Storming Hearts

von KiraNear
GeschichteDrama, Romanze / P12 Slash
18.07.2014
30.07.2018
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Immer wieder kehrten ihre Gedanken zu dem regenbogenfarbenen Pony zurück, zusammen mit einer Gefühlsmischung aus Sorge und schlechtem Gewissen. Immer wieder versicherte sie sich, dass sie sich irrte, dass sie Silver Fox Unrecht tat. Doch so sehr sie es versuchte, tief in ihrem Innersten konnte sie sich selbst nicht glauben. Wollte sie sich selbst nicht glauben. Gefangen in einem Teufelskreis aus verschiedenen Gedanken, konnte sie ihre eifersüchtigen Gefühle Silver Fox gegenüber nicht zum Schweigen bringen.

Umso mehr und intensiver stürzte sie sich in die tägliche Farmarbeit, verlangte mehr von sich ab und übernahm auch mehr Aufgaben ihres Bruders als üblich. Im Moment war sie über jede Arbeit froh, die sie auf andere Gedanken brachte; sie von ihrer Eifersucht ablenkte. Am Abend ließ sie sich müde in ihr warmes, weiches Bett fallen, so konnte sie sich nicht grübelnd von einer Seite auf die andere wälzen.

Neben ihrer Eifersucht nagten auch Schuldgefühle an ihr, noch immer bereute sie es, dass sie bei ihrem letzten Treffen im Streit auseinander gegangen waren. Zu gerne hätte sie sich bei ihrer besten Freundin für ihr Verhalten entschuldigt, selbst wenn es ihr schwer gefallen wäre. Ihr war es wichtiger, sich wieder mit Rainbow zu versöhnen, anstatt sich immer und immer wieder wegen ihren Emotionen in die Mähnen zu bekommen. Die Worte wären ihr nicht leicht über die Lippen gekommen, sie hätte sich schwer dabei getan, doch am Ende hätte es ihr eine unendliche Erleichterung beschafft, besonders, wenn Rainbow ihre Entschuldigung angenommen hätte.

Doch dazu kam Applejack nie. Nicht, weil sie im entscheidenden Moment kalte Hufe bekam oder ihr die Worte im Hals stecken blieben. Dass sie es bisher nicht tun konnte, hatte einen ganz einfachen Grund: Rainbow war die letzten zwei Tage wie vom Erdboden verschwunden.

Immer, wenn sich ihr die Gelegenheit geboten hatte, hatte sie ihren Blick über den Himmel schweifen lassen, auf der Suche nach einer Regenbogenmähne am Horizont. Doch nicht die kleinste Feder, nicht eine Mähnensträhne war von Rainbow zu sehen, weder im Himmel, noch am Boden. Selbst an ihren üblichen Stellen ließ sie sich nicht blicken, was Applejack mehr als verwunderte. Was zugleich ihre Sorgen nährte. Umso mehr zwang sie sich, sich auf ihre Arbeit zu konzentrieren und an nichts anderes zu denken, als das Unkrautjäten und den Anbau des neuen Kürbisfeldes. Dass sie bereits zum dritten Mal im Begriff war, den Boden für das Feld zu pflügen, wurde ihr erst bewusst, als sie ihr Bruder amüsiert darauf aufmerksam machte.

„Applejack, ich glaube nicht, dass die Kürbisernte besser sein wird, wenn du den Boden immer und immer wieder umpflügst“, sagte er mit einem kleinen Lächeln auf den Lippen. Ihre Wangen färbten sich rot, sie hatte es in der Tat nicht bemerkt.

„Schwester, lass mich ehrlich sein. Ich finde es toll, dass du dich noch mehr auf dem Hof engagieren möchtest, aber in dem Zustand bist du uns keine besonders große Hilfe. Solange du dich nicht mit Rainbow aussprechen konntest, wirst du dich nie zu 100 Prozent auf die Feldarbeit konzentrieren können. Warum hast du es nicht schon längst getan? Oder hat sie dich abgewiesen?“

Applejack legte die Harke zur Seite und wischte sich den Schweiß von der Stirn.

„Schön wäre es, aber das Pony hat sich in Luft aufgelöst. Ich hab sie seit vorgestern nicht mehr gesehen, es ist, als würde sie mir aus dem Weg gehen. Was natürlich Schwachsinn ist, “ fügte sie rasch hinzu, auch wenn sie selbst nicht sehr davon überzeugt war.

Es passte zu Rainbows Art, Ärger und Unannehmlichkeiten aus dem Weg zu gehen, dennoch hatte sie es noch nie erlebt, dass Rainbow ihr aus dem Weg ging. Selbst, als sie in der Vergangenheit wegen der einen oder anderen sportlichen Sache im Clinch lagen, hatte Rainbow viel mehr die Konfrontation gesucht, sich erst recht mit ihr angelegt, um die Angelegenheit ein für alle Mal klären zu können.  

Für sich selbst fand sie keine Erklärung für dieses seltsame Verhalten. Zuerst hatte sie angenommen, sie hätte sich wie eine beleidigte Schildkröte in ihr Haus zurückgezogen, doch die Tatsache, dass Tank tagein, tagaus auf dem Boden unterhalb ihres gemeinsamen Zuhauses seinen kompletten Alltag verbrachte und sich Kopf für Kopf an Rainbows Salatzucht satt fraß, sprach für sich alleine bereits Bände. Dazu hing Rainbow zu sehr an der alten Schildkröte. Auch wenn sie es nicht zugab, achtete sie auf ihr Haustier wie auf ihren Augapfel, wenn nicht sogar noch intensiver.

Doch niemand hatte weder etwas von ihr gesehen, noch gehört. So verneinte Applejack, als Big Mac sie fragte, ob jemand von ihren Freundinnen etwas über Rainbows aktuellen Verbleib wusste.„Nein, sie ist sozusagen über Nacht verschwunden. Ihr Haus sieht normal aus, als wäre sie nur mal eben zum Einkaufen geflogen. Sie hat auch keine Nachricht an ihrer Haustür oder ihrem Briefkasten hinterlassen, das haben wir extra überprüft. Niemand in Ponyville weiß, wohin sie gegangen sein könnte. Sie hat auch keine Andeutungen gemacht, dass sie oder Silver Fox einen spontanen Urlaub geplant hätten – der ist nämlich ebenfalls verschwunden. Nenn mich ruhig paranoid, aber das kommt mir doch sehr seltsam vor. Geht es dir denn nicht genauso?“

Dass sie sich lange keine so großen Sorgen um ihn wie um Rainbow machte, schluckte sie wie so manch andere Anmerkung hinunter. Ihr Gesichtsausdruck sprach bereits genug für sie.

„Applejack, ich möchte dir ja nichts vorschreiben und ich kann verstehen, dass du dich um deine Freundin sorgst. Aber ihr beide seid keine kleinen Fohlen mehr, sie ist alt genug, dass sie weggehen kann, wohin und wann sie das möchte. Natürlich wäre es schöner, hätte sie wenigstens irgendjemanden Bescheid gegeben, damit man sich keine Sorgen um sie machen muss … bestimmt hat sie irgendetwas Tolles entdeckt und die Welt um sich herum vergessen. Du erzählst doch oft genug, dass sie sich nur zu leicht von etwas begeistern und ablenken lässt. Sie kommt sicher wieder zurück und dann wird sie dir mit ihren Erzählungen ein Ohr abkauen.“

Applejack rang sich zu einem Lächeln durch, seine Worte hatten eine leichte beruhigende Wirkung auf sie. Leise meldeten sich noch immer ihre gemischten Gedanken in ihrem Hinterkopf, doch nun fiel es ihr leichter, diese zu verdrängen.

„Danke, Bruderherz“, sagte sie, als sie ihre Vorderbeine um ihn schloss und an sich drückte. Seine Wangen färbten sich rosa, was man trotz seiner knallroten Fellfarbe sehr gut erkennen konnte.

Er räusperte sich und löste sich aus der Umarmung. Erst nickte er stumm, dann schob er sie unauffällig ein Stück weg vom Kürbisfeld.

„Ich denke mal, das hier sollte ich übernehmen – du wirst momentan woanders gebraucht“.

Big Mac warf seiner Schwester noch einen letzten Blick zu, bevor er sich an die Arbeit machte und fruchtbare Kürbiskerne in die Erde einpflanzte.

„Danke, großer Bruder, ich schulde dir was“, sagte sie mit einem nicht näher bestimmbaren Ton und machte sich auf den Weg, vorbei an der Scheune und hinaus aus der Farm.



Kaum hatte sie Sweet Apple Acres hinter sich gelassen, ließ sie sich und ihre Gedanken ein wenig zu Ruhe kommen. Sie hatte das Bedürfnis, einfach zu rennen, doch sie konnte nicht sagen, wohin sie laufen sollte. Wohin sie ihre Beine bis gerade eben tragen wollten. Für einen Moment überlegte sie, ob sie nicht wieder zum Wolkenhaus laufen sollte, jenem Haus, das sie in den letzten Tagen öfter besucht hatte als die Monate davor. Doch sie wusste bereits, was sie dort erwarten würde, der gleiche Anblick wie die letzten paar Male zuvor auch.

Daher ersparte sie sich den Weg und entschied sich dafür, sich ein wenig in Ponyville umzusehen. Während sie hier und da ein wenig nach dem regenbogenfarbenen Pony Ausschau hielt, traf sie nacheinander ihre Freundinnen, die mehr oder weniger über ihr kleines Geheimnis Bescheid wussten. Sie wollten ihr nicht zu nahe treten, schließlich hatte sich Applejack noch nicht komplett geoutet und ließen es stattdessen bei dem offenen Geheimnis, dass es bereits seit längerem war. Wofür ihnen Applejack mehr als dankbar war.

Jede von ihnen versicherte ihr auf ihre eigene Art, dass Rainbow Dash bald wieder auftauchen würde, immerhin war nun ihre Schildkröte auf sich alleine gestellt und schlafen musste sie ja auch irgendwann. Sie konnten es sich nicht vorstellen, dass Rainbow ewig auf ihr weiches Wolkenbett verzichten könnte, daran würde selbst das beste Training der Welt nichts ändern.

Dass es sie nicht zu 100% überzeugte, ließ sich Applejack nicht anmerken, besonders da sie die gutgemeinten Bemühungen ihrer Freunde schätzte. Doch je öfter sie diese Argumente hörte, desto besser gelang es ihr, die finsteren Ahnungen in die kleinen Ecken ihrer Gedankengänge zu verschieben.

So beschloss sie, noch eine letzte Runde im Dorf zu drehen und anschließend noch ein paar Erledigungen zu machen. Inklusive dem Kauf eines Schokoladen-Cupcakes mit Orangen-Frosting, eine der Lieblingsnaschereien ihres großen Bruders. Hier und da standen ein paar Ponys, unterhielten sich über alltägliche Dinge, tratschten über die neuesten Promi-News aus Manehattan und trieben Handel. Andere dagegen gingen ihren Tätigkeiten nach, wie Blumen zu wässern oder ebenfalls ein paar Einkäufe zu tätigen.

Ein alltägliches Bild zeigte sich Applejack, viele Bewohner, aber auch hier und da ein paar fremde Besucher aus anderen Städten und Gegenden waren zu sehen. Sonst hatte sich an Ponyville nichts verändert. Die kleinen, gemütlichen Häuser, die überall standen. Die bunten und friedlichen Ponys, die diese Häuser bewohnten und so Ponyville stetig mit Leben füllten. Selbst die späte Mittagssonne schien es mit dem Farmpony gut zu meinen, entgegen der Wettervorhersage schien sie nur mit halber Kraft auf das kleine Ponydorf hinunter, versorgte Ponys und Pflanzen mit den wichtigen Nährstoffen, die sie zum Leben benötigen. Nur ein Teilchen fehlte, um das Puzzlebild komplett zu machen: Rainbow Dash, wie sie über Ponyville flog, die Wolken zertrat und ein paar Bewohnern ein paar Streichen spielte.

Doch auch hier gab es keine Spur von ihr zu sehen. Daisy, Peachy Pitt, Button Mash, Derpy oder Twinkleshine – keines der Ponys, denen sie begegnete, konnte sie über Rainbows aktuellen Aufenthaltshaltort oder ihr Verschwinden aufklären.

„Es ist seltsam, dass Rainbow einfach von einem Tag auf den nächsten verschwindet. Andererseits, war sie schon immer nicht gerade das zuverlässigste Pony hier“, sagte Cheerilee und tippte dabei mit dem Huf ans Kinn.

„Aber ich bin mir sicher, dass sie bald wieder auftauchen wird. Jedes Pony findet irgendwann wieder seinen Weg zurück nach Ponyville. Früher oder später bekommt jede von uns Sehnsucht nach der Heimat. So sind wir eben, wie Ponys aus Ponyville, das weißt du doch genau.“

Sie klopfte Applejack noch ein wenig aufmunternd auf die Schultern, bevor sie im Schulgebäude verschwand. Applejack seufzte, dann hob sie ihren Kopf und zwang sich zu einem Lächeln. Die Muskeln schmerzten ihr im Gesicht und als sie merkte, wie unwohl sie sich damit fühlte, lockerte sie jene Muskeln wieder.

Was mache ich hier eigentlich? begann sie sich zu fragen, während sie langsam zurück zur Farm trabte. Hier und da huschten einzelne Eichhörnchen zwischen den Büschen und Sträuchern umher, doch das Farmpony interessierte sich im Moment wenig dafür. Sie dachte über das nach, was ihr die anderen Ponys mitteilt hatten, welche Ratschläge sie ihr mit den auf den Weg gaben.

Als sie schließlich die Farm erreicht hatte, fiel es ihr schon leichter, von den trübseligen und dunklen Gedanken Abstand zu nehmen.

Es ist wohl wirklich so, wie Granny Smith oft sagt. Apfelkuchen werden nie so heiß gegessen, wie sie aus dem Ofen geholt werden …

Schmunzelnd schob sie ihren Hut zurecht, blickte sich ein wenig auf der Farm um und beschloss schließlich, ihrer Schwester mit der Säuberung der Schweine zu helfen. Diese lagen zufrieden grunzend auf einer großen Rasenfläche und genossen die Behandlung mit dem Duschschwamm.

„Hi, Applejack“, begrüßte Apple Bloom ihre ältere Schwester, bevor sie anfing einem Schwein den weichen Bauch zu kraulen.

„Hattest du Erfolg? Big Mac meinte, dass du nach Rainbow Dash suchen würdest.“

Applejack nickte, doch ihr Lächeln starb davon nicht ab. Dieses Mal war ein es ein ernstes, dass ihr Gesicht zierte.

„Nein, aber ich habe auch ehrlich gesagt nicht den ganzen Tag Zeit, diesem Pony hinterher zu rennen. Ich habe nach ihr gesehen und mich nach ihr erkundigt, mehr kann ich auch nicht machen … jetzt sieh mich doch nicht so an, ich meine das ernst. Und wer soll sonst all die ganzen Schweinchen hier schrubben, das sind doch viel zu viele für ein kleines Fohlen wie dich.“

Neckend zwinkerte sie ihrer jüngeren Schwester zu, wofür sie sich mit einem gezielten Wurf mit dem vollgetunkten Schwamm rächte. Applejack fing zu lachen an, was sich sehr schnell als ansteckend herausstellte.

„Du willst es also wissen, Apple Bloom? Dir werde ich zeigen, was ein richtiges Farmpony so alles auf dem Kasten hat!“

„Das möchte nur zu gerne sehen, wie du das anstellen möchtest, Schwesterherz!“, erwiderte Apple Bloom, sichtlich erleichtert, dass sich Applejacks Laune verbesserte.

Die gute Laune, welche sich in dem Farmpony ausgebreitet hatte, hielt noch den Rest des Tages an und zum ersten Mal seit Wochen war es Applejack möglich, mit positiven Gedanken den Tag abzuschließen. Obwohl sich ihre Gedanken nach wie vor um ihre beste Freundin kreisten, so kam sie doch schneller zur Ruhe als sie es in letzter Zeit gewohnt war, selbst das Einschlafen fiel ihr wieder leichter. Na endlich – ich hab mir schon Sorgen gemacht, dachte sich ihre Großmutter, bevor sie ihrer Enkelin das Licht im Raum löschte und die Türe sachte verschloss. Selbst ihr war es nicht entgangen, in welchem Gefühlsdilemma sich ihre Enkelin befand, doch sie kannte sie gut genug, um zu wissen, dass es mit Apfelcider und Umarmungen allein nicht getan war. Doch die Pflichten der Farmen ließen meist keinen Platz für Privates und solange sich Applejack mit Arbeit zudeckte, war es Granny Smith geradezu unmöglich gewesen, ihr seelisch ein wenig unter die Hufe zu greifen. Zwar hatte sie ihr, als ihre Enkelin eine freie Minute hatte, ein Gespräch angeboten, doch bisher war sie dem Angebot nicht nachgekommen.

„Auf jeden Fall musst du wissen, dass wir immer hinter dir stehen und dir helfen werden. Natürlich hoffe ich nur das Beste für dich und deine Freundin werden … denk daran, man isst einen Apfelkuchen nicht so heiß, wie man ihn aus dem Ofen herausholt. Das mit dir und Rainbow Dash – das wird schon wieder werden.“

Granny Smith hatte versucht, ihre Enkelin aufzumuntern, hatte jedoch nicht die Wirkung auf sie, wie es Big Mac als ihr älterer Bruder hatte. Und solange diese ihr Seelenheil fand, war ihr jeder Weg und jedes Pony nur recht. Selbst, wenn es gegen die Prinzipien ihrer Enkelin war.



So schlief Applejack einen tiefen, erholsamen Schlaf, bis sie ihr eigenes Hungergefühl aus ihren Träumen riss. Wie lange habe ich denn geschlafen? fragte sich das emsige Farmerpony und blickte auf den Wecker, welcher sich direkt auf Kopfhöhe neben ihr auf einem kleinen, hölzernen Nachtkästchen befand. Kaum erkannte sie die Uhrzeit, sprang sie aus dem Bett, setzte sich ihren Hut auf und rannte die Treppen hinunter, kaum, dass sie über ihre eigenen Hufe stolperte.

„Guten Morgen, Granny Smith“, sagte sie hektisch und setzte sich an den Frühstückstisch, welcher offensichtlich nur für ein Pony gedeckt worden war. Es handelte sich dabei um ihre Lieblingsgerichte, ein kleiner Turm aus Pfannkuchen und dazu eine große Flasche Ahornsirup, eine Schale Quark mit großen Apfelstücken, Kakao und einer großen Portion Apfelmus.  Applejack lief das Wasser im Mund zusammen, doch noch konnte sie ihr Mahl nicht beginnen, nicht, bevor sie sich etwas von der Seele geredet hatte. Etwas, das sie noch klären musste, bevor sie ihr Frühstück zu sich nehmen konnte. Zumal es sich mittlerweile mehr um ein Lunch handelte, als um ein richtiges Frühstück, zeitlich gesehen. Dabei legte sie ihren Hut auf den Tisch.

„Aber warum hat mich niemand gerufen? Der Winter naht und die Farm ruft, es gibt noch so viel, das erledigt werden muss. Wir müssen noch die Äpfel auf den westlichen Feldern ernten, dann die neuen Samen für die Kürbisse auswerfen und bewässern. Außerdem muss ich noch den Schlauch beim Schweinestall austauschen, dieser hat mittlerweile mehr Flicken als unserer Familien-Patchwork Decke …“, fing Applejack herunterzurasseln, hektisch schwang sie mit ihren Hufen umher. Doch Granny Smith ließ sich nicht aus der Ruhe bringen, stattdessen füllte sie sich selbst eine Tasse mit Kakao ab und setzte sich zur ihrer geliebten Enkelin an den Tisch.

„Applejack, Liebes, es ist schön, dass du dich so für unsere Familienfarm engagieren möchtest. Ja, wir haben nur sehr wenige hier, die hier auf unserer Farm arbeiten können, aber dennoch möchte ich nicht, dass du dabei kaputt gehst. In erster Linie geht es mir um meine Familie und ich möchte nicht mit ansehen, dass du dich kaputt arbeitest, nur, weil du an Liebeskummer leidest … nein, nein, du musst mir nichts sagen“, Granny hob ihren Huf, um ihrer Enkelin sämtlichen Wind aus den Segeln zu nehmen.

„Weißt du, wenn du ein gewisses Alter erreicht hast, dann siehst du die Zeichen eines verliebten Ponys oder eben die von Liebeskummer. Und Applejack, Liebes, sie sind dir über den kompletten Hut geschrieben, das kannst du mir glauben. Für mich spielt es keine Rolle, wem du dein Herz schenkst, ob es nun eine Stute oder ein Hengst ist, solange es dich glücklich macht. Dazu gehört es auch leider dazu, schlechte Erfahrungen zu machen, da musste ich durch, deine Eltern und es wird auch Apple Bloom nicht erspart bleiben.“

Unsicher sah Applejack ihre Großmutter an, während diese in ihrem Kakao herumrührte. „Was genau möchtest du mir damit sagen, Granny Smith? Nicht, dass ich dir nicht dankbar für deine Ratschläge bin, aber dieser hier ist mir dann doch etwas zu verwirrend.“

„Ich möchte dir nur damit sagen, dass du mit diesem Gefühl nicht alleine auf dieser großen, weiten Welt bist. Aber auch, dass du dich davon beeinflussen lassen solltest. Auch wenn du es mir im Moment nicht glauben kannst, aber dieses Gefühl wird eines Tages wieder vergehen und dann wirst du dich wieder öffnen können, wenn du es möchtest. Eventuell solltest du dich mit der Stute deines Herzens einmal aussprechen, zumindest hat es mir damals geholfen, bevor ich Jahre später deinen Großvater getroffen habe.“

Applejack nippte immer wieder an ihrem Kakao, so müde sie langsam von ihren negativen Gefühlen wurde, so wurde sie es auch von der Aussage, die sie in den letzten Tagen immer wieder und wieder von sich geben durfte: „Wenn es doch nur so einfach wäre. Aber das Pony ist einfach verschwunden und ich habe ehrlich gesagt keine Ahnung mehr, wo ich sie suchen soll. Bestimmt wissen nicht einmal ihre Eltern, wo sich ihre Tochter gerade aufhält …“

Gerade, als Granny Smith ihrer Enkelin sanft den Kopf streicheln wollte, klopfte es zaghaft an der Türe. „Herein“, sagten Granny Smith und Applejack wie aus einem Munde, doch erst nach der vierten Aufforderung trat der Gast herein. Es war Fluttershy, die sich schüchtern in das Haus der Apples hineinschlich.

„Hallo, Applejack … ich hoffe doch, ich störe nicht. Ich meine, ich kann auch später kommen, wenn du noch frühstücken möchtest. Oder ich rufe dich einfach an, wenn es später für dich auch in Ordnung ist.“

Sie wollte sich wieder zur Türe umdrehen, da sprang Applejack schon von ihrem Stuhl und wischte sich die Kakaoreste von den Lippen. „Hey, Zuckerstückchen, was ist denn los? Was immer du uns sagen möchtest, du kannst es mir gerne jetzt sagen, immerhin bist dafür zu mir raus in die Farm gekommen. Keine Angst, du störst mich nicht, ich bin sowieso schon längst mit dem Frühstück fertig.“

Wie um ihre Worte zu unterstreichen, rückte sie einen Stuhl zurecht und bot ihn Fluttershy an, doch diese schüttelte nur den Kopf. Fluttershy schluckte laut, dann nahm sie tief Luft. Auf Applejack wirkte sie nicht, als hätte sie sich sonderlich verausgabt und doch bewegte sich ihr Brustkorb schneller als üblich.

„Vielen Dank, Applejack, aber ich möchte auch gar nicht so lange bleiben, ich muss noch den Hühnerstall bei mir ausmisten. Dafür musste ich mir in der Stadt eine neue Kehrschaufel kaufen, da mir bei der alten der Stiel abgebrochen ist … oh, tut mir leid, ich wollte dich gar nicht mit meiner Geschichte langweilen,“ sagte Fluttershy mit stockender Stimme, doch weder Granny Smith, noch Applejack dachten daran, das schüchterne Pony zu unterbrechen.

„Jedenfalls bin ich auf den Markt gegangen, um mir eine Schaufel kaufen zu können, als ich mich zuerst mit Rarity unterhalten habe. Was aber gut ist, denn wenn ich den Markt zu früh verlassen hätte, dann wäre mir etwas oder genauer gesagt jemand nicht aufgefallen. Ich hab sie nicht lange gesehen, sie war nur kurz am Stand mit den Tofu Hotdogs. Außerdem wirkte sie so beschäftigt, dass ich mich nicht getraut habe, sie anzusprechen. Allerdings bin ich nach dem Bezahlen sofort hierher gelaufen, um dir Bescheid zu geben. Immerhin warst du die letzten Tage ziemlich traurig deswegen und ich dachte mir, es wäre für dich besser, wenn du weißt, dass SIE wieder hier ist …“

Applejacks Pupillen erweiterten sich, vor Schreck ließ sie die leere Kakaotasse fallen. Fluttershy konnte sie gerade noch kurz vorm Aufprall auffangen, erleichtert atmete sie aus, kaum, dass sie die Tasse zu fassen bekommen hatte.

„Granny, du hast Recht, es wird nicht besser, wenn ich mich nicht mit ihr ausgesprochen habe. Fluttershy, vielen Dank, dass du mir das erzählt hast. Weißt du zufällig, wo sie jetzt genau sein könnte?“

Fluttershy schüttelte mit dem Kopf, dann stellte sie die Tasse wieder auf dem Tisch ab.

„Tut mir leid, ich bin mir nicht sicher. Ich hab nur gesehen, wie sie in die Richtung der Geschäftsstraße gegangen bin, da habe ich schon die Hufe in die Beine genommen und bin so schnell hergelaufen wie ich konnte … nun ja, eher getrabt, aber du verstehst sicher, was ich meine.“

„Das macht nichts und ja, ich verstehe es vollkommen. Danke dir nochmal und auch dir für das nette Frühstück, Granny Smith.“

Mit einem schnellen Griff schnappte sie sich ihren Hut und ging zur Eingangstür.

„Wenn es euch nichts ausmacht, werde ich mich auf den Weg machen, um die Sache ein für alle Mal zum Ende zu bringen!“

Kaum hatte sie das ausgesprochen, verließ sie das gemeinsame Zuhause der Apples. Erst begann zu rennen, doch dann setzte sie ein flotteres Tempo ein, welches sie mühelos für eine längere Zeit würde halten können.

„Viel Glück, Applejack!“, rief ihr Fluttershy in ihrer normalen, leisen Tonstärke hinterher, doch diese war bereits viel zu weit entfernt, um Fluttershys gut gemeinte Worte hören zu können.



Kaum hatte sie Ponyville erreicht, führte sie ihr Instinkt direkt in die Geschäftsstraße. Noch immer war die Straße stark belebt, die Ponys gingen nach wie vor emsig ihren Geschäften nach, nur ein paar wenige mitleidige Blicke zog das Farmpony auf sich. Offenbar weiß es jetzt das ganze Dorf, dachte sie sich, doch sie wollte sich von dieser Tatsache nicht ablenken lassen. Dann wissen sie auch offenbar, warum ich hier bin. Ob ich sie fragen soll, ob sie Rainbow gesehen haben? Oder soll ich es lieber lassen?

Während sie noch mit sich haderte und zeitlich feststellte, dass es kaum einen Hinweis gab, der davon zeugte, dass Rainbow Dash sich in der letzten Zeit überhaupt in dieser bestimmten Gegend aufgehalten haben soll, trabte ein männliches Pony in ihre Nähe.

„Entschuldigung, Applejack? Kann es sein, dass du ein ganz bestimmtes Pony suchst?“, fragte er sie direkt. Sie drehte sich zu der Stimme um und erkannte, dass sie zu Bulk Biceps gehörte. Das muskulöse Pony sah sie mit einem Blick an, der Applejack verriet, dass auch er ihr kleines Geheimnis kannte.

„Ja, ich suche tatsächlich jemanden – hast du zufällig Rainbow Dash gesehen?“, fragte sie geradehin weg. Wenn es hier schon jeder und jede weiß, dann kann ich auch offen damit umgehen, dass ich sie suche. Wenn sowieso schon wirklich jeder mein Geheimnis kennt … außerdem darf ich keine Zeit mehr verlieren.

„Nicht nur zufällig“, sagte er und deutete mit seinem muskelbepackten Bein in die Richtung der Hotelgegend.

„Ich habe gesehen, wie sie vor dem Sleeping Horse steht und dort auf ihre Begleitung wartet, da sich das Hotel in der Nähe des Spas befindet, in welchem ich Teilzeit arbeite. Es ist erst ein paar Minuten lang her, du müsstest sie also dort noch sehen können.“

Applejack verneigte sich und nahm wieder ihre Beine in die Hufe.

„Vielen Dank, Bulk, du hast mir sehr geholfen!“, rief sie, da war sie auch bereits um die Ecke verschwunden.

„Kein Problem, gerne doch, Applejack!“, rief er ihr hinterher, unsicher, ob sie ihn überhaupt noch hören konnte oder nicht. „So, und jetzt gönne ich mir ein leckeres Sandwich“, sagte er sich, bevor auch er sich weiter auf seinen Weg machte.

Es dauerte nicht lange, bis Applejack die von Bulk Biceps erwähnte Hotelgegend und damit auch das Sleeping Horse erreicht hatte. Wie von ihm berichtet, befand sich Rainbow Dash noch immer vor dem Eingang des beliebten Touristen-Hotels, mit dem Rücken zu ihr gewandt. Applejacks Herz stockte, als könnte es sich nicht entscheiden, ob es vor Freude Luftsprünge oder doch lieber vor Angst stehen bleiben sollte. Kaum hatte sich Rainbow ein Stück in ihre Richtung umgedreht, entschied sich das Herz des Farmponys für die zweite Möglichkeit. Eine kalte Aura umgab das Pegasus Pony, doch es war der kalte Ausdruck in ihren Augen, der Applejack stutzen ließ. Überhaupt hatte Applejack ein merkwürdiges Gefühl, als sie ihre beste Freundin so betrachtete. Es wirkte viel mehr, als hätte sie ein komplett fremdes Pony vor sich, das nur zufällig wie Rainbow Dash aussah – und doch hatte sie keinen Zweifel daran, dass es sich nur um sie selbst handeln konnte.

Mit langsamen Schritten näherte sie sich dem regenbogenfarbenen Pony.  „Hallo Rainbow, schön dass du wieder hier bist“, sagte sie vorsichtig, unsicher, wie sie das Gespräch am besten beginnen könnte. Zwar hatte sie sich immer wieder ausgemalt, wie es sein würde, würde Rainbow sich wieder zurück nach Ponyville verirren, wie sie das Gespräch starten würde und wie der Verlauf wäre. Doch statt einem offenen, gesprächigen Pony erwartete sie lediglich die Eisschrankversion ihrer besten Freundin. Mit einem genervten Blick sah Rainbow Dash zu ihr herüber, fast so, als hätte Applejack sie bei irgendwas belästigt.

„Hi, Applejack!“, fiel die kurze Antwort des Regenbogenponys aus, dann starrte sie wieder auf das Hotel, als ob nichts passiert wäre. Doch die Kühle der Stimme, mit welcher sie die zwei wenigen Worte ausgesprochen hatte, ließ Applejacks Blut in den Adern gefrieren.

Mein Gefühl hatte doch Recht, sie ist anders … aber ich kann nicht den Huf drauf legen. Was ist es? Ob sie sauer auf mich ist? Oder ist es wegen IHM? Ist sie wegen ihm so anders? Granny Smith hat mir mal erzählt, dass die Liebe ein Pony verändern kann, aber ich bin ja auch nicht anders als sonst. Ob es bei Rainbow anders ist? Ist sie deshalb so abweisend zu mir? Oder ist sie nur schlecht drauf? Aber was könnte ihr nur getan haben? Oder ist sie uns überdrüssig geworden, jetzt, wo sie einen Schwarm hat? Oder sind die beiden bereits zusammen?

Nur mühsam schluckte Applejack ihre aufkommenden Tränen hinunter, was sich dank dem riesigen Kloß in ihrem Hals mehr als schwierig gestaltete. Unsicher trat sie von einem Huf auf den anderen.

Naja, wenn sie mich schon so verachtet, dann kann es ja nicht schaden, wenn ich sie ein paar Fragen stelle. Vielleicht kann ich dann damit einfacher abschließen und mich wieder auf mein Leben konzentrieren, so gut es geht.

„Du warst wohl ziemlich beschäftigt in den letzten Tagen, oder?“, begann sie vorsichtig, unsicher, wohin sie ihr Gespräch führen würde.

„Hm, ja, kann man so sagen“, sagte Rainbow spärlich. Sie machte nicht sonderlich den Eindruck, als wäre ihr an einem Gespräch mit Applejack gelegen, noch immer blickte sie auf das Hotel, als würde sie auf jemanden warten. Immer mehr und mehr wurde das Farmpony das Gefühl nicht los, sich mit einer Fremden zu unterhalten, die nichts auf sie hielt, obwohl sie sich höchstens vom Sehen her kannten.

„Wie lange wirst du dieses Mal in Ponyville bleiben?“, fragte Applejack nach, so leicht wollte sie ihr Vorhaben nicht aufgeben. Doch auch dieses Mal machte Rainbow ihre Hoffnung auf ein halbwegs normales Gespräch zunichte.

„Keine Ahnung, mal sehen“, war ihre einzige Antwort darauf.

„Wartest du hier auf jemanden? Auf Silver Fox?“, vermutete Applejack und spürte, dass sich zu ihrem mulmigen Gefühl nun langsam auch die Eifersucht gesellte.

„Ja, nein, vielleicht. Was geht dich das an?“, giftete Rainbow sie an und langsam wurde es Applejack zu viel. Spätestens jetzt wusste sie, dass mit ihrer Freundin absolut etwas nicht stimmte. Und doch konnte sie nicht anders, als sich um ihre beste Freundin Sorgen zu machen.

„Hör mal, Rainbow … ich weiß nicht, wie ich es sagen soll, aber … pass auf dich auf, ja? Nicht, dass dir noch irgendwas passiert …“

„Was soll mir schon passieren?“, fragte Rainbow zurück und der Blick, mit welchem sie Applejack von der Seite ansah, hätte verächtlicher nicht sein können. Applejack spürte, wie eine kalte Nadel ihr Herz durchstach und nur mit viel Mühe hielt sie sich zurück, sich an die Brust zu fassen.



Ihr blieb auch nicht viel Zeit, um sich eine Antwort auf die freche Bemerkung zu machen, denn kaum hob sie ihren Kopf, konnte sie Silver Fox erkennen, wie er aus dem Hotel getrottet kam. Auch Rainbow sah ihn, doch im Gegensatz zu ihr begrüßte sie ihn mit einem warmen Blick und einem sanften Lächeln. Wieder spürte Applejack, wie in ihr die Eifersucht aufstieg und im Gegensatz zum letzten Mal fiel ihr ihre Kontrolle über sich und ihre Gefühle deutlich schwerer.

„Hallo, Rainbow! Tut mir leid, dass ich dich habe warten lassen, es hat doch etwas länger gedauert, als ich dachte. Naja, wie immer die Zeit vergeht, wenn man etwas schnell noch erledigen möchte.“

Rainbow schüttelte nur mit dem Kopf.

„Ach was“, sagte sie mit sanfter Stimme, fast schon mit einem Lachen darin. „So lange habe ich gar nicht gewartet. Es war sicherlich etwas sehr Wichtiges, da kann ich auch ruhig mal etwas warten, das ist gar kein Problem.“

Gar kein Problem? Was ist es denn nun los? Wunderte sich Applejack.

Sonst ist sie doch die Ungeduld in Ponygestalt – und kaum taucht dieser Fremde auf, kennt sie die wahre Bedeutung von Geduld und wartet tatsächlich auf jemanden? Und warum ist sie so freundlich zu ihm? Da stimmt doch was nicht. Bestimmt ist sie nur wegen ihm so. Hat er sie gegen mich aufgestachelt?

Immer mehr und mehr versagte Applejacks logisches Denken, die Eifersucht hatte ihren Kopf nun vollständig erreicht und übernahm die Kontrolle darüber. Als dann Silver Fox kurz einen Blick zu ihr hinüberwarf und anschließend Rainbow zärtlich auf die Wange küsste, war es mit Applejacks Vernunft vollkommen vorbei.

„Rainbow, was soll das? Zu mir bist du abweisend, als hätte ich dir Apfelcider aus dem letzten Jahrzehnt angeboten, aber zu einem Fremden bist du total freundlich? Und dann lässt du dich auch von ihm ein Küsschen geben? Was ist nur los mit dir? Was haben wir dir getan? Was habe ich dir getan, dass du mich so behandelst? Du verlässt das Dorf und erzählst niemanden, wohin du  gehst. Alle haben sich Sorgen um dich gemacht, ist dir das denn nicht klar? Auch hast du Tank alleine gelassen, hast du auch nur mal eine Sekunde an ihn gedacht? Wenn es nicht Fluttershy gäbe, die sich in deiner Abwesenheit um ihn gekümmert hätte, wer weiß, was aus ihm geworden wäre. Selbst er wusste nicht, wo du bist und warum du dich auf einen Tag nach dem anderen nicht mehr blicken lässt … aber langsam weiß ich es. Es liegt an ihm, nicht wahr? Es ist zwar schön, dass du jetzt einen Freund hast, aber deswegen kannst du doch nicht einfach alles stehen und liegen lassen und dir mit ihm irgendwo einen schönen Lenz machen, während sich hier alle Sorgen um dich machen ...“

Silver Fox sah auf, mit einem gemischten Blick, an dem Applejack nur schwer ablesen konnte, wie sich der Hengst fühlte. Schmerz, Trauer, aber auch Verwirrung war in seinem Blick zu sehen und für eine Sekunde fragte sich Applejack, ob sie nicht zu weit gegangen war.

„Hört mal, ich wollte garantiert keinen Streit zwischen euch provozieren“, begann er, jedoch wurde er von Rainbow unterbrochen. Sanft legte sie ihm ihren Huf auf den Mund, nur um sich dann anschließend zu Applejack umzudrehen. Der Hass in ihren Augen sprach Bände und sie war sich sicher, dass selbst die Augen von Nightmare Moon freundlicher ihr gegenüber waren, als der Blick von Rainbow in diesem Augenblick. Diese musterte das Farmpony von den Hufen bis zum Hut, nur um dann ein verächtliches Schnauben von sich zu geben.

„Ich weiß überhaupt nicht, was dein Problem ist. Schließlich bin ich alt genug und keinem hier von euch lahmen Ponys überhaupt eine Rechenschaft schuldig. Das hier ist ein freies Land, da kann ich gehen, wohin ich will. Um Tank wird sich gekümmert, das weiß ich doch, bei Fluttershy ist er doch in ganz guten Hufen. Und ganz besonders dir bin ich keine Erklärung schuldig, wer bist du, meine Mutter? Mann, AJ, du warst mal ganz cool, aber heute bist du total lahm. Was ist mir dir los? Und was geht es dich an, ob ich einen Freund habe oder nicht? Selbst wenn, willst du es mir etwa verbieten? Wie uncool von dir … weißt du was? Am besten sollte ich dich und dieses lahme Kaff da lassen, wo es hingehört – hinter mir. Hier kann mir niemand das bieten, was Silver Fox mir bieten kann, ihr haltet mich doch alle nur zurück. Gönnt mir mein Talent nicht und wollt, dass ich unter dem stehe, was mir noch theoretisch alles möglich ist. Doch damit ist Schluss. Silver Fox hat mir gezeigt, dass so viel mehr in mir steckt und das hätte ich ohne seine Hilfe nicht gefunden. Lass mich also in Ruhe. Dann liebe ich ihn eben, na und? Ist doch nicht dein Cider, oder?“

Die letzten Sätze trafen Applejack wie eine Tracht Prügel ins Gesicht. Sie spürte, wie ihr Herz immer weiter in Richtung Boden rutschte und dort wie ein Glas in kleine Splitter zerbrach. Mit allen möglichen Dingen hatte sie gerechnet, doch nicht damit. Doch gleichzeitig spürte sie, wie der Zorn in ihr wuchs. Zorn über ihre beste Freundin, Zorn über den Fremden, aber auch Zorn über sich selbst, dass sie sich überhaupt dazu hatte hinreißen lassen, ihren Gefühlen freien Lauf zu lassen.

„Dann verzeih mir, dass ich mir Sorgen um dich gemacht habe. Wenn ich das gewusst hätte, wie sehr dich das an deinem Weiterkommen hindern würde, hätte ich es nicht gemacht“, stieß sie wütend hervor, bevor sie sich auf die Lippen biss. Wild wirbelten die Gedanken ihn ihrem Kopf umher und sie wusste nicht, ob und was sie noch entgegnen sollte. Ihre Augen blieben auf dem Boden gehaftet, weshalb sie zu spät bemerkte, wie sich Rainbow Dash ihr näherte. Zum ersten Mal in ihrem Leben war es Applejack mehr als unangenehm, dass sich ihre beste Freundin so nah an ihr befand wie in diesem Augenblick.

„Weißt du, die Welt dreht sich nicht um dich, sondern um mich. Ich habe Talent, ich bin sehr beliebt und dazu auch noch sehr cool. Aber du … naja, sagen wir einfach, du wirst es als Apfelfarmbesitzerin in diesem Kuhkaff wohl sehr weit bringen. Nur, zwischen uns beiden, meine Liebe, ist ein sehr großer Unterschied und das musst du einfach erkennen. Naja, deine Anhänglichkeit ist schon ziemlich lästig, aber was erwartet man auch von einem Pony, das ohne Eltern aufgewachsen ist? Jetzt versuchst du, in mir deine Familie zu erkennen, aber da bist du an das falsche Pony geraten. Nur, weil du deine Eltern vermisst, musst du das nicht an mir auslassen. Das ist wirklich mehr als uncool, musst du wissen. Du musst das echt mal therapieren lassen, weißt du das? Aber dafür müsstest du ja dieses Kuhkaff verlassen und das allein fällt dir ja schon schwer … aww, arme AJ, da könnte ich ja fast schon Mitleid bekommen.“

Ein unangenehmer Schauer breitete sich über Applejacks Rücken aus, als Rainbow ihr Kinn streichelte. Dann fiel diese in ein düsteres Lachen und wenn Applejack bisher der Annahme war, dass die Verachtung in den pinken Augen des Pegasus Ponys nicht noch weiter steigen könnte, so wurde ihr nun das Gegenteil bewiesen.

„Aber … nein, das hier hat nichts mit meinen Eltern zu tun. Und fass mich nicht an, du … du…“

„Ohje, dazu bist du auch noch zu ungebildet, um mir etwas Ernsthaftes an den Kopf werfen. Ach, AJ, wird mal erwachsen. Das würde dir echt nicht schaden. Wenn es dir jetzt nichts ausmachen würde, wir gehen jetzt. Ich habe echt besseres zu tun, als mich mit so einer Klette wir dir abzuhängen, das habe ich nun wirklich nicht nötig.“, sagte sie mit einem finsteren Grinsen auf den Lippen, bis sie in schallendes Gelächter ausbrach. Den Tränen nahe, sah Applejack zwischen der nichtssagenden Miene Silver Foxs und dem hasserfüllten Gesichtsausdrucks ihrer besten Freundin hin und her.

„Dann haben wir uns nichts mehr zu sagen, oder? So stehen wir nun da, obwohl ich dir nichts getan habe?“, sagte Applejack mit zitternder Stimme. Als Antwort gähnte Rainbow nur demonstrativ laut.

„Gut, dann weiß ich ja Bescheid.“

Kaum hatte sie ihr zerbrochenes Herz aufgesammelt, drehte sich Applejack um und ließ Ponyville so schnell hinter sich, wie sie es nur konnte.



Es brauchte mehr als nur ihre Selbstbeherrschung, dass sie nicht komplett in Tränen ausbrach. Schließlich hatte es sie am Ende in ihr Zimmer gezogen, wo sie auf ihrem Bett lag und über ihr Leben, ihre beste Freundin und über den mehr als schmerzhaften Disput vor dem Hotel nachdachte.

Was ist nur mit Rainbow passiert? Seit wann ist sie so … giftig geworden? Das ist ja fast schon unheimlich. Ob das wirklich nur an ihm liegt? Oder will nur meine Eifersucht mir einreden, dass sie so geworden ist? Die ganze Zeit über hat er jetzt nicht den Eindruck gemacht, als würde er hinter ihren Worten stehen, im Gegenteil, er hat sich sogar recht zurückgehalten. Trotzdem, zwischen dem, was er getan und was sie gesagt hat, das passt einfach nicht zusammen. Irgendwas ist da doch passiert.

Applejack seufzte, sie wusste, solange sie auf ihrem Bett lag, würde sie keine Antwort finden können. Es gab nur eine Antwort auf das ganze Dilemma: Sie musste mit ihm reden, egal, wie sehr es sie schmerzte.

Eventuell habe ich ihm Unrecht getan. Vielleicht ist es wirklich nicht seine Schuld und mit mir sind nur die Pferde durchgegangen, weil ich reagiert habe wie eine eifersüchtige Ziege. Vielleicht können wir beide herausfinden, was mit Rainbow ist. Oder er weiß es schon und hat sich nur nicht getraut, etwas in ihrer Gegenwart zu sagen. Das könnte doch auch sein. Komme, was wolle, ich muss mit ihm reden. Vielleicht ist er ja gerade alleine?

Mit flotten Schritten schlich sie sich aus dem Haus heraus in das Dorf, versuchte, so unauffällig wie möglich zu wirken. Doch so sehr sie sich nach außen hin ruhig gab, herrschte in ihr eine Unruhe wie schon lange nicht mehr. Zwar hatte sie Silver Fox des Öfteren gesehen, dennoch kannte sie ihn zu wenig, um einzuschätzen, wie er nun auf ihr Erscheinen reagieren würde. Würde er sie abweisen, oder in sein Hotelzimmer hineinlassen? Vor allem nach dem, was sie ihm indirekt an den Kopf geworfen hatte? Applejacks Inneres rotierte und sie spürte, wie die Übelkeit in ihr hochstieg. Nur mühsam gelang es ihr, das schlechte Gefühl Stück für Stück herunterzuschlucken. Recht schnell hatte sie zu dem Hotel zurückgefunden und dank dem freundlichen Mitarbeiterpony an der Rezeption stand sie nur wenige Minuten später vor der 387, Silver Fox Hotelzimmer für die Dauer seines Aufenthalts in Ponyville. Obwohl sie sich sämtliche Worte zurechtgelegt hatte, war ihr Klopfen eher schwach und als ihr Silver Fox mit verwunderter Miene die Tür öffnete, hatte sie alles, was sie ihm sagen wollte, vergessen.

„Guten Abend, Applejack“, begrüßte er das Farmpony und ließ sie eintreten. Erst, als sie den von ihm angebotenen Platz auf dem Sofa angenommen hatte, kam ihre Sprache zurück.

„Vielen Dank, Silver Fox, dass du mich überhaupt noch reinlässt. Das ist nicht ganz so selbstverständlich, nach all dem, was ich dir vorhin indirekt an den Kopf geworfen habe. Es tut mir leid, ich hatte mich vorhin nicht mehr unter Kontrolle und jetzt ist es mir mehr als unangenehm. Was ich da vorhin gesagt habe, das war mehr als unangebracht und ich schäme mich dafür. Nimmst du meine Entschuldigung an, Silver Fox?“

Dieser kehrte mit zwei Getränken in den Hufen zurück, zwei große Gläser gefüllt mit Wasser und reichte davon eines Applejack, die es dankend annahm. Er selbst betrachtete sein Glas nur und ein seltsames Lächeln schmuggelte sich auf seine Lippen.

„Es ist schon wirklich faszinierend, was die Eifersucht mit Ponys so alles anstellt, nicht wahr, Applejack? Sie lässt uns Dinge sagen und tun, die wir uns sonst nicht zu wagen trauen. Ob wir dann aber auch ehrlicher sind, zu uns und den anderen? Das ist fraglich. Nun ja, so leid es mir tut, aber ich kann deine Entschuldigung bei weitem nicht annehmen … meine Liebe“.

Nun war er es, der in schallendes Gelächter ausbrach und Applejack bekam das Gefühl, als hätte er es sich die ganze Zeit, in der sie sich in seinem Zimmer befand, zurückhalten müssen. Misstrauisch stellte sie ihr Wasserglas auf den Tisch neben sich ab.

„Oh, du traust mir offenbar nicht? Nun ja, es ist auch nicht weiter verwunderlich. Allerdings bist du mir schon recht nahe auf den Punkt gekommen, näher, als dass ich es einem einfachen Bauernpony wie dir zugetraut hätte. Aber was bringt es dir? Dashie gehört nun mir und du wirst nichts daran mehr ändern können. Sie ist mein, mit Fell und Mähne. Sie ist mir ganz und gar hörig. Hach, das ist ein schönes Gefühl, aber auch nur der Anfang.“

Wieder begann er sein düsteres Gelächter, doch es reichte, um Applejacks Befürchtungen, die sie so tief hatte versucht zu begraben, wieder aufsteigen zu lassen.

Also hatte ich doch recht mit meinem Gefühl.

„Was meinst du damit? Was soll das bedeuten? Antworte mir oder lass die schlechten Scherze, dazu bin ich echt nicht in der Stimmung!“

Er unterbrach sein Gelächter und sah ihn nun genauso verachtend an, wie es Rainbow diverse Stunden zuvor getan hatte.

„Willst du es nicht sehen oder kannst du es nicht? Nun, was es auch immer ist, es ist mir ganz recht. Egal, was du jetzt auch tun wirst, der Plan ist bereits zu weit fortgeschritten, als dass mich jemand aufhalten könnte. Ganz besonders nicht jemand wie du. Hach, besonders du nicht.“

Jegliches Mitleid, welches sie für diesen Hengst empfunden hatte, wandelte sich nun komplett in Hass um.

„Also warst du es doch! Ich habe zwar keine Ahnung, was du mit Rainbow Dash angestellt hast und was du mit ihr vorhast, aber ich werde es verhindern! Du wirst ihr nicht das Herz brechen oder sie benutzen. Sobald ich sie von ihrer Hypnose oder Hirnwäsche oder was immer du auch ihr da angetan hast, gelöst habe, werde ich ihr sagen, was für eine Sorte Pony du wirklich bist.“

Silver Fox hob eine Augenbraue, dann brach er ein weiteres Mal in Gelächter aus. Den Magen haltend, wischte er sich mit dem anderen Huf die Tränen aus den Augenwinkeln.

„Applejack, ich hätte nicht gedacht, dass so ein trockenes Bauernpony wie du zu solchen Witzen imstande wäre. Du willst mich aufhalten? Ha, das ist lachhaft. Wer würde DIR denn bitte glauben? Jeder, absolut jeder weiß um deine Gefühle für sie und kann sich dann gut zusammenrechnen, was zwischen uns ist. Die logische Folge ist, dass du unter deiner Eifersucht leidest und damit alles tun würdest, damit es zwischen mir und Dashie vorbei wäre. Im Grunde muss ich mich sogar bei dir bedanken, die Szene heute Nachmittag vor dem Hotel war pures Gold für mich, noch besser hätte es meiner Meinung nach gar nicht laufen können. Es gab nur wenige Zeugen, aber hier bleibt nichts geheim, Dinge verbreiten sich schneller, als einem lieb ist. Bereits jetzt dürfte die Mundpropaganda mehr an Schaden angerichtet haben, als dir bewusst ist. Selbst wenn du jetzt irgendwas weißt, wer würde die Worte einer eifersüchtigen Stute, die zu so einem Ausbruch in der Lage ist, Glauben schenken? Besonders nach dem heutigen Nachmittag werden alle nur glauben, dass du unserer Liebe schaden möchtest. Nun ja, da könnte ich fast schon Mitleid bekommen – aber ich möchte nicht.“

Er trat um sie herum, begutachtete sie von allen Seiten. Und insgeheim musste sie ihm Recht geben, selbst sie hatte die wenigen Ponys, die sich heute Nachmittag in der Nähe des Hotels aufgehalten hatten, gesehen.

„Irgendeinen Weg werde ich schon finden, um dich und deine finsteren Machenschaften aufzuhalten“, sagte Applejack, nun mit weniger Nachdruck als vor wenigen Minuten. Was Silver Fox nicht entging.

„Oh, wir sind auf einmal nicht mehr so mutig wie vorher? Schwach, Applejack, schwach. Auf der anderen Seite ist es gut, wenn du deine eigene Machtlosigkeit erkennen wirst. Keine Angst, ich werde dir nichts tun oder sagen wir … fast nichts. Du bist keine Gefahr für mich, also sieh es als Gnade an, dass ich dich am Leben lasse. Nur das Pony unten an der Rezeption weiß von deiner Anwesenheit hier, nehme ich mal an. Aber man muss sich ja das Leben nicht unbedingt schwerer machen, als es ohnehin schon ist. Nicht wahr, Zuckerschnütchen?“

Ekel stieg in Applejack hoch, am liebsten hätte sie ihm diese ins Gesicht gespuckt, wenn er sich nicht gerade hinter ihr befunden hätte.

„Was willst du damit sagen? Willst du mich etwa beseitigen?“

Silver Fox kicherte hinter ihr und sie wurde sich bewusst, dass es ein Fehler war, ihn nicht ständig im Auge zu behalten.

„Nein, nicht ganz, sei mir ja dankbar dafür, ja? Ich muss nur sichergehen, dass du mir nicht im Weg stehen wirst.“

Ein eigenartiges Geräusch war hinter ihr zu hören, doch sie kam gar nicht dazu, sich zu ihm umzudrehen. Das letzte, das sie spürte, war, wie sie eine Druckwelle erwischte und ihr entsetzliche Schmerzen am ganzen Körper bereitete. Ihr ganzer Körper brannte und sie versuchte sich zu wehren, doch ihre Beine gehorchten ihr nicht.

„Gute Nacht, Applejack und danke für deinen Besuch“, sagte die gelbe, schemenhafte Gestalt, die sich über sie gebeugt haben musste, bevor sie endgültig in die Ohnmacht hineinglitt.

Rainbow … ich muss dich warnen, fuhr ihr noch durch den Kopf, dann war sie nicht mehr in der Lage auch nur noch einen klaren Gedanken zu fassen oder etwas zu spüren.
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