Vielleicht (One Shot)

von verlaufen
GeschichteDrama, Romanze / P12
Alex Sheathes Magdalena "Lena" Haloway
20.07.2014
20.07.2014
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Ich war, um ehrlich zu sein, ein wenig enttäuscht vom Ende des Buches Requiem.
Ich bin ein Fan von Alex, müsst ihr wissen und ich finde, er kommt ganz einfach zu kurz. Er und seine Beziehung zu Lena und seine Person überhaupt. Ich habe ihn die ganze Zeit vermisst - auch schon in Pandemonium und in Requiem war er auch den Großteil abwesend.

Das hier ist wie ein kleiner, persönlicher Abschied an diese wirklich großartige Triologie. Lauren Oliver war mir immer ein großes Vorbild, ihre Art zu schreiben fasziniert mich und obwohl ich weiß, dass ich lange nicht so gut bin wie sie, wollte ich das hier versuchen. Es ist meine Art, damit abzuschließen und die beiden gehen zu lassen.
Ich finde, das Gespräch am Ende, kommt zu kurz, deswegen hier eine kleine Ergänzung dazu. Vielleicht liest es ja auch keiner, weil die Kategorie hier wirklich klein ist, aber das ist okay, schätze ich. Ich möchte es trotzdem gern mit euch teilen. (:

Und jetzt genug geredet, viel Spaß x

~

Lena

Ich war mir nicht sicher. Und ich hatte das bedrängende Gefühl, dass ich das nie gewesen war.
Mein Herz war gebrochen, irgendwie, immer wieder und je öfter ich versuchte, darüber hinwegzusehen, je öfter ich versuchte, die Scherben zu sammeln, desto lauter wurde das tiefe Brummen in meiner Brust, das mir sagte: lass es liegen.
Vielleicht tat ich das. Irgendwo zwischen Verzweiflung und Angst, ließ ich die Scherben einfach liegen.
Ich konnte ja nicht wissen, dass Alex derjenige sein würde, der sie wieder aufhob.

Es war dieser Moment, indem Grace meine Hand hielt und ich ihre dünnen, kalten Knochen spürte, die aus ihrem Handrücken auszubrechen versuchten. Es war dieser Moment, indem ich Alex wiedersah, nach alldem.
Und es war der Moment, indem auch er mich endlich wieder sah. Indem Alex Alex war, so wie immer.
Grace und ich waren zur Mauer gelaufen. Bram und Hunter grölten vor Freude – sie sahen endlich glücklich aus. Und Grace stieg auf einen der Trümmerhaufen und sie schrie, sie sang und riss ihre zierlichen Arme in die Höhe, dass ich dachte, sie flöge im Wind davon wie eine Feder. Aber das tat sie nicht.
Julian stand auf der Mauer, in der Hand ein Blechrohr. Er sah mich an. Ich konnte sein
Lächeln nicht erwidern.
Er schrie: „Lena!“ Doch ich wandte den Blick ab.
Als mir jemand von hinten auf die Schulter tippte und ich Tacks Gesicht sah, merkte ich erst, dass ich weinte.
„Wir haben es geschafft“, sagte er.
Ich nickte.
„Raven wäre stolz.“
Ich sah zu ihm auf und er wirkte so verletzlich. Er sah traurig aus. Er sah nicht mehr nach Tack aus.
„Sie ist stolz, Tack, sie ist stolz.“
Mir kam es fast so vor, als setze er eine Maske auf, denn plötzlich fing er an zu lächeln und dann stieg er zu Grace auf den Trümmerhaufen und setzte sie auf ihre Schultern.
Alle jubelten. Ich jubelte. Julian jubelte.
Wir waren frei.
Ich dachte an Alex und seine Fingerspitzen und daran, dass er vorhin meine Lippen berührt hatte.
Ich hatte ihn immer geliebt.
Ich würde ihn immer lieben.
An was denkst du?“
Mein Herz blieb kurz stehen, als ich mich erneut umdrehte.
Er war es. Schon wieder.
Ich starrte ihn einfach nur an, so lang, bis er zu lächeln anfing.
Ja, es war Alex.
Ich sagte: „Liebe.“
„Tut mir leid.“ In seinen Augen flogen ein paar Laubblätter um die Wette. „Colin geht’s gut. Ich kann dich nicht allein lassen.“
„Sieht das aus, als wäre ich allein?“ Ich deutete auf die Menge hinter mir, auf Jubelschreie und auf Freiheit, auf Lachen und Heimat.
Darauf sagte er nichts. Er sah mich bloß an. Seltsam schwer und intensiv.
„Was?“ Ich sah auf den Boden, überall lagen Steine, Bretter, Trümmer – die Hoffnungslosigkeit und die Trauer waren zerbrochen, genauso wie mein Herz.
„Ich liebe dich“, sagte er. Und als ich aufsah, sagte er es noch einmal: „Ich liebe dich, Lena.“
„Du warst mein Leben“, flüsterte ich.
„Ich werde nie wieder weggehen, Lena, ich bleibe bei dir, jeden Tag.“
„Gut“, sagte ich und sah zu ihm auf. In seinem Gesicht standen Geschichten, die ich nicht kannte, doch es war mir egal. Er würde sie mir erzählen. Er würde mich lieben. Er würde nie wieder
weggehen.
„Wir sind frei.“ Er legte seine Stirn an meine. Er roch nach Moos und nach Erinnerung.
Ich glaube“, entgegnete ich leise, „das waren wir schon immer.“
Mein Herz war frei, die ganze Zeit, es ist gefallen, gebrochen und wieder geklebt wurden. Doch Narben bleiben. Alex' Narben, genauso wie meine. Auch Tacks Narbe wird bleiben, sie wird Ravens Namen tragen. Vielleicht wird Julians Narbe meinen Namen tragen und Corals den von Alex.
Vielleicht können wir uns nicht immer aussuchen, wohin wir gehen, wohin wir lieben, wohin wir uns verlaufen, aber genau das ist es dann, worauf es ankommt: uns wird die Freiheit geschenkt, selbst zu entscheiden, was wir mit der uns gegebenen Situation anfangen – ob wir sie aussichtslos schimpfen oder ob wir beginnen, Blumen zu pflanzen und die Vorhänge zu öffnen, damit die Sonne endlich ihren Weg zu uns findet.
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