Schneeweißer Alptraum

von Lanthir
GeschichteDrama, Romanze / P16
Ashallayn "Ash" Darkmyr Tallyn Grimalkin Mab OC (Own Character) Rowan Sage
18.07.2014
01.10.2016
7
19158
4
Alle Kapitel
14 Reviews
Dieses Kapitel
5 Reviews
 
 Datenschutzinfo
 
 
Kapitel 1: Haare, so weiß wie Schnee



Sie liebte frisch gefallenen Schnee. Verträumt trotete Ceana durch die Schneemassen, die in der vorherigen Nacht gefallen waren. Es hatte gefroren, daher knirschte und knackte es bei jedem Schritt und die unberührte Oberfläche der weißen Pracht glitzerte, als wenn darauf tausend kleine Edelsteine verteilt gewesen wären.
Im Schnee fühlte sich Ceana am wohlsten. Dort fühlte sie sich versteckt und verborgen, denn ihr weißes Fell tarnte sie perfekt.
Es gab mal eine Zeit, da hatte sie ihre weiße Haarpracht verflucht. Damals, als sie noch am Hofe Mabs bei ihrer kleinen Familie gelebt hatte. Sie war eine Púca und die hatten schon immer schwarze Haare gehabt. Sie hatte weißes. Nie hatte ihr jemand erklären können, wieso oder warum, aber das war ihr auch egal, denn sie ist von allen anderen verspottet worden. Sie sei eine Missgeburt, ein Fehler in der Evolution. Ihre Familie schämte sich für sie und versuchte so gut es ging über den Hohn und Spott hinweg zu hören.
Aber das war noch nicht alles gewesen.
Ceana stockte und horchte auf, als sie das Knacken eines Astes vernahm, doch dann bemerkte sie, das es nur ein Vogel war. Weiter durch de Schnee schlendernt gab sie sich wieder ihren Grübeleien hin.
Púca waren freche und wilde Wesen, die anderen gerne ein Schnippchen schlugen oder sonstigen Unfug trieben. Das war ihre Natur. Doch Ceana war auch in dieser Lage anders. Sie tagträumte lieber, beobachtete andere Leute und malte sich alle Möglichkeiten aus, wie sie mit ihnen interagieren könnte, ohne es zu tun. Sie war still und verträumt und wollte, anders als die anderen Púca, immer Wissen anhäufen. Und ständig war sie irgendwo oder irgendwem im Weg. Ihre Mutter hatte so oft deswegen mit ihr geschimpft, und irgendwann war das Maß voll. Ceana verließ den Winterhof, nicht nur zu ihrem eigenen Nutze, um frei zu sein – nein, sie wollte auch ihrer Familie die Scham ersparen. Und sie hatte sich schon immer gesagt, dass man nie zu sehr an einer Person oder einem Gegenstand hängen sollte, denn je weniger man dafür empfand, desto weniger schmerzte es, wenn es weg war. In diesem Fall hatte ihr das etwas gebracht.
Manche würden ihre Tat für übertrieben empfinden, doch Ceana war zufrieden, auch wenn es übertrieben gewesen wäre. Sie war glücklich, ihre Tage in der eisigen und frostigen Landschaft von Tir Na Nog zu verbringen. Sie hatte sich für die Gestalt eines Wolfes mit langem weißen Fell entschieden, groß, mächtig und stark. Für sie die Verkörperung purer Macht. In diesem Moment hielt sie sich in einem Wald auf. Die Bäume waren mit Schnee bedeckt und an ihren Langen Ästen hingen vereinzelt Eiszapfen die bedrohlich spitz in der Abendsonne funkelten. Einzelne Eisvögel flogen umher und einer kam ihr so nah, dass sie verspielt hinter ihm herrann und nach ihm schnappte. Der Wald wurde dichter und umringte sie mit Bäumen und Blumen, deren Blüten aussahen wie blaue Kristalle. Obwohl Ceana in der Wolfsform recht groß war, reichte ihr der Schnee jedoch bis über den Bauch, was zur Folge hatte, dass ihr Bauchfell etwas gefroren war. Schnell huschte sie ins Dickicht und suchte sich einen Platz zum sitzen. Sie fand einen, vor einer Felswand, an der der Boden nicht zu sehr zugeschneit war. Sie schabte den kleinen Rest Schnee mit ihren Pfoten von der gefrorenen Erde und ließ sich an der Wand, versteckt hinter Bäumen und Büschen, nieder, um sich das Bauchfell zu lecken. Als sie damit fertig war, drifteten ihre Gedanken ab und ihr Blick lag verträumt auf den Bäumen, in denen das Licht der Abendsonne spielte. Einzelne Lichtflecken fielen auf den Boden oder auf Ceanas Gesicht, doch verschwanden sogleich wieder.
Sie fuhr zusammen, als ein Vogel an ihrem Ohr vorbei zischte und surrend in einem Busch verschwand. Sie spürte ihr Herz und ihren Puls beschleunigt schlagen. Neugierig stand sie auf und ging zu den Busch.
So ein verrücktes Tier, dachte sie sich und wollte den Vogel unbedingt aus der Nähe betrachten. Mit einem Satz sprang sie über den Busch und sah sich gespannt um. Sie erwartet wildes Flügelschlagen oder ängstliche Rufe, doch alles war still. Ihr Blick ging rundherum und blieb bei einem Baumstumpf hängen. In dem Stumpf steckte ein blankter Holzpfeil mit einer Spitze aus Eis. Er wirkte neu.
Oh Nein!
„Verdammt, ich hab ihn verfehlt!“, hörte Ceana eine Stimme sagen.
Ihr Körper spannte sich an und sie duckte sich. Langsam schlich sie hinter dem Busch hervor um zu sehen wer dort war.
Oberhalb der Felswand saß ein junger Mann auf einem Pferd und hielt einen Bogen in der Hand. Er sah zu jemanden hinter sich, den Ceana nicht allzu genau erkennen konnte, und dann wieder zu ihr hinunter.
„Beim nächsten mal klappt es sicher“, sagte die Person hinter ihm sarkastisch und kam etwas weiter nach Vorne.
Die beiden mussten Brüder sein, dachte sich Ceana. Sie hatten das selbe schöne Gesicht mit hohen Wangenknochen und beide dunkles Haar. Der hintere wirkte etwas jünger wie der, der auf sie geschossen hatte.
„Sei still. Du hat auch noch nichts getroffen“, sagte wieder der erste.
Die beiden fingen an, sich zu streiten und es wurde immer hitziger zwischen ihnen, bis eine dritte Person dazu kam. Ceana wurde plötzlich heiß, obwohl sie ihren eigenen Atem in kleinen Wölkchen vor sich in der eisigen Luft hingen sah. Sie kannte diese Person.
Es schien ein weiterer Bruder zu sein, doch in seinen grünen Augen lag etwas ruhiges, wissenden. Seine dunkelblauen, fast schwarzen Haare verliefen wie Tinte über seine Schultern und er hatte die selbe helle Hautfarbe wie die anderen beiden.  
Er schien der Älteste zu sein.
Und Ceana kannte ihn nur zu gut. Immer, wenn er hier im Wald war, beobachtete sie ihn voller Faszination. Er strahlte für sie immer diese Ruhe, Geduld und dennoch eine gewisse Zielsicherheit aus. Immer, wenn sie in seiner Nähe war, stand für sie die Zeit still und sie beobachtete jede seiner Bewegungen, nahm jeden seiner gespannten Muskeln wahr und sehnte sich danach, auf seinem ernsten Gesicht ein Lächeln sehen zu können.
Bis jetzt hatte sie ihn immer allein getroffen, wenn er in diesem Wald auf der Jagd war. Vielleicht waren die anderen beiden ja bei den vergangenen Malen auch dabei, nur waren sie sonst immer getrennt auf der Jagd. Im Schlepptau hatte er immer einen großen Wolf und Ceana hatte diesen oft genug gesehen, um zu wissen, dass es ein echter Wolf war und kein Púca.
Und obwohl sie ihn jetzt zu gerne beobachtet hätte, war sie sich im Klaren, dass auf sie geschossen wurde, daher verschwand sie schnell im Wald und suchte sich einen geeigneteren Platz. Sie war ebenfalls auf die Erhöhung gegangen, auf denen die drei Männer standen aber hielt sich geschickt versteckt. Doch das schien zuerst unnötig, denn sie sah keinen der drei. Vorsichtig und langsam wagte Ceana sich aus ihrem Versteck und blickte sich verdattert um. Sie ging nah an den Abhang ran um runterlinsen zu können. Gerade als sie sich unter ihr umschaute, brach der gefrorene Schnee unter ihr und sie rutschte den Abhang runter und landete unsanft mit Schnee im Fell auf dem Boden. Sie rappelte sich hoch und schüttelte sich, dann raschelte das Gebüsch vor ihr und ein Wolf kam zum Vorschein.

♦ ♦ ♦


Als er Ceana erblickte, stockte er, sträubte sich und fing an, bedrohlich tief und donnernd zu knurren. Instinktiv stellte sich auch Ceanas Rückenfell auf und sie begann ebenfalls zu knurren. Zum fliehen war es zu spät und sie war so dicht von Bäumen umringt, da würde sie nicht weit kommen, wenn hier drei Jäger und ein Wolf waren. Doch sie würde sich nicht kampflos ergeben. Sie würde sich bis zur letzten Sekunde verteidigen.
Schnell musterte sie den Wolf. Er war groß und kräftig, also hatten seine Hiebe Wucht und sein Kiefer wirkte ebenfalls stark. Doch durch seine Masse konnte er sich sicher nicht so schnell bewegen wie Ceana, die zwar auch groß, aber dafür schlank und sehning war.
Der Wolf spannte seine Muskeln und preschte auf Ceana zu. Diese wich schnell genug zur Seite, sodass der Wolf mit seinem Schwung an ihr vorbei rauschte und in die Schneemassen stürtzte. Ceana wand sich eilig wieder zu ihm um und machte sich auf den nächsten Angriff gefasst, der auch nicht lange auf sich warten ließ. Als sich der Wolf wieder hochgerappelt hatte, kam er mit bedrohlichem Knurren auf sie zu und schnappte nach ihr, doch Ceana duckte sich, sodass seine Zähne hörbar aufeinander schlugen. Ceana nutzte diesen Moment und legte ihren Kiefer um seine Kehle. Er stieß einen Misch aus einem Knurren und Röcheln aus. Ceana lockerte ihren Biss nicht, selbst dann nicht, als sie anfing, Blut zu schmecken. Doch der Wolf wand sich mit enormer Gewalt aus ihrem Biss und gab ihr einen Hieb mit seiner Pfote. Seine Krallen waren scharf und rissen etwas von Ceanas Ohr weg und über ihrem Auge fühlte sie eine warme Wunde, doch sie hatte keine Zeit darüber nachzudenken, denn der Wolf setzte wieder zum Sprung an und traf sie. Ceana wurde gegen einen Baum geschleudert und prallte mit voller Wucht dagegen. Die Luft wich aus ihren Lungen und ihre Rippen schmerzten grauenvoll. Sie biss dem Wolf in die Pfote und er jauelte kurz auf, bis er sich wieder auf sie stürzte.
Sie waren eine einzige Kugel aus Fell, Blut und schrecklichen Knurren und um ihnen wirbelte der Schnee auf und fiel blutbefleckt zu Boden. Beide waren sich der Stärke des Gegners bewusst, aber keiner würde nachgeben oder gar aufgeben. Ceana sah die Kraft und die Lust zu töten in den Augen des Wolfs aufblitzen und sie wusste, dass sie trotz ihrer Wendigkeit nicht mit seiner Stärke mithalten konnte. Als sie sich kurz voneinander lösten, um sich knurrend zu umkreisen, sah sie in ihrer Nähe einen großen, vereisten Felsbrocken. Er musste mit ihr von der Erhöhung runtergerutscht sein. In ihrer jetzigen Form würde er ihr nicht von Nutzen sein, aber wenn sie sich in einen Menschen verwandeln würde, dann könnte sie ihn als Waffe einsetzen.
Doch wollte sie ihre Wolfsform aufgeben? Sie war alles, was Ceana je verkörpern wollte.
Die Sonne ging immer weiter und schneller unter, sie musste sich entscheiden. In der Dunkelheit wäre sie mit ihrem weißem Fell leichte Beute.
Der Wolf schoss wie ein Blitz auf sie zu. Ceana sprang zur Seite und noch im Sprung wurde sie zum Menschen. Ihre Haare waren schneeweiß und wellten sich bis zu ihren Kniekehlen. Doch auch ihre weiße Haarpracht konnte die hellen Wolfsohren nicht verbergen. Sie war zu lang im Wolfskörper, aber das war jetzt egal.
Sie knallte in den Schnee und biss sich auf die Zunge. Verärgert zischte sie, als sie Blut schmeckte. Sie musste sich beeilen. Schnell griff sie nach dem Felsbrocken, doch ihre Hände waren mit Blut verklebt, so dass sie an dem Eis über dem Felsbrocken keinen Halt fand. Ceana wischte sich das Blut, von dem sie nicht wusste ob es ihres oder das des Wolfes oder beides war, an ihren nackten Beinen ab und versuchte erneut, den eisigen Brocken hochzuheben – mit Erfolg!
Doch er war schwerer, als er Anfangs ausgesehen hatte. Nur mit allem Aufwand ihrer Kraft konnte Ceana ihn hochheben. Hinter ihr hörte sie die gesamte Zeit über das gefährliche Knurren des Wolfes.
Gerade, als sie ihn über ihren Kopf hiefte und warf, rief jemand hinter ihr: „Stopp!“
Sie erschrak so heftig, dass sie kurz die Kontrolle über ihre Arme verlor und der Felsbrocken unkontrolliert auf den Wolf zuflog. Der wich zwar aus, aber der Fels traf ihn an der Schulter. Der Wolf jauelte schmerzerfüllt auf und humpelte von Links nach Rechts. Ceana hätte schwören können, etwas knacken gehört zu haben.
Ceana ließ die Arme sinken und drehte sich um. Hinter ihr, verborgen hinter einem Baumstamm, stand der junge Mann, den sie immer beobachtet hatte und trat nun etwas weiter in das warm leuchtende Abendlicht. Er sah atemberaubend schön aus. Ceana hörte ihr Herz in ihren Ohren schlagen.
Der Mann schaute hinter ihr zu dem Wolf – zu seinem Wolf, wie Ceana begiff. Was sie auch begriff, war, dass sie nackt war. Schnell verwandelte sie sich wieder in einen Wolf und trabte ein paar Schritte von ihm weg, dann drehte sie sich um blickte in seine grünen Augen. Sie wirkten wie Eis, durch denen hoffnungsvoll das Grün drang. Ceana durchfuhr ein wohliger Schauer, doch sie wand sich ab und verschwand im eisigen Unterholz. Er rief ihr noch etwas mit einer sanften, aber starken Stimme hinterher, doch um es zu verstehen war sie zu weit weg. Von ihm und mit ihren Gedanken ebenfalls.



__________________________________
Salve!
Meine erste Geschichte in diesem Fandom! *Konfetti werf*
Da hätten wir als erstes den Namen unserer OC-Lady :D
Ceana. Man spricht es Kehna, was ein keltischer Name ist und so viel bedeutet wie "die Schöne".
Naja, ich hoffe, ihr habt das erste Kapitel gerne gelesen :3
Ich würde mich wahnsinnig über Reviews, Mails oder Favoriteneinträge freuen ♥
Dann liest man sich im nächsten Kapitel ^^
Vale!
Review schreiben