Josephine Klick – Liebe kennt keine Grenzen

von bichi
GeschichteKrimi, Romanze / P16
18.07.2014
18.10.2015
73
132.835
3
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18.10.2015 3.592
 
So Leute. Es ist soweit. Das letzte Kapitel kommt. Ich hoffe es gefällt euch. Teilt mir eure Meinung mit.



(Fritz) Kaum hatten wir unsere Wohnung betreten, schon flog Josys Handtasche in hohem Bogen auf den Boden, gefolgt von ihrem Mantel. Ohne auch nur ein Wort mit mir zu reden begab sie sich auf das Sofa und verschränkte demonstrativ die Arme ineinander. Oh man.  Dabei hatte der Abend doch so gut angefangen. Ich erinnerte mich daran, wie mein bester Freund sich für uns freute. Wie Karin die Nervensäge unbedingt Patentante werden wollte und Waldi, der uns gefragt hatte, ob wir das Geschlecht des Kindes schon wüssten. Natürlich hatten wir diese Frage verneint, da Josephine sich gerne überraschen wollte und ich respektiere ihre Entscheidung. Ob Junge oder Mädchen – Hauptsache gesund hieß es doch immer. Meine Mundwinkel zuckten kurz bei dem Gedanken, dass Ewald Zwillinge vermutete. Meiner Freundin und mir hatte es dabei ganz schön die Sprache verschlagen. Alex war der erste, der es laut aussprach, dass Ewald wohl nicht ganz dicht war. „Euch beide in Miniausgabe, die sich verbal zoffen wärs doch.“, war Waldis Antwort darauf und ich musste zugeben, dass dieses Bild schon etwas hatte. Aber eins nach dem anderen. So konnte das eine wenigstens auf das andere etwas aufpassen. Ich hörte, wie Josephine den Fernseher anmachte und anschließend wie wild durch das Programm zappte. Ich seufzte. Eigentlich hatte ich den Abend anders geplant. Hätte Alex doch bloß die Klappe gehalten. Langsam bewegte ich mich aufs Sofa zu und setzte mich darauf, wohl darauf bedacht, nicht zu nahe bei ihr zu sein. Erstmal musste ich mir eine Übersicht über die Lage verschaffen. Mich ignorierend schaltete sie noch immer von Sender zu Sender. In ihrem Gesichtsausdruck konnte ich erkennen, dass sie beleidigt war. Beleidigt wegen einer Lappalie. Zugegeben ihre Stimmungsschwankungen machten mich ab und an wahnsinnig, gleichzeitig fand ich es aber auch irgendwie sexy, wenn sie so impulsiv war. Von alleine würde sie wohl kaum aufhören, sich wie ein Kind zu benehmen. Also musste ich mal wieder das Problemchen aus der Welt schaffen. Aber in Ruhe.

Vorsichtig streckte ich die Hand nach der Fernbedienung aus. Da sie keine Anzeichen machte, mich in irgendeiner Form zu attackieren, drückte ich den roten Knopf und schaltete das Gerät somit aus. Danach legte ich sie auf den Tisch und setzte mich so hin, dass Josephine gar nicht anders konnte, als mir in die Augen zu sehen. „Josephine?“ energisch sah ich sie an, doch sie reagierte nicht. Selbst nachdem ich fünf Mal ihren Namen sagte, herrschte bei ihr Stille. Kurz fuchtelte ich mit meiner Hand vor ihrem Gesicht herum. „Hallo. Erde an Bielefeld. Ist jemand da?“ meinte ich mittlerweile etwas genervt, was sie eingeschnappt zischen und die Hände verschränken ließ. Frustriert fuhr ich mir einmal durchs Haar. Ich hatte noch immer nicht das erreicht, was ich eigentlich erreichen wollte. Plan A einfühlsam mit ihr reden hatte nichts gebracht, Plan B sie herausfordern war genauso gescheitert. Ganz toll. Also würde mir nur Plan C bleiben. Ich atmete einmal tief durch, ehe ich erneut mein Glück versuchte. „Hey Schatz.“ presste ich notgedrungen heraus. Wie ich diese Kosenamen hasste. Da war ich einfach nicht der Typ für. Bielefeld ja eigentlich nicht. Aber sie verwendete es immer wieder gerne um mich zu ärgern. Und siehe da – sie hatte noch Leben in ihr. Das war sowas von klar. Jedes Mal wenn ich diese Worte in den Mund nahm, hatte sie das Gefühl, dass ihr feministischer Wille sich mal wieder durchgesetzt hatte, was ihr wiederum ein selbstgefälliges Grinsen bescherte. Manch einer meiner alten Fußballkollegen würden mich verarschen, wie weit ich gesunken war, um eine Frau zu halten. Aber die hatten doch keine Ahnung. Bedeutete das ich würde bei allen Streitereien nachgeben? - na und. Hieß es ich würde mich komplett zum Affen machen? - ist mir doch egal. Würde ich dadurch das Zepta aus der Hand geben? - ist doch wurscht. Wenn mir jemand sagen würde, ich wäre ein Weichei geworden? - scheiß drauf. Hauptsache ich hatte meinen Frieden und keine weiteren Heulattacken. Vielleicht war oder tat ich all diese Sachen. Aber wenigstens hatte ich dadurch beides. Sowohl meine Ruhe als auch meine Freundin.

„Komm mir jetzt nicht mit dem Süßholzgeraspel Fritz!“ meinte sie bereits etwas ruhiger. Gut sie hatte angebissen. Aber wie sollte ich sie versöhnlich stimmen? Welche Taktik sollte her? Welche würde nun wohl helfen? Ich entschied mich für die erste und sprach erneut ihren Namen, doch sie achtete gar nicht darauf sondern plapperte munter weiter, was mich wunderte. Normalerweise musste ich ihr sonst bei unseren Unstimmigkeiten jedes Wort einzeln herauskitzeln, was ihr Problem war. Dass sie diesmal von allein erzählte, war mir neu. Doch mir sollte es recht sein. Sie würde mir sagen, was ihr nicht passte, ich würde ihr ohne Wenn und Aber zustimmen und danach würden wir wilden Sex in unserer Wohnung haben.

(Josy) Na toll. Jetzt sah er wieder so aus, als wüsste er überhaupt nicht, was genau mein Problem ist. Das ist echt so typisch Mann. Gott ich hoffte echt, dass das in meinem Bauch ein Mädchen werden würde. Obwohl … so nen süßen Lausjunge wie Ben hätte auch etwas. Womit wir wieder beim Thema wären. „Hast du überhaupt eine Ahnung, weshalb ich sauer bin?“ Ich konnte seine Nervosität deutlich spüren. „Ich … nehme an …. wegen …. Alex?!“ Stirnrunzelnd blickte ich ihn an. War das jetzt etwa eine Frage. Ich glaub es nicht. Der wusste es wirklich nicht oder was?! Ich schnappte hörbar nach Luft und wollte gerade mit einer Predigt anfangen, als Fritz einfach weitersprach. „Josephine das war doch gar nicht ernst gemeint. Ein Scherz von Alex.“ wollte er die Sache runter spielen. Aber für mich war das kein Scherz. Eingeschnappt streckte ich meinen rechten Arm aus und zählte auf. „Weist du eigentlich wie scheiße das ist?! DU fragst mich, ob das Kind von dir wäre. Amann erkundigt sich ebenfalls und dann kommt auch noch Alex damit an.“ Mit jedem Wort wurde ich lauter und fuchtelte immer wilder mit den Händen herum. „Wer glaubt ihr alle eigentlich wer ich bin?! Steht auf meiner Stirn Flittchen oder was?!?!?! Und WEHE du antwortest darauf. Dann kannst du die nächsten Monate auf der Couch verbringen!!! Das ist sowas von unfair. Ständig wird der arme arme Mann von seinen Freunden gefragt, ob er überhaupt der Vater ist oder die Frau ihm das Kind unterschieben will?! Das ist sowas von nicht fair.“ In Rage merkte ich noch nicht einmal, dass ich meine Sätze wiederholte. Aufgewühlt fuhr ich mir übers Gesicht, versuchte mich zu beruhigen. Doch irgendwie schaffte ich das gerade nicht wirklich. Vor allem nicht, nachdem Fritz anfing zu lächeln. „Naja dich kann keiner fragen, ob das Kind auch wirklich von dir ist Josephine.“ Nach diesem Spruch klappte mir erst recht der Mund auf. „Versuchst du jetzt witzig zu sein oder was?!?!?! Nimmst du eigentlich überhaupt etwas ernst, das ich sage?! Das wars. Du schläfst heute auf der Couch.“ sagte ich bestimmt und zeigte ihm die kalte Schulter. Gerade wollte ich mich erheben, um sein Bettzeug zu holen, als er mich festhielt und mich zu ihm drehte. Einige Zeit lang standen wir einfach so da und sahen dem jeweils anderen nur in die Augen. Ich wusste nicht wieso aber irgendwie beruhigte mich sein Blick. Fritz schien zu merken, dass sich mein Gefühlszustand geändert hatte und legte seine rechte Hand auf meine Wange, über die er sogleich darüber strich. „Josephine ich war einfach nur geschockt damals. Also nicht geschockt aber überrascht. Du wolltest mich verlassen und im nächsten Moment erzählst du mir, dass du schwanger bist? Ich hatte einfach nicht nachgedacht, was ich gesagt hatte. Stell dir vor auch mir passieren Fehler. Ich halte dich nicht für ein Flittchen. Und Alex auch nicht. Das war einfach nur ein Spruch unter Männern. Okay?“ Ich fühlte mich augenblicklich wohler. Entspannt schloss ich die Augen und genoss seine Wärme auf meiner Wange. „Ich will einfach nur den Abend mit dir genießen und danach schlafen. Morgen müssen wir wieder früh raus.“ Oh ja. Abend genießen klingt schön. Moment mal. Schlagartig öffnete ich die Augen und sah ihn auffordernd an. „Und welche Erklärung hast du bitteschön für Amanns Verhalten?!“ Kurz blinzelte er auf meine Frage, ehe er sich wieder fing. Fritz wirkte, als wolle er seine nächsten Worte mit Bedacht wählen. „Josephine die letzten Monate waren wir irgendwie nie so richtig zusammen oder getrennt. Vielleicht hatte er einfach nicht mehr damit gerechnet, dass wir uns doch noch zusammen reißen.“ Ich ließ mir seine Worte durch den Kopf gehen. Die Erklärung klang irgendwie plausibel. „Oder du noch keinen anderen hast. Ist doch eigentlich auch egal. Also machen wir uns nen Gemütlichen. Es gibt da sowieso noch was, das ich …. „

Empört klappte mir der Mund erneut auf. Das war doch jetzt nicht wirklich sein ernst. Sofort schüttelte ich seine Hand ab und trat einige Schritte von ihm weg, ehe ich energisch die Hände an die Seite stemmte. „Ach ist das so? Tut mir leid dass ich nicht wie eine Nonne gelebt hab, bevor ich hier her gekommen bin. Das ist mal wieder so typisch. Aber sowas von typisch. Hat Mann einen Haufen von Frauen gilt er als der Obermacker, der Frauenheld aber kaum flirtet einmal Frau mit einem, schon ist sie eine Schlampe oder was?!“ fing ich an lautstark zu diskutieren und achtete erst gar nicht auf seine Einwände.


(Fritz) Gott diese Frau brachte mich noch irgendwann einmal in die Klapsmühle. Mit Sicherheit! Sie redete wie eine dieser Aufziehpuppen. Ob da auch irgendein Ausschaltknopf war? Wenn ja dann hätte ich den jetzt wirklich gerne. Super. Noch immer redete sie über ihren Feminismus. Mann die redet wie aufgezogen, da versteht man ja nur die Hälfte. Irgendwas von Frauenunterdrückung und Wahlrecht. Bei so viel Wissen wundert es mich echt, dass die keinen römischen Einser in Geschichte bekommen hatte. Und da sag die auch noch Geschichte wäre ihr nie gelegen. Obwohl … recht viel Frauenmacht gabs ja damals nicht wirklich. Vielleicht mochte sie das Fach deswegen nicht. Tja ich fange eben langsam an, sie doch noch zu durchschauen. Bei dem Gedanken stahl sich ein Lächeln in mein Gesicht. „Ersthaft da brauchst du jetzt gar nicht so dämlich grinsen.“ drang der Satz in mein Ohr und mir fiel wieder ein, weshalb wir hier eigentlich standen und ´redeten´. Ursprünglich wollte ich ihr mit dem Satz eigentlich zum Ausdruck bringen, dass es verständlich gewesen wäre, hätte sie sich nach der angeblichen Scheiße meinerseits einen anderen gesucht. Aber bei ihr konnte man wohl immer alles gut meinen und sie würde dir trotzdem noch etwas unterstellen. Ob sie wirklich ein Männerproblem hatte? Im Bett hatte sie die irgendwie nie. Lieber Gott schick sie mit mir ins Bett, bitte! Wenn ich die Nacht überstehe, gehe ich Sonntag in die Kirche. Ehrlich ich schwöre!!!

Mein Blick fiel auf die Uhr, die sich neben Josy befand. Spitze es war knapp elf Uhr. Das heißt wir stritten jetzt schon seit eineinhalb Stunden durch. Hatten wir das bereits ein anderes Mal auch schon gehabt? Vielleicht sollte ich ne Liste mit unseren Streitzeiten führen. Für die Nachwelt also den Männern. Wie lange kann Frau durchschreien, ehe ihr die Luft oder die Stimme ausgeht. Das wär doch mal eine interessante Studie. Tick Tack Tick Tack. Okay jetzt reichts. Ich will schlafen und zwar in MEINEM Bett. „VERDAMMT BIELEFELD!!“ schrie ich ihr so laut ich konnte entgegen. Perplex sah sie zu mir und blinzelte ein paar Mal überrascht. „Was denn?“ fragte sie mich etwas genervt nach wenigen Sekunden der Ruhe. „Aus dem Kindergarten sind wir raus. Wir ziehen uns jetzt um und gehen danach ins Bett. Verstanden!“ Meine Stimme hatte zwar eine angemessene Lautstärke aber dennoch klang sie bestimmt. Zu meinem Verwundern sagte sie nichts weiter darauf. Ohne sie anzusehen ging ich ins Schlafzimmer, wo ich mich umzog und anschließend ins Bett legte. Ich gab meinen rechten Arm unter meinen Kopf und starrte auf die Decke. Nach einigen Minuten hörte ich, dass sich Josephine doch noch auf den Weg gemacht hatte. Es hatte also doch noch geklappt, dass Bielefeld wenigstens ein einziges Mal auf mich gehört hatte. Jedenfalls würde ich diese Anschaffungsmethode definitiv als Plan D speichern.

Neben mir bewegte sich das Bett. Ich konnte ihren Blick auf mir spüren, widerstand jedoch dem Drang, sie in meine Arme zu ziehen. Dieses Mal sollte sie den ersten Schritt machen. Doch würde sie das jemals machen? Wusste ich nur zu gut, wie stur sie sein konnte. Über eine Versöhnung konnte ich mir auch noch morgen Gedanken machen. Jetzt wollte ich einfach nur noch die Augen schließen und abschalten. Ich wollte gerade wegdösen, als ich plötzlich einen Arm auf meinem Bauch spürte, gefolgt von ihrem Kopf, der sich an meine Brust schmiegte. „Fritz?“ Trotz Müdigkeit musste ich stolz schmunzeln, dass ich es geschafft hatte, mich einmal bei ihr durchzusetzen. Hmm?, war das einzige Geräusch, das ich noch heraus brachte. „Tut mir leid.“ hörte ich sie flüstern und merkte, dass sie es wirklich ernst meinte. Kurz beugte ich mich zu ihr rüber, um meine Lippen auf ihre zu drücken. Ich spùrte, wie ihre Zunge verführerisch über meine leckte. Doch anstatt den Zungenkuss zu erwidern löste ich mich von ihr und gab ihr einen leichten Kuss auf das Haar. Ich musste echt meine ganze Selbstbeherrschung hernehmen um nicht doch noch über sie herzufallen. Aber eine kleine Strafe musste sein. Frustriert schnaufte sie aus was mich zum schmunzeln brachte. Gut dass ich bereits so schläfrig war. Sonst hätte ich nicht widerstehen können.

Mit meinem linken Arm zog ich sie noch enger an mich und genoss es, sowohl sie als auch ihren Bauch, wo sich unser Kind befand, so dicht an mir zu spüren. Ja ich war mir sicher. Mögen ihre Ausbrüche auch noch so anstrengend und nervig sein – ich möchte keinen von den beiden missen. Mit dieser Erkenntnis trifftete ich endlich in den Schlaf.

(TRAUM)

Verwirrt blickte ich mich um. Kurz rieb ich mir die Augen doch noch immer befand ich mich auf Viktors Hof. War ich nicht gerade in meinem Bett gewesen? Träumte ich etwa? Es musste wohl so sein. Wie sonst könnte ich mich sonst wo anders befinden. Langsam sah ich mich um. Auf der Veranda fand ich dann endlich Josephine. Es schien als wären seitdem ich eingeschlafen war einige Jahre vergangen. Sie hatte ein paar Lachfältchen im Gesicht aber sonst hatte sich überhaupt nichts an ihr geändert. Sie war noch immer genau so eine umwerfende Frau wie einst. Ein Grund mehr, weshalb ich ihre Launen ertrage. Doch was war mit unserer Beziehung passiert? Wieso saß sie alleine dort? Wo war ich? Hatten wir uns etwa getrennt? Bei diesem Gedanken bekam ich einen flauen Magen. Ich hörte, wie sich die Terrassentür öffnete und jemand das Haus verließ. Der Mann setzte sich neben Josephine und reichte ihr eine dampfende Tasse Kaffee, welche Josy dankend annahm und ihn zulächelte, welches er erwiderte. Mein ganzer Körper entspannte sich augenblicklich, als ich erkannte, dass ich nach dieser ganzen Zeit noch immer der Mann an ihrer Seite war. Und noch immer wirkten wir genau so glücklich wie wir es jetzt schon waren. Wenn nicht sogar noch glücklicher, sollte dies überhaupt möglich sein.  Mein anderes Ich nahm Josys Hand fest in seine, während die beiden einfach nur da saßen und den anderen genossen. Sofort fiel mir der Ehering auf, den Josephine trug. Es war der selbe Ring, den ich besorgt hatte. Den Ring, den ich in Babyschuhen versteckte und Josephine eigentlich an dem heutigen Abend geben wollte. Aber ich hatte sie dennoch gefragt und wir hatten geheiratet. Scheinbar auch noch rechtzeitig. Immerhin lebte ich noch. Oder Josephines Vater hatte seine Drohung nicht wahr gemacht. Noch immer konnte ich mich an jedes Wort seinerseits erinnern. Ein uneheliches Kind würde es in seiner Familie nicht geben, hatte er damals betont gehabt. Doch ich hatte seine Bedingung erfüllt. Zumindest waren wir verheiratet.

Ich konnte nicht leugnen, dass es selbst mir bei diesem Anblick warm ums Herz wurde. Sollte das wirklich einmal meine Zukunft werden, dann konnte ich zufrieden sein. Und dennoch beschlich mich plötzlich ein ganz komisches Gefühl. Gedankenversunken runzelte ich die Stirn. Irgendetwas stimmte doch hier nicht. Etwas fehlte. Oder sollte ich eher sagen jemand fehlte? Da fiel es mir wie Schuppen von den Augen. Das Baby. Josephine war doch schwanger. Wo also war das Kind? Passten etwa meine Eltern auf es auf? Aber das ergab keinen Sinn. Wieso sollten sie darauf aufpassen, wenn Josephine und ich doch gar keine Arbeit hatten? Wollten wir etwa Zeit zu zweit genießen? Nein. Dann wären wir bestimmt in unserer Wohnung und nicht bei Viktors Hof. Dort war man nie ungestört. Was also war passiert?! Ich merkte, wie Panik in mir aufstieg. War dem Baby etwas zugestoßen? Aber das konnte doch gar nicht sein. Josephine war doch seit heute nicht mehr im Außendienst tätig. Es konnte also gar nichts geschehen sein. Aber wieso war es dann nicht da? Hatte sie eine Fehlgeburt? War unser Kind … tot? Meine Augen füllten sich bei diesem Gedanken mit Tränen. Nein das … das stimmte nicht. Das konnte nicht wahr sein. Das DURFTE nicht wahr sein. Das war doch unser Baby. Die Verbindung von Josephine und mir. Die konnte doch nicht einfach so verschwunden sein. Mein Blick fiel auf unsere Zukunfts-Ichs. Nein. Nein unser Baby lebte. Wir könnten niemals so miteinander umgehen, wenn wir unser Kind einst verloren hätten.

Ich atmete tief durch, versuchte mich wieder zu beruhigen, was allmählich auch klappte. Vielleicht sollte ich das Kind nicht sehen, weil wir uns überraschen wollten. Vielleicht spielte mir aber auch mein Unterbewusstsein einfach nur einen Streich. Bevor mich meine Gedankengänge in den Wahnsinn treiben konnten und ich vermutlich schweißgebadet und angsterfüllt aufgewacht wäre, vernahm ich eine Stimme, die Millionen Steine von meinem Herzen fallen ließ. Gleichzeitig aber staunte ich nicht schlecht, dass da plötzlich Zwillinge vor mir standen.

„Papa. Sandra flunkert schon wieder.“ kam es von einem kleinen Jungen mit blonden Haaren, der zu seinen Eltern rannte, dicht gefolgt von einem kleinen Mädchen, welches braunes Haar trug. „Lukas du bist doof. Papa das is nämlich gar nicht wahr. Der Lukas will nämlich ein Glühwürmchen sehen und der Papa von Fabi hatte wirklich mal einen Maikäfer angezündet und dann ist der ein Glühwürmchen geworden.“ erzählte die Kleine den Erwachsenen, welche bei der Geschichte grinsten. „Siehst du. Die spinnt.“ schnaubte der Kleine genervt und warf seiner Schwester einen Blick hin, den auch ich immer Josephine zugeworfen hatte. „Sandra erzählt eben genau so gerne Geschichten wie die Mama.“ Mein Ich beugte sich dicht zu dem Jungen und flüsterte ihm ins Ohr. „Und meistens waren diese Geschichten eher phantasievoll als Wirklichkeit.“ und zwinkerte ihm anschließend zu. Sowohl Sandra als auch Josephine verschränkten daraufhin gleichzeitig die Hände und sahen beleidigt drein. „Das hab ich gehört SCHATZ.“ betonte sie nach Jahren noch immer diese Kosewörter. „Ich kanns dir beweisen.“ meinte die Kleine nur darauf und rannte davon. Es war mir nicht ganz wohl bei der Sache, dass sie einfach so weg ging. Sie erinnerte mich einfach viel zu sehr an Josephine und die hatte auch immer diesen Blick drauf, bevor sie eine Dummheit oder zumindest einen Alleingang gemacht hatte. Auch mein anderes Ich hatte wohl diesen Gedanken und sprang sofort auf, um ihr hinterherzulaufen. So schnell wie möglich liefen wir ihr alle nach. Weit war sie nicht gekommen. Denn sie saß in der Nähe eines Baumes und deutete uns, still zu sein. Langsam gingen wir alle auf sie zu und blickten zu der Stelle, die sie uns zeigte. Ich dachte echt, mein Herz würde gleich stehen bleiben. Da hatte die Kleine doch tatsächlich einen gefangenen Maikäfer angezündet. Ich glaubte es einfach nicht. „Darüber reden wir noch junge Dame. Wie oft habe ich dir gesagt, du sollst nichts Gefährliches anstellen!!!“ fing mein Zukunfts-Ich mit seiner Tochter zu schimpfen. „Ach komm Fritz. Ist ja nichts passiert. Bei uns in Bielefeld sind wir in dem Alter sogar schon mit dem Traktor gefahren. Und nicht nur mit dem.“ beschwichtigte Bielefeld wie immer und machte eine Handbewegung, als wolle sie die Sache einfach runter spielen. „BIELEFELD!“ warf Ich ihr einen bösen Blick zu und sah sie warnend an. „Echt? Mama darf ich Traktor fahren? Bitte bitte bitte.“ bettelte die Kleine, doch mein anderes Ich verneinte. Josy lächelte und beugte sich zu ihrer Tochter „Sicher. Wenn der Papa und Lukas mal beim Fußball sind.“ Ich wollte gerade Josephines Verschwörung kommentieren, als Lukas auf die Stelle hinterm Baum zeigte. Wir alle staunten nicht schlecht, als plötzlich ein ganzer Glühwürmchenschwarm auftauchte. Zufrieden stemmte Sandra ihre Hände seitlich dagegen und sah ihren Bruder an. „Siehst du Lukas. Ich habs dir doch gesagt. Ich bekomme fünf Euro von dir!“ meinte sie mit einem Siegerlächeln und streckte anschließend die Hand aus. Lukas murrte, holte danach jedoch den Schein aus seiner Hosentasche und übergab ihn schweren Herzens seiner Schwester. Die Kleine hatte es wirklich faust dick hinter den Ohren. Der Maikäfer war zwar nicht zum Glühwürmchen geworden, hatte jedoch wirklich eine ganze Schar davon angelockt. Das war Bielefeld wie sie leibt und lebt. Und auch die Miniausgabe würde mal genau so werden wie sie. Kein Wunder, dass ich bereits das ein oder andere graue Haar hatte. Dennoch freute ich mich bereits auf diese Zeit. "Ich liebe dich Fritz" kamen ihre Worte aus vollem Herzen, was mich berührte. „Ich dich auch, Bielefeld.“ hörte ich von meinem anderen Ich sagen und lächelte sie dabei ebenfalls an.

Ich musste lächeln, dass ich nach all den Jahren noch immer diesen Spitznamen in Gebrauch nahm. Ja das war sie, meine Bielefeld. Und das würde sie auch für immer bleiben.


Vielen Dank an alle die meine FF gelesen haben. Einen großen Dank an die ReviewschreiberInnen. Durch euch hatte ich immer Motivation weiterzumachen. Ihr seid toll!!!
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