to save my sanity

von Arzani92
GeschichteFreundschaft / P12
Ben Beckman der Rote Shanks Yasopp
22.07.2014
13.08.2014
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Der Wind zerrte an seinen dunklen Klamotten, er zerrte an seinen silberweißen Haaren und seinem komplettem Körper. Er wollte ihn mitreißen, zog an ihm und wollte ihn hinfort wehen. Womöglich würde der Wind ihn am liebsten von Bord schmeißen, aber Ben ließ ihn nicht. Fest stemmte sich der große Mann mit seinen Beinen auf den Boden und versuchte einen Überblick über die chaotische Lage zu bekommen. Doch das war gar nicht so einfach.
Dicht bei ihm stand Shanks, dieser hatte sich eben durch den Sturm zu ihm durchgekämpft. Auch an ihm zerrte der tückische Wind und die roten Haare flogen hin und her. Ben konnte ausmachen, wie sein Käpt’n ihm Worte entgegen schleuderte, doch nur Bruchstücke davon kamen bei ihm an. Sie standen nicht weit entfernt und doch war es zu weit weg für eine richtige Konversation. Im Sturm verlor jedes Wort seine Wirkung.
Das Unwetter war in Sekundenschnelle aufgezogen und hatte sich innerhalb von Minuten in ein wütendes Monster verwandelt. Ein schwarzer Himmel drohte über ihnen und diese Bedrohlichkeit spiegelte sich in dem schäumenden Meer wieder. Regen peitschte ihm um die Ohren. Ben war bis auf die letzte Faser seines Körpers durchnässt, kalt wehte der Wind durch ihn hindurch, doch wichtig waren andere Dinge. Er wusste, dass der Sturm so schnell wieder gehen konnte, wie er gekommen war, doch wie lange er anhielt, das wusste er nicht. Alles, was sie tun konnten war die Red Force am Kentern zu hindern. Sie schwankte bedrohlich, wie eine Nussschale auf den Wellen war sie dem Wetter fast hilflos ausgeliefert. Doch sie war stark genug um durch diesen Sturm zu kommen, sie war bisher immer durch jeden Sturm gekommen. Aber dazu brauchte sie die Hilfe ihrer Crew. Auch ein Schiff alleine konnte nicht diejenigen tragen, die es beherbergte, wenn die Mannschaft ihr nicht half. Doch Ben hatte Vertrauen in jeden Einzelnen, der die Red Force sein zu Hause nannte.

Mit zusammen gekniffenen Augen schaute sich der Vize der Rothaarpiraten um. Die Männer liefen hin und her, kämpften gegen den beißenden Wind, schirmten ihre Gesichter vor dem Regen ab und waren dabei die Fracht zu sichern und seinen Anweisungen zu folgen, soweit sie diese überhaupt verstanden. Er war doch froh, dass jeder der Mitglieder wusste, was in solch einer Situation zu tun war, ohne das er groß Worte schwingen musste.
Urplötzlich jedoch hob sich die Red Force und bäumte sich wie ein wildes Tier, gepeinigt durch Gefahr, auf. Nur ihrer jahrelangen Erfahrung auf See war es Shanks und Ben zu verdanken, dass sie nicht umkippten. Eine Sekunde schien das Schiff zu fliegen, dann senkte es sich wieder herab. Dabei konnte man deutlich spüren, dass es sich leicht zur Schlagseite Backboard neigte.
Leicht panisch schaute Ben zu Shanks und dieser erwiderte den Blick. Sie wussten beide gut genug, was solch eine Neigung ausmachen konnte und innerhalb von Bruchteilen schossen dem Vize zig Möglichkeiten durch den Kopf, die er anwenden konnte um die Red Force wieder in eine aufrechte Position zu bringen. Doch in der nächsten Sekunde erledigte ihr Schiff das ganz von selbst für sie.
Obwohl all das nur ein paar Sekunden angehalten hatte, hatte Ben die Luft angehalten und nun stieß er sie geräuschvoll aus. Natürlich wurde sein Seufzen sofort vom Wind weggerissen, doch er konnte auch in Shanks Gesicht lesen, dass dieser dasselbe dachte. Er nahm eine klitzekleine entspanntere Haltung an.

Jedoch verschwand diese augenblicklich wieder, als der Wind drehte und so Wortfetzen an ihr Ohr wehte. Es dauerte, bis Ben sie ausmachen konnte, dann gefror ihm das Blut in den Adern.
„Mann … Bord … über Bord … Mann.“
Auch über Shanks Blick zogen sich dunkle Schatten, die Ben wissen ließen, dass sein Käpt’n genau das gleiche wie er gehört hatte und ebenso die Wortfetzen interpretiert hatte. Leicht biss sich Ben auf die Lippen, als ein gewaltiger Windstoß ihn kurz aus dem Gleichgewicht brachte und ihm bewusst machte, wie verdammt gefährlich das hier alles war. Zudem war der Ausdruck auf Shanks Gesicht unmissverständlich. Ohne dass dieser ein Wort sagen musste, wusste er was sein Freund vorhatte und er wusste auch, dass er ihn nicht daran hindern konnte. Er würde es auch nicht wollen, niemals, nur die Gefahr wurde ihm schmerzhaft bewusst. Doch genau deswegen, weil Shanks keinen Gedanken an die Gefahr verschwendete, wenn eines ihrer Leben davon abhing, war er ihr Kapitän. Er war ihr Käpt’n, ihr Freund und einer der mächtigsten Piraten auf der gesamten Grandline. Auch wenn es gefährlich war, Ben vertraute Shanks und deswegen folgte nur ein Nicken.
Dieses kleine Zeichen reichte und wie als hätten sie sich abgesprochen rannten beide zur Reling, von der die Wortfetzen gekommen waren. Dort standen einige ihrer Männer hilflos herum, schützten sich vor dem peitschenden Regen und schauten verbissen auf das tosende Meer. Aus den Augenwinkeln meinte Ben rudernde Arme im Wasser erkennen zu können, doch er wusste, dass das unmöglich war.
Sein Blick glitt weiter, wanderte suchend an der Reling entlang und fand zwei Sekunden später das gewünschte Objekt. Im Stillen dankte er sich seine Ordentlichkeit und seine ständigen Ermahnungen die Taue auch wirklich festzubinden. Sonst hätte es diese in diesem Orkan schon über Bord in die See geschleudert. Doch so konnte Ben mit geschickten Fingern das Seil lösen, was er auch innerhalb von Sekunden tat. Mit dem Tau in der Hand drehte er sich zu Shanks, der inzwischen nur noch seine bunte knielange Hose trug. Dieser drückte grade sein Schwert einem ihrer Mitglieder in die Hand und Ben hoffte das der Mann klug genug war wirklich, wirklich gut darauf aufzupassen. Dann war der Gedanke auch schon wieder weg, da sich Shanks ihm zuwendete. Mit geschickten Bewegungen schlang Ben das Tau zweimal um die Hüfte seines Käpt’ns und knotete es dann fest. Mit aller Kraft, die er aufbringen konnte, zog er an dem Knoten, so dass selbst er ihn nicht mehr aufbekommen konnte. Dieser Knoten würde im Zweifelsfall Shanks Leben sichern und durfte unter keinen Umständen aufgehen. Alles andere war unwichtig, aber dieser Knoten musste sitzen.
Noch einmal prüften Bens Finger das Tau, fuhren über die Verknotung, die Shanks seit dem Verlust seines Arms nicht mehr selbst durchführen konnte und setzte dann an von seinem Freund zurück zu treten. Doch dieser packte mit bestimmten, aber nicht schmerzhaftem Griff nach seiner Schulter und zog ihn zu sich. Trotz des Windes konnte Ben spüren, wie der Atem sein Ohr streifte und die Worte, die Shanks murmelte waren deutlich zu hören.
„Wäre schön, wenn mein eigenes Schiff mich nicht begräbt.“
Vielsagende Augen trafen seine und Ben verstand sofort. Er hätte auch ohne Worte verstanden. Shanks legte sein Leben – wieder – in seine Hand und Ben würde alles dafür tun um dieses zu schützen. Deshalb war ihm seine Antwort auch todernst.
„Ertrink mir nicht!“
Ein süffisantes Grinsen zog sich, auf Bens Worte hin, über Shanks Gesicht und war ungefähr das Unpassendste, was ihm in dieser Situation einfallen konnte. Im Laufen rief er noch eine Erwiderung, die allerdings im Sturm unter ging. Doch obwohl er kein Wort verstanden hatte, wusste Ben sofort was sein Käpt’n ihm zugerufen hatte.
„Wer soll dich denn sonst in den Wahnsinn treiben?“
Während ein Seufzen seine Lippen verließ, dass keiner hörte, sprang Shanks mit einem mehr oder minder elegantem Hechtsprung über die Reling in das tosende Meer. Kurz blitzten seine Haare rot auf, während er in der Luft hing, dann verschluckte ihn die dunkle See gänzlich. Den Kloß in seiner Kehle schluckte Ben energisch runter und hoffte einfach, dass die See seinen Freund wieder freigeben würde, so wie sie es bisher immer getan hatte.

Doch viel Zeit blieb dem Vize nicht um Angst um Shanks zu haben, da ein erneuter Windstoß nach Ben griff und ihn mit zerrte. Augenblicklich konnte man das wiederholte Kippen der Red Force spüren und dieses Mal sah es wirklich so aus, als würde sich das Schiff nicht selbst fangen. Dazu neigte es sich auf die falsche Seite, Richtung seines Käpt’ns.
Mit rotierendem Kopf sah Ben sich um, überschlug seine Möglichkeiten und kam im nächsten Moment zu dem Entschluss, dass ihm nur eine wirklich taugliche übrigblieb. Er ignorierte also die ängstlichen Gesichter der Männer, die nun auch besorgt ihrem Kapitän nachschauten, der im kalten Meer verschwunden war. Sie konnte er nicht brauchen, sie waren im Moment nicht in der Lage das auszuführen, was er von ihnen verlangen würde. Also blickte er sich weiter suchend um.
Dabei fiel sein Blick auf Lou, dem er das Tau, das Shanks Lebensleine war, in die Hand drückte. Viele Worte brauchte es nicht, Lou wusste, was zu tun war. Er hatte am Rande die Aktion mitbekommen und nickte einfach nur, während er sich um alles Weitere an der Reling kümmerte. Er würde Shanks wieder an Bord ziehen, wenn dieser am Auftauchen war und Ben hoffte, dass er ihren über Bord gegangenen Mann dabei hatte.
Erneut konnte man einen Ruck spüren, der durch das ganze Schiff ging und sofort waren alle Gedanken aus seinem Kopf gewischt. Hin und her geschleudert durch den Wind kämpfte sich der Vize über das Deck und blickte immer noch suchend umher. Dann fand er die richtigen Männer. Mit einer Handbewegung machte er sich bemerkbar und schickte sowohl Yasopp wie auch Rockstar und drei Weitere die Takelage des Besanmasts hinauf. Er selbst folgte ihnen dicht auf dem Fuße.
Er trieb sie zur Eile, obwohl es gefährlich war. Die Taue waren glitschig vom Regen und der Wind schmiss sie in der luftigen Höhe und ohne Schutz hin und her. Doch alle waren sie erfahrene Kletterer und Ben wusste, dass sie es konnten. Trotzdem dauerte es, dauerte ihm viel zu lange und die Schräglage des Schiffes wurde immer steiler. Doch dann saßen sie alle auf der Rah und mit einer eindeutigen Handbewegung forderte er die Männer auf das Segel zu lösen.
Obwohl die Verwirrung deutlich in den Gesichtern der Anderen zu lesen war kamen sie seinem Befehl ohne zu zögern nach. Noch im Entrollen griff der Wind nach dem Stoff und mit einem Ruck zog der Sturm gierig an dem Segel. Er riss das ganze Schiff mit und mit einem Knarzen, dass man durch die Böen eigentlich nicht hören durfte, richtete sich die Red Force wieder auf.
Bevor jedoch der unheilvolle Wind den Spieß umdrehen konnte und die Red Force auf die andere Seite neigte, gab Ben das Zeichen dazu, die Seile, die das Segel hielten durchzuschneiden. Mit geschickten Bewegungen machte auch er das Segel los und keine Minute später flatterte es im Wind. Peitschend schwang sich der Stoff durch die Luft, der Wind riss es hin und her, wollte an ihm zerren, doch nun bot ihm das Rahsegel keine Angriffsfläche mehr.
Die Red Force stand wieder grade im Sturm, wie ein Drache, den man nicht besiegen konnte, tanzte das Schiff auf den Wellen. Dieses Schiff würde nicht kentern, vor allem dann nicht, wenn ihr Käpt’n in der düsteren See sein Leben riskierte. Ben wusste, woher allerdings nicht, dass Shanks nun, ohne Holz über seinem Kopf zu haben, wieder auftauchen konnte. Auch wenn das Segel hinüber war, so war das doch unwichtig. Stoff konnte man ersetzen, Shanks nicht. Er war unersetzbar, das schlagende Herz ihrer Crew und an ihm hing das Leben ihrer aller. Doch auch unabhängig davon würde Ben immer alles tun, um das Leben seines besten Freundes zu sichern und zu schützen. Denn er wusste, dass dieser genauso handeln würde.

Während Ben den Anderen zu verstehen gab, dass sie die Takelage wieder hinunter klettern konnten, spürte er den Umschwung im Wetter. Der Wind ließ von Sekunde zu Sekunde mehr nach und machte ihnen so den Abstieg deutlich leichter als den Aufstieg. Innerhalb weniger Minuten waren sie wieder auf Deck angekommen und trotzdem war in dieser kurzen Zeit der Sturm so weit abgeflaut, dass nur noch ein leichter Nieselregen daran erinnerte, was eben noch lebensgefährlich um sie herum gestürmt hatte. Dieser unvorstellbare Wetterwechsel machte wieder einmal perfekt deutlich, wie unberechenbar die Grandline war. Dabei konnte das Wetter in der Neuen Welt noch viel furchteinflößender sein, als nur mit einem Orkan aufzuwarten.
Sofort als beide Beine Bens wieder auf den hölzernen Planken standen, rannte er hin zu Lou, der inzwischen mit zwei weiteren Männern an dem Tau zog. Ohne großartig viel Worte zu verlieren half der Vize beim Ziehen. Das Meer war immer noch leicht aufgewühlt und doch wieder friedlich wie ein schlummerndes Kätzchen. Mit den Füßen am Holz stützte sich ein bekannter Rotschopf ab, der fest in seinem Griff sein Crewmitglied hielt. Dieser schien bewusstlos.
Mit kräftigen Zügen wurden die beiden Männer zurück an Bord geholt und während Lou Shanks seine Last abnahm, griff Ben nach dem freigewordenen Arm und zog seinen Freund zurück auf die sicheren Planken. Lou hatte derweil mit der Mund zu Mund Beatmung angefangen und drückte wie wild auf der Brust des bewusstlosen Mannes herum. Grade als Shanks wieder mit beiden Beinen auf Deck stand spuckte dieser hustend Wasser. Bekannte Augen streiften seine und Ben konnte die Erleichterung, aber auch die Erschöpfung in den Augen Shanks sehen. Doch die Freude überwiegte. Ihr Mann lebte.
Dem Rothaar genügte dieses Wissen, denn mit einem Satz ließ er sich erschöpft auf seinen Rücken fallen. Das Tau immer noch um seine Hüfte gebunden, streckte er alle Dreie von sich. Über sein Gesicht zog sich ein befreiendes Lächeln und sein Ausdruck wirkt gelöst. Man konnte sehen, dass er einfach nur froh war, dass alles gut gegangen war. Nicht um sich hatte sich Shanks Sorgen gemacht, sondern um sein Mitglied.
Kurz schüttelte Ben den Kopf, dann lachte er lauthals los. Er wusste nicht, woher diese Gefühlsregung kam, ob sie dem abklingendem Adrenalin, dem Anblick seines Käpt’ns oder etwas Anderem zu schulden war. Vielleicht wurde er ja jetzt auch einfach wahnsinnig, aber mit einem Satz ließ er sich im Schneidersitz neben Shanks fallen. Beide schauten sich mit funkelnden Augen an und dabei wirkte sein Gegenüber so, als wäre er wieder in der Hochzeit seiner jungen Jahre. Mit einem Mal fühlte sich Ben, als wäre er wieder 20 Jahre alt, jung, dynamisch, sorgenfrei und eigentlich nur damit beschäftigt, dass auszubügeln, was Shanks angestellt hatte. Also eigentlich so wie es jetzt auch noch war, nur das einige Jahre hinzugekommen waren. Sein Lachen wurde stärker, freudiger und ein Schwarm Endorphine schwamm durch seinen Körper.
„Du bist total verrückt.“
Kurz schaute ihn sein Freund irritiert an, dann stimmte er mit in das Lachen ein, dass über das Deck hallte. Erst nach einer Weile klang es ab, nur um fast wieder aufzubrechen, als Shanks mit der Schulter zuckte, was im Liegen einfach unglaublich komisch aussah. Doch ein freches Grinsen blieb auf den Gesichtszügen des roten Kaisers haften.
„Hattest du etwa Angst um mich?“
Obwohl die Worte scherzhaft gemeint waren, schickten sie dunkle Schatten über Bens Gesicht und vertrieben seine kurzzeitige Freude. Glaubte er wirklich, dass Ben keine Angst um seinen besten Freund gehabt hatte? Glaubte Shanks das wirklich? Es war nicht seine Art und trotzdem ärgerte es Ben, dass Shanks überhaupt sowas fragen konnte. Natürlich hatte er Angst um seinen Käpt’n, das war schon immer so gewesen und würde sich nicht ändern, trotz all dem Vertrauen, dass er diesem Mann entgegenbrachte. Doch Shanks schaute ihn nur lächelnd an, Verständnis und Dankbarkeit in den Zügen. Er hatte die Antwort in seinem Gesicht lesen können.
„Ach Ben, ich würde dich doch niemals alleine lassen. Wer sollte dich den sonst in den Wahnsinn treiben?“
Er witzelte, seine Stimme klang belustigt. Es war dieselbe Antwort, die er dem Vize auch gegeben hatte, bevor er sich aufgemacht hatte, in die tosende See zu springen. Doch trotz dem Schalk in seinen Augen, wusste Ben, dass er es ernst meinte. Todernst. Er würde ihn nicht alleine lassen, niemals, genau wie es andersherum auch war. Kapitän und Vize. Rot und Silber. Sie waren Freunde, verbunden durch das Leben und ihre Art es zu führen. Es war ein Gefälle, das sich niemals ändern würde und das war gut so. Keiner von ihnen würde es anders haben wollen. Keiner.
Mit Schwung ließ er sich ebenfalls auf den Rücken fallen, streckte seine Beine aus und lag nun Kopf an Kopf mit seinem Kapitän. Ihrer beiden Haare vermischten sich miteinander und kurz streifte Bens Blick den seiner Kameraden, die sie interessiert beobachteten. In ihren Augen lag Belustigung über die Szene, die in ihrer Einzigartigkeit doch sehr vertraut war. Auf ausnahmslos jedem Gesicht, das Bens Blick streifte, konnte er ein Grinsen entdecken.
Jeder auf der Red Force kannte die Vertrautheit zwischen Käpt’n und Vize. Sie wussten, dass Ben schon länger an Shanks Seite war als sonst jemand. Es war eine Verbundenheit, die alle Männer akzeptierten und schätzten. Denn sie machte nur zu deutlich, dass sie nicht nur eine lose Piratenbande waren. Mit seinem waghalsigen Sprung in das tödliche Meer hatte Shanks es bewiesen und alle wussten, dass er es immer und immer wieder tun würde. Sie waren Freunde. Keiner war mehr oder weniger wert. Ein jedes Leben zählte. Es war eine Seltenheit unter Piraten und doch kam für Keinen auf diesem Schiff etwas anderes in Frage.
„Ich könnte Lou fragen, oder Yasopp. Wenn sie sich anstrengen kommen sie vielleicht zu einem Bruchteil an deine Verrücktheit heran. Eventuell …“ Er stockte kurz, drehte seinen Kopf zur Seite, so dass er Shanks anschauen konnte. Auf dessen Gesicht lag immer noch der Schalk. Dann schüttelte Ben den Kopf, was sicher total affig aussah im Liegen, aber es störte ihn nicht. Musste er sich halt auch mal zum Hampelmann machen. Seine Augen blitzten. „… oder auch nicht.“
Eine Sekunde war es still, dann fingen wieder beide prustend an zu lachen. Es erinnerte Ben an die vielen unzähligen Male, als Shanks sich mit einem spitzbübischen Grinsen aus jeglicher Affäre gezogen hatte. Mit diesem Mann wurde man nicht alt. Nur älter.
„Ich brauch ne Zigarre!“
Auf Shanks Gesicht bildete sich genau das Grinsen, das Ben eben noch vor Augen gehabt hatte. Dann orderte der Kaiser einfach in den Himmel hinein.
„Bringt dem Vize doch mal seine geliebten Glimmstängel, bevor er wahnsinnig wird.“
Ohne es zu wollen verschluckte sich Ben an seinem Lachen, dann setzte er nach.
„Und dem Käpt’n ne Flasche Sake, bevor er noch mehr Unsinn redet.“
Augenblicklich hörten sie Schritten, Lachen und fröhliches Gemurmel. Ben konnte sich bildlich vorstellen wie die Männer die Augen verdrehten, über das Bild das sie abgaben. Aber so war das nun Mal bei den Rothaarpiraten.
Zwei Minuten später wurden ihnen zwei Hände hingehalten und mit einem Ruck wurden sie hochgezogen. Sie standen wieder und ohne weitere Worte wurden Ben eine Schachtel Zigarillos und Shanks eine Flasche Sake in die Hand gedrückt. Mit routinierten Bewegungen fischte Ben die nasse, unbrauchbare Schachtel aus seiner Gesäßtasche, warf sie ins Meer und ließ die neue anstelle hinein gleiten. Jedoch nicht ohne sich nicht vorher eine herauszufischen. Doch bevor er sich den Glimmstängel anzündete, musterte er nochmal seinen Käpt’n. Dieser war triefend nass.
„Du solltest dir was anderes anziehen, sonst holst du dir noch ne Erkältung.“ Dann schaute er sich um. Sein Blick glitt über die Männer, die bei ihnen standen. „Am besten zieht ihr euch alle was Trockenes an.“ Sie waren alle durchnässt vom Regen und auch Ben spürte die Kälte seine Glieder hinaufkriechen.
Shanks nickte seine Worte ab und ein einstimmiges „Aye, aye.“ ertöne als Antwort. Dann folgten Schritte, Gemurmel, Worte und das alltägliche Chaos. Neben ihm schlug Shanks die Flasche an der Reling auf und gönnte sich einen großen Schluck. Währenddessen zündete sich Ben das Zigarillo an. Es war alles in Ordnung. Weißer Rauch stieg in den Himmel auf.



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Zu aller Erst: Vielen Dank an meine wunderbare Beta-Leserin Neyla e Lee, die mir nicht nur kurz eine Meinung zu der Geschichte abgegeben hat, nein, sondern auch noch das komplette Monstrum an Text korrigiert hat und mir Tipps bei diversen Formulierungen gegeben hat. Du bist einfach nur ein Schatz :)

Ja, eigentlich wollte ich das hier als OneShot schreiben ... aber so gefühlte 11.000 Wörter sind dafür dann wohl doch ... etwas viel. Deswegen wird es entweder ein three oder four Shot. Man darf also gespannt sein ;-)

Wenn jemand der Meinung ist, dass ich Ben, Shanks oder sonst jemanden nicht gut getroffen habe, dann würde ich mich über Meinungen wirklich freuen, da ich teilweise echt unsicher war. Aber ich habe mich bemüht, es passend zu schreiben. Wie gesagt, wenn Kritik, immer her damit.

Liebe Grüße
Arzani
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