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Der neue Digiritter

GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P12
Akari Hinomoto Mimi Tachikawa und Palmon Royal Knights Sora Takenouchi und Biyomon Taichi "Tai" Yagami und Agumon Yamato "Matt" Ishida und Gabumon
21.07.2014
18.11.2020
36
58.224
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20.07.2020 2.764
 
Ihr Lieben,

ich weiß, das Kapitel hat jetzt etwas länger gedauert und es ist auch nicht so lang geworden. Aber ich gebe mir Mühe nächstes Mal mehr zu schreiben >-<  
Hoffe es gefällt euch und ihr habt Spaß beim lesen <3

Liebste Grüße

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Als ich zu Hause ankomme, spüre ich immer noch, dass ich ganz aufgeregt bin. Mein Herz klopft gegen meine Brust und meine Nackenhaare stehen immer noch ab. Das Lerntreffen mit Tai hat mich ganz schön durcheinandergebracht. Seufzend ziehe ich meine Schuhe aus und rufe ein kurzes „Bin wieder da“ durch die Wohnung. Da ich keine Antwort bekomme, sehe ich automatisch zum Spiegel neben dem Schuhschrank und finde wie gewohnt ein Zettel daran hängen.

„Komme spät nach Hause“, steht auf dem Zettel von meiner Tante geschrieben.

Ich verdrehe nur die Augen und ziehe schließlich meine Jacke aus. Ganz kurz schießt mir die Frage durch den Kopf, ob es mich traurig macht, dass meine Tante nie da ist. Vermisse ich sie? Brauche ich sie? Doch ich werfe den Gedanken schnell weg, da mir wieder einfällt, dass ich endlich jemanden gefunden habe, der mich nie verlassen wird.

„Veemon?“, rufe ich schließlich.

Daraufhin ertönt ein Rumpeln und Krachen aus meinem Zimmer, bis die Tür geöffnet wird und mein kleiner Freund vorsichtig durch einen kleinen Spalt hindurchlungert. Mit einem zuversichtlichen Lächeln nicke ich ihm zu und breite meine Arme aus, um ihn mit einer Umarmung zu begrüßen. Freudig läuft er zu mir und wirft sich in meine Arme. Obwohl ich ihn noch heute Morgen gesehen habe, habe ich ihn in der Zwischenzeit doch sehr vermisst. Ich würde mir wünschen, dass er mich den ganzen Tag begleiten könnte. Wie toll es wäre, wenn er sich unsichtbar machen könnte oder einfach alle Menschen ein Digimon hätten, dann würde Veemon nicht auffallen.

„Ach Ivy, wie schön, dass du wieder da bist“, seufzt Veemon an meinem Ohr.

„Ich freue mich auch“, seufze ich ebenfalls.

Schließlich lösen wir uns voneinander, ich werfe meine Schultasche und Sportbeutel in mein Zimmer und mache mich mit Veemon auf den Weg zur Küche. Höchste Zeit etwas zu essen! Heute entscheide ich mich dafür, mir mehr Mühe für das Kochen zu geben. Da wir noch Fisch in der Tiefkühltruhe haben, bereite ich diesen mit Kartoffeln zu, während Veemon mich neugierig von der Seite mustert.

„Wie war dein Treffen mit Tai?“, fragt mich Veemon schließlich aus dem nichts.

Fast hätte ich mir beim Schälen in den Finger geschnitten. Stockend schäle ich weiter, doch ich merke, dass meine Konzentration hin ist. Veemon und ich haben gestern Abend über das heutige Treffen mit Tai gesprochen. Ich habe ihm erzählt, dass ich aufgeregt bin und nicht weiß, wie ich damit umgehen soll, dass ich weiß, dass er ein Digiritter ist und er eigentlich auf der Suche nach mir und Veemon ist. Streng genommen, verheimliche ich ihm die ganze Zeit etwas, auch wenn ich ihm nicht schuldig bin, die Wahrheit zu erzählen.

„Es lief alles gut“, stammele ich und blicke ihn mit Absicht nicht an.

Ich spüre von der Seite, wie Veemon mich eindringlich mustert und hin und her schwankt, um mich besser erblicken zu können.

„Wieso werden deine Backen denn rot?“, fragt er verwundert.

„Die sind nicht rot“, beschwere ich mich sofort und blicke ihn verärgert an.

„Und wie“, widerspricht er mir und blinzelt mich verwirrt an. „Sie werden sogar immer rötlicher.“

„Du hast doch keine Ahnung“, plustere ich mich auf und blicke wieder zu den Kartoffeln.

Kurz ärgere ich mich über Veemon, dann rüge ich mich aber selbst, da mir klar wird, dass er gar nichts dafür kann. Vermutlich weiß er nicht einmal, was es bedeutet, wenn jemand rot wird. Eigentlich ärgere ich mich nur über seinen Kommentar, weil ich erst errötete, als er angefangen hat über Tai zu reden und ich mir nicht eingestehen möchte, dass ich ausgerechnet wegen ihm rot werde. Nachdem ich die Kartoffeln ins kochende Wasser geschmissen habe und der Fisch im Backofen liegt, drehe ich mich seufzend zu Veemon und setze mich zu ihm an den Tisch.

„Tut mir leid, ich wollte dich nicht anfahren“, entschuldige ich mich bei meinem kleinen Freund und verdrehe meine Augen wegen meiner Dummheit.

„Was ist denn los?“, fragt er mich und runzelt seine Stirn.

„Das Treffen mit Tai verlief besser, als ich mir gewünscht hatte“, antworte ich zögerlich und blicke hinunter zu meinen Händen, die damit beschäftigt sind, mein Nagellack von meinen Fingernägeln abzukratzen.

„Und was ist so schlimm daran?“, fragt er und legt seinen Kopf schief.

„Wir wissen noch nicht, ob Tai und seine Freunde vielleicht unsere Feinde sind, beziehungsweise uns verstoßen würden, wenn sie erfahren, wer wir wirklich sind“, erkläre ich schulterzuckend. „Es ist besser und leichter den Jäger zu hassen, als für ihn Sympathie zu entwickeln.“

Das war auch mein Problem in dem Moment, als ich Tai offenbart habe, dass nicht seine Berührung mich so wütend gemacht hatte. Es war eher so, dass mir genau da bewusst wurde, dass ich ihn mag und nie hassen könnte. Viel eher noch gefiel mir seine Berührung, seine Nähe.

„Du hast es gerade gesagt“, merkt Veemon nach einer Minute Schweigen an. „Wir wissen nicht, ob sie unsere Feinde sind. Es könnte genauso gut sein, dass wir eigentlich ein Teil von ihnen sind. Also müssten wir sie gar nicht hassen. Ich denke, es ist nicht schlimm, wenn du Tai gern hast.“

Nachdenklich über die Worte von Veemon zeichne ich Kreise und Sterne mit meinem Zeigefinger auf dem Tisch. Bei der Erinnerung, als Tai aus dem Nichts nach meinem Arm gegriffen hatte und sich weigerte sie loszulassen, erschaudert es mich wieder. Sein Griff war nicht hart, sondern warm und so persönlich. Vor allem als er mich zu sich zog, blieben mir wahrhaftig die Spucke und der Atem weg. Noch nie ist mir so jemand wie Tai begegnet.

„Er ist so unverblümt, viel zu draufgängerisch und manchmal sogar aufdringlich“, zähle ich stirnrunzelnd auf. „Dafür aber so ehrlich, empathisch und humorvoll.“

„Du scheinst ihn wirklich zu mögen“, lächelt Veemon mich leicht an.

„Ich finde ihn ganz nett“, verbessere ich ihn und halte demonstrativ meinen Zeigefinger in die Luft.

Schließlich erzähle ich ihm noch etwas über unser Geschichtsprojekt, bis der Fisch und die Kartoffeln fertig sind. Veemon stürzt sich buchstäblich auf das Essen und lobt meine Kochkunst. Freudig bereite ich noch ein Schokoladenpudding für uns als Dessert vor, welchen er ebenfalls verschlingt. Den Rest des Abends verbringen wir in meinem Bett und schauen uns The Dark Knight an. Noch bevor der Joker in den Abgrund fällt, schlafen wir beide ein.


Am nächsten Morgen verabschiede ich mich wie gewohnt von Veemon und kläre ihn davor noch darüber auf, dass ich nachmittags mit Matt verabredet bin. Zur Wiedergutmachung, dass er wieder allein zu Hause sitzen muss, verspreche ich nach dem Treffen mit Matt mit Veemon in den Park zu fahren. Er freut sich tierisch und verabschiedet sich wieder mit einer Umarmung von mir, ehe ich die Wohnung verlasse und zur Schule laufe.

Die ersten Unterrichtsstunden vergehen schnell und mir wird klar, dass das letzte Fach immer näherkommt. Heute habe ich wieder Geschichte, heißt ich sehe Tai wieder. Mir wird bewusst, dass ich Tai in den letzten Tagen sehr oft gesehen habe und auch öfter an ihn gedacht habe, als mir lieb ist. Seltsam was für eine Wirkung er auf mich hat. In der Vergangenheit war ich schon öfters verknallt, doch ging das nie gut für mich aus, da die Zuneigung nur von mir aus ging. Ich hatte auch zwei jahrelang einen festen Freund, im Nachhinein bin ich mir aber nicht sicher, ob ich ihn wirklich geliebt habe. Jedenfalls habe ich zu keinen der Typen jemals so eine Verbundenheit gespürt, wie zu Tai. Ich bin vorsichtig mit dem Begriff „verknallt sein“, denn da befinde ich mich noch nicht. Ich spüre aber, dass die Gefahr besteht, dass ich dahin gerate und das ist das Letzte, das ich möchte. Das könnte niemals funktionieren. Ich schüttele den Gedanken weg und nehme mir vor, ihn besser kennenzulernen, um ein überschaubareres Bild von ihm zu bekommen, vielleicht erledigen sich meine seltsamen Gefühle Tai gegenüber dann von selbst.

Ich bin eine der ersten, die den Klassenraum für den Geschichtsunterricht betritt. Ehrlich gesagt bin ich erleichtert, dass Tai noch nicht da ist, so kann ich in Ruhe ankommen, ohne sofort aus dem Konzept gebracht zu werden. Also packe ich gelassen meine Geschichtsunterlagen aus und blättere in meinen Aufschriften herum, da wir gestern irgendwo noch Fragen an den Lehrer für das Projekt notiert hatten.

„Wie immer früh dran“, höre ich die lobende Stimme von Tai und blicke sofort auf.

Mit einem verschmitzten Lächeln steht er vor unserem Tisch und ich höre sofort auf in meinen Unterlagen zu blättern. Automatisch muss ich ebenfalls lächeln und freue mich schlagartig ihn wiederzusehen.

„Das habe ich so an mir“, gestehe ich und ziehe meine Augenbrauen hoch.

„Wonach suchst du?“, fragt er nach einem lachenden Schnauben auf meine Antwort und blickt zu meinem Ordner, indem ich davor herumgeblättert habe.

„Ich suche nach den Fragen, die wir uns notiert haben für Herrn Grattis“ erkläre ich schulterzuckend, da ich bisher erfolglos war. „Leider finde ich sie nicht mehr.“

Mit leichten Schritten umgeht er den Tisch, sodass er direkt hinter mir steht.

„Das liegt daran, dass du es nicht in deinen Ordner gelegt hast“, höre ich seine Stimme hinter mir und bin wie erstarrt. „Sondern in deinem Buch.“

Seine Stimme erklingt dicht neben meinem Ohr, da er sich zu mir nach vorne gebeugt hat. Eigentlich sehe ich nur seinen rechten Arm neben mir, welche nach dem Buch unter meinem Ordner greift und die ersten Seiten öffnet. Wie er gesagt hat, befindet sich der Zettel mit den Fragen tatsächlich darin. Doch daran kann ich momentan gar nicht denken, sondern bin bewegungsunfähig und höre nichts außer meinen Puls durch meine Adern rasen. Seine Nähe, die leichte Berührung an meinem Rücken, sein Arm, der nur wenige Zentimeter von mir entfernt ist und seine Stimme, die direkt an meinem Ohr erklingt, haben mich mal wieder völlig überfordert. Wie kann es ihm so leichtfallen mich so einfach durcheinanderzubringen?

„Stimmt“, kommt es mir angestrengt über die Lippen und ich schlucke schwer.

Auch nachdem er seinen Arm wieder entfernt hat und sich neben mich setzt, spüre ich seine elektrisierende Nähe immer noch neben mir und rieche seinen angenehmen Duft. Während Tai, die Ruhe in Person, seine Geschichtsunterlagen gelassen aus seinem Rucksack herausholt, sitze ich immer noch wie versteinert neben ihm und blinzele den Fragezettel auf dem Tisch an.

„Scheint als hätte ich meinen Kulli im anderen Klassenzimmer vergessen“, murmelt Tai neben mir und wühlt weiterhin in seinem Rucksack.

Wie in Trance greife ich nach meinem Mäppchen und hole einen Kugelschreiber heraus.

„Du kannst einen von mir haben“, sage ich heiser und halte ihm diesen hin.

Überrascht blickt er auf und fixiert den Kugelschreiber zwischen meinen Finger.

„Das ist nett, danke dir“, bedankt er sich und blickt mich nun genauer an. „Du siehst so benommen aus, geht’s dir gut?“

Ich runzele nur die Stirn und wünsche mir sofort, dass Herr Grattis ins Klassenzimmer kommt und endlich mit dem Unterricht beginnt. Denn ehe ich ihm versichern kann, dass es mir blendend geht, legt er seine flache Hand auf meine Stirn.

„Fühlt sich etwas warm an“, sagt er leise. „Vielleicht hast du dich erkältet.“

Himmel! Wieso muss der Kerl mich denn immer wieder anfassen! Weil ich ganz genau weiß, dass ich sofort wieder rot werde und mein Gesicht noch heißer wird, greife ich blitzschnell und grob nach seiner Hand und ziehe diese von meinem Gesicht weg.

„Mir geht es gut“, antworte ich ihm eindringlich und klinge verärgert.

Dabei bin ich nicht auf ihn böse, sondern auf mich. Wieso muss ich denn auch so extrem und für alle Welt so offensichtlich auf ihn reagieren?

„Buhu“, klingt Tai schockiert über meine Reaktion und zieht eine Schnute. „Warum denn gleich so hochfahren?“

„Du bist ziemlich touchy“, entgegne ich ihm ehrlich und ziehe meine Augenbrauen demonstrativ hoch.

„Ich bin touchy?“, wiederholt Tai und muss laut lachen.

Sofort spüre ich neugierige Blicke der Mitschüler auf uns und werfe allen einen vernichtenden Blick zu, damit sie sich wieder auf sich selbst konzentrieren.

„Ja“, bestätige ich meine Aussage leise, bemüht nicht aufzufallen. „Generell, du bist ein Typ der andere gerne anfasst. Und ich bin eher der Typ, dem sowas von fremden Menschen unangenehm ist.“

„Wenn du das so sagst, klingt es, als wäre ich ein Perverser“, meint Tai, hat ein belustigtes Lächeln im Gesicht, sieht aber gleichzeitig schockiert aus.

„Nein“, antworte ich ebenfalls schockiert und kassiere wieder neugierige Blicke.

„Du bist kein Perverser. Perverse grapschen, das tust du nicht“, versuche ich leise und eindringlich zu erklären. „Du bist anderen gegenüber offen und berührst sie eben, wenn du mit ihnen sprichst.“

Meine Worte scheint er sich durch den Kopf gehen zu lassen und lässt mich keine Sekunde aus seinem Blick.

„Ich bin also touchy?“, fragt er noch einmal mit einem Anflug von Fassungslosigkeit und Belustigung.
Ich zucke leicht entschuldigend mit den Schultern und nicke schließlich.

„Das sagt gerade diejenige, die meine Hand seit fünf Minuten nicht loslässt“, entgegnet er mit schiefem Lächeln.

Mit gerunzelter Stirn blicke ich runter auf meinem Schoß und habe das Gefühl, das mir meine Augen gleich herausfallen. Meine Hand hält tatsächlich noch seine fest, die vorhin auf meiner Stirn lag. Wie konnte ich den Moment verpassen, sie loszulassen? Und wieso habe ich das nicht selbst gemerkt? Schockiert lasse ich sofort seine Hand los und lege meine Hände besorgt auf meine Stirn. Vielleicht bin ich tatsächlich krank! Tai scheint die Situation jedenfalls sehr zu amüsieren, der grinst nämlich die ganze Zeit dämlich vor sich hin und sitzt mit verschränkten Armen neben mir.  

Als Herr Grattis schließlich das Klassenzimmer betritt, bin ich der Welt dankbar dafür. Seufzend lehne ich mich an meinem Stuhl zurück und bin heilfroh, dass der Unterricht endlich beginnt und ich mich erstmal nicht mit Tai auseinandersetzen muss. Erst als Tai sich zum Tisch vorlehnt, meinen Kugelschreiber ergreift und die Worte von Herrn Grattis notiert, komme ich zur Ruhe. Ich atme mittlerweile ruhig und fühle mich gefasst. Trotzdem höre ich die Worte von Herrn Grattis nur erschwert. Nachdenklich blicke ich die ganze Zeit auf meine Hand, die Minuten zuvor noch Tais Hand hielt. Sie war so leicht und angenehm warm, dass ich sie gar nicht bemerkt hatte.

Während Tai konzentriert in das Geschichtsbuch sieht, blicke ich ihn verstohlen von der Seite an, jeden Moment bereit nach vorne zu schauen, wenn er meinen Blick auf sich spüren sollte. Seine braunen Haare, die ihm bis zu den Ohren reichen, umschmeicheln seine vakanten Gesichtszügen. Seine Haut ist sonnengebräunt, für diese Jahreszeit eigentlich ungewöhnlich, doch es lässt ihn noch attraktiver wirken als sonst. Was er wohl über mich denken mag? Über meine Frage muss ich selbst die Stirn runzeln, beuge mich ebenfalls vor an den Tisch und nehme mir vor mich nun auf den Unterricht zu konzentrieren.

„Genug gestarrt?“, flüstert Tai mir mit einem frechen Lächeln zu.

Empört und ertappt blicke ich ihn von der Seite an.

„Träum weiter“, flüstere ich keck zurück und blicke aufmerksam zu Herr Grattis.

Neben mir höre ich ein leises Lachen und Schnauben von Tai. Doch ich blicke mit Absicht nicht zu ihm und versuche angestrengt dem Unterricht zu folgen. Ab und zu spüre ich seinen Blick auf mir, doch ich zwinge mich weiterhin starr nach vorne zu sehen. Bloß nicht nachlassen Ivy! Als endlich die Pausenglocke klingelt, packe ich erleichtert seufzend zusammen.

„Danke dafür“, richtet sich Tai an mich, gerade als ich mich vom Stuhl erhoben habe und hält mir meinen Kugelschreiber wieder hin.

Aufmerksam sieht er mich wieder mit seinem intensiven Blick an, als würde er in mein Kopf reinsehen können. Dabei sieht er dermaßen verständnisvoll aus, dass ich kurz das Gefühl habe, er könnte wirklich wissen, wie ich mich fühle. Aber weiß ich das denn selbst?

„Kein Ding“, flüstere ich, halte den Atem still und kann seinem Blick nicht entgehen.  

Für mich fühlt es sich an, als würde die Zeit still stehen, als könnte ich seine braunen Augen nicht loslassen. Was macht er nur mit mir? Mit meiner rechten Hand zwicke ich mir in den linken Arm, sodass ich aus der Starre erwachen kann.

„Ich geh dann mal“, sage ich zu ihm und merke, dass auch er verblüfft von unserem Augenkontakt ist. „Bis morgen.“

„Ja, bis morgen“, antwortet er benommen und wirkt ebenfalls, wie durch den Weg gefegt.

Ehe es mir wieder schwerfällt, mich von ihm loszureißen, drehe ich mich mit einem Schlag um und verlasse das Klassenzimmer. Mein Herz klopft, wie wild gegen meine Brust und ich wünschte mir, es würde aufhören. Was ist bloß los mit mir? Das mit Tai muss sofort aufhören!
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