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Èmeutes, Lutte, Unité (Aufstand, Kampf, Einheit)

von Crossy
GeschichteAbenteuer, Liebesgeschichte / P18 / Gen
Arno Dorian
19.07.2014
19.07.2017
129
542.861
11
Alle Kapitel
219 Reviews
Dieses Kapitel
19 Reviews
 
 
19.07.2014 4.098
 
Bonjour mes amis!

Da in meiner Geschichte im Moment ja eine allgemeine Generalüberholung herrscht, wird auch dieses Vorort überarbeitet werden und natürlich auch alle Kapitel, die bisher hochgeladen wurden.

Wem es bis heute nicht aufgefallen ist, diese Assassins Creed Unity Story wurde online gestellt, bevor das Spiel überhaupt ansatzweise draußen war. Ein paar Trailer waren vorhanden, mehr nicht. Da ich ja gerne mit ein paar Infos spiele und auch in gewisser Maßen mein eigenes Ding schreibe, war das für mich kein Problem, denn eine Fanfiction kann meiner Meinung nach auch vom Spiel abschweifen und muss es nicht streng nacherzählen, solange die Charaktere nicht OOC werden und die Grundsätze des Originals erhalten bleiben.

Mittlerweile habe ich Assassins Creed Unity sowie auch den DLC Dead Kings durchgespielt und bin angemerkt begeistert davon, auch wenn mir der DLC von der Story her noch besser gefallen hat, als das Hauptspiel. Doch gut, aufgrund der Tatsache, dass ich fertig bin, weiß ich nun endgültig, wie die Story demnächst weitergeführt wird. Aber dazu erfährt man immer mehr im aktuellen Kapitel.

Alle Charaktere aus Assassins Creed gehören Ubisoft, der Rest ist Eigentum meiner geistigen Kreativität oder auch der von anderen Leuten, was ich dann anmerken werde :)





- Kapitel 1 -
Weg nach Paris




- 08. Dezember 1790, am Rande von Paris -

Die kleine Taverne lag an einem schmalen Pfad nahe des südlichen Zugangs von Paris. Den Erzählungen des Wirtes nach zu Urteilen hatte sie wohl schon ein paar Jahrzehnte auf dem Buckel, was man ihr im Inneren allerdings nicht im Geringsten ansah. Als ich vor gut zwei Stunden in den Stürmen des Winters auf dieses kleine, zerbrechlich aussehende Gebäude stieß, hatte ich zuerst meine Zweifel, dass es dem Wind noch lange standhalten würde. Doch nach einem guten Glas französischen Weins und einem Tisch neben dem wohlig warmen Kamin der Stube, waren diese Zweifel so gut wie weg geblasen. Die anderen Gäste, die sich an diesem kalten Wintertag ebenfalls in die Taverne verirrt hatten, saßen hier wohl auch schon länger und unterhielten sich lachend, dennoch leise und somit angenehm für meinen schmerzenden Kopf. Ich war Stunden lang über die verschneiten, französischen Felder und Wege gewandert und meinem Ziel Paris nicht wirklich näher gekommen. Bei diesem Wetter ja auch beinahe unmöglich und hätte ich dieses warm beheizte Häuschen nicht durch Zufall gefunden, so hätte mich der Tod wohl sehr bald von der Kälte erlöst. Ich bin mir ziemlich sicher, dass nicht einmal die Einwohner Frankreichs von solch kalten Wintern begeistert waren und sie würden die milden Zeiten in meinem Heimatland Italien wohl willkommen heißen. Wie auch immer, nun sitze ich hier mit diesem schmackhaften Wein, der mich wohl nicht vor einer Erkältung bewahren würde, aber einen ablenkenden Faktor hatte er allemal. Ich hatte mein Gespräch mit dem Gastwirt erst vor ein paar Minuten beendet. Er war sehr höflich und hatte mich freundlich in Empfang genommen, keine Selbstverständlichkeit in diesen Zeiten. Doch freundlich wie er war, bot er mir seinen besten Tisch am Kamin an und brachte mir sogleich ein paar warme Decken zum Trocknen und diesen köstlichen Wein. Dann hatte er sich zu mir gesetzt und sich mit mir unterhalten.
„Was führt eine junge Dame wie Euch den in die Weiten Frankreichs? Immerhin gibt es hier auch bessere Jahreszeiten und es grenzt schon nahezu an Wundern, dass die Leute sich bei diesem Wetter hinaus trauen.“
Bevor ich zu meiner Antwort schreiten wollte, nahm ich einen tiefen Schluck vom Wein und kuschelte mich noch ein bisschen mehr in die Decken. Ich war nass bis auf die Knochen, aber wie hätte ich mich hier bitteschön meiner Kleidung entledigen sollen? So mussten die Decken herhalten und an dem warmen Feuer würde sie wohl schon wieder trocknen – man musste einfach nur Geduld haben.
„Manche Leute sind eben Abenteurer, die nächsten lieben den Schnee und seine Gefahren. Ich wäre so oder so nicht in dieses Land gekommen, allerdings treibt mich das Geschäft hierher.“
Starr blickte ich in mein Glas und blies hinein, sodass sich kleine Wellen bildeten. Ich schmunzelte. Eigentlich trank ich keinen Alkohol, aber wenn ich schon hier war, konnte ich mir das glaube ich auch einmal genehmigen.
„Jeder hat andere Vorlieben, das ist wohl wahr und ich bin froh, dass die Leute herkommen um mein Haus in Anspruch zu nehmen. Aber das Geschäft? Eine junge Frau, ohne Begleitung? Ist das nicht ein bisschen gefährlich? Ich würde mich das auch nicht trauen, so ganz alleine, vor allem nicht bei der jetzigen Lage. Ihr wisst wohl nicht sonderlich viel über die französische Politik."
Ich musste schmunzeln. Nur weil ich eine Italienerin war, hieß das noch lange nicht, dass ich mich mit Frankreich so rein gar nicht auskannte.
„Per dio (Mein Gott), ganz im Gegenteil Wirt. Genau deswegen bin ich ja hier. Ich treffe mich wegen eurer politischen Lage mit einem Mitstreiter. Ich kenne ihn zwar nicht, aber ich bin mir sicher er wird mir das alles hier näher bringen und eine gute Begleitung für eine junge Dame wie mich sein“, zwinkerte ich ihm vielversprechend zu. Der Wirt schaute zuerst etwas verwirrt drein, nickte dann aber und unterhielt sich mit mir über die verschiedensten Dinge.
Ja und kurz zuvor hat er mich verlassen, um eine neue Seele willkommen zu heißen, die in die Taverne gefunden hatte. Ich sah den durchnässten, jungen Mann zwar zuerst kurz an, beachtete ihn dann aber gar nicht weiter und widmete mich lieber dem Feuer im Kamin. Der Stein war mit ein paar Mustern verziert worden und hob sich somit ein bisschen vom Rest der lieblichen Einrichtung ab. Der Kamin stand mittig an der Wand, damit sich seine Wärme wohl gleichmäßig verteilen konnte. Bis auf den Tresen, der auf der anderen Seite stand, befanden sich hier nur Tische. An den Wänden hingen verschiedene Bilder, aber auch ein sehr orientalisch aussehender Teppich hatte dort ein neues Zuhause gefunden. Passte vielleicht nicht wirklich hierher, war aber im Vergleich zu den anderen, brav aneinander gereihten Ölgemälden etwas komplett anderes. Eine Art von Verrücktheit, die mir gefiel. Mehr hatte die Taverne auch schon nicht mehr zu bieten, sie war wirklich nur eine Sitz-, Trink- und Essgelegenheit, keinesfalls ein Ort, an dem man wirklich hätte übernachten können, aber ich war mich sicher, solange es da draußen so stürmen würde, käme es wohl keinem der Besucher in den Sinn, einen Fuß vor die Tür zu setzen.
Jedenfalls hatte sich meine Aufmerksamkeit nun auf zwei Männer gerichtet, die an dem Tisch vor mir saßen. Sie unterhielten sich lautstark, was vielleicht daran lag, dass ihr Gesprächsthema den Rest der Leute hier nicht wirklich interessierte. Mein Interesse weckte es allemal und so spitze ich meine Ohren und belauschte die beiden, meine Hand fest um mein Weinglas gelegt.
„Wie sollen wir diese Bastarde unter diesen Umständen finden? Der Meister muss doch von Sinnen sein, uns bei diesem Wetter loszuschicken. Abgesehen davon, dass diese Würmer sich doch sowieso in den kleinsten Dreckslöchern Frankreichs aufhalten und nur dann feige hervorkommen, wenn es sich anbietet!“
Mit leicht errötetem Kopf strich sich der Mann über den dunkelblonden Schopf und sein Schnaufen war klar und deutlich zu vernehmen.
„ Jetzt reg dich doch nicht so auf! Es ist nunmal eine Anweisung vom Boss und da gibt es halt nichts zu meckern. Und wenn wir sie jetzt nicht suchen, dann suchen wir sie ein andern Mal auch nicht. Du findest ja immer eine Ausrede, deinen Hintern in ein warmes Haus zu schwingen und es dir gutgehen zu lassen, am besten noch ein paar hübsche Ladys und schon hast du deinen eigentlichen Auftrag vergessen. Und ich bin mir ziemlich sicher, dass diese Assassinen sich nicht auf die faule Haut legen, sondern bestimmt schon das nächste Attentat planen.“
Der ältere der beiden Männer schien etwas genervt von seinem meckernden Begleiter  und gab ihm kurz  darauf einen Klaps auf den Hinterkopf, woraufhin der jüngere nur verärgert 'Bâtard' murmelte.
Ich musste mir ein Kichern verkneifen, allerdings war die Situation nicht zu unterschätzen. Es war mehr als offensichtlich, dass diese beiden Männer Feinde der Assassinen waren – ich war mir sogar ziemlich sicher, dass sie Templer waren. Eine Vermutung, die ich trotzdem nicht beweisen konnte und somit nichts ausrichten konnte, außer weiterhin Nachforschungen anzustellen.
„Das mag ja schon sein, aber ich habe wie schon einmal gesagt keine Lust, bei diesem Sturm zu suchen. Und ich verwette mein gesamtes Vermögen darauf, dass sich von denen auch keiner vor die Haustür traut – das sind immerhin auch nur Menschen!“
„Hört hört, Menschen mit Biss, mein Lieber. Das hat der General immerhin auch gesagt und ein paar Tage später wurde er ermordet. Und das unter ziemlich interessanten Umständen. Oder willst du sagen, dass es normal ist, von einem zehn Meter hohen Dach auf jemanden zu springen, nur um ihm eine Klinge durch den Hals zu stoßen, wo es doch Schusswaffen gibt. Solchen 'Menschen' traue ich ebenfalls zu, dass sie sich bei dieser Eiseskälte nach draußen begeben, nur um ihr Ziel zu eliminieren – was anderes haben die auch nicht im Kopf.“
Der jüngere biss sich nachdenklich auf die Lippe. So ganz schien er der Meinung seines Kameraden nicht zustimmen zu wollen.
„Ja, das ist einer von vielen. Du willst mir doch nicht sagen, dass dieser eine Assassine sich genau hier aufhalten wird und unseren Auftraggeber im Visier haben wird, das kann ich mir einfach  nicht vorstellen und es wäre Ironie vom Feinsten.“
Ich überlegte. Wenn sich die Person, die ich treffen sollte, genau an dem vereinbarten Ort finden würde, wäre das ja nur ein paar hundert Meter von dieser Taverne entfernt. Der Karte nach zu  Folge war ich nämlich ungefähr einen halben Kilometer von der ersten großen Straße seit langem entfernt. Dort sollte ich den Assassinen treffen und wenn er pünktlich war, dann wartete der arme Kerl bestimmt schon auf mich. Zu dem Zeitpunkt dieses Gedanken wusste ich ihn allerdings noch nicht richtig einzuschätzen und so hätte ich es einen Zufall nennen können, als der junge Mann, der vor ein paar Minuten die Taverne betreten hatte, an den Tisch der beiden Männer trat. Er trug einen dunkelgrauen Mantel mit Kapuze und wenn ich nicht wüsste, wer solche Kleidung für gewöhnlich trug, wäre ich wohl kein Mitglied der Bruderschaft der Assassinen gewesen. Immerhin rannte ich selbst bis auf die Zähne verschleiert durch die Weltgeschichte und die Leute sahen mir kopfschüttelnd und fragend hinterher. Ich wollte mich schon erheben, als ich sitzen blieb und dem Schauspiel seinen Lauf lies. Dem ersten Anschein nach zu Folge trug er lediglich ein französisches Entermesser und eine Pistole mit sich, nicht sonderlich viel. Die beiden am Tisch sitzenden musterten ihn nun ebenfalls und nach einem kurzen Moment des Schweigens rückten sie ihre Stühle zurück und griffen nach ihren Degen. Die drei Männer sahen sich tief in die Augen und ihr Blick richtete sich auf die Eingangstür. Still und ohne Worte begaben sie sich in deren Richtung, als ihnen der Wirt hektisch entgegen kam.
„Die Herren, wo darf es denn hingehen, wenn ich fragen darf?“
„Nach draußen“, sagte der junge Mann, den ich in die Kategorie Assassine schob, und drückte den Herrn des Hauses leicht zur Seite. Nachdem die Tür hinter dem älteren der mutmaßlichen Templern zugefallen war, erhob ich mich ebenfalls. Wenn meine Vermutungen stimmten, würde das wohl ziemlich Ärger geben und ein bisschen Unterstützung wäre ja sicherlich nicht schlecht, zwei zu eins war immerhin ungerecht. Wenn der Assassine meine Hilfe denn überhaupt wollte. Als der mehr als verwirrte Wirt auch das Wort an mich erheben wollte, winkte ich nur ob und beeilte mich nach draußen zu kommen. Von den Männern fehlte jede Spur, aber im nächsten Moment hörte ich einen gequälten Schrei, der von der anderen Seite des Gebäudes kam. Ich beeilte mich, dorthin zu gelangen, was in dem tiefen Schnee gar nicht mal so einfach war. Wenigstens hatte der Sturm etwas nachgelassen und man konnte sehen, was vor einem lag.
Als ich ankam, hatte sich der Schnee am Boden teilweise rot gefärbt und der ältere der beiden Templer lag mit aufgeschlitzter und blutroter Kehle auf dem Boden. Sein Kamerad stand neben ihm, allerdings auch schon mit einer blutenden Hüfte. Er befand sich in einer abwehrenden Haltung, wenn man das überhaupt als solche bezeichnen konnte, denn ich glaubte, er hatte die größte Mühe damit, sich auf den Beinen zu halten. Der Assassine machte sich dies zu seinem Vorteil, warf sein Entermesser in den Schnee und sprang mit einem Mal auf den Templer zu. Dieser wusste gar nicht wie ihm geschah und schon kam das liebste Stück der Assassinen zum Einsatz – innerhalb weniger Momente schnellte die versteckte Klinge von dem angriffslustigen, jungen Mann hervor und durchstieß die Kehle des anderen Mannes. Er konnte einem schon fast ein bisschen leid tun, aber ich war zu fasziniert von den schnellen Reaktionen des Assassinen und beachtete den Templer nicht weiter.
Als dieser zu Boden sackte, griff der Peiniger nach seiner im Schnee liegenden Klinge und richtete sich dann wieder auf. Entweder hatte er mich nicht bemerkt oder er ignorierte mich mit Absicht, denn er stand steif vor den Leichen und murmelte ein paar Worte.
Erst nach einem kurzen Moment des Nachdenkens drehte er sich um und bekam wohl den Herzinfarkt seines Lebens. Was sollte denn auch passieren, wenn man in einer verschneiten Nacht vor zwei Leichen steht, nachdenkt, sich umdreht und dort wie aus dem Nichts ein weiß gekleideter Geist vor einem steht? Ich denke ich hätte erst mal wild um mich geschossen und ich konnte von Glück reden, dass der arme erst einmal ein paar Schritte rückwärts gestolpert und schließlich in Richtung Boden gesegelt ist, sonst wäre ich wohl wirklich ein Geist geworden. Ich atmete tief durch, grummelte dann freundlich und legte den Kopf schief. Keine gute Idee.
Prompt sprang er auf und zückte seine Pistole. Tja, das hast du ja toll gemacht und somit würde sich die Geistertheorie wohl bestätigen. Das wars dann wohl – wäre es gewesen, wenn ich nicht das Glück gehabt hätte, vor einem besonders bedachten und klugen Mann zu stehen. Denn nur wenige Sekunden, nachdem er sein Geschoss auf mich gerichtet hatte, steckte er es wieder weg und massierte seine Schläfen.
„Große Güte, das ist falsch“ , kam es ärgerlich aus seinem Munde und ich spiele mit dem Gedanken, ihn am besten alleine zu lassen und so zu tun, als wäre nichts von alldem geschehen. Leise pfeifend drehte ich mich schon um und wollte wieder ins Warme gehen, als sich der Mann an die Stirn fasste, um die Hand kurz darauf nach mir auszustrecken.
„Nein, nein, Ihr bleibt schön hier. Das alles ist wohl anders gelaufen, als ich es wollte. Jedoch werdet Ihr einen Grund haben, hier in einer Robe umherzuschleichen und nichts gegen den Mord zweier Menschen auszurichten, geschweige denn um Hilfe zu rufen. Ich kann davon ausgehen, dass Ihr der Assassine seid, den ich an der großen Straße treffen sollte?“
Wahnsinn, er hatte mitgedacht. Und schön zu wissen, dass mein 'Kamerad' seine Klinge zu benutzen wusste. Ich hatte Angst, ich würde auf einen unerfahrenen Amateur treffen, so wie es mir mein Meister eigentlich zuerst auch erklärt hatte. Nun ja, das würde sich ja wohl alles noch heraus stellen.
„Ihr habt wohl Recht, der bin ich wohl. Außerdem schleiche ich nicht, Ihr wart nur sehr in Gedanken versunken und hättet mich wohl beinahe erschossen“, griente ich ihn an, auch wenn er das in diesem mittlerweile nur noch leichten Schneetreiben wahrscheinlich nicht sehen konnte.
„Pardon ? Ihr seid eine Frau ?“
Er formte diesen Satz, als ob er nicht sonderlich davon begeistert wäre, mit einer weiblichen Assassine zusammen arbeiten zu müssen.
Mistkerl, was dachte er sich eigentlich?  Gehörte er etwa auch zu der Sorte Mann, der eine Frau lediglich als Putz-, Arbeits- und Lustgegenstand sah? Und somit waren auch all meine Bewunderungen für ihn verloren gegangen. War wohl ein richtiger Franzose, so wie man es sich erzählte. Eingebildet, arrogant, Herzensbrecher und nichts im Kopf oder in der Hose. Beim letzten Gedanken musste ich dann doch kichern.
Fragend sah er zu mir und gerade als ich ihm auf seine dumme Frage eine dumme Antwort geben wollte, kam er mir zuvor.
„Mademoiselle, je vous demande pardon. (Mademoiselle, ich bitte um Verzeihung) Ich habe bloß nicht mit einer weiblichen Assassine gerechnet. Das muss nicht heißen, dass Ihr nicht besser seid, als Eure männlichen Kameraden. Ich wollte Euch nicht beleidigen.“
Ich hob meine Augenbrauen zweifelnd an. Ich konnte in seiner Stimme keinerlei Ton von Schwindel feststellen und er schien es ernst zu meinen. Ich war verwirrt und wusste nicht, wie ich ihn einschätzen sollte. Vielleicht erstmal gar nicht, denn es war wichtiger, sich um die Tatsachen zu kümmern. Und eine Tatsache war, dass gerade zwei Templer ihren Tod gefunden haben.
„Nun gut, anfängliche Missverständnisse und ich kann Euch ja nachvollziehen. Ich wäre auch überrascht gewesen und Ihr habt euch ja wohl mehr als genug entschuldigt. Belassen wir es bei diesem Ergebnis.  Mich würde es viel eher interessieren, was diese beiden Templer gemacht haben. Allen Anschein nach sollten sie ein  Ziel der französischen Assassinen beschützen, so lautete ihr Auftrag. Oder irre ich mich da?“
Der Assassine sah mich noch einen Moment eindringlich an, ehe er mir zunickte.
„Oui Mademoiselle, das stimmt wohl. Die beiden Templer sollten einen Händler beschützen und für uns gilt es, diesen zu ermorden.“
„Und warum genau sollen wir das tun? Ich meine, er wird ja wohl nicht irgendein Händler sein, wenn er von den Templern beschützt wird – es sei denn, er ist selbst einer.“
Der Franzose schüttelte den Kopf.
„Nein, soweit ich weiß nicht direkt, aber er hat Informationen, die wir gerne hätten und wenn wir Informationen wollen, heißt das im Umkehrschluss meistens, dass die Templer diese beschützen wollen.“
Moment mal, irgendwie kam ich nicht so ganz mit seinem Plan mit.
„Halt. Ich dachte wir wollen ihn töten? Wie sollen wir denn die Informationen ergattern, wenn wir ihn getötet haben?“
„Selbstverständlich in der anderen Reihenfolge. Natürlich müssen wir ihn nicht töten, aber es ist wohl sicherer wenn wir es trotzdem tun. Er könnte immerhin auch Dinge über uns wissen und die müssen nun wirklich nicht in der Welt bleiben, findet Ihr nicht?“
Wiederholt schüttelte ich meinen Kopf. Natürlich in dieser Reihenfolge, ich war im Moment wohl wieder einmal zu verwirrt um klar denken zu können. Ich wusste nicht, was ich von der ganzen Sache und diesem Assassinen halten sollte. Während unseres Gespräches hatten wir die beiden Templer in einen Busch gezogen und waren dann zurück zur Tür der Taverne gegangen. Gerade als ich meine Hand um die Türklinke legte, hielt mich die Stimme des Franzosen zurück.
„Und Ihr seid wer?“
Mit dieser Frage hatte ich irgendwie nicht gerechnet und ich zog meine Hand schnell von der Türklinke. Meinen Namen, natürlich, er wusste ja gar nicht wer ich war. So war mir mein Gegenüber allerdings auch noch fremd.
„Oh pardon Monsieur, wie unhöflich von mir. Marzia Favelli, mit wem habe ich das Vergnügen?"
Der Mann atmete tief durch und mustere mich dabei ganz genau, ehe er zu einem leichten Lächeln kam.
„Arno Dorian.“
Ich dachte einen Moment nach. Nein, ich hatte seinen Namen noch nie gehört, doch er klang sehr schön. Außerdem war er leicht auszusprechen, nicht wie die ganzen anderen französischen Namen, die ich bisher so gehört hatte. Ganz so leicht tat ich mir mit dem Sprechen des Französischen dann doch nicht, wie es zu verstehen.
„Nun gut, Monsieur Dorian, wollen wir dann? Ich bin Kälte wirklich nicht  gewohnt und um ehrlich zu sein kann ich mich auch nicht gut unterhalten, wenn ich damit beschäftigt bin, zu frieren.“
Ich machte mir keinerlei Gedanken darüber, dass ich vielleicht albern rüber kam, Franzosen sollten ja angeblich ziemlich verbissen sein, und redete einfach munter darauf los. Und anscheinend hatte ich in Arno eine Person gefunden, die ebenfalls für Scherze aufgelegt war.
„Da seid Ihr nicht alleine, Mademoiselle Favelli, glaubt mir das, aber unsere Freunde die Templer tun sich da schon leichter bei einem kühlen Lüftchen“, antwortete er mir und deutete mit seinem Kopf in Richtung des Busches. Mit einem leichten Grinsen auf den Lippen drückte ich die Tür auf und betrat die warme Stube.

„Ah, Madame, Monsieur, da seid Ihr ja wieder. Wo sind denn Eure Freunde hin?“, kam uns der Wirt, halb krank vor Sorge entgegen. Er gab sich wirklich viel Mühe mit seinen Gästen, was mich innerlich ein bisschen wohlig stimmte.
„Nicht doch mein Guter, die beiden mussten nur schon früher los, das ist alles. Wir haben uns eine ausführliche Verabschiedung gegeben“, beruhigte Arno den besorgten Wirt und legte ihm seine Hand auf die Schulter. Nickend, doch immer noch leicht verwirrt, wies er uns an, doch wieder Platz zu nehmen, was wir nur zu gern taten. Der dachte wohl wir gehörten zusammen. Nun ja, also, so richtig meinte ich. Etwas beschämt zog ich den Kopf ein und  vielleicht bildete ich es mir ein, aber ich hatte das Gefühl, dass ich die gleichen Gedanken wie mein neuer Bekannter hatte, denn er legte zeitgleich mit mir sein Schwert beiseite. Nun ja, Zufälle soll es schließlich auch geben.
Als wir anschließend saßen und ich wieder diesen köstlichen Wein vor mir hatte, erzählte mir Arno alles über die derzeitige Lage in Paris und ganz Frankreich. Ich seufzte. Unfassbar, dass der König es sich erlaubte, sein Volk hungern zu lassen und das Geld, das für das Land notwendig wäre, einfach so für sich und die gesamte Aristokratenschiene einstrich. Vor allem aber in den amerikanischen  Unabhängigkeitskrieg hatte er sehr viel investiert. Es wunderte mich nicht, dass die Bevölkerung gegen die Monarchie war und sich gegen die Herrschafts- und Verwaltungsorgane Frankreichs erhob. Eines war mir allerdings von Anfang an nicht klar gewesen.
„Und warum musste dann bitte ich hier anreisen? Ich meine, was macht mich denn so besonders?“
Arno lehnte sich zurück und legte seinen Kopf in den Nacken.
„Nun ja, Ihr müsst wissen, unsere Bruderschaft hier ist nicht gerade die größte und stärkste. Ein bisschen Verstärkung wäre uns angenehm gewesen. Zuerst hatten wir die Amerikaner gefragt, aber wir haben noch keine Antwort erhalten. Meines Wissens nach sind die aber auch nicht viel mehr, als wir es sind. Nun ja und so haben wir uns an die Italiener gewendet und Euer Meister sagte, er würde einen seiner besten Rekruten entsannen, um die gesamte Lage hier erst einmal zu überprüfen, bevor er hier mehrere Leute hinschicke. Und so kamt Ihr hier her, wenn ich mich nicht komplett irre.“
Ich nickte. Ja, so musste es wohl sein. Mein Mentor schickte mich her mit dem Befehl, zu den französischen Assassinen zu stoßen und sie ein bisschen zu unterstützen. Und den Treffpunkt, den er für mich ausgemacht hatte, habe ich ja auch fast eingehalten. Getroffen habe ich Arno ja, wenn auch unter anderen Umständen, als ich erwartet habe.
Der Franzose sah sich ein bisschen im Raum um, ehe er sich wieder zu mir an den Tisch lehnte.
„Wie kommt es eigentlich, dass eine Italienerin wie Ihr so ausgezeichnet französisch spricht?“
Mir entfuhr ein Raunen. Entweder er merkte es nicht oder er war einfach nur viel zu nett zu mir – vielleicht auch beides.
„Ich? Nun ja, ich verstehe es vielleicht recht gut, aber gut sprechen ist etwas anderes. Aber um auf Eure Frage zurück zu kommen: Mein Mentor hat mich gelehrt, Eure Sprache zu verstehen und irgendwann dann auch zu sprechen – was noch nicht ganz klappt.“
Ich versuchte mich zu rechtfertigen, doch Arno winkte ab.
„Ich finde, Ihr sprecht ausgezeichnet französisch, man merkt Euch kaum die Fehler an.“
Gut, dann war er der erste Franzose, der das bisher zu mir sagte. Viel zu nett.
Irgendwie erweckte er nun die nötige Sympathie für ihn in mir, die mir am Anfang fehlte und die kurzfristigen Hassgefühle fingen an, langsam zu verschwinden. Prompt wurde ich aus meinen Gedanken gerissen, als er mit der Hand auf den Tisch schlug und laut seufzte.
„Nun ja, wir haben morgen noch Zeit zu reden. Ich würde sagen, wir warten bis es hell ist und der Sturm nachgelassen hat und machen uns dann auf den Weg nach Paris. Mademoiselle, was meint Ihr? Leider kann dieser Wirt hier kein Zimmer anbieten, sonst hätte ich Euch gerne diesen Gefallen getan, aber so muss es wohl reichen, am Feuer zu sitzen und ein Dach über dem Kopf zu haben.“
Er hatte Recht, auch wenn mir ein weiches Bett jetzt am liebsten gewesen wäre, immerhin war ich weit gereist, doch ich musste mich, wie Arno schon gesagt hatte, mit dem was ich gerade zur Verfügung hatte, zufrieden geben. Mit einem leichten Nicken gab ich zur Kenntnis, dass diese Schlafgelegenheit akzeptabel war. Also verschränkte ich meine Arme, legte diese auf den Tisch und schloss die Augen. Die Menschen um mich herum schienen immer leiser zu nehmen, die Ruhe war angenehm und ich lächelte selig, ehe ich ins Land der Träume fiel.


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