Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Die Rache des Blutengels

GeschichteDrama, Angst / P18
31.07.2014
31.07.2014
1
1.597
 
Alle Kapitel
2 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
 
 
31.07.2014 1.597
 
Diese Geschichte ist der Beitrag zum Wettbewerb "Blutengel" von AuctrixMundi. Vielen Dank für die tolle Idee. Es hat mir viel Spass gemacht, diese Geschichte zu schreiben und ich hoffe, ich bin nicht komplett am Thema vorbei :)
Wörter: 1548
Genre: Drama
Altersempfehlung: P18 (es wird ein bisschen blutig am Ende)



Konstantin wusste genau: der Blutengel hatte ihn gefunden. Erschöpft fiel er auf die Knie, darauf wartend, das der Vampir sein Leben beendete. Die Angst kroch in ihm hoch, sein Körper fing unkontrolliert an zu zucken und die Panik stand Konstantin ins Gesicht geschrieben. Eine Flucht war unmöglich, denn er war der letzte, der von den Schwarzen Falken noch übrig war. Noch wollte er sich seinem Schicksal nicht ergeben, obwohl er genau wusste, das er sein Leben vor neunzehn Jahren verwirkt hatte.

»Das können wir nicht machen!« startete Konstantin einen schwachen Protest. Er stand mit fünf anderen Mitgliedern der Schwarzen Falken vor einem zweistöckigen Haus und starrte auf die dunklen Fenster.
»Für Gewissensbisse ist es zu spät.« zischte Jarek. »Wir haben den Auftrag, die gesamte Familie zu töten und wir wurden dafür im Voraus bezahlt. Der Mann ist tot, bleiben also noch die Ehefrau und ihr Sohn. Bisher haben wir jeden Auftrag zur vollsten Zufriedenheit unserer Auftragsgeber erledigt und das werden wir auch diesmal tun.« Der Anführer sah sich um. Es war dunkel und vollkommen still.
»Wir teilen uns auf. Viktor geht in den Keller, Konstantin schaut im ersten Stock und ich bleibe im Erdgeschoss.« Dann zeigte Jarek auf Leo. »Du und Darren passt hier draussen auf, ob jemand kommt. Ihr wisst bescheid, was in so einem Fall zu tun ist.«

Fast geräuschlos schlichen Viktor, Konstantin und Jarek durch die Eingangstür. Während sich Viktor gleich zur Kellertreppe begab und Jarek in der angrenzenden Küche verschwand, ging Konstantin leise die Treppe nach oben. In der linken Hand hielt er einen Dolch. Ein Schnitt reichte um die Kehle eines Menschen zu durchtrennen. Kurz und schmerzlos war der Tod, den Konstantin schon so vielen gebracht hatte. Die meisten hatten es verdient, zu sterben und für die anderen wurde gut bezahlt.

Im ersten Stock gab es nur einen größeren Raum, das scheinbar als Schlafzimmer diente. Ein Blick ins Bett genügte, um zu sehen, das die Frau nicht hier war. Vorsichtig blickte er sich um. Alles hier war sauber und aufgeräumt. Konstantins Blick fiel auf eine Holztür am Ende des Raumes. Er ging leise auf sie zu und wartete einen kurzen Moment, bevor sie mit der einen Hand vorsichtig aufstieß. Es war ein kleines Zimmer, das nur von einer Kerze erhellt wurde. Es gab eine alte hölzerne Kommode und ein Bett, in dem der kleine Junge schlief. Konstantin trat vor das Bett und hob die Hand mit dem Dolch. Ein Kind, noch dazu eines, das erst drei Jahre alt war, zu töten war einfach. Kinder wehrten sich nicht. Konstantin setzte das Messer an der Kehle des Jungen an. Ein Schnitt und der Auftrag wäre erledigt. Doch irgendwas hielt ihn zurück. Sein Gewissen meldete sich, als er den kleinen dunkelhaarigen Jungen so liegen sah. Dieses Kind hatte sein ganzes Leben noch vor sich.

Von der unteren Etage drangen eilige Schritte herauf. Konstantin lief zur Tür und horchte. Das konnte nur bedeuten, das einer der beiden anderen Schwarzen Falken die Mutter gefunden hatte und der Auftrag erfüllt war. Konstantin blickte erneut zu dem schlafenden Kind. Und plötzlich fasste er einen Entschluss. Schnell trat er an das Bett heran. Als Attentäter hatte er nicht nur gelernt, wie man einen Menschen mit Waffen umbrachte, er hatte auch einiges über den menschlichen Körper gelernt und wie man ihn außer Gefecht setzen konnte. Mit einem geübtem Griff fand Konstantin die Stelle an der Schläfe des Jungen, die ihn in Ohnmacht fallen ließ. Er konnte gerade noch schnell die Decke über den Jungen ziehen, als die Tür aufgestoßen wurde.

»Ist der Junge tot?« Jareks Stimme klang ungeduldig. Konstantin stellte sich aufrecht hin und atmete tief durch. Noch nie hatte er ein Mitglied der Schwarzen Falken angelogen. Er tat so, als ob er Blut von seinem Dolch wischte, steckte ihn unter seinen Mantel und drehte sich um.

»Alles erledigt.« Konstantin zeigte auf den reglosen Körper hinter sich und ging auf Jarek zu. »Lasst uns verschwinden.« Er hatte es eilig, wollte aber nicht ungeduldig erscheinen und Verdacht erregen. Die Ohnmacht des Jungen sollte eine Weile anhalten, aber da der Druck bei einem Kind weniger intensiv ausfallen durfte als bei einem Erwachsenen, konnte sich Konstantin über die Dauer der Ohnmacht nicht sicher sein. Jarek blickte an Konstantin vorbei und betrachtete das kleine Bündel, welches unter der Decke lag und sich nicht regte.
»Du wirst nach all der Zeit wirklich sentimental. Seit wann decken wir die Toten ab?« wollte er von Konstantin wissen.
»Er war erst drei.« sagte dieser nur und hoffte dass das als Erklärung reichen würde. Jarek blickte ihn an und nickte dann nach einer Weile.
»Gehen wir.«

Vor dem Haus trafen die fünf Mitglieder der Schwarzen Falken wieder zusammen. Konstantin warf einen letzten Blick auf das Haus, bevor er wie die anderen im Dunkel der Nacht verschwand.


Ein leises Geräusch ließ Konstantin aus seinen Gedanken schrecken. Jahrelang hatte er die Erinnerung an diesen einen Auftrag verdrängt. Es war sein letzter Auftrag, sobald die Schwarzen Falken damals in ihre Basis zurückgekehrt waren, hatte er seine Sachen gepackt und war verschwunden. Keiner hatte ihn gefunden... bis jetzt.

Plötzlich wurde Konstantin ganz ruhig. Er wusste, das der Vampir hinter ihm stand. Den Blick auf den Boden vor sich gewandt begann er zu sprechen.
»Du hast mich gefunden.« stellte er mit ruhiger Stimme fest.
»Du bist der Letzte.« Der Vampir trat vor Konstantin hin. »Es hat gedauert, aber letzten Endes habe ich auch dich gefunden.«
Konstantin hob den Kopf. »Du hast dich verändert, Jeremy.«
Der Vampir seufzte. »Diesen Namen habe ich schon lange nicht mehr gehört. Man nennt mich nun Blutengel.«
Konstantin stand auf. Irgendwie war es ihm plötzlich wichtig, auf Augenhöhe mit seinem Gegenüber zu sein.
»Ich weiß, dass du es warst, der mich am Leben ließ. Und auch, dass ich es dir zu verdanken habe, dass ich gleich am Morgen nach dem Attentat gefunden wurde.« Jeremy drehte sich zum Fenster und blickte mit leerem Blick hinaus. »Nur deshalb lebst du noch. Ein kleiner Aufschub, den ich dir gegönnt habe, denn nur durch dich konnte ich das werden, was ich jetzt bin.«

Konstantin nickte. Er hatte immer gewußt, dass er eines Tages für seine Taten büßen würde. Als Jarek vor zwei Jahren in einer großen Lache seines eigenen Blutes gefunden wurde, war Konstantin noch nicht klar, das Jeremy einen Rachefeldzug gestartet hatte. Jareks Leiche war so übel zugerichtet, das die Bissspuren im Hals der Leiche nicht mehr zu sehen waren. Erst als Leo und Viktor den Tod fanden, war Konstantin klar, das es Jeremy war. Vor einem halben Jahr fand man dann Darren tot in seinem Haus. Hier sah man auch erstmals die typischen Bissspuren am Hals. Seit diesem Tag rechnete Konstantin jeden Tag damit, Jeremy gegenüber zu stehen.

Und nun war es soweit. Jeremy wandte sich vom Fenster ab und stellte sich vor Konstantin. In seiner Hand befand sich ein Dolch. Konstantins Augen weiteten sich, als ihm bewußt wurde, das es sein Dolch war, der Dolch, der soviele Leben beendet hatte. Sein Blick fiel auf die kleine hölzerne Truhe, die in einer Nische des Zimmers stand. Jeremy lachte hämisch. Er sah genau, was in Konstantin vorging.
»Der Dolch liegt schon seit etwas mehr als zwei Jahren nicht mehr in dieser Kiste.« Jeremy hob den Dolch und hielt ihn vor Konstantins Gesicht. »Ironie des Schicksals, das an dieser Klinge nicht nur das Blut deiner Opfer klebt, sondern auch das Blut jedes einzelnen Schwarzen Falken.«

Verwirrt sah Konstantin zwischen dem Dolch und Jeremy hin und her. »Du warst schon vor zwei Jahren hier im Haus?«
»Nicht nur. Ich war regelmäßig hier. Nachts, wenn du geschlafen hast, habe ich einfach vor deinem Bett gestanden. Tagsüber, wenn du dein Haus verlassen hast, war ich hier und habe mich umgesehen.« Jeremy grinste. »Erstaunlich, das du bei deiner Vergangenheit nichts davon gemerkt hast.«

Geschockt stolperte Konstantin rückwärts, bis er mit dem Rücken an der Wand stand. Jeremy trat nah an ihn heran. Mit der Spitze des Dolches ritzte er leicht über Konstantins Hals. Bluttropfen quollen aus dem kleinen Schnitt hervor. In Jeremys Augen trat ein eigentümlicher Glanz und zum ersten Mal öffnete er seine Lippen so, das man einen Blick auf seine spitzen Eckzähne werfen konnte. Konstantins Herz fing heftig an zu schlagen, als ihm bewußt wurde, welcher Tod ihn erwartete. Eine Hand fasste in seine Haare und zog seinen Kopf nach hinten, so dass sein Hals durchgebogen war. Jeremy öffnete seinen Mund, holte tief Luft und stieß seine Zähne in den Hals Konstantins. Fast zeitgleich mit seinen Zähnen rammte er den Dolch tief zwischen die Rippen seines Gegenübers. Ein Ruck ging durch Konstantins Körper, dann sackte er zusammen, gehalten nur noch von dem Dolch, den Jeremy noch nicht losgelassen hatte und der Hand, die seinen Kopf nach hinten bog.

Konstantins Herz schlug schon längst nicht mehr, als Jeremy von ihm abließ. Jeremy betrachtete den toten Körper, der vor ihm auf dem Boden lag. Seine Rache an den Schwarzen Falken war vollendet. Er war endlich frei von der Vergangenheit. Nun konnte er seinen Blick in die Zukunft wenden. Es gab noch soviele andere Menschen, die förmlich nach dem Tod bettelten. Er würde viel zu tun haben, soviel Blut, das noch auf ihn wartete, soviel Angst in den Augen seiner Opfer, an der er sich laben konnte. Es würde nie zu Ende sein. Er konnte endlich leben.
Review schreiben
 
 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast