Castiels kleiner Lieferservice

KurzgeschichteRomanze, Freundschaft / P12 Slash
Castiel Dean Winchester
21.07.2014
31.08.2014
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Castiel saß auf seinem Fensterbrett und sah hinaus auf die Stadt und das Meer, das einfach so dalag, flach und blau und glitzernd wie Glas. Nur ein paar kleine, weiße Wolken warfen Schatten auf das Wasser.
Am Strand tummelten sich Badegäste, winzige bunte Handtücher lagen dicht an dicht und da Castiels Haus so hoch gelegen war sah alles zusammen wie ein Mosaik aus.
Sein Haus, ein kleines, altes, windschiefes Ding mit Reetdach und klappernden Fensterläden stand ganz oben auf dem Berg um den die Stadt herum gebaut war, kreisrund herum, staubige Straßen wie kleine graue Flüsse und rote und weiße Dächer.
Es war Sommer und es war heiß, die Sonne brannte auf jeden herab und färbte Haut braun oder rot.
Castiel hatte einen Sonnenbrand auf der Nase und den Unterarmen, denn er war an diesem Tag schon lange unterwegs gewesen und hatte die Sonnencreme wie so oft vergessen.
Jetzt saß er dort auf seinem Fensterbrett, an den Fensterrahmen gelehnt, die Beine entspannt ausgestreckt und nippte an einem eiskalten Pfefferminztee.
In seinem Garten, winzig und umwuchert von Rosenbüschen, wuchsen die Blumen der Sonne entgegen und wurden besucht von den zahlreichen Bienen.
Zugegeben, viel machte Castiel sich nicht aus Blumen, aber wer Bienen hatte und wer von seinen Bienen viel Honig erwartete, der sorgte besser für ausreichend Blumen.
Die Bienenstöcke, jeder davon einzigartig, gezimmert aus Holz, standen im Schatten neben dem Haus. Ein sanftes, emsiges Brummen ging davon aus, ein Geräusch welches Castiel stets Frieden und Ruhe schenkte.

Vor einigen, wenigen Jahren war er quasi vom Himmel gefallen.
Doch so wirklich wusste er das nicht. Er war einfach am Strand aufgewacht, angespült wie Treibgut, Algen im Haar, völlig nackt.
Es ist eine lange Geschichte wie Castiel schließlich zu seinem Lieferservice kam, aber die Kurzfassung davon ist, dass er ihn geerbt hat. Es war ein Blumenlieferservice, doch mit denen konnte Castiel wie gesagt nichts anfangen…
Jetzt lieferte er Honig, cremig oder flüssig, in kleinen, dicken Gläsern mit goldenem Deckel und seinem eigenen kleinen Siegel. Er war stolz auf seine Arbeit und darauf was er so ganz ohne Erinnerung an sein früheres Leben erreicht hat.
Oft hatte er schon das Gefühl, ihm würde etwas fehlen, ein Stück in seinem Herzen, aber in solchen Momenten schnappte er sich Milchshake und kraulte sie hinter den Ohren bis sie schnurrte und manchmal ihre kleinen spitzen Zähne vor Liebe in seine Finger grub.
Milchshake, seine dicke, gemütliche Glückskatze, rot, weiß und karamellbraun, war ihm als Baby vor die Füße gelaufen. Und da sie versessen auf Milchshakes war hatte Castiel sie so getauft. Besonders gerne mochte Milchshake Erdbeermilchshakes und am liebsten dann wenn Castiel diese eigentlich selber trinken wollte.
Aber Castiel war trotzdem dankbar für seine Begleiterin.
Wenn er auf seinem alten, klapprigen Fahrrad seinen Honig auslieferte dann saß Milchshake im Korb und ließ sich den Fahrtwind um die pinke Nase wehen.
Castiel lebte zurückgezogen in seinem Haus und seinem Garten. Denn auch wenn er die Menschen mochte, so ganz warm wurde er mit ihnen nicht.
Und manchmal flackerten auf deren Gesichtern schwarze Schatten auf oder grausige Masken, sodass Castiel darüber furchtbar erschrak. Fast als hätte er in sie hineingeblickt und einen dunklen, vergessenen Keller gesehen.
Aber das merkwürdigste was Castiel ab und an passierte waren nicht diese Schatten in den Gesichtern mancher Menschen, nein es war diese Stimme. Diese eine rauchige, tiefe, honigcremige Stimme in seinem Kopf. Diese Stimme rief nach ihm, immer leise, fast als hätte man einen Radiosender nicht richtig eingestellt.
Aber von Jahr zu Jahr wurden diese Rufe weniger, leiser und resignierter. Es war als breche eine Verbindung ab.


Castiel schwang seine Beine vom Fensterbrett und lief in die Küche um nach der Suppe zu sehen die über dem Feuer vor sich hin köchelte.
Die Schale auf dem Küchentisch in welche Castiel vorhin ein paar Kekse für Milchshake gelegt hatte, war unangerührt.
Verwundert saß sich Castiel nach seiner Katze um.
„Milchshake?!“, rief er, „hast du gar keinen Appetit, meine Süße?!“
Keine Antwort, keine Milchshake, die wie ein geölter Blitz an gespurtet kam um ihm um die Beine zu schwänzeln, nichts, keine Regung.
„Milchshake!?“, jetzt doch ernsthaft besorgt durchsuchte Castiel sein gesamtes Haus, seinen Garten, den Dachboden, alles, die Suppe war völlig vergessen.
Keine Spur von seiner Glückskatze.

Erst spät nachts als er fast die gesamte Stadt durchsucht hatte fand er Milchshake, die mauzend auf ihn zukam und so tat als wäre gar nichts gewesen. Erleichtert schloss Castiel sie in seine Arme.
„Wo bist du denn nur gewesen?“, fragte er und drückte ihr einen Kuss zwischen die Ohren.
Hätte er sie verstanden, hätte er gehört wie sie sagte: „Unten am Meer war ich, dort wo heute jemand wichtiges für dich angekommen ist.“
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