Shades Of Life

von Chemistry
GeschichteAbenteuer, Romanze / P16
Embry Call Jacob Black Jared OC (Own Character) Quil Ateara Seth Clearwater
30.07.2014
06.12.2015
27
109618
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Disclaimer: (Fast) alle handelnden Personen gehören der Autorin Stephenie Meyer. Ich habe sie mir lediglich ausgeliehen.

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Das Leben verlieren ist keine große Sache;
aber zusehen, wie der Sinn des Lebens aufgelöst wird,
das ist unerträglich.
~ Albert Camus


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Prolog


Kampfgebrüll.
Geheule.
Schmerzensschreie.
Sie steht wie erstarrt am Waldrand und kann im Moment nicht zwischen Realität und Albtraum entscheiden. Aus jeder denkbaren Richtung sprinten gigantische Wölfe mit der Größe von Pferden über die grelle Lichtung und reißen ihre Gegner in Fetzen, um sie später alle auf einem großen Scheiterhaufen zu verbrennen. Einige braun, andere schwarz und grau. Ihr Fell war mit Schweißperlen durchtränkt.
Die Blutsauger, die auf ihrer Seite stehen, haben ebenso Mühe sich die Feinde vom Leib zu halten. Mit geschickten Bewegungen weichen sie den Attacken ihrer Angreifer aus und arbeiten geplant mit ihren Verbündeten zusammen, um näher an die Widersacher heran zu kommen und sie auszuschalten.
Der sandfarbene Wolf, der mit dem Mädchen zusammen gekommen ist und die Schlacht scharf beobachtet, überlegt nicht lang und stürzt sich mit einem Bellen ebenfalls in den Kampf. Er kommt einem seiner Brüder rechtzeitig zur Hilfe, springt dem Vampir, der seine Arme um den hellgrauen Wolf schlingen will, in den Rücken und köpft ihn mit nur einem einzigen Biss. Dieser dankt ihm nur mit einem Schnauben und mischt sich wieder in der Menge.
Das Mädchen steht immer noch wie eine Statue unter den Bäumen. Ihr Magen fuhr Achterbahn, während sie ihre Freunde auf dem Schlachtfeld ausmacht. Pure Anstrengung steht allen von ihnen ins Gesicht geschrieben, der Funken Hoffnung in ihren Augen, den sie gestern noch gesehen hatte, ist bereits so gut wie verschwunden.
Aber wo ist er?
Er ist ihr wichtiger, als sonst irgendwer hier, der sein Leben für sie und Bella riskiert. Er ist der Mittelpunkt ihres Lebens, das Tüpfelchen, das ihr Leben erst so perfekt macht. Wo ist er? Hektisch sucht sie die Wiese nach ihm ab, aber kann ihn in diesem wirren Getümmel nicht finden.
Und dann geht alles wie in Zeitlupe.
Ein entsetzlich lautes Jaulen zerreißt die Luft und wird so laut von den Bergen zurückgeworfen, dass ihr die Ohren dröhnen. Sie hört die stabilen Knochen des Wolfes zerbersten, als wäre es ein einfaches Stück Holz, das zu tausend Splittern zerspringt.
In nur einer Sekunde hat sie die Quelle des Grauens ausgemacht und entdeckt ausgerechnet den jungen Mann auf dem Boden, den sie so panisch gesucht hat. Sein Gegenüber, der ihm soeben alle Knochen im Brustbereich gebrochen hat, grinst triumphierend und sieht ihr genau in die brauen Augen, wird jedoch genau im gleichen Moment von einem pechschwarzen und rostbraunen Werwolf von den Füßen gerissen und in seine Einzelteile zerlegt. Damit war der letzte Gegner besiegt.
Das Blut in ihren Adern gefriert, als sie sieht, wie sich der Junge auf die Seite rollt und anfängt vor Schmerzen qualvoll zu schreien. Der Schrei ging ihr durch Mark und Bein, brachte ihr Herz kurz zum Aussetzen.
Ein Kreischen entfuhr ihr. Sie nimmt die Beine in die Hand und rennt schnurstracks auf ihn zu - die Rufe der Anderen um sie herum sind ihr gerade völlig egal. Jasper, einer der Vampire, mit denen sie sich gezwungenermaßen verbündet hatten, packt sie am Arm, aber sie reißt sich einfach von ihm los und läuft weiter. Der Weg über die Lichtung ist plötzlich viel zu weit weg und sie scheint sich gar nicht von der Stelle zu bewegen. Auf ihre Beine ist kaum noch Verlass mehr, sie ist kurz davor ohnmächtig zusammenzuklappen vor Schwindel und Übelkeit.
Immer und immer wieder ruft sie seinen Namen, als sie zu ihrem Seelenverwandten hechtet. Aber er antwortet nicht. Zu sehr ist er darauf konzentriert, den Schmerzen entgegen zu treten.
„EMBRY!“
„Scarlet, nicht!“, brüllt jemand hinter ihr her. Sie ignoriert den Ruf und will an Paul, einem der wieder zu Menschen verwandelten Werwölfe vorbei, doch dieser stoppt sie abrupt am Handgelenk zieht sie an seine nackte Brust. Hilflos kämpft sie gegen ihn an, die Sicht starr auf Embry gerichtet.
„Paul, lass mich sofort los!“, krächzt sie den Tränen nahe.
Wie wild versucht sie sich frei zu zappeln, aber Lahote hat sie von hinten fest umschlungen und hält sie in diesem Griff. Im Gegensatz zu ihrem zierlichen Körperbau ist Paul ein Muskel vom Kopf bis zum Zeh. Sie hat gar keine Chance frei zu kommen. „Paul, bitte“, fleht sie erneut, diesmal eindringlicher. „Ich muss zu ihm!“
Das Oberhaupt des verbündeten Vampirclans und der Rest seiner Familie erreichen Embry zuerst. Der Anführer, Carlisle, ist ein hervorragender Arzt und untersucht ihn vorsichtig nach Verletzungen. Er streicht mit seinen kalten Fingern über die Brust des Jungen, checkt Schulter und Wirbelsäule, während Sam, der Anführer des Werwolfrudels, krampfhaft versucht ihn still zu halten, um ihm nicht noch zusätzlich wehzutun.
„Viele seiner Knochen sind zertrümmert, hauptsächlich im Brustbereich“, stellt der Arzt fachmännisch fest. „Ich muss ihn sofort behandeln, bevor der verstärkte Heilungsprozess einsetzt. Es fängt schon an.“
„Wir bringen ihn zu mir. Seth, bleib bei ihr!“, fordert der Alpha sein Rudel auf und schaut den Kleinsten der Runde eindringlich an. Seth zieht den Kopf ein.
Schnell sammeln sich alle Anwesenden Mitglieder um den zitternden und keuchenden Bruder in ihrer Mitte und heben ihn auf ihre Schultern. So schnell es geht setzen sie sich in Bewegung und verlassen die Wiese in Richtung La Push, der Heimat der Wölfe und ihres Indianerstammes.
Ein kleines Vampirmädchen mit stacheligen Haaren wendet sich Carlisle zu, als Scarlet von Paul endlich freigelassen wird und direkt in Seths Arme fällt. „Edward und Bella geht es gut“, sagt die Hellseherin. „Sie sind gleich hier.“
„In Ordnung. Ich werde so schnell wie möglich zu Sam kommen, wenn wir hier fertig sind.“
Weinend lehnt sich Scarlet gegen ihren besten Freund und versteckt ihr Gesicht in seiner Halsbeuge. „Embry“, schluchzt sie und krallt sich an seinem Rücken fest.
„Es wird alles gut“, versichert Seth ihr und streicht über ihr schwarzes Haar. „Wir warten auf Edward und Bella und fahren dann zu Sam nach Hause. Dann geht es ihm bestimmt schon besser, versprochen.“

Dort angekommen reißt das Mädchen, bevor das Auto überhaupt richtig gehalten hat, hektisch die Tür auf und stürmt ins Haus.
Drinnen herrscht drückendes Schweigen. Jedes Rudelmitglied hatte sich bei ihrem Anführer versammelt und um den großen Tisch im Wohnzimmer gesetzt. Sie starren vor sich hin, nur um niemandem in die Augen sehen zu müssen - die Angst und den Kummer zu erkennen, den jeden Einzelnen von ihnen niederdrückt wie eine Abrissbirne. In dem sonst so lebendigen Haus herrschte jetzt Furcht und Schrecken.
„Wie geht es ihm?“, fragt Scarlet angespannt, wohl wissend, dass sie die Antwort eigentlich schon kennt.
Wie als Antwort hört sie drei Paar Füße die Treppe herunterkommen. Vorneheran das Familienoberhaupt der Cullens, kurz danach Sam und seine Frau Emily. An ihren vollkommen verstörten Blicken kann man schon ablesen, was sie sagen würden, ohne überhaupt den Mund aufmachen zu müssen. Seth legt einen Arm über Scarlets Schultern.
Carlisle geht direkt auf das Mädchen zu, ignoriert die restlichen Menschen im Raum, als wären sie Luft.
„Ich muss dir leider sagen, dass die meisten seiner Rippen mehrmals gebrochen sind“, klärt er sie auf. In seinem Gesicht spiegelt sich Mitleid wider. „Eine davon hat die Lunge verletzt. Ich habe mein Bestes getan, aber ich weiß nicht, ob er es schafft. Es tut mir Leid.“
Sie steht da wie erstarrt, versteht seine Worte nicht, will es nicht akzeptieren und lässt es erst gar nicht in ihr Hirn sickern. Aber als sie realisiert, dass der Arzt es ernst meint und auf ihre Reaktion wartet, bricht die Realität über sie herein.
Embry könnte sterben.
Ihr bester Freund zieht sie erneut an sich, kurz bevor sie ein bestürztes Schluchzen ausstößt und erneut in Tränen ausbricht. Gefühle bahnen sich einen Weg zu ihrem Herzen, mächtiger als alles, was sie je gespürt hat.
Schmerzen der Angst.
Schmerzen der Trauer.
Schmerzen der Hilflosigkeit.
Körperliche Probleme waren nichts gegen das, was sich in ihrem Inneren gerade abspielte.
Doch die letzten Ereignisse treffen nicht nur sie wie ein Schock. Auch der Rest weiß nicht was er zu solch einer niederschmetternden Nachricht sagen soll. Jake, als Embrys bester Freund und Beta-Tier des Rudels, verlässt wortlos das Haus. Man hört wie er hinaus in den strömenden Regen geht, dann wird es wieder still.
Embry ist wie ein Bruder für ihn, für sie alle. Er kennt ihn schon sein ganzes Leben lang, genauso wie Quil. Sie haben zusammen im Sandkasten gespielt, sich gegenseitig aufgezogen, als sie sich das erste Mal richtig verknallt haben, oder in die immer noch anhaltende Pubertät gekommen sind. Und nun das. Das ist nicht gerade leicht zu verarbeiten, für niemanden hier.
Dann durchbricht Carlisle mit seiner Samtstimme das Schweigen.
„Scarlet, er möchte mit dir reden. Allein.“
Sofort schaut sie auf und löst sich aus Seths Umarmung. „Er ist wach?“ Plötzlich ist sie wieder munter.
„Ja, er möchte gleich mit dir sprechen.“
Sie nickt zögernd, überlegt kurz hin und her ob sie Embrys Anblick wohl ertragen kann, und entscheidet sich mit einem klaren Ja dafür. Langsam blickt sie durch die besorgten Mienen der Anderen und stolpert daraufhin ungeschickt die Treppen nach oben. Dort muss sie erst einen langen Gang durchschreiten und die Tür zum Gästezimmer öffnen, bevor sie auch nur ein Auge auf ihn werfen kann.
Als sie ihn findet, zieht sie scharf die Luft ein.
Sein Gesicht ist bleich und verschwitzt, und der gesamte Brustkorb ist mit Verbänden eingewickelt worden. Der linke Arm liegt mit einer einfachen Schlaufe darüber, der Andere mit dem Tattoo ausgestreckt daneben. Eine graue Decke überdeckt seine ausgestreckten Beine, aber sie vermutet, dass darunter auch Mullbinden und Schienen versteckt sind. Der weiße Stoff steht in so extremen Kontrast zu seiner braunen Haut, dass ihr gleich wieder übel wird.
„Oh, Embry“, haucht Scarlet entsetzt. „Was hat er dir nur angetan?“ Die Frage ist eher an sie selbst gerichtet, statt an ihn. Reflexartig wischt sie sich die Tränen weg, damit er sie nicht weinen sehen muss.
„Hey, Zwerg.“
Bei dem Spitznamen für sie zuckt das Mädchen kaum merklich zusammen. Sie hasst den Spitznamen wie die Pest, aber das hat sich im Laufe ihrer Beziehung irgendwie so ergeben. Durch den enormen Größenunterschied ist es Embry immer wieder ein Spaß, Scarlet deswegen zu triezen.
Langsam geht sie auf ihn zu, setzt sich auf die Bettkante und nimmt seine verschwitzte Hand. Bei der Hitze seiner Haut biss sie sich auf die Unterlippe. Er ist heiß. Also richtig heiß. Das Fieber ist schlimmer, als sie gedacht hat. Der Verband, der seinen Knochen dabei helfen soll, wieder an den richtigen Stellen zusammenzuwachsen, ist schon mit Schweiß durchtränkt. Es geht ihm wirklich nicht gut.
„Wie fühlst du dich?“
„Ging mir .. schon mal besser. Hör zu, wenn etwas zu Ende geht-“, er wird von einem Hustenanfall unterbrochen. Bei dieser ruckhaften Bewegung krümmt er sich vor stechendem Schmerz in der Brust und beißt die Zähne zusammen.
Ihr Herz pulsiert heftig gegen ihre Rippen, gleich würde es zerspringen. Sie drückt schluchzend seine Hand etwas fester, um ihn zu beruhigen. Es ist schrecklich für sie ihn so zu sehen. Nach allem, was sie durchgemacht haben, ist das mit Abstand kein Ende, was sie geahnt hätte. Das hier ist Tausend Mal schlimmer als jeder Albtraum, den sie je in ihrem Leben gehabt hat.
Nach ein paar Atemzügen bekommt er wieder genug Luft, um fortzufahren. „Dann denkt man an den Anfang zurück“, beendet Embry angestrengt den Satz. Wieder ist es ein paar Sekunden still, in denen er um Fassung ringen muss.
Lautlos rieseln ihr die Tränen die Wangen herunter und tröpfeln auf ihre verschränkten Finger. Scarlet kann ihn einfach nicht loslassen. Er bedeutet ihr viel zu viel. Ohne ihn kann und will sie nicht leben. „Embry, bitte“, fleht sie und tupft mit einem kalten Lappen über seine fiebrige Stirn, um die Schweißtropfen zu entfernen. Ihre Stimme ist nicht mehr als ein Flüstern.
„Lass mich bitte ausreden“, krächzt er rau. Mit einem Seufzen schaut er auf ihre Hände und streicht sanft mit dem Daumen darüber. „Erinnerst du dich daran .. wie alles begonnen hat?“
Die Teenagerin lächelt beklommen. Wie kann sie sich nicht daran erinnern? Damals ist alles noch so einfach und unbeschwerlich gewesen. Unbeschwerlich, bis dieses Monster aufgetaucht ist, das alles auf den Kopf gestellt und ihren Freund so misshandelt hat. Bei dem Gedanken an ihn schüttelt sie sich vor Furcht. Bilder von dem Kampf fliegen ihr durch den leeren Kopf: Das Heulen der vielen Wölfe, die Rufe der Familie Cullen, das Gekreische der Neugeborenen Vampire. Und dann zuletzt dieses grauenhafte Bild von Embry im Gras, wie er sich auf die Seite rollt, um sein Leiden auf diese Weise zu lindern.
Eine Gänsehaut durchfährt ihren Körper. „Wie könnte ich den Beginn unseres gemeinsamen Schicksals vergessen?“
Embry zwingt sich zu einem Lächeln. Seine Hand wandert zu ihrer feuchten Wange und wischt die Tränen ab, die sich ihren Weg nach unten suchen. Er kann sie nicht weinen sehen, das macht ihn selbst immer traurig.
„Erzähl es mir.“
„Was?“
„Die Geschichte, wie wir uns kennengelernt haben“, sagt er leise. „Erzähl sie mir.“
Scarlet ist verwirrt. „Jetzt?“, fragt sie ungläubig. „Aber du-“
„Bitte“, haucht er.
Vorsichtig legt sie die Hand auf seine und schließt einen Moment die Augen. Wie kann er das ausgerechnet jetzt von ihr verlangen? Jetzt, wo sie sich vielleicht das letzte Mal sehen?
Aber was wäre, wenn dies möglicherweise sein letzter Wunsch sein könnte? Das könnte sie ihm nicht ausschlagen. Niemals. Das ist die letzte Möglichkeit, ihm zu zeigen, was sie für ihn empfindet. Ihm zu sagen, dass sie ohne ihn nie wieder die Alte sein wird. Dass sie der Prägung wegen verkümmern wird, und dass es ihr nur Recht ist, wenn sie danach wieder bei ihm sein kann.
„Na schön“, gab sie nach und schaute ihn liebevoll an. „Es begann alles, als ich mit meiner Mutter hier her gezogen und den ersten Tag in die Schule gegangen bin.“
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