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Anders als geplant

GeschichteFantasy / P16 / Gen
Ibrahim "Abe" Mazur Janine Hathaway Rosemarie "Rose" Hathaway
19.07.2014
29.05.2015
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22.814
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19.07.2014 748
 
~Janine~

Ich saß in einem kleinen, aber sehr schicken Lokal. Mir gegenüber hatte sich Abe hingesetzt. Wie nicht anders zu erwarten, hatte er auch diesmal alles aufs Ganze gesetzt, um mit seinem ungewöhnlichen Kleidungsstil, seiner imposanten Gestalte den letzten Schliff zu verleihen.

So schön die Gesamte Ambiente auch war, so deutlich war auch der nahende Abschied spürbar. „Ich weiß nicht ob wir uns heute Abend noch sehen sollten." Sein Lächeln, das deutlich nach Flirt ausgesehen hatte, verrutschte ein wenig und ich nahm den Ausdruck des Bedauerns in seinen Augen wahr.

„Du meinst es wäre besser wenn ich dich Heute nicht auf dein Zimmer begleiten würde. Und dir nicht noch ein Weilchen Gesellschaft leisten sollte." Ich seufzte. Dies fiel mir nun wirklich nicht leicht. „Nein. Es wäre für uns beide das Beste, wenn das unser letztes Treffen ist." Sagte ich sanft aber entschieden.

Abe atmete tief ein.

Sein spielerischer Charme war nun gänzlich der Wehmut gewichen und unwillkürlich wusste ich, dass er genauso an die vergangen Wochen dachte, wie ich. Er streckte seine Hand über den Tisch und griff nach meiner. Langsam ließ er seinen Daumen über meinen Handrücken kreisen.

„Ich muss gehen." Meine Stimme war nur noch ein brüchiges Flüstern. „Ich weiß." Als er diese zwei Worte sagte, hielt er meinen Blick mit seinem gefangen und ich erlaubte mir mich noch einmal in seinen Augen zu verlieren. Vorsichtig entzog ich ihm meine Hand und stand auf.

Abe erhob sich ebenfalls, wobei er mich mit seiner eindrucksvollen Gestallt deutlich überragte. Mit zwei anmutigen Schritten stand er nun direkt vor mir. Zärtlich strich er mir ein paar verirrte Haarsträhnen aus dem Gesicht. Mit einer federleichten Berührung fuhr seine Hand über meine Wange, meinen Hals. Dort verweilte seine Hand kurz, bevor er sie sanft auf meine Hüfte legte.

„Ibrahim."

Ich musste schlucken, der Gedanke, dass ich seinen Namen wohlmöglich das letzte Mal in seiner Gegenwart aussprach, brachte mich schier um den Verstand. „Soll ich dich wirklich nicht auf dein Zimmer begleiten?"

Seine Stimme hallte noch in meinem Kopf nach und ich nahm mir fest vor sie mir gut ein zu prägen. „Du weißt, dann würde mir das Ganze hier noch viel schwerer fallen als ohnehin schon." Plötzlich tauchte ein Ausdruck auf seinem Gesicht auf, den ich noch nie zuvor bei ihm gesehen hatte. Schmerz.

„Es tut mir unendlich leid. Noch nie habe ich so eine schöne Zeit erlebt."

„Ich auch nicht Janine. Und ich weiß die Chance ist gering, aber ich hoffe dass auf diesen Abschied ein Wiedersehen folgt." Die letzten Worte hatte er nur noch geflüstert. Ja Ibrahim Mazur war wirklich ein wunderbarer Mensch. „Das Hoffe ich auch, auch wenn die Chance noch mehr als gering ist. Immerhin bin ich Wächterin, eine Wächterin mit Verantwortung und Pflichten."

Er schlang nun beide Arme um mich und murmelte mir leise ins Ohr: „Ja, dessen bin ich mir bewusst, aber die Hoffnung stirbt zu Letzt!" Bevor ich darauf etwas erwidern konnte, hatte er seine Lippen auf meine herab gesenkt und wir gaben uns beide dem leidenschaftlichen Kuss hin.

Nach gefühlten Stunden lösten wir uns wiederstrebend voneinander. „ Du hast meine Nummer Janine. Egal wann du mich brauchen solltest ich werde da sein." Ich lächelte traurig, dabei konnte ich nicht ganz verhindern, dass mir Tränen in die Augen stiegen. „ Danke. Danke für alles, besonders für die schöne Zeit hier."

Mit einem Gefühl, dass ich gerade einen Teil von mir bei ihm ließ und den größten Fehler meines Lebens beging, rückte ich von ihm ab, drehte mich um und ging schweren Herzens davon. „Janine!" Ich drehte mich wieder zu ihm um und erwiderte seinen Blick. „Ich wollte nur, dass du weißt, dass ich dich Liebe."

In der ganzen Zeit, die wir zusammen verbracht hatten, hatte er mir das nie gesagt. Auch wenn er seine Gefühle für mich mir gegenüber nie verheimlicht hatte, so hatte er es trotzdem nie erwähnt....

Am liebsten, wäre ich zurückgegangen und hätte ihm gesagt, dass ich dasselbe auch für ihn empfand, doch das ging nun mal nicht.  

Also nickte ich knapp und verschwand, ehe ich es mir doch noch anders überlegte. Ich würde ihn hinter mir lassen. Doch ich war mir allerdings ziemlich sicher, dass das Gefühl, dass ein Teil von mir für immer bei ihm bleiben würde, nie wieder verschwand. Doch damit musste ich jetzt leben, ob ich wollte oder nicht, denn ein Zurück war keine Option mehr, wohl eher nur noch eine Illusion.
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