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Der neue Digiritter

GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P12
Akari Hinomoto Mimi Tachikawa und Palmon Royal Knights Sora Takenouchi und Biyomon Taichi "Tai" Yagami und Agumon Yamato "Matt" Ishida und Gabumon
21.07.2014
18.11.2020
36
58.224
10
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Dieses Kapitel
3 Reviews
 
11.05.2020 3.794
 
Ihr Lieben :)

hat dieses Mal zwar ein wenig länger gedauert, dafür ist das Kapitel aber laaaaang *__*

Viel Spaß beim lesen =)

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Kurz bevor ich zu Hause ankomme, vibriert mein Handy und ich weiß sofort, dass ich eine Nachricht erhalten habe. Also nehme ich mein Handy aus der Hosentasche und blicke drauf. „Ich habe noch ein Termin und komme erst spät abends nach Hause. Du musst dir selbst etwas kochen.“. Die Nachricht ist von meiner Tante. Schulterzuckend packe ich mein Handy wieder weg und laufe gleichgültig weiter. Das ist nicht das erste Mal, dass meine Tante mich links liegen lässt und ich auf mich selbst acht geben muss.

Früher, als meine Eltern noch gelebt haben, hatte ich eine gute Beziehung zu meiner Tante. Doch nach dem Tod meiner Eltern vor fünf Jahren übernahm meine Tante die Verwandtenpflege für mich. Das fiel ihr sehr schwer, sie hat keine eigenen Kinder und war von einem Tag auf den anderen mit mir überfordert, obwohl ich es ihr im Nachhinein eigentlich ziemlich einfach gemacht habe. Im ersten Jahr zog ich mich sehr von ihr zurück, trauerte allein und hatte meine Freunde, die für mich da waren. Danach fing sie an übermäßig zu arbeiten und mich so wenig wie möglich zu sehen. Wenn wir uns in der Wohnung begegneten, stritten wir hauptsächlich miteinander. Ich konnte ihren Anblick nicht ertragen, weil sie mich sehr an meine Mutter erinnerte. In einem Streit hatte sie mal durchblicken lassen, dass sie dasselbe Problem mit mir hatte. Seitdem habe ich akzeptiert, dass wir voneinander Abstand halten und jeder auf seine Art und Weise trauert. Ich kann den Tag nicht erwarten, wenn ich mit meinem Abschluss fertig bin und ausziehen kann.

Als ich an unserem Hochhaus ankomme, eintrete und in den Fahrstuhl einsteige, steigt meine Freude auf Veemon. Was er wohl den ganzen Tag über gemacht hat? Während ich hochfahre, bilden sich kleine Sorgenfalten diesbezüglich. Ich hoffe, er hat mein Zimmer nicht vollkommen auseinandergenommen. Hastig steige ich aus dem Fahrstuhl, laufe zu meiner Wohnungstür und öffne sie schließlich.

„Ich bin’s“, rufe ich in die Wohnung rein und bekomme keine Antwort.

Meine Zimmertür ist geschlossen und ich hoffe, dass sie es auch die ganze Zeit über war. Zögerlich blicke ich zuerst in die Küche und stelle zufrieden fest, dass diese heil ist. Mit pochendem Herzen klopfe ich an meiner Zimmertür und drücke die Klinke sachte runter. Geschockt sacken meine Knie zusammen, meine Arme halten sich zwar immer noch an der Klinke fest, doch ich sitze trotzdem auf meinen Beinen auf dem Boden. Mein Zimmer sieht aus, als hätte ein Tornado darin geweht. Mir kommen fast die Tränen bei dem Gedanken, dass ich das alles aufräumen muss.

Mein Bett ist völlig durchgewühlt, mein Kissen wurde auseinandergerissen und die Federn liegen im ganzen Zimmer wild herum. Mein Kleiderschrank steht offen da, jedoch leer. Alle Kleidungsstücke sind nämlich im Zimmer verteilt. Als ich merke, dass selbst meine Unterwäsche herumliegt, seufze ich laut. Alle Schubladen wurden geöffnet, die Regale umgeschmissen, ein paar Bücher liegen aufgeklappt auf dem Boden.

Als ich mich wieder fassen kann, fangen meine Augen an, nach dem Übeltäter zu suchen. Wo ist Veemon? Das Zimmer ist wirklich ein Chaos, also ist es nicht ganz einfach ihn zu finden.

„Veemon?“, frage ich zögerlich in den Raum rein.

Ich krabbele durch das Zimmer, vorsichtig nicht auf irgendwas Wertvolles zu treten oder kaputtzumachen. Als meine Hand schließlich beim Krabbeln auf etwas Weiches drückt, werfe ich meinen Rock auf die Seite und sehe nicht Veemon sondern DemiVeemon daliegen und schlafen, leicht schnarchen sogar. Eigentlich sollte ich ihn zur Strafe böse aufwecken und mit ihm schimpfen, da er aber so niedlich aussieht, kann ich das nicht machen.

Er scheint wieder zurück digitiert zu sein, vermutlich hatte ihm die Energie nicht ausgereicht, um Veemon zu bleiben. So erkläre ich mir das jedenfalls. Der kleine DemiVeemon sieht sehr süß aus, wie er mit leicht geöffnetem Mund schnarcht und sich seine kleinen, blauen Hörner bei jedem Atemzug auf und ab bewegen. Mit meinem Zeigefinger drücke ich leicht auf seinen warmen, weißen Bauch und entscheide mich ihn so aufzuwecken. Nach mehrerer Stupser in seinem Bauch, wacht DemiVeemon auf und blinzelt mehrmals verschlafen, bis seine roten Augen mich finden.

„Ivy“, sagt er erstaunt mich zu sehen und setzt sich langsam auf.

Ich lächele ihn leicht an, ziehe aber trotzdem meine Augenbrauen hoch und blicke ihn auffordernd an. Er scheint nicht zu verstehen, was ich von ihm möchte, weswegen ich durch den Raum blicke und ihn dann wieder auffordernd ansehe. Er folgt meinen Blicken durch den Raum und scheint dann zu verstehen.

„Ich weiß nicht, wie das passieren konnte“, erklärt DemiVeemon und legt beschämt seine blauen Tatzen auf sein Gesicht.

„Das hast nicht du gemacht?“, frage ich.

„Doch“, antwortet er schnell und blickt zu Boden. „Mir war langweilig.“

„Dir war langweilig und du dachtest dir, warum nicht Tornado spielen?“, frage ich und lache.

„Was ist ein Tornado?“, fragt er mich naiv.

Ich entscheide mich nicht darauf zu antworten, sondern ihn einfach in meine Arme zu nehmen. Eigentlich sollte ich böse auf ihn sein, aber dafür freue ich mich viel zu sehr ihn bei mir zu haben. Glücklich schmiegt DemiVeemon sich an mich, während ich mich nach hinten fallen lasse und auf irgendwelchen Kleidern liege, die es mir bequemer machen.

„Denk ja nicht, dass du das jeden Tag machen kannst“, sage ich ernst, lächele aber trotzdem. „Wir räumen später zusammen auf.“

„Werde ich nicht, versprochen“, versichert DemiVeemo und seufzt leicht.

„Du musst bestimmt großen Hunger haben“, meine ich irgendwann.

„Ouja“, sagt DemiVeemon begeistert und springt von mir herunter.

Lächelnd stehe ich gelassen auf und laufe mit ihm in die Küche. Während er es sich auf dem Tisch bequem macht, lasse ich Wasser in einen Topf laufen und stelle diesen schließlich auf die Herdplatte, damit es anfangen kann zu kochen.

„Wie war deine Schule?“, fragt DemiVeemon interessiert und sieht mir dabei zu, wie ich frische Tomaten schnipple.

„Es war okay“, antworte ich zögerlich.

Von der Seite merke ich, dass er mich mit schiefem Kopf mustert und mehr wissen möchte.

„Soweit ich weiß, gibt es hier noch mehr Digimons auf der Welt“, fange ich an zu erzählen.

„Weitere Digimons?“, fragt DemiVeemon und strahlt.

Seufzend höre ich mit dem Schneiden auf und blicke ihn zögerlich an.

„Hast du eine Ahnung, wie du eigentlich zu mir gekommen bist?“, frage ich DemiVeemon und möchte ich ihm erklären, was ich bis jetzt alles weiß.

„Nein“, antwortet er neugierig.

„Vor einigen Tagen lag ein technisches, schwarzes Gerät auf meinem Schreibtisch, das einem Handy ähnelte“, erkläre ich, hole dieses schnell aus meinem Zimmer und zeige es ihm.

„Das ist dein Digivice“, merkt DemiVeemon unbeeindruckt an, verblüfft blicke ich ihn an.

„Digivice?“, wiederhole ich ungläubig.

„Damit kannst du mich digitieren lassen“, erklärt er mir und blickt mich sicher an.

„Wie dem auch sei“, ignoriere ich die letzte Aussage, da ich damit im Moment nichts anfangen kann. „Dieses Digivice hat einmal nach der Schule angefangen, wie verrückt zu piepsen und zeigte mir einen roten Kreis, dem ich näherkommen musste, damit das Piepsen aufhört. In einer Sporttasche fand ich schließlich ein Ei.“

„Mein Digiei?“, fragt DemiVeemon und seine Augen funkeln.

„Genau“, antworte ich lächelnd. „Dieses musste ich mitnehmen, da sonst das Piepsen nicht aufgehört hätte. Und so kamst du dann zu mir.“

„Worauf ich aber eigentlich hinauswollte“, meine ich schließlich, nachdem ich das Wasser gesalzen habe. „Du befandst dich damals in der Sporttasche von Tai und dieser hat ebenfalls einen Digipartner, sowie seine Freunde auch.“

„Das ist doch super, dann sind wir nicht allein und wir können uns mit ihnen anfreunden“, sagt er begeistert.

Ich beiße mir seufzend auf die Lippe und lege meine Hand unter sein Kinn.

„Leider habe ich heute ein beunruhigendes Gespräch zwischen Tai und seinen Freunden Sora, Izzy und Matt mitbekommen“, sage ich ehrlich. „Sie sprachen darüber, dass es einen neuen Digiritter geben muss und dieser wohl ein böses Wappen trägt. Sie glauben, dass der neue Digiritter böse sein könnte, und sind bereit, ihn auch zu beseitigen. Jedenfalls klangen sie nicht so begeistert darüber, dass es jemand Neues gibt.“

„Ich weiß nicht, ob sie uns damit meinten oder was das mit den Wappen auf sich hat. Bei dem Gespräch habe ich mich jedenfalls angesprochen gefühlt, weil du ja so plötzlich in mein Leben gestoßen bist. Es wäre plausibel, wenn wir damit gemeint sind“, sage ich schnell, da ich merke, wie nachdenklich DemiVeemon wird.

Da das Wasser nun stark kocht, werfe ich zwei Kilo Nudeln in den Topf und mische gut durch. Ich bin mir sicher, dass DemiVeemon die Portion mit links schafft. Schließlich setze ich mich wieder an den Tisch und blicke DemiVeemon unsicher an.

„Ich verstehe nicht, wie sie auf die Idee kommen, dass du und ich böse sein sollten“, grübelt DemiVeemon.

„Aber vielleicht bin ich ja gar nicht der neue Digiritter“, merke ich an und zucke mit den Schultern.

„Oh doch, das bist du“, sagt er sicher und blickt mich mit seinen ernsten, roten Augen an. „Sonst wäre ich nicht hier und ich wäre nicht dein Digipartner.“

Betroffen blicke ich die Tischdecke an und denke jetzt über meine neue Rolle nach. Ich und ein Digititter?

„Was ist ein Digiritter überhaupt?“, frage ich und runzele die Stirn.

„Ein Digiritter wird auserwählt und kämpft mit seinem Digipartner zusammen gegen die bösen Mächten“, erklärt DemiVeemon.

„Und was hat es dann mit diesem Wappen zu tun?“, frage ich weiter.

„Jeder Digiritter hat sein eigens Wappen, dabei handelt es sich um Charaktereigenschaften“, meint er. „Die acht legendären Digiritter tragen jeweils die Wappen Mut, Freundschaft, Liebe, Zuverlässigkeit, Aufrichtigkeit, Wissen, Hoffnung und Licht.“

„Welches Wappen habe ich?“

„Das weiß ich nicht“, meint DemiVeemon und sieht etwas niedergeschlagen aus.

„Wenn die anderen recht haben, müsste es ein böses Wappen sein“, meine ich seufzend und zähle im Kopf böse Charaktereigenschaften auf, die zu mir passen könnten.

Da fallen mir auf die Schnelle nur faul, zickig oder griesgrämig ein.

„Du bist nicht böse“, sagt DemiVeemon plötzlich und berührt mit seiner Tatze meine Hand.

„Wie kannst du das wissen?“, frage ich zögerlich und zucke mit den Schultern. „Vielleicht schlummert ja etwas ganz Böses tief in mir.“

„Dann müsste das doch auch in mir schlummern“, erklärt DemiVeemon simpel. „Und in mir schlummert nur Freude und Glück, dich bei mir zu haben.“

„Du bist wirklich purer Zucker“, lache ich lauthals, nehme ihn sofort in die Arme und drücke ihm ein Kuss auf den Kopf.

Dann schöpfe ich die gekochten Nudeln aus dem Wasser, vermische sie einfach mit einer Tomatensoße und lege die geschnittenen Tomaten noch hinzu. Mir entnehme ich eine kleine Portion und gebe den Rest in eine große Schüssel für DemiVeemon. Dieser freut sich wie ein Honigkuchenpferd, als er das Essen sieht und verschlingt es schneller als ich meine kleine Portion. Wie erwartet, digitiert er nach dem Essen sofort zu Veemon und blickt mich zufrieden an.

„Wie lange genau hält das an?“, frage ich Veemon belustigt.

„Vielleicht gute sechs Stunden“, meint Veemon und lacht heiter.

„Hast du Lust, mal hier rauszukommen?“, frage ich, nachdem ich es mir gut überlegt habe.

„Wirklich?“, fragt Veemon ungläubig und blickt sehnsuchtsvoll aus dem Fenster.

„Hier in der Nähe gibt es einen Park, der ist riesengroß. Vielleicht finden wir eine Stelle, wo niemand ist und da könntest du dann frei herumlaufen.“

„Ja bitte“, sagt er ganz aufgedreht und springt glücklich vom Stuhl.

Ich stelle noch das Geschirr in die Spülmaschine, stecke das ominöse Digivice in meine Hosentasche ein, ehe ich ins Zimmer laufe und in der ganzen Unordnung meinen großen Rucksack suche. Als ich ihn finde, erkläre ich Veemon noch, dass er solange darin sein müsste, bis ich eine geeignete Stelle im Park gefunden habe. Von der Idee scheint er zwar nicht begeistert zu sein, willigt aber ein. Als er in meinem Rucksack sitzt, ich vorsichtig den Reißverschluss zuziehe und den Rucksack hochhebe, merke ich schnell, dass ich vermutlich lieber mit DemiVeemon spazieren hätte gehen sollen.

„Puh, nicht schlecht Veemon“, sage ich angestrengt, als ich den Rucksack auf meinen Schultern trage und das Gewicht spüre.

„Was meinst du?“, fragt Veemon laut.

„Alles gut“, sage ich schnell und muss leise kichern. „Ab jetzt musst du aber leise sein.“

„Na gut“, höre ich nur ein Flüstern.

Schließlich verlassen wir meine Wohnung. Aus dem Fahrradkeller hole ich mein Fahrrad heraus und radele zum Park, in dem ich auch schon joggen war. Da der Nachmittag sonnig ist, sind einige Leute im Park unterwegs. Am Ende des Parks gibt es aber einen Wald, den habe ich das letzte mal beim Joggen bemerkt. Das wäre eine gute Idee, ihn mit Veemon zu besuchen. Wie glücklich er wird, endlich mal aus meiner Wohnung rauszukommen. Gespannt radele ich weitere zehn Minuten, bis wir im Wald angekommen sind. Wie erwartet wird die Menschenmenge immer weniger und weniger. Je tiefer wir im Wald sind, desto seltener taucht jemand auf. An einem kleinen Bach bleibe ich schließlich stehen und vergewissere mich noch einmal, dass niemand weit und breit zu sehen ist. Als ich mir sicher bin, stelle ich den Rucksack ab und öffne den Reißverschluss.

Mit einem großen Oh steigt Veemon aus meinem Rucksack raus und blickt sich im Wald um. Seine Augen sind groß, seine blauen Hörner, die wohl seine Ohren sein müssen, drehen sich ebenfalls hin und her und lauschen den Geräuschen im Wald. Freudig läuft Veemon zum Bach und springt sofort mit den Füßen hinein.

„Das ist großartig, das solltest du auch ausprobieren Ivy“, sagt Veemon freudig und planscht im Wasser herum.

Mir reicht es aus, ihm dabei zuzusehen, wie glücklich er ist. Während er also im Wasser badet, sitze ich im Gras und beobachte ihn lächelnd. Nach etwa fünf Minuten ist er fertig und setzt sich neben mich auf das Gras.

„Bist du glücklich?“, frage ich ihn und er nickt glücklich.

„Es tut mir leid, dass ich dich bei deiner Vorstellung von Digifreunden enttäuschen musste“, sage ich schließlich und stütze mein Kinn an mein Knie ab.

„Nur, weil wir uns vielleicht jetzt erst mal im Hintergrund halten sollten, heißt das noch lange nicht, dass wir uns ihnen nie zeigen werden“, meint Veemon und steht auf, um mit seiner Stirn meine Stirn zu berühren. „Für mich bist du das Wichtigste.“

„Das bist du für mich auch“, flüstere ich und blicke ehrlich in seine roten Augen.

Es ist schon lange her, dass ich für jemand das Wichtigste im Leben war. Veemon hat es binnen weniger Tage geschafft, sich in mein Herz einzuschleichen. Ich fühle mich verbunden zu ihm, schon von der ersten Sekunde aus. Schon, als ich das Ei in den Händen hielt, wusste ich, dass es für mich bestimmt war. Ich schwöre mir, alles zu tun, um Veemon niemals zu verlieren.

Die Atmosphäre im Wald war wunderschön, bis plötzlich ein Knall ertönte und ich spürte, dass etwas auf uns zukommt. Veemon hatte dies bereits einige Sekunden vor mir gespürt und sich beschützend vor mich gestellt. In der Ferne hörte ich, wie Bäume nach der Reihe in schneller Geschwindigkeit umgestoßen wurden. Plötzlich erkenne ich eine große, weiße Gestalt und, wie diese im Flug Bäume mit sich reißt. Es scheint, als hätte die Gestalt einen heftigen Schlag abbekommen. Schließlich bleibt es einige Meter von uns entfernt liegen, eine große Staubwolke umschließt es.

„Was ist das?“, frage ich und spüre, wie mein Herz gegen meine Brust pocht.

„Ich habe das Gefühl, dass es ein Digimon ist“, sagt Veemon und steht immer noch beschützend vor mir.

Als die Staubwolke dichter wird, traue ich meinen Augen nicht, was ich sehe. Eine überdimensional große, weiße und verletzte Kobra liegt auf dem Boden.

„Diese verdammten Digiritter“, zischt sie und fängt an sich zu regen.

Ich halte den Atem an und hoffe, dass sie uns nicht bemerkt. Es muss ein Digimon sein, das schließe ich daraus, dass normale Kobras nicht sprechen können und es gerade etwas von Digiritter gesagt hat. Heißt auch, dass sie hier in der Nähe sein müssen. Meine Augen huschen in die Richtung, aus der das Digimon hergekommen ist und ich drücke die Daumen, dass sie nicht herkommen. Schnell vergesse ich aber diese Sorge und es bildet sich eine andere, denn das Digimon hat sich aufgesetzt, wirkt nun noch größer als bisher und blickt uns aus ihren stechendroten Augen an.

„Wenn das nicht der Digiritter ist, den ich von Anfang an gesucht habe“, zischt es, wie eine echte Kobra und hypnotisiert mich mit ihrem Blick.

Sie hat mich also gesucht? Warum? Was hat sie mit mir vor?

„Ivy, du musst mich digitieren lassen“, höre ich Veemon sagen, sofort blicke ich verständnislos zu ihm runter. „Ansonsten kann ich dich nicht vor diesem Digimon beschützen.“

„Aber wie?“, frage ich leise und weiß, dass uns das Digimon genau hören kann.

„Wie süß, du möchtest dich mit mir anlegen?“, fragt das Digimon und legt ihren Kopf schief.

„Das Digivice“, antwortet mir Veemon ungeduldig und lässt das andere Digimon nicht aus den Augen. „Du hast es doch dabei?“

Mit zitternden Fingern greife ich automatisch zu meiner Hosentasche und hole das Gerät hervor. Verdammt, dazu gab es keine Anleitung! Wie soll das digitieren denn funktionieren? Panisch blicke ich das Gerät an und drücke planlos auf die Knöpfe.

„Das reicht jetzt“, sagt das Kobradigimon ungeduldig und schnellt vor. „Mein Master Piedmon wird mich belohnen, wenn ich dich zu ihm bringe.“

In meiner Vorstellung frisst mich das Kobradigimon gleich auf, wenn ich es nicht schaffe, Veemon digitieren zu lassen. Da ich merke, dass es immer schneller auf uns zukommt, gebe ich auf und schließe ergeben meine Augen.

„Vee-Kopfnuss“, höre ich Veemon rufen und öffne sofort meine Augen.

Ich sehe nur, wie Veemon Anlauf nimmt und mit seinem Kopf dem entgegenkommenden Digimon eine fette Kopfnuss verpasst. Erstaunt über seinen Mut, halte ich das Digivice fester in der Hand und würde Veemon am liebsten anfeuern. Als das Kobradigimon jedoch nur leicht zurückfällt und sich schnell wieder einfängt, blickt es Veemon mit ihren Schlitzen artigen Augen böse an. Als wäre Veemon nur eine lästige Fliege, wirft das Kobradigimon ihn mit ihrem langen Schwanz gegen den nächsten Baum. In dem Moment habe ich das Gefühl, dass mein Herz zu Boden sackt. Benommen liegt Veemon daraufhin neben einem Baum.

„Nein“, rufe ich verzweifelt und will zu ihm laufen, doch die Kobra kommt mir zuvor und bleibt direkt vor mir stehen.

„Du Bestie“, beleidige ich es böse und bilde meine Hände zu Fäusten. „Was willst du denn von mir?“

„Du musst mit mir kommen. Master Piedmon möchte dir ein Angebot machen“, zischt sie und kommt mir immer näher.

„Bleib, wo du bist“, drohe ich und sehe sorgenvoll zu Veemon, der langsam sein Bewusstsein wiedererlangt.

„Sonst was?“, fragt das Digimon und lacht laut.

Ich bebe vor Wut, während mein Kopf rattert, wie ich Veemon und mich aus dieser Situation befreien könnte. Diese Bestie hat Veemon wehgetan und dabei wollte er mich nur schützen. Als sie nur noch wenige Meter von mir entfernt ist, weiß ich mir nicht anders zu helfen, als mein Digivice voller Wucht gegen ihren Kopf zu werfen. Ich treffe direkt in ihr Auge, weswegen sie zur Seite weicht und vor Schmerzen keucht. Sofort nutze ich die Situation und renne zu Veemon. Behutsam lege ich seinen Kopf auf meine Beine und lege zärtlich meine Hand auf sein Gesicht.

„Veemon?“, flüstere ich und merke, wie meine Stimme bricht, und ich kurz davor bin zu weinen.

„Mir geht’s gut Ivy“, versichert mir Veemon, öffnet seine Augen und beginnt sich zu regen, um aufzustehen.

„Was tust du? Bist du verrückt?“, frage ich schockiert.

„Ich will kämpfen“, sagt er verbissen und steht wieder beschützend vor mir.

„Du freches Mädchen“, höre ich nun die wütende Stimme des Kobradigimons. „Dafür wirst du büßen.“

Hilflos sehe ich zu, wie das Digimon immer schneller auf uns zukommt. Das wird Veemon nicht überleben. Ich spüre, wie sich mein Herz zusammenzieht und mir die Tränen kommen. Verzweifelt rufe ich Veemons Namen und wünsche mir, dass ihm nichts passiert. Und plötzlich bildet sich ein dichter Nebel um Veemon, binnen weniger Sekunden ist er darin verschwunden. Dann erkenne ich große, weiße, lederartige Flügel, die aus dem Nebel herausstechen und meine Augen beginnen zu staunen. Auch das Kobradigimon scheint verwundert zu sein und blickt mit einem offenen Auge zum Nebel. Als der Nebel weg ist, ist auch Veemon nicht mehr da, sondern ein großer, blauer Drache. Der Drache hat einen langen, blauen Schwanz, große Fäuste, ein Messer auf der Schnauze, darüber ist ein V abgebildet, und einen weißen Bauch, worauf ein X zu sehen ist. Erstaunt blicke ich es an und erkenne an den roten Augen, dass es Veemon sein muss. Jetzt einfach in einer anderen Gestalt.

„Veemon?“, frage ich benommen und blicke das blaue Digimon an.

„Jetzt ExVeemon“, antwortet er mit einer tiefen Stimme und ich spüre, dass es mein Veemon ist.

„Das war’s jetzt für dich“, wendet sich ExVeemon gelassen an das Kobradigimon.

„Pah, glaubst du doch selbst nicht“, zischt es böse zurück, öffnet das Gebiss und möchte ExVeemon mit ihren Zähnen attackieren.

Doch ExVeemon scheint keine Lust zu haben, lange herumzufackeln.

„Vee-Laser“, ruft ExVeemon und von seiner Brust schießt ein Strahl in X-Form geradewegs auf das böse Digimon zu.

Der Vee-Laser trifft das Digimon mit einer heftigen Wucht, weswegen es wieder dieselbe Strecke zurückfliegt, woher es kommen ist. Sprachlos verfolge ich den Flug, bis ich das Digimon nicht mehr sehen kann. Vielleicht ist es jetzt wieder bei den anderen Digiritter…

„Wir sollten hier weg, bevor die anderen uns sehen“, meine ich etwas panisch und blicke zum großen, blauen Drachen mit Flügeln.

ExVeemon nickt mir nur zu, läuft mir großen Schritten an mir vorbei und hebt mit einer Hand mein Fahrrad mit einer Leichtigkeit hoch. Währenddessen laufe ich paar Schritt zur Seite, um mein Digivice aufzuheben, dass ich kurz davor noch auf das böse Digimon geworfen habe. Zufrieden stelle ich fest, dass es keine Delle oder Riss hat. Dann gehe ich wieder zurück zu ExVeemon und blicke mit großen Augen in seine und weiß sofort, dass ich ihm vertrauen kann. Er ist mein Veemon, nur jetzt ungefähr zwanzigmal größer. Er setzt sich schließlich auf sein linkes Knie und reicht mir seine große Faust entgegen. Mit einem leichten Lächeln berühre ich seine blaue Faust.

„Was hast du vor?“, frage ich ratlos.

„Wir fliegen“, antwortet er und breitete seine Faust zu einer flachen Hand aus.

Dann möchte er wohl, dass ich mich auf seine Hand setze und er nach Hause fliegt? Das ist doch verrückt. Wobei, er hat Flügel…

„Aber man wird uns sehen“, füge ich besorgt hinzu.

Da schließt er plötzlich seine Augen und von dem Schwert auf seiner Nase breitet sich ein großer, roter Kreis aus, das uns beide schließlich umringt.

„Damit werden wir unsichtbar sein“, erklärt er sicher.

„Na gut“, lache ich lauthals, weil ich nicht fassen kann, dass ich gleich auf einem großen, blauen Drachen nach Hause fliegen werde. „Wir fliegen.“

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Ich hoffe euch hat das Kapitel gefallen :')

Was denkt ihr, welches Angebot Piedmon Ivy machen möchte?

Liebste Grüße
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