Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Kill me if you can!

von Dekadeen
GeschichteAbenteuer, Angst / P16 / Gen
29.07.2014
22.01.2021
24
29.708
4
Alle Kapitel
15 Reviews
Dieses Kapitel
3 Reviews
 
 
29.07.2014 1.506
 
Kapitel 1
Lasset die Spiele beginnen!


Panisch tastete er das Handgelenk der Person ab, die leblos vor ihm lag.
"Kein Puls!", schrie der Blonde und hätte sich im nächsten Moment dafür schlagen können. Er sollte doch ruhig sein. Sein größerer schlaksiger Kollege mit hellbraunen Dreadlocks, der bis jetzt hinter ihm gestanden hatte, schubste ihn grob zur Seite.
"Lass mich mal", flüsterte dieser schon fast. "Und pass auf, dass keiner kommt." Der Kleinere hob angespannt sein Schrotflinte vom alten Holzboden auf und beobachtete die Tür, während sein Freund sich an der vermeintlichen Leiche zu schaffen machte. Er murmelte etwas vor sich hin während er weiterhin das Handgelenk abtastete. Da er nichts fand, wanderten seine Finger nach wenigen Sekunden hinauf zum Hals und tasteten dort nach einer pulsierenden Ader.
"Doch! Ich spüre etwas! Aber nur schwach, komm wir müssen ihre Wunden versorgen!" Der Blondschopf ließ augenblicklich seine Waffe fallen und kam wieder angerannt.
"Mann, Toni! Du sollst doch aufpassen, dass keiner kommt!", knurrte ihn sein Kollege an. Er hingegen ließ sich nicht abschrecken und ließ seine eisblauen Augen über die immer noch leicht blutende Platzwunde am Kopf des Mädchens wandern.
"Ist da jemand verliebt?", grunzte der Braunhaarige. Er konnte sich nur schwer ein Lachen verkneifen.
"Klappe!", schnauzte ihn Toni an. Seine zitternden Hände hatten bereits begonnen die Wunde zu reinigen, wodurch sich ein stark entzündeter und blutender Riss zeigte.
"Gott... ist das ekelhaft", meinte er und verzog angewidert das Gesicht. Das blieb natürlich nicht unbemerkt.
"Lass mal, ich mach das schon. Pass du auf die Tür auf!", sagte der Größere nun und drückte ihn dieses mal etwas sanfter weg. Erleichtert schnappte sich der Kleine wieder seine Waffe, flüsterte noch ein "Danke, Simon" und verzog sich dann wieder zur Tür. Simon hatte unterdessen begonnen die Wunde zu desinfizieren und begann gleich danach den Kopf des Mädchens in einen weißen Verband einzuwickeln. Aus dem Verbandskasten, den sie glücklicherweise mitgenommen hatten, holte er noch eine Heilsalbe, mit welcher er die zahlreichen Schürfwunden der namenlosen Schönheit versorgte. Nachdem er fertig war hob er sie hoch und trug sie in das alte verstaubte Bett, das sich glücklicherweise im selben Raum befand. Sofort schnappte er sich seine eigene Waffe, eine kleine Pistole, und ließ sich neben seinem Kumpel auf den Boden plumpsen.

"Und was machen wir jetzt?", fragte dieser.
"Warten und hoffen, dass wir nicht gefunden werden." Das war das einzige was sie tun konnten, dachte Simon. Er war nicht bereit irgendjemanden zu töten, so wie es von ihnen scheinbar erwartet wurde. Wahrscheinlich auch dann nicht, wenn er sein eigenes Leben damit retten konnte. Er war ein friedlicher Mensch, jemand der Gewalt absolut nicht leiden konnte, was natürlich richtig gut zu der Situation passte in der er sich befand.
"Woher weiß ich eigentlich, dass ich dir vertrauen kann?", fragte der Blondschopf plötzlich. Gute Frage, das musste man ihm lassen.
"Das weißt du nicht und an deiner Stelle würde ich mir nicht vertrauen", gab er zurück. Erschrockene blaue Augen trafen auf die grünen des Angesprochenen.
"Bist du etwa...?", fragte Toni und hob langsam seine Schrotflinte.
"Nein"
"Aber warum sollte ich dir dann nicht trauen?"
"Weil du, verdammt nochmal, keinem hier trauen solltest!", warf der größere ihm an den Kopf und lachte mehr aus Verzweiflung als über die Naivität seine Kumpels. Er wusste nicht einmal ob er der jungen Frau dort auf dem Bett vertrauen konnte. Welcher Mörder war denn so dämlich und tötete sie nicht sofort? Seiner Meinung nach gab es nur zwei Möglichkeiten. Erstens: die Frau war einer der Verräter und wurde bei ihrem Anschlag selbst zu Opfer. Oder Zweites: Der Mörder war wirklich extrem dumm und hatte nicht bemerkt, dass sie noch lebte, was die Situation aber keineswegs besserte. Er würde lieber schnell und durch die Hand eines erfahrenen Mörders sterben, als langsam und leidend, nur weil der Typ zu blöd war es richtig zu tun.
"Kannst du das Ding mal runter nehmen?", sprach Simon seinen Freund an, der immer noch mit erhobener Waffe neben ihm saß und ihn musterte.
"Aber du sagtest doch..."
"Jaja, es wäre trotzdem angenehm, wenn du nicht mit einer scharfen Waffen auf mich zielst", meinte er und drückte den Lauf der Waffe zu Boden. "Ich will nicht unbedingt durch einen Unfall sterben."
Nicht wirklich überzeugt, legte Toni seine Waffe beiseite und musterte weiterhin seinen Kollegen. Konnte er ihm vertrauen? Vor knapp zwei Stunden kannten sie sich noch nicht einmal und jetzt saßen sie beide in derselben Scheiße fest. Es war eigentlich ein Wunder, dass er nicht sofort auf ihn geschossen hatte, als sie sich das erste Mal über den Weg liefen.

~~*~~


Sein Schädel dröhnte und drohte jeden Moment zu explodieren. Was war passiert? Völlig verängstigt sah er sich in dem Raum um, in dem er aufgewacht war. Es war ein Schlafzimmer. Überall Spinnweben, Staub und alte Möbel. Viel zu viel Gerümpel und Dinge, die kein Mensch brauchte. Er fragte sich, wie er in so ein unbewohnbares Haus gekommen war und vor allem wie er hier wieder weg kam. Sein Blick fiel zu erst auf das Fenster. Das zersprungene, trübe Glas lies kaum Tageslicht durch, doch er konnte trotzdem erkennen, das er sich im ersten Stock eines Gebäudes mit ziemlich ungepflegten und verwilderten Garten befand. Ein Sprung aus dieser Höhe könnte doch ziemlich unbequem werden. Also wandte er sich doch zur Tür und als er gerade diesen scheußlichen Ort verlassen wollte, fiel ihm der grell weiße Zettel ins Auge. Er passte überhaupt nicht in die düstere und verstaubte Umgebung, weshalb er ihn sofort von der Tür riss, an die er gepinnt war und entfaltete.

Willkommen Mitspieler!
Ich würde gerne ein Spiel mit Ihnen spielen.
Wie Sie wahrscheinlich schon bemerkt haben, sind Sie ein Gefangener. Sie und neunzehn andere Menschen werden auf dieser Insel um ihr Überleben kämpfen. Sie kommen erst dann hier weg, wenn Sie die zwei Verräter unter Ihnen ausgeschaltet haben. Wie Sie das machen ist Ihre Entscheidung. Doch die Verräter werden Sie jagen und töten, bis keiner von Ihnen mehr übrig ist. Für jeden Unschuldigen, den Sie töten, kommt ein weiterer Mörder hinzu.
Also viel Spaß und lasset die Spiele beginnen!

Mit freundlichen Grüßen
Mr. XYZ

P.S. Überall auf der Insel sind Waffen versteckt, die sehr hilfreich sein könnten.


Panisch steckte er das Papier in seine Hosentasche und rannte aus dem Raum in einen ebenso alten und verstaubten Flur. Das Gebäude schien ein Herrenhaus, das schon lange nicht mehr bewohnt war, zu sein. Toni irrte panisch durch die Gänge, während er versuchte das Gefühl zu ignorieren, dass er beobachtet oder verfolgt wurde. Aus jedem einzelnen der alten Gemälde schienen ihn Augenpaare anzusehen und zu folgen. Er wusste, dass er nicht alleine war. Sekunden später hörte er Schritte und rannte panisch durch die nächste Tür, die ihm ins Auge fiel. Es schien ein Arbeitszimmer zu sein. Viel zu viele Bücher, ein Arbeitstisch und zwei bequeme, stark gepolsterte Stühle in einer Ecke waren zu sehen. Aus irgendeinem Grund zog eine kleine Kiste, die unter dem Tisch stand, seine Aufmerksamkeit auf sich. Toni schlich darauf zu, sehr bedacht keinen einzigen Mucks von sich zu geben um nicht entdeckt zu werden und schob den Deckel der Holzkiste beiseite. Die Schritte waren in der Zwischenzeit immer näher gekommen und man konnte das bedrohliche knarren des Holzes vor der Tür schon hören. Einen Augenblick später schlich eine weitere Person durch den Türrahmen. Panisch ergriff Toni den erstbesten Gegenstand, aus der Kiste neben ihm und schleuderte ihn mit voller Wucht gegen den Kopf der soeben erschienen Person. Ein Krachen war zu hören als der Gegenstand zu Boden fiel und sich der getroffene fluchend die Hand auf den Kopf schlug.
"So benutzt man dieses Ding aber normalerweise nicht", sagte dieser, lachte leise und hob besagten Gegenstand vom Boden auf. Erst jetzt erkannte Toni, dass er seinen gegenüberstehenden Typen gerade mit einer silbern glänzenden Pistole ausgestattet hatte. Er war wirklich ein Genie! Ein richtig dämliches Genie... Ohne nachzusehen griff er erneut in die Truhe und zog den zweiten Gegenstand, der um einiges größer war, daraus hervor. Ein kurzer Blick in seine Hände verriet ihm, dass er das gefunden hatte, was er sich erhofft hatte: eine weiter Waffe. Entschlossen richtete er sich auf und zielte mit der Schrotflinte auf den Mann mit Pistole.
"Ganz ruhig, ich bin friedlich!", sagte dieser und hob demonstrativ die Hände.
"Ich bin Simon und ich vermute, dass du kein Mörder bist, sonst wäre ich wahrscheinlich schon tot."

~~*~~


Ein lautes Knallen ließ Toni aus seinen Gedanken hochschrecken. Simon war aufgesprungen und wirkte genauso erschrocken wie er.
"Was war das?", flüsterte der Kleinere, doch kannte er die Antwort schon.
"Ein Schuss!" Beide hoben fast gleichzeitig ihre Waffen und schlichen aus dem kleinen Raum. Das war die erste Gelegenheit einen der Mörder zu finden.
Review schreiben
 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast