs übernommen, inoffiziell verstand sich. Piper nannte es eine gute Übung um den beiden eine wenig Verantwortung  beizubringen.
Chris übernahm hauptsächlich die Aufgaben des Clubs, von der Organisation der Getränke, Bandauftritte und alles was dazu gehörte. Wyatt war in diesen Dingen nicht gerade der Zuverlässigste.

Aber diesmal brütete er nicht über Organisatorische Probleme, heute waren es persönliche Gründe die ihn in den tagsüber leeren Nachtclub getrieben hatten. Hier musste er sich keine Sorgen machen, von einem Familienmitglied überrascht zu werden. Es gab nur eine Person, die ihn hier suchen würde.

Chris schloss die Augen und genoss einen Moment lang die Stille. Es war immer schwer einen Ort der Ruhe zu finden, bei einer so großen Familie. Er lehnte sich zurück, in die weichen Kissen der Couch. Bevor ihn die Bilder der vergangen Nacht einholen konnte, spürte er wie die Luft neben ihn sich zusammen zog und er öffnete wieder die Augen. Er erblickte ein lächelndes Gesicht, da war jemand über ihn gebeugt. Ihre dunkel braunen Augen sahen ihn spielerisch an.
„Hey“, war seine kurze Begrüßung bevor er Bianca ganz zu sich herunter zog. Nach einigen Versuchen lagen die beiden halbwegs angenehm auf der doch recht kleinen Couch, Bianca halb über ihn liegend.

Sie sah zu ihm herunter, musterte jeden Zentimeter seines Gesichts. Mit dem Ergebnis sichtlich nicht zufrieden, blickte sie ihn streng an. Seine Augenringe waren ihr nicht entgangen. „Chris“, setzte sie an und er musste unweigerlich zusammen zucken. Er hasste diesen Tonfall. „Du hast schon wieder nicht geschlafen.“

„Das ist nicht ganz wahr“, versuchte Chris sich heraus zureden, er wusste es war ein verzweifelter Versuch. „Ich hab geschlafen, für ein paar Stunden.“
Mit hochgezogenen Augenbrauen sah Bianca ihn ungläubig an, er mied ihren Blick und murmelte eine kleine Entschuldigung. Er wollte sie nicht unnötig sorgen.
„So geht das doch nicht weiter“, meinte Bianca seufzend. Sie kletterte von ihm herunter und setzte sich an ein Ende der Couch, Chris zog sich ebenfalls hoch und setzte sich dicht neben sie.
„Ich weiß“, gab er abweisend zu. Er wollte dieses Thema jetzt nicht anschneiden. Seine Albträume waren nichts ernstes, nur schlechter Träume, kein Grund für Sorgen. Doch er wusste, dass Bianca darauf beharren würde, solange er sie nicht ablenkte.

Entschlossen griff er nach einem der vielen Papiere, die verstreut auf dem kleinen Tisch lagen und hielt es ihr unter die Nase. „Schau her“, forderte er sie mit einem Lächeln auf.
Etwas irritiert nahm sie das Blatt und las es konzentriert durch. Chris beobachtete sie dabei und bemerkte diese eine Haarsträhne die ihr immer wieder ins Gesicht fiel. Mit einem sanften Lächeln auf den Lippen strich er vorsichtig die Strähne ihres langen, braunen Haars hinter ihr Ohr. „Lass das“, meinte sie und griff nach seiner Hand, doch anstatt sie wegzuschieben, hielt sie seine fest. Ihre umschlungenen Hände ruhten auf Biancas Oberschenkel und bei dem Anblick spürte Chris, wie ein warmes Gefühl sich in seiner Brust ausbreitete.

Schließlich nickte Bianca beeindruckt und sah von dem Blatt Papier auf. „Das hört sich doch super an.“
„Findest du?“, fragte Chris nach und blickte knapp an ihren Augen vorbei. „Ich war mir nicht ganz sicher.“
„Warum nicht?“ Das Angebot war wie für sie gemacht, lag in einer guten Gegend, in der Nähe der Uni, bot genügend Platz und war vor allem bezahlbar. Eine schöne Wohnung, nur für sie zwei.
„Ich weiß auch nicht“, meinte Chris schulterzuckend. „Wahrscheinlich nur die Familienparanoia.“ Es war schon immer eine Regel im Halliwell Haushalt gewesen, wenn etwas so gut erschien, war bestimmt etwas faul daran. Es hatte sich zu einer echten Paranoia entwickelt.
Bianca schmunzelte. „Das hätt‘ uns gerade noch gefehlt.“ Doch dann wurde ihr Gesichtsausdruck ernster. „Hast du schon mit ihnen darüber gesprochen?“

Chris‘ Lächeln verschwand, wieder mied er ihren Blick. „Nein“, gestand er seufzend. Es gab eigentlich keinen Grund für sein Zögern, aber es fiel ihm unglaublich schwer mit seiner Familie über seine Pläne zu sprechen. Wie sollte er ihnen erklären, dass er ausziehen wollte. Zusammen mit Bianca leben wollte, von der niemand wusste. Wie sollte er seiner Familie erklären, dass er nun schon seit über 2 Jahren mit der Phönix-Hexe zusammen war und das ihre erste Begegnung nicht ganz ungefährlich verlaufen war?
Er hatte viel zu viele Geheimnisse vor seiner Familie.

Biancas Gesichtsausdruck war nicht direkt enttäuscht, sie verstand seine Gründe und auf eine Vorstellungsrunde mit den Mächtigen Drei hatte sie auch nicht unbedingt Lust. Manchmal wünschte sie sich allerdings, ein Leben ohne diese ganze Geheimniskrämerei. Chris wurde traurig, als er ihr Gesicht sah. Er konnte sich nicht helfen, er wollte stolz mit ihr seiner Familie gegenüber treten, aber er wusste wie gefährlich das war. Um nichts würde er ihre Sicherheit gefährden.

„Ich werde mit ihnen reden, okay?“, versprach Chris, denn er wusste was er wollte. „Aber erst gucken wir uns die Wohnung an und wenn sie dir gefällt, nehmen wir sie.“
Bianca musste lachen. Sie sah ihn mit gespielter Skepsis an. „Und wenn sie dir nicht gefällt?“
Chris gab sich nachdenklich, der Eindruck wurde allerdings von seinem Grinsen zerstört. „Dann haben wir natürlich ein Problem.“

Als Antwort wurde er von Bianca geküsst. Mit ihr zusammen zu sein, hatte seine Laune stark verbessert.


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Am späten Nachmittag kehrte Chris ins Halliwell Manor zurück. Er und Bianca hatten einen Termin mit dem Vermieter für den morgigen Tag gemacht und hatten danach noch ein wenig auf dem Sofa gelegen. Es hatte ihm gut getan ihr so nah zu sein, doch ihr Frieden wurde gestört, als Bianca von ihrer Mutter gerufen wurde. Scheinbar war es etwas wichtiges, doch Chris hatte nicht nachgefragt. Biancas Vergangenheit und die Berufung ihrer Mutter waren Tabuthemen, die nur angesprochen wurden, wenn kein Weg daran vorbei führte und selbst dann, waren es für beide sehr unangenehme Gespräche.

Im Haus wurde er von einer ungewohnten Stille begrüßt, niemand schien da zu sein.
„Jemand da?“, rief er ins Haus. Keine Antwort. Schulterzuckend steckte Chris seine Schlüssel wieder ein und machte sich auf den Weg ins Wohnzimmer. Er konnte sich schon denken wo alle waren. Seine Eltern waren wahrscheinlich beide noch arbeiten, oder waren auf andere Weise aufgehalten. Melinda hatte entweder noch Clubaktivitäten oder sie traf sich mit einigen Freundinnen. Blieb also nur noch Wyatt und wo der war konnte Chris sich denken.

Als er ins Wohnzimmer trat, konnte er leise Stimmen hören. Der Fernseher lief mit leiser gestellten Ton. Auf dem Couchtisch lagen allerhand Bücher, manche aufgeschlagen, andere zu kleinen Bergen aufgestapelt und beschriebene Papiere herum, es herrschte eine allgemeine Unordnung. Und auf der Couch lag Wyatt ausgebreitet und schnarchte seelenruhig vor sich hin. Ein weiteres Buch lag auf seiner Brust, er musste wohl beim Lesen eingeschlafen sein.
Chris musste sich ein Lachen verkneifen, manchmal war sein Bruder einfach zu berechenbar. Er hatte zwar ebenso wie Chris zurzeit keine Vorlesungen, musste sich aber auf seine Prüfungen vorbereiten. Seit Tagen lag er allen damit in den Ohren, wie viel er doch für diese lernen musste und schließlich lag er auf der Couch und schlief. Super Art zu lernen.

Chris fasste sich ein Herz und wollte Wyatt von seinen Qualen erlösen, immerhin war das doch seine Aufgabe als guter Bruder- und Chris hielt sich durchaus für einen. Wenn er doch lernen musste, sollte er seine Zeit nicht mit Schlafen vergeuden. Kurzerhand nahm er sich ein Kissen, welches auf einem Sessel lag und warf es Wyatt ins Gesicht.
Dieser schreckte aus seinem Schlaf hoch und noch etwas unkoordiniert und verschlafen, rollte er sich direkt vom Sofa herunter. Mit einem Plumps landete er unsanft auf dem Boden. Verwirrt blinzelte er sich den Schlaf aus seinen Augen.

Diesmal konnte Chris sich das Lachen nicht verkneifen.
„Gut geschlafen?“, fragte er lachend nach, während sein Bruder sich leise fluchend aufrichtete. Als er schließlich stand, fixierte er Chris mit einem bösen Blick, der Effekt wurde durch seine zerzausten Haare und den müden Blick in seinen Augen ruiniert, doch Chris war es plötzlich ganz anders. Das Lachen verschwand von seinem Gesicht, ohne das er sich erklären konnte warum sein Herz plötzlich anfing zu rasen.

„Das war unnötig“, murmelte Wyatt und bückte sich wieder, um das Buch aufzuheben, das mit ihm zu Boden gefallen war. Chris‘ Reaktion war ihm nicht aufgefallen. „Wo hast du schon wieder gesteckt?“

Chris schüttelte kurz seinen Kopf, womöglich um die Gedanken die ihm auf einmal kamen und total unsinnig waren abzuschütteln. Es war nur Einbildung. Es war nichts. Er hatte nur zu wenig geschlafen, deshalb spielte ihm sein übermüdetet Verstand einen Streich.
„Im Club“, antwortete er stattdessen auf Wyatts Frage und versuchte sich nichts anmerken zu lassen. Es war zu seinem Glück, dass Wyatt sich halbverschlafen wieder aufrichtete und sich keine Gedanken um Chris‘ Reaktionen machte. „Irgendjemand muss sich ja darum kümmern.“

Wyatt zuckte merklich zusammen, ein wenig fühlte er sich schon schuldig. Immerhin hatten er und Chris sich meistens die Arbeit geteilt, da es doch sehr umfangreich war einen Nachtclub zu führen und alles zu organisieren. Und er hatte es vollkommen vergessen.
„Oh, sorry“, begann er eine Entschuldigung. „Ich hab‘s total vergessen.“

„Ach, ist nicht schlimm“, antwortete Chris nur gelassen. „Wenn du zu viel zu tun hast, dann sag einfach Bescheid.“ Es machte ihn nichts aus sich um den Club zu kümmern, er erledigte sowieso die meiste Arbeit, Wyatt war in manchen Dingen nicht unbedingt die beste Hilfe. „Aber ich glaub, es lernt sich einfacher, wenn man nicht dabei schläft.“

Chris gab sich keine Mühe ein Lachen zu verkneifen, als Wyatt ihn mit demselben Kissen abwarf. Mit einem Lachen fing er es auf und warf es wieder auf den Sessel zurück, wo es hingehörte.
„Wirklich sehr witzig“, grummelte Wyatt, er ließ sich wieder auf die Couch fallen und suchte in seinem Buch die richtige Seite. „Und überhaupt, ist das nur deine Schuld gewesen.“

„Wie bitte?“, fragte Chris mit hochgezogenen Augenbrauen nach. „Meine Schuld? Du hast doch geschlafen.“

„Aber auch nur, weil ich die Nacht wegen dir nicht schlafen konnte“, erwiderte Wyatt.  Er musterte seinen Bruder, sah die dunklen Augenringe, doch aus irgendeinem Grund war es ihm im Moment egal. Dennoch wollte er mit Chris darüber reden. Er machte sich Sorgen, auch wenn es manchmal nicht so rüberkam. „Was war überhaupt schon wieder los?“

Es klang mehr wie ein Vorwurf, als nach einer Frage und Chris trat unbeholfen einen Schritt zurück. „Nichts“, antwortete er ausweichend. Er wollte wirklich nicht darüber reden.

„Chris“, fing Wyatt drohend an. „Gestern war nicht das erste Mal, das Ganze läuft schon 'ne ganze Weile so.“ Chris antwortete ihm nicht, sah nur zu Boden und vermied den Blickkontakt. Aus irgendeinem Grund, machte ihn das wütend.

„Chris, rede mit mir. Was ist los?“ Wyatt warf seinem Bruder einen auffordernden Blick zu, doch Chris ging nicht darauf ein. Eine Weile standen die beiden still schweigend so da. Wyatt wartete ungeduldig auf eine Antwort und Chris war nicht bereit diese zu liefern. Als Wyatt zu viel Zeit verstrichen war, in der er keine Antwort bekommen hatte, richtete er seine Aufmerksamkeit wieder auf seine Bücher. „Dann ist auch egal.“

Chris gefiel der Ton seines Bruders nicht, er klang so als hätte er ihn aufgegeben. „Wyatt, ich-“, versuchte er sich an einer Erklärung, aber ihm fielen nicht die richtigen Worte ein. Schließlich gab er es auf und verließ ein wenig enttäusch das Wohnzimmer.
Den Rest des Tages, sprachen die beiden kein Wort mehr miteinander.


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Die Unterwelt war ein dunkler und ungemütlicher Ort.
Doch mit ein wenig Kreativität und dem nötigen Ausstattungen, konnte man es einiger Maßen aushalten. Sie hatte nur das Beste aus der Menschenwelt herunter schaffen lassen, Edelmöbel, kunstvolle Teppiche und dergleichen. Besonders viel Wert hatte sie auf das extra große Bett gegeben, mit den Bezügen aus feinster Seide, in einem wunderbaren Rotton. Rot wie Blut.
Alles nur um ein klein wenig Komfort in dieser dunklen Höhle zu haben. Nur weil sie sich zu Zeit mit ein paar niederen Dämonen abgab, musste noch lange nicht ihre Bequemlichkeit darunter leiden.

Das Höhlengebilde das sie gewählt hatte, war für ihre Zwecke perfekt. Ein eigenes, kleines Labyrinth, in dem sich jeder Außenstehender verlaufen würde. Groß genug um für alle ihrer Anhänger platz zu bieten, aber nicht zu groß um Unerwünschte anzulocken. In gewisser Weise, hatte sie so ein klein wenig Privatsphäre, so abgeschattet, wie dieser Ort lag. Die Gänge waren ineinander verflochten und die meisten führten immer zu ihren Räumen zurück. Ihr kleines Reich, mit ihr selbst im Zentrum.

Die widerlichen Dämonen die zuvor hier gehaust hatte, waren einfach zu entsorgen gewesen. Jetzt gab es keine Spur mehr, die auf deren Existenz hinweisen würde. Wahrscheinlich hatte sie der Unterwelt damit sogar einen Gefallen getan.
Der kleine Dämonenclan, den sie um sich geschart hatte, interessierte sie ebenso wenig. Deren innere Strukturen und Beziehungen untereinander, waren ihr völlig egal. Sie waren nur Mittel zum Zweck und sobald sie ihre Aufgaben erfüllt hatten, war es auch egal was weiter mit ihnen geschah. Die doch recht überschaubare Anzahl Dämonen würde womöglich nicht ausreichen, aber es sollte sich nicht als ein Problem herausstellen, mehr für ihre Sache zu begeistern. Sie konnte sehr überzeugend sein wenn sie wollte.

Ihre Schritte hallten von den kahlen Wänden wieder, bis her waren nur ihre eigenen Räume voll möbliert und eingerichtet, alles andere war zweitrangig. Was ihre Gefolgschaft mit den von ihr zugeteilten Bereichen tat, interessierte sie nicht.

Sie hörte Schritten auf sie zukommen, sie schenkte dem Dämon der nun neben ihr herlief nur einen kurzen Blick. Sie erkannte ihn als den Obersten des Dämonenclans, konnte sich aber nicht an seinen Namen erinnern. Langes, dreckiges Haar umspielte sein von Zeit und Elend gezeichnetes Gesicht. Um einige Zentimeter war er größer, aber nicht halb so einschüchtern. Sie erinnerte sich nicht an die Namen von hässlichen Gesichtern.

„Wir werden ungeduldig“, sprach er und sie konnte hören, wie er versuchte streng und kraftvoll zu klingen. Über seinen Versuch hätte sie am liebsten gelacht. Doch sie riss sich zusammen, das kleine Lächeln konnte sie dennoch nicht verhindern. Es wurde immer boshafter, als sie an ihren Plan dachte.

„Habt ein wenig Geduld“, antworte sie und ging unbeirrt weite. Ärgerlich folgte der Dämon ihr. Sie wusste, dass ihr Plan nur langsam verlief, aber sie musste vorsichtig und genau planen, sonst drohte er zu scheitern und das konnte sie nicht zulassen. Zuviel hing von ihrem Erfolg ab. Sie würde nicht erlauben, dass ihr Plan scheiterte.

„Sei unbesorgt“, versprach sie dem Dämon. Wenn sie nur daran dachte, wurde sie von unbändiger Vorfreude erfüllt. Bei dem Anblick an ihr Lächeln und dem Leuchten in ihren Augen, lief es ihrem Gesprächspartner kalt den Rücken herunter. „Die nächste Phase beginnt bald.“

Das Warten hatte bald ein Ende, oh wie sie sich freute.
Es konnte endlich beginnen.
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