Qualen in der Nacht (Wettbewerb Die Angst)

KurzgeschichteAngst, Schmerz/Trost / P12
Ashallayn "Ash" Darkmyr Tallyn
21.07.2014
21.07.2014
1
1924
 
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Titel: Qualen in der Nacht
Wettbewerb: Die Angst von Thorinstochter (nun übernommen von DoraLupin)
Fandom: Plötzlich Fee
Rating: 12
Hauptpersonen: Ash
Nebenpersonen: Ariella, Puck

Hinweise zum Inhalt: Ash ist ein Feenwesen, welche durch die Träume der Menschen entstanden sind. Sie existieren in einer anderen Welt. Dort regieren zwei Höfe (Sommer und Winter), außerdem gibt es das Eiserne Reich, was sich immer weiter ausbreitete, bis es durch einen klugen Schachzug von Meghan (der Hauptperson, einem Halbblut) gestoppt wird. Im vierten Buch (Frühlingsnacht) gelangt er zusammen mit Puck (Robin Goodfellow, dem bekannten Wesen aus „Der Sommernachtstraum“) und Ariella (seiner totgeglaubten Exgeliebten) an den Fluss der Träume. Dieser OneShot spielt während sie dort rasten.
Weitere Informationen könnt ihr hier nachlesen.


Qualen in der Nacht

Die Bäume werfen tiefe Schatten auf die karge Wiese. Sanft wiegen sie sich im Wind. Am Himmel ist keine Sonne zu erkennen. Hier, in der Großen Wildnis hat sie nicht genug Macht. Die Nacht herrscht über dieses Land.

Ich sehe sie vor mir, glücklich steigt Ariella in den Fluss.
„Komm schon Ash, lass es uns ausprobieren!“, ruft sie mir zu. Ihren Sinneswandel kann ich kaum verstehen, hat sie mir doch vor wenigen Stunden noch erzählt, wie gefährlich der Fluss denn sei. Nun scheint sie alle Vorsicht beiseite zu lassen.
„Ach Ash, sei kein Spielverderber! Trau dich endlich! Na los, sonst ist Puck noch vor dir drin!“, lässt sie mich wissen und lacht fröhlich. Ihre langen Haare kräuseln sich im Wind und fliegen ihr immer ins Gesicht. Während sie mir weiter zuredet macht sie noch einen kleinen Schritt rückwärts, immer weiter in den Fluss hinein. Puck hingegen kann ich nicht erkennen.

„Pass auf. Schau wo du hintrittst!“, schreie ich ihr besorgt entgegen, doch meine Worte scheinen nicht bei ihr anzukommen. Noch einmal bitte ich sie, doch die Worte bleiben in der Luft gefangen und gelangen nicht bis zu ihr.

Als ich sehe, dass sie nicht reagiert und ihren Weg in die sanften Fluten fortsetzt, beginne ich ängstlich zu werden. Doch dann schelle ich mich zur Vernunft. Was soll schon in diesem Gewässer passieren? All die schönen Träume der Menschen sind hier gesammelt und treiben auf dem Wasser daher.
Soweit man auch blicken kann, überall finden sich Kindheitserinnerungen. Vor einer Weile sah ich einen kleinen Zinnsoldaten, welcher auf einem knallpinken Einhorn ritt und mir begeistert winkte. Ebenso erblickte ich eine kleine Gruppe von Blumenfeen, die mit den Seerosen dem Weg des Flusses folgten.
Doch Schein kann so viel anrichten. Durch diesen werden wir auf viele Weise beeinflusst. Hätte Ariella mich nicht vorher gewarnt, ich hätte dies bei meiner verzweifelten Reise zum Ende der Welt außer Acht gelassen und mich des bunten Treibens erfreut. Jedoch bin ich nun vorgewarnt und versuche so auch Ariella von den Gefahren fernzuhalten, von denen sie mir vor geraumer Zeit erzählte.

Wir wissen nicht, was sich in den Tiefen des buntschimmernden Stroms befand. Was ist, wenn dort ein Ungeheuer lauerte? Wie konnte ich sie davor bewahren?
„Ariella, geh nicht!“, versuche ich es noch einmal, doch meine Worte haben keine Kraft die unsichtbare Trennwand zwischen uns zu durchbrechen.
Was soll ich tun? Panisch versuche ich zu ihr zu laufen und sie mit aller Kraft zurückzuhalten, aber es gelingt mir nicht. Ich kann mich ihr nicht nähern. Es funktioniert nicht.

„Ash, du bist so ein Feigling“, stellt Ariella schließlich fest und taucht daraufhin mit einem Schwung komplett unter.
„Nein!“, schreie ich verzweifelt, da ich aus dem Augenwinkel einen dunklen Schatten bemerkt habe. Im Wasser lauert eine Gefahr und ich kann Ariella nicht davor beschützen.
Angst macht sich in mir breit. Tausende Gedanken schießen durch meinen Kopf. Wie kann ich ihr helfen? Wie kann ich sie beschützen? Warum hilft ihr sonst niemand? Ihrer Aufforderung nach sollte sich Puck in der Nähe befinden, doch noch kann ich ihn nicht erblicken.
Hilflos muss ich mitansehen, wie der dunkle Schatten sich seinen Weg durch das Wasser bahnt.
Was ist es, was meine Ariella bedrohte? Welches Ungeheuer lauert in den undurchdringlichen Tiefen des Gewässers? Was wird es mit ihr tun? Bei der Vorstellung daran, dass Ariella etwas geschieht, dreht sich mir der Magen um. Ich beginne unkontrolliert zu zittern und bange um ihr Leben.

„Hier drin ist es wunderbar Ash, nun komm schon!“, fordert Ariella ein weiteres Mal. Von der drohenden Gefahr scheint sie nichts zu bemerken. Sie ist so unbesorgt und glücklich, dass es mir das Herz zerreißt.

Und plötzlich erklingt eine Stimme, die mich stocken lässt. Ich weiß, zu welcher Person diese gehört, doch ich kann es nicht glauben, weil es aus meinen Augen unmöglich scheint.
„Na gut, ich komme ja schon“, erklingt es von Seiten des Waldes.
Eine mächtige Winterfee tritt daraus hervor. In seinen Augen, welche leicht durch seine pechschwarzen Haare verdeckt werden, funkelt die Abenteuerlust.
Je näher die Person kommt, desto verrückter wird das Ganze. Denn die Gestalt vor mir ist niemand anderes als mein Abbild, Ash, der Winterprinz.
Ich bin total baff und versuche noch mehr, mich Ariella und der ankommenden Fee zu nähern. Wie kann das funktionieren? Warum beobachte ich mich selbst? Oder ist es eine Täuschung und eine weitere eiserne Fee hat meine Gestalt angenommen?
Die Sache wird immer abstruser. Ich kann die Situation nicht kontrollieren und weiß nicht wie es weitergeht. Dieser Kontrollverlust nimmt mir meine durch den Winterhof gegebene Ruhe und Selbstsicherheit. Hektisch suche ich nach einem Ausweg, doch ich kann keinen finden.

Kurz habe ich geglaubt, dass ich mich nur kurzzeitig in einer emotionalen Starre befand und es mir deshalb nicht gelingt zu Ariella zu sprechen, aber nun finde ich keine Erklärung. Wie soll ich ihr helfen? Wie beschütze ich sie vor der Kreatur?
Meine Gedanken werden je unterbrochen, als ein schwarzer Kopf aus den bunten Fluten auftaucht. Mit unglaublicher Geschwindigkeit nähert er sich der im Wasser badenden Fee und stürzt sich auf sie. Die nächsten Augenblicke nehme ich nur noch verschwommen war. Panisch schlage ich um mich und versuche verzweifelt die unsichtbare Wand zu brechen. In der Hoffnung auf Erfolg setze ich all meine Macht ein und schieße Eissplitter auf das vermeintliche Hindernis. Trotz aller Anstrengung bleibt es mir jedoch weiterhin verwehrt dieses zu durchdringen.
Erschöpft lasse ich mich auf den Boden fallen und schlage die Hände vor meinem schweißüberströmtes Gesicht zusammen. Ich will das alles nicht sehen, will nicht erleben, wie ein Ungeheuer Ariella, die für mich gerade erst zu den Lebenden zurückgekehrt ist, erneut in den Tod reißt.

Ich höre einen dumpfen Schlag und verberge meinen Kopf zwischen den Knien, um die schrecklichen Geräusche abzuschirmen. Es ist schrecklich hier zu sitzen und nichts tun zu können. Innerlich macht es mich verrückt. Mein Herz scheint in alle Einzelheiten zerrissen zu werden und meine Eingeweide mit seinen eisigen Splittern zu verletzten.
Es macht mich wahnsinnig keine Hilfe in Sicht zu wissen. Alles was mir bleibt, ist, um das Leben von Ariella und in gewisser Weise auch von meinem vermeintlichen Doppelgänger zu bangen. Die Angst sitzt mir im Nacken, doch ich kann ihr nicht entfliehen, kann ihr nicht die Stirn bieten, da jede Flucht nach vorne verhindert ist.
Es ist zum Verzweifeln. Ich bin machtlos. In meinem Kopf spielen sich die wirrsten Bilder ab. Das Ungeheuer, welches aus dem Wasser schießt und seinen langen, scheinbar nie endenden Körper um Ariella schlingt und sie mit in die Tiefen zog. Die verzweifelten Versuche meines Doppelgängers sie aus dessen Fängen zu befreien. Und die schrecklichen Bilder in den die Kreatur den beiden mit einem hässlichen Knacken die Gliedmaßen abreißt. Blut tropfte an ihnen hinunter, wie als wären sie plötzlich Menschen geworden und ich schüttele mich vor Ekel.
Das ist ja schon fast so schlimm wie in einem der Kriegsfilme, die die Menschen immer schauten, um sich selbst zu gruseln. Waren sie in der Realität je in einen wirklichen Kampf verwickelt gewesen? Ich bin mir nicht sicher, ob sie diese Filme dann noch mit Freude schauen würden.

Angeekelt verziehe ich das Gesicht und stelle mich schließlich den Tatsachen. Doch das vermutete Massaker bleibt aus. Tatsächlich kann ich in den Fluten des Flusses nichts Lebendiges entdecken. Hat das Monster sie verschlungen? Hat es sie unter Wasser gezogen, wo sie nun schließlich um ihr Leben kämpfen? Wohin sind sie verschwunden?
Werde ich Ariella je wiedersehen? Was geschieht mit mir, wenn mein Doppelgänger schließlich in den Tiefen des Stroms verendet? Ich atme schwer und versuche einen klaren Kopf zu fassen, doch es gelingt mir nicht.
Ich hatte es nicht verhindern können, bin nicht in der Lage gewesen ihr zu helfen. Ein weiteres Mal ist eine dunkle Gestalt zwischen mich und meine Liebsten getreten und hat diese in seine eisigen Klauen gerissen.

Geschworen hatte ich mir, dass so etwas nie wieder geschehen würde. Doch nun ist es ein weiteres Mal eingetreten. Ich habe keine Kontrolle über mein Leben. Wie kann ich mich aus dieser Hölle befreien?
Was passiert, wenn ich nicht stark genug bin dieser zu entfliehen? Werde ich für immer hier bleiben? Werde ich je zurück in mein normales Leben finden? Was ist, wenn ich hier elend verende und mich einfach auflöse so wie all die im Krieg besiegten Feen? Ich will nicht, dass mein Leben vorüber ist, doch mit dem Tod von Ariella gibt es auch keinen wirklichen Sinn weiterzuleben.

Plötzlich kommt die Angst in mir hoch, dass ich durch diese Ereignisse wieder mich selbst verlieren werde. Die Kälte wird mich ergreifen und zu einem gefühlslosen Klotz aus Eis machen, der nicht noch ein weiteres Mal auftaut.
Wütend versuche ich diese Angst zu unterdrücken und nach vorne zu sehen. Doch es gelingt mir nicht. Viel zu groß ist die Verzweiflung ihres Verlustes. Es hat alles keinen Sinn mehr. Ich bin zu schwach.

Nichts kann mich in dieser Welt halten. Ich werde aufhören zu existieren. Aber plötzlich machte mir das keine Albträume mehr. Es ist vorüber und ich muss mich meinen Ängsten stellen, mich von ihnen überwältigen lassen und das Leben hinter mich bringen. Es ist vorbei. Alles ist aus und vorbei…


„Prinz? Prinz!“, erschreckte mich eine Stimme
„Nun steh‘ endlich auf! Wir müssen weiter! Das Ende der Welt wird uns nicht entgegen kommen!“, rief diese weiter und riss mich damit nun endgültig aus dem Schlaf.
„Was ist los?“, fragte ich verwirrt und rieb mir verschlafen die Augen. Suchend blickte ich um mich und ließ mich erleichtert wieder zu Boden sinken, als ich Ariellas zierliche Gestalt einige Meter entfernt sah.
„Gefühlte Ewigkeiten hast du geschlafen, das ist los!“, meinte Puck lachend und lief fort.

Seufzend setzte ich mich auf. Ein Traum, es war nur ein Traum. Alles war in Ordnung. Noch musste ich mir keine Angst um Ariella oder jemanden anderen machen. Es war nur ein Albtraum. Das Leben ging weiter. Vorläufig.
 
 
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